Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 4. Theil - 18 - Das Eselsfest 2-3
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen vierter Teil
- 0:04Unterkapitel 18 das eselsfest Abschnitt 2.
- 0:12Nachdem die Gäste von Zarathustra bei ihrer heimlichen
- 0:14Feier ertappt wurden, beginnt dieser Abschnitt mit
- 0:17zarathustras Reaktion. Zarathustra ist sehr verwundert
- 0:20über die Frechen und scherzhaften Antworten, die ihm
- 0:23seine Gäste geben, er springt daraufhin zurück zur Tür seiner
- 0:26Höhle. Er wendet sich all seinen Gästen
- 0:29zu und ruft ihnen mit einer lauten und starken Stimme etwas
- 0:32zu. Er nennt sie alle scherzhaft
- 0:34Narren und Possenreißer, ein Possenreißer ist jemand, der
- 0:38absichtlich lustigen Unsinn macht, um andere zum Lachen zu
- 0:41bringen. Er fragt sie, warum sie sich vor
- 0:44ihm verstellen und ihre wahren Absichten verstecken.
- 0:47Zarathustra hat nämlich genau bemerkt, was in ihnen vorgeht,
- 0:51er sagt, dass das Herz von jedem Einzelnen von ihnen gezappelt
- 0:54hat. Es war voller Freude und auch
- 0:57voller einer kleinen spielerischen Bosheit.
- 0:59Der Grund für diese Aufregung war, dass die Gäste für einen
- 1:02kurzen Moment wieder wie kleine Kinder geworden sind, er nennt
- 1:06sie fromm, weil sie wie Kinder gebetet haben, die Hände
- 1:09gefaltet haben und zum lieben Gott gesprochen haben.
- 1:12Nietzsche verwendet das Bild des Kindes sehr oft in seinem Werk,
- 1:16das Kind steht bei ihm für einen völligen Neuanfang, für Unschuld
- 1:20und für die Fähigkeit, das Leben wie ein Spiel zu sehen.
- 1:24Wenn die Gäste hier beten, dann tun sie das nicht aus tiefem,
- 1:26religiösem ernst, sondern sie spielen die alten Rituale nach
- 1:30und machen sich damit über sie lustig.
- 1:32Sie befreien sich durch dieses kindliche Spiel von ihren
- 1:35schweren Erwachsenensorgen Zarathustra fordert sie dann
- 1:38auf, seine Höhle zu verlassen, er nennt seine Höhle nun eine
- 1:42Kinderstube, weil sich dort an diesem Tag so viel Kinderei
- 1:46versammelt hat, sie sollen nach draußen gehen, um ihren heißen
- 1:50kindlichen Übermut. Und den lauten Aufruhr in ihren
- 1:53Herzen, in der kühlen Luft abzukühlen.
- 1:56Dann zitiert Zarathustra einen sehr bekannten Satz aus der
- 1:59Bibel, um ihn sogleich ins Gegenteil zu verkehren.
- 2:02Er sagt, Wenn ihr nicht werdet, wie die Kinder, so kommt ihr
- 2:06nicht in das Himmelreich. Dabei zeigt er mit seinen Händen
- 2:10nach oben in den Himmel, das Himmelreich steht in der
- 2:13Religion für das ewige Leben nach dem Tod und die Belohnung
- 2:17bei Gott. Aber im nächsten Moment lehnt
- 2:20Zarathustra genau dieses Himmelreich ab.
- 2:23Er sagt klar und deutlich, dass sie überhaupt nicht in dieses
- 2:26Himmelreich wollen, sie sind nämlich Männer geworden, das
- 2:30bedeutet, sie sind reif und erwachsen geworden und brauchen
- 2:34keine Phantasiewelten mehr, die nach dem Tod auf sie warten,
- 2:37weil sie erwachsen sind, wollen sie stattdessen das Erdenreich,
- 2:41das Erdenreich ist ein zentraler Begriff in Nietzsches
- 2:44Philosophie. Es bedeutet, dass man diese
- 2:47reale Welt, in der wir jetzt leben, mit all ihren
- 2:50körperlichen Dingen, Freuden und Schmerzen voll und ganz annimmt
- 2:54und liebt. Man soll das Leben auf der Erde
- 2:57feiern und nicht auf ein Leben im Himmel hoffen Abschnitt 3
- 3:04Zarathustra beginnt ein weiteres Mal zu sprechen, er spricht
- 3:08seine Gäste nun als seine neuen Freunde an, er nennt sie
- 3:11wunderliche Leute und spricht sie als die höheren Menschen an.
- 3:15Die höheren Menschen sind bei Nietzsche eine bestimmte Gruppe
- 3:18von Menschen. Sie sind intelligenter und
- 3:21feinfühliger als die große Masse der Leute.
- 3:23Sie haben bereits verstanden, dass die alten Werte und der
- 3:26Glaube an Gott keinen Sinn mehr ergeben, sie leiden aber noch
- 3:30sehr unter diesem Verlust und haben es noch nicht geschafft,
- 3:33völlig neue eigene Werte zu erschaffen, sie sind also auf
- 3:37dem Weg zum Ideal. Dem Übermenschen, stecken aber
- 3:40noch fest. Zarathustra sagt diesen höheren
- 3:43Menschen, dass sie ihm in diesem Moment sehr gut gefallen.
- 3:47Er freut sich, weil sie endlich wieder fröhlich geworden sind,
- 3:50er vergleicht sie mit Blumen, die nun alle richtig aufgeblüht
- 3:53sind, weil sie so fröhlich aufblühen, glaubt Zarathustra,
- 3:56dass sie nun neue Feste brauchen, diese neuen Feste
- 4:00sollen die alten, ernsten und traurigen religiösen Feste
- 4:04ersetzen, er beschreibt genauer, was sie brauchen, sie brauchen
- 4:08einen kleinen, tapferen Unsinn. Ein Gottesdienst oder eben ein
- 4:13Eselsfest, wie sie es gerade gefeiert haben, ist genau das
- 4:17Richtige. Sie brauchen einen alten,
- 4:19fröhlichen Narren wie ihn selbst.
- 4:22Zarathustra er vergleicht sich mit einem starken, frischen
- 4:25Wind, der ihnen die Seelen hell und sauber bläst und alle
- 4:29düsteren Gedanken vertreibt. Zarathustra ruft den höheren
- 4:33Menschen zu, dass sie diese Nacht und dieses Eselsfest
- 4:36niemals vergessen sollen. Er betont besonders, dass sie
- 4:39dieses Fest bei ihm selbst erfunden haben.
- 4:42Das sieht er als ein sehr gutes Zeichen an.
- 4:45Er sagt, dass nur Genesende solche Dinge erfinden können,
- 4:49ein Genesender ist bei Nietzsche jemand, der gerade dabei ist,
- 4:52gesund zu werden, er erholt sich von der Krankheit der alten
- 4:56Werte, der Traurigkeit und der Lebensfeindlichkeit ein
- 5:00Genesender lernt gerade wieder, das Leben zu bejahen und aus
- 5:03vollem Herzen darüber zu lachen. Zarathustra gibt Ihnen einen Rat
- 5:07für die Zukunft, wenn Sie dieses Eselsfest in der Zukunft noch
- 5:10einmal feiern sollten, dann sollen sie es tun, weil sie sich
- 5:14selbst damit eine Freude machen. Sie sollen es aber auch tun, um
- 5:18Zarathustra eine Freude zu machen und um sich an ihn zu
- 5:20erinnern. Das Fest soll ein Andenken an
- 5:23ihn bleiben, der Abschnitt endet mit dem bekannten Satz, Also
- 5:28sprach Zarathustra.