Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Achtung: Gewitterwarnung!
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- Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler. Das ist Rambo Zambo, der März-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht. Mit euren Hosts Carlotta Richter und Julia Emrich. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambuzambo, dem Podcast, in dem wir einmal in der Woche über das sprechen, was unser Bundeskanzler Friedrich Merz und die Bundesregierung in Berlin so machen. Und ich bin sehr froh, dass endlich mir wieder Julia gegenüber sitzt. Ich bin auch sehr froh, Carlotta, dass ich wieder bei dir bin. Du wurdest natürlich ganz toll vertreten, aber trotzdem ist es einfach nur original, wenn du da bist. Es fühlt sich gut an, Carlotta. Sag das nochmal. Wie ging es dir in deiner Zeit? Hast du Friedrich Merz und die Bundesregierung sehr vermisst? Natürlich nicht. Man ist einfach nach diesem halben Jahr. In dem wir über Neuwahlen, Bundestagswahlkampf, Regierungsbildung, Erste Interviews mit den Ministern, erste Reisen, über die wir beide hier viel gesprochen haben. Nachdem man das alles so sehr hochtaktisch erlebt hat, einfach auch mal vor Pause zu machen. Und diese Pause, glaube ich, würde nicht nur uns Journalisten gut tun, sondern auch dem kompletten Kabinett und allen, die zur Regierung dazugehören. Aber irgendwie ist mein Eindruck, ich komme zurück und so richtig Pause ist nicht. Es ist so eine komische Lage, ist mein Gefühl. Du warst jetzt ja ein paar Wochen raus und hast dich anders als wir nicht jeden Tag damit beschäftigen müssen. Welche neue Krise und welche neue Debatte es gerade in der Koalition gibt? Was ist dein Eindruck, wie ist die Stimmung aktuell? Also die Stimmung ist, ich muss mal, klar, wenn man aus dem Urlaub kommt, fallen einem meteorologische Metaphern ein. Ich habe so ein Gefühl, es ist ein bisschen wie so eine Gewitterstimmung. Also es krummelt mal, es gibt mal ein paar Blitze, es donnert mal und irgendjemand sagt, hey, das kommt nicht. Das ist in diesem Fall der Kanzleramtsminister, der immer sagt, nee, es läuft alles und wir reden über alles und läuft gut. Und trotzdem jeder, der es von außen beobachtet und die dunklen Wolken sieht und das Gesamtgeschehen betrachtet, merkt, nee, ist eben nicht schönes Wetter gerade. Noch regnet es nicht, aber im Herbst wird es regnen. Sprich, übertragen jetzt mal, wir lösen die Metapher auf. Jeder weiß, dass im Herbst richtig was ansteht. Die großen Reformen, die im Moment nur sozusagen am Horizont erscheinen, werden ganz konkret auf dem Tisch liegen. und natürlich. Es streit darüber, wie man die großen Sozialreformen anfassen wird, wie man sie lösen wird. Wir haben zwar einen Koalitionsvertrag, aber wir merken einfach, die geeinten Kompromisse haben eine kurze Halbwertzeit. Und das macht, glaube ich, diese gewittrige Stimmung in diesem Sommer aus, dass natürlich jeder, der was dazu sagen will und natürlich von uns Journalisten auch gefragt wird, Ideen hat, Positionen schon mal bezieht, die dann wiederum alle anderen auffordert, gegenzuhalten. Und das ist so diese Stimmung. Also es krummelt, es ist nicht wirklich Ruhe und von Sonnenschein ist bei weitem nichts zu sehen. Man könnte es vielleicht so zusammenfassen, Julia, das Kabinett sucht Geld. Deutschland sucht Geld. Nicht den Impfpass, wie die Werbung damals, sondern Geld. Ja. Denn wir wissen jetzt, dass bis 2029 im Bundeshaushalt ein Loch in Höhe von 172 Milliarden Euro gestopft werden muss. Und wir sprechen heute über die Themen, die erstmal vermeintlich ein bisschen unsexy klingen, nämlich die Sozialreform. Du hast es gerade schon gesagt, die stehen an im Herbst. Warum ist das so wichtig? Dazu muss man sagen, dass Deutschland im Grunde seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten, auf ein riesiges Problem zuläuft. Das hat etwas mit der alternden Gesellschaft zu tun. Das hat etwas natürlich mit den hohen Zuzugszahlen zu tun. Die öffentlichen Kassen sind leer und das merken wir jetzt vor allem in den Bereichen Rente, Pflege und Gesundheit. Das sind alles drei Töpfe sozusagen, in denen große Milliardenlöcher klaffen. Und bei allen diesen Töpfen ist in den letzten Jahren immer versucht worden zu stopfen, hier ein bisschen zu entlasten, da ein bisschen gegen zu steuern. Aber im Grunde ist bei allen drei großen Töpfen die Mega-Frage offen, wie kann man diese Systeme zukunftssicher machen? Wie kann man es so machen, dass, Carlotta, wenn du in 30 Jahren in Rente gehst, vielleicht musst du auch 40 arbeiten, jetzt haben wir eine Aussage über dein Alter getroffen, dass dann immer noch in irgendeiner Form soziale Sicherung, Sozialstaat möglich ist. Dass nach dem jetzigen Stand wäre das nicht mehr. Nach dem jetzigen Stand gingst du leer aus. Das soll nicht sein. Und auch in den Jahren dahin muss was passieren. Das ist das große Thema. Diese Koalition hat sich das vorgenommen. Formal haben sich das alle Koalitionen davor vorgenommen. Aber diese steht definitiv vor der Aufgabe. Was natürlich auch daran liegt, dass man immer der Ansicht ist, dass natürlich große Koalitionen von SPD und Union, auch wenn man über Großen natürlich immer streiten kann, schon die große Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren könnten und deshalb dann auch große Reformen, schmerzhafte Reformen am ehesten durchziehen könnten, anders als Koalitionen, die dann aus eher Kleinparteien bestehen, beziehungsweise nur von einer Seite etwa dann der konservativen Seite oder der linken Seite gebildet werden. Das heißt also, die haben eine Möglichkeit, die haben eine Chance und die haben eine Pflicht. Sich zu einigen. Wollen das auch, aber es wird schwer und wir sehen jetzt schon in den zurückliegenden Monaten, wo das Thema der großen Reform überhaupt noch nicht auf dem Tisch liegt, wie sehr sie sich bei kleinsten Fragen schon an den Rand der Katastrophe streiten. Stromsteuer war so ein Stichwort, über das wir hier ja auch schon gesprochen haben. Wir haben es jetzt, darüber habt ihr in den letzten Folgen viel geredet, bei so einer scheinbaren Nebensache wie. Verfassungsrichterinnenwahl gesehen. Also man merkt irgendwie die Nerven, ich will nicht sagen liegen blank, aber in der Unionsfraktion ist glaube ich so ein bisschen das Grundgefühl, wir sind hier im falschen Film. Der Film ist ein linker Film und wir wollten doch gar keinen linken Film gucken. Und in der SPD, in der SPD-Fraktion ist glaube ich ein bisschen das Gefühl, wieso müssen wir jetzt eigentlich immer stillhalten und alles mitmachen und brav sein und die Klappe halten, wenn die Unionsleute permanent auf den Baum gehen. Also es ist schon so ein Rumoren und wir dürfen nicht vergessen, Stichwort Kanzlerwahl, wir haben es alle gemerkt, es gibt entscheidende Stimmen, die im Zweifel nicht zur Verfügung stehen und die haben nur zwölf Stimmen über dem Durst. Genau, die große Koalition ist nämlich gar nicht so groß. Das kommt noch dazu. Und das ist so ein bisschen die Lage, dazu kommt, auch darüber haben wir ja gesprochen und ihr auch nochmal in den letzten Wochen, Es gab mal so eine Art Zwischenhoch, jetzt bin ich schon wieder meteorologisch, schimpft mich nicht. Wo man das Gefühl hatte, die Stimmung wird besser. Und März bekommt doch ein bisschen mehr Zustimmung, als man zunächst erwartet hatte. Es gibt so einen kleinen Turn. Das war aber vor allen Dingen auch in der Zeit, in der diese ganzen Auslandsthemen und auch Auslandsreisen passiert. Definitiv. Er strahlte, er war der Außenkanzler. Wir waren sichtbar wieder. Er hat ein paar gute Moves gemacht. Wir erinnern uns an den Auftritt im Oval Office, wo alle gesagt haben, okay, Chapeau, hat er gut gemacht. Das zahlte alles ein. Das verpufft aber gerade. Die allerjüngsten Umfragen sehen Union und AfD wieder gleich auf. Und das lässt natürlich die Alarmgurken schrillen und die Nervosität steigt. Jeder ist natürlich jetzt besonders darauf bedacht, die eigenen Umfragewerte wieder besser zu machen. Und das verheißt nichts Gutes für den Herbst und das ist die Gewitterstimmung. Wie optimistisch bist du denn, dass die Koalition es tatsächlich schafft, sich bei diesen großen, großen Themen auf wirklich auch große Reformen, die da nötig sind, zu einigen nach dem, was wir bisher so gesehen haben. Du hast ja gerade schon gesagt, Thorsten Frei ist sehr optimistisch. Ich bin mir da nicht ganz so sicher. Es gibt kein Regen, sagt Kloska. Er sieht auch keine Schlechtwetterstimmung. Wenn es nur um die Rente ginge, wenn es nur um die Pflege ginge, wenn es nur um die gesetzlichen Krankenkassen ginge, würde ich sogar sagen, das schaffen die. Also ein großes Ding schaffen die. Aber es kommt auch noch das Bürgergeld hinzu und in allen drei Punkten gibt es noch keinen wirklichen großen Lösungsansatz. In allen drei großen Fällen wollen sie Kommission gründen, haben sie zum Teil schon gegründet, die haben Arbeitsaufträge bekommen. Aber jeder weiß, und das ist inzwischen auch so eine Binse, gründest du eine Kommission, hast du keine wirklich durchgreifende Idee und konntest dich vor allem auch in den Koalitionsgesprächen nicht wirklich auf ein gemeinsames Einigen. Also lässt man die Experten ran und wir haben auch gesehen, wenn die Experten ein Ergebnis vortragen, heißt das noch lange nicht, dass das in Politik umgesetzt wird. Wir erinnern uns an die große Kommission zur Reform Paragraf 218, Abtreibungsrecht. Die Kommission macht einen Vorschlag, die Politik sagt, ja, danke schön, guter Idee. Meine Hoffnung ist groß, die ist aber gespeist von einem, die müssen es hinkriegen. Wenn die es nicht hinkriegen, wer denn dann? Welche Konstellation sollen wir denn haben, die das hinkriegt? Und dennoch ist meine Skepsis auch maximal groß. Dabei sind sich eigentlich alle grundsätzlich einig. Grundsätzlich ist klar, die Beiträge sollen nicht steigen. Weder für die Pflege, noch für die Krankenkasse, noch für die Rente. Also die Leute sollen nicht stärker belastet werden in der Summe. Aber in all den Punkten, und da kann man das wirklich verallgemeinern, weiß man eben nicht wirklich, was man stattdessen tun soll. Soll man Leistung kürzen? Also in der Pflege, bei der Gesundheitsversorgung wäre die große Frage, wo bitteschön. Soll man umverteilen von oben nach unten ich sehe schon die Union, nope auf gar keinen Fall, natürlich kann man immer wieder überlegen, ob man strukturell also mehr einzahlen lässt oder nicht, aber das sind natürlich alles Sachen, wo sofort ideologische, weltanschauliche, Schmerzpunkte erreicht sind und da gibt es eben keine Einigung, da gibt es Kommissionen und da fängt mein Pessimismus an. In der letzten Folge habe ich Jörg gebeten, unseren Chefredakteur Jörg Hoß, der letzte Folge zu Besuch war, eine Einschätzung abzugeben, ob er glaubt, dass die Koalition die vier Jahre durchhält. Ich glaube, ich habe dich noch gar nicht gefragt. Deswegen frage ich dich jetzt mal, Julia. Was ist deine Einschätzung? Werden sie es schaffen? Ich frage mich im Herbst noch mal. Ich glaube, dass wir im Herbst ein Gefühl dafür kriegen, ob nach diesem Sommergewitter, ich reite die Metapher jetzt einfach mal zu Tode an der Stelle. Ob wir nach diesem Sommergewitter wirklich mal klare Sicht kriegen und alle wissen, jetzt zählt es und alle, die in den letzten Wochen vielleicht sich auch handwerkliche Fehler geleistet haben. Vielleicht Sachen nicht so gut vorbereitet haben, wie sie es hätten tun sollen. Stichwort Verfassungsrichterin Wahl, Stichwort Fraktionschef Jens Spahn, der da sicherlich keine gute Figur abgegeben hat. Aber auch Kanzleramtschef Frei, der bei der Stromsteuer nicht dabei war, als es hart auf hart war. Wo also die Leute, die eigentlich dazu da sind, Handwerk, Regierungshandwerk auf den Tisch zu legen, wenn die nicht so performen, wie sie sollten, dann wird es schwierig. Also, vielleicht kommen die alle aus der Sommerpause und wissen, es jetzt zählt, jetzt müssen wir. Aber meine Sorge ist eben groß, dass es nicht reicht und dass die Nervosität, die durch die schlechten Umfragen entsteht, die dann auch langsam Richtung Landtagswahlen im nächsten Jahr möglicherweise sich noch verschärft, dass dann wirklich eine Situation entsteht, wo wir verdammt oft an die Ampel erinnert sein werden. Friedrich Merz wollte ja im Sommer eine Pause machen, um nachzudenken über die ganzen großen Vorhaben. Ich glaube, er wollte auch, dass seine Koalitionäre nachdenken, erstmal für sich. Sie denken aber aktuell ziemlich laut nach, weil wir haben diverse Vorstöße, Vorschläge, Ideen, die schon in die Welt gesetzt wurden. Du hast es schon gesagt, diversen Interviews, die im Sommer eben so geführt werden. wie man denn jetzt eigentlich Geld sparen könnte und wie diese ganzen großen Reformen aussehen könnten, die du gerade schon angesprochen hast. Ein Vorschlag wurde ganz besonders viel diskutiert und das ist der von CSU-Chef Markus Söder. Der hat sich nämlich im ZDF-Sommerinterview dafür ausgesprochen, dass ukrainische Geflüchtete per se gar kein Bürgergeld mehr bekommen sollen. Wir können ja vielleicht auch noch mal kurz reinhören. Es muss endlich dafür gesorgt werden, dass jeder Arbeit annehmen muss, der arbeiten kann. Und es muss zum Beispiel auch bei den Ukrainern dafür gesorgt werden, dass Ukrainer nicht mehr Bürgergeld sind. Und zwar am besten nicht nur für die, die in der Zukunft kommen, sondern für alle, weil es die einzige Land der Welt ist, dass das so stattfindet. Deswegen sind bei uns auch so wenig Menschen aus der Ukraine in Arbeit, obwohl sie gute Ausbildung haben. Das ist das Neue? Also Rückwirken für die Ukrainer? Das wäre eigentlich das Beste, also dass es sozusagen jetzt kein Bürgergeld mehr gibt. für alle diejenigen, die aus der Ukraine gekommen sind. Was heißt denn, wäre es am besten? Woran liegt es? Sie sind mitregierend. Liegt an der SPD? Muss man durchsetzen. Wir haben vereinbart für alle Neue. Aber wir spüren ja gerade, dass die wirtschaftliche Lage durch die Zölle sich noch mal verändert. Also wir brauchen ein Update. Wir brauchen jetzt ein Update noch mal, was für uns wirtschaftlich notwendig ist. Das ist ja nicht das, Julia, was im Koalitionsvertrag steht. Nee, das ist es nicht. Und das fällt eben unter diese Überschrift Deutschland sucht Geld. Markus Söder glaubt es in diesem Punkt gefunden zu haben, Markus Söder ist ein schlauer Politiker, ist ein taktisch kluger Politiker und ich würde sogar sagen, er weiß, dass sein Vorschlag toll klingt. Aber bei einem tieferen Blick in die Gesetzeslage und in die tatsächlichen Verhältnisse doch relativ schnell in sich zusammenfällt. Die Frage ist, warum er es trotzdem macht. Natürlich klingt es super. Wir haben hohe Kosten für Bürgergeld. Wer kriegt das alles? Ah, die ukrainischen Flüchtlinge. Dann hören wir damit mal als erstes auf. Außerdem arbeiten die vielleicht nicht so viel wie in anderen Ländern. Also sollen sie entweder arbeiten oder nein, Quatsch, wir machen das mal. Also es sind so leichtgängige, sofort für jeden scheinbar verständliche Maßnahmen, die sofort ordentlich Geld in die Kassen spülen könnten. Und dieser Konjunktiv ist genau das Problem. Wir haben einfach eine Gesetzlage, die das gar nicht so umsetzen ließe. Denn es gibt viele Faktoren, die die ukrainischen Flüchtlinge, die jetzt schon da sind und die schon ja oft seit mehreren Jahren da sind, in eine Situation bringen, wo ihnen das Bürgergeld oder zumindest Zahlung in dieser Höhe per Gesetz zustehen. Das kann man ihnen nicht einfach wieder nehmen. Das kann man auch nicht rückwirkend einfach machen. Da gibt es Regelungen, die dem widersprechen. Man müsste praktisch das ganze Sozialgesetzbuch komplett ändern. Hätte aber dann Folgeprobleme. Also Söder weiß im Grunde auch, dass das nicht einfach mit einem Handschlag so geht. Trotzdem ist die Forderung in der Welt und es klingt erstmal super. Er kriegt auch Applaus dafür von vielen Seiten. Natürlich von denen, die wissen, welche Schwierigkeiten es macht. Die sind auf dem Baum und die sagen, wie kann man nur so eine leichtgängige, aber im Grunde irreführende Forderung aufstellen. Man muss ja auch wirklich sagen, das Bild, das Söder da vermittelt, das deckt sich einfach nicht mit der Studienlage, das deckt sich nicht mit dem, was ExpertInnen sagen, was ExpertInnen ja auch beobachten. Es gab im vergangenen Jahr eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, IAB. Dass sich das auch angeschaut hat und dass zu dem Schluss gekommen ist, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Beschäftigungsquote und den Pro-Kopf-Ausgaben, also zum Beispiel eben Transferleistung, wie dem Bürgergeld gibt, die sich nachweisen lässt. Es gibt diese Unterschiede, die Markus Söder ja auch angesprochen hat im europäischen Vergleich, aber dafür gibt es eben auch Erklärungen, die nicht das Bürgergeld sind, sondern da spielt es unter anderem eine Rolle, wie in unterschiedlichen Ländern erfasst wird, was erfasst wird als Beschäftigung. Es hat auch damit zu tun, welchen Ansatz die unterschiedlichen Länder in der Integration von Geflüchteten fahren. Deutschland zum Beispiel setzt auf Sprache zuerst und dann Integration in qualifizierte Beschäftigung. Das Ziel ist also, dass die Geflüchteten quasi den Job machen, den sie auch gelernt haben und dann in eine qualifizierte Beschäftigung gehen. Und in anderen Ländern, zum Beispiel in Polen, gibt es einen großen Bedarf an unqualifizierter Beschäftigung. Da geht es dann nicht darum, dass man eben zuerst die Sprache lernt und dann Arbeit findet, sondern da werden die Leute eben ganz schnell in den Arbeitsmarkt integriert, machen dann aber unqualifizierte Beschäftigung, was langfristig. Gar nicht so viel bringt, weil sie eben sehr viel schneller auch wieder ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt. Merkst du was? Du musst mehrere lange Sätze bilden, um die Lage zu erklären, um die Lage präzise zu erklären, um Unterschiede und Differenzen wirklich sichtbar zu machen. Das macht Markus Wöder alles nicht. Er führt seinen Vorschlag gar nicht aus, sondern haut einfach so einen Satz raus, kriegt Applaus, weil ist so einfach, ist so eine einfache Lösung. Carlotta, zuhören und die Erklärungen und die unterschiedlichen Studien kennen und die gesetzlichen Regelungen kennen, oh, anstrengend, wollen wir nicht und es könnte ja zu dem Schluss kommen, dass wir keine einfache Lösung haben, Geld zu finden. Das ist genau das, was gerade läuft. Ich hau mal eben eine Sache raus, klingt super, bloß nicht weiter nachdenken, bloß nicht weiter erklären. Das ist im Moment ein bisschen das Problem. Die Bundesregierung will ja das Bürgergeld generell reformieren. Das steht an, das soll im Herbst passieren. Und natürlich gibt es in diesen komplexen Regelwerken, Sachen, die man besser machen muss. Dass die Leute wirklich in Arbeit kommen. Dass diejenigen, die arbeiten können, einfach noch viel stärker animiert werden, etwas zu tun. Und natürlich gibt es auch eine, darüber streiten sich natürlich die Experten, eine gewisse Zahl von Menschen, die vielleicht wirklich arbeiten könnten und die sich wirklich in diesem Sozialstaat ein wenig eingerichtet haben und ausrufen. Ja, das mag es gehen. Und sicher ist es sinnvoll, auf das Bürgergeld zu gucken und nachzujustieren in einer Phase, wo wir uns fragen müssen, wir haben nicht unendlich Geld, wofür geben wir es aus und wenn wir weiterhin Pflege finanzieren wollen und wenn wir weiterhin gute Krankenversorgung finanzieren, dann müssen die, die arbeiten können, arbeiten. Das würde ich grundsätzlich als Prinzip auch sagen. Aber das muss eben präzise und klar und dann auch realistisch gemacht werden und nicht mit so einem, ich hau im Sommerinterview mal eben raus, lass mal alle Ukrainer aus dem Bürgergeld nehmen. Blöd. Zumal diese Forderung ja vor allen Dingen dann rückwirkend gilt. Da haben auch ganz schnell die Kommunen gesagt, jetzt rückwirkend alle UkrainerInnen aus dem Bürgergeld rauszunehmen, das ist so ein großer bürokratischer Aufwand. Neben den ganzen anderen Punkten ist es auch noch zusätzlich ein kostspieliger und bürokratischer Aufwand, der am Ende wahrscheinlich ein Nullsummenspiel ist, weil man ein bisschen weniger Leistung auszahlen würde und dafür aber sehr viele andere Kosten hätte. Und wem hilft es am Ende, mit solchen einfachen Forderungen durchs Land zu ziehen? Du hast es gesagt, Markus Söder hat diesen Satz am Wochenende im Sommerinterview gesagt und schon wenige Stunden später hat die AfD-Fraktion laut getönt, ich zitiere mal, Markus Söder übernimmt nun eine Kernforderung der AfD-Fraktion. Wir begrüßen ausdrücklich, dass er sich für die Streichung des Bürgergelds für ukrainische Staatsangehörige ausspricht. Yippie, ja, yay, Applaus. Ja, du kannst jetzt immer sagen, man sollte von guten und klugen politischen Auffassungen nicht abweichen, weil die Falschen applaudieren. Aber man sollte sich, glaube ich, schon fragen, warum es da eine 100 Prozent Übereinstimmung gibt und ob das eigentlich so sein sollte. Man sollte möglicherweise von populistischen Forderungen abweichen, wenn die genau so von der AfD auch kommen. Nämlich dann kann man ja auch das Original wählen bei der nächsten Wahl. Dann muss man nicht die Kompromisspartei CSU wählen. So könnte man das dann nachher sehen. Und das ist natürlich eine Riesengefahr. Und ich glaube, das ist auch der Ärger, den Söder mit solchen Sätzen auslöst. Jetzt mal ganz abgesehen davon. Wir haben jetzt ganz viel über die inhaltliche Ebene geredet und über die Durchsetzbarkeit solcher Forderungen. Es ist ein Move, den Friedrich Merz auch falsch verstehen könnte und der natürlich das Klima in der Koalition zusätzlich belastet. Und alle wissen, wir haben eben darüber gesprochen, im September neben all den großen Reformen ist auch das Bürgergeld dran. Das ist ein SPD-Thema, ein Thema der Arbeitsministerin Bärbel Baas. Und es ist natürlich nicht besonders hilfreich, wenn ein Markus Söder von der Seitenlinie jetzt sagt, ach im Übrigen, ich hätte da nochmal ein paar weitere Forderungen. Kann er ja machen. Gibt es ja einen Koalitionsausschuss für. Da könnte man ja drüber reden. Aber nein, öffentlich, Sommerinterview, Seitenlinie, vor Schienbein von Bars, das kann Friedrich Merz nicht gefallen. Was ja auch vor allen Dingen dazu geführt hat, dass Bärbel Baas sich dazu genötigt gefühlt hat, darauf einzugehen und diesen Vorschlag erstmal abzuräumen. Sie hat gesagt, wir sollten uns alle auf den Koalitionsvertrag konzentrieren. Das kann ich nur allen anraten. Ansonsten haben wir ganz andere Probleme in dieser Koalition. Das trägt nicht zu dem Bild bei, dass diese Koalition geeint ist und zusammen die großen Themen angeht. Ich fürchte nur, das wird nicht der letzte Vorschlag von Söder gewesen sein, das wird überhaupt nicht der letzte Vorschlag gewesen sein. Wir haben ja auch schon ein paar andere gehabt, die von der Tonalität her ähnlich waren. Eine einfache Lösung, die die Sache aber nicht wirklich einfacher gemacht hat. Die Wirtschaftsministerin Katharina Reiche ist jetzt schon ein paar Tage länger her, hat es im Grunde ähnlich gemacht mit, Leute, wir müssen alle länger arbeiten. Ich sage nicht genau, wie das alles gehen soll, aber das ist natürlich in den Ohren vieler eine Anhebung des Renteneintrittsalters, was natürlich de facto bedeutet, dass es eine Rentenkürzung unterm Strich bedeutet, weil bis du deine Rente bekämst, müsstest du länger arbeiten. Relativ unabgesprochen, relativ ungeeint. Natürlich war auch da die SPD sofort auf dem Baum. Und auch der Kanzler hat sich interessanterweise sehr defensiv verhalten an der Stelle, ist also seiner Ministerin nicht gefolgt und hat sie überhaupt ziemlich allein gelassen mit dieser Forderung. Weil Merz natürlich weiß, wenn er jetzt auch noch so eine Sache aufmacht, dann kommt er mit der SPD überhaupt nicht mehr auf einen grünen Zweig in diesen Herbstverhandlungen. Das ist im Moment alles ein bisschen profilieren. Wir haben es bei Söder schon, das ist Ego, das ist Vorkommen, das ist eine Debatte auslösen. Natürlich spielen wir Medien da mit, weil was auf dem Markt ist, muss natürlich auch beschrieben und eingeordnet werden. Aber ja, auch das ist so ein Ding gewesen, wo man sich sagt ... Tut es der Sache gut? Kommen wir nachher wirklich mit einer Lösung raus und kommen wir überhaupt mit einer Lösung näher? Oder haben wir alle mal wieder uns furchtbar aufgeregt oder toll applaudiert, aber passiert ist nichts. Und einfacher ist es auch nicht geworden. Ja, genau. Da geht es darum, dass es ja auch eine große Rentenreform geben soll und geben muss. Nach der Sommerpause beginnt eine Expertenkommission, damit sich mit Ideen und Vorschlägen zu beschäftigen und schon jetzt werden aber da diverse Ideen in einen Topf geworfen, eben unter anderem von Reiche, die sich dann dafür ausgesprochen hat, dass mehr gearbeitet wird. Sie hatte gesagt, der demografische Wandel und die weiter steigende Lebenserwartung machen es unumgänglich. Die Lebensarbeitszeit muss steigen. Das war ein Interview, das sie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegeben hat. Möglicherweise hat Merz, auch deswegen nichts dazu gesagt, weil er gelernt hat aus dem ersten Mahl, in dem er von allen gefordert hat, dass wir mehr und effizienter arbeiten, das ja doch einen ziemlich großen Backlash ausgelöst hat. Und diese Forderung von ihm, vielleicht hat er sich gedacht, jetzt halte ich mich bei dem Vorschlag zumindest erstmal zurück und sage nichts dazu. Andere dafür haben weitere interessante Vorschläge, weil du das Stichwort Rente natürlich gerade gesagt hast. Interessant ist, dass zwei Leute, die mal um den gleichen Job gekämpft haben, die eine hat es gekriegt, der andere nicht. Die Rede ist von Bärbel Bas und Carsten Lindemann, sprich es geht um das Arbeits- und Sozialministerium dass zwei Leute die Beamten in den Fokus nehmen bei der ganzen Frage also Lehrer. Zollbeamte, Polizisten, alles das, was Staatsdienst ist. Und während Bärbel Baas ja schon vor längerer Zeit gesagt hat, naja, Rente stabilisieren, was können wir da machen? Lass mal die Beamten auch in die Rentenkasse einzahlen. Darüber kann man reden, darüber kann man streiten. Da gibt es aber auch viele Argumente dagegen, unter anderem. Klar, sie zahlen ein, aber am Ende müssen sie auch ausgezahlt kriegen. Also sprich, es kann zu einem Nullsummenspiel führen. Dann kommt Carsten Lindemann, CDU-Generalsekretär, jetzt mit der Idee, na dann lass halt mal insgesamt weniger verbeamten. So rum könnte man das ja auch mal. Also man merkt nicht so, Deutschland sucht das Geld. Lass mal auf die Beamten gucken. Carsten Lindemann sagt jetzt, es gibt so ein paar Berufsgruppen, da brauchen wir unbedingt das Berufsbeamtentum. Also hoheitliche Aufgaben, Polizei, Zoll, diese Dinge. Aber schon bei den Lehrern ist er da nicht mehr so klar. Er war schlau genug nicht zu sagen, ich beamte keine Lehrer mehr. Also im Ausschlussverfahren hat er das formuliert. Aber das sind natürlich alles Sachen, die jetzt eine Rolle spielen. Und ein Traum wäre ja, wenn sich solche Sozialpolitiker wie Baas und Lindemann zusammensetzen würden und sagen, wir müssen bei den Beamten ran. Das ist eine super Zielgruppe. Und damit kriegen wir möglicherweise einen Turnaround in der Rente. Lass uns gemeinsam was Cooles überlegen, was durchgerechnet ist, was funktioniert, was geeint ist. Aber nein, der eine geht auf die Bühne, der andere geht auf die Bühne. Und was im Endeffekt bei den Leuten ankommt, ist Streit. Ich glaube, sie müssen sich wirklich Gedanken machen. Allen in dieser Koalition ist, glaube ich, bewusst und sie wollen das ja auch alle unbedingt, dass dieser öffentliche Streit nicht zuträglich ist, dass man aufhören muss damit, mit diesen Debatten. Vor allen Dingen, der eine macht einen Vorschlag, der andere räumt den direkt wieder ab und die Koalition wirkt einfach insgesamt ungeeint. Das heißt ja nicht, dass man in einer Koalition nicht über Inhalte diskutieren darf, aber dieses ständige, ein Vorschlag kommt und wird aber direkt wieder abgeräumt vom nächsten oder es kommt ein Vorschlag, der so aber überhaupt nicht umsetzbar ist und das ist aber möglicherweise eigentlich den Beteiligten schon ganz klar, dass das so sein wird oder dass die andere Partei das direkt wieder abräumen wird. Ich glaube, sie müssen sich wirklich nochmal über den Sommer Gedanken machen, wie sie das besser hinkriegen. Weil aktuell ist das so, das Gefühl ist, sie wissen es besser, aber sie handeln nicht entsprechend ihres Wissens. Das Interessante ist ja, für die SPD kann man das nicht sagen, weil die war in der letzten Regierung. Aber die Union hat ja der Ampel genau das vorgeworfen. Was für ein katastrophales Bild von Deutschland und so weiter. Und sie merken es ja jetzt. Sie merken, dass die Leute keinen Bock auf Streit haben. Die Leute haben keinen Bock auf diese Auseinandersetzungen. Die wollen funktionieren sehen. Ich sage jetzt mal ganz banal und jetzt vereinfache ich mal. Nenne mich Markus Söder, so ein Trump-Moment. Also so ein Ding wie, Merz macht es gut. Das wollen die Leute doch. Sie wollen doch sehen, dass ihre Regierenden funktionieren. Dass sie ihren Job gut machen. Und ihre Energie in Einigung und in Lösung stecken. Das ist, glaube ich, schon ein Grundbedürfnis. Und davon müsste man vielleicht mal ausgehend weitermachen im Herbst. Aber ja, du hast mich eben gefragt, ich bin sehr skeptisch, ob das gelingt. Ja, also aktuell sieht es zumindest nicht so aus. Vielleicht wird es ja über die Sommerpause hinweg doch noch den einen oder anderen Moment geben, für die Koalition in sich zu gehen und sich zu überlegen, wie man nach der Sommerpause in diese wirklich großen, großen Reformen reingehen könnte. Und vielleicht wäre es auch ratsam, nicht jede Idee, die man aktuell hat, direkt in einem Sommerinterview preiszugeben. Ja, kostet Disziplin, kostet Zurückhaltung und ist natürlich auch eine Typfrage. Und ich bin sehr gespannt, wie Merz das moderieren wird. In früheren Koalitionen gab es im Sommer oft so Sommerklausuren auf Schloss Meseberg. Vielleicht erinnerst du dich, vielleicht erinnert sich der ein oder andere, die ein oder andere an diese wunderbaren Bilder am großen Tisch, weiße Laken, Brandenburger Sommer, ob das am Ende was gebracht hat oder nicht. Aber vielleicht sucht und findet Merz auch noch eine Form, die Leute noch mehr aneinander zu binden. Aber im Moment, glaube ich, sucht er noch und hat noch nicht die Antwort. gefunden. Wahrscheinlich werden wir in den nächsten Wochen. Das sage ich aktuell jedes Mal zum Ende der Podcast-Folge, aber leider ist es so. Wir werden weitere Ideen haben. Wir werden weitere Ideen haben. Also mein Sommergewitter wird noch weiter uns beschäftigen. Definitiv. Wir können auch hier gerne mal selber Ideen entwickeln. Nein, tun wir natürlich nicht. Wenn ihr eine Idee habt, wo die Koalition die fehlenden Milliarden finden könnte. Goldvorräte in euren Gärten oder auch etwas sinnvollere Ideen, Schreibt uns doch mal eine Mail an rambuzambu at funkemedien.de oder slide in unserer DMs auf Instagram oder TikTok. Wir würden uns auf jeden Fall sehr freuen. Vielleicht freut sich auch Friedrich Merz über eine gute Idee. In diesem Sinne, Julia, schön, dass du wieder da bist. Es war mir eine Freude mit dir und bis nächste Woche. Bis nächste Woche, Carlotta. Tschüss. Danke.