Latest / IT ohne Drama – der kjello-Podcast / Zwei-Faktor-Authentifizierung: Einführen ohne Murren
Transcript
- 0:04Lena: Bei uns heißt es seit zwei Jahren, der zweite Faktor kommt bald.
- 0:08Lena: Und jedes Mal kippt es, weil alle stöhnen.
- 0:11Jonas: Genau darum geht es heute: Zwei-Faktor-Authentifizierung einführen, ohne Murren und ohne dass am Montag die halbe Firma ausgesperrt ist.
- 0:19Jonas: Gemeint ist eine zweite Bestätigung neben dem Kennwort.
- 0:22Jonas: Meist ist das eine App auf dem Telefon, manchmal ein kleiner Schlüssel für den Schlüsselbund.
- 0:27Lena: Lohnt sich der Ärger überhaupt?
- 0:29Lena: Unsere Kennwörter sind lang genug.
- 0:31Jonas: Ein langes Kennwort hilft nicht, wenn es gestohlen wird.
- 0:34Jonas: Eine Studie von Microsoft aus zweitausenddreiundzwanzig zeigt: Mit zweitem Faktor sinkt das Risiko einer Kontoübernahme um gut neunundneunzig Prozent.
- 0:42Jonas: Und selbst bei Konten, deren Kennwort schon in fremde Hände geraten war, lag der Wert noch bei über achtundneunzig Prozent.
- 0:49Lena: Und wer verlangt das von mir?
- 0:50Lena: Oder ist das nur eine Empfehlung?
- 0:52Jonas: Microsoft verlangt den zweiten Faktor schon für die eigenen Verwaltungsportale, schrittweise seit Oktober zweitausendvierundzwanzig.
- 1:00Jonas: Beim Verwaltungsportal von Microsoft 365 folgte das ab Februar zweitausendfünfundzwanzig, und abwählen lässt es sich nicht.
- 1:07Lena: Das betrifft dann ja nur die IT.
- 1:09Lena: Und der Rest der Firma?
- 1:11Jonas: Für alle Konten rät das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik: zweiter Faktor überall, wo er angeboten wird.
- 1:18Jonas: Und abschalten soll man ihn nie wieder.
- 1:21Lena: Und was nehme ich aus dieser Folge mit?
- 1:23Jonas: Drei typische Fälle: der Stichtag per Rundmail, die Ausnahmen für Chef und Sammelkonto und die Bestätigung, die keiner angefordert hat.
- 1:30Jonas: Am Ende stehen drei Schritte für Ihren Einführungsplan.
- 1:34Lena: Fangen wir mit dem an, was ich am liebsten machen würde.
- 1:36Lena: Freitag eine Rundmail, ab Montag gilt der zweite Faktor für alle.
- 1:40Jonas: Ein typischer Fall: Eine Firma mit fünfzig Leuten schaltet an einem Freitag die Sicherheits-Grundeinstellungen von Microsoft ein.
- 1:46Jonas: Die sind kostenlos, aber nur ganz an oder ganz aus.
- 1:49Jonas: Eine Schonfrist gibt es dabei seit Juli zweitausendvierundzwanzig nicht mehr.
- 1:53Jonas: Wer sich am Montag anmeldet, muss die App sofort einrichten.
- 1:56Lena: Und was passiert dann am Montag?
- 1:58Jonas: Fünfzig Leute richten gleichzeitig eine App ein, und bei der IT steht das Telefon nicht still.
- 2:03Jonas: Wer sein Handy zu Hause hat oder keins für die Firma nutzen will, kommt nicht an seine Mails.
- 2:08Lena: Also lieber gar nicht?
- 2:09Lena: Das kann es ja auch nicht sein.
- 2:11Jonas: Doch, nur in der richtigen Reihenfolge: erst einsammeln, dann einschalten.
- 2:15Jonas: Microsoft stellt sogar fertige Vorlagen bereit, mit denen Sie die Umstellung vorher ankündigen.
- 2:20Lena: Was heißt einsammeln?
- 2:21Lena: Ich gehe ja nicht mit einer Liste durchs Büro.
- 2:24Jonas: Jeder richtet die App vorher selbst ein, auf einer Seite von Microsoft unter Sicherheitsinformationen.
- 2:29Jonas: Mit Business Premium, einer größeren Microsoft-365-Lizenz, sieht die IT in einem Bericht, wer schon fertig ist und wer nicht.
- 2:36Lena: Und wer fängt an?
- 2:38Lena: Die IT?
- 2:39Jonas: Die Geschäftsführung.
- 2:40Jonas: Wer die meisten Rechte hat, braucht den besten Schutz, und es nimmt dem Murren im Haus den Wind aus den Segeln.
- 2:46Lena: Und danach alle auf einmal?
- 2:48Jonas: Besser Gruppe für Gruppe.
- 2:49Jonas: Dafür gibt es Zugriffsregeln, die erst einmal nur beobachten: Sie protokollieren, wen sie getroffen hätten, sperren aber niemanden.
- 2:56Jonas: Microsoft zeigt die Wirkung wahlweise für einen Tag, eine Woche oder einen Monat.
- 3:00Jonas: Erst wenn dort niemand mehr hängen bleibt, wird die Regel scharf geschaltet.
- 3:04Lena: Klingt nach Lizenzkosten.
- 3:06Lena: Was brauche ich dafür?
- 3:07Jonas: Zugriffsregeln brauchen eine größere Microsoft-Lizenz.
- 3:10Jonas: In Business Premium sind sie enthalten.
- 3:13Lena: Und ohne Business Premium?
- 3:15Jonas: Dafür hat Microsoft die kostenlosen Grundeinstellungen vorgesehen.
- 3:18Jonas: Die schützen auch, nur eben alle auf einmal und ohne Probelauf.
- 3:22Lena: Meine Leute fragen als Erstes: Muss ich das jetzt bei jeder Anmeldung machen?
- 3:27Jonas: Nein, und das ist die wichtigste Botschaft gegen das Murren.
- 3:30Jonas: In Office-Programmen fragt Microsoft ab Werk in der Regel erst wieder nach neunzig Tagen ohne Nutzung oder nach einem neuen Kennwort.
- 3:37Lena: Wäre öfter fragen nicht sicherer?
- 3:39Jonas: Davor warnt Microsoft ausdrücklich.
- 3:41Jonas: Wer ständig gefragt wird, gibt seine Anmeldedaten irgendwann ohne Nachdenken ein, auch auf einer gefälschten Seite.
- 3:48Lena: Und wenn sich bei der Umstellung die IT selbst aussperrt?
- 3:52Lena: Wer kommt dann noch rein?
- 3:54Jonas: Dafür empfiehlt Microsoft mindestens zwei Notfallkonten, die keiner einzelnen Person gehören.
- 3:58Jonas: Sie werden mit einem Sicherheitsschlüssel geschützt und an getrennten, sicheren Orten verwahrt.
- 4:03Lena: Warum ein Schlüssel?
- 4:04Lena: Die App hätte doch auch gereicht.
- 4:06Jonas: Weil auch Notfallkonten seit Microsofts Pflicht für die Verwaltungsportale einen zweiten Faktor brauchen.
- 4:11Jonas: Und der soll nicht am Handy eines einzelnen Mitarbeiters hängen.
- 4:15Lena: Das klingt nach einem Generalschlüssel für die ganze Firma.
- 4:18Lena: Wer darf da ran?
- 4:19Jonas: Das legt die Geschäftsführung schriftlich fest.
- 4:22Jonas: Und mindestens alle neunzig Tage wird geprüft, ob die Notfallkonten noch funktionieren.
- 4:27Lena: Zweiter Fall: die Ausnahmen.
- 4:29Lena: Bei uns hieß es sofort, der Chef braucht das nicht, das Lager hat keine Diensthandys, und ans Info-Postfach müssen drei Leute.
- 4:39Jonas: Jede Ausnahme ist eine offene Tür, und Angreifer suchen genau diese eine.
- 4:44Jonas: Fangen wir beim Chef an, denn der hat meist die weitesten Rechte.
- 4:47Lena: Er sagt, er hat für so etwas keine Zeit.
- 4:50Jonas: Der IT-Grundschutz des Bundesamts sagt: Konten mit weitreichenden Rechten sollen mit mehreren Faktoren geschützt werden.
- 4:56Jonas: Microsoft fragt Verwaltungskonten in den Grundeinstellungen sogar bei jeder Anmeldung.
- 5:01Lena: Und das Lager?
- 5:02Lena: Ich kann doch nicht verlangen, dass jemand sein privates Handy dafür hergibt.
- 5:07Jonas: Ob Sie das verlangen dürfen, klären Sie mit Personal und, falls vorhanden, dem Betriebsrat.
- 5:12Jonas: Oft hilft es, vorher zu erklären, was die App überhaupt sieht.
- 5:16Lena: Und was sieht sie?
- 5:17Jonas: Laut Microsoft schickt die App von sich aus nur wenige Nutzungsdaten ohne Personenbezug.
- 5:22Jonas: Den Standort fragt sie nur ab, wenn die Firma das eigens einstellt, und gemeldet wird ihr dann nur das Land.
- 5:28Lena: Und wer trotzdem nicht will?
- 5:30Jonas: Der bekommt einen Sicherheitsschlüssel, ein kleines Gerät für den Schlüsselbund.
- 5:34Jonas: Bei einem großen Hersteller kostet so ein Schlüssel rund fünfunddreißig Euro.
- 5:37Lena: Bei fünfzig Leuten wären das aber gut siebzehnhundert Euro.
- 5:41Jonas: Für alle braucht es ihn nicht, die meisten nehmen die App.
- 5:44Jonas: Den Schlüssel bekommen die, die nicht wollen oder kein Handy haben, und die Notfallkonten.
- 5:48Lena: Hat der Schlüssel einen Haken?
- 5:50Jonas: Die IT muss ihn eigens freischalten, mit den kostenlosen Grundeinstellungen geht nur die App.
- 5:55Jonas: Dafür gilt er als besonders sicher gegen gefälschte Anmeldeseiten.
- 5:59Lena: Und eine SMS?
- 5:59Lena: Ein Handy hat doch fast jeder, notfalls ein altes.
- 6:03Jonas: Geht, ist aber die schwächste Wahl.
- 6:05Jonas: Microsoft baut sogar eigene Erinnerungen, die Nutzer von SMS und Anruf zu sichereren Verfahren bringen sollen.
- 6:11Lena: Warum schwächer?
- 6:12Lena: Die SMS kommt doch auf mein eigenes Handy.
- 6:14Jonas: Auf die Rufnummer, nicht aufs Handy.
- 6:16Jonas: Die amerikanische Cyberbehörde beschreibt Angreifer, die sich beim Mobilfunkanbieter die Nummer ihres Opfers auf eine eigene SIM-Karte übertragen ließen.
- 6:25Lena: Bleibt das Info-Postfach.
- 6:26Lena: Da melden sich drei Leute mit demselben Kennwort an.
- 6:30Jonas: Das ist die gefährlichste Ausnahme, denn ein zweiter Faktor gehört zu einer Person, nicht zu dreien.
- 6:36Jonas: Microsoft sieht dafür ein freigegebenes Postfach vor, das jeder mit seinem eigenen Konto öffnet.
- 6:41Lena: Und was kostet mich das?
- 6:43Jonas: Bis fünfzig Gigabyte braucht so ein Postfach keine eigene Lizenz.
- 6:46Jonas: Die direkte Anmeldung am Postfach selbst soll laut Microsoft immer gesperrt bleiben.
- 6:51Lena: Und unser Scanner, der Mails verschickt?
- 6:53Lena: Der kann ja keine App bedienen.
- 6:55Jonas: Der meldet sich oft noch auf dem alten Weg an, nur mit Name und Kennwort.
- 7:00Jonas: Solche alten Anmeldewege kennen keinen zweiten Faktor, deshalb sperren Microsofts Grundeinstellungen sie.
- 7:06Lena: Dann kommt am Montag kein Scan mehr an.
- 7:09Jonas: Genau deshalb gehört er vor dem Stichtag auf die Liste.
- 7:12Jonas: Microsoft beschreibt für Scanner eigene Wege, die ganz ohne Personenkonto auskommen.
- 7:18Lena: Dritter Fall: Abends fragt das Handy einer Mitarbeiterin, ob sie eine Anmeldung bestätigt.
- 7:23Lena: Sie hat sich aber gar nicht angemeldet.
- 7:26Jonas: Dann kennt jemand ihr Kennwort, und der zweite Faktor hat gerade genau seine Arbeit getan.
- 7:30Jonas: Gefährlich wird es erst, wenn sie bestätigt.
- 7:33Lena: Warum sollte sie etwas bestätigen, das sie nicht ausgelöst hat?
- 7:37Jonas: Weil die Anfragen immer wieder kommen.
- 7:39Jonas: Die amerikanische Cyberbehörde beschreibt eine Gruppe, die so lange Anfragen schickte, bis Mitarbeitende auf Annehmen drückten.
- 7:45Lena: Lässt sich das technisch verhindern?
- 7:47Jonas: Weitgehend.
- 7:48Jonas: In Microsofts App muss man inzwischen eine Zahl eintippen, die auf dem Anmeldebildschirm steht, und die sieht nur, wer sich selbst anmeldet.
- 7:55Lena: Und wenn jemand noch eine alte Version der App hat?
- 7:58Jonas: Dann klappt die Anmeldung gar nicht mehr, denn abschalten lässt sich dieser Zahlenabgleich nicht.
- 8:03Jonas: Die App gehört also zu den Programmen, die immer aktuell gehalten werden.
- 8:07Lena: Und was macht die Mitarbeiterin jetzt konkret?
- 8:10Lena: Einfach ablehnen und schlafen gehen?
- 8:12Jonas: Ablehnen und sofort melden, auch spätabends.
- 8:15Jonas: Dann wird das Kennwort geändert, denn das kennt ja offensichtlich jemand.
- 8:19Lena: Reicht das?
- 8:19Lena: Vielleicht ist der Angreifer schon drin.
- 8:21Jonas: Ein neues Kennwort beendet laut Microsoft auch laufende Anmeldungen.
- 8:25Jonas: Ob vorher schon jemand drin war, prüft die IT in den Anmeldeprotokollen.
- 8:30Lena: Und wenn der Angreifer andersherum kommt?
- 8:33Lena: Er ruft beim Support an und sagt, er hat ein neues Handy.
- 8:37Jonas: Genau so ging eine Gruppe vor, die Microsoft zweitausenddreiundzwanzig beschrieben hat.
- 8:41Jonas: Sie gab sich am Telefon als Mitarbeiter aus, teils sogar als neue, und ließ Kennwort und zweiten Faktor zurücksetzen.
- 8:48Lena: Woran soll mein Support das denn merken?
- 8:50Lena: Die Stimme kennt er vielleicht gar nicht.
- 8:52Jonas: An einer festen Regel statt am Bauchgefühl.
- 8:54Jonas: Zurückgesetzt wird nur nach Rückruf über die hinterlegte Nummer oder nach Bestätigung durch die Führungskraft.
- 9:00Lena: Ist das nicht übervorsichtig?
- 9:01Lena: Der Kollege steht ja vielleicht wirklich ohne Zugang da.
- 9:04Jonas: Der IT-Grundschutz sieht für das Zurücksetzen von Kennwörtern ein festgelegtes, sicheres Verfahren und geschulte Leute vor.
- 9:11Jonas: Und die britische Cyberbehörde rät nach Angriffen auf Händler, zu prüfen, wie der Support Anrufer erkennt, bevor er zurücksetzt.
- 9:18Lena: Und wie kommt der echte Mitarbeiter mit neuem Handy wieder rein?
- 9:22Jonas: Der Support gibt ihm einen befristeten Zugangscode, ab Werk eine Stunde gültig.
- 9:26Jonas: Damit richtet er die App neu ein, und das alte Handy wird aus dem Konto entfernt.
- 9:30Lena: Und der Code geht dann einfach per Mail raus?
- 9:33Jonas: Nein, auch den Code gibt es erst nach der Rückrufregel, persönlich oder am Telefon über die hinterlegte Nummer.
- 9:38Jonas: Sonst hält der Angreifer gleich den neuen Zugang in der Hand.
- 9:42Lena: Kann man sich den Anruf nicht ganz sparen?
- 9:44Lena: Handys werden ja ständig getauscht.
- 9:46Jonas: Nur bei denen, die neben der App einen Schlüssel haben: Die richten das neue Handy selbst unter Sicherheitsinformationen ein.
- 9:53Jonas: Für alle anderen bleibt der Rückruf, und den Schlüssel als Reserve bekommen vor allem die, die oft das Handy wechseln.
- 9:59Lena: Dann bitte zum Schluss: Welche drei Schritte schreibe ich in meinen Plan?
- 10:05Jonas: Erstens: erst einsammeln, dann einschalten.
- 10:07Jonas: Ankündigen, die App vorher einrichten lassen, Geschäftsführung zuerst, Regeln erst beobachten lassen und zwei Notfallkonten anlegen.
- 10:16Jonas: Zweitens: keine Ausnahmen für Personen.
- 10:18Jonas: Wer keine App will, bekommt einen Schlüssel, Sammelkonten werden freigegebene Postfächer, und alte Anmeldewege werden vorher umgestellt.
- 10:27Jonas: Drittens: Eine Anfrage, die man nicht selbst ausgelöst hat, wird abgelehnt und gemeldet.
- 10:31Jonas: Und der Support setzt den zweiten Faktor nur nach Rückruf über die hinterlegte Nummer zurück.
- 10:37Lena: Und wenn ich das nicht selbst steuern will?
- 10:39Jonas: Dann achten Sie darauf, dass Regeln erst beobachten und dann greifen, damit niemand ausgesperrt wird.
- 10:44Jonas: Genau so arbeitet kjello: Mit Business Premium wird der zweite Faktor je Person erst eingeschaltet, wenn die App eingerichtet ist.