Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Vermitteln statt verschweigen: Außenpolitik erklären – aber wie? (mit Ulrike Franke)
Transcript
- 0:00In allen meinen Kontakten mit Militärs aus liberalen Demokratie, das letzte, was die wollen,
- 0:05ist Kriegführung, denn die sind ja die ersten an der Front.
- 0:08Solche Stimmen mehr zu hören, würde, glaube ich, auch der deutschen Debatte sehr gut tun.
- 0:11Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von "Pott und die Welt", ihrem außenpolitischen
- 0:16Update.
- 0:17Wir freuen uns, dass Sie dabei sind.
- 0:18Wir sind in der Moderation dieses Podcasts, heute der 2.
- 0:21Ich bin Martin Bielecki.
- 0:22Und ich bin Katharina Peetz.
- 0:24Wir wollen heute über Außenpolitik sprechen und zwar Außenpolitik.
- 0:28Ich zerv sozusagen nicht über einen Gipfel, einen Konflikt oder einen Präsidenten, sondern
- 0:32über die Frage, wie man Außen- und Sicherheitspolitik eigentlich einer Bevölkerung gut vermittelt,
- 0:37und zwar so, dass sie nicht nur im Wahlkampf ein Thema ist, sondern das eben regelmäßig
- 0:41darüber gesprochen wird.
- 0:42Die These ist ja, dass Außen- und Sicherheitspolitik, denn allermeisten Deutschen, die sich
- 0:45überhaupt für Politik interessieren, gar nicht so wirklich wichtig ist, beziehungsweise
- 0:49dass ihnen die Rente oder die Bundesliga, die Umgehungsstraße oder ein Tatort eben viel
- 0:54wichtiger sind als die Ukraine zum Beispiel, das Verhältnis zu den USA oder die Probleme
- 0:59der Europäischen Union.
- 1:00Da muss man natürlich dazu sagen, dass es viele Menschen gibt, die sich um ihre eigenen
- 1:04Probleme auch kümmern müssen, aber eben längst nicht alle.
- 1:07Außen- und Sicherheitspolitik wirkt ja oft eher abstrakt als etwas, was einen vielleicht
- 1:10nicht so sehr interessieren muss, weil man auch nicht so einen direkten Einfluss darauf
- 1:13hat, als dass es einfach irgendwie sehr weit weg ist, nicht was konkret mit dem eigenen
- 1:17Leben zu tun hat.
- 1:18Gut, dass es Menschen gibt, die sich schon eine ganze Weile eben nicht nur mit Außen- und
- 1:22Sicherheitspolitik beschäftigen, sondern auch mit ihrer Vermittlung und den Debatten.
- 1:25Wir freuen uns sehr, dass Ulrike Franke bei uns ist, Sicherheitsexpertin beim European
- 1:29Council on Foreign Relations, Politikwissenschaftlerin und selbst sehr erfolgreiche Podcasterin.
- 1:34Hallo Frau Franke.
- 1:35Hallo Nischen, guten Tag.
- 1:36Hallo.
- 1:37Der damalige Verteidigungsminister Peter Strock hat vor gut 20 Jahren gesagt, Deutschland's
- 1:44Sicherheit werde auch am Hindukusch verteidigt.
- 1:47Da hat er dieses sehr weit entfernte Afghanistan dann irgendwie so direkt ins deutsche Wohnzimmer
- 1:51geholt.
- 1:52Sie begleiten Debatten in der Außen- und Sicherheitspolitik ja schon sehr lange.
- 1:56Ist den Menschen ausreichend klar, dass Sicherheits- und Außenpolitik Auswirkungen auf ihr eigenes
- 2:01Leben hat?
- 2:02Also ich denke ganz grundsätzlich eher nicht, wobei sich da in den letzten Jahren natürlich
- 2:06schon auch sehr viel getan hat.
- 2:08Ich denke, wir hatten in den 30 Jahren, die so nach dem Fall der Mauer kamen, 89, 90,
- 2:13Ende der Sowjetunion und all so was eine Zeit, in der wir es uns alle auch irgendwie leisten
- 2:18konnten über Themen der Außen- und vor allen Dingen auch der Sicherheitsverteidigungspolitik
- 2:23einfach sehr wenig nachzudenken.
- 2:24Das waren, ja muss man auch so sagen, sehr angenehme Jahre, ar-passierte, geopolitisch
- 2:29gesprochen, also jetzt wirklich Big Picture, relativ wenig.
- 2:32Es gab wenig Gefahren für uns und wir waren von diesen Gefahren auch noch sehr gut beschützt
- 2:37durch NATO, USA etc.
- 2:40Raul mussten darüber quasi nicht nachdenken.
- 2:42Und das hat sich in den letzten ungefähr 10 Jahren geändert und wir tun uns gerade in
- 2:47Deutschland, auch generell in Europa, war gerade in Deutschland durchaus schwer damit
- 2:51klarzukommen, das zu verstehen.
- 2:52Natürlich gab es diesen Moment des sogenannten Erwachens, also auch gerade dieses Bild hat
- 2:56ja die Außenministerin Baerbock immer wieder viel verwendet.
- 2:58Den Moment des Erwachens am 24.
- 3:00Februar 22, wo glaube ich auch viele Menschen in Deutschland sich mal ganz konkret die
- 3:04Frage stellen mussten, ist das jetzt eine Gefahr direkt für meine Sicherheit, direkt
- 3:08für meinen Wohlstand, kann ich im Winter mein Haus noch heizen oder gar, wie gesagt,
- 3:12ist das eine direkte Gefahr für quasi meine körperliche Sicherheit.
- 3:15Aber auch seitdem und in den letzten drei Jahren, wo dieser schreckliche Krieg in der
- 3:18Ukraine ja einfach weiterläuft, glaube ich, ist auch dieses Gefühl schon wieder verblasst
- 3:22insofern.
- 3:23Also so richtig, dass man merkt, okay, Außensicherheitspolitik ist was, was mich konkret angeht, womit
- 3:28ich mich auch beschäftigen muss, vielleicht auch wirklich ganz persönlich und vielleicht
- 3:32auch manche Dinge tun muss.
- 3:33Das ist glaube ich etwas, was wir alle in Deutschland noch einigermaßen wenig auf dem Schirm haben
- 3:38bzw. auch eigentlich nicht so richtig hören wollen, weil es natürlich eher unangenehm ist.
- 3:43Wir haben einfach sehr lange in Friedenszeiten gelebt, wenn man das so zusammenfassen kann,
- 3:48was muss sich da ändern, wie kann man das ändern, Frau Franke?
- 3:51Ja, wir haben zum einen in Friedenszeiten gelebt und gleichzeitig noch in Zeiten, in
- 3:54denen uns auch immer wieder quasi suggeriert wurde.
- 3:57Das war es jetzt, also nicht nur es ist gerade Frieden, sondern es ist jetzt auch eigentlich
- 4:00immer Frieden.
- 4:01Und ich sage das ja als jemand, die genau in dieser Zeit groß geworden, erwachsen geworden
- 4:05ist, also diese sogenannte Millennials Generation, aber alle Deutschen sind da ja durchgegangen
- 4:09von der Europäer.
- 4:10Und das war so ein bisschen diese Überlegung des Endes der Geschichte.
- 4:14Es passiert nichts mehr.
- 4:15Diese ganze Frage von militärischem Wettbewerb ist auch irgendwo obsolet zu einem gewissen
- 4:19Grade und was machen eigentlich noch diese anderen Länder mit ihren Streitkräften und
- 4:23wir können jetzt wirklich mal die Bundeswehr eigentlich abbauen.
- 4:25Und das war glaube ich vor allen Dingen der Punkt, gar nicht mal so die Tatsache, dass
- 4:29es Frieden gab.
- 4:30Und damit mich niemand falsch versteht, es gibt nichts Besseres als Frieden und natürlich
- 4:33ist das Ziel immer, dass es Frieden geben soll, aber Frieden muss eben auch gesichert
- 4:37werden.
- 4:38Und wir müssen sicher gehen, dass wir den Frieden erhalten und gleichzeitig nicht vergessen,
- 4:42dass es auch Gefahren gibt.
- 4:43Es gibt natürlich nicht das eine Patentrezept, wenn ich das hätte, wäre es einfacher.
- 4:46Aber ich glaube, wir brauchen einen Mix.
- 4:48Also vor allen Dingen brauchen wir eine bessere Diskussion.
- 4:50Es ist natürlich so ein Allgemeinplatz, irgendwie als Forscherin immer zu sagen, wir müssen
- 4:53mehr über Dinge reden, aber das ist es nun einmal.
- 4:55Wir müssen mehr erklären, wie Sicherheitsverteidigungspolitik auch funktioniert.
- 5:00Das haben wir nämlich auch in diesen letzten 30 Jahren oder was.
- 5:03So ein bisschen vergessen, so ein bisschen verdrängt.
- 5:05Also zum Beispiel Dinge, wie man hat nicht als liberale Demokratie Streitkräfte, weil
- 5:11man irgendwie plan sein, der Nachbarn anzugreifen, sondern man hält Streitkräfte vor, um in
- 5:15der Lage zu sein, sich selber zu verteidigen, um in der Lage zu sein, seine Verbündeten
- 5:19zu verteidigen und auch eben vor allen Dingen zur Abschreckung, dass einen von vornherein
- 5:23niemand angreift, weil man in der Lage ist, sich zu verteidigen.
- 5:26Militärische Fähigkeiten sind eben auch Teil des politischen Instrumentenkasten.
- 5:30So und es gibt einen Grund, warum bei manchen Themen irgendwie, sagen wir mal die EU nicht
- 5:34mit am Tisch sitzt, aber die USA oder auch Russland und das hat sehr viel mit militärischen
- 5:39Fähigkeiten zu tun.
- 5:40Ich glaube auch, wir brauchen ein paar Akteure, die sich insbesondere in Deutschland mehr
- 5:45einschalten müssen, insbesondere wirklich von der militärischen Seite.
- 5:48Ich finde, es in Bärd ja nicht in einer gewissen Ironie, da können jetzt mal die Zuhörerinnen
- 5:53überlegen, wer sind denn so die Militärexperten, jetzt wirklich die Militärexperten, die in
- 5:58den letzten drei Jahren in den deutschsprachigen Medien bekannt und groß geworden sind aus
- 6:02guten Grund und die man so kennt?
- 6:03Wenn man jetzt wirklich über die nachdenkt, die anderweitig sonst auch Uniform tragen,
- 6:08sind das interessanterweise fast keine Deutschen.
- 6:10Das sind Österreicher, was in keinster Weise schlecht oder verurteilt und zwerd oder sonst
- 6:14was ist, aber es ist in Bärd halt nicht in einer gewissen Ironie, ob der Tatsache, dass
- 6:18Österreich jetzt doch erst ein kleineres Land ist mit einem kleineren Militär.
- 6:21Aber deutsche Militär ist also wirklich eben ehemalige oder aktuelle Bundeswehr, Soldatenoffiziere,
- 6:27generelle, äußern sich in der öffentlichen Debatte sehr wenig.
- 6:31Es gibt strukturelle Gründe dafür, gibt es alle möglichen Gründe für.
- 6:34Aber ich glaube tatsächlich, das würde helfen.
- 6:35Das würde nämlich auch helfen, bei vielen Menschen so eine Abneigung oder so ein Misstrauen
- 6:40abzubauen, so in die Richtung geht nach dem Motto Militärs wollen, Krieg führen.
- 6:44Denn ich kann Ihnen eine Sache sagen, in allen meinen Kontakten mit Militärs aus liberalen
- 6:48Demokratie, das letzte, was die wollen, ist Krieg führen, denn die sind ja die ersten
- 6:52an der Front.
- 6:53Und zum Beispiel eben solche Stimmen mehr zu hören, das ist jetzt ein Beispiel, aber solche
- 6:56Stimmen mehr zu hören, würde glaube ich wirklich auch der deutschen Debatte sehr gut tun.
- 6:59Da sind wir also auf der Ebene von, welche Debatten führen wir, auf welcher Ebene mit
- 7:08wem sprechen wir.
- 7:09Gibt es denn sonst Ideen, Formate, vielleicht auch positive Beispiele, die Sie schon selber
- 7:14erlebt haben, wie man eben in der Bevölkerung auch ein austauschter Diskussion darüber stärker
- 7:19verankern kann?
- 7:20Also ich meine, ich habe ja insofern die eigene Erfahrung, als dass ich ja nicht nur in
- 7:24deutschsprachigen Medien eben Interviews geben darf, Auftreten darf, sondern wir haben ja
- 7:29auch seit ja jetzt sechs Jahren einen Podcast zu Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
- 7:34Sicherheitshalber heißt, manche drei Kollegen zusammen und wir haben den damals ganz dezidiert
- 7:38gegründet, eben mit diesem Ziel zu sagen, wir müssen über diese Themen mehr reden,
- 7:42wir müssen ausführliche darüber reden, als dass die Medien leisten können oder wollen.
- 7:47Also viel hat auch mit können zu tun, Mediensegmenten sind über kurz, da kann man nicht unbedingt
- 7:52auch so grundsätzliche Dinge vermitteln.
- 7:54Eben durch das Medium Podcast glaube ich, kann man da viel tun.
- 7:57Wir versuchen auch immer zum Beispiel einen gewissen Unterhaltungswert zu haben.
- 8:00Es ist auch eine riesen Debatte, ob man das überhaupt auf bei so einem Thema.
- 8:03Ich würde sehr klar sagen ja, aber ich glaube so einen Format und es geht mir jetzt nicht
- 8:08darum zu sagen hier, das ist die eine Lösung natürlich nicht, aber so ein Format glaube
- 8:12ich hilft Menschen diese Debatten näher zu bringen, ohne eben immer direkt an irgendwie
- 8:17eine Aktualität geknüpft zu sein.
- 8:19Denn wenn man direkt an die Aktualität geknüpft ist, dann ist es, ich will sagen, fast schon
- 8:23ein bisschen zu spät.
- 8:24Also wenn jetzt gerade irgendwie die NATO-Minister darüber reden, wie man die NATO-Ostenflanke
- 8:28stärken kann oder eben die Verteidigung auch ohne die USA, dann ist das gut.
- 8:32Aber wenn man dann in dem Zuge auch noch erklären muss, wie funktioniert eigentlich die NATO,
- 8:36warum machen wir das eigentlich?
- 8:37Was haben wir in der Ostflanke zu suchen?
- 8:39Das ist ja überhaupt nicht zu leisten irgendwie in der eigentlichen Mediendiskussion.
- 8:42Problem ist aber natürlich all solche Formate oder eben auch Zeitschriften.
- 8:47Die IP macht natürlich auch schon lange Sachen zu sichern, das ist ja eine Verteidungspolitik.
- 8:50Das ist natürlich dann immer auch so eine Selbstauswahl.
- 8:53Also da kriegt man natürlich nicht jeden auf der Straße, der sich nicht interessiert,
- 8:56denn der schaltet dann nicht ein und er liest das nicht.
- 8:58Und den oder diejenige muss man dann eben schon idealerweise auch in der Tagesschau abholen.
- 9:01Es ist einfach ein Mix, um diese Debatten zu erhöhen und stärker zu machen.
- 9:05Und vielleicht als letzter Punkt eben auch, um das eher in die Tagesschau zu kriegen und
- 9:09nicht nur diejenigen zu bekommen, die quasi von vornherein schon ein gewisses Interesse
- 9:13mitbringen.
- 9:14Ich glaube, wir brauchen auch in Deutschland viel eher da politische Führung und auf
- 9:18der höchsten Ebene die Politik, die sagt, wir müssen über diese Themen reden.
- 9:22Und das macht Olaf Scholz eigentlich nicht.
- 9:26Das hat Angela Merkel nicht gemacht.
- 9:28Also sprich, wir haben schon lange Jahre, wo eben sicher als Verteidigungspolitik, das
- 9:32war halt eben die Aufgabe, ist es natürlich auch, des Verteidigungsministers und der
- 9:36Verteidigungsministerin.
- 9:37Aber die werden natürlich auch nur zu einem gewissen Grade gehört.
- 9:40Also da das Thema wieder mehr zu Chefsache zu machen, weil es gerade so konkret wichtig
- 9:44ist, würde sicherlich auch helfen.
- 9:46Schreckt aber auch viele Politiker ab, weil das sind alles Themen.
- 9:49Da gewinnt man nicht unbedingt Popularität mit.
- 9:52Also das ist alles schwierig und man muss oft irgendwie auch Lösungen vorschlagen, die
- 9:56jetzt irgendwie nicht so toll klingen.
- 9:58Und sofern auch verständlich, dass vielleicht viele Politiker da jetzt nicht sagen, ich will
- 10:01jetzt unbedingt meinen Wählern erzählen, wir brauchen, um es mal klar zu formulieren,
- 10:06wir brauchen vielleicht mehr Panzer.
- 10:07Und das bedeutet dann im politisch kommunikativ schlimmsten Fall vielleicht auch, dass es
- 10:12tatsächlich eher der Panzer wird als der nächste Kindergarten.
- 10:15Und das ist natürlich für jeden Politiker was, wo man sich nicht mit auf den Marktplatz
- 10:18stellen will.
- 10:19Vielleicht bleibt man im Moment bei der Bevölkerung und der Politik vor Frankl.
- 10:22Es gibt ja Umfragen, die belegen, dass die Bevölkerung es eigentlich ganz gerne sehr,
- 10:26sehr ehrlich hat.
- 10:27Und man gewinnt manchmal in den Eindruck, dass die Bevölkerung eigentlich weiter ist
- 10:30als die Politik.
- 10:31Und das haben Sie gerade schon angedeutet, die Politik, das sich ganz oft eben nicht traut,
- 10:35weil man die Wahrheit der Bevölkerung nicht zumuten könne.
- 10:37Wie ändert man das denn, wenn doch eigentlich das Volk sozusagen da weiter ist als seine
- 10:43Anführer und Anführerin?
- 10:44Das ist eine total spannende Frage.
- 10:46Und ich schwanke bei dieser Einschätzung auch immer mal wieder, weil es in der Tat
- 10:50so ist, als wenn wir uns mal angucken, woros Pistorius, der ja sehr klar Dinge benennt.
- 10:54Und der jetzt zum Beispiel genau solche Sachen sagt, wie selbst wenn dieser Krieg jetzt
- 10:58morgen aufhört, also der Krieg ging in die Ukraine, dann werden wir nicht zurückkehren
- 11:01in das alte Normal oder solche Dinge, die eigentlich, ja würde ich mal denken, niemand
- 11:05hören will, ist ja sehr populär.
- 11:07Und zwar nicht, obwohl er das sagt, sondern weil er das sagt, das wird ja auch abgefragt.
- 11:11Auf der anderen Seite merkt man eben auch schon wiederum, dass Politiker auch abgestraft
- 11:15werden, wenn sie quasi eben zu unangenehme Wahrheiten irgendwie sagen.
- 11:18Und wie man etwas kommuniziert, ist sicherlich eine Frage.
- 11:21Ich finde es sehr schwierig, einzuschätzen, wie weit in Anführungsstrichen die Bevölkerung
- 11:26da ist.
- 11:27Und ich glaube, wir haben da schon auch eine zunehmende Polarisierung.
- 11:29Also es gibt diejenigen, die gerade auch im Zuge des Krieges gegen die Ukraine gesagt
- 11:33haben, hier muss ich jetzt wirklich was ändern.
- 11:35Und auch so ein bisschen ein, ich hatte gehofft, es läuft anders, die Realität ist jetzt aber
- 11:39so und darauf müssen wir reagieren, was ich ehrlich gesagt als politische Grundhaltung
- 11:43extrem schätze, weil es ist ja auch nicht falsch zu hoffen, dass etwas anders kommt und darauf
- 11:47hinzuarbeiten.
- 11:48Aber wenn man sich dann eingesteht, dass es eben anders läuft, das ist ja sehr gut.
- 11:50Also das gibt es, aber es gibt dann eben auch zunehmend zu diese Fundamentalverweigerung,
- 11:55wo es dann eben heißt, das ist alles komplett der falsche Weg und was kaufen diese Leute
- 12:00denn Waffen, also so nach dem Motto.
- 12:01Daher, ja, also ich finde es sehr schwierig irgendwie einzuschätzen.
- 12:04Wie kann man sicher gehen, dass da alle auf derselben Ebene sind?
- 12:07Wie gesagt, ich kann es nur noch mal sagen, also sicherlich mehr über Dinge reden.
- 12:10Besser.
- 12:11Aber das ist ja auch so, dass es natürlich leider auch gerade in Deutschland oft so ein
- 12:14bisschen Nonsensdebatten, also Nonsensdebatten aus der Sicht der Expertin, die nur deswegen
- 12:19funktionieren politisch, weil es eben bei manchen Themen so einen Wissensdefizit gibt.
- 12:25Und dann kann man eben auch relativ leicht auf der politischen Seite gegen Dinge mobilisieren,
- 12:31wo eben jeder Expertin, jeder Expertin sagen würde, das ist einfach inhaltlich falsch.
- 12:35Also das so funktioniert das einfach nicht.
- 12:37Das hat jetzt nichts mit politischer Meinung zu tun, kann ja für oder gegen etwas sein.
- 12:41Aber so wie das dargestellt wird, ist das falsch und das wird dann nicht verstanden
- 12:44in der Bevölkerung oder eben teilweise noch schlimmer in den Medien nicht.
- 12:48Und das ist natürlich da eine große Gefahr.
- 12:50Wie gesagt, es geht nicht darum, dass ich sage, alle Politik muss jetzt irgendwie
- 12:53mal in Ansichten folgen, aber dass man eben klar ist, worüber man genau diskutiert und
- 12:57nicht so viele Ebenen verschiebt irgendwie.
- 12:59Und dann so Diskussionen hat zu denen niemand mehr irgendwie auch einen Zugang hat und
- 13:04wo alle nur noch für Wirt rausgehen, weil man den Eindruck hat, man hat über verschiedene Dinge gesprochen.
- 13:08Verwirrt rausgehend finde ich ein gutes Stichwort.
- 13:14Der Podcast hier, "Pod und die Welt" ist ja ein Podcast der Zeitschrift internationaler Politik
- 13:19und sie haben für die kommende Ausgabe ein Essay geschrieben, wo sie genau eben auch
- 13:21über den russischen Eingriss gegen die Ukraine schreiben und darüber, dass das eben auch
- 13:25ein Zeitfenster der Aufmerksamkeit und Bereitschaft sein kann, um über Außenpolitik und Sicherheitspolitik
- 13:31sich stärker damit zu befassen, sich damit auszupassen.
- 13:32aber das eben auch drohe ein neues Biedermeier-Zeitalter
- 13:36und der Rückzug ins private.
- 13:38Woran machen Sie das fest? Wie äußert sich das Ihrer Meinung nach?
- 13:42Das ist in der Tat eine Gefahr, die ich sehe.
- 13:45In Deutschland, aber auch darüber hinaus.
- 13:47Ich lebe selber in Frankreich und ich sehe das auch anderswo.
- 13:50Ich habe zunehmend den Eindruck belegt
- 13:52zumindest von eben anektotischer Evidenz,
- 13:55dass viele Menschen nach dem ersten Aufwachen aufschrecken,
- 14:00erschrecken durch den Krieg gegen die Ukraine.
- 14:04Grundsätzlich habe ich Bereitschaft,
- 14:06sich mit diesem Thema mehr auseinanderzusetzen und zu sagen,
- 14:09das hat sich ja was getan, ich muss das auch besser verstehen.
- 14:12Ich will mehr lernen, ich will mich da informieren,
- 14:15dass da das Pendel zurückschlägt, gerade jetzt im letzten Jahr,
- 14:18weil es den Menschen zu viel wird und zwar auch emotional zu viel.
- 14:22Da kann ich direkt sagen, ich kann das auch gut nachvollziehen,
- 14:25denn es ist ja nicht nur der Krieg in der Ukraine,
- 14:27der keinen Ende zu nehmen scheint,
- 14:30das ist die große Frage für dieses Jahr.
- 14:32Sondern dazu kam dann eben in dem Moment
- 14:34der schreckliche Terroranschlag gegen Israel
- 14:36und dann der folgende Krieg im Gaza-Streifen
- 14:39und zwischen auch eben darüber hinaus.
- 14:41Auch dieses ganze Chaos, was Donald Trump
- 14:44in den internationalen Beziehungen schafft.
- 14:46Ich habe zunehmend den Eindruck, das wird den Leuten zu viel sagen,
- 14:50A, blick ich da, komm mehr durch, B, ist das alles ganz schrecklich.
- 14:54Wie gesagt, kann ich total nachvollziehen.
- 14:56Und ich will mir das gar nicht die ganze Zeit antun.
- 14:58Deswegen blende ich das jetzt viel mehr aus und sage eigentlich,
- 15:01ich will das gar nicht wissen, ich will mich eben nicht damit beschäftigen.
- 15:05Daher der Begriff Biedermeier, also so diese Zeit des Rückzugs ins Private,
- 15:09wo man sagt, ich gucke es lieber, dass es bei mir schön ist
- 15:12und schön eingerichtet und schön und angenehm
- 15:15und dass ich mich gar nicht mehr damit befassen muss,
- 15:17was draußen in der Welt hervorgeht oder passiert.
- 15:20Das sieht man eben an Interessenswerten,
- 15:23wie viel gelesen und zugehört wird.
- 15:25Aber auch an der Popularität mancher Parteien oder auch mancher Politiker,
- 15:30die eben suggerieren, mit mir und mit uns
- 15:34lassen wir dich Wähler mit diesen Themen in Frieden.
- 15:37Und da, glaube ich, muss man sehr, sehr vorsichtig sein als Partei und als Politiker.
- 15:41Grundsätzlich, ich bin ein großer Fan der repräsentativen Demokratie,
- 15:45ist es natürlich tatsächlich so, dass ich autonomal Verbraucher
- 15:48eben nicht mit den Details von "Egal, was beschäftigen soll".
- 15:51Das ist ja die ganze Idee. Wir wählen Interessensvertreter,
- 15:54damit die das machen können.
- 15:56Und man kann quasi so die großen Linien irgendwie vorgeben.
- 15:58Insofern geht es mir nicht darum, dass irgendwie der deutsche Michel,
- 16:01um jetzt mal dieses Bild zu benutzen,
- 16:03also irgendwie der deutsche Autonomalferbraucher,
- 16:05irgendwie auf Karten Zinsoldaten verschieben soll,
- 16:07damit er genau weiß, wo irgendwie die Frontlinien in Ukraine verlaufen.
- 16:10Das ist ein Detail-Level, was wir überhaupt nicht brauchen,
- 16:14was auch, glaube ich, gar nicht empfehlenswert ist.
- 16:16Aber wenn wir zu sehr in die Richtung gehen, mir wird das zu viel,
- 16:19ich kann das nicht mehr, dann, glaube ich,
- 16:21auch viel schneller einfangen von eben denjenigen Politikern,
- 16:25die so tun, als haben sie jetzt die eine Lösung.
- 16:27Mit mir ist das morgen vorbei, die anderen machen das Problem quasi.
- 16:30Ich gebe das nur in meine Hände und dann löse ich das.
- 16:33Und das sind leider eigentlich immer die Lösungen,
- 16:35die keine wirklichen sind.
- 16:36Also, so einfach ist es eben oft nicht.
- 16:39Und da sehe ich so diese Gefahr.
- 16:40Und deswegen, glaube ich, müssen wir irgendwo in diesem Pendelschwung
- 16:44zwischen "Okay, es gibt einen Rieseninteresse",
- 16:46und die Leute haben da auch wahnsinnig Angst,
- 16:48was auch nicht Sinn der Sache ist,
- 16:50und ich will zu, aber eben, Rückzug ins Private,
- 16:52und ich will das alles nicht mehr hören,
- 16:53und will die Verantwortung da auch komplett abgeben,
- 16:55dass wir da auf der richtigen Einstellung des Pendels,
- 16:58wenn man so will, stehenbleibt und klar kommuniziert.
- 17:01Also, ah, was passiert da eigentlich?
- 17:03Wie können wir beeinflussen? Was wollen wir tun?
- 17:05Und dann eben auch die Frage, was kann denn eigentlich
- 17:07der Privatmensch oder was muss der Privatmensch
- 17:09da in irgendeiner Weise auch tun?
- 17:10Also, wir sind natürlich jetzt nicht in irgendeiner Weise
- 17:13in der Kriegsvorbereitung, Gott bewahre,
- 17:15aber es gibt natürlich schon so gewisse Dinge,
- 17:17die auch der Mensch auf der Straße ein bisschen mehr verinnerlichen
- 17:21sollte für eben auch die Resilienz,
- 17:23wenn man diesen Begriff benutzen will,
- 17:25der Bundesrepublik gegenüber Angriffen aller Art.
- 17:28Ich meine jetzt weniger die Panzerrollen über die Grenze,
- 17:31sondern eben mehr auch Disinformation, Cyberangriffe,
- 17:34also was, also Extremfälle.
- 17:36Und da braucht man die Bevölkerung auch mehr,
- 17:38und da ist es natürlich ganz besonders gefährlich,
- 17:40wenn die Bevölkerung quasi abgeschaltet hat und gesagt hat,
- 17:43ich hab's mir eigentlich schön eingerichtet,
- 17:44und ich will gar nicht wissen,
- 17:46was da draußen in der Welt vorgeht.
- 17:47Das ist natürlich schon, meiner Meinung nach,
- 17:49auch irgendwo Verantwortung des mündigen Bürgers,
- 17:52da mit den Augen drauf zu haben und mit involviert zu sein.
- 17:56Auch wenn das eben teilweise dann ja ein bisschen Sorge machen kann,
- 18:00aber das sind nun mal die neuen Zeiten, in denen wir leben,
- 18:02die 90er sind vorbei, und ich bedauere, dass dahin gehen,
- 18:06genau wie wahrscheinlich viele der Erlöhrenhöhren,
- 18:09aber das müssen wir uns klarmachen.
- 18:11Und wenn man sich dafür nünftig positioniert,
- 18:13dann geht das auch ohne, dass man eben in Panik verfällt
- 18:15und ohne, dass man irgendwie jetzt komplett alles
- 18:17über einen Haufen schmeißt.
- 18:19Vielleicht schauen wir noch mal kurz in die Debatten
- 18:21über Verteidigung und Sicherheit, über Resilienz,
- 18:24also Widerstandsfähigkeit in anderen Ländern.
- 18:25Sie kennen ja auch die Debatten in Frankreich, Großbritannien,
- 18:28sehr gut. Kann man von diesen Ländern oder von anderen Ländern
- 18:31was lernen?
- 18:32Für die Debatte in Deutschland gibt es da positive Beispiele,
- 18:35irgendwas, was wir mitnehmen können.
- 18:37Also einen der großen Unterschiede sehe ich wirklich in dem Niveau
- 18:41der Diskussion, ohne so tun zu wollen, als seien alle Briten
- 18:44und Franzosen jetzt wahnsinnig informiert.
- 18:46Aber es gibt zumindest nicht so sehr diese reflexhafte Abneigung
- 18:50gegenüber von Debatten zu Sicherheits- und Verteidigungspolitik.
- 18:54Da kann man über auch Details diskutieren, ohne...
- 18:59Ich überspitze es jetzt mal, immer dazusagen zu müssen,
- 19:01dass Krieg ganz böse ist.
- 19:03Ich bin ja auch in den Medien, in den gerade diesen drei Ländern
- 19:05oder diesen drei Sprachen unterwegs.
- 19:07Und mir fällt immer selber auf, wie ich in Deutschland
- 19:09immer noch mal extra betone, dass eben Krieg schrecklich ist
- 19:13und dass er zu verhindern ist.
- 19:15Und das muss man immer mit dazusagen.
- 19:17Und das demso ist, müssen wir nicht diskutieren.
- 19:19Das ist offensichtlich, aber man muss eben immer noch dazusagen,
- 19:22sonst kommt direkt die große Kritik, wie können sie es denn wagen,
- 19:24quasi über Militärthemen zu sprechen.
- 19:26Das funktioniert meines Erachtens in diesen Ländern dann besser
- 19:29aus historischen Gründen, kulturellen Gründen.
- 19:32Das sind auch Länder, die einfach diese Narrative vom Ende der Geschichte
- 19:35und das brauchen wir jetzt alles nicht mehr nicht so in dem Maße
- 19:38adoptiert haben wie wir.
- 19:39Also das funktioniert da besser.
- 19:41Ich würde auch sagen, dass Militär ist in den Debatten etwas präsenter.
- 19:45Wie gesagt, ich glaube, das hilft insbesondere in Großbritannien,
- 19:49sehe ich das, weil es da auch irgendwie mehr auch tatsächlich
- 19:53Politiker gibt mit einem militärischen Hintergrund.
- 19:55Es gibt zum Beispiel mehr irgendwie Members of Parliament,
- 19:58die einen Militärhintergrund haben als Bundestagsabgeordnete.
- 20:01Das hat viel mit dem System zu tun, im Übrigen.
- 20:04Einfach, wie die Streitkräfte funktionieren.
- 20:06Also kann man auch nicht von mir heute auf morgen ändern.
- 20:08Aber all das hilft, glaube ich, um diese Debatten etwas mehr.
- 20:11In die Mitte der Gesellschaft zu führen und nicht so zu tun,
- 20:13als sei das jetzt was, was deswegen ganz außen vor ist
- 20:16und irgendwie ganz seltsam und da dürfte man in guter Gesellschaft
- 20:20quasi nicht drüber reden.
- 20:21Ja, vielleicht auch eben inwieweit die politischen Ebenen
- 20:23sich mit den Themen beschäftigen.
- 20:25In Frankreich klar, der Präsident ist viel involvierter
- 20:29in die ganzen Fragen von Außen- und Sicherheitsverteilungspolitik.
- 20:31Das ist eigentlich so seine oder ihre Hauptarbeitsfeld.
- 20:37Insbesondere, wenn die Regierung oder das Parlament
- 20:40im aktuellen Fall nicht quasi aus der Präsidenten-Partei kommt.
- 20:43Und dadurch sieht man eben auch den Präsidenten viel häufiger,
- 20:46der sich klarer zu diesen Themen äußert.
- 20:49Und ich glaube auch, das hilft eben,
- 20:50also die Involvierung von dem höchsten Level der Politik.
- 20:53Es geht nicht darum, irgendwas hier kopieren zu wollen
- 20:54oder zu sagen, die können das jetzt alles irgendwie besser.
- 20:56Aber gerade aus, ich denke, historischen und kulturellen Gründen
- 20:59werden da manche Themen anders bespielt.
- 21:01Und das hilft zumindest ein bisschen da auch,
- 21:03die Angst herauszunehmen, die Moralisierung rauszunehmen.
- 21:06Und nach meiner Einschätzung vernünftigere
- 21:08oder eben faktenbasiertere Debatten zu haben und all das
- 21:11würde ich sehr gerne auch in Deutschland sehen.
- 21:13Dann schauen wir zum Schluss noch mal auf Deutschland
- 21:20und die Zukunft der Debatten hier über Außen- und Sicherheitspolitik.
- 21:23Wir haben gerade einen Bundestagswahlkampf,
- 21:25der doch verhältnismäßig stark von außenpolitischen Themen geprägt ist.
- 21:29Am 23. Februar wird gewählt.
- 21:31Wie ist Ihre Prognose,
- 21:33wird danach Außen- und Sicherheitspolitik stärker
- 21:36in der öffentlichen Diskussion stattfinden?
- 21:39Spannend. Die Frage wird halt sein, und das hängt einfach,
- 21:42wie gesagt, von dem Wahlegebnis und der Koalitionsbildung zusammen,
- 21:45wird Verteidigung und Außenpolitik ein Thema sein,
- 21:49an dem die Koalition sich explizit reibt?
- 21:52Würde ich jetzt sagen, ist zum Beispiel eher ein Thema
- 21:55bei einer nicht mehr als so großen Koalition,
- 21:58CDU, SPD, wo ich glaube ich,
- 22:01in Außen- und Verteidigungspolitischen Fragen,
- 22:03gerade eben auch was die Ukraine angeht,
- 22:06aber auch grundsätzliche Sachen, wie stark soll die Bundeswehr anwachsen
- 22:09und sowas, vielleicht eher Reibungspunkte haben,
- 22:13ist es eher, dass das die Punkte sind,
- 22:15wo sich die Koalitionäre einig sind
- 22:17und gemeinsam Grund finden können,
- 22:19um vielleicht dann auch Probleme in anderen Bereichen auszubügeln.
- 22:23Also ich generalisiere jetzt natürlich sehr,
- 22:25aber CDU-Grüne sind ja jetzt in den letzten Jahren erstaunlich,
- 22:28angenehert im Bereich der Sicherheitsverteidigungspolitik
- 22:31und ich würde sagen, da gibt es die meisten Überlappungspunkte irgendwie.
- 22:34Zweitens wäre, und das ist jetzt keine politische Empfehlung,
- 22:38aber zweitens wäre für die politische Debatte,
- 22:40ich glaube, hilfreicher, dann hat man quasi auch mehr Zeit,
- 22:43eben gewisse Dinge zu erklären, aber auch erstes kann ja also,
- 22:46der Konflikt kann durchaus hilfreich sein.
- 22:49Ja, oder aber sinken wir total ins Chaos
- 22:51und es gibt überhaupt nicht die Mehrheiten
- 22:53und die Debatten gehen eher darum,
- 22:55wie man überhaupt eine Koalition findet.
- 22:57Das hängt eben ab von den Personen.
- 22:59Also Olaf Scholz ohne jetzt irgendwie hierzu parteipolitisch zu werden,
- 23:03würde ich schon auch wirklich vorwerfen,
- 23:05dass er diese Themen der Sicherheitsverteidigungspolitik
- 23:08und Außenpolitik also zumindest nicht ausreichend erklärt hat.
- 23:11Das hatte immer so den Element von, will ich eigentlich gar nicht groß erklären,
- 23:15habe ich jetzt aber so gesagt, Basta reden wir jetzt nicht mehr darüber
- 23:17und das mag ich jetzt auch als Bürgerin nicht,
- 23:19aber halte ich auch einfach da nicht so zielführend,
- 23:21insofern ob das dann unter anderem Politiker,
- 23:23Menschen in anderem Politiker werden, anders wird das bleibt dann zu hoffen.
- 23:26Ich denke, es könnte, ja so würde ich mir schon so vorstellen.
- 23:28Aber gut, mal sehen.
- 23:30Also ich finde es momentan noch so viel im Bewegung,
- 23:32das ist sehr schwierig, es da Prognosen zu machen,
- 23:35aber ich kann sehr empfehlen, die Wahlprogramme zu lesen
- 23:37und auch wirklich vielleicht als letzter Satz,
- 23:40ich mache das selber gerade, nicht nur eben zu gucken,
- 23:43was sagt Partei A und Partei B zum Thema X,
- 23:46also weiß ich nicht, 2% Ziel, 3% Ziel,
- 23:49wieviel soll denn für die Bundeswehr ausgegeben werden,
- 23:51sondern auch wie wird das formuliert
- 23:53und wo kommt das in der Prioritisierung und wie, was wird da gesagt?
- 23:56Also das kann ich für diejenigen, die es interessiert, sehr empfehlen,
- 23:58weil das schon noch mal eine interessante Einsicht gibt,
- 24:02was den eben von Parteien als wichtig erkannt wird
- 24:05und was da eher so drinsteht, weil man das jetzt irgendwie sagen muss,
- 24:07aber jetzt nicht, dass das ist, was man irgendwie umwendig machen will.
- 24:10Soweit die Einschätzung an Ulrike Franke,
- 24:12Verteidigungsexpertin beim European Council on Foreign Relations.
- 24:15Vielen Dank, dass Sie da waren. - Ja, danke für die Einladung.
- 24:17Und zum Ende einer jeden Folge lassen wir das besprochen noch mal kurz Revue passieren,
- 24:26welche Aspekte Gedanken besonders hängen geblieben sind
- 24:29oder auch noch weiter anregen.
- 24:31Bei mir war das einmal, ja, ich gab die ganz grundsätzliche Erkenntnis,
- 24:35dass wir eine fundiertere Diskussion brauchen,
- 24:38dass diese Politik nach dem Motto, sie müssten nicht drum kümmern,
- 24:42wir regeln das, nicht mehr so aufgeht,
- 24:44dass das Medien-Podcast da ein Instrument sein kann,
- 24:46um ein bisschen mehr Information und Grundlagen zu vermitteln.
- 24:50Und ja, dann, wo ich sehr mit anknüpfen konnte,
- 24:53war dieses, wie Ulrike Franke es beschrieb, dieses Pendel,
- 24:56was zurück schlägt, dass es vor allem im letzten Jahr
- 24:58einem emotional zu viel geworden ist
- 25:00und dass man, glaube ich, so ein bisschen eine Balance finden muss
- 25:02zwischen dem "Oh Gott, oh Gott" und ich ziemlich komplett zurück
- 25:05und trotzdem eben sich mit Themen beschäftigt,
- 25:08auch so was wie der Resilienz der Bevölkerung,
- 25:10das finde ich irgendwie für uns, wie sie sagt, auto-normal,
- 25:14Verbraucher immer noch mal ganz wichtig, sich vor Augen zu führen.
- 25:17Martin, wie war es bei dir?
- 25:18Da kann ich direkt anknüpfen, das fand ich auch sehr eindrücklich,
- 25:21dass dieses Pendel so zurück schlägt.
- 25:23Und das ist halt schon auch unsere Aufgabe,
- 25:25den Menschen zu sagen, das bleibt wichtig.
- 25:28Und das bringt gar nicht, sich irgendwie ins Private zurückzuziehen
- 25:31und das ohne einen Vorwurf, ohne einen Mensch, ihr müsst jetzt aber,
- 25:35gehst das zu machen, sondern in aller Ruhe
- 25:37und in aller Dringlichkeit aber auch, das ist das eine.
- 25:40Das andere, wie lange dieses Umsteuern dauert,
- 25:43von dem langen Dien in Sicherheit hin zu einem,
- 25:46das geht jetzt nicht mehr weg, das Thema,
- 25:47das ist nicht irgendwie nächstes Jahr oder nach der Wahl
- 25:51oder das ist vorbei, das ist das Zweite.
- 25:52Und das Dritte ist ein ganz praktischer Hinweis,
- 25:54nämlich mehr Militärs in die Debatten zu holen,
- 25:57weil das die Leute sind, die sich auskennen damit.
- 25:59Das müsste man, glaube ich, gerade in Deutschland
- 26:00immer sehr gut erklären, warum, aber das ist ja möglich.
- 26:03Und zum Abschluss, das ist ein, wie Ulrike Frank gesagt,
- 26:06ein besseres, ein höheres Niveau der Debatten gibt's in Frankreich
- 26:09und in UK zeigt mir, es ist möglich und das gibt Hoffnung.
- 26:14Das war es mit "Pott in die Welt" für heute.
- 26:20Wir haben uns etwa Grundsatzfragen zur Außenpolitik gestellt.
- 26:23In der nächsten Folge schauen wir uns das Ereignis an,
- 26:26dass die deutscher und europäischer Außenpolitiker
- 26:28ziemlich auf den Kopf gestellt hat,
- 26:29nämlich den Beginn der russischen Chorusinversion auf die Ukraine.
- 26:33Dieses Ereignis erzielt sich am 24. Februar zum dritten Mal.
- 26:36Wir schauen uns an, welche Gewissheiten in der Außenpolitik
- 26:39dabei über Bord geworfen wurden, mussten
- 26:41und wie die Perspektiven für ein Ende des Krieges aussehen.
- 26:44Und wir sprechen dabei mit Carlo Masala, Politikwissenschaftler
- 26:47und Sicherheitsexperte von der Bundeswehruniversität in München.
- 26:51Danke fürs Zuhören für heute.
- 26:52Wir freuen uns, wenn Sie beim nächsten Mal wieder dabei sind.
- 26:55Jeden zweiten Donnerstag gibt's eine neue Folge von "Pott in die Welt".
- 26:58Überall da, wo es Podcasts gibt.
- 27:00Schön, dass Sie dabei waren und bis bald.