Latest / Gin And Talk / Daniel Schmidt über Trauer, Hoffnung und den Kiez
Transcript
- 0:00Speaker 0: Amtresen einen guten Job zu machen, mit einem frechen Schnack.
- 0:04Speaker 0: Mit dem auffordernden Spruch vielleicht auch mal Rabiat zu sein oder jemandem zu ertragen der nicht so gut riecht oder irgendwo eine Kruste im Gesicht hat wo er raus eitert und ich gerade umarmen möchte.
- 0:16Speaker 0: Auch der will gedrückt werden, will Zuneigung.
- 0:19Speaker 0: wie gesagt ich bin sehr sensibel.
- 0:20Speaker 0: wenn ich es dann nicht schaffe dem das zu geben fühle ich mich gleich schlecht.
- 0:24Speaker 0: aber wenn du dann komplett nüchtern bist und das siehst und riecht ganz anders wahrnimmst, dann ist schon so okay.
- 0:28Speaker 0: Dann muss ich jetzt aufpassen dass sich an der Stelle zehn Zentimeter Abstand habe.
- 0:32Speaker 0: irgendwie aber ich drück dich
- 0:33Speaker 0: trotzdem.".
- 0:34Speaker 0: Das hat sich ein Freund angezündet mehrere Freunde erhängt super viel Depression die ich erlebe super viele Paare Partnerschaften die sich getrennt haben sehr viel Verzweiflung und das ist nach wie vor immer noch so.
- 0:47Speaker 0: es wirkte jetzt eine ganze Zeit lang wieder so Als würde den Hauch von Normalität einkehren, aber völliger Bullshit.
- 0:56Speaker 0: Das haben alle versucht weil jeder sich danach sehnte ist aber nicht so.
- 1:00Speaker 1: Herzlich willkommen!
- 1:01Speaker 1: Mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr euch heute zu einer neuen Genetalk Episode aus Hamburg begrüßen zu dürfen.
- 1:08Speaker 1: Bevor wir aber gleich in das Gespräch starten möchte ich kurz unseren Gast vorstellen.
- 1:13Speaker 1: Daniel Schmidt ist seit über zehn Jahren wird des legendären Elbstors Kellers auf St.
- 1:17Speaker 1: Pauli.
- 1:18Speaker 1: Deutschlands wohl härteste Kneipe ist rund um die Uhr geöffnet und zieht alle Arten von Charakteren mit den unterschiedlichsten Lebens- und Leidensgeschichten an.
- 1:26Speaker 1: In seinen Büchern schreibt Daniel über seine Erlebnisse und Begegnungen, über gute und schlechte Zeiten.
- 1:32Speaker 1: Ich wollte von ihm wissen wie es ist immer für seine Gäste da zu sein und jedem helfen zu wollen Und wie er es dabei schafft sich am Ende nicht selbst verlieren.
- 1:41Speaker 1: Viel Spaß beim Zuhören!
- 1:42Speaker 1: Schön dass ihr alle wieder mit dabei seid.
- 1:47Speaker 0: Eiskalte Drinks und eine Menge Zeit für ein persönliches Bargespräch.
- 1:53Speaker 0: Herzlich willkommen an unseren Bartresen!
- 1:57Speaker 0: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 2:02Speaker 0: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer
- 2:10Speaker 1: Studio-Bar.
- 2:19Speaker 1: Lieber Daniel, ich freu mich sehr dass wir hier in Hamburg zusammensitzen
- 2:22Speaker 0: können und wie ihr die
- 2:23Speaker 1: Zeit nimmst.
- 2:24Speaker 1: Zweite mal das auch ein Daniel zu Gast ist einen Namensvetter sozusagen umso schöner.
- 2:30Speaker 1: muss ich mir Namen nicht aufwendiger merken.
- 2:33Speaker 1: das funktioniert ganz gut genau.
- 2:36Speaker 1: ja du hast ein zweites Buch gerade rausgebracht
- 2:40Speaker 0: mit
- 2:41Speaker 1: dem namen Keats Nach deinem ersten großen Erfolg quasi in der Buchszene sozusagen mit Elbschlosskeller.
- 2:50Speaker 1: Und gleich namiger Roman zu der Bar, in der du viel Zeit in deinem Leben verbracht hast und immer noch verbringst?
- 2:59Speaker 0: Ja und auch fast groß geworden bin war schon richtig.
- 3:01Speaker 0: der Ansatz eben ja... ...und
- 3:02Speaker 1: auch groß geworden bist genau richtig.
- 3:04Speaker 1: jetzt hab ich irgendwie in meinem Leben Auch durchaus mal so mit dreizehn, vierzehn stand ich die ersten Male auch mal hinter dem Badresen und hab da...
- 3:13Speaker 0: Okay.
- 3:13Speaker 0: Auch sehr früh?
- 3:14Speaker 0: Ja, ja.
- 3:16Speaker 1: ...auf sehr wilde Geschichten erlebt irgendwie.
- 3:19Speaker 1: Wie war das dann für dich damals?
- 3:20Speaker 1: War es für dich selbstverständlich dass du da auch wirklich mit deinem Papa dann auch irgendwie Da mitgehst, oder war das für dich dann schon irgendwie auch was noch besonderes?
- 3:31Speaker 1: Das war
- 3:33Speaker 0: auf jeden Fall etwas Besonderes.
- 3:35Speaker 0: Es ist immer noch... Ich bin stolz!
- 3:38Speaker 0: nach wie vor ein Teil der Reperbahn sein zu dürfen eines Amisirviertels, wie es so kein zweites Mal auf der Welt gibt.
- 3:45Speaker 0: Nee und damals war natürlich die Faszination noch einen Tick größer und die Aufregung... Es war auch mehr Bewegungen, das waren mehr Menschen unterwegs ist das Geld saß lockerer, es war eine wildere Zeit und klar war's mir absolut nicht!
- 4:00Speaker 0: dass ich da tatsächlich irgendwann stehen werde.
- 4:02Speaker 0: Ich hab's bestimmt immer mal wieder irgendwie gesagt, weil meine Eltern mir das ja vorgelebt haben und meine Mutter meinen Vater angehimmelt hat mit riesen Augen so'n... Das kriegste natürlich mit als Kind.
- 4:12Speaker 0: okay er muss ein cooler Typ sein wenn sie ihn so anguckt.
- 4:16Speaker 0: Nee und dann kam es bestimmt immer einmal wieder zur Sprache.
- 4:19Speaker 0: Ist aber untergegangen, weil ich auch andere Wünsche hatte denke ich ganz normal.
- 4:23Speaker 0: Man ist ja in so einer Findungsphase.
- 4:25Speaker 0: dann aber Ich glaube so mit sechzehn, siebzehn hatte ich eigentlich schon im Kopf, dass sich nichts anderes machen will.
- 4:30Speaker 0: Hattest
- 4:30Speaker 1: du später mal eine Phase wo du gesagt hast jetzt reicht's mehr aber jetzt mal was völlig anderes?
- 4:34Speaker 0: Ja die gab es nicht nur einmal das erste Mal so intensiv oder heftig, dass ich tatsächlich dann auch weggegangen bin vom Kiez.
- 4:43Speaker 0: Raus aus dem Elbschlusskeller war nach dem Suizid meiner kleinen Schwester.
- 4:48Speaker 0: die hat kurz vorher am Tresen gestanden und sagte zu mir Daniel du bist so ein Idiot das du hier in diesem Laden versauerst der unsere halbe Familie zerrissen hat.
- 4:57Speaker 0: Opa war Alkoholiker an Leber zur Rose gestorben Onkel Alkohliker an leber zur rose gestormen Cousin Alkholeiker an Lever zur Rose Gestorben.
- 5:05Speaker 0: Wir haben viel Streit, viel Dramen mit erfahren und erleben müssen aufgrund dieses Ladens.
- 5:10Speaker 0: Und du stehst hier, weil die Mark locker sitzt so, ey, täckst du nicht richtig?
- 5:13Speaker 0: So hat sie mit ihren Worten das ausgedrückt und sagte dann noch, welchen Kerl hätte ich Eierwürdigzimmermann lernen?
- 5:20Speaker 0: Mit einem faszinierenden Blick ähnlich wie meine Mutter damals beim Vater gegenüber und kurz darauf ist ihr halt dann leider von uns gegangen.
- 5:28Speaker 0: Ich habe dann das erste Mal... so massiv gesoffen in meinem Leben das Denken eigentlich fast nicht mehr möglich war.
- 5:36Speaker 0: Ich hätte mich wohl zu Tode gesoffenen, dass ist mir dann zum Glück noch aufgefallen und habe dann gesagt so jetzt musst du die Kurve kriegen sonst bist du nicht mehr da.
- 5:43Speaker 0: War da auch schon gerade ganz frisch Papa?
- 5:46Speaker 0: Meine Schwester ist zehn Tage vor der Geburt meine Sohn ist verstorben ja und hab dann hab dann zum glück die kurve gekriegt bin dann nochmal Zimmermann geworden hat noch mal eine Lehre angefangen Und die in dreizehn Fächern, glaub ich mit zwölf Einsen beendet.
- 6:04Speaker 0: Das ist natürlich auch klar, wenn du Bock auf was hast, dass du das anders angehst als ein sechzehnjähriger der etwas machen muss weil hier irgendwie muss was zum Haushalt beisteuern.
- 6:13Speaker 0: Nö und hab dann aber auch ganz schnell das Ding wiederum beendete.
- 6:17Speaker 0: Irgendwie ein halbes Jahr früher dann die Lehre verkürzt... ...und bin sofort wieder in.
- 6:20Speaker 0: Elbshochskeller's hat mir zu sehr gefehlt!
- 6:22Speaker 1: Du hast in deinem ersten Buch von Der Glut In Deinem Herzen geschrieben diesem Antrieb auch für andere da zu sein, für die Stammgäste dazusehen.
- 6:33Speaker 1: Den Energiezugeben mit ihnen Hilfe zu geben, denen einen Ansprechpartner zu sein eine Familie auch zu geben ein Stück weit das ist ja natürlich wahnsinnig ehrbare Dinge auch die du da tust.
- 6:46Speaker 1: aber auf der anderen Seite stelle ich mir das auch Wahnsinnig ja energiekostend vor.
- 6:51Speaker 1: Also es ist wahnsinn anstrengend.
- 6:53Speaker 0: Es ist also nach wie vor ist das so?
- 6:55Speaker 0: Wie gerade von dir beschrieben Aber eben nicht nur im Elbschaftskeller, sondern generell egal wo ich irgendwie unterwegs bin.
- 7:01Speaker 0: Das ist einfach mein Naturel das wurden mir auch vorgelebt von meiner Mutter zu geben und es ist auch einfach wenn man das mal praktiziert hat gern eine Win-win Situation.
- 7:10Speaker 0: Jeder kennt das, ein Film zu zweit gucken ist einfach schöner als alleine.
- 7:14Speaker 0: wenn man dann jemand um sich hat den man mag denn der dann lächeln hat oder oder man jetzt eine Komödie guckt als Beispiel und er voll abfeiert dann feiert man halt dementsprechend noch extrem aus.
- 7:24Speaker 0: es dann einfach schön diese Emotion teilen zu können.
- 7:27Speaker 0: und so ist das halt in Situationen.
- 7:28Speaker 0: wenn du gibst das gibt's in vielen esoterischen oder ähnlichen Büchern Diese, diese, diese Thematik das Liebe so eines oder das Einzige ist was sich mehrt wenn du es gibst alle andere Sachen.
- 7:43Speaker 0: Wenn du die weg gibst sind sie weg.
- 7:45Speaker 0: also du hast dann halt weniger und liebe dir das merkt ich.
- 7:49Speaker 0: wenn du's teilst mache ich nach wie vor immer sehr gerne und ist natürlich ab und an sehr anstrengend.
- 7:57Speaker 0: Ich bin auch älter geworden, mein Sohn ist inzwischen elf Jahre alt, ich bin jetzt gerade wieder einer Phase wo ich null Komma null konsumiere gar nicht.
- 8:04Speaker 0: wenn ich dann halt so eine Elbschauskeller Schicht habe von zwölf Stunden auf ein Samstag wo echt die Hölle los ist.
- 8:09Speaker 0: viele Party-People die übergeblieben sind auch wahrscheinlich mit irgendwelchen Zusatzstoffen im Körper von was auch immer Die landen dann halt bei uns weil wir vierundzwanzig Stunden geöffnet haben Und wenn du dann komplett nüchtern bist, erlebst du das alles noch mal ganz anders und weil es eben auch mehr geworden ist.
- 8:27Speaker 0: Also früher hatte ich dann irgendwie drei Stammgäste die sich wirklich bei mir ausgeheuelt haben.
- 8:32Speaker 0: jetzt sind zwanzig Leute viele die auch wirklich die Erwartungshaltung haben fast so.
- 8:37Speaker 0: er muss mich jetzt retten weil das war ein bisschen eine Lage in die ich mich selbst begeben habe aber das ist das ist dann manchmal doch zu viel, zu fordern.
- 8:48Speaker 0: Ich habe auch Leute schon gehabt die dann in den Abschlusskeller kamen in einer psychotischen Phase und weil wir nicht sofort bei der waren um die gekümmert haben zu hundert Prozent ihr seid ja gar nicht so wie im Fernsehen oder in der Presse.
- 8:59Speaker 0: ich bin auch ein sehr sensibler Typ.
- 9:01Speaker 0: sowas tut mir dann sofort weh.
- 9:02Speaker 0: das trifft mich weil ich gerne für jeden da sein möchte kann man aber nicht.
- 9:06Speaker 0: Und da hab ich inzwischen die Lebenserfahrung, mich dann rechtzeitig rauszuziehen, dass sich die Energie, die ich eben brauche für zu Hause noch habe – für mein Sohn und die Hunde.
- 9:15Speaker 0: Du hast gerade
- 9:17Speaker 1: gesagt du konsumierst momentan nicht?
- 9:20Speaker 1: Null
- 9:20Speaker 0: Kommandole genau!
- 9:21Speaker 1: Dein Vater hat glaube ich immer gesagt trinken ist... ...
- 9:24Speaker 0: trinken, zauften und verwohnen.
- 9:26Speaker 0: Ganz genau!
- 9:27Speaker 0: Das ist sein Kredo gewesen ja... Wie
- 9:29Speaker 1: machst du das momentan?
- 9:30Speaker 1: Wenn du sagst, du konsumierst gar nichts und trinkst auch nichts auf der Repa-Bahn, hast du glaube ich deine Regelmoment?
- 9:35Speaker 0: Ganz genau, ganz genau.
- 9:36Speaker 0: Also das ist schon länger meine Regel.
- 9:39Speaker 0: Ich habe das Rauchen jetzt auch sein gelassen.
- 9:41Speaker 0: Ich hab mich irgendwie so fast an eine Zigarette geklammert wenn ich im Elbschloss Keller war.
- 9:47Speaker 0: Es ist einfach so dass du die Luft an Scheiben schneiden kannst also passiv rauch es immer fett da in der luft.
- 9:53Speaker 0: Es fällt einem einfach leichter, am Tresen einen guten Job zu machen.
- 9:57Speaker 0: Mit dem frechen Schnack mit dem auffordernden Spruch vielleicht auch mal Rabiat zu sein oder jemandem zu ertragen der nicht so gut riecht oder irgendwo eine Kruste im Gesicht hat wo er raus eitert und ich gerade umarmen möchte.
- 10:12Speaker 0: Auch der will gedrückt werden, will Zuneigung.
- 10:14Speaker 0: wie gesagt ich bin sehr sensibel.
- 10:16Speaker 0: wenn ich es dann nicht schafft dem das zu geben fühle ich mich gleich schlecht.
- 10:19Speaker 0: Aber wenn du dann komplett nüchtern bist und das siehst und riecht ganz anders wahrnimmst, dann ist schon so okay.
- 10:24Speaker 0: Dann muss ich jetzt aufpassen dass sich an der Stelle zehn Zentimeter Abstand habe irgendwie aber ich drück dich trotzdem.
- 10:29Speaker 0: Nee!
- 10:29Speaker 0: Und da hat mir die Zigarette jetzt zu den letzten Monaten immer ganz gut geholfen wie eben schon gesagt.
- 10:34Speaker 0: An die konnte ich mich klammern.
- 10:35Speaker 0: Die hab' ich auch sein lassen seit acht Tagen.
- 10:38Speaker 0: Hab' jetzt am Samstag schon eine zwölf Stunden Keller Schicht gehabt.
- 10:40Speaker 0: Hab's bestanden ohne eine Zigarette zu rauchen.
- 10:43Speaker 0: So und ich denke jetzt dauert das irgendwie noch ne Woche und dann ist der Schmachter auch weg.
- 10:48Speaker 0: Das funktioniert bei mir ganz einfach, deshalb weil ich wieder ein neues Ziel vor Augen habe wo das so sein muss.
- 10:53Speaker 0: Ansonsten bin ich auch einfach ein Suchtmensch!
- 10:56Speaker 0: Das heißt ja nicht gleich irgendwie dass sich in der Ecke liegt mit einer Spritze am Arm sondern du kannst ja auch Suchtes einfach... Ja so eine Form von zu viel halt.
- 11:06Speaker 0: leider dazu neige ich.
- 11:07Speaker 0: Ich bin so einen Übertreiber auch wenn nicht mehr ganz wie früher.
- 11:11Speaker 0: Ich trink nun mal gerne beim Nachbarnhofer Tarasin Whiskey oder Ja, im Urlaub beim Sonnenuntergang mit meiner Frau.
- 11:19Speaker 0: Aber das lasse ich jetzt auch komplett weg sein weil ich wie gesagt dieses Nullnullprogramm gerade fahre.
- 11:24Speaker 1: Wenn jetzt jemand noch nie im Elbschlosskeller war, dann denkt er wahrscheinlich naja es ist halt irgendeine Bar auf der Reperbahn.
- 11:32Speaker 1: Es gibt ja aber ganz viele Dinge die bei euch irgendwie ganz anders sind.
- 11:36Speaker 1: also
- 11:36Speaker 0: mit Sicherheit.
- 11:37Speaker 1: Weil damit angefangen dass ihr eigentlich nicht zu macht wenn keine Pandemie
- 11:41Speaker 0: ist.
- 11:41Speaker 0: Wir sind eine von den letzten vierundzwanzig Stunden Kneiben die es gibt.
- 11:44Speaker 1: Leute geben eure Adresse teilweise als postal
- 11:48Speaker 0: immer noch ganz genau
- 11:49Speaker 1: Wohnort an.
- 11:51Speaker 1: Es gibt Menschen, die schlafen bei euch.
- 11:53Speaker 0: Auch immer noch.
- 11:54Speaker 0: Ist auch
- 11:54Speaker 1: was, was sie toleriert.
- 11:56Speaker 1: Was ja auch in der Regel eigentlich nirgends mehr passiert.
- 12:01Speaker 1: Warum eigentlich all das?
- 12:03Speaker 0: Wir haben den Verein gegründet während der Pandemie.
- 12:06Speaker 0: wer wenn nicht wir?
- 12:07Speaker 0: und wenn ich jetzt nicht groß ausholen würde dann wird es das beschreiben Wer wenn nicht wie macht sonst keiner?
- 12:14Speaker 0: Und davon abgesehen, meine Lebensgefährtin Susanna Horn hat auch so ein großes Herz und auch das Bedürfnis an dann zu helfen.
- 12:22Speaker 0: Nur wenn sie es nicht so offen vielleicht kommuniziert wie ich oder so nach außen trägt, sie ist dann eher der Typ, der das heimlich macht.
- 12:28Speaker 0: Wenn keiner zuguckt, deckt sie den auch zu und steckt den Heiermann in eine Tasche.
- 12:32Speaker 0: Nee, das hat sich irgendwie so ergeben... Und das ist auch so, dass es mir so vorgelebt wurde.
- 12:37Speaker 0: Meine Mutter hat immer sehr viel gegeben und geteilt.
- 12:40Speaker 0: Ich durfte sehr viel Liebe erfahren als Kind.
- 12:42Speaker 0: Dementsprechend fällt mir das einfach weiter zu geben weil ich weiß wie's funktioniert.
- 12:47Speaker 0: Weil ich's erfahren habe, erfahrene durfte... ...und weil ich einfach so viel Empathie verspüre.. ..und ich denke auch so saner, dass diese ganzen Menschen denen es dann nicht so gut geht.
- 12:57Speaker 0: So ich fühl mit denen!
- 12:58Speaker 0: Das ist ein Teil von uns.
- 12:59Speaker 0: wir sind da irgendwie so.
- 13:01Speaker 0: Ich bin auch Christ tatsächlich.
- 13:03Speaker 0: Wenn man das dann aus dieser Perspektive betrachten würde, ist es einfach so dass das alles meine Brüder und Schwestern sind.
- 13:10Speaker 0: Ganz einfach!
- 13:10Speaker 0: Und wenn den keiner hilft wer denn sonst?
- 13:13Speaker 0: Wie eben auch schon erzählt... Es ist eine Win-Win Situation.
- 13:17Speaker 0: Es gibt nichts schöneres als jemanden, der von einer Gesellschaft über einen längeren Zeitraum nicht beachtet wurde.
- 13:22Speaker 0: Wenn du denen einfach nur durch ein Handschütteln so viel Aufmerksamkeit gibst, dass dem die Kennluge runterfällt und so viele Dankbarkeiten in den Augen siehst und in der Ausstrahlung spürst wie du sonst vielleicht nur vom Kind kennst!
- 13:35Speaker 0: Das ist einfach eine tolle Sache, es gehört sich so finde ich.
- 13:39Speaker 0: Wir haben die energetischen Kapazitäten das zu machen.
- 13:42Speaker 0: wir haben die finanziellen Möglichkeiten ein bisschen was zu teilen wenn das zum Beispiel in meinem Fall so dass ich das seit über fünfzehn Jahren macht dass ich mindestens ein Drittel meiner Trinkgelder immer verteile.
- 13:54Speaker 0: Ich bin selbstständig mit einem Künstlergewerbe, bin aber auch unter anderem als Mitarbeiter ganz normal angestellt.
- 14:02Speaker 0: Das heißt ich hab mein Festgehalt XY wo ich weiß so damit kannst du rechnen und es reicht für mich für meinen Lebensstandard.
- 14:10Speaker 0: das heißt wiederum alles was an Trinkgeld dann rein kommt ist eigentlich mehr als ich brauche.
- 14:15Speaker 0: So wenn ich davon eindrittelt abgeb an Leute die nichts haben warum nicht?
- 14:20Speaker 1: Dein neues Buch heißt Keats Die Repa-Wahnen.
- 14:23Speaker 1: an sich ist ja so etwas... Ich bin witzigerweise gerade vorhin noch mal drüber gelaufen, weil ich mir gedacht habe, ich muss jetzt nochmal von bei Tag mal wieder drüber laufen.
- 14:32Speaker 0: Weil das Drehlingeck gemacht hat tatsächlich
- 14:35Speaker 1: genau und es ist ja ein Stück Kultur, so ein Fleckchen Erde was sich in seiner Authentizität irgendwie erhalten hat.
- 14:46Speaker 1: also Es ist
- 14:48Speaker 0: verändert
- 14:48Speaker 1: sich wie
- 14:49Speaker 0: ich ja so ein bisschen schon.
- 14:51Speaker 0: Ich glaube, dass so wie du es gerade geschildert hast is er eine Wahrnehmung als Außenstehender an Führungsstrichen in das Zirkel sagt komplett das Gegenteil erlebt und spürt und sieht komplett das gegenteil.
- 15:03Speaker 0: Es ist noch sehr viel Authentizität auf der Rehbarbahn zum Glück unter anderem auch durch zb Vereine die sich für den Erhalt alter Gebäude und solche Sachen einsetzen Und auch weil es einfach noch Ur-Kiezjana gibt, aber die werden immer weniger.
- 15:17Speaker 0: Gentrifizierung wie in allen anderen dicken Städten auf der Welt von New York bis hast du nicht gesehen – in Berlin denke ich auch noch extremer ganz Berlin als jetzt zum Beispiel nur der Kiez.
- 15:30Speaker 0: Spürbar was da abgeht dass halt Leute vertrieben werden die letzten Endes dieses Viertel ausgemacht haben Leute freischaffende Künstler, Bundefreaks und Ausgestoßene.
- 15:40Speaker 0: Die sammeln sich deshalb auf einem Fleck weil sie alle nix haben und die Typen Mensch sind der sie sind.
- 15:46Speaker 0: Und die machen das dann lebenswert bunt und toll.
- 15:48Speaker 0: und dann kommen irgendwann anderen sagen oder wollen wir auch ein Teil von sein für ganz viel Geld reißen jetzt hier was ab damit ich mein Lebensstandard in eurer bunten Welt haben kann?
- 15:57Speaker 0: und ja das zerstört am letzten Ende sei das Es wird ja wesentlich extremer.
- 16:03Speaker 0: Also für mich ist der Kiez überhaupt nicht mehr so, wie er mal war.
- 16:06Speaker 0: Die Stammgäste sind kaum noch da.
- 16:08Speaker 0: Hukiziana also Alteingesessene die da vielleicht teilweise in den Gebäuden geboren wurden und aufgewachsen gelebt haben hast auch nicht mehr viele.
- 16:18Speaker 0: Der Wandel ist schon heftig.
- 16:19Speaker 1: Hat das die Pandemie auch nochmal?
- 16:21Speaker 0: Auf jeden Fall!
- 16:21Speaker 0: Die hat auch nochmal richtig reingeknallt aber es geht schon seit Jahren, seit über zehn Jahren.
- 16:27Speaker 0: Das ist halt ganz speziell das Thema Gentrifizierung, da super viele Leute vertreibt.
- 16:31Speaker 0: Ich hab ein Beispiel von jemandem den ich kannte.
- 16:35Speaker 0: Ein älterer Herr hat in einem der dreißiger Häuser gewohnt und ... Der war zu Fuß nicht mehr so gut unterwegs, aber für den war das Leben möglich weil alles sehr kurzläufig da ist Kommst überall hin, wenn du den Fahrschul runter bist und hast soziale Kontakte vor der Tür.
- 16:52Speaker 0: Als sie die Dinger abgerissen haben, haben Sie ihn ins Randgebiet von Hamburg gesetzt.
- 16:55Speaker 0: Da guckt er aus dem Fenster in's Nichts.
- 16:58Speaker 0: Braucht auf einmal ne Einkaufs- und eine medizinische Hilfe weil er nicht mehr diese kurzen Fußwege hat.
- 17:03Speaker 0: so der ist auch recht schnell verstorben.
- 17:05Speaker 0: Das ist jetzt ein Beispiel von ganz vielen, die ich nennen könnte.
- 17:09Speaker 1: Jetzt hast Du ja noch andere ... ... leden auch, also es ist ja nicht in der Elbschlosskeller.
- 17:14Speaker 1: Elbschlosskelle
- 17:15Speaker 0: am Mäuterei zum Motherfucker und das Bayernstöbel.
- 17:18Speaker 1: Die Pandemie hat euch ja auch sehr beschäftigt.
- 17:21Speaker 1: wie hast du das denn erlebt?
- 17:22Speaker 1: Also für dich persönlich weil ich meine... Nach
- 17:25Speaker 0: wie vor Vollkatastrophe!
- 17:27Speaker 0: Und wie hast Du das erlebt?
- 17:29Speaker 0: Wo fangen wir da jetzt an?
- 17:30Speaker 0: Ich glaube so viel Zeit haben wir nicht.
- 17:31Speaker 0: Da gibt's ganz viele unterschiedliche Bereiche wo man Dinge unterschiedlich erlebt hat.
- 17:35Speaker 0: Soziale Komponente, da ist super viel weggebrochen.
- 17:38Speaker 0: In meinem Bekannten- und Freundesfamilienkreis gibt es jetzt Zweiundvierzig Todesfälle seit der Pandemie.
- 17:46Speaker 0: Davon ist keiner an Corona gestorben, ich sage aber immer gerne alle durch mehr oder weniger mit.
- 17:52Speaker 0: Mein Vater beispielsweise vor anderthalb Jahren da hieß es, er soll ins Krankenhaus und er wollte nicht weil ihn keiner mal besuchen kann oder hätte dürfen und dann ist er zwei Wochen später zu Hause umgekippt.
- 18:02Speaker 0: das hat sich ein Freund angezündet mehrere Freunde erhängt Super viel Depression, die ich erlebe.
- 18:10Speaker 0: Super viele Paare, Partnerschaften, die sich getrennt haben sehr viel Verzweiflung und das ist nach wie vor immer noch so.
- 18:17Speaker 0: Es wirkte jetzt eine ganze Zeit lang wieder so als würde den Hauch von Normalität einkehren aber völliger Bullshit.
- 18:26Speaker 0: Das haben alle versucht weil jeder sich danach sehnte es aber nicht so.
- 18:30Speaker 0: gerade vor knapp einem Monat hat mich einen Bekannten angerufen völlig betrunken Und hat mir ein vorgeheult, dass er jetzt nicht mehr weiß wie er sein Leben finanzieren soll weil halt einfach alles so exponentiell steigt und Ja nach wie vor ganz heftig.
- 18:47Speaker 0: wir wissen nicht was auf uns zukommt.
- 18:48Speaker 0: Jetzt kommt der Herbst und der Winter Corona steigt wieder.
- 18:53Speaker 0: im Osten passiert eine Menge scheiße.
- 18:55Speaker 0: Gas ist zu teuer blablabla.
- 18:58Speaker 0: ich sage das wird jetzt den Rahm springen.
- 18:59Speaker 0: also Ganz, ganz abgefahrene Situation.
- 19:02Speaker 0: Nach wie vor stecken wir mittendrin und keiner weiß was kommt?
- 19:05Speaker 1: Du hast grad die Todesfälle auch angesprochen.
- 19:08Speaker 1: Mhm.
- 19:08Speaker 1: Du hast eine trauer Bewältigungstherapie angefangen...
- 19:12Speaker 0: Ja, ja zum Glück.
- 19:15Speaker 1: Was hat da für dich den Ausschlag gegeben dass du gesagt hast ich geh jetzt den Schritt und hol mich auf.
- 19:19Speaker 0: Ich hab wie ich vorhin schon sagte ich trinke gerne mal ein, auch wenn ich jetzt gerade wieder in dieser Null-Null-Phase bin und das hier super für mich funktioniert.
- 19:27Speaker 0: Es ist nichtsdestotrotz so dass ich ein Genussmensch bin!
- 19:30Speaker 0: Ich bin Kneipenbengel Nikietz Göhre und ich trinke gerne mal einen eigentlich... Und ich habe da eine Phase gehabt, wo das dann halt immer mehr wurde und ich mir das selber schön geredet hab mit der Argumentation.
- 19:42Speaker 0: So du funktionierst ja noch!
- 19:43Speaker 0: Du gehst ja trotzdem so deine Tage zur Arbeit und du machst trotzdem hier und da nochmal irgendwie ne Lesung und dann läuft das schon alles und du bist auch für deinen Sohn da wenn er dich braucht und gehst mit den Hundengassen hier.
- 19:53Speaker 0: so kann es ja gar nicht schlimm sein Und ich hab mich dann irgendwann selbst dabei erwischt.
- 19:57Speaker 0: Ich nenn das Aha-Moment und schnipps dann gerne mit dem Finger, wenn ich das sage.
- 20:00Speaker 0: Aha-Moment!
- 20:01Speaker 0: Weil's wie so ein Klicken in den Kopf kommt tatsächlich auf einmal.
- 20:04Speaker 0: Es ist da, auf einmal ist es dir bewusst alles was du vor nicht gesehen hast.
- 20:07Speaker 0: Ach okay jetzt versteh' ich's.
- 20:09Speaker 0: Nee wir waren im Hinterzimmer vom Elbschosskeller und da haben wir eine Ahnentafel.
- 20:13Speaker 0: viele unserer Stammgäste und Mitarbeiter die verstorben sind hängen dann halt mit schwarzer Scherpe und... ...ich sollte über die Berichten für irgendetwas mediales, ich glaub Fernsehen war das.
- 20:25Speaker 0: Und dann, als ich aufs erste Bild guckte gemerkt da muss auch jetzt wieder ne neue schwarze Schärpe hin und da beim zweiten jetzt auch.
- 20:33Speaker 0: Weil halt so viele Todesfälle dazu kamen und bin dann ohne zu überlegen also im Automatismus an den Tresen gelarzt ja Jackie Cola doppelt das Ding weggeknallt alles klar.
- 20:42Speaker 0: und dann kann mal dieser Moment okay du trinkst nicht so wie du es dir selber gestern oder noch von der Stunde gesagt hättest aus aus Spaß und Genuss, sondern es ist ein pures Verdrängen.
- 20:54Speaker 0: Das ist eine Form von Bewältigung die aber voll nach hinten losgeht wenn du sie jetzt nicht in den Griff kriegst und hab dann gemerkt dass das an der Trauer liegt einfach weil's zu viele Menschen in so kurzer Zeit waren.
- 21:10Speaker 0: und ich auch dachte bis dato dass sich zum Beispiel mit dem Tod meiner Schwester cool bin weil ich immer darüber reden konnte und dann dachte, wenn du das offen kommunizieren kannst und für keine Träne vergießt ist ja in Ordnung auch Quatsch.
- 21:22Speaker 0: Das ist eine Sache die mich mein Leben lang begleiten wird.
- 21:24Speaker 0: Das weiß ich jetzt.
- 21:25Speaker 0: also da gibt es nichts über ein Berg, dass man muss lernen mit dieser Trauer umzugehen, die anzunehmen und ich habe zum Beispiel gelernt zu weinen aber in so einem gesunden Maß zu wein.
- 21:37Speaker 0: Es ist ja oft, dass wir Kerle sagen, so gottrichtige Männer weinig und ich hab's dann lernen dürfen befreien zu weihen.
- 21:43Speaker 0: danach ging's mir besser.
- 21:45Speaker 0: Ich hab dann mit den zusammen geweint und danach mit denen zusammen gelacht.
- 21:50Speaker 0: Du
- 21:50Speaker 1: hast auch erzählt in deinem Buch, dass du nach dem ersten Buch, auch nach dem ganzen Hype, der darum entstanden ist, nach dem Medienwirbel, das dir nicht wirklich gut ging, du auch noch mal so einen Rückfall hattest?
- 22:06Speaker 1: Ich
- 22:06Speaker 0: hatte zwei sehr heftige Abstürze und bin zum Schluss sogar ... Entzugsklinik in Schwerin gelandet, wofür ich sehr dankbar bin.
- 22:14Speaker 0: Ich durfte da sehr tolle Menschen kennenlernen und auch tolle Ärzte mit denen ich zusammen an mir arbeiten konnte.
- 22:21Speaker 0: Genau das hat es gegeben einfach weil ich nicht... Also zu hundert Prozent so dargestellt wurde, wie ich es als richtig empfunden hätte was ich letzten Endes bin oder sein möchte.
- 22:37Speaker 0: Sondern nun Teil von mir nur eine Teilwahrheit und mich zu viele Leute als Robin Hood und Samarita vom Kiez gefeiert haben der ich bestimmt auch ab und an bin.
- 22:46Speaker 0: aber eben nicht nur Ich bin auch ein Asi und ich bin auch einen Sufkopf Und ich bin noch mal ein Trottel.
- 22:51Speaker 0: So wenn du dann nur so ne Situation hast Vielleicht ein Streit gerade zu Hause und hast einen Termin verkackt.
- 22:57Speaker 0: Und das dann auch noch bei jemanden, der dir sehr wichtig ist, ne?
- 22:59Speaker 0: Also hartest du mit dir selber und kommst dann so spät zur Arbeit und dann stehen da Leute und oh, du bist es!
- 23:05Speaker 0: Und nee ich bin's überhaupt nicht so,
- 23:07Speaker 0: ne?!
- 23:08Speaker 0: Ich hab mich gefühlt wie der letzte Blender und das hat mich dann eben extrem in den Suf- und Konsum getrieben und zum Glück habe ich daraus gefunden.
- 23:17Speaker 1: Du hast grad schon ganz viele Rollen angesprochen.
- 23:20Speaker 1: Ich stelle mir das schwierig vor weil du bist ja auf der einen Seite schon sehr früh in diese Rolle gerutscht, hinter dem Dresen auch dann... ...in dem Laden zu arbeiten und unter deinem Vater auch zu arbeiten.
- 23:32Speaker 0: Mit achtzehn das erste Mal?
- 23:33Speaker 0: Ja mit achtzehnt
- 23:34Speaker 1: dann.
- 23:34Speaker 1: du bist auf der anderen Seite jemand der den Leuten sehr viel geben will, der sich viel helfen möchte.
- 23:39Speaker 1: Du bist jemand der sich aber auch in einem Laden wie dem Elbschloss Keller vor allem wirklich auch ein Stück weit behaupten muss also der ja auch musste!
- 23:47Speaker 0: Das ist jetzt nicht mehr so, aber es gab viele Jahre wo ich mich beweisen musste.
- 23:52Speaker 0: Gutmütigkeit wird im Milieu oft als schwächer angesehen und es war dementsprechend ich habe es geschafft mir das bis heute zu bewahren meine gutmütigkeit mein großes herz sogar dass so auf oder ausbauen zu können, dass sich offen kommunizieren kann heute So lange gedauert, es gab so viele Prüfungen wo ich dann eben weil ich so ein Typ bin.
- 24:16Speaker 0: Ich erkläre mich auch gerne.
- 24:17Speaker 0: Ich habe jetzt gerade eine neue Mitarbeiterin die dann immer sagt du musst dich nicht einmal entschuldigen und ich sag du ich entschulge mir nicht.
- 24:22Speaker 0: Ich erkläre mich!
- 24:23Speaker 0: Und auch wenn ich's nicht muss das ist mir klar.
- 24:25Speaker 0: Ich muss gar nichts.
- 24:26Speaker 0: Also nicht viel auf jeden Fall.
- 24:28Speaker 0: aber ich möchte es gerne um dir die Möglichkeit zu bieten mich nachvollziehen zu können Dann geht das miteinander einfacher.
- 24:35Speaker 0: darauf musst du dich ja wiederum nicht einlassen.
- 24:37Speaker 0: aber ich bleib wie ich bin.
- 24:40Speaker 0: Es gab super viele Situation.
- 24:42Speaker 0: Ich nenne mal jetzt ein Beispiel, da hat einen Widersacher den es damals gab jemand extra in den Elbschlosskeller kommen lassen der mich so sehr reiz.
- 24:56Speaker 0: also der wollte mir die Schicht versauen sagen wir mal so und er war dann über Bestimmt anderthalb Stunden immer mal wieder mit dem Glas am schmeißen und so wie ich halt bin habe Ich anderthals stunden gesagt hey lasst das bitte mit dem glas.
- 25:08Speaker 0: sich wusste der ist tierisch voll.
- 25:10Speaker 0: Ich bin dann auch so jemand Durch meine große durch meine empathie dass ich sofort vierzehn Gedanken hab.
- 25:17Speaker 0: irgendwie So okay.
- 25:18Speaker 0: weshalb ist er so wieder?
- 25:19Speaker 0: es hat ihn gerade die frau verlassen oder es ist da grad was in seinem Leben so und so gelaufen, ich versuche mit diverse Gründe vorzustellen um den Nachvollziehen zu können.
- 25:27Speaker 0: Spürte ihn also sofort.
- 25:28Speaker 0: eigentlich ist er ja gar nicht böse sondern armes Schwein so und möchte gedrückt werden.
- 25:33Speaker 0: Nee und das habe ich dann anderthalb Stunden gemacht.
- 25:35Speaker 0: aber weil ich das gemacht hab hat der mich nicht für voll genommen.
- 25:38Speaker 0: Der war nämlich eine andere Art Kalibermensch.
- 25:40Speaker 0: es gibt ganz viele die hätten das bestimmt angenommen und wären auch im nach hinein sofern sie sich reflektieren dankbar dafür gewesen dass ich mir die Zeit Energie und Liebe letzten Endes nehmen, der aber nicht.
- 25:52Speaker 0: Nach anderthalb Stunden ist dann das sechste Glas geflogen und inzwischen war noch andere Gäste im Laden, wo ich wiederum merkte so ey jetzt verliest du dein Gesicht wenn du nicht mal zugreifst.
- 26:02Speaker 0: Und ich habe ihn dann angeguckt in die Augen, ein bisschen massiver und auch meine Stimme war dann wohl etwas tiefer in der Tonlage.
- 26:09Speaker 0: Ich sagte dann Alter wenn das jetzt noch einmal passiert knallt es!
- 26:12Speaker 0: Weil ich mich aber ja schon anderthalb Stunden erklärt habe und freundlich war hat er das nicht für voll genommen.
- 26:17Speaker 0: Guckt mir auch in die Auge greift währenddessen mit einer Hand den Kübel wo eine Wodkaflasche drin ist und schmeißt die Flasche durch den Laden.
- 26:25Speaker 0: So nun ja jetzt war aber letzte Chance.
- 26:27Speaker 0: Bum dann hab' ich den umgeknallt.
- 26:29Speaker 0: Der war bestimmt anderthhalb Köpfe größer als ich.
- 26:32Speaker 0: Glatzkopf im Gesicht tätowiert breite Schultern also nicht unbedingt der Typ mit dem man sich anlegen möchte.
- 26:38Speaker 0: Er ist sofort umgefallen nach einem Schwenger, ich habe den ne Ohrfeige geklatscht und Ich bin dann die Stufe Die mich hinterm Tresen zwanzig Zentimeter größer macht runtergestiegen hab den typ hoch geholfen Habt nach oben geguckt weil das echt ein Riese war Und er guckt mich an und du bist ja voll Du hast wenn du mal Hilfe brauchst sag Bescheid!
- 27:00Speaker 0: Es gibt halt leider Menschen, die das brauchen.
- 27:03Speaker 0: Nee und das ist so eine dieser Prüfungen.
- 27:05Speaker 0: auch wenn es dann letzten Endes dazu gekommen ist dass ich ihnen Urfeige gehauen habe Ich hab mir trotzdem anderthalb Stunden diese Mühe gemacht irgendwie liebevoll zu sein Und das habe ich mir bewahrt.
- 27:15Speaker 0: dafür habe ich gekämpft.
- 27:17Speaker 0: Das ist heute immer noch so.
- 27:18Speaker 1: Jetzt kommen ja wahnsinnig viele unterschiedliche Leute zu euch von Touristen, Überstand, Gäste.
- 27:24Speaker 1: Es
- 27:24Speaker 0: ist dabei alles was die Gesellschaft bietet sitzt bei uns im Laden natürlich das ein oder andere Klientin nicht ganz so oft wie das andere aber es verirrt sich jedermal in den Elbschusskeller.
- 27:35Speaker 1: Wie gut bist du denn darin geworden die Leute auch ein Stück weit zu lesen also wenn jemand zur Tür reinkommt?
- 27:41Speaker 0: Das konnte ich schon vor zehn fünfzehn Jahren richtig gut.
- 27:46Speaker 0: Das gehört einfach zu diesem Job dazu dass eine Sache die du können musst im Nachtleben, wenn jemand in den Laden kommt und irgendwelche Absichten hat die Party zu zerstören.
- 27:56Speaker 0: Jemand anzugehen, Taschenliebe erkenne ich sofort der kommt ein Laden rein guckt nach links.
- 28:02Speaker 0: das ist auch zum Beispiel so bei Zivis.
- 28:04Speaker 0: Das ist aber eine Sache.
- 28:06Speaker 0: da werden Leute die jetzt vielleicht zuhören Und im Fußball unterwegs sind Schmunzeln.
- 28:11Speaker 0: das Phänomen kennt ihr alle.
- 28:13Speaker 0: Ich habe es gerade vor kurzem gehabt.
- 28:14Speaker 0: da wollten zwei Zivilbeamte mit meiner Lebensgefährtin Susanna Horn reden Stand gerade draußen vorm Elbschauskeller an einer Tonne, die wir links um die Ecke haben wenn du die Treppen hoch kommst.
- 28:25Speaker 0: Dreizehnvierzen Uhr Sonnenschein und die biegen ab um die ecke von der Reeperbahn in den Hamburger Berg.
- 28:31Speaker 0: Das sind so weiss ich nicht zwanzig Meter und ich seh die Und muss lachen.
- 28:35Speaker 0: Ich musste sofort lachen.
- 28:36Speaker 0: Die kam dann noch näher.
- 28:37Speaker 0: Wann dann auf zehn Metern entfernt habe ich gerufen?
- 28:39Speaker 0: Ich sag wieso erkennt man euch sofort?
- 28:42Speaker 0: Ja, war ne Frau ein junger Typ.
- 28:45Speaker 0: So normal angezogen aber ich weiß es nicht die strahlen das aus die haben Die Augen fokussieren alles irgendwie anders.
- 28:53Speaker 0: und so ist dass eben bei Taschen lieben Und bei Leuten die böses am Schelde führen auch da entwickelt man gespür.
- 28:58Speaker 0: irgendwann für
- 28:59Speaker 1: dein Papa hast du auch mal erzählt hatte ja manchmal sogar Gäste.
- 29:04Speaker 1: dann als er auch noch selbst dort angestellt war nicht den Laden geführt hat gerne mal Gäste mit nach Hause genommen, dann wurde da weitergedrunken.
- 29:12Speaker 0: Wo
- 29:12Speaker 1: ziehst du denn für dich eigentlich die Grenze?
- 29:15Speaker 1: Also wie viel Distanz brauchst du oder... Distanz ist eigentlich wichtig zu haben auch zu den Gästen irgendwo um sich auch selbst zu schützen.
- 29:24Speaker 0: Ich bin der... Oder ich würde behaupten dass ich gar keine Distanz zu meinen Gästens hab Zu meinen festen Stammgästen weil die Familie sind.
- 29:35Speaker 0: Ich mach's aber so Dass wenn ich da weg bin und dann zu Hause bin, ist das gar nicht mehr präsent.
- 29:41Speaker 0: Weil ich das ausblende und nur mein Sohn, meine Häuschen, meine Hundel, meine Lebensgefährtin sehe.
- 29:46Speaker 0: Also meine Familie... Und dann kommt es mal vor, wenn das Kind im Bett ist und wirklich heftige Sachen passiert sind oder gerade jemand extrem am Struggle-Niss Akut Hilfe braucht, dass Susanna und ich dann abends doch darüber kommunizieren also eigentlich die Arbeit wieder Zuhause ist.
- 30:01Speaker 0: Das ist aber nicht der Regelfall.
- 30:03Speaker 0: Also ich nehme mich raus in mein Privatleben zu Hause.
- 30:06Speaker 0: Wenn nicht unterwegs bin, ist da eigentlich keine Distanz.
- 30:09Speaker 0: Ich kenne die heftigsten Probleme meiner Stammgäste und die auch meistens meine.
- 30:14Speaker 1: Jetzt gibt es den Elbschloss Keller seit ... ... neunzehnhundertzweiundfünfzig beeindruckende Zahl?
- 30:21Speaker 1: Ja
- 30:21Speaker 0: schön!
- 30:22Speaker 0: Genau
- 30:23Speaker 1: was glaubst du denn wenn Du in die Zukunft schaust?
- 30:25Speaker 1: machst Du dir da Sorgen?
- 30:28Speaker 1: machst du dir
- 30:29Speaker 0: keine Zeit für sowas.
- 30:30Speaker 0: Nee, völlig Quatsch.
- 30:32Speaker 0: Nein, da bin ich verplämmt.
- 30:34Speaker 0: frageut nicht meine zeit und mein leben.
- 30:37Speaker 0: Ich bin wie schon geschildert gelernter zimmermann Und mir wurde damals während der lehrzeit beigebracht Du darfst demjenigen der grad aufm dach rum eiert was auch immer der macht Und wenn es nur einladen oder so ist, dem darfst du nie sagen, fall nicht vom Dach.
- 30:54Speaker 0: Weil sich dann die Aufmerksamkeit und Energie der Fokus aufs Nicht-Vom-Dach fallen lenkt?
- 30:59Speaker 0: Das Gehirn blende das nicht aus und du bist halt, boah, Bob wirst nervös!
- 31:03Speaker 0: Du musst das Gegenteilige bewirken.
- 31:05Speaker 0: Du schaffst das schon, du machst einen guten Job... So was muss halt kommen.
- 31:08Speaker 0: Ja und so handhab ich das auch mit meinem Leben.
- 31:10Speaker 0: Wenn ich mir Sorgen machen würde Dann hätte ich nicht die Energie durchzuziehen.
- 31:15Speaker 0: Und wenn das mal passiert, habe ich zum Glück eine so starke Lebensgefährtin die dann sagt all der schnauze halten weiter durchziehen.
- 31:22Speaker 0: Alles klar machen wir
- 31:24Speaker 1: jetzt muss man ja schon ein bestimmter Typ sein um bei euch zu arbeiten.
- 31:29Speaker 1: auch dieses familien konstrukt zu verstehen um die stammgäste zu verstehen und es auch aushalten zu können
- 31:35Speaker 0: funktioniert aus meinen erfahrungswerten tatsächlich am besten mit menschen die schonmal im versuch des gesellschaftlichen Lebens gescheitert sind.
- 31:46Speaker 0: Die komplett am Boden sind oder waren und auf eine Neuschank hoffen, weil die dann da angenommen werden auch und Teil von dem sein dürfen.
- 31:54Speaker 0: Es ist oft so nicht immer dass wenn Leute aus einer in Anführungsstrichen bereits heilen Welt kommen und da noch nie was kaputt war das halten sie dann nicht raus.
- 32:03Speaker 0: Die haben nicht das Verständnis für jemand anderes, der sich warum auch immer den fünften Tag in Folge was reinzieht.
- 32:09Speaker 0: Nicht schlafen kann oder immer wieder mit den gleichen Worten und den gleichen Leuten auf dem Sack geht, provokant ist.
- 32:16Speaker 0: Das macht viele sehr viel einfacher wenn du in ähnlicher Situation warst oder bereits mit diesem Menschen Kontakt hattest und dementsprechend sind es dann eben oft Leute wo... der Versuchfamilie nicht funktioniert hat oder die aus dem Gefängnis kommen, oder aus irgendeiner Therapie oder ähnliches.
- 32:35Speaker 0: Da ist wiederum dann aber das Problem, dass die auch oft ausfallen.
- 32:39Speaker 0: Dementsprechend müssen Susanna und ich meine Lebensgefährtin sehr flexibel sein was jetzt zum Beispiel die Mitarbeiterplanung angeht.
- 32:47Speaker 0: Wie
- 32:47Speaker 1: ist es den Leuten?
- 32:48Speaker 1: Wie ist das dem ganzen Team sozusagen während der Pandemie ergangen?
- 32:52Speaker 1: Vollkatastrophe!
- 32:53Speaker 0: Absolut voll katastrophe.
- 32:55Speaker 0: nach wie vor Alle Paare, die ich kenne, die es bei uns im Betrieb gibt.
- 33:00Speaker 0: Da ist das Streitlevel wesentlich höher durch Druck und Angst und Ungewissheit.
- 33:09Speaker 0: Es gab viele Mitarbeiter, die nichts zu essen hatten trotz der Kurzarbeitergelder.
- 33:17Speaker 0: Susanna Horn und ich haben das dann so gemacht, weil wir selber den ersten, zweiten Lockdown nicht wussten.
- 33:23Speaker 0: Überstehen wir das?
- 33:24Speaker 0: Und wofür das Ganze hin?
- 33:25Speaker 0: Wir haben fast alles was wir zu Geld machen konnten noch tatsächlich in Geld umgesetzt also Schmuck ins Fundhaus gebracht ein BMW die nicht mehr mal gegönt habe.
- 33:33Speaker 0: Den haben wir abgemeldet, den gibt es zwar noch der steht aber seit zwei Jahren auf der Stelle über einen bekannten Kfz zahne also keine Steuer keine Versicherung und er geht jetzt demnächst auch weg.
- 33:44Speaker 0: Wir haben dann diese Gelder, die wir da mit eingenommen haben.
- 33:47Speaker 0: Die haben wir verteilt in unserem Mitarbeiterkreis.
- 33:52Speaker 0: Teilweise damit sie sich den Kühlschrank vollmachen konnten.
- 33:55Speaker 0: Es war so heftig dass da Leute nicht satt geworden sind und das zieht sich immer noch.
- 34:03Speaker 0: bis heute ist es immer noch eine Problematik.
- 34:07Speaker 0: Da ist immer noch lange nicht alles gut.
- 34:10Speaker 0: Wie gesagt jetzt kommen wieder Herbs und Winter.
- 34:14Speaker 1: Bei all der Gutmütigkeit, bei allen Dingen die du gibst.
- 34:18Speaker 1: Bei dem Maß mit denen du anderen Menschen hilfst.
- 34:23Speaker 1: Ich kann mir vorstellen es kommt auch durchaus regelmäßig vor dass das Leute das ausnutzen, dass sie dich mal hintergehen.
- 34:29Speaker 1: Dass sie nicht gut mit dir meinen.
- 34:32Speaker 1: wie gehst du so hin?
- 34:33Speaker 1: Das
- 34:34Speaker 0: gab es.
- 34:35Speaker 0: Geben in so einem Sinne nicht mehr weil ich das inzwischen zu lange mache so viel Lebenserfahrung hat und zwanzig Jahre Kiez.
- 34:45Speaker 0: so viel streetwise bin, würde der Ami sagen.
- 34:50Speaker 0: Und auch als Vater eines elfjährigen Rabautens viele Kinder die ich mit groß ziehen darf.
- 34:55Speaker 0: da bin ich in einer ganz glücklichen Situation finde ich auf jeden Fall.
- 34:59Speaker 0: das hat mich so sehr geerdet gefestigt dass es inzwischen so ist wie ich die Zivis von Weiten erkenne.
- 35:04Speaker 0: so rieche ich das auch.
- 35:05Speaker 0: das wird bestimmt nochmal passieren aber dann vielleicht einmal noch in meinem Leben.
- 35:11Speaker 0: Das gab's in der Vergangenheit leider öfters und wir haben mal einen Herrin bei uns gehabt, er hat sich als Sebastian ausgegeben.
- 35:19Speaker 0: Hab dann drei Monate im Elbschosskeller gelebt und fing an sich nützlich zu machen Und irgendwann war er nicht mehr wegzudenken.
- 35:27Speaker 0: Wenn zum Beispiel der Putzmann ausfiel und dann auch gleich zwei Tage in Folge, das ist im vierundzwanzigstunden Betrieb, da sieht es selbst wieder dann schmutzig aus wenn du vor fünf Minuten geputzt hast.
- 35:36Speaker 0: Dementsprechend sieht's dann halt aus, wenn du zwei Tage nicht putzt wie eine Müllheide, der Boden klebt und muss sich echt durchwühlen so und wenn da jemand ist, der dir das Gefühl gibt und Schauspieler aus Dankbarkeit hilft ihr jetzt mit Dann ist er halt ein Teil des Teams dieser Keller-Familie.
- 35:54Speaker 0: Das hat der gemacht, das hat er ausgenutzt und der kam dann irgendwann mit der Story halt weshalb er bei uns gelandet ist und das war in seinem Fall Trennung und die Frau hat ihm auch die Kinder entzogen und verwehrt den Kontakt.
- 36:08Speaker 0: War immer eine superemotionale Geschichte gerade als Familienvater für mich doppelt mitzuempfinden.
- 36:14Speaker 0: Und dann haben wir ihn zweimal am Dresen arbeiten lassen.
- 36:19Speaker 0: Der hat die Schicht vernünftig absolviert, hat den Umsatz in einem Umschlag abgegeben.
- 36:26Speaker 0: So wie es sich gehört also alles vorschriftsmäßig und hat uns dann erzählt er hätte dieses Geld zu seiner Familie zu den Kindern geschickt sondern war der firmundzwanzigste Dezember.
- 36:35Speaker 0: ich kam ein Laden rein der steht mit Tränen dem Kinder untertropfen neben der Juckbox.
- 36:40Speaker 0: Ich sag was ist denn los?
- 36:42Speaker 0: Ja er hat das Paket dahin geschickt Mit einem Geldumschlag Und die Mutter Also seine Ex-Frau hat es angeblich dem neuen Mann gegeben und der hat den Kindern gegeben als Seins.
- 36:54Speaker 0: So, Alter mir ist das Herz zerrissen!
- 36:57Speaker 0: Naja... Und dann ist das nächstern was ich mich erinnern kann, der Silvesterabend und Susanna hat ihn glaube ich zweitausend Euro in Schein gegeben damit er zur Wechselgeldstube geht und Kleingeld zu holen und er ist damit abgehauen.
- 37:11Speaker 0: Susanna hatte sich erst nicht getraut mir das zu sagen die dachte ich flipp aus Und tatsächlich hat sie mir später erzählt, dass es das erste Mal in ihrem Leben war.
- 37:21Speaker 0: Dass sie auf Grund einer menschlichen Enttäuschung so zerrissen war, dass die wirklich Rots und Wasser geheult hat.
- 37:28Speaker 0: Das gab es nicht nur einmal.
- 37:31Speaker 0: Das ist aber ein ähnliches Beispiel für was ich vorhin sagte.
- 37:35Speaker 0: Ich habe mir meine Gutmütigkeit bewahrt.
- 37:37Speaker 0: im Milieu wird gutmütig oft als Schwäche angesehen.
- 37:41Speaker 0: Nur weil das jetzt einmal passiert ist... Ausmaß nur einmal, aber solche menschlichen Enttäuschungen hatten wir natürlich auch öfters.
- 37:50Speaker 0: Aber weil das passiert ist, ändere ich mich nicht als mein Mensch und deshalb werde ich jetzt dem Nächsten der Hilfe brauchen, dass er nicht die Hilfe geben, weil ein anderer was verkackt hat.
- 38:02Speaker 0: Wie schon gesagt, ich habe da jetzt mehr Erfahrung und Lebensweisheit.
- 38:05Speaker 0: Ich denke nicht, dass mir das so noch mal passiert oder uns.
- 38:07Speaker 1: Dein Sohn hast du gerade gesagt, es ist jetzt elf?
- 38:10Speaker 1: So
- 38:10Speaker 0: ist das Schuhgröße drehenferzig!
- 38:13Speaker 1: Würdest du dir wünschen, dass er den Laden irgendwann übernimmt?
- 38:16Speaker 0: Ich wünsche mir das er glücklich wird.
- 38:17Speaker 0: Mir ist völlig egal was er macht.
- 38:18Speaker 0: Natürlich ist es ein toller Gedanke wenn er an unsere Fußstapfen tritt weil man damit ja auch sieht... Man hat in dem Sinne etwas richtig gemacht, dass das Kind einem nachhaifern möchte.
- 38:30Speaker 0: aber wenn's nicht so eins ist dann ist das so.
- 38:32Speaker 0: Das ist mir eigentlich relativ wurscht.
- 38:34Speaker 1: Was wären aus deiner Sicht die wichtigsten Dinge die er anders machen sollte.
- 38:37Speaker 1: Gibt's da was?
- 38:38Speaker 0: Die macht er bereits anders.
- 38:40Speaker 0: Susanna und ich haben beide ADHS, er hat es nicht!
- 38:44Speaker 0: Und ich hab mich gerade vor kurzem einmal bei Ihnen im Schuldig dafür, dass wir halt so eine laute und vielleicht auch für außenstehende aggressive Form der Kommunikation haben, wo ich ihm dann sagte du wir streiten nicht, wir reden halt so und sorry dafür.
- 38:57Speaker 0: Nee, er ist jetzt schon ruhiger, er is jetzt schon besonnener... Ich habe das gerade irgendwo gelesen, es soll ja auch nicht so sein dass Kinder genauso werden wie wir.
- 39:05Speaker 0: Die sind ihr eigener Mensch und gehen hier einen eigenen Weg und wir können ihnen was vorleben.
- 39:09Speaker 0: aber es ist ein eigener Typ und wird auch seine eigenen Fähigkeiten entwickeln.
- 39:16Speaker 0: da soll ja nicht genau so werden wie ich.
- 39:18Speaker 0: nochmal so einer das hält ja keiner aus.
- 39:22Speaker 0: Nee und wir haben es jetzt zum Beispiel vor zwei Tagen gehabt.
- 39:26Speaker 0: Wir haben gerade Ferien in Hamburg, dementsprechend waren wir dann nochmal eher ein Kumpel und ich um zwanzig Uhr dreißig mit den Hunden im Naturschutzgebiet.
- 39:35Speaker 0: Und da hat ein Bekannter von mir, der ist ... Er nennt sich selber Naturbulle.
- 39:39Speaker 0: Ranger von diesem Gebiet.
- 39:41Speaker 0: Der war unten mit einer Taschenlampe am Rumpf vor.
- 39:43Speaker 0: Dann haben wir zwei-, dreimal auch direkt in die Augen geleuchtet aber auf bestimmt fünftig Meter Entfernung.
- 39:47Speaker 0: Ist aber bei so einem LED-Knöppel ganz schön hell und ich hab dann rumgeflucht und mein Sohn schon zu mir geguckt und dann habe ich halt erst erkannt wer das ist, Shake Hands und was machst du Sabel Sabel?
- 39:57Speaker 0: Wir sind weiter!
- 39:57Speaker 0: Und dann sagt er mir zu mir, Papa, aber Du hast ihn doch gerade
- 40:00Speaker 0: beschämft!".
- 40:01Speaker 0: Und ich sage, Stimmt, hast Du
- 40:02Speaker 0: recht?!
- 40:03Speaker 0: Das ist nicht richtig gewesen... Also diese Eigenschaften noch eher nachdenken zu können, bevor man handelt und deshalb eventuell den falschen Entschluss trifft.
- 40:14Speaker 0: Die hat er jetzt schon.
- 40:15Speaker 0: Er ist jetzt schon besonnener, ruhiger.
- 40:18Speaker 0: Er hat das gleiche große Herz wie ich.
- 40:21Speaker 0: Er wird anderthalb Köpfe größer werden.
- 40:23Speaker 0: also ich bin rundum zufrieden mit dem Typen.
- 40:26Speaker 1: Warum hast du eigentlich nach dem ersten Buchend auch mit allem, was da drauf folgte und auch den durchaus für dich belastenden Dingen daraus.
- 40:37Speaker 1: Neben all den Guten aber ja auch die Herausforderungen, die daraus folgen.
- 40:40Speaker 1: Warum hast du eigentlich gesagt ich möchte nochmal einschreiben?
- 40:44Speaker 0: Also der Hauptgrund war tatsächlich dass ich das tiefe Bedürfnis hatte Dinge gerade zu stellen wie eben schon gestildert.
- 40:57Speaker 0: Es standen zu viele Leute vor mir und haben mich als Messias, Robin Hood oder Heiligen gesehen.
- 41:02Speaker 0: Und ich bin gerne ein helfender Typ und verandere da aber das bin ich einfach nicht und vor allen Dingen nicht nur.
- 41:07Speaker 0: Und im ersten Buch steht ganz drinne zum Schluss so ich habe es geschafft was Konsumern geht!
- 41:13Speaker 0: Ich bin daraus.
- 41:14Speaker 0: Das ist eine Lüge.
- 41:16Speaker 0: Da werde ich nie ganz raus sein auch wenn ich ... Geht fest davon aus, dass ich jetzt einen Jahr lang Null Komma Null fahre.
- 41:23Speaker 0: Aber ich kann dir auch jetzt schon sagen... Ich freue mich an den Tag wieder ein Jackie Cola in der Hand haben zu dürfen und dementsprechend ist das halt einfach eine Unwahrheit.
- 41:32Speaker 0: da gab es andere Sachen die auch nicht ganz so dargestellt wurden wie ich's gerne gehabt hätte Und das wollte ich einfach gerade stellen.
- 41:42Speaker 0: So finge dann tatsächlich an mich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen meine Biografie weiter aufzuschreiben Und dann kam halt einfach dazu noch, da war dieser Entschluss schon gefasst.
- 41:54Speaker 0: Dann kam da noch Corona der Verein, der sich gegründet hat.
- 41:57Speaker 0: Der Kiez, den ich nochmal aus einer ganz anderen Perspektive in einem neuen Licht sehen kennenlernen durfte.
- 42:03Speaker 0: Neue Menschen die ich kennenlern durfte und dementsprechend wollte ich auch diesen Menschen, die so wichtig für diesen Stadtteil waren und sind, Dankeschön in meinem Buch ermöglichen!
- 42:16Speaker 0: oder die darstellen für andere Leute, dass sie einen Einblick haben und den Denkmal setzen.
- 42:23Speaker 0: Mehrere Faktoren.
- 42:25Speaker 0: Aber der Hauptgrund meiner Intention am Anfang war tatsächlich, dass ich Dinge gerade stellen wollte.
- 42:32Speaker 0: Mir wurde beim ersten Buch dazu geraten nicht zu sagen was ich eigentlich wollte das ich mein Leben lang ein Suchtmensch bleiben werde.
- 42:40Speaker 0: Wie von schon erwähnt heißt das ja nicht gleich, dass ich deshalb in der Ecke liegt mit einer Nadel im Arm.
- 42:45Speaker 0: Aber ich bin halt jemanden da zu neigt.
- 42:46Speaker 0: Ich war nach so viel also nach so ziemlich allem schon süchtig was es gibt von Sport bis Sex mich selber spüren ich war schon streitsüchtig.
- 42:54Speaker 0: Es ist leider mein naturell.
- 42:56Speaker 0: ich kann damit inzwischen anders umgehen aber das bin trotzdem einfach ich So und deshalb war's mir wichtig Das mit anderen zu teilen.
- 43:04Speaker 0: und das ist jetzt wo das buch draußen ist auf jeden Fall ein Feedback der Leute, was mir zeigt, absolut wieder das Richtige getan.
- 43:13Speaker 0: Mal abgesehen davon, was in mir selber vorgeht.
- 43:16Speaker 0: durch Erschein des zweiten Buches habe ich tatsächlich wieder vielen Menschen geholfen damit.
- 43:21Speaker 0: Es gibt viele, die sich bei mir bedanken und sagen hey für deine offene und ehrliche Art bin ich so dankbar!
- 43:26Speaker 0: Das hilft mir jetzt auch anders mit meinem Leben und meinen Fehltritten umzugehen.
- 43:31Speaker 1: Jetzt haben wir am Anfang ganz viel über die Familie im Keller gesprochen.
- 43:36Speaker 1: Gibt es eigentlich auch sowas wie eine Kiezfamilie oder ist das eher so ein Vorkreiz?
- 43:41Speaker 0: Nein, es gibt ne Kiez-Familien aber denke ich nicht für jeden.
- 43:46Speaker 0: nur weil du zwangsläufig auf den Kiez lebst und arbeitest musst du diese Familie die du da haben kannst nicht spüren.
- 43:53Speaker 0: Es ist einfach so dass sich auf der Repa Bahn oder dem Kiez super viele Leute tummeln die woanders niemals Fuß fassen würden oder hätten können.
- 44:03Speaker 0: von ausgestoßenen Freaks, Künstlern und freischaffenden Hasse nicht gesehen.
- 44:10Speaker 0: Das ist ein Sammelsorium der unterschiedlichsten und bundesten Menschen.
- 44:15Speaker 0: Dadurch dass so viele dazugereist sind die nirgendwo an das Fuß fassen konnten hast du halt superviele Menschen die da irgendwie so ein neues Leben beginnen und jeder is halt auf der Suche nach Zusammenhalt Familie Wärme in welcher Form auch immer und dementsprechend hast du da viele Menschen, die das auch wollen.
- 44:31Speaker 0: Und wenn du das suchst – ich bin jemand der das Resonanzgesetz verkörpert daran glaubt, das vertritt also was du ausstrahlst ziehst du an dann wirst du das super einfach und schnell finden und kannst Teil dieser Familie sein.
- 44:46Speaker 0: aber wie gesagt das will nicht jeder und muss ja auch nicht jeder.
- 44:49Speaker 1: noch so zum Abschluss, wenn du nen Wunsch frei hättest sozusagen.
- 44:53Speaker 1: Jetzt haben wir ja viel über Herausforderungen gesprochen die es gerade gibt, die noch nicht so richtig absehbar sind welcher als nächstes kommen und so weiter und wie das alles ausgeht.
- 45:03Speaker 1: aber wenn du so einen Wunsch frei hattest für den nächsten Jahre was wäre das dann?
- 45:09Speaker 0: Wenn ich mir etwas wünsche dürfte und wüsste dass geht in Erfüllung.
- 45:12Speaker 0: dann wär's ganz klar ein Hauch von Normalität für jeder Mann Wir alle so ein bisschen diesen Struggle und die Depression, den Zweifel verlieren.
- 45:24Speaker 0: Der sich gerade die letzten zwei, drei Jahre extrem aufgebaut hat.
- 45:27Speaker 0: Das würde ich mir wünschen.
- 45:28Speaker 0: Dann wird nämlich super vieles von ganz alleine besser laufen!
- 45:31Speaker 1: Ich danke dir für deine Zeit?
- 45:32Speaker 0: Sehr gerne.
- 45:33Speaker 0: Hat mich Spaß gemacht.
- 45:36Speaker 0: Das war es leider schon... Die letzte Runde ist ausgetrunken.
- 45:39Speaker 0: – das Gespräch zu Ende.
- 45:42Speaker 0: Vielen Dank fürs Zuhören.
- 45:44Speaker 1: Bitte
- 45:45Speaker 0: in Rücksicht auf die Nachbarn und sei leise, wenn du die Bar verlässt.
- 45:49Speaker 0: Aber vergiss auf keinen Fall den Abonnieren-Button zu klicken!