Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 041 Tarot in der Literatur - Folge 13: Die Verwandlung | mit Tino Wiesinger
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- Petra Baum: Hallo zusammen, wir begrüßen euch ganz herzlich in unserer heutigen Folge Tarot in der Literatur. Heute stellen Tino und ich euch Franz Kafka's Erzählung die Verwandlung vor. Eines seiner bekanntesten Werke und ein Paradebeispiel für das, was früher oder später besser gesagt Kafka ist, genannt wurde. Eine unerklärliche Ausnahmesituation, eine nüchter Natur, eine dichte Atmosphäre von Ohnmacht, Isolation und dazu familiärer Druck. Kafka wurde 1883 in Prag in eine jüdisch-deutschsprachige bürgerliche Kaufmannsfamilie geboren. Er war hochgebildet, studierte Jura und arbeitete anschließend in einer Versicherung. Ein Beruf, der ihn nicht wirklich ausfüllte, der aber seine genaue Beobachtung von Bürokratie und Macht prägte. Als er die Verwandlung schrieb, war er 29 Jahre alt und literarisch noch weitgehend unbekannt. Zur Lebzeiten wurde er nur in einem kleinen literarischen Kreis wahrgenommen. Erst Postum wurde er international berühmt. Heute gelten die Verwandlung, der Prozess und das Schloss als zentrale Texte der literarischen Moderne. Kafka war mehrfach verlobt und liert und löste die Beziehung aber immer wieder getrieben von Selbstzweiflung und durch die Belastungen durch Schreiben und seine Arbeit. Ehüter schreiben übrigens für lebensgefährlich, arbeite aber dennoch häufig nachts, weil er glaubte, nur in dieser Stille die eigentliche Austrutzform finden zu können. Kafka starb 1924 im Alter von erst 40 Jahren an den Folgen einer fortschreitenden Kehlkopf Tuberkulose. Soweit zu dem Mensch Franz Kafka als kleinen Einstieg. Und jetzt widmen wir uns wieder der Verwandlung. und allen Tarot Archetypen, die wir darauf gefunden haben und freuen uns mit euch gemeinsam auf eine schöne Interpretation, viel Inspiration und natürlich auch später, was ihr davon erhaltet. Schreibt uns Kommentare, gebt uns Likes, folgt uns und damit, lieber Tino, du darfst! Tino Wiesinger: Ja, ich steige heute mal ein bisschen anders ein. Ich lese euch nämlich den Beginn der Erzählung vor. Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Tja, also wenn wir uns jetzt vorstellen, so beginnt eine Erzählung, dann fühlen wir uns ja schon direkt am Anfang irgendwie so ziemlich angeekelt, vielleicht auch bedrückt. Also ich kann mich erinnern, als ich das das erste Mal gelesen habe, wirklich gedacht, ein ungeheures Ungeziefer. Was mag das sein? Er liegt da im Bett und ohne weiteres wacht er morgens auf und ist ein ungeheures Ungeziefer. Natürlich lesen wir dann weiter, weil wir ja wissen wollen, warum ist der da jetzt ein Ungeziefer? Was ist da passiert? Ist das vielleicht nur eine Metapher? Ist das nur ein Bild für irgendwas? Aber nein, er ist wirklich zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Man kann sich das vorstellen, vielleicht wie einen lebensgroßen, einen menschgroßen Mistkäfer. So stelle ich mir das vor. Wie er da im Bett liegt, die Decke geht nicht mehr über seinen Körper drüber, seine Beinchen gucken da vielleicht irgendwo raus und er versucht aufzustehen und kann sich aber nicht bewegen, wie so ein Käfer, der auf dem Rücken liegt. Er ist absolut bewegungsunfähig. Da sind wir direkt schon beim ersten Archetyp, nämlich beim Gehänken. Er kann sich nicht bewegen und ich glaube nicht, dass er so sehr entspannt aussieht, wenn er da in diesem Bett liegt und überhaupt nichts machen kann. meine, sein Becker klingelt sehr früh morgens. Er muss zur Arbeit, er muss Geld verdienen und der Gregor ist ein sehr, sehr gewissenhafter junger Mann, der regelmäßig zur Arbeit geht, der wirklich sehr gewissenhaft ist. Er muss den Zug bekommen, er ist Handlungsreisender. Dementsprechend muss er seinem Job nachgehen und irgendwann klopft es auch schon an seiner Tür, weil die Mutter ihnen erinnert, ja, Gregor, bist du schon wach? Und Gregor antwortet, kriegt aber gar nicht so richtig einen Ton aus sich heraus. Wo so ein Quiken, so ein bisschen vielleicht kriegt er noch was raus am Anfang. Aber er weiß überhaupt nicht, was los ist. Noch versucht er wirklich aus diesem Bett rauszukommen. Und es geht sogar so weit, dass irgendwann sein Vorgesetzter, der Prokurist vor der Tür steht und klingelt und fragt, wo bleibt denn der Herr Samser? Der muss doch jetzt langsam mal hier loslegen. Aber er kann nichts tun. Und dann geht irgendwann die Tür auf, weil nämlich der Prokurist dann auch vor der Tür steht und der Vater und die Mutter stehen vor der Tür und wollen jetzt endlich wissen, was mit Gregor los ist. Und dann machen sie die Tür auf. Gregor ist mittlerweile aus dem Bett gekullert, irgendwie rausgefallen. Und sie sehen diesen ekelhaften Käfer, dieses riesige Ungeheuer. Nicht einfach nur eine kleine Kakerlake, sondern wirklich menschengroß. Die Mutter fällt in Ohnmacht und der Vater wird schon aggressiv, macht die Tür zu und er ist absolut isoliert, dieser Käfer zunächst erstmal in diesem Zimmer, weil jeder sich fragt, was... Eigentlich nein, die fragen sich noch nicht mal, was da passiert ist. Also die Familie von Gregor fragt sich nicht, was da passiert ist. Petra Baum: Die sind nur entsetzt, dass es nicht so weitergeht wie bisher gewohnt. Tino Wiesinger: Jetzt kann der nicht zur Arbeit gehen. Wer bringt denn jetzt bitte das Geld nach Hause? so wirklich sich Gedanken darum machen, wer sich jetzt ⁓ Gregor kümmert, machen sie auch nicht. Wir kommen dann noch dazu, immerhin eine gibt es, die sich dann ⁓ Gregor kümmern kann, nämlich seine Schwester. Aber erstmal, der Leser fragt sich doch hier in dem Fall, was ist denn mit Gregor passiert? Und im Laufe der Erzählung merkt der Erzähler oder merkt der Leser und der Erzähler macht es deutlich, dass Gregor absolut eigentlich überfordert ist mit dem, was er alltäglich schaffen muss. Frühes aufstehen, spät wieder abends nach Hause kommen, menschliche Beziehungen hat er kaum. Er hat auch nie eine Frau gehabt. Er hat da so in seinem Zimmer so ein Bild hängen. dass er quasi als Ersatz für eine Partnerschaft sieht. Aber so wirklich menschliche Beziehung hat er nicht. Und er ist absolut völlig fertig mit der Welt. Eigentlich ist er hier bei den Zehn Schwertern angelangt, wie er jetzt in diesem Bett liegt. Diese Person, die da so liegt mit den Zehn Schwertern im Rücken, kann sich auch so nicht bewegen. Wer weiß, was diese Person da denkt, was in ihr vorgeht, was sie für Aufgaben bewältigen muss. Petra Baum: Der Weg ist definitiv nicht mehr weiter vorhanden. wie gesagt, du erwähntest es ja auch schon, er war ja auch zur Sicherung des gesamten Familieeinkommens zuständig. Also auch diese Bürde war ausschließlich auf seinen Schultern. Es ging jetzt nicht mehr weiter. Tino Wiesinger: Ja. Ja. Seine Familie kümmert sich nicht. Die Mutter geht nicht arbeiten. Die Schwester möchte am Konservatorium studieren. Und der Vater glaubt zumindest nicht mehr arbeiten zu können, weil er irgendwie kränklich ist, zu alt. Also da passiert nicht viel. Er ist der Einzige, für diesen Lebensunterhalt sorgt. Und er muss auch tatsächlich ... Für viel Sorgen denn noch haben sie Angestellte, die Familie hat Angestellte, hat eine Haushälterin, eine Köchin. Und mit Sicherheit liegt Gregor oftmals nachts wach vor dieser Verwandlung in diesen Käfer und überlegt sich, wie komme ich denn aus dieser Misere raus? Wie kriegen wir das denn hin? Wie kriege ich genug Geld ins Haus, ⁓ diesen Lebensstandard halten zu können? Nein. Schwerter. Petra Baum: Hat aber keiner interessiert außer Ihnen. Tino Wiesinger: interessiert, dass keiner weiß auch was von, er redet auch nicht darüber. Er frisst das alles in sich hinein und irgendwann ist er eben dieses Ungeheuer. Vielleicht ist er auch mit sich selbst nicht zufrieden, weil er sich denkt, ich hätte viel früher mal sagen sollen, jetzt reicht's, ich kann nicht mehr. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Es ist wieder das klassische Burnout-Syndrom, was man hier sehen kann. Petra Baum: Dann hätten wir neben den Zehen der Schwerte auch noch die Zehen der Stäbe. Tino Wiesinger: Hätten wir. Genau. Aber es ändert sich erst mal nichts. Er liegt da, beziehungsweise ist jetzt in seinem Zimmer. Glücklicherweise hat er aber seine Schwester Grete, die ihm öfter mal das Essen bringt und die dann letztendlich dafür sorgt, dass Gregor überlebt. Aber wer arbeitet jetzt? Wer bringt jetzt das Geld ins Haus? Wer ist für die acht Münzen zuständig? Da gibt es noch keine Antwort. Das wirkliche Arbeiten, hat bisher nur Gregor gemacht, aber wie soll er denn jetzt diese Münzen schmieden sozusagen? Das kann er gar nicht mehr. Er ist auch viel zu unbeweglich. Er kriegt es nicht mehr hin. Und jetzt muss es eigentlich zu einem Neuanfang kommen für die Familie. Gregor bleibt über Tage, Wochen in seinem Zimmer. Er kriegt von seiner Schwester regelmäßig Milch zum Trinken. Er kriegt auch Essensreste, aber er merkt auch immer mehr irgendwie schmeckt ihm das alles gar nicht mehr. Also diese frische Milch und Selbst diese Essensreste, mag er nicht mehr. Er mag es viel mehr, wenn er Käse bekommt, der schon richtig verfault ist, der schon eigentlich für Menschen nicht mehr genießbar ist. Er kann immer weniger Laute von sich geben. Er wird dafür immer ein bisschen beweglicher. Er kann sich jetzt auch im Zimmer bewegen, immer ein bisschen besser. Er kommt mit seinem Körper, mit seinem Panzer klar. Aber man merkt schon, er ist immer weniger Mensch. Er wird immer mehr zu diesem Insekt, zu diesem Käfer, zu diesem Ungeheuer, während die Familie wiederum lernen muss, mit weniger Geld klarzukommen. Die Lebensverhältnisse müssen angepasst werden. Das Personal muss entlassen werden. Irgendwann werden auch Untermieter aufgenommen, damit da noch bisschen Geld ins Haus kommt, die natürlich nichts von Kriegern mitkriegen dürfen. Das ist natürlich auch oft ein Problem. Aber sie kriegen es halbwegs hin. Sie lernen letztendlich mit der Situation halbwegs klar zu kommen und ein neues Leben zu beginnen. Aber noch nicht so richtig. Wir sind eigentlich erst bei dem Ass der Stäbe angelangt. Das Ast der Stäbe zeigt der Familie, so kann es nicht weitergehen. Wir müssen jetzt irgendwas Neues beginnen. müssen überlegen, was machen wir mit Gregor? Der ist ja eigentlich jetzt nur noch eine Last. Vorher war er lebensnotwendig für die Familie, jetzt ist er nur noch eine Last. Und ja, es muss neu anfangen. Beginnen. Die Familie muss sich überlegen, was wollen wir eigentlich? Die Schwester, Grete wiederum, die kümmert sich immer weiter ⁓ Gregor. Die ist auch noch sehr liebevoll. Sie bringt ihm regelmäßig Essen. Sie ist, finde ich, der typische Page der Münzen. Die noch was tut für ihn, die das Essen bringt, die auch mal das Zimmer sauber macht. Denn die Mutter kann das nicht, die traut sich da überhaupt nicht in das Zimmer rein. Die ist auch asthmakrank, das heißt, sie würde sofort einen Asthmaanfall bekommen, wenn sie da in dieses Zimmer ginge. Deswegen übernimmt das im Prinzip die Schwester. Sie ist diejenige, die mit diesem Ungeheuer noch halbwegs umzugehen weiß. Im übertragenen Sinne, die dem Löwen ins Maul passen kann, auf eine liebevolle Art und Weise. Sie ist die Einzige, die da Kraft für hat. Ja, aber die Frage ist, wie lange diese Kraft anhält. Es kann nicht ewig so weitergehen. Irgendwann verliert auch Grete immer mehr das Interesse, denn ihr Bruder ist nicht mehr ihr Bruder. Der Bruder wird immer mehr zum Käfer, zum Insekt, zum Tier. irgendwann ekelt sie sich auch und hat... wirkliche Energie mehr dahin zu gehen. Und der Vater, der Vater sowieso nicht. Also der Vater ist ja wieder einer der unsympathischen Figuren in der ganzen Literatur. Der Vater, der so tut, als hätte er alles im Griff, als würde er, hätte er das sagen, als sei er der Herrscher der Familie. Aber er ist ein schwacher Herrscher, der macht nichts, der kommt nicht auf die Idee zu arbeiten. Und vor allem hat er aber noch eine ganze Menge Geld auf der hohen Kante, ohne Gregor da jemals was von gesagt zu haben. Und ist also auch jemand, der schon auch betrügerische Tendenzen da hat seiner Familie gegenüber. Dabei stellt er sich als das moralische Vorbild da, als der, der die Familie da noch irgendwie am Laufen hält. Da denke ich natürlich dann auch wieder sehr an den Hierophanten, der glaubt, er hat die Moral mit Löffeln gefressen sozusagen und hat aber selber gar keine. Er ist eigentlich der umgekehrte Hierophant, der keine anderen Sachen zulässt. Übrigens, wenn du die Karte noch mal hochhältst, übrigens auch die Karte der Herrscher. Petra Baum: dogmatisch an seinen Sachen festhält. Ja, die Unentscheidung. Tino Wiesinger: bei beiden Karten eine dominierende Farbe. Farbe Rot. Und was passiert relativ am Ende der Erzählung? Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Gregor wird mit einem Apfel beworfen, wahrscheinlich ist es ein roter Apfel, vermute ich jetzt mal, den nämlich der Herrscher bzw. der Hierophant auf Gregor wirft. Und dieser Apfel, jetzt wird es bisschen eklig, der bleibt tatsächlich in diesem Panzer stecken und entzündet sich, weil natürlich dann wahrscheinlich schon irgendwelche Tiere da sich auch eingenistet haben mit dem Laufe der Zeit. Petra Baum: entzündet sich. Tino Wiesinger: Und keiner kann diesen Apfel entfernen und will es auch nicht. Und es entzündet sich und das ist richtig eklig. Es muss auch gestunken haben. man möchte einfach auch dieses Zimmer nicht mehr betreten. Also deswegen, ich kann auch Grete verstehen, ich kann das einfach nicht mehr. Petra Baum: die aus der Empathie dann auch irgendwann rausfällt und keinen Nerv mehr hat. Tino Wiesinger: und es kommt, wie es kommen muss. Gregor stirbt. Wir sind bei der Karte der Tod angelangt. Und da ist wieder das ganz typische, was ich immer wieder bei der Karte der Tod sage. Wir sollten uns nicht den Tod vor allem angucken, sondern vor allem sollten wir uns die Sonne im Hintergrund anschauen, die da aufgeht. Für Gregor geht die Sonne nicht mehr auf, dafür ist es zu spät. vielleicht im späteren Leben. Aber für die Familie geht jetzt endlich die Sonne auf. Die Familie hat die Möglichkeit sich zu verwandeln. Jetzt wo Gregor auch weg ist, die Familie hat jetzt gelernt, erstens mit weniger klarzukommen und ist auch mal vielleicht auf die Idee gekommen, sich selber mal ⁓ Arbeit und ⁓ Einnahmen zu kümmern, wie die Familie an Geld kommt. Für sie beginnt jetzt tatsächlich die Verwandlung. Wir denken natürlich zuerst, wenn wir den Begriff Verwandlung hören, an Gregor, der sich da in ein Ungeheuer verwandelt. Aber im Grunde genommen geht es gar nicht so sehr ⁓ Gregor, sondern es geht eigentlich vielmehr ⁓ die Familie, die sich verwandeln muss, die dann am Ende auferstehen kann. Weil sie nämlich jetzt lernt, alleine ins Leben zu starten, ohne da immer jemanden zu haben, der alles regelt und der das Geld nach Hause bringt. Das ist die typische Karte, Gericht, die ich ja lieber mit Aufherstehung betiteln möchte. ja, im Prinzip ist das eigentlich auch schon die Geschichte, denn damit endet die Erzählung mit dem Tod Gregors. Die Last ist verschwunden. Eigentlich sowohl auf Gregors Seite diese Böde, er zu tragen hat, aber eben auch die Last der Familie immer nur von jemand anderem abhängig zu sein. Ich meine, es gibt natürlich da noch weitere Interpretationen. Viele sagen auch, ja, da steckt auch der Vaterkonflikt von Kafka mit drin. Der Vater, der den Gregor damit mit dem Apfel bewirft und Auch Kafka hatte Schwierigkeiten mit seinem Vater. Es gibt da diesen Brief an den Vater, der nicht sehr nett ist. Aber ganz ehrlich, wenn ich mir die Verwandlung anschaue, mich interessiert in dem Fall gar nicht, was Kafka da selber drin sieht, sondern eigentlich das, was wir da lernen können in dieser Erzählung. geht hier vor allem ⁓ Befreiung in meinen Augen. Befreiung von Abhängigkeiten. Sowohl auf der aktiven Seite, dass ich mich nicht abhängig mache und sage, ich tue alles nur für andere und mache mich damit von anderen abhängig, aber auch nicht auf der passiven Seite, dass ich kein eigenes Leben habe ohne andere Menschen. Und ich finde, das lässt sich... mithilfe der Tarotkarten noch viel deutlicher sehen, als wenn wir uns jetzt nur die Lektüre ohne die Tarotkarten vornommen hätten. Und da sind wir eigentlich auch schon relativ am Ende, aber... Petra Baum: Wie immer haben wir selber am Anfang zwei Karten darauf gezogen, weil wir auch neugierig sind, welchen Impuls uns die Geschichte mitgibt. Und diese Karte wollte zu mir. Ganz spannend, gerade nach den letzten Worten, die du gesagt hast, dass man eigentlich sehr auffordert, die Geschichte sich zu befreien. Und genau das ist hier. Tino Wiesinger: Und dann ist er... Petra Baum: bei der Achter Schwärter noch nicht passiert. Das ist wirklich dieses Gefangenen im Gedankenkausel, vielleicht auch manchmal bewusst, dass man gar nicht den Ausweg sehen möchte, dass man sich selber auch gefangen hält. Und wir hatten ja vorhin schon die neun der Schwerter und die zehn der Schwerter als Fortsetzung dann für Gregor und im Endeffekt zeigt es das halt auch, was ist ihm denn vorausgegangen. Man fühlt sich in einer Mühle, man kommt nicht mehr raus, gilt tatsächlich auch für die anderen Familienangehörigen, die sich genauso in diese Mühle haben ziehen lassen. Das lähmt und ich glaube, das zeigt diese Karte nochmal ganz schön. Tino Wiesinger: Und es sind die Gedanken, die auch Auswirkungen auf das Körperliche haben. Dieses, ich kann mich nicht bewegen, wenn die Gedanken zu stark werden und zu grausam oder zu heftig werden. Aber eigentlich müsste auch die Person nur einen Schritt vorwärts gehen und das tut die Familie. Sie geht einen Schritt vorwärts und da finde ich passt auch die Karte, die ich gezogen habe, sehr gut dazu. Nämlich die Karte der Nah. Jetzt müssen wir uns vorstellen, wenn der Nah jetzt noch einen Schritt vorwärts dann stellen wir uns vielleicht vorher Feld herunter, aber wir wissen ja gar nicht wie tief es geht. Er könnte einfach diesen Schritt gehen. Vielleicht geht das gar nicht so tief oder man muss vielleicht erstmal fallen, aber vielleicht landet man auch weich. Und so geht es der Familie. Sie landet nämlich dann weich. Und lustigerweise ist das Tier, das Ungeheuer, in netter Weise auch auf der Karte zu sehen. Nämlich dieser kleine Hund, der da auch noch aufpasst, dass da auch noch alles mit rechten Dingen zugeht, dass da noch alles gut läuft. Aber im Prinzip ist das hier die Familie, die jetzt neu anfangen muss, die in das Abenteuer Leben starten muss. ⁓ Freimacht von allen Abhängigkeiten, von all dem was vorher war, jetzt einfach wirklich ins Leben starten kann. Petra Baum: Neuanfang nicht gewollt, aber angenommen. Tino Wiesinger: Das ist tatsächlich die Geschichte. Und natürlich ist es aber auch typisch Kafka, dass trotzdem auch Fragen offen bleiben. Was soll jetzt eigentlich dieses Ungeheuer wirklich? Warum ist es gerade ein Ungeheuer, Käfer? Kann er sich nicht in irgendwas anderes verwandeln? Hätte er aus eigener Kraft sich wieder zurück verwandeln können? Das sind natürlich Fragen, die wir uns dann stellen können. Aber ich glaube, die müssen wir nicht für Kafka beantworten, nicht für und auch nicht für Gregor Samsa, sondern die Fragen müssen wir uns von selbst beantworten in unserem Leben. Stecken wir in irgendwelchen Abhängigkeiten und können wir uns irgendwie auf irgendeine Art und Weise von Abhängigkeiten befreien und so eigentlich auch zum Narren werden? Denn der Nar ist ja eine Karte, die zwar auch mit Naivität manchmal einhergeht, aber dennoch mit Abenteuer und mit Aufbruch und mit was Neuem. Und dann schaffen wir es uns wirklich aus diesen Fesseln zu befreien und zu lösen. Und diesen Feindschaften zu lassen. Petra Baum: Das zeigt auch die Frage sehr wahrscheinlich, was ist, wenn morgen nichts mehr so ist wie zuvor? ⁓ dann nochmal auf den ersten Satz zu kommen, wenn man am nächsten Tag aufwacht als ein ungeheuerliches Insekt oder Ungeziefer, dann ist die Welt nicht mehr wie vorher. Und vielleicht dürfen wir es ein bisschen übertragender sehen, aber es wird diese Situation in jedem Leben mal geben, dass plötzlich sich Sachen grundlegend ändern, die nicht nur mit einem selbst, sondern auch mit dem ganzen Kontext der Familie, Beziehungen, Arbeitsumfeld und anderem zu tun haben. dann könnte man mal darüber etwas philosophieren, welche Beziehungen dann stärker werden, schwächer werden, sich ändern oder endgültig auch transformieren dürfen. Tino Wiesinger: oder verwandeln. Petra Baum: ganz genau, was man selbst draus macht oder welche Lüge man vielleicht auch freigibt, je nachdem von welcher Perspektive man es sieht. Tino Wiesinger: Ich hoffe, die Erzählung ein bisschen von einer anderen Seite beleuchten und ihr konntet da auch was mitnehmen. Petra Baum: Ja. Genau, wir hoffen, wir konnten euch inspirieren, was immer unser Ziel ist. Vielleicht habt ihr selber noch andere Karten im Hinterkopf, vielleicht habt ihr auch noch Anregungen. Wir freuen uns über eure Kommentaren, freuen uns, wenn ihr uns folgt und wenn ihr uns Likes gebt und sagen bestimmt bald wieder Hallo mit einem nächsten Titel im Tafo in der Literatur Talk. Für heute wünschen wir euch noch einen wunderschönen Tag. Tino Wiesinger: Bis zum nächsten Mal. Petra Baum: Ciao!