Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Zerstört Merz die CDU?
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- 0:00Wir können ja feststellen, das haben auch ganz viele in der Ziele schon festgestellt,
- 0:04die Brandmauer-Strategie, wie man sie sich vorgenommen hat mit dieser Brandmauer,
- 0:07wir bauen sie auf und dann erledigt sich dieses Problem sukzessive,
- 0:11die hat ja nicht funktioniert.
- 0:12Ganz egal, wie man zu dieser Brandmauer steht, aber das hat nicht funktioniert.
- 0:15Sonst gäbe es nicht diese Werte, über die wir heute sprechen.
- 0:21Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo immer noch.
- 0:31Das ist Rambo Zambo, der Merz-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht.
- 0:38Mit Carlotta Richter und Julia Emmerich.
- 0:41Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Rambo Zambo,
- 0:45dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche über unseren Bundeskanzler
- 0:49Friedrich Merz sprechen.
- 0:51Carlotta kann heute leider nicht dabei sein, aber umso mehr freue ich,
- 0:55dass noch einmal Jörg Quoß bei mir sitzt. Hallo Jörg, schön,
- 0:59dass du da bist. Hallo Julia, vielen Dank, ich freue mich.
- 1:01Jörg ist Chefredakteur bei uns, bei Funke, und beobachtet die Politik sehr intensiv,
- 1:07sehr lange. Und ich freue mich immer auf deine Analysen.
- 1:10Und auch wieder in dieser Woche, ja, wir haben einen neuen Tiefpunkt erlebt
- 1:14für den Kanzler. Es ist etwas passiert, was noch keinem Kanzler je zuvor passiert ist.
- 1:21Seine Partei ist bei einer Landtagswahl unter die Fünf-Prozent-Hürde geraten.
- 1:25Das ist das Landtagswahlergebnis von Mecklenburg-Vorpommern vom letzten Wahlsonntag.
- 1:32Es gibt Leute in der Partei, die sagen, wir stecken jetzt in der schwersten
- 1:35Krise, in der die CDU in ihrer gesamten Geschichte steckte.
- 1:41Selbst Sachen wie, viele werden sich vielleicht gar nicht mehr daran erinnern,
- 1:43aber Spendenaffäre, ganz großer Vertrauensverlust usw. Alles das gab es.
- 1:48Aber die Leute sagen jetzt, nee, das ist jetzt noch eine Nummer schlimmer. Wie siehst du das?
- 1:53Und zerstört Friedrich Merz ganz am Ende diese große alte Volkspartei, die CDU?
- 1:59Also so zugespitzt zerstört er die CDU, würde ich das nicht sehen.
- 2:02Die Frage darf man stellen, aber an der Krise der CDU haben schon ein paar andere mitgewirkt.
- 2:08Also wir dürfen nicht vergessen, Friedrich Merz ist das Erbe auch von Angela
- 2:12Merkel angetreten und hat natürlich zu kämpfen gehabt mit den Folgen einer etwas
- 2:18wurschtig betriebenen Migrationspolitik.
- 2:20Angela Merkel hat ja damals in entscheidenden Stunden sehr großherzig gehandelt
- 2:26und Flüchtlinge im großen Stil in Deutschland aufgenommen.
- 2:30Und es gab ja eine Bewegung, die auch wirklich von der Gesellschaft getragen war. Refugees welcome.
- 2:37Nur ist danach halt nicht darauf geachtet worden, dass das alles wieder in geregelte
- 2:41Bahnen, auch im Sinne unseres Staatsrechts läuft.
- 2:45Und ich hatte hochrangige Juristen damals aus der Bundesregierung bei mir in
- 2:50der Redaktion, die sagten, wir beteiligen uns jeden Tag an Rechtsbrüchen.
- 2:54Wir dürfen so nicht öffentlich sagen, sonst wären wir weg. Also das sind Folgen,
- 2:59die Merz auch ausbaden muss. Und wir erleben es in dem Fall beim Thema Migration im Erstarken der AfD.
- 3:05Das ist jetzt nicht ein rein von Merz gemachtes Problem.
- 3:10Aber Mertz Augen auf bei der Berufswahl, sage ich jetzt mal.
- 3:15Er ist Kanzler geworden, ist Parteichef geworden, er kannte die Lage und hat
- 3:18jetzt nicht genug dazu beitragen können, es zu drehen und diese Probleme zu
- 3:23lösen und es eklatant zu verbessern.
- 3:26Das ist sein Problem und dazu kommt es noch, was ihm jetzt wirklich zunehmend
- 3:30auf die Füße fällt und auch immer stärker so benannt wird, ist die Art und Weise,
- 3:36wie er führt und wie er Politik erklärt, wie er auf Leute zugeht.
- 3:40Also ich sag mal in einer Talkshow auf eine Kinderärztin losgehen oder eine
- 3:44Krebskranke anpampen oder Journalisten vor laufenden Kameras rund machen,
- 3:49nur weil er nicht schnell genug einen Sitzplatz gefunden hat.
- 3:51Das sind schon Sachen, die liegen in seinem Verantwortungsbereich und die prägen
- 3:54im Augenblick auch das Bild des Parteivorsitzenden und damit auch der Partei.
- 3:58Und er tut jetzt nicht genug dazu, um die Zerstörung oder die Erosion der CDU aufzuhalten.
- 4:08Mecklenburg-Vorpommern, weniger als 5 Prozent, das ist wahrscheinlich auch zunächst
- 4:13mal ein krasser, vielleicht auch singulärer Fall.
- 4:16Wir haben im nächsten Jahr ja Landtagswahlen in großen Bundesländern im Westen,
- 4:20Nordrhein-Westfalen, dann im Herbst Niedersachsen.
- 4:23Kannst du dir vorstellen, dass solchen Trend sich auch dort vielleicht nicht
- 4:28Richtung 5 Prozent würde, aber dass sich in manchem Land das nochmal krass verschlechtert für ihn?
- 4:36Also dass es weiter runter geht, wird von allen erwartet. Dass in NRW die CDU
- 4:42aus dem Landtag fliegt, glaubt natürlich keiner.
- 4:44Aber in den ostdeutschen Ländern haben wir den Trend gesehen.
- 4:49Die Ostdeutschen waren vielleicht die glühendsten Märzbefürworter,
- 4:52als er die politische Bühne betrat, mit markigen Worten eine neue Richtung einläutete.
- 4:58Wir brauchen mehr Wirtschaft, Arbeitsplätze.
- 5:00Da gab es ja eine sehr starke Unterstützung wahrnehmbar, auch im Osten.
- 5:03Und die ist jetzt, glaube ich, krass gewichen einer großen Merzkritik.
- 5:09Also das stellen wir jetzt gerade in den ostdeutschen Bundesländern vor, die,
- 5:13haben sehr schnell realisiert, dass das, was da versprochen wurde,
- 5:16nicht kommt und dass das nicht funktioniert und sind jetzt zu Märzkritiken mutiert
- 5:20und vielleicht sind auch die Wählerinnen und Wähler dort nicht so CDU-treu wie,
- 5:25in der alten Bundesrepublik, wo man irgendwie schon seit Jahrzehnten immer CDU
- 5:28gewählt hat in bestimmten Kreisen,
- 5:30sind die Wählerinnen und Wähler im Osten etwas ungeduldiger und untreuer und
- 5:34das kriegt jetzt März voll ab und die CDU.
- 5:36Und es war natürlich der Wahlabend, der letzte Wahlabend hätte nicht schlimmer ablaufen können.
- 5:41Also CDU unter der 5%-Hürde,
- 5:46eine AfD stärkste Kraft in Mecklenburg-Vorpommern, in Berlin ein CDU-Regierender Bürgermeister weg.
- 5:55Und nur noch zweite oder dritte Geige und die Linke, die enteignen will ganz vorne.
- 6:02Einen schlimmeren Wahlabend kann man als CDU-Vorsitzender nicht erleben.
- 6:07Wenn wir uns vor einem Jahr genau so ein Szenario hier mal ausgemalt hätten.
- 6:11Ich wäre sicher, dass wir beide gesagt hatten, am nächsten Morgen brennt die Hütte bei der CDU.
- 6:17Es werden Rücktrittsforderungen laut. Es wird eine richtige Welle aus den Kreisverbänden
- 6:22kommen. Die Ministerpräsidenten werden möglicherweise Alarm schlagen und so
- 6:26weiter. Das ist mit einem.
- 6:28Wenigen Ausnahmen an dem Montagmorgen nach der Wahl ausgeblieben. Das hat Gründe.
- 6:35Ich fand interessant, dass überhaupt in den Stunden nach der Wahl sich nur sehr
- 6:39wenige überhaupt öffentlich geäußert haben.
- 6:42Und diejenigen, die dann deutliche Kritik geäußert haben, das waren Leute,
- 6:47bei denen man dachte, naja, okay, ihr habt auch so eure eigenen Gründe.
- 6:51Zusätzlich möglicherweise zu der berechtigten Kritik an diesem Parteivorsitzenden.
- 6:56Du hast, glaube ich, das Interview mit dem ehemaligen geschassten CDU-Generalsekretär
- 7:02Mario Chaya dir angeschaut.
- 7:06Ja, also nochmal grundsätzlich, warum, deine Frage war ja, warum gab es keinen
- 7:10Aufstand am nächsten Tag?
- 7:13Und so einen Aufstand braucht ja immer auch einen Anführer, ja,
- 7:17denn da sind die CDU-Granten schon alle schlau genug, wenn wir jetzt unseren
- 7:21Chef zerschießen, was ist denn dann? dann braucht es ja jemanden, der es macht.
- 7:26Und der ist ja im Augenblick weit und breit nicht zu sehen. Ich meine,
- 7:30wir sprechen alle immer, auch in diesem Podcast, über Hendrik Wüst,
- 7:33den Reservekanzler. Aber der hält sich ja permanent bedeckt.
- 7:36Der will jetzt erst mal die Wahl in Nordrhein-Westfalen gewinnen.
- 7:39Und deswegen ist dieser ganz große Aufstand meines Erachtens ausgeblieben.
- 7:44Weil es gibt niemanden, der es bereit ist, da in die Bresche zu springen und
- 7:46den Königsmörder zu geben.
- 7:48Und außerdem hat ja Merz es sich alle um sich geschart am Wahlabend.
- 7:52Wir haben ja an diesem Wahlsonntag was ganz Ungewöhnliches erlebt.
- 7:55Das Präsidium wurde einberufen, 17 Uhr, eine Stunde vor Schließung der Wahllokale
- 8:00und Merz ist noch bevor er wusste, wie diese Wahl ausgegangen ist,
- 8:03in die Öffentlichkeit gegangen und hat die Linie vorgegeben,
- 8:06und hinter der mussten sich alle irgendwie versammeln und,
- 8:09das ist wirklich, das ist eine Harakiri-Aktion,
- 8:12mit einem riesen Risiko und bis jetzt hat es einigermaßen gehalten.
- 8:16So, und jetzt kommen die, die nichts zu verlieren haben und die eine Rechnung
- 8:20offen haben. Das ist bei Mario Czaja, dem ehemaligen Generalsekretär, ja ganz offenkundig.
- 8:25Merz hat von ihm wenig gehalten und hat ihn abgesetzt. So, und jetzt gibt es
- 8:29dann zwei Möglichkeiten als ehemaliger Generalsekretär, man.
- 8:33Kommentiert das nicht weiter und hält still, weil man sagt, naja,
- 8:35ich habe zwar jetzt einen riesen Rochus auf diesem CDU-Chef,
- 8:40aber ich will meine Partei nicht beschädigen, für die ich ja immerhin Generalsekretär war.
- 8:44Und ich verhalte mich ruhig. Und Mario Czaja hat sich für die Variante entschieden,
- 8:48ich haue jetzt richtig was raus. Ich sag mal, was er gesagt hat.
- 8:52Es ist an der Zeit, dass er den Platz frei macht. Es funktioniert nicht mehr mit ihm.
- 8:56Ihm noch Zeit zu geben, macht gar keinen Sinn.
- 9:00Und ihm fehlt irgendwie noch die emotionale Intelligenz. Das hat er eben auch noch abgesprochen.
- 9:04Also es war ein beinharter Frontalangriff, eines zutiefst Enttäuschten,
- 9:09der jetzt für sich die Chance sieht, jetzt kriegt er das richtig ab.
- 9:13Ja, der aber möglicherweise tatsächlich eine Stimmung trifft und vielleicht
- 9:17auch kanalisiert und ausspricht, was viele denken.
- 9:20Aber aus strategischen Gründen, du hast es eben auch schon angerissen,
- 9:24nicht sagt, jemand anders hat
- 9:25am Dienstagnachmittag, da ist immer Fraktionssitzung, den Mund aufgemacht.
- 9:30Das war Ralf Brinkhaus, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der Unionsfraktion
- 9:35im Bundestag. Der es auch gerne geblieben wäre. Der es gerne geblieben wäre,
- 9:38aber da kam jemand anders und wollte seinen Job. Und der hieß damals Friedrich Merz.
- 9:422022 war das. Brinkhaus musste wieder in die Etappe zurück und gehört zu denen,
- 9:48die sehr kritisch auf den Kanzler schauen.
- 9:50Und der soll in der, das ist keine öffentliche Veranstaltung,
- 9:54das hört man dann, gesagt haben, wir sind nicht breit genug aufgestellt.
- 9:58Der hat die alten guten Zeiten der CDU nochmal wieder aufgezeigt und gesagt.
- 10:02Wo ist ein Blüm, wo ist eine Süßmut? Also Leute, die prominent waren,
- 10:06die aber Meinungsvielfalt gezeigt haben, die die Breite der alten Volkspartei
- 10:11damals noch repräsentierten.
- 10:12Das sind natürlich Namen aus einer alten Zeit, das ist so ein bisschen wie Opa
- 10:15erzählt vom Krieg. Ja, auch wahnsinnig beliebte Leute. Aber eben beliebte Leute
- 10:19und Leute, wo sich Leute auch hinterher versammeln konnten, die vielleicht mit
- 10:23dem jeweils aktuellen Parteivorsitzenden nicht konnten.
- 10:25Aber die dachten, okay, solange so ein Blüm in der Partei ist, ist es meine CDU.
- 10:32Und das fehlt. Der sagt, es ist alles März und ...
- 10:36Merz funktioniert bei den Leuten nicht. Ich glaube, auch Brinkhaus spricht nicht
- 10:40nur für sich selbst, auch wenn er einen Rochus hat, wie du sagst,
- 10:42aber auch der kanalisiert, glaube ich, im Moment so ein Gefühl von vielen,
- 10:47die es aber vielleicht gerade nicht aussprechen.
- 10:49Das ist ja das Gefährliche für Friedrich Merz.
- 10:52Die Brinkhaus, der mit ihm eine Rechnung offen hat, Czaja, der mit ihm eine Rechnung offen hat,
- 10:58die machen das aus ganz durchsichtigen Motiven, das versteht jeder,
- 11:01aber sie liefern natürlich Stichworte, Begrifflichkeiten, die rumgepostet werden,
- 11:05diese Zitate werden rumgeschickt, sie tauchen in Kommentaren auf,
- 11:09in Beiträgen, also sie setzen so einen Ton,
- 11:12einen harten, negativen Ton gegenüber dem Parteivorsitzenden und das ist das
- 11:17Problem von Merz, dass das natürlich sich festsetzt, auch bei den Leserinnen
- 11:21und Lesern unserer Beiträge.
- 11:23Und es ist halt alles so ein Trend, der gegen ihn läuft und der immer stärker wird.
- 11:28Und das ist wie so Wasser, das überall langsam einsickert und durchdringt in
- 11:35so ein Boot und du versuchst überall was zu stopfen, aber da kommt wieder ein
- 11:38kleines Loch und wieder dringt negative Stimmung ein.
- 11:42Und deswegen ist der Kanzler da schon in einer ziemlich verzweifelten Lage,
- 11:46das alles permanent abzudichten und zu gucken, wer das Schiff da weiter auf Kurs hält.
- 11:50Und alle fragen sich jetzt, wie kann das aufgelöst werden? Und am Ende muss
- 11:55man ja wahrscheinlich schon sagen, dass der Kanzler selbst,
- 11:58den Schlüssel in der Hand hat, vielleicht das Ganze zu beenden,
- 12:02ohne die große Revolution, ohne dass man jetzt Menschen verbrennen muss,
- 12:07sondern indem er vielleicht irgendwann an den Punkt kommt, wo er selber sagt,
- 12:11mir fehlt jetzt eine Unterstützung auch in meiner Partei und ich glaube,
- 12:16wir sind an einem Punkt, wo ich vielleicht den Parteivorsitz abgebe oder wo ich vielleicht.
- 12:23Sogar die Kanzlerschaft abgebe, also wo er selbstbestimmt am Ende mal sagt, es geht nicht mehr.
- 12:31Vielleicht haben wir diesen Punkt noch nicht erreicht, aber wir haben es ja
- 12:33schon mal erlebt, diesen Horst-Köhler-Moment. Wir hatten, glaube ich,
- 12:36im letzten Podcast auch mal drüber gesprochen. Der ehemalige Bundespräsident.
- 12:39Der ehemalige Bundespräsident, der dann von sich aus gesagt hat, ich möchte nicht mehr.
- 12:43Und ich glaube, wenn ich jetzt diese Riesenbewegung sehe, das ist ja,
- 12:47wir erleben eine Riesenwelle, die jetzt da permanent gegen März schwappt und immer größer wird.
- 12:53Vielleicht erreicht die Welle wirklich mal einen Punkt, wo sie über ihn drüber
- 12:56geht und er sagt, mir reicht es.
- 12:58Aber auch dann, du hast es eben schon mal kurz angetickt, musst du es ja jemand anders machen.
- 13:03Und dieser jemand anders ist eben gerade nicht sichtbar.
- 13:06Der Eindruck ist, Hendrik Wüst kann sich das grundsätzlich vorstellen,
- 13:11will das, glaube ich, grundsätzlich auch, will sich aber auch nicht verbrennen,
- 13:15will jetzt auch keinen Fehler machen, will es nicht zu früh machen,
- 13:17will es nicht falsch machen, zögert.
- 13:19Und viele, die Hendrik Wüst intensiv beobachten, sagen, so ganz lange kann er.
- 13:26Diese Gratwanderung auch nicht mehr durchhalten.
- 13:28Also das wird irgendwann auch riskant. Irgendwo zwischen er ist der Zögerer
- 13:32und er ist der Heilsbringer, wird er sich irgendwann entscheiden müssen.
- 13:36Aber das ist noch nicht zu sehen. Ich sehe das anders. Er hat noch keinen Handlungsdruck.
- 13:41Er ist gewählter Ministerpräsident, er hat eine Wahl vor der Brust.
- 13:45Warum muss er sich jetzt hier irgendwie in Position bringen?
- 13:48Wir haben einen Parteivorsitzenden, wir haben einen Bundeskanzler.
- 13:51So, und solange es den gibt, muss sich Hendrik Wüst jetzt, finde ich, gar nicht verhalten.
- 13:57Grundsätzlich ist es natürlich schlau, wenn die gestandenen Männer und Frauen
- 14:02in der CDU, wenn sie gefragt werden, stehen sie für die Kanzlerschaft bereit.
- 14:07Grundsätzlich wäre es schlau zu sagen, ja, denn wer nicht bereitsteht für dieses
- 14:11Amt, da frage ich mich, was will der in der Politik eigentlich noch erreichen?
- 14:14Das war ja der große Fehler von Hannelore Kraft, damals Ministerpräsidentin
- 14:18in Nordrhein-Westfalen, eine Kanzlerkandidatur oder eine Kanzlerschaft auszuschließen.
- 14:23Dadurch hat sie sich quasi vom Schachbrett selbst genommen oder hat für die
- 14:28Parteichefin im mächtigsten Bundesland und die Regierungschefin im mächtigsten
- 14:32Bundesland signalisiert, aber Kanzler, nö, mache ich nicht, Kanzlerin,
- 14:36das ist taktisch völlig falsch.
- 14:37Eigentlich müssen Leute, die in der Politik stehen und noch Ambitionen haben,
- 14:42das für sich überhaupt nicht ausschließen.
- 14:44Das kann man ihnen ja auch nicht vorwerfen. Wenn jemand sagt,
- 14:46warum soll ich nicht für eine Kanzlerschaft zur Verfügung stehen,
- 14:49das heißt ja nicht im Umkehrschluss, ich muss das jetzt sofort haben.
- 14:55Ich sehe da jetzt keinen Erklärungsdruck auf Hendrik Wüst. Warum?
- 15:00Ein anderer, der nicht ausschließt, dass er vielleicht doch noch regieren kann,
- 15:04ist Stefan Evers, der Spitzenkandidat der CDU in Berlin bei der Berlin-Wahl.
- 15:08Wir hatten ja zwei Wahlen am letzten Sonntag.
- 15:11Die CDU ist Zweite geworden hinter der Linken. Die Linke hat die Wahl gewonnen
- 15:16mit Elif Ehrab als Spitzenkandidatin, hat damit in der allgemeinen Wahrnehmung natürlich auch erst mal.
- 15:24Anspruch und Recht, sich um Regierungsbildung zu kümmern.
- 15:28Glaubst du, dass am Ende Elif Ehralp regierende Bürgermeisterin wird?
- 15:34Die einzige Regierungsoption, die sie im Moment realistischerweise hat,
- 15:38wäre mit SPD und Grünen eine Koalition zu schließen.
- 15:41Glaubst du, dass das am Ende dabei rauskommt, Berlin, Linke, Regierende?
- 15:47Oder glaubst du, dass es am Ende eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen gibt?
- 15:53Also dass doch eh was es schafft, obwohl nur zweiter Platz, am Ende zu regieren.
- 15:58Also ich glaube, das hat jetzt mit Bundespolitik dann insgesamt weniger zu tun,
- 16:01wie es in Berlin ausgeht. Wir haben nämlich eine ganz besondere Lage bei der Linken in Berlin.
- 16:06Wir diskutieren seit dem Montag die Frage, wie antisemitisch sind Kräfte in
- 16:14dieser Berliner Linken.
- 16:15Was hat diese Berliner Linke zu tun mit mafiösen Clan-Strukturen?
- 16:19Wir haben einen Chat-Verlauf gesehen eines Bundestagsabgeordneten der Linken,
- 16:24mit dem Sohn des bekanntesten Paten von Berlin, wo er sich in seinem Büro mit
- 16:28ihm verabreden will, wo er mit Respekt herzliche Grüße an den Vater ausrichten lässt.
- 16:33Das ist so eine krasse, klebrige Nähe, dass jetzt die Frage,
- 16:38sind die Berliner Linken moralisch in der Lage, in so eine Regierung einzutreten?
- 16:43Das überlagert gerade alles. Wir erleben Absetzbewegungen der SPD.
- 16:46Es gab die Erklärung großer SPD-Männer und Frauen hier in Berlin,
- 16:52unter anderem der ehemalige Regierende Michael Müller, Walter Momper haben das
- 16:57unterzeichnet, die zwei ehemalige Landesvorsitzenden der SPD haben gesagt.
- 17:01Auf dieser Basis kann es keine Koalition mit dieser Linken in Berlin geben. Jetzt haben sich die,
- 17:07Die jüdischen Abgeordneten innerhalb der Sozialdemokratie zu Wort gemeldet und
- 17:12haben gesagt, das geht so nicht.
- 17:13Also da ist schon eine sehr breite Bewegung gerade innerhalb der SPD,
- 17:17die genau diese Frage aufwirft, geht es denn mit dieser Linken?
- 17:20Und man darf auch eins nicht vergessen, ich stelle so eine Euphorie hier auch
- 17:24bei den linken Anhängern in Berlin fest, das muss jetzt sein und es wäre.
- 17:31Der größte Angriff auf die Demokratie, wenn jetzt unsere Elif nicht regierende
- 17:36Bürgermeister wird, man darf
- 17:37nicht vergessen, ja 25 Prozent haben Linke gewählt, aber 75 eben nicht.
- 17:42So, und wenn sich jetzt eine andere Regierungskoalition ergibt aus CDU,
- 17:48Grünen, SPD, die quasi auch eine Mehrheit haben, dann kann das passieren.
- 17:57Noch hat die SPD nicht gesagt, auf gar keinen Fall, Rot-Rot-Grün kommt nicht in Frage.
- 18:01Auch die Grünen. Ich habe mich gestern mit dem Grünen-Parteichef Banaschak länger
- 18:06unterhalten und er sagte, wenn sich die Linke ändert, also wenn die Linken ihre Extremisten,
- 18:12klar distanzieren, wenn sie sich zum Thema Antisemitismus anders verhalten,
- 18:18dann ist das eine Option.
- 18:19Aber es sind so viele Wenn-Dannes. Ich habe nicht das Gefühl,
- 18:22dass die Linken innerhalb,
- 18:24weniger Wochen sich so verändern, so anders darstellen, so klare Entscheidungen
- 18:30treffen, dass so eine Aussage wie jetzt von Felix Banaschak plötzlich ins Ziel ging.
- 18:35Hast du das Gefühl, dass aus diesem, jetzt warten wir mal ab und wir kritisieren
- 18:41und wir sind vorsichtig, am Ende ein hartes Nein wird?
- 18:43Oder wird daraus ein, naja, die haben ja sich auf den Weg begeben,
- 18:48die Linken. Jetzt sehen wir ja, dass sie willens sind, sich da zu reformieren.
- 18:52Da können wir ja schon mal in die Koalition gehen. Also ist das ein hartes Nein, das da kommt?
- 18:57Nein, das ist noch überhaupt nichts hart in dieser Position.
- 18:59Das findet sich gerade. Und ja.
- 19:04Für mich ist das noch überhaupt nicht ausgewürfelt. Es hängt natürlich am Ende
- 19:07an der Berliner SPD. Sie muss sich entscheiden.
- 19:09Und an den Grünen auch. Und den Grünen völlig zu Recht, den Grünen auch.
- 19:14Da sind ja auch etliche sehr skeptisch, ob das mit den Linken funktioniert.
- 19:20Also diese Regierung steht noch lange nicht. Und so wie ich das jetzt die letzten
- 19:24Tage beobachte, wird es eher schwieriger als einfacher.
- 19:29Und mir ist es auch völlig schleierhaft, wie man jetzt innerhalb weniger Wochen,
- 19:31weil so eine Regierungsbildung, die muss ja irgendwann mal losgehen.
- 19:34Irgendwie mal innerhalb weniger Wochen da Klarheit schafft. Also ich meine,
- 19:38wir haben jetzt den Bundestagsabgeordneten, der jetzt mit dem Partner so kumpelhafte,
- 19:44Essen ausgetauscht hat.
- 19:46Der hat ja, er lässt jetzt irgendwie, er denkt nach und lässt seine Funktionen ruhen und so.
- 19:51Da war nicht die Rede davon, das Bundestagsmandat aufzugeben oder den Bundestag zu verlassen.
- 19:56Also das ist alles noch nicht geklärt. Und ich glaube auch, so schnell lässt
- 19:59sich das gar nicht klären. Das heißt, wir werden in dem Augenblick,
- 20:01also irgendwann wird ja die SPD vor der Frage stehen, machen wir es mit denen
- 20:04oder machen wir es nicht?
- 20:05Und ob das bis dahin alles so transparent ist und so sauber ist,
- 20:10dass man sagen kann, man kann koalieren, das kann ich mir gar nicht vorstellen.
- 20:13Ja, es gibt, wir sind ja in einem März-Podcast, deshalb gucke ich natürlich
- 20:17immer nochmal von Friedrich Merz auf diese ganze Geschichte.
- 20:20Es gibt kluge Beobachterinnen, die sagen, sollte es mit diesen Linken zu einer Regierung kommen, also,
- 20:27sollten SPD und Grüne diesen Linken zur Macht verhelfen, dann könnte es umgekehrt bei der CDU eine,
- 20:37Welle lostreten, die sagt, okay, wenn die das mit den Linken und ihren Extremen machen.
- 20:43Warum haben wir dann eigentlich noch die Brandmauer zur AfD?
- 20:47Also, dass das für Merz ganz am Ende ein neues Problem ergeben könnte,
- 20:50weil viele ihm sagen werden, guck mal, was die da in Berlin machen und wir versuchen
- 20:54immer Mitte, Mitte, Mitte zu bleiben. Komm, dann geht's.
- 20:59Sind die Grenzen offen sozusagen? Ob das so kommt?
- 21:03Ich glaube, Merz nach wie vor, dass er sehr hart und sehr klar ist bei der Abgrenzung
- 21:07zur AfD. Es ist vielleicht mein letzter Glaube an ihn, aber da bin ich nach wie vor überzeugt.
- 21:13Aber es ist zumindest eine Gefahr, dass dann was ins Rutschen gerät. Das.
- 21:18Ist vielleicht ein weiteres Argument, aber ich glaube, so wichtig ist dann die
- 21:21Berliner Landespolitik dann doch nicht, dass es jetzt solche dramatischen Auswirkungen
- 21:25jetzt auf die Brandmauer-Debatte bundesweit in der CDU hat. Die wird ohnehin weitergehen.
- 21:31Wir können ja feststellen, das haben auch ganz viele in der CDU schon festgestellt,
- 21:34die Brandmauer-Strategie, wie man sie sich vorgenommen hat, mit dieser Brandmauer,
- 21:37wir bauen sie auf und dann erledigt sich dieses Problem sukzessive,
- 21:41die hat ja nicht funktioniert.
- 21:42Ganz egal, wie man zu dieser Brandmauer steht, aber das hat nicht funktioniert.
- 21:45Sonst gäbe es nicht diese Werte, über die wir heute sprechen.
- 21:49Und deswegen wird die Debatte weitergehen. Und die CDU wird da in irgendeiner
- 21:54Form neue Antworten finden.
- 21:55Ich finde interessant, dass du das so klar und zugespitzt sagst.
- 21:58Man könnte umgekehrt nämlich auch sagen, hätte es diese Brandmauer nie gegeben,
- 22:03wäre der Drain nach rechts außen noch viel schneller passiert.
- 22:08Und wir wären noch viel weiter und die AfD wären noch viel größer.
- 22:11Also ich bin noch nicht so sicher, dass die Brandmauer ein Fehler war,
- 22:15wie jetzt gerade ganz viele sagen, weil sie sehen, Mist, die AfD wächst ja trotzdem.
- 22:19Man kann umgekehrt immer sagen, ohne die Brandmauer wäre sie vielleicht noch
- 22:22viel schneller gewesen. Wir wissen es nicht, weil wir nur diese Geschichte kennen.
- 22:26Wir kennen die alternative Geschichte nicht.
- 22:28Aber das ist nur ein winziger Punkt. Ich würde gerne mit dir noch ganz kurz
- 22:32auf einen anderen Punkt, der geradezu, ja, wenn man März beobachtet,
- 22:37konnte man es erwarten. Man konnte die Uhr danach stellen. Du weißt schon, worauf ich hinaus will.
- 22:42Am Montag nach der Wahl, Pressekonferenz im Adenauerhaus, er muss sich erklären,
- 22:46er muss erklären, dass er Dinge jetzt anders machen will, besser machen will.
- 22:50Fast, hätte ich jetzt gesagt, die alte Litanei. Er versucht,
- 22:52die Kommunikation zu verbessern, aber weiß auch.
- 22:56Die Mittel sind begrenzt. Und eine Kollegin fragt ihn dann,
- 23:01wie ist es denn, wenn jetzt das Thema auf die Leute zugehen,
- 23:04auf ihre Gerechtigkeitsprobleme zugehen, auf ihr Empfinden zugehen,
- 23:09wenn die CDU das jetzt noch anders ernst nimmt, was bedeutet das konkret?
- 23:13Und Merz möchte natürlich antworten, möchte natürlich auf diesen Gedanken jetzt
- 23:16eingehen, überlegt, glaube ich, so kurz, was wäre ein gutes Beispiel und kommt
- 23:21auf das Thema Gesundheitsreform.
- 23:25Hat gerade kurz vorher im Vorstand von seinem Vize gehört, dass das Thema Gerechtigkeit
- 23:31gerade, so Arztbesuche, wir kennen das alle, ein Riesending ist bei den Leuten und sagt, ja,
- 23:37Stichwort Gesundheitsreform, da müssen wir dran, weil die Leute finden dieses
- 23:40Zweiklassensystem, private Krankenversicherung, gesetzliche Krankenversicherung problematisch.
- 23:46Ich verstehe das jetzt nicht wörtlich, aber so mal zusammengefasst,
- 23:51irgendwie müssen wir da dran.
- 23:53Ganz viele haben das Gefühl, huch, will der die private Krankenversicherung abschaffen?
- 23:58Was ist da los? Hast du das gehört und hast du das auch so gedacht?
- 24:01Ich habe es natürlich gesehen und gehört und ich dachte erst, ich höre nicht recht.
- 24:06Der Kanzler analysiert mit großen Augen, uiuiui, es gibt eine private Krankenversicherung
- 24:12und in der bekommst du schneller einen Termin und bessere Leistungen. Das ist doch ungerecht.
- 24:17Hallo? Das ist das Prinzip der privaten Krankenversicherung.
- 24:20Das weiß jeder seit Jahrzehnten und dafür zahlen auch viele Leute sehr viel
- 24:23mehr Geld, was auch die Ärzte gut finden, weil sie können mit dem Geld der privaten
- 24:27Patienten natürlich Dinge noch machen.
- 24:28Also der Kanzler schien mir in diesem Moment wahnsinnig naiv und hat das Prinzip
- 24:34eigentlich unseres Gesundheitssystems nicht so ganz verstanden,
- 24:37dass wir diese zwei Klassen haben.
- 24:39Denn ja, genau das ist das Prinzip private Krankenkassen. Und jetzt.
- 24:43Wir haben ja nachgefragt anschließend, wie meint der Kanzler das?
- 24:45Und dann kam ja auch sehr schnell eine Antwort, die ja so lautet wie nach dem
- 24:50Motto, ja, aber er will ja gar nichts ändern.
- 24:52Er will an diesem Prinzip festhalten. Also da war ein Riesenschreck,
- 24:55glaube ich, allen in die Glieder gefahren.
- 24:57Und dieses Thema liegt plötzlich auf dem Tisch. Und er hat natürlich eine riesige
- 25:01Erwartungshaltung bei den Menschen. Ich wollte gerade sagen.
- 25:03Eine riesige Erwartungshaltung, dieses Glauben, der Kanzler hat eine Ungerechtigkeit entdeckt.
- 25:07Und jetzt kriegen wir auch bei der Kasse schneller einen Termin und bessere
- 25:11Leistung. Und das ist nicht so. Und jetzt muss das alles wieder runtergedimmt werden.
- 25:15Und ich weiß nicht, wie viele Kassenversicherte wir haben. Millionen Menschen
- 25:19sind jetzt erstmal wieder ein Stück weit enttäuscht, sacken in sich zusammen,
- 25:23weil da kommt jetzt doch nichts.
- 25:25Und es ist ja auch nicht so, dass nur die gesetzlichen Kassenversicherten darauf
- 25:28spekulieren, dass sich was ändert. Es gibt ja auch ganz viele,
- 25:31die irgendwann mal in die Privaten abgewandert sind. heute unter riesigen Beiträgen
- 25:36leiden, haben irgendwann noch Kinder bekommen, die sie alle einzeln versichern
- 25:38mussten und die sich auch schon gefreut hatten.
- 25:40Boah, wir können da wieder zurück in die Klasse. Also da ist auf beiden Seiten,
- 25:44sind da so Erwartungen geweckt werden, die eigentlich nur noch enttäuscht werden können.
- 25:48Und das macht es natürlich jetzt auch nicht leichter, für den Kanzler da jetzt
- 25:51was zu liefern. Und ich bin sehr gespannt, wie jetzt diese Ankündigung,
- 25:55wir müssen bei der Gerechtigkeit da was tun, wie das jetzt umgesetzt wird,
- 25:58ob er jetzt eingreift in das Terminwesen der Ärzteschaft.
- 26:01Also das ist wirklich jetzt auch so ein Schnellschuss aus der Hüfte,
- 26:06nicht richtig überlegt, der jetzt zum Problem geworden ist.
- 26:10Fünf Sätze mit wenigen Worten und A, eine Riesendebatte, B, ein Riesenproblem
- 26:16wieder für die Kommunikation, für ihn selber, für die Glaubwürdigkeit.
- 26:20Ich habe manchmal das Gefühl, dass Friedrich Merz in solchen Momenten nicht
- 26:25weiß, dass er Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ist und dass jeder
- 26:29Satz, jeder Halbsatz, jedes Wort zählt.
- 26:33Und wenn er über das Krankenkassensystem spricht, das er ändern will,
- 26:37dass alle denken, genau das, er will es ändern.
- 26:41Ich glaube immer noch, dass er in so einem Moment getragen ist von so einer
- 26:44Stimmung, Ungerechtigkeit und so weiter.
- 26:47Da ist er vielleicht zutiefst menschlich, aber bedenkt nicht,
- 26:50in welcher Rolle er sich befindet und dass er in dieser Rolle einfach Dinge
- 26:55nur dann sagen sollte, wenn er sie auch wirklich meint.
- 26:58Und ich glaube, das ist das, was ihm immer wieder passiert.
- 27:01Dass er nicht wirklich die Tragweite seiner Worte ermessen kann.
- 27:06Er hat zu oft das Gefühl, er muss jetzt noch was dazu sagen.
- 27:10Und dann entgleitet es ein bisschen, weil jedes Wort, das der Regierungschef
- 27:14sagt, eben ein wahnsinniges Gewicht hat.
- 27:17Und wir als Journalistinnen und Journalisten, wir haben ja immer darunter gelitten,
- 27:20dass so eine Angela Merkel oder so Olaf Scholz, dass die manchmal einfach wie
- 27:23eine Auster waren. Die haben dann einfach nichts gesagt, egal wie hartnäckig
- 27:27wir nachgebucht haben, weil sie eben genau wussten, jedes Wort, das ich dazu jetzt sage.
- 27:32Weckt Erwartungen, setzt vielleicht eine neue Agenda, die ich nicht haben will
- 27:36oder löst Entwicklungen aus in der Partei, die mir hinterher auf die Füße fallen.
- 27:42Das heißt, da sind wir wieder beim Thema Kommunikation.
- 27:46Du musst dich dann halt manchmal einfach zurückhalten, auf die Lippen beißen
- 27:49und erstmal überlegen, wie setze ich dieses Thema, wenn es ein Thema für mich
- 27:53ist, so geschickt, dass ich nicht sofort wieder unter den Riesendruck komme.
- 27:56Komm, wir schenken Friedrich Merzmann Coaching bei Olaf Scholz.
- 28:00Einfach mal eine Stunde schweigen. Einfach mal im entscheidenden Moment schlöne sagen.
- 28:03Nein, das ist ganz schlecht, weil wir Journalisten, wir leben ja davon.
- 28:06Also für uns ist es natürlich toll, dass die alle reden und dass die Zunge locker sitzt.
- 28:12Und das ist für Journalisten und Medien natürlich Brot und Butter.
- 28:16Aber Spaß beiseite, du hast natürlich recht, es ist super wichtig,
- 28:20so zu kommunizieren, dass am Ende der Regierungsbetrieb nicht gefährdet ist
- 28:24und dass man arbeiten kann. als Regierungschef.
- 28:29Und jetzt die Zahl der Woche. Lieber Jörg, hast du denn auch eine Zahl der Woche
- 28:37für uns mitgebracht in dieser Folge?
- 28:41Wir wissen ja, dass wir nicht immer nur negativ sein sollen und dass wir auch
- 28:45positiv sein sollen und dass wir Zuversicht ausstrahlen sollen.
- 28:48Unsere Verlegerin Julia Becker hat es gerade jüngst auf unserem Hauptstadtempfang
- 28:52gesagt, wir dürfen nicht alles so negativ sehen. Und deswegen habe ich jetzt
- 28:55eine ganz positive Zahl mitgebracht. 1,3 Prozent.
- 28:59Herbstgutachten der Institute für die Wirtschaft. Das ist mehr als doppelt so
- 29:04viel, als die Prognose war.
- 29:061,3 Prozent ist jetzt noch nicht der Big Bang.
- 29:10Aber es zeigt einen positiven Trend an. Es geht voran und das ist erfreulich.
- 29:17Und das zeigt, dass das noch was geht.
- 29:21Und dass wir jetzt alles irgendwie tun müssen, dass aus diesen 1,3 vielleicht mal 2,6 werden.
- 29:28Die richtige Richtung ist eingeschlagen. Und das wollte ich in diesem Rambo-Zambo-Podcast,
- 29:32wo es ja wirklich viel Kritik an Merz auch mal gibt, jetzt mal positiv in die Waagschale werfen.
- 29:38Ein zartes Pflänzchen blüht da. Und darüber darf der Kanzler sich freuen.
- 29:42Ich wollte gerade sagen, ich stelle mir vor, wie Friedrich Merz heute Morgen
- 29:44so einen kleinen Piccolo zum Frühstück aufgemacht hat und sich mal selbst zugeprostet hat.
- 29:49Läuft und dann ist ihm wieder eingefallen, dass aber fast gleichzeitig eine
- 29:53andere Nachricht über den ticker lief.
- 29:56Us-präsident trump lädt zum nächsten g20 treffen wladimir putin ein,
- 30:04das klingt erstmal wie eine horrornachricht das ist es auch wenn man sich überlegt
- 30:09dass friedrich merz auch zu diesem g20 treffen reisen wollte und wahrscheinlich auch noch will und.
- 30:16Das ist im Grunde eine Rehabilitierung eines Mannes, der gerade Krieg in Europa führt.
- 30:22Und Friedrich Merz muss sich jetzt überlegen, was er macht, wie er sich dazu
- 30:27stellt. Denn ich glaube, während er diesen Piccolo trinkt, denkt er sich wahrscheinlich,
- 30:31okay, und dann muss ich im Dezember auf ein Familienfoto, so nennt man das ja,
- 30:34wenn die ganzen Staats- und Regierungschefs zusammenkommen.
- 30:37Und was ist, wenn der Trump mich ausgerechnet neben den Putin stellt?
- 30:40So weit wird es nicht kommen, aber deshalb, meine Zahl der Woche ist die 20.
- 30:45Ja, das war jetzt ein übler Moment.
- 30:47Das war natürlich überraschend, diese Einladung und die ist natürlich nicht
- 30:51abgestimmt und Merz hat sich auch schon erklärt dazu, über einen Sprecher,
- 30:56dass Russland alles andere als ein normaler Partner ist und man nehme das zur Kenntnis.
- 31:02Aber ich glaube nicht, dass Friedrich Merz vor diesem Gipfel jetzt Sorgen haben
- 31:06muss. Er ist ja der Außenkanzler.
- 31:09Er hat wirklich große Fähigkeiten, in den internationalen strategischen Zusammenhängen
- 31:13zu denken und hat ja, muss man auch ehrlich sagen,
- 31:16die Begegnung mit Trump, da war ja immer viel Bammel im Vorfeld,
- 31:21hat er gut gemacht und hat eigentlich zu, bis auf wenige Ausnahmen.
- 31:26Hat er das geschafft, ein vernünftiges Verhältnis zu dieser Administration hinzukriegen.
- 31:30Und das kann jetzt für ihn eine Challenge sein, aus der aber auch gestärkt hervorgeht,
- 31:34wenn er es schafft, die Europäer auch zu einen auf den Weg zu diesem Gipfel.
- 31:39Da wird ja viel vorbereitet, da muss man sich absprechen, da muss man schon
- 31:42sehr genau verabreden, wie man sich jetzt auch gegenüber so einem Putin da verhält
- 31:45und wie man auch den amerikanischen Präsidenten da einbindet.
- 31:49Also da kann er jetzt noch ein Meisterstück abliefern, indem er jetzt die Europäer
- 31:53auf diesen Gipfel so eint, dass sie da mit einer Stimme sprechen.
- 31:58Und das traue ich ihm zu.
- 32:01Prima. Wir gucken, was passiert. Wir gucken, ob Putin überhaupt zusagt,
- 32:07ob er überhaupt da sein wird und wir werden es beobachten.
- 32:10Lieber Jörg, vielen Dank, dass du da warst, dass du mit mir die Woche analysiert
- 32:14hast und euch allen, dass ihr zugehört, zugeschaut habt.
- 32:18Und ja, wir freuen uns, wenn ihr den Podcast weiter begleitet mit Kommentaren,
- 32:24mit Anmerkungen, mit Kritik.
- 32:27Bis zum nächsten Mal. Vielen Dank. Tschüss.
- 32:35Ein Podcast von Funke.