Latest / Gegen den Strom / Alexander Rahr: Wie der Westen an seiner Moral scheitert
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- 0:00Ich bin völlig entsetzt darüber, wie diese Demokratie und wie die
- 0:04demokratischen Strukturen die Rechtsstaatlichkeit hier in
- 0:07Europa momentan zu Grabe getragen werden.
- 0:10Ich sehe mich als wichtigen Zeitzeugen, ich habe Dinge
- 0:12erlebt und selbst gesehen, die die jetzige Generation nicht
- 0:16gesehen hat und keine Ahnung davon hat, der Konflikt in der
- 0:19Ukraine dreht sich nicht um Geopolitik, er dreht sich um
- 0:22Werte, warum kann ein Gespräch nicht möglich sein, warum diese
- 0:25Cancel culture, warum ist eine Meinung, die einem nicht
- 0:27gefällt, sofort gefährlich, was gab es den.
- 0:30Ist nicht ich kenne so was nicht und dann sagt man mir
- 0:32Politikwissenschaft, Hurra ist Demokratiewissenschaft und wenn
- 0:36sie irgendwo Zweifel an unserer liberalen Demokratie sehen, dann
- 0:41haben Sie in der heutigen Wissenschaft nichts mehr zu
- 0:45suchen und Gegen den Strom zur Person.
- 0:59Hallo bei gegen den Strom. Wir präsentieren Positionen, die
- 1:04Ihnen die Propagandamedien verschweigen.
- 1:08Mein Name ist Patrick Baab und heute geht es um dieses Buch,
- 1:11das goldene Tor von Kiew und es geht um seinen Autoren, er ist
- 1:16Politikwissenschaftler, Osteuropa Experte, er ist Träger
- 1:21des Bundesverdienstkreuzes. Und zugleich wird er von den
- 1:26Kriegstreibern als Putin Versteher diffamiert.
- 1:29Willkommen Alexander Ra. Danke, Herr BAB Filialado.
- 1:33Wie kommt ein Politikwissenschaftler dazu,
- 1:36einen Kriminalroman zu schreiben?
- 1:38Ich habe in meinem Leben genug Essays, genug wissenschaftliche
- 1:43Literatur geschrieben, auch Bücher verfasst.
- 1:48Und jetzt, denke ich, ist die Zeit gekommen, n bisschen zu
- 1:51reflektieren. Sich bisschen auch der Memoiren
- 1:55Literatur hinzugeben, wobei Memoiren eigentlich jetzt
- 1:57langweilig sind, weil jeder Memoiren schreibt.
- 2:00Aber ich seh mich als wichtigen Zeitzeugen, ich habe Dinge
- 2:03erlebt und selbst gesehen, die die jetzige Generation nicht
- 2:07gesehen hat und keine Ahnung davon hat, und ich glaube, dass
- 2:11man dieses Wissen weitertragen muss, und das geht eben heute
- 2:14nicht über Sachbücher. Sondern über Erzählungen, über
- 2:18Romane. Und außerdem denke ich, dass ein
- 2:20solcher gesellschaftskritischer Roman, wie ich den geschrieben
- 2:23hab, das ist ja kein Roman über Russland oder die Ukraine,
- 2:26sondern eher ein gesellschaftskritischer Roman
- 2:28über das, was wir hier in Europa erleben, dass er, wer sehr
- 2:31nützlich ist, auch von einem 2 Zeugen geschrieben und ich
- 2:36finde, was in dieser Zeit ein bisschen zu kurz kommt in dieser
- 2:39schnelllebigen und gefährlichen Zeit, in der wir sind, sind auch
- 2:42Geschichten von Menschen. Die diese Zeit erleben, für die
- 2:46dieser Umbruch persönlich privat existenziell was bedeutet.
- 2:52Bei den einen geht es darum, riesige Aufstiege, bei den
- 2:55anderen um riesige Abstiege, um Tragödien, und jetzt möchte ich
- 2:59einfach auch literarisch festhalten, um sie ja der
- 3:02Nachwelt zu hinterlassen, aber um einfach darüber auch zu
- 3:05diskutieren, solche Menschen auch der Gesellschaft näher zu
- 3:08bringen. Ist das auch die Tragödie des
- 3:10Alexander Ra? Ja.
- 3:12Ich bin kein großer Held, ja, ich sehe mich jetzt nicht als
- 3:19tragische Figur, obwohl viele überhaupt nicht sei so eine.
- 3:23Ich bin, wie ich bin und ich habe mein Leben nicht
- 3:27verleumdet, ich habe, als der Krieg begann.
- 3:33Nicht mit dem Krieg gerechnet in der Ukraine und ich hab aber
- 3:37auch nicht meine ganzen Orden oder einen Orden, den ich aus
- 3:42Russland bekommen habe, zurückgegeben wie manche andere.
- 3:46Ich habe mich nicht verleumden lassen, ich habe mich selbst
- 3:50nicht denunziert, ich habe so weiter gelebt und weiter
- 3:54beobachtet, wie ich das immer tue, und außerdem habe ich eine
- 3:56ganz besondere Geschichte, die kann mir keiner nehmen, das ist
- 3:59ne Lebensgeschichte, ich bin ja. Praktisch in der alten
- 4:02russischen Emigration aufgewachsen und das, was mir
- 4:05meine Großeltern, die nach aus aus der Sowjetunion vor geflohen
- 4:09waren, ja, und meine Eltern sind ja schon im Westen geboren,
- 4:12aufgewachsen, was die mir mitgegeben haben, was sie mir
- 4:15erzählt haben, die Bekanntschaften, die wir zu
- 4:17Hause hatten mit Leuten wie Sojinicen, ja, bei uns zu Hause,
- 4:20aber viele andere Dissidenten, auch andere Richtungen.
- 4:23Die sind in mir drin und ich finde, als Zeitzeuge muss man
- 4:28sie irgendwann mal auch erzählen, wie es damals war.
- 4:31Ich war kein Anhänger der Branchen und bayerischen
- 4:34Ostpolitik, weil mein Vater ein überzeugter Antibulschewist war,
- 4:38ja, und bei radiofreies Europa gearbeitet habe, das habe ich ja
- 4:41auch als junger Student, hab mein erstes Geld bei radiofreies
- 4:45Europa dem amerikanischen Sender verdient, das will ich auch
- 4:47nicht missen, ja diese Zeit, aber dann kam Gorbatschow.
- 4:51Dann war ich mit dem Studium zu Ende und ging zur Deutschen
- 4:54Gesellschaft für ausführliche Politik und für mich begann dort
- 4:56ein ganz anderes, neues Leben. Ich war bisschen über 30 und ich
- 5:01hab das Leben wirklich genossen, ich konnte nach Russland, in die
- 5:05Ukraine, nach Kasachstan, nach Moldawien, überall in diese
- 5:08Länder fahren, die für die Sowjetunion gewesen sind.
- 5:11Ich hab den eisernen Vorhang noch erlebt, als Kind, vor dem
- 5:13ich Angst gehabt hatte, und plötzlich war er weg und meine
- 5:16Aufgabe bestand darin, Völkerverständigung zu machen.
- 5:19Und viele Deutsche sind mir hinterhergelaufen und gesagt,
- 5:23Macht, das Macht das auch hochrangige Politiker, ich hab
- 5:25Schröder beraten, ich hab bei Genscher beraten, ich war mit
- 5:29sehr vielen Politikern sehr eng verflochten in der gemeinsamen
- 5:34Aufgabe, die wir uns alle damals gestellt haben, sowohl in der
- 5:37Politik auch in der Wirtschaft, auch in den Medien.
- 5:40Eine Völkerverständigung mit den ehemaligen Völkern der
- 5:43Sowjetunion, vor allen Dingen mit Russland hinzubekommen.
- 5:46Und ich war eben an vorderster Front, und dass ich dafür jetzt
- 5:49kritisiert werde, ist ein Witz der Geschichte.
- 5:52Und all diese reichhaltigen Erfahrungen atmet dieses Buch.
- 5:57Es dimensioniert einen europäischen Raum, der verloren
- 6:00gegangen ist oder verloren zu gehen droht, von Moskau bis nach
- 6:04Lissabon. Aber er dimensioniert, der Roman
- 6:06dimensioniert auch einen historischen Raum.
- 6:10Der bis zum Mittelalter zurückreicht.
- 6:13Welche Ideen haben sie getrieben, diesen Roman so
- 6:17anzulegen? Ich will das nicht zu
- 6:18kompliziert machen, Herr BAB, aber mir schwebt es vor, einen
- 6:22ganz besonderen Roman zu schreiben.
- 6:25Ich bin ja in Wirklichkeit nicht ein typischer Roman,
- 6:28Schriftsteller, ich erzähle auch nicht Geschichten von
- 6:31irgendwelchen Protagonisten, es gibt in diesem Roman keine
- 6:35Hauptperson, es ist die Erzählung von Menschen, die eine
- 6:38große Rolle spielen. In dieser Zeit und ich habe 3
- 6:42Erzählebenen gesucht und gefunden, die denke ich sehr
- 6:48passend sind für die Erklärung dieser Umbruchzeit, in der wir
- 6:52leben. Das Erste ist, dass ein ein
- 6:58Gespräch, ein langes Gespräch, dass ein Journalist nicht
- 7:02unbedingt meine Wenigkeit, aber einer, der so denkt wie ich.
- 7:06Mit einem russischen General führt der allerdings sehr
- 7:10hochrangig ist und sich aus irgendwelchen Gründen in
- 7:14Portugal befindet. Und dieses Gespräch geht über
- 7:18die die Ukraine Krise, über den Krieg.
- 7:20Wer begonnen hat, welche Ursachen er war und hier ist
- 7:25diese Erzählebene natürlich aufgehängt an einem ganz
- 7:29besonderen Roman, den ich im Leben sehr geschätzt habe, das
- 7:32ist Ramax die Nacht von Lissabon.
- 7:35Wo ein ganzes Buch nur aus einem Dialog besteht, ja einer großen
- 7:38Erzählung aus den 40er Jahren, aus dem zum Zweiten Weltkrieg
- 7:42und den Schrecken der Naziherrschaft.
- 7:44Und ich erzähle eben, wie es zu diesem Krieg gekommen ist, und
- 7:47lass alles alle aussprechen, sowohl den General als auch den
- 7:50kritischen Journalisten, aber auch andere Figuren, die sich da
- 7:53in diese Gespräche einmischen. Ist glaub ich wichtig, damit man
- 7:56diese dieses Problem der der Ukraine Krise aus allen Seiten
- 8:02beleuchtet. Und das ist die zweite
- 8:03Erzählebene, die ist mir viel wichtiger als der Ukraine Krieg
- 8:06in diesem Buch, das ist der Roman von Dostajewski, der
- 8:11Weltroman die Dämonen für mich ein eines der besten Bücher, die
- 8:16ich in meinem Leben jemals gelesen habe, weil das ein
- 8:18prophetisches Buch ist, das genau die kritischen
- 8:21Zusammenhänge. Im 19.
- 8:23Jahrhundert des 20. Jahrhundert zusammenfasst.
- 8:26Genial. Jeder sollte den noch mal lesen,
- 8:28auch die jüngere Generation. Und ich hab meine Struktur
- 8:32meines Romans auf dem Roman von Föder Michalowitsch Destajewski
- 8:36die Dämonen aufgebaut. Die 2 Protagonisten dieses
- 8:39Romans, Wirchawienski und stavrogin weltberühmte
- 8:43Literaturfiguren, sind zurückgekommen in unsere Zeit,
- 8:48nicht als Männer, sondern als Frauen.
- 8:50Und sie sind dämonenhaft sie bringen die Gesellschaft
- 8:55durcheinander, sie, wir wollen Sie revolutionieren.
- 8:57In Wirklichkeit wollen sie nur den Umsturz machen, Chaos
- 9:00stiften, Chaos stiften sowie die Dämonen unter das Dajewski und
- 9:05zu was das alles führt, zu welchen Katastrophen schreibe
- 9:08ich in einem Buch, oder wenn ich darf, noch die, die die dritte
- 9:12Erzählebene, die ist natürlich historisch, das ist die
- 9:14Geschichte, die Geschichte Russlands vor 500 Jahren, als
- 9:17Russland nach Iwan im Schrecklichen zusammenbrach.
- 9:21Weil das Imperium einfach zu sich zu Überdehnte und Kriege
- 9:24führte, ständig mit dem Westen damals und dem Zugang zur Ostsee
- 9:28und es kambariska Dunov sein Sohn wurde ermordet, dann kamen
- 9:312 falsche Dimitrios als Zahner gemacht, dann kamen die Polen,
- 9:37die Russland überrannten. Das alles hat mit heute sehr
- 9:40viel zu tun, mit diesen Konflikten zwischen
- 9:42Katholizismus, Orthodoxie, zwischen dem byzantinischen
- 9:46Erbe, das Iwan der Schreckliche damals oder Russland angetreten
- 9:49haben vor 500 Jahren. Und dem römischen Erbe des
- 9:53Heiligen Römischen Reiches, des Papsttums, was im Westen
- 9:56situiert ist. Und wir haben diesen Konflikt
- 9:59praktisch seit 500 ich würd sagen, seit 1000 Jahren, wir
- 10:02bestehen und leben weiterhin diesem Schisma, und das muss
- 10:05verdeutlicht werden für diejenigen, die sich wirklich um
- 10:08diesen Konflikt interessieren und eben lösen, versuchen und zu
- 10:10verstehen, warum wir nicht gemeinsam schauen können und
- 10:13wieso wir das von ihnen sehr gut ja skizzierte gemeinsame Europa
- 10:17zwischen Lissabon und wo wir es doch einfach nicht hinkriegen.
- 10:20Ich möchte mit der mittleren Erzählebene anfangen, gern was,
- 10:23welches sind die Dämonen heute? Die Dämonen heute sind in dem
- 10:29Buch beschrieben. Warum soll ich unbedingt Namen
- 10:33nennen? Das möchte ich nicht.
- 10:36Aber man kann gesellschaftliche Rollen definieren.
- 10:38Hefte chirollen sicherlich ja. Ich sehen Sie, wir haben in der
- 10:43Tat einen ganz gefährlichen und sind dramatischen Umbruch vor
- 10:46unseren Augen, alles verändert sich.
- 10:48Nicht nur die Geopolitik, der Konflikt in der Ukraine dreht
- 10:51sich nicht um Geopolitik. Er dreht sich um Werte und ich
- 10:56selber bin, wie sie auch, so kenne ich sie jedenfalls ein
- 11:01überzeugter Demokrat, wir, wir sind beide in einer
- 11:07demokratischen Welt aufgewachsen, in
- 11:09Rechtsstaatlichkeit. Und wir sind und müssen froh
- 11:12sein, dieses günstige Schicksal der Geschichte miterlebt zu
- 11:17haben. Hier in in Europa, und das will
- 11:20ich nicht. N bisschen, das will ich am
- 11:21Anfang sagen, also ich bin niemanden, niemand, der
- 11:26unbedingt sympathisiert mit irgendwelchen Diktatoren oder
- 11:29autoritären Staaten, aber ich bin völlig entsetzt darüber, wie
- 11:34diese Demokratie. Und wie die demokratischen
- 11:37Strukturen und die Rechtsstaatlichkeit hier in
- 11:40Europa momentan zu Grabe getragen werden, mit verboten,
- 11:43auch mit Repletsarien, die ich eigentlich nur aus der Zeit der
- 11:47Sowjetunion kenne. Und als ich zum ersten Mal als
- 11:50noch jüngerer Wissenschaftler hier meinen Mund aufgemacht
- 11:53habe, 2012, und das in einem Interview vielleicht versucht
- 11:58habe, alarmierend deutlich zu machen, einfach als Warnsignal.
- 12:04Hat keiner mit mir darüber diskutieren wollen, über diese
- 12:06gesellschaftlichen Probleme, über diese Warnschüsse, die ich
- 12:09abgeliefert habe. Niemand hat sich für die Meinung
- 12:12interessiert, im Gegenteil, man hat mich aus der Wissenschaft in
- 12:15Community verbannt, ich weiß bis heute nicht warum, warum kann
- 12:18ein Gespräch nicht möglich sein, warum diese Cancel culture,
- 12:21warum ist eine Meinung, die einem nicht gefällt, sofort
- 12:24gefährlich oder wird, das gab es im Westen nicht, ich kenne sowas
- 12:27nicht, wir hatten in München und in Frankfurt, wo ich studiert
- 12:30habe und wo in der Schule war ständig Streitgespräche
- 12:32zwischen. SPD Anhängern, CDU, Anhängern,
- 12:35sogar Kommunisten und FDP Leuten.
- 12:38Das hat Spaß gemacht und der Lehrer und die die die die
- 12:41Verantwortlichen an der Uni haben das auch immer wieder mit
- 12:44angestoßen und gefördert und heute ist das verboten.
- 12:48Du darfst nur in einer Linie broschieren und muss diese eine
- 12:52Linie vertreten und in dem Buch kommen auch Journalisten vor, ja
- 12:58natürlich unter anderen Namen die ich mit denen ich befreundet
- 13:01war, mein Leben lang. Mein Leben lang, die mir heute
- 13:04sagen, du hast falsche Werte und deshalb reden wir nicht mehr mit
- 13:08dir, du bist gefährlich, du bist auf irgendwelchen falschen
- 13:12Seiten und wenn ich frage, ja, aber ich bin doch ein kritischer
- 13:14Geist. Ich kann doch Dinge
- 13:16hinterfragen, wie hier passieren, hier läuft doch
- 13:18vieles schief. Das Wichtigste ist doch in der
- 13:20Tat, dass man den nur in den Freiheiten unterstützen, die
- 13:24Menschen wirklich im Liberalismus erzogen werden und
- 13:27Freiheiten spüren und nicht ständig versuchen, neue Grenzen.
- 13:31Die die Freiheiten eigentlich für jemanden, der Verantwortung
- 13:34hat, ja auch eingrenzen, dass man diese Sachen ständig
- 13:37sprengt. Und ich hab in vielen
- 13:39Geschichten, die ich dort natürlich in dem Buch erzähle,
- 13:41versucht, das deutlich zu machen, dass Freiheit ein sehr
- 13:44wichtiges gut ist. Aber zur Freiheit gehört auch
- 13:46eine Verantwortung, und es gehören auch Grenzen.
- 13:49Grenzen eines Gemeinschaftslebens, eines eine,
- 13:53eine, eine besondere Solidarität auch miteinander, die man nicht
- 13:56überschreiten sollte. Ich kenne es auch so, dass man
- 13:58sich streitet im Seminar oder in der Kneipe oder bei politischen
- 14:02Diskussionen. Und anschließend geht man Glas,
- 14:04Wein, ein Glas Bier miteinander trinken und ist sich persönlich
- 14:07nicht gram. Man respektiert sich in
- 14:09Anerkennung unterschiedlicher Positionen, weil man davon
- 14:12lernen kann und warum das zerfallen ist an Debattenkultur,
- 14:16das beschreibt auch dieses Buch. In der Gestalt eines Malers, der
- 14:21im Buch Oreshak heißt und der ein Beobachter ist, ein
- 14:25Suchender, ein Sehender, der nun in politische Veranstaltungen in
- 14:30Berlin hinein gerät. Was geschieht da?
- 14:34Na ja, es sind ja 2 Beobachter in dem Buch.
- 14:36Der eine heißt Wertrov, das ist ein Journalist, ein Politologe.
- 14:41Der immer auf der Suche ist nach der richtigen Wahrheit, nicht
- 14:45ideologische oder religiöse Natur, sondern nach der
- 14:48objektiven Wahrheit. Er will beobachten, er will das
- 14:50Schreiben, was er sieht, er will richtig recherchieren und nicht
- 14:53im Geiste, sagen wir mal grün, liberaler Politik finden, Sie
- 14:57erlauben, dass ich das so sage, oder, oder im Mainstream, der
- 15:00will den Mainstream bisschen sprengen und kriegt ständig
- 15:03Probleme auf diesem Weg, und der andere Beobachter ist sein
- 15:08Vetter. Der Reschök, ein eine
- 15:15historische Figur, eigentlich, weil die Familie Reschök eine
- 15:18sehr alte Tradition hat, noch aus der Zeit der Wirren in
- 15:24Russland oder des Iwan des Vierten, des Schrecklichen oder
- 15:29Dimitri, der dann Skoe, gibt es diese Familie Reschök eine
- 15:33adlige Familie, die die heute im Westen lebt.
- 15:36In Deutschland und in Frankreich.
- 15:37Und diese Figur ist auch sehr wichtig in dem Buch, weil er aus
- 15:42der künstlerischen Szene, nicht aus der rein politischen, aus
- 15:46der geopolitischen Szene, sondern aus der aus, aus der so
- 15:50einer geistigen Sphäre diese Probleme wahrnimmt, beobachtet,
- 15:56kritisiert, irgendwo sich mit ihnen streitet und letztendlich
- 16:01dann auch, so wie der Journalist wird, oft in eine Art Sack
- 16:05gerät. Weil ich sag mal grob gegen
- 16:09Dämonen, man natürlich nicht viel ausrichten kann diese Zeit.
- 16:12Man muss sehen, wie sich die Weltlage insgesamt entwickelt,
- 16:16aber beobachtet, beobachten und beschreiben diese Prozesse.
- 16:20Das das gelingt, denke ich diesen beiden Protagonisten,
- 16:25oder oder oder Beobachtern in diesem Buch, und sie nehmen den
- 16:28Leser natürlich mit auf eine ganz interessante Reise durch.
- 16:33Irgendwelche Geheimzirkel, die es in Berlin gibt, durch eine
- 16:37Trollfabrik in Russland, die auch hier besucht wird.
- 16:41Also es geht hier nicht nur um Probleme in Deutschland und
- 16:45letztendlich stellt sich natürlich heraus in dem Buch und
- 16:48beide kommen ja dann letztendlich dahinter, dass die
- 16:52Drähte in die Geheimdienste laufen.
- 16:55Das ist natürlich auch im Roman eine sehr wichtige Entwicklung,
- 17:00dass man sieht, dass eigentlich die Geheimdienste sehr vor allen
- 17:04Dingen die amerikanischen, Russischen, auch eng
- 17:06zusammenarbeiten, nicht unbedingt zum Wohle dieser Welt,
- 17:10aber Informationen austauschen sie den anderen Teilnehmern der
- 17:15Gesellschaft nicht geben, aber. Sie auch so eine Art Mutter der
- 17:19Gesellschaft ist? Natürlich wird über über Davos
- 17:21gesprochen, überall diese Foren, die ja stattfinden, die
- 17:24eigentlich in vielerlei Hinsicht nur Augenwischerei sind.
- 17:28Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, und
- 17:29das Buch gehört nicht in ein in die Reihe der
- 17:31verschwörungstheoretischen Analysen oder oder Geschichten
- 17:36ist ein Buch, das beobachtet, das einfach das wiedergibt, was
- 17:39wir heute sehen, in vielerlei Hinsicht, mit all den Problemen.
- 17:42Dieser Maler Oreshak in dem Buch.
- 17:45Dahinter taucht vor meinem inneren Auge Haralampi
- 17:48Orischakow auf und wir kennen ihn gut.
- 17:52Ist das n Schlüsselroman der Personen vorführt, die im
- 17:56gesellschaftspolitischen Leben Deutschlands ne Rolle spielen?
- 18:00Also ich muss sagen, dass wir natürlich.
- 18:06Hier mit Harlam Piroschakow so eine Art Vettern sind ja, und
- 18:12meine Familie ist auch, kommt auch aus dem dem Geschlecht der
- 18:20und dass wir seit Jahren gemeinsam viele Diskussionen
- 18:25führen, Gespräche führen in. Bestimmten Kreisen, auch
- 18:29verkehren. Wo wir über diese Probleme
- 18:32diskutieren und nach einigen Jahren Diskussion, nach vielen
- 18:38Erlebnissen und Beobachtungen, die wir beide zusammen
- 18:41angestellt haben, hab ich mich entschlossen, vor allen Dingen,
- 18:44weil oroshakov Halampi selber ja ein Buch geschrieben hat, das
- 18:49lächelndes Immigranten, das ja auch eine Art memoirenliteratur
- 18:52ist, hab ich mich entschlossen, einen solchen Roman jetzt zu
- 18:54schreiben. Um ihm dann auch eine gewisse
- 18:58Plattform zu geben, in der er seine Ansichten so äußern kann,
- 19:03wie er das in Restaurantgesprächen oder in
- 19:07anderen Runden auch tot. Ich glaube, das wird also den
- 19:10Leser, der das wirklich interessant, interessant finden
- 19:13möchte oder sich dafür begeistert, den wir das
- 19:16mitnehmen. Ich war überrascht, wie präzise.
- 19:20In ihrem Roman Diese Zirkel des Identitären Denkens und des
- 19:26Moralisierenden politischen Denkens beschrieben sind, und es
- 19:30gibt sie, es gibt sie hier in Berlin, das sind die dominanten
- 19:32Zirkel in den Denkfabriken rund um die heutige Politik.
- 19:37Woher rührt das? Ist das der Einfluss
- 19:40transatlantischer Organisationen, ist das ein
- 19:44Zerfall von geistiger Reichweite in der politischen Elite ist das
- 19:49eine. Hieße der Spätkapitalismus, wie
- 19:52kann ich mir das erklären? Ich will mit einer naiven
- 19:56Antwort jetzt beginnen und sagen, ich weiß es nicht.
- 20:01Es ist so passiert. Vor 15 Jahren hat es diese
- 20:04Zirkel und diese Bewegung nicht gegeben und jetzt entstehen
- 20:08statt Institute für Forschung und Analyse Institute für
- 20:13Nachhaltigkeit und Wognis ne, das ist die Welt von heute.
- 20:18Und vor allem die nächsten Generationen mögen das und
- 20:21unterstützen dies und lassen sich verführen von all diesen
- 20:24Gedanken, die dort geäußert werden.
- 20:25Und ich hab selbst vor 15 Jahren gespürt, dass da war ich noch in
- 20:32der deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik, dass dieser
- 20:35lange Wissenschaftler Diskurs sich immer mehr verschiebt
- 20:37Richtung liberale Werte, und als man mir meine Direktoren, meine
- 20:43Vorgesetzten gesagt haben. Und ich war schon in einem Alter
- 20:47von 50 Jahren. Ja, wo ich solide
- 20:50wissenschaftliche Laufbahn hinter mir hatte und viele
- 20:53Bücher geschrieben habe, Vorträge überall auf der Welt
- 20:55gehalten habe und dann sagt man mir, Politikwissenschaft, Hurra
- 21:02ist Demokratiewissenschaft, und wenn sie irgendwo Zweifel an
- 21:06unserer liberalen Demokratie sehen, in ihren Büchern, ihren
- 21:11Schriften. Dann haben Sie in der heutigen
- 21:15Wissenschaft nichts mehr zu suchen.
- 21:17So hab ich das nicht gelernt. Ich bin auch
- 21:19Politikwissenschaftlerin, das ist.
- 21:21So war das neu, und das war für mich auch ein Schock.
- 21:24Und ich bin ja auch nachher aus der Wissenschaft rausgegangen
- 21:28und hab mich dann versucht, in der Wirtschaft als
- 21:30Unternehmensberater mal Leuten wichtig auch wichtig zu machen
- 21:36oder jedenfalls dort auch mitzuhelfen, weil die Wirtschaft
- 21:41wenigstens. Noch vor 10 Jahren Interesse an
- 21:44solchen Analysen hatte die wissenschaftliche Community
- 21:47nicht mehr und auch heute ist eigentlich auch in der
- 21:52Wirtschaft das Interesse an solchen Analysen und so ein
- 21:56bisschen weg. Man läuft allen dieser und
- 21:59diesem Mainstream hinterher und diesen Mainstream zu beschreiben
- 22:02ist schwer, ja, das ist das Buch, ist ja auch ein Versuch.
- 22:06Dieses dieses Mainstream zu beschreiben, dieses Denken, und
- 22:10das ist nicht so einfach, weil man es nicht fassen kann.
- 22:12Und mir ist eben deshalb eingefallen, dieser Roman von
- 22:16Destajewski, der diese Situation am besten beschreibt und
- 22:19bisschen Mystik, bisschen mit Metaphysik,
- 22:24Geisteswissenschaften, Vergangenheit, Geschichte und
- 22:28natürlich auch Prophezeiungen für die Zukunft und sehr viel
- 22:31menschliche Charaktere. Analysiert werden müssen, um zu
- 22:34verstehen, wie die Menschen heute denken, wie viele
- 22:37Charakteren heute auch teilweise von diesen ja zerstört sind, ja
- 22:43von vielerlei Elementen. Und das alles kann man natürlich
- 22:50nicht in einer wissenschaftlichen Analyse
- 22:53erklären, das Macht ja auch keinen Sinn, aber in einem Roman
- 22:56kann man damit spielen, kann man Fragen stellen.
- 22:59Ich bin mir selber nicht sicher, was dieser Mainstream heute ist,
- 23:03ob er überhaupt überleben wird oder überhaupt zu zur zur
- 23:06wichtigsten Weltideologie werden wird, das wissen wir heute
- 23:09nicht, aber es ist ein Phänomen, über das man reden und schreiben
- 23:13sollte. Die Historikerin Sandra Kostner
- 23:17sagte zu mir vor etwa einem Jahr, historisch gesehen,
- 23:22gewinnen immer die Moralisten. Ist dies auch eine
- 23:26pessimistische, eine Dystopie, eine pessimistische
- 23:29Zukunftsvision, die sie teilen? Im Westen haben Sie gewonnen,
- 23:34aber nicht auf der Welt. Und das ist der große Moment
- 23:38jetzt in der Zeitgeschichte, den wenige verstehen oder die
- 23:43meisten nicht verstehen wollen, dass wir es mit einem grandiösen
- 23:48Umbruch nicht nur im Denken in Europa haben.
- 23:51Sondern auf der ganzen Welt. Wir bewegen uns in riesigen
- 23:54Schnitten, schritten Richtung einer multipolaren Welt, und das
- 23:57ist keine Floskel, über diesen Satz wird hier im Westen immer
- 24:00gelacht, aber der ist sehr ernst.
- 24:01Das ist eigentlich das Wichtigste, was man heute über
- 24:05diese Jahresbett sagen müssen und können in den nächsten
- 24:09Jahrhunderten, wir erleben das Aufkommen einer neuen Supermacht
- 24:14China, wir erleben das Wiederauferstehen Russlands als
- 24:17militärische und gefährliche für uns.
- 24:20Groß macht, wir sehen Indien, wir, wir sehen die BRICS Staaten
- 24:24aufkommen wir sie sehen ein ganz anderes Afrika, dass wir
- 24:27eigentlich niemals erwartet haben, das uns sehr überraschen
- 24:30wird, eben meistens auch im negativen, vielleicht im
- 24:32positiven Sinn. Lateinamerika und Europa wird
- 24:36für uns zu einer Insel, zu einem Museum, zu dem da viele noch
- 24:41kommen, mit großer Sympathie, aber das nichts ein Europa, das
- 24:44nichts mehr zu sagen hat und immer weniger sagen wird und
- 24:46dann auch noch in dieser Zeit. Nicht nur möglicherweise in
- 24:50einen Krieg mit Russland und dann China verwickelt wird.
- 24:53Gott bewahre, aber so sieht es heute aus, sondern auch Amerika
- 24:58verliert als Stütze, als Partner, als strategischen
- 25:01Denker. Für Europa ist es vielleicht gar
- 25:04nicht schlecht, aber Europa muss dann zu sich selbst finden und
- 25:08zu einer Realpolitik zurückkehren und nicht zu einer
- 25:11Wertepolitik. Also bin ich mit dem, was die
- 25:16Schriftstellerin gesagt hat, einverstanden und nicht
- 25:18einverstanden. Die Moralisten gewinnen immer
- 25:20bis zum bestimmten Zeitpunkt, aber ich will betonen, dass wir
- 25:23jetzt in einer Zeit sind, wo Moral sich nicht nur wehrt,
- 25:27sondern kämpft gegen den Realismus, aber der Realismus
- 25:31letztendlich so stark sein wird, dass ich sich.
- 25:33Dass er sich durchsetzen wird, überall auf der Welt, auch in
- 25:35Europa. Und das ist ja auch Thema.
- 25:38Das klingt an in den Gesprächen zwischen Westrow und dem
- 25:43russischen General in dieser Nacht in Lissabon.
- 25:46Und jetzt sind das fast die Argumente, die der russische
- 25:49General Westrow vorträgt, der sagt, wir als Realisten werden
- 25:52gewinnen, wir sehen die Welt anders als ihr Europäer.
- 25:55Täusche ich mich da? Nein und gut, dass sie darauf
- 25:58hinweisen, weil das ist jetzt keine, ich bin da nicht
- 26:02voreingenommen, ich will auch nicht irgendwo für irgendeine
- 26:07Seite werben oder Propaganda oder Gitation machen, sondern
- 26:10ich beschreibe, und das ist etwas, was ich heute sehr
- 26:14vermisse. Eben das denken in in, in hier
- 26:18im Westen ist das denken woanders, in Russland und in
- 26:20China, dort ist das Denken eher ähnlich in Bezug auf den
- 26:24Realismus und Werte, die, sagen wir, die Russen, die ich besser
- 26:29kenne als die Chinesen, ja, die lehnen diese werteorientierte
- 26:33Politik für sich ab und natürlich für uns, die können
- 26:35mit der nichts anfangen, und wir können mit dem Realismus der
- 26:38Chinesen, der Russen und der innen überhaupt nichts anfangen,
- 26:41weil wir sagen, die Europäische Union ist eine Wertemacht.
- 26:44Und transportiert Werte nach außen.
- 26:46Dass die meisten Länder, fast alle Welt, die ganze Welt
- 26:51außerhalb Europas diese moralischen Belehrungen und die
- 26:54Werte Europas nicht haben, will für sich verstehen wir nicht,
- 26:58weil wir hochmütig sind, wir leben auch in einer Art Hybris,
- 27:01die uns die Augen versperrt hat für das, was Realismus ist, für
- 27:04das, was die Welt. Heute eigentlich will und was
- 27:09was, was die, wohin sie auch wieder zurückkehren kann,
- 27:11nämlich zu einer gleichberechtigten
- 27:13Partnerschaft, zur Solidität, alle miteinander und zu einem,
- 27:17wie gesagt, überholt mich immer wieder zu einem Royalismus, zu
- 27:19einem Pragmatismus, der jedenfalls uns eine gemeinsame
- 27:23Friedensordnung wieder ermöglichen kann, besser als ein
- 27:26Wertediktat, wo ein kleines Europa praktisch will, dass die
- 27:30ganze Welt nach seinem Gutdünken als Umerzogen wird und und lebt.
- 27:36Das ist unmöglich, das ist absolute Illusion und kein
- 27:40Realismus. Der SPD Politiker Egon Bahr hat
- 27:43einmal gesagt, Wenn Politiker von Werten reden, dann muss man
- 27:47eigentlich den Raum verlassen, denn in der Politik geht es um
- 27:51Interessen. Ist dieses Buch Die Diskussionen
- 27:55um den Ukrainekrieg, die in Lissabon geführt wird, aber auch
- 27:58der Krieg selbst, die Kollision einer moralisch?
- 28:02Überladenen Wertewelt mit der Realität.
- 28:07So ist das, so ist das so möchte ich das auch beschrieben, das
- 28:11haben sie sehr gut herausgefunden, eine Welt an der
- 28:14Ukraine Krieg hat etwas mit Geopolitik zu tun, aber auch
- 28:18nicht so viel, obwohl darüber auch sehr viel geredet wird an
- 28:20dieser langen Nacht von Lissabon, einer stürmischen
- 28:23Nacht, weil die beiden Kontrahenten immer wieder
- 28:26rausgehen an die frische Luft. Und dort in der Ferne
- 28:30irgendwelche Lichter gesehen von irgendwelchen englischen
- 28:32Kriegsschiffen, die sie abhören. Das gehört ja alles dazu und ein
- 28:36Roman, aber was ich natürlich betonen möchte, ist, dass der
- 28:40Konflikt viel, viel schärfer und viel, viel tiefer ist, indem wir
- 28:44stecken, ein weltpolitischer Konflikt, ein
- 28:47Zivilisationskonflikt, ein Kulturkampf, in dem wir sind,
- 28:51den wir gar nicht begreifen. Und der irgendwann mal natürlich
- 28:56vielleicht durch einen Sieg oder den und und den des einen oder
- 29:02anderen Parts gewonnen oder entschieden wird.
- 29:07Aber ich bin mir da auch nicht sicher.
- 29:08Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahrzehnten, vielleicht
- 29:11in den nächsten 100 Jahren, diese Konflikte zwischen diesem
- 29:16liberalen Wertestatus und einer anderen Realität, die aufkommt
- 29:21aus einer anderen Welt. Wo Asien Europa wiederholt
- 29:24überholt immer wieder mit der konfrontiert sein werden,
- 29:27darüber rede ich und ich will darauf hinweisen, dass das
- 29:31eigentlich die die Leitlinien, die Strukturen sind, die unser
- 29:34Weltbild eigentlich wiedergeben heute.
- 29:36Und ich hoffe, dass das so verstanden wird.
- 29:39Dieser Kulturkampf reicht zurück, wenn ich dem Roman Folge
- 29:44bis ins Mittelalter, und er führt mich in eine ja hier im
- 29:48Westen vollständig unbekannte und vergessene Welt.
- 29:52Was ist das für eine Welt? Warum wurde sie im Westen
- 29:55vergessen? Wurde das alles von Propaganda
- 29:58Ideologie überlagert? Ich komme mehr und mehr zu dem
- 30:02Schluss als Historiker. Ich bin studierter Historiker,
- 30:05dass wir seit 20 seit 1054 in einem Schisma leben, und das
- 30:11kann man als Historiker auch sehr gut beschreiben, und ich
- 30:15hab auch einen Roman davor geschrieben, 2054, also 1000
- 30:18Jahre nach dem Beginn des Schismas.
- 30:21Wo ich dasselbe auch wiederum versuche zu erklären, leider ja
- 30:25interessiert es die Menschen, die verstehen das heute nicht,
- 30:28weil für Sie der Osten Russlands, Sibirien und ganz
- 30:31Osteuropa uninteressant sind. Wir leben wie gesagt in unserer
- 30:35Hybris, in unserer Welt, dass sich alles um Deutschland,
- 30:38Frankreich, England dreht. Und Amerika?
- 30:41Hat das was mit Digitalisierung, mit digitalen Meinungsblasen zu
- 30:45tun? Ja, aber wobei die Länder, über
- 30:48die wir reden, wie Russland und China, sind digital zu mäßig
- 30:50viel weiter vorangeschritten als die Westeuropäer.
- 30:54Nein, das hat damit zu tun, wie viele andere Experten auch immer
- 30:58wieder betonen, dass Europa tatsächlich durch den Geist der
- 31:02Aufklärung, durch das Erbe der Aufklärung, französische
- 31:05Revolution, Bürgerliche Revolution über.
- 31:08Und vor allen Dingen wie die Nachkriegszeit, wo die
- 31:10Demokratie hier erfolgreich aufgebaut worden ist.
- 31:12Im Westen sozusagen, sich zu einer moralischen Weltmacht
- 31:17entwickelt hat, im Glauben, dass die ganze Welt so sein muss wie
- 31:23wie Westeuropa, und das wird nicht funktionieren, weil aus
- 31:26demografischen aus und wirtschaftlichen aus allen
- 31:30Gründen, die ich jetzt aufzählen können, werden die anderen
- 31:33Länder stärker, und wir wollen das nicht sehen.
- 31:35Statt uns mit diesen Ländern zu vertragen oder versuchen, uns
- 31:40gegenseitig zu verstehen. Die Länder wollen uns ja
- 31:43verstehen, die verstehen uns auch gut, aber wir verstehen sie
- 31:46nicht und wir sehen diese, diese dies als Gefahr und nicht als
- 31:50Chance, eine bessere Welt zu kreieren.
- 31:52Ist der Rückfall von Aufklärung in Moral und Mythologie ein Teil
- 31:58des Niedergangs des Westens? Ja, und ich hab zwar eine andere
- 32:03Metapher gewählt. Aber ich seh das auch so, dass
- 32:06das in den Niedergang führen könnte, wenn wir nicht
- 32:09aufpassen, wenn die Leute sich nicht besinnen und auch
- 32:13verstehen, in welcher Situation sie sind.
- 32:16Ich sehe einfach, dass die Aufklärung etwas sehr positives
- 32:21gewesen ist, die natürlich den Individialismus geschaffen hat,
- 32:25auch den Materialismus, wenn man also will, die ganzen großen
- 32:27Ideen der letzten 200 300 Jahren kamen aus der Aufklärung, aber
- 32:31jetzt ist Schluss damit, jetzt kommen andere Ideen.
- 32:34So ist halt die Menschheitsgeschichte ein Land
- 32:36wie China hat eigentlich auch in der Weltpolitik sehr viel mehr
- 32:41zu sagen gehabt im Mittelalter, dass wir das Wissen, aber damals
- 32:44gab es kein Internet, damals gab es keine Geschichtsbücher wie
- 32:47heute, und wir wissen gar nicht, wie stark eine solche Weltmacht
- 32:51sich entwickelt hat, wir wissen nichts.
- 32:53Über den amerikanischen Kontinent, da werden bestimmt
- 32:57einige Geheimnisse irgendwann mal gelüftet werden.
- 32:59Wir kennen nur Europa, wir studieren Europa, wir sind
- 33:02verliebt in unser Europa, in unser System, und ich wiederhole
- 33:05mal, es ist irgendwann mal die Grenze erreicht und da, sie
- 33:10werden ja in dem Buch sehen, da gibt es ja n sehr wichtiges
- 33:13Gespräch eines Dämons, bei mir sind das die Dämonen, die da
- 33:16dann diese diese Rolle spielen, diese Rolle des Provokateurs
- 33:19schrumpft Mephisto, ja, der alles.
- 33:21Verneint der alles in Frage stellt, der provoziert dem, der
- 33:25der der Verletzen will, aber letztendlich auch durch Intrigen
- 33:29siegen möchte. Und er spricht mit der Tochter
- 33:31von Balis Godonow, die Nonne geworden ist.
- 33:33Und die gibt er mir das Beispiel mehrere Beispiele und ein
- 33:37Beispiel ist denk ich sehr prägend wo sie sagt die wie in
- 33:41der Bibel steht, die Menschen haben diesen Turm von Babylon
- 33:45geschaffen, sehr erfolgreich, sehr reich, sehr schön, sehr
- 33:48stark, sehr mächtig. Und in der Bibel sagte Ihnen
- 33:52natürlich Gott, ihr dürft diesen Turm bis zu einer bestimmten
- 33:55Höhe bauen, nicht weiter, weil das natürlich die Gesetze der
- 33:59Natur und des Göttlichen sprengt.
- 34:02Denen war das egal, die haben das gebaut, der Turm fällt
- 34:05zusammen und die Menschen verlieren ihren Halt und ihre
- 34:07Identität so, und das ist ein gutes Bild dessen, was wir hier
- 34:12haben, wir wollen Grenzen sprengen mit unserer
- 34:16postmodernen Politik. Mit dem, was wir mit was wir
- 34:21hier erfinden, mit einer Art Transhumanismus, den wir hier
- 34:25auch einführen. Das Wort ist ja fast verboten,
- 34:28aber anders kann man das ja nicht nicht beschreiben, was da
- 34:32in vieler Hinsicht passiert, und dagegen wehren sich auch viele
- 34:35traditionell denkende Menschen oder können damit nichts
- 34:37anfangen. Das ist der Konflikt der
- 34:39heutigen Zeit. Aber es geht, es gibt
- 34:42Revolutionäre in Anführungszeichen, die ich in
- 34:45dem Buch beschreibe, die diese Grenzen mit aller Macht weiter
- 34:48sprengen können, und sie führen uns, denke ich, ins menschliche
- 34:51Allgemeine Verderben darüber, dass der Roman ja.
- 34:54Und sie beschreiben einen Politiker in diesem Buch, der
- 34:59das sehr klar übersieht und auf seine besondere Weise
- 35:03interpretiert. Auch als Niedergang des Westens
- 35:07und darin seine Chance wittert. Das ist der russische Präsident
- 35:12Wladimir Putin. Sie haben Putin persönlich
- 35:15kennengelernt, sie kennen ihn, haben ihn erlebt, wie würden sie
- 35:18ihn psychologisch beschreiben? Ja, Putin wittert seine Chance.
- 35:23Er sieht den Westen als degeneriert an, als schwach, als
- 35:28uneinig und als in wenigen Jahren, also nicht mehr
- 35:32funktionsfähig. Aber das ist seine Sicht.
- 35:36Ich beschreibe ihn ja auch so. Ja, ich nehme ja da kein Blatt
- 35:39von Mund. Ich beschreibe so wie er denkt,
- 35:41ich habe auch Selensky beschrieben mit seinen Zielen in
- 35:44dem Buch, Ich beschreibe auch das Trump Lager, wie Sie
- 35:48sicherlich auch gesehen haben, du musst ja sein, du musst ja
- 35:51Protagonisten, die waren Protagonisten dieser Welt
- 35:53beschreiben, aber es ist nicht so, dass ich hier die Meinung
- 36:00von Wladimir Putin auch Teile. Das ist auch wichtig, weil Putin
- 36:05sieht das aus einer Perspektive eines russischen nationalen
- 36:10Charakters, aus einem eines Russen, der glaubt, dass
- 36:13Russland eigentlich aladdas Tajewski Aladdastoi die Welt
- 36:18retten muss. Ja vor dem Antichristen, auch
- 36:21vor dem Bösen und so weiter und stattdessen ist dieser Krieg aus
- 36:26meiner Perspektive ja natürlich auch eine solche Tragödie und
- 36:30solche Katastrophe. Und so unmenschlich ja, dass man
- 36:33sagen muss, dass hier Russland selbst sich sehr viele Fragen
- 36:38wird stellen müssen nach diesem Krieg.
- 36:39Ja, für die eigene Gesellschaft wird Fragen stellen müssen, ja,
- 36:43und das wird nicht einfach werden, also ich sehe Russland
- 36:48nicht und Europa sehe ich auch nicht als die Sieger in dem
- 36:53ganzen Kulturkampf zivilisationskonflikt.
- 36:56Vor unseren Augen. Aber ich sehe zwar andere Sieger
- 36:59und das möchte ich auch hier betonen und das beschreibe ich
- 37:01auch am Ende des Buches in dem schönen Kapitel aus meiner
- 37:05Sicht, wo man sich in Wladiwostok trifft.
- 37:07Die Chinesen gewinnen, die Chinesen leise, ohne Konflikte
- 37:12einzugehen, aber bestimmt lassen sich nicht unterkriegen lassen,
- 37:16sich nicht demütigen, aber lassen sich auch nicht
- 37:18provozieren, das ist die Art und Weise, wie man nach vorne
- 37:21marschieren kann und die Amerikaner, die es immer gelernt
- 37:24haben. Die Ärmel hochzukrempeln und
- 37:28sich auch zu behaupten. Und wir sehen natürlich diese
- 37:31Konflikte, über die ich geschrieben habe, heute noch gar
- 37:33nicht mal so sehr in Europa als in Amerika.
- 37:35In Amerika herrscht ein Zivilisatorischer Bürgerkrieg,
- 37:38sieht man ja auch Erschießung von Kirk und vielen anderen
- 37:42Dingen, die dort passieren, ja, die hier noch alle unglaublich
- 37:46sind, ja, die kann man sich gar nicht vorstellen, weil die
- 37:48kommen auch irgendwann mal hierher.
- 37:49Diese Probleme und von Amerika hängt sehr viel ab, wer sich
- 37:52dort durchsetzt, das ist n Zivilisations und Kulturkampf da
- 37:55drüben, den wir sehen, der ist auch interessant aus dieser
- 38:01Sicht eines Historikers zu beobachten, aber letztendlich
- 38:04wird Amerika, denke ich sich isolieren, aber Amerika wird
- 38:08bleiben, die Amerikaner haben alle Rohstoffe der Welt, die sie
- 38:10eben benötigen, wie die Chinesen, wie die Russen
- 38:12übrigens auch könnotonom leben. Wir, wir Europäer, haben keine
- 38:17Rohstoffe. Wir sind von anderen abhängig
- 38:19und dieser Gedanke ist auch sehr wichtig in dem Buch, dass man
- 38:22darüber mal nachdenkt, wie abhängig wir eigentlich von den
- 38:25anderen sind und nicht, wie wie moralisch abhängig die anderen
- 38:28von uns sind. Durch die Brille dieses Romans
- 38:32beschrieben. Welchen Stellenwert hat das
- 38:34Treffen der Präsidenten Putin und Trump in Anchorage, Alaska?
- 38:41Ja, also als Romanautor darf man ja nicht zuverlässig sein oder
- 38:48sich selbst da bewerben. Aber ich habe da, denke ich, in
- 38:51die, als ich den Rahmen geschrieben habe, habe ich in
- 38:55die richtige Richtung geschaut. Ich habe eigentlich
- 38:58vorausgesehen, dass Putin und Trump sich sehr nah kommen
- 39:00werden, wenn ich ihr einzige, es war eigentlich für viele
- 39:02Experten klar, dass beide eine Chance nutzen würden, sich zu
- 39:06treffen und irgendwas gemeinsam zu machen und vielleicht den
- 39:09Frieden in der Ukraine zu schließen.
- 39:10Den schließt sich auch jetzt nicht aus, dass gerade die
- 39:12Amerikaner und die Russen letztendlich wie einst in Jalta
- 39:151945, sich über die Köpfe der Europäer und der Ukraine
- 39:21hinwegsetzen und eine neue Weltordnung mit den Chinesen
- 39:26bestimmen werden. So wird es wahrscheinlich auch
- 39:28laufen und das bedeutet einen Schock für Europa, aber das
- 39:30deute ich an, ja, und ich finde das auch richtig, man soll
- 39:34darüber nachdenken, das ist für einen Europäer wichtig, die
- 39:37anderen Perspektiven zu sehen und die Gefahr, die darf dafür.
- 39:40Europa lauern aber dann, wenn das passiert ist, Europa
- 39:43magnetisiert. Und das atmet auch dieser Roman.
- 39:47Und dann nimmt das Gespräch zwischen Westrov und dem
- 39:50russischen General ja eine überraschende Wende, denn
- 39:53Westrov erhält von seinem Gegenspieler, kann man sagen,
- 39:56einen Geheimauftrag. Was verbirgt sich dahinter?
- 40:00Nee, darf doch nicht verraten, das ist doch der Höhepunkt des
- 40:02Buches. Aber wir wollen ja nicht.
- 40:04Sagen, wie es ausgeht. Nein, ich sag das auch nicht.
- 40:07Ich sage nur, hab ich ja am Anfang gesagt, da gibt es
- 40:10Parallelen zu dem anderen historischen Weltroman von
- 40:15Remark, die Nacht von Lissabon, wo so wie in meinem Buch ein
- 40:21jemand seine war eigentlich ein Flüchtling aus dem
- 40:25Nazideutschland. Am Kai entlang geht und
- 40:28plötzlich die Schiffe beobachtet, die am nächsten Tag
- 40:30nach Amerika fahren und trifft auch einen Unbekannten, der ihm
- 40:34sagt, Ich Schenk Dir, du hast kein Geld, ich schenk dir meine
- 40:37Karte, ich fahr nicht mit, du fährst statt meiner erste Klasse
- 40:40nach Amerika bist gerettet, aber du musst ne ganze Nacht mir
- 40:43zuhören, was ich zu sagen habe und so nachdem läuft das und da
- 40:47gab es auch n Geheimauftrag der der das Buch kennt weiß das und
- 40:51bei mir ist das auch n Geheimauftrag den der.
- 40:58Wertrov erfüllen muss. Der General ist in einer
- 41:02schwierigen Situation, er wird von westlichen Geheimdiensten
- 41:05beobachtet, und er will auch nicht das große Risiko eingehen,
- 41:08dass dieser, dass diese Aktion scheitert, und deshalb schickt
- 41:11er wertrov vor, dass er sich mit einem anderen geheimen Agenten
- 41:14aus Amerika trifft, übrigens in internationalen Gewässern, wo
- 41:19ihnen niemand was anhaben kann und das Treffen völlig dann
- 41:22legal ist. Niemand das richtig beobachten
- 41:24wird können. Und so passiert es auch und das
- 41:28ist aus meiner Sicht der erste große Schritt zu Alaska oder zu
- 41:31dem möglichen Frieden, den wir irgendwann mal erleben werden.
- 41:34Und wenn sie mit dem heutigen Bundeskanzler Friedrich Merz
- 41:39eine Nacht in Lissabon verbringen könnten, und er
- 41:41müsste ihnen zuhören, was würden Sie ihm sagen?
- 41:46Ich würde das Gespräch mit ihnen so führen, wie ich das jetzt im
- 41:50Interview führe. Ich würde Ihnen sagen, dass ich.
- 41:53Kein Eiferer bin und ich will nicht groß Politik machen.
- 41:58Ich will nur als jemand, der genug Lebenserfahrung gesammelt
- 42:01hat, vieles gesehen hat auf der Welt, auch andere Kulturen
- 42:04kenne, ihn davor warnen in Deutschland in dieser Hybris zu
- 42:09leben, davon muss auch runtergegangen werden.
- 42:12Man muss auf andere Völker zugehen, man muss die Realität
- 42:16beobachten, muss vor allen Dingen von seiner.
- 42:19Buchnäßigkeit und Arroganz Heruntersteigen und das ist, das
- 42:23ist ne wirkliche Aufforderung und die wird helfen, wenn
- 42:26Politiker bisschen demütiger sein werden und nicht immer
- 42:29alles versprechen und Rumkommandieren und glauben,
- 42:32dass sie die besten sind und dass sie die Welt beherrschen
- 42:35und dass sie alles besser wissen wie andere, wenn das alles
- 42:37bisschen demütiger passiert, dann werden wir auch Wege zum
- 42:41Frieden, zur Diplomatie und zur Verständigung finden.
- 42:44Mehr Demut in der Politik dafür plädiert Alexander Ra in seinem
- 42:48neuen Roman Das Goldene Tor von Kiew, den ich sehr empfehlen
- 42:53kann, ausgesprochen spannend und wir bei gegen den Strom
- 42:57präsentieren hier Positionen, die sie sonst wo nicht hören.
- 43:00Teilen Sie unseren Kanal, abonnieren Sie unseren Kanal bis
- 43:03zum nächsten Mal.