Latest / HSV, wir müssen reden – der Fussball-Talk / HSV-Überraschung um Muheim und ein besonderes Duell gegen Hoeneß
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- HSV, wir müssen reden. Der Abendblatt-Podcast rund um den Hamburger Sportverein. Kann der HSV ohne Schlüsselspieler Miro Mohheim beim Champions-League-Kandidaten VfB Stuttgart bestehen? Und wie geht es eigentlich weiter mit Robert Latzel? Darüber wollen wir heute reden in unserer neuen Folge von HSV, wir müssen reden. Mein Name ist Stefan Walter und wir teilen diesen Podcast auf. Im zweiten Teil hören wir eine Einschätzung von Simeon Kramer vom Zeitungsverlag Weibling über den VfB. Und im ersten Teil spreche ich mit meinem Kollegen Kai Schiller über die aktuellen Themen beim HSV. Moin Kai. Moin Stefan. Ja Kai, ohne Miro Moheim in Stuttgart, vor einem Jahr war das ja mal wirklich, ja hat das Panik ausgelöst beim HSV, als Moheim dann ausfiel und der HSV drei sieglose Spiele auf der Zielgeraden zum Aufstieg dann hinlegte und Moheims Comeback in Darmstadt wirklich ganz ganz ganz wichtig war mit der direkten Vorlage nach einer Ecke auf Ludovic Reis. Jetzt vielleicht die Lage etwas anders, trotzdem Moheim ein unumstrittener Stammspieler, wie schätzt du seinen Ausfall ein und wer soll für ihn spielen? Also natürlich wird Miro Muhheim in Stuttgart fehlen. Gleichzeitig war es erstmal eine gute Nachricht, dass er nur für ein Spiel gesperrt wird und damit im Norddorpeer gegen Werder Bremen zur Verfügung steht. Darüber sprechen wir ja gleich nochmal. Ja, in Stuttgart, wer ihn ersetzen kann, da fallen mir eigentlich nur zwei Spiele ein. Zum einen wäre das Gottschwerch Willi und zum anderen wäre das Mikl Bronzies. Beides eher Rechtsverteidiger, die aber auch beide links spielen können. Und meine Vermutung ist stark, die beiden werden spielen. Nur die Frage ist, wer auf welcher Seite und das wird dann Berlin-Paul-Zielen sicherlich bis zum Wochenende entscheiden. Ansonsten, natürlich fehlt Miro Muhheim und gleichzeitig, du hast es ja schon gesagt, diese Panik, die er vor einem Jahr ausgelöst hat, als er für ein paar Spiele gefehlt hat, die sehe ich jetzt nicht. Man muss auch sagen, ich finde, er hatte jetzt nicht seine beste Phase in den letzten Wochen. Und dementsprechend ist es zwar schade, dass er bei diesem Spiel fehlt, weil natürlich ist er ein unangefochtener Stammspieler, aber für ein Spiel sollte man das schon hinbekommen. Bakkeri Jatta hast du ja gerade nicht als Alternative für die Außenverteidigerposition genannt. Der konnte zumindest nach den freien Ostertagen wieder voll mittrainieren. Also es wird erwartet, dass er die Woche im Mannschaftstraining voll mitmacht. Trotzdem war er eben fünf Wochen raus. Wie schätzt du das ein? Das reicht dann wohl eher noch nicht für die Startelfe oder wie denkst du? Genau so. Also das wäre jetzt sehr unüblich für Merlin Polzin, wenn er einen so lang verletzten Spieler direkt in die Startelf beordert. Der wird sicherlich dann, wenn er es schafft, am Wochenende im Kader stehen. Aber da würde ich ziemlich viel Geld draufsetzen, nicht von Anfang an spielen. Und ich glaube, das ist auch ganz gut so, weil gerade das Spiel von Bagariate lebt ja davon, dass er wirklich Körner lässt und die hat er dann nicht über 90 Minuten. Und dann wird er erstmal Afterbank Platz nehmen. Jetzt müssen wir natürlich einmal darüber sprechen, warum Moham beim Nordderby in einer Woche wieder zur Verfügung steht und wirklich nur für das eine Spiel in Stuttgart gesperrt wurde. Wenn man die Bilder sieht, ist es eine klare Notbremse als letzter Mann. Es war zwar ein unabsichtliches Foul, er rutscht ein bisschen aus, trifft ihn unglücklich, aber es ist ein Foul als letzter Mann. Moham weiß sofort, er wird jetzt die rote Karte kriegen, so kommt es dann auch. Alle rechnen mit zwei Spielen Sperre und dann kommt es anders. Wie ist das möglich? Das musst du mir gleich nochmal erklären, weil als du mich gestern angerufen hast und mir gesagt hast, Einspielsperre, weil Begründung, und jetzt hoffe ich, dass ich es richtig in Erinnerung habe vom DFB, unsportliches Foul. Da musste ich erstmal kurz nochmal nachdenken, wie denn dieses Foul überhaupt war und es war vor allen Dingen eins, nämlich nicht unsportlich. Der ist ausgerutscht und. Es gab aber gar keine Proteste, weil allen klar war, ja, es ist halt eine Notbremse. Die Notbremse ist rot und damit ist er raus. Ich glaube, das wäre jetzt meine Einschätzung, ob die richtig ist, weiß ich nicht. Aber Dennis Eideken hat ja in seinem Schiedsrichterbericht dieses unsportliche Foul notiert. Deswegen kann Miromoham nur für ein Spiel gesperrt werden. Ich habe die Vermutung, der wollte dem HSV irgendwie was Gutes tun, weil das war wirklich unglücklich. Und der wollte das ja gar nicht. und gleichzeitig ist diese Begründung ein bisschen kurios beziehungsweise nicht so richtig stringent. Ja, weiß nicht, wie du es einschätzt. Ja, mich hat es auf jeden Fall auch extrem überrascht. Also normalerweise bei einer Notbremse hätte es zwingend zwei Spiele laut Regelwert geben müssen, weil der anschließende Freistoß von Augsburg eben nicht reingegangen ist. Das ist dann das Kriterium. Und nur ein Tor von Augsburg in der anschließenden Situation hätte zu einer Reduzierung der Sperre führen können. Dazu ist es aber nicht gekommen. Und bei einem unsportlichen Vergehen gibt es eben mehr Spielraum für das DFB-Sportgericht, dann eben eine andere Strafe auszusprechen. So ist es dann gekommen. Nur ein Spiel für Moham, trotzdem überraschend, dass Dennis Aytekin eben das Foul nicht als Notblemse deklariert hat. Aber so ist es gekommen. Der HSV hat es sehr, sehr positiv und auch dankend zur Kenntnis genommen. Hat natürlich keinen Einspruch eingelegt, sondern direkt zugestimmt. Damit spielt Mohalm wieder in Bremen, rückt dann auch definitiv wieder in die Startelf, egal wie sein Vertreter jetzt in Stuttgart spielt. Ich glaube, soweit kann man sich schon mal aus dem Fenster lehnen. Dann bleibt die Frage, ob Robert Latzil auch in der Startelf bleibt, vielleicht auch jetzt schon in Stuttgart. Wie schätzt du seine Situation ein? Hat er ein gutes Spiel gemacht gegen Augsburg? Hat er ein sehr gutes Spiel gemacht. Also ich habe das schon im HSV-Check am Montag gesagt. Ich fand ihn richtig gut. Note 2, wenn wir Noten vergeben würden, tun wir nicht, aber trotzdem wirklich gut. Trotzdem wird auch er auf der Bank wahrscheinlich neben Bagariata Platz nehmen müssen, weil einfach die Konstellation eine ganz andere ist. Zum einen ist der Gegner ein anderer. Stuttgart spielt natürlich nicht so wie Augsburg, er wird das Spiel machen und zum anderen kehrt auch Remberg wieder in die Stadtelf mit Sicherheit zurück. Der spielt zwar nicht im Sturm und trotzdem wird dann die Gesamtstatik der Aufstellung so verändern, dass weil Rennberg wieder ins defensive Mittelfeld rückt, wird Merlin Paul ziehen und ein paar Änderungen vornehmen. Und am Ende des Tages, glaube ich zumindest, wird es dann Robert Glatzl trotz seines wirklich sehr guten Spiels reißen. Und dafür wird dann mutmaßlich, sage ich mal, Königsdörfer vorne drin in der Spitze spielen. Oder siehst du was anders? Königsdörfer und Otele als Sturm-Duo kann ich mir schon vorstellen. Gegen Augsburg haben ja überraschenderweise alle drei vorne gespielt, also Otele, Königsdörfer und Glatzel. Damien Downs in der Theorie natürlich auch wieder ein Kandidat jetzt für das Stuttgart-Spiel. Der hatte Reisestrapazen in den Knochen von seiner USA-Reise, deswegen kam er keine Minute zum Einsatz gegen Augsburg. Man muss natürlich auch dazu sagen, die Augsburger Spielweise kam Glatzel sehr entgegen, weil Augsburg von hinten, sobald sie den Ball haben, eigentlich nur eins macht, nämlich die Bälle lang und weit nach vorne kloppen und damit funktioniert kein Pressing auf dieser Welt. So schnell kann man gar nicht den gegnerischen Spieler anlaufen. Da ist der Ball schon wieder über einen drüber geflogen. Und damit kam Glatzels Defizite im Anlaufverhalten, in der richtigen Positionierung, in der Geschwindigkeit eben nicht so zur Geltung. Das wird gegen Stuttgart anders sein. Die spielen flach hinten raus und da würde es schon überraschen, wenn Polzin nicht wieder auf seine bewährte Pressing-Idee setzt und dann eben auf eher schnellere, defensiv fleißige Stürmertypen. Dazu zählt Königsdörfer und Otele. Ja. Was erwartest du generell für ein Spiel? Wird der HSV sich dann jetzt auch wieder weiter zurückziehen beim VfB? Das glaube ich auf jeden Fall. Noch ein Satz zu Glatzl. Also ich schätze Merlin Polzin sehr. Der macht einen überragenden Job in der Saison. Hat den HSV stabilisiert in der Bundesliga. Also Hut ab, den ich jetzt gerade aufrabe und einmal ganz kurz hier abnehme. Aber bei Robert Glatzl, da würde ich es tatsächlich anders sehen als er. Nämlich dieses Ganze mit Anlaufen und so. Das stimmt alles, dass der nicht der bessere Anläufer ist, als und manch anderer im HSV-Sturm. Aber ich finde gerade dieses Spiel gegen Ausburg hat noch mal gezeigt, welche Qualitäten eigentlich Robert Latzel hat und die kommen mir in dieser Saison insgesamt ein bisschen zu kurz. Das Tor war ein wunderschönes Beispiel dafür, wie man mit Robert Latzel spielen kann. Nämlich, der ist ein Wandspieler, der macht den Ball fest beziehungsweise man kann mit ihm Fußball spielen. Und das alles, das kann zum Beispiel Damien Downs aus meiner Sicht nicht so gut und deswegen hätte ich mir eigentlich in der Vergangenheit gewünscht, dass es mehrere Chancen gibt für Robert Latzel. Das ist ein Dauerthema. Die Fans sehen es, glaube ich, ähnlich. Merlin Polzin wird das definitiv nicht mehr ähnlich sehen. Und so bleibt es so, wie es ist. Und dementsprechend wird Robert Latzel mutmaßlich auch in Stuttgart wieder erstmal auf der Bankplatz nehmen. Bobby Glatzer hat natürlich zweifellos den besten Torinstinkt aller HSV-Stürmer, strahlt die meiste Torgefahr aus. Ich finde gerade auch im Zusammenspiel mit Königsdörfer, das harmoniert einfach. Ja, absolut. Es bringt auch Spaß dazu zu gucken und auch nicht nur dieses Wandspielerische, sondern auch gegen Augsburg. In der ersten Halbzeit hat er eigentlich die größte Torschance gehabt, ist nicht reingegangen, aber das ist eine ganz andere Ausstrahlung im Sturm. Als man es zum Beispiel bei Damien Downs manchmal gesehen hat in dieser Rückrunde. Und am Ende hat Königsdörfer auch jedes Mal deutlich mehr Räume, wenn Glatzel auf dem Platz steht. Glatzel bindet meistens zwei Innenverteidiger, Königsdörfer kann an die Tiefe ziehen. Das klappt nicht so gut, wenn er alleinige Spitze ist oder eben von einem nicht gelernten Stürmer wie Otele unterstützt wird. Die beiden harmonieren auch ganz gut, Downs und Königsdörfer aus unserer Sicht jetzt eher weniger. Ich beziehe dich da einfach mal mit rein jetzt hier in die Meinung. Absolut. Also klar, es ist auch legitim, dass wir immer Dinge anders sehen. Ein anderer Spieler, über den glaube ich sowohl Paul Zin als auch wir eine gleiche Meinung nach dem Augsburg-Spiel hatten, ist Albert Grünbeck. Ich erinnere mich noch, wie du mich am Ostermontag warst, meine ich, angerufen hast und meintest, wir müssen zwingend ein Interview mit Albert Grünbeck anfragen, weil der ein super Spiel nach seiner Einwechslung gemacht hat. Was hat dich denn besonders überzeugt an ihm? Ja, der hat eine ganz andere Dynamik ins Spiel reingebracht. Also das war wirklich, das hat man nicht so oft, dass ein Spieler, der jetzt nur, wie lange hat er gespielt, 25 Minuten. Dass der so dazu beiträgt, dass er bleibende Fußspuren auf dem Platz hinterlassen hat und trotzdem tut man glaube ich auch gut daran, jetzt diese 25 Minuten möglicherweise nicht überzubewerten. Du hast ja gestern mit Klaus Koster, mit dem Sportdirektor, auch über ihn gesprochen und hast ihn auch gefragt, was muss denn passieren, dass der HSV entweder die Klausel von 5 Millionen zieht oder eben nicht zieht und trotzdem irgendwas probiert, um ihn im Sommer zu halten. Was hat er denn geantwortet? Also es wirkte schon so, auch wenn sich Kosta da nicht in die Karten blicken lassen wollte, aber es wirkte schon so, dass der HSV jetzt eher nicht die 5-Millionen-Klausel ziehen wird, weil auch einfach die Zeit zu kurz ist für Albert Grünbeck, um so zu überzeugen, dass alle Verantwortlichen vom HSV bedingungslos hinter einem 5-Millionen-Euro-Transfer stehen. Also da muss man sich ja nochmal die Transferbilanz in den vergangenen Jahren vor Augen führen, wann gibt der HSV mal 5 Millionen für ein Spiel aus. Der muss dann schon wirklich garantiert den Unterschied ausmachen. Jetzt gibt es aber noch die Möglichkeit, ihn natürlich weiterhin zu bringen, vielleicht auch mal in der Startelf, dann spielt er weiterhin munter auf, so wie gegen Augsburg, nutzt zumindest mal diese kleine Chance, die er noch hat in den verbleibenden sechs Spielen. Und der HSV würde gerne weiter mit ihm zusammenarbeiten, aber vielleicht nicht für den Betrag von 5 Millionen Euro. Und dann kann man sich natürlich nochmal versuchen, an einen Tisch zu setzen und die Ablösung neu zu verhandeln. Da sagt aber Costa berechtigterweise auch, naja, Startrennen, Sein Stammverein hat mal 15 Millionen Euro für ihn ausgegeben. Warum sollen die denn überhaupt mit uns sich an den Tisch setzen und eine geringere Ablöse als 5 Millionen verhandeln? Welches Szenario siehst du denn, wie da irgendwie noch eine Zusammenkunft existieren kann? Ehrlicherweise würde ich diese ganze Thematik einfach mal ganz geland in den Sommer verschieben und sagen, der soll jetzt genauso Gas geben, wie er es am vergangenen Sonnabend gegen Augsburg gemacht hat. Möglichst noch viele positive Momente ins Spiel reinbringen. Wenn er es wirklich schafft, was ich im Moment meine Zweifel habe, auch mal in die Startelf zu rücken, dann hat er vielleicht noch eine Möglichkeit. Und dann guckt man einfach im Sommer neu. Genauso macht man es ja ehrlicherweise auch mit Vieira. Auch da wird man nicht die Klausel von 20 Millionen ziehen. Auch da kann man sich entspannt im Sommer mit den Verantwortlichen von Arsenal und London zusammensetzen. Ähnliches gilt dann auch für Otele mit Basel. Auch da kann man im Sommer entscheiden, was passiert. All das spielt jetzt gar keine Rolle, weil jetzt muss der HSV erstmal die Klasse erhalten. Die Chancen sind richtig, richtig gut nach dem vergangenen Spieltag und den letzten Wochen. Auch wenn der HSV jetzt nicht gewonnen hat gegen Augsburg, aber es sieht wirklich gut aus. Aber sie müssen halt die Tür, die ziemlich weit offen ist, da müssen sie jetzt auch noch durchgehen. Und dann dürfen sie im Sommer gerne ganz viele Pläne für die nächste Bundesliga-Saison machen. Man könnte meinen, du hättest dich mit Klaus Kosta vor der Interviewrunde gestern ausgetauscht und ihr hättet euch auf ein gemeinsames Wording geeinigt, wie man diese Leihspieler-Klauseln angeht. Aber natürlich total nachvollziehbar, das jetzt eben für den Moment genauso zu bewerten. Und ja, dann würde ich sagen, werfen wir einmal einen Blick rüber zum VfB und schauen mal, wie dort die Lage ist. Und damit sage ich Moin Simeon. Ja, grüße dich Stefan. Wie ist die Lage? Ja, sehr gut. Ich hatte ein paar Tage frei und steige jetzt wieder ein nach Ostern. Bereite mich natürlich auf das Auswärtsspiel des HSV beim VfB Stuttgart vor. Bei dir ist hoffentlich auch alles in Ordnung. Ja, ich hatte nicht so viel frei. Der VfB hat ja am Samstag gegen Dortmund leider bitter 0 zu 2 verloren. Da war ich im Stadion natürlich dann danach auch im Pressebereich, musste arbeiten. Der Sonntag dann natürlich auch ein bisschen angeschlagen gewesen vom langen Arbeiten. Ich habe alle Ostereier gefunden, deswegen bin ich recht glücklich hier jetzt in der Aufnahme mit dir. Sehr gut. Wir wollen natürlich vor allem einmal über das Relegationsduell vor mittlerweile fast drei Jahren sprechen, zwischen Stuttgart und dem HSV, aber auch die sportliche und finanzielle Entwicklung danach. Wenn du dir jetzt nochmal so das Spiel vor Augen führst, damals das Hinspiel, das Stuttgart 3 zu 0 gewonnen hat gegen den HSV. Welche Erinnerungen kommen da in dir hoch? Tatsächlich viele Erinnerungen und tatsächlich auch mehr Erinnerungen an das Rückspiel dann in Hamburg. Da war ich ja auch vor Ort und das war einfach ein spannendes paar Tage, weil es wirklich ums Überleben ging für den VfB Stuttgart. Klar war, wenn das jetzt der nächste Abstieg, das wäre ja der dritte dann gewesen innerhalb von fünf, sechs Jahren, das wäre endgültig. Ich will jetzt nicht vom Sargnagel sprechen, aber es wäre schon ein riesen Verlust für den VfB gewesen. Deswegen sind alle damals angespannt in das Duell gegangen, auch wir Journalisten, weil wir natürlich auch wussten, worum es ging. Und die Ausgangslage war damals eigentlich ganz einfach aus meiner Sicht. Zwei Dinos, die aufeinandertreffen, zwei absolut ehrwürdige Vereine mit tollen Fans. Nur der VfB Stuttgart war damals eine Mannschaft, die zerrupft war, die kein Team war, die aus lauter guten Einzelspielern bestand, aber keine homogene Einheit gebildet hat. Ganz im Gegensatz zum HSV, der eben eine homogene Einheit war, aber nicht diese Topspieler am Start hatte. Und wie es fast alle vermutet hatten, hat sich dann am Ende leider dann doch aus eurer Sicht natürlich das HSV... Ist ja ein HSV-Podcast, dann darfst du auch leider sagen. Ich darf leider sagen. Nein, es hat sich dann eben doch die Mannschaft durchgesetzt, die am Ende mehr Qualität hat, die die besseren Einzelspieler hat. Und ich glaube, das hat man in beiden Partien gesehen. Also relativ schnell. Das 1 zu 0 fiel ja damals schon in der ersten oder zweiten Minute von Mavropanos. Erste Minute Eckball, Mavropanos köpft das Ding rein und alle HSV-Fans dachten sich, sie sind hier im falschen Film gelandet. Ja, ich hätte natürlich aus neutraler Sicht, hätte man sich gewünscht, es steht nicht so früh 1 zu 0, weil das hat natürlich relativ schnell den Weg geebnet für die restlichen 90 Minuten. Und ich meine, wenn man halt in Summe dann schaut, 6 zu 1 für den VfB in beiden Spielen. War das dann doch eine sehr deutliche und eine sehr klare Sache. Trotzdem muss man sagen, im Rückspiel gab es kurzzeitig wieder die Hoffnung für den HSV, speziell nach Sonny Kittels frühem Führungstor. Keiner zieht wie Sonny Kittel, sagte Sky-Kommentator Wolf Fuß damals immer noch eindrucksvoll, die Stimme im Kopf behalten zu haben. Aber ich will mit dir vor allem nochmal aufs Hinspiel hinaus, weil es jetzt eben erstmals wieder zum Duell in Stuttgart zwischen den beiden Traditionsvereinen kommt. Was ich damals nicht nachvollziehen konnte war, dass der HSV zum einen als Underdog in dieses Spiel gegangen ist, zum anderen aber wirklich einen schweren Nackenschlag nur wenige Tage zuvor zu verkraften hatte mit dem Fastaufstieg in St. Hausen und den späten Toren von Heidenheim in Regensburg, sodass Heidenheim dem HSV den Aufstieg nochmal entrissen hat. der war eigentlich schon sicher geglaubt. Der Stadionsprecher von Sandhausen hatte dem HSV bereits gratuliert. Es fand ein Platzsturm statt. Spieler und Trainer lagen sich in den Armen. Fans knuddelten ihre Lieblinge und am Ende hieß es dann eben doch, es geht dem bitteren Gang in die Relegation und gerade deshalb hatte ich nicht nachvollziehen können, warum man nach so einem schweren Nackenschlag nicht rein taktisch gesehen für Sicherheit sorgt und ein bisschen abweicht von dem Tim-Walter-Fußball und vielleicht mal etwas tiefer steht beim klaren Favoriten. Der HSV hat, in Stuttgart ist das Spiel so angegangen wie ein Zweitligaspiel und die Abwehr stand an der Mittellinie und die schnellen VfB-Spieler mit Führig und Gerasi auch vor allem haben da die Hamburger Abwehr überrumpelt, speziell Moritz Heyer. Wie hast du das empfunden? Warst du überrascht, dass ein Zweitligas, der nominell schwächer besetzt ist und er über die Einheit kommt, so mutig auftritt in Stuttgart? Das hat mich nicht überrascht, weil wir ja auch Tim Walter kennen aus Stuttgarter Zeiten. Kamikaze-Fußball würde ich es fast nennen. Es gab nur einen Trainer, der einen noch schlimmeren Fußball gespielt hat. Das war Alexander Zorninger. Der hat ja wirklich gefühlt mannorientiertes Pressing am gegnerischen Sechzehnder gespielt und wurde ein ums andere Mal dann überspielt. Die Zeit in Stuttgart war ja dann auch schon nach ein paar Wochen, ein paar Monaten zu Ende. Tim Walter hat einen ähnlichen Fußballspielstil geprägt. Offensivdenkend, riskant, ins Risiko gehend, auch bewusst ins Risiko gehend. Und deswegen nach diesem, du hast es beschrieben, Nackenschlag, das war ja wirklich brutal aus Hamburger Sicht, dieser sicher geglaubte Aufstieg, dann noch aus den Händen gerissen. Da war, glaube ich, alles oder nichts dann die Methode. Also nach so einem bitteren Moment muss man, glaube ich, seiner Mannschaft sagen, Leute, wir hatten den Aufstieg schon sicher, wir gehen jetzt nach Stuttgart, die sind eigentlich nominell besser, aber wir weichen nicht von unserem Spiel ab, wir gehen ins Risiko, wir machen das, was uns stark macht. Und ich kann verstehen, die Argumentation, dass man sagt, ey, fahrt doch lieber mal einen Gang runter, ihr spielt hier gegen einen Bundesligisten, der da eigentlich gar nicht stehen müsste, rein von der Qualität her. Aber ich kann schon auch die Herangehensweise verstehen, dass man sagt, ey, das macht uns stark, das macht uns aus, so tun wir vielen Gegnern weh. Warum nicht auch dem VfB Stuttgart, der eben damals keine Einheit war und den man ja durchaus auch überraschen hätte können mit dieser offensiven Herangehensweise. Aber der VfB unter Sebastian Hoeneß hat den klaren Plan, hat gewusst, worauf es ankommt, hat die Schwächen des HSV gnadenlos ausgenutzt. Und deswegen war das mit einer der deutlichsten Relegationen, die ich, glaube ich, in den letzten Jahren erlebt habe. Und es hat klar dafür gesprochen, lieber VfB Stuttgart, was davor alles schief lief, dass ihr da in die Relegation musstet, das war eigentlich ja absurd. Am Ende erwies sich das 0 zu 3 aus dem Hinspiel als zu große Hypothek für den HSV. Die Fans und auch die Mannschaft durften dann nur eine Halbzeit im Rückspiel von der Sensation träumen. Das hatte sich dann aber relativ schnell in der zweiten Hälfte wieder erledigt und am Ende wurde es deutlich, wie du gerade schon skizziert hast. Tatsächlich gab es bei Stuttgart wirklich reichlich Transferbewegungen seitdem in den anstehenden Transferperioden. Beim HSV hingegen eher weniger, mit Ausnahme vielleicht des vergangenen Sommers. Also ich habe mir mal angeguckt, wer von damals heute noch dabei ist bei den beiden Mannschaften. Das sind, wenn man nur auf die Startelf guckt, bei Stuttgart tatsächlich ausschließlich Chris Führig und Joshua Wagnumann. Beim HSV hingegen sind es die Spieler Mohaim, Dompe, Glatzel, Jatta und Heuer-Fernandes, die damals schon auch gestartet sind und immer noch dem Kader angehören. Und mit Mohaim und Heuer-Fernandes ja auch wirklich weiterhin Stammspieler sind. Jatta mit Abstrichen auch. Von daher schon recht spannend. Darauf wollen wir gleich nochmal zu sprechen kommen, was da bei Stuttgart aus Transfersicht alles passiert ist und inwiefern das auch ein Vorbild für den HSV sein kann. Aber vielleicht können wir einmal über einen der beiden, die noch da sind beim VfB sprechen, nämlich Joscha Wagnumann. Ein Mann, mit Hamburger Vergangenheit, der jetzt sich stolzer deutscher A-Nationalspieler nennen darf. Wie hat er sich in Stuttgart entwickelt? Wenn man sich mal nur so die Daten anguckt, dann scheint er ja zumindest mal seine Verletzungsprobleme weitgehend in den Griff bekommen zu haben. Das war immer das große Thema in Hamburg, dass er mehr Spiele verpasste, als er letztlich spielen konnte. Das Problem hat er in der Form nicht mehr und hat sich offenbar sportlich auch prächtig entwickelt. Oder wie siehst du ihn? Ja, absolut. Joscha Wagnermann ist für mich eine der größten Überraschungen. Ich erinnere mich noch, ich war damals, das war vor der Relegation, da war ich mit Bruno Labbadia, das war im Januar 23, glaube ich, waren wir im Trainingslager in Mabea. Da war Joscha Wagnermann eben auch dabei und da hatte ich damals mit ihm sprechen können, also vor über drei Jahren. und da war er absolut nicht zufrieden. Sein Wechsel vom HSV zum VfB Stuttgart, da sind wir ja das erste Mal auch in Kontakt gekommen, das lief für ihn nicht so gut. Bruno Labbadia hat ja unverständlicherweise Waldemar Anton als Rechtsverteidiger gesehen, obwohl er der einzige in ganz Fußballdeutschland war, der das so gesehen hat und darunter hat Joscha Wagnermann gelitten und seit Sebastian Hoeneß da ist, scheint es für Joscha Wagnermann stetig bergauf zu gehen. Er hat seine Verletzungsanfälligkeit in den Griff bekommen, wobei nicht so richtig, also Also er ist jetzt ja vor der Länderspielpause, hat auch ein paar Spiele verpasst. Er hat immer wieder so muskuläre Probleme, die er irgendwie nicht in den Griff bekommt. Aber ansonsten ging, wie gerade eben skizziert, seine Entwicklung steil nach oben. Und es hat viel mit dem Bessermacher Sebastian Hoeneß zu tun. Der es einfach schafft, Spieler mit Qualität. Und die hat ja, Joshua Wagnermann, er ist ein unglaubliches Zugpferd, hat viel Tempo, bringt eine Körperlichkeit mit. Wie der als Schienenspieler hoch und runter marschiert, ist Son absurd gut. Und das sieht man nicht so oft in Fußball-Deutschland. weshalb er jetzt ja auch wieder für die Nationalmannschaft nominiert wurde und vielleicht sogar Chancen hat, zur WM zu fahren. Und wenn du mir das vor drei Jahren gesagt hättest, im Trainingslager in Marbella, hätte ich dich ausgelacht. Und das zeigt einfach Spieler mit Potenzial, die was drauf haben, aus denen kann Sebastian Hoeneß das Maximum rauskitzeln. Und genauso ist es bei Joscha Wagnumann, der beileibe nicht der beste Techniker ist, aber der beidfüßig ist, der eine unglaubliche Wucht und Dynamik mitbringt. Und im Spiel von Sebastian Hoeneß, der oft mit Wingbackern spielt, ist es eben eine optimale Ausgangslage. Und mit Lorenz Assignor gibt es eben einen fast gleichwertigen Ersatz. Das bedeutet, da ist ein Jobsharing möglich. Joscha Wagnoman mit seiner Verletzungsanfälligkeit kann sich auch mal rausnehmen, kann sich guten Gewissens rausnehmen. Also ich glaube, in Stuttgart ist da gerade nährhafter Boden für so einen Spieler wie Joscha Wagnumann, der dann eben mal spielt. Und wenn er nicht spielt und anfällig ist, gibt es einen guten Ersatz. Und so schaukeln sich die beiden eben nach oben, auch im Konkurrenzkampf. Und das führt dazu, dass Wagnumann, übrigens einer von drei Spielern, ich glaube Atakan Karasor, stand auch in einem der beiden Spiele in der Startelf. Stimmt, hast du recht, habe ich unterschlagen. Genau, wäre quasi Nummer drei. Und auch Atakan Karasors Entwicklung, genau dasselbe gilt ja für Chris Führig. Also wenn man sich die gesamte VfB-Mannschaft unter Hoeneß anschaut, jeder hat einen Sprung nach vorne gemacht, jeder hat sich weiterentwickelt und wenn man dann halt mal schaut, Mio, der hat ja auch gespielt in beiden Spielen, hat getroffen mit einem provokanten Jubel ja auch im Rückspiel im Volksparkstadion, kann ich mich ganz genau noch erinnern, inklusive Becherwurf von der HSV-Tribüne, der wurde dann halt für über 30 Mio verkauft, weil er unter Hoeneß eben zu einem richtig, richtig guten Spieler geworden ist. Und das gleiche gilt für Joshua Wagnumann. Also Rechtsverteidiger sind rar mit dieser Qualität, mit diesem Tempo, mit diesem Zug. Deswegen, ich glaube nicht, dass da ein Wechsel im Raum steht, aber auch er ist von einem gefühlt 500k-Spieler zu einem Spieler, der 12, 13, 14, 15 Millionen wert ist, gestiegen. Und das ist schon eine krasse Entwicklung, ja. Ja, die Entwicklung unter Sebastian Hoeneß tatsächlich sehr eindrucksvoll. Er kam... Damals ja mit der Empfehlung von acht Spielen als Trainer des VfB in die Relegation gegen den HSV. Aus diesen acht Spielen hat er 13 Punkte geholt. Also da war schon klar, okay, das ist kein typischer Abstiegskandidat, der eben aus einer schwierigen Saison kommt, sondern die Phase davor war eben recht positiv. Im Jahr nach der siegreichen Relegation gegen den HSV direkt Vizemeister geworden. Ein Jahr später Pokalsieger, Champions League gespielt zwischendurch. Auch jetzt wieder auf Königsklassenkurs und zweifellos eine der Top-Mannschaften der Bundesliga, also wirklich nachhaltig die Entwicklung unter Sebastian Hoeneß auch sichtbar. Zweifellos auch eine der heißesten Traineraktien auf dem Markt. Was zeichnet ihn noch aus? Ich habe mir mal so ein bisschen auch angeguckt, er lässt ja auch durchaus taktisch flexibel dann agieren. Du hast jetzt gerade so die Wingbacker, also die Schienenspieler erwähnt, das ist ja aber nicht in Stein gemeißelt, der spielt ja auch mal mit Viererkette, auch das kann Wagnumann natürlich, um da auch wieder die Brücke zu schlagen, aber ja, was zeichnet diese Besonderheit von Sebastian Hoeneß noch aus, neben dem, was du schon skizziert hast. Ich glaube, da muss man splitten. Ich glaube, da gibt es zwei Bereiche und das ist schon ungewöhnlich. Es gibt einmal den Trainer Sebastian Hoeneß und einmal den Menschen Sebastian Hoeneß. Und es ist beides einfach 1A. Also ich glaube, es gibt ganz wenige Trainer in Deutschland, die es schaffen, so viel Fußball-Know-how mitzubringen und auf der anderen Seite aber einen so perfekten Umgang mit seinen Spielern zu haben. Also alles, was ich höre aus dem Umfeld, auch in Gesprächen mit den Spielern oder auch in Gesprächen mit Sebastian Hoeneß, ist, dass es ihm einfach unglaublich wichtig ist, jeden Spieler so zu nehmen, wie er ist, jeden Spieler so anzupacken, wie er es auch braucht. Und er ist einfach, man kann jetzt nicht Menschenflüsterer sagen, aber er versteht es eben ganz genau, wie er schwierige Charaktere, wie ein Enzo Meillot, auch wie ein Dennis Undorf, mit dem Julian Nagelsmann ja scheinbar überhaupt gar nicht klarzukommen scheint. Wie er aus diesen Spielern eben das Bestmögliche rausholen kann. Und das ist eben zum einen der Trainer, der ein Korsett gebildet hat jetzt über die drei Jahre, wo jeder Spieler genau weiß, was er zu tun hat. Wo jeder Spieler, der auch neu dazukommt, direkt in ein funktionierendes Konstrukt reinpasst. Das ist mal die eine, der flexibel Fußball spielen lässt, der gute Ideen hat und der damals auch eben in diesen acht Spielen vor der Relegation einen Fußball hat spielen lassen, der zur Mannschaft passt. Anders als es zum Beispiel Bruno Labbadia gemacht hat, der die Mannschaft in ein von ihm vorgeworfenes Konzept gedrückt hat, die gar nicht gepasst hat, also das überhaupt nicht funktioniert hat. Das ist mal das eine und zum anderen eben der Mensch Sebastian Hoeneß. Ich erlebe es immer wieder, wie sich andere Trainer äußern, wie er sich äußert. Er ist sehr gewählt, er ist sehr eloquent, er ist introvertiert. Also obwohl wir ihn seit drei Jahren kennen, sieht er 95 Prozent aller Journalisten noch. Also ich werde auch noch von ihm gesieht. Einzig so ein paar Kollegen wie George Moisides, Legende vom Kicker, die wird geduzt. Der duzt aber auch alle, der würde auch den Präsidenten der USA duzen. Deswegen nicht so verwunderlich. Aber der Mensch Sebastian Hoeneß ist einfach ein sehr angenehmer Typ. Der könnte auch an der Universität sitzen, in einem Lehrstuhl und könnte über Sozialwissenschaften lehren. Also ist ein sehr eloquenter, wortgewählter Mensch, der aber trotzdem weiß, wie er jeden Spieler anzupacken hat. Und ich glaube, diese Mischung aus taktischem und fußballerischem Wissen, aber dann auch dieser Menschenführung, wie führe ich eine Mannschaft, wie gehe ich mit schwierigen Charakteren um, wie kann ich einen Enzo Mio zum Beispiel, der immer wieder zu spät zum Training kam und deswegen von Bruno Labbadia ja sogar suspendiert wurde, wie kann ich so einen Spieler besser machen? Und das schafft Sebastian Hoeneß durch diese perfekte Zusammenarbeit zwischen Mensch und eben Trainer. Jetzt hat es ja Stuttgart dank Sebastian Hoeneß geschafft, seit dem Relegationsduell gegen den HSV nachhaltig etwas aufzubauen. Dazu zählt zweifellos auch die Kaderplanung, weil auch Fabian Wohlgemuth und Alex Werle da einen hervorragenden Job gemacht haben auf Manager-Ebene. Und trotzdem sagte mir neulich ein Spielerberater, warte mal ab, wenn der Sebastian Hoeneß irgendwann mal weg ist aus Stuttgart, wie dort alles wieder zusammenbrechen wird und wie dann erst alle erkennen, dass Sebastian Hoeneß der Grund ist, warum Stuttgart inzwischen ein unumstrittenes Top-Team der Bundesliga ist. Eine These, die man natürlich jetzt noch nicht belegen kann, aber wie stehst du dazu? Ja, das ist eine spannende Frage und das ist eine Frage, die sich, glaube ich, alle im VfB-Umfeld stellen. Spätestens seit dem letzten Jahr, wo so das erste Mal im Sommer Transfergerichte rund um Sebastian Hoeneß aufkamen und dann eben die Frage im Raum stand, wie geht es denn weiter nach der Ära Sebastian Hoeneß? Und ich glaube, wie nachhaltig das ist, was der VfB in den letzten zwei, drei Jahren aufgebaut hat. Und es ging ja wirklich rasant schnell. Das war ja, du hast es skizziert, innerhalb von drei Jahren vom Relegationsteilnehmer zum Champions-League-Teilnehmer und DFB-Pokalsieger. Das ist ja wirklich ein Tempo, das ist ja irre. Und die Frage ist, wie nachhaltig ist es? Hat der VfB Stuttgart es geschafft, Strukturen zu schaffen, die über den Trainer, den Menschen, Sebastian Hoeneß hinausgehen? Und da bin ich mir ehrlich nicht sicher, weil wir wissen es nicht. Wir haben nicht so die tiefen Einblicke auch in die Vereinsstruktur. Ich weiß, dass sich der Verein bzw. Die Fußball AG, ist ja ausgegliedert, dass sie sich immer breiter aufstellen, dass sie immer mehr Eigenkapital anschaffen, dass sie auch durch Transfererlöse immer stabiler auch im generellen finanziellen Umfeld werden. Aber aus meiner Sicht ist der Game Changer Sebastian Hoeneß und die Frage ist, Kriegst du ohne Sebastian Hoeneß ein ähnliches Konstrukt hin? Ich glaube, nein, aktuell. Deswegen würde ich deine These jetzt noch bejahen. Wenn das aber jetzt noch ein, eineinhalb Jahre so geht und wenn der VfB sich für die Champions nicht qualifizieren sollte, wovon ich ausgehe, dann wird Sebastian Hoeneß noch ein Jahr dranhängen. Und dann hast du ja eben nochmal eineinhalb Jahre, um diese Strukturen eben nochmal zu vergrößern und nochmal zu verbessern. Deswegen, das ist schon so ein bisschen ein Personenkult in Stuttgart. Also Sebastian Hoeneß wird sehr geliebt von den Fans und wenn er mal gehen sollte, dann habe ich schon ein bisschen Bauchschmerzen, dass das Ganze bröckeln könnte, dass es einbricht. Das glaube ich nicht und umso länger er bleibt, umso besser werden die Strukturen. Also definitiv eine sehr spannende Trainerpersonalie, Sebastian Hoeneß. Die Möglichkeiten, die er in Stuttgart vorfindet, sind allerdings auch wirklich gehobenes Bundesliga-Niveau und woran ich das festmache, würde ich jetzt mal gerne anhand von ein paar Zahlen untermauern. Ich habe mir mal so die Transferbilanz der beiden Vereine HSV und Stuttgart seit der Relegation rausgepickt und dann war es so, dass der HSV zum Beispiel in den Monaten nach der verlorenen Relegation eine Million im Transfersommer ausgegeben hat und eine Million eingenommen hat. Zum Vergleich, Stuttgart holte dann Schlüsselspieler Angelo Stiller für 5,5 Millionen. Da ist jetzt im Gespräch, ihm für 2 Millionen seine Ausstiegsklausel für 40 Millionen abzukaufen, damit man ihn für mehr als 40 Millionen Euro nach England verkaufen kann. Also ein wahnsinniger Transfergewinn. Dennis Underf wurde damals schon ausgeliehen, nachdem der Transfer von Robert Latzel vom HSV gescheitert ist. Und vor allem bemerkenswert war aber die Abgabenseite. Da hat der VfB 50 Millionen eingenommen in dem Sommer nach der Relegation. durch die Verkäufe vor allem von Mavro Panos für 20 Millionen zu West Ham, Vaitaro Endo für 20 Millionen nach Liverpool, Sosa für 8 Millionen weg. Also das alleine hat natürlich die Grundlage geschaffen, warum man dann auch ein Jahr später unterfest verpflichten konnte für knapp 27 Millionen. Auch Demirovic kam dann für 23. Leveling zum Beispiel, deutsche Nationalspieler, für 6 Millionen geholt, heute ein Vielfaches Wert. Also alleine 95 Millionen. Ein Jahr nach der Relegation konnte der VfB ausgeben und hat nochmal 80 Millionen eingenommen durch Verkäufe. Auch Ito zu Bayern für 33, Anton für 22 nach Dortmund, Girasie für 18 nach Dortmund, Roho verkauft für 15. Wahnsinnige Zahlen, von denen war der HSV weit entfernt. Der HSV hat immerhin dann 9 Millionen ausgegeben, 3 Millionen eingenommen im Jahr nach der Relegationen. Und jetzt im vergangenen Transfersommer als Aufsteiger steht der Hasbauer bei knapp 15 Millionen Ausgaben, knapp 8 Millionen Einnahmen und Stuttgart verkauft dann mal eben Nick Woltemade für 75 Millionen plus weitere Bonuszahlungen, die noch in den dreistelligen Millionenbereich steigen werden. Also wirklich wahnsinnige Zahlen, 116 Millionen eingenommen in diesem Sommer, weil auch Million für 30 Millionen ging. Man konnte wieder 60 Millionen ausgeben. Da muss man schon festhalten, das sind völlig unterschiedliche Dimensionen. Das ist auch nicht nur ein Klassenunterschied. Da liegen Welten dazwischen, mehrere Klassen in jedem Fall. Und ein Stück weit ist Stuttgart dadurch auch ein Vorbild für den HSV in puncto Investments in Spieler, die dann für einen beachtlichen Transfergewinn sorgen können. Beschreib du mal aus deiner Sicht, wie war das möglich? Es war zum einen, also diese Verkäufe nach der Relegation waren zwingend notwendig. Also die wurden nicht getätigt, weil man Geld einnehmen wollte, damit man es wieder ausgibt, sondern die wurden getätigt, damit man überhaupt wieder finanziell gesund wurde. Also diese Corona-Jahre mit dem KfW-Kredit, also der VfB musste den KfW-Kredit aufnehmen, damit er überhaupt zahlungsfähig blieb. Also da war schon kurz vor Licht geht aus. Es war ganz schön eng und deswegen ist die Entwicklung ja umso beeindruckender. Das lag daran, dass du einen guten Kader sowieso schon hattest und völlig zu Unrecht in der Relegation standest und dann halt, du hast es skizziert, mal kurz 40 Millionen Euro einnimmt oder sogar 50, 48 mit Borna Sosa, Mafropanus und Endo. Das zeigt ja schon, was für eine Qualität da war. Das Geld wurde klug reinvestiert mit zum Beispiel Angelo Stiller, der kam als Endo-Ersatz, wo jeder gesagt hat, Vataro, Endo kannst du nie ersetzen, unmöglich. Und dann kommt Angelo Stiller und ist einer der besten Sechser der Bundesliga für mich. Das waren zum einen kluge Transfers. Fabian Wohlgemuth macht einen sehr guten Job, seit er da ist. Er ist ja seit Dezember 2022 in Stuttgart, also jetzt auch bald vier oder dreieinhalb Jahre. Geht jetzt im vierten Jahr. Er hat kluge Transfers getätigt. Auf der anderen Seite hat der VfB aber auch wichtige Partner dazu gewonnen. Also dieses, man hat es ja immer wieder gehört, dieses 100-Millionen-Bündnis aus Porsche, MHP, Mercedes. Der VfB lebt ja oder existiert in einer unfassbar wirtschaftsstarken Region. Und es war schon immer der große Kritikpunkt am VfB, dass sie diese Wirtschaftswucht nicht. Und durch dieses Weltmarkenbündnis eben von Mercedes, der ja schon Anteilseigner war und der Porsche AG, wo quasi mit die zwei größten Autobauer und bekanntesten Marken der Welt zusammenarbeiten, das war schon ein Hammer. Da hat Alex Welle schon ordentlich Turbo gezündet. MHP ist ja auch als große Firma eingestiegen, als Hauptsponsor, hat sich die Namensrechte am Stadion gesichert. Also da kamen, glaube ich, ganz viele einzelne Faktoren, die kamen zusammen und die haben dieses Gesamtkonstrukt, das Gesamtbild ergeben. Wenn man alles einzeln betrachtet, hätte es wahrscheinlich gar nicht so einen Impact gehabt. Wenn der VfB nach der Relegation nur diese Spielerverkäufe gehabt hätte, dann wäre das quasi eins zu eins investiert worden in KfW-Kredit zurückzahlen, in Stadion abbezahlen von der Stadt, in andere Schuldendeckeln eben nach der Corona-Zeit. Deswegen, da kamen viele Faktoren zusammen, kluges Wirtschaften, die richtigen Menschen, die richtigen Positionen besetzt im Managementbereich, Stichwort Alex Werle, Fabian Wohlgemuth und dem Trainer, der halt aus Talenten wie, also zum Beispiel Ramon Hendricks aktuell wird ja gehandelt für einen möglichen Sommerkandidat, Transfer 40 Mio plus. Der kam ja einfach für, was waren es, 700.000 aus den Niederlanden. Den hat ja keiner gekannt. Und Sebastian Hoeneß macht da einfach einen super, einen klasse Verteidiger draus, der gefühlt jeden Zweikampf liebt. Also es ist ein Zusammenspiel von ganz vielen verschiedenen Faktoren und hat aus meiner Sicht vor allem damit zu tun, dass der VfB es geschafft hat, sich wieder gesund aufzustellen, auch im Managementbereich. Und was ich so höre von der Hamburger Seite, klappt es ja beim HSV nicht so gut. Stichwort Stefan Kunz, Stichwort viele Personalwechsel. Beim Trainer gibt es jetzt zumindest ein bisschen Konstanz. Da würde ich tatsächlich einhaken. Also die Causa Kunz ist sicherlich gesondert zu betrachten, weil er wegen eines schwerwiegenden Fehlverhaltens, so bezeichnet es der Aufsichtsrat, dann auch entlassen wurde zum Jahreswechsel. Ansonsten aber sind die Chaosjahre in Hamburg wirklich vorbei. Also Erik Huwer als aktueller Leihenvorstand und Klaus Koster als Sportdirektor und auch der Chefscout Sebastian Dürscher leisten hier wirklich hervorragende Arbeit, haben den HSV gut strukturiert. Das Trainerteam, das aus drei Hamburger Jungs besteht, sorgt für Identifikation mit der Kurve. Merlin Polzin hat ja auch Vergangenheit auf der Nordtribüne und schafft es dann auch mit seinem Partner Loic Favey, die Bundesliga zu überraschen und zu begeistern. Also auch in Hamburg wächst was zusammen. Man ist einfach natürlich noch weit entfernt von den Stuttgarter Strukturen und gerade auch den Millioneneinnahmen, die der VfB gewonnen hat und dann auch wieder reinvestieren konnte. Das wäre vielleicht der nächste Step für den HSV, um da auch den nächsten Entwicklungsschritt zu ziehen. Und da ist Stuttgart sicherlich ein Vorbild. Die Zahlen sprechen für sich. Fabian Wohlgemuth hast du jetzt auch mehrfach angesprochen. Der wird ja immer mal wieder so ganz lose als möglicher Nachfolger von Stefan Kunz genannt, ohne dass es so richtig konkret wird. Schilder mal aus deiner Sicht, warum er gar kein Kandidat in Hamburg sein kann, weil er nämlich ganz andere Pläne hat. Ja, ich habe Fabian Wohlgemut als jemanden kennengelernt, der nach oben will, der Erfolg will, der sportlichen Erfolg will und der auch die nötigen Strukturen, das nötige Geld haben will, um eben auch persönlich voranzukommen. Wenn man ihn anschaut vom NLZ-Leiter aufs Wolfsburg, dann über Kiel, Paderborn, dann zum VfB Stuttgart, das soll überhaupt nicht despektierlich klingen, aber du hast es ja gerade skizziert, rein strukturell, rein monetär, rein von der sportlichen Wettbewerbsfähigkeit wäre ja der Schritt zum HSV ein in Anführungszeichen Rückschritt. Es soll wirklich nicht respektierlich klingen. Es geht nur um die reine sportliche finanzielle Einschätzung. Und da ist der VfB dem HSV einfach Welten voraus. Deswegen, ich sehe Fabian Wulgemuth eher den Schritt nach oben gehen. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass er den Schritt zurückgeht zu einem Verein, wo er wieder von neu auf alles aufbauen muss. Er hat sich ja jetzt einfach einen Namen erarbeitet. Es gibt täglich Diskussionen um seine Personalie. Sein Vertrag läuft ja aus im Sommer 27. Man will ungern ins letzte Vertragsjahr gehen und ihn dann vielleicht sogar ablösefrei zu verlieren. Also man möchte jetzt noch im Sommer verlängern mit Fabian Wulgemuth. Das wird auch passieren. Fabian Wulgemuth will in Stuttgart bleiben. Das ist meine Einschätzung. Und das kommuniziert er auch immer wieder gegenüber uns Journalisten. Also ich sehe da überhaupt keine Gefahr, dass Fabian Wulgemuth den VfB verlässt. In den nächsten ein, zwei Jahren auf jeden Fall nicht. Also wohlgemut nach deiner Einschätzung eher keine Rückkehr zum HSV, sondern eine Vertragsverlängerung in Stuttgart, also ganz andere Perspektive dann. Simeon, vielen, vielen Dank, wir sind damit auch am Ende. Danke für deine sehr interessanten Einschätzungen. Vielleicht kannst du zum Abschluss nochmal einen Tipp abgeben, wie geht's aus am Sonntag? Ja, der VfB will in die Champions League, muss in die Champions League. Sie wollen auch da den nächsten Entwicklungsschritt gehen. Deswegen ist das Spiel gegen den HSV eigentlich ein Pflichtsieg. Ich meine, du spielst ja noch gegen die Bayern, du spielst gegen Leverkusen, gegen Frankfurt, gegen Hoffenheim. Deswegen wird es, glaube ich, relativ deutlich. Ich hoffe, ich lehne mich da nicht zu weit aus dem Fenster. Ich tippe auf ein 3 zu 1 für den VfB, wenn man das denn überhaupt deutlich nennen kann. Aber ich weiß, der HSV hat seine Stärken. Wir haben gestern erst den Podcast aufgezeichnet. 3 zu 2 bei Dortmund war knapp unentschieden gegen die Bayern, in Unterzahlen Punkt geholt gegen Augsburg. Also sehr unangenehm zu bespielende Mannschaft. Aber der VfB hat acht Tage Zeit, hat keine englischen Wochen mehr. Eigentlich muss der VfB das Spiel gewinnen, um in die Champions League zu kommen. Und ich denke, das werden sie auch machen. Also das Wort Pflichtsieg aus VfB-Sicht würde ich mir anstelle von Merlin Pulzin sofort in die Kabine hängen am Sonntag. Ausdrucken, aufhängen. Wenn er uns zuhört, kann er sich bei mir im Anschluss bedanken. Dass diese Motivationsspritze zustande gekommen ist. Also vielen Dank, Simeon, nach Stuttgart. Wir sehen uns am Sonntag. Ich bin natürlich wie immer dabei auswärts. Und dann wünsche ich uns vor allem erstmal ein gutes Spiel. Yes, danke schön für die Einladung. Sehr gerne. Und wir hören uns wieder in der kommenden Woche nach dem Spiel beim VfB und vor dem aus Fansicht natürlich noch viel wichtigeren Nordderby bei Werder Bremen in Hamburg sagt man Tschüss. Und bei uns heißt das auf Wiederhören. Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.