Latest / Erstklassisch mit Mischke - Klassik hautnah / Konstantin Krimmel: „Manchmal muss ich mich immer noch kneifen“
Transcript
- Dieses zweite Konzert in Helsinki, das ging von meiner Seite so dermaßen in die Hose. Also da ist viel mehr schief, viel mehr hätte nicht auch noch schief laufen können. Und stimmlich auch und von der Konzentration her und dann bricht die Stimme und dann ist man sowieso, stört man tausend Tode und dann geht es aber weiter. Und dann, also da wäre ich tatsächlich, da hätte ich gerne so eine Klappe im Boden gehabt, wo ich einfach nur versinke und dann in Deutschland wieder rauskomme oder so. Erstklassisch mit Mischke, der musikalische Podcast des Hamburger Abendblatts. Music. Happy Birthday to you, Happy Birthday to you, Happy Birthday, Happy Birthday, Happy Birthday to you. So, jetzt ist klar, warum ich nur über Musik schreibe und mein Gast Musik macht. Er ist in Ulm und dann wahrscheinlich auch um Ulm herum groß geworden und hat heute Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch also. Vielen, vielen Dank. Dankeschön. Soweit ich weiß, finden Sie Bergsteigen und Skifahren toll und Sie haben für das, was Sie jetzt sind, haben Sie eigentlich eine Menge falsch gemacht. Sie haben ein Abitur in Sport gemacht, Sie haben Fagott gespielt und haben erst mit 21 beschlossen, Profisänger zu werden. Und Sie haben neulich gesagt, ich fahre sehr gern mit Peter-Alexander Auto. Kann passieren. Es ist ein Bariton, es ist aber nicht irgendjemand und nicht irgendein Bariton, es ist Konstantin Krimmel. Hallo. Hallo, vielen Dank für die Einladung. Ja, gern geschehen. Also ich bin froh, dass es geklappt hat. Und übrigens, falls Sie jetzt neugierig geworden sind, wer in diesem Podcast schon zu Gast war und alles Mögliche von sich verraten hat und vielleicht auch Unmögliches, Sie finden Erstklassisch mit Mischke auf abendblatt.de und bei allen guten anderen Podcast-Adressen. Und so ab fünf Sternen aufwärts freuen wir uns auch über Bewertungen. Das hilft und freut uns und dann machen wir auch gerne weiter. Aber jetzt zu Ihnen, Herr Krimmel. Fast wären Sie Berufsoffizier geworden und bei den Bergjägern gelandet oder geblieben besser. Wie sind Sie denn da vom Berg wieder runtergekommen und wie kam denn das? Ich habe in der Zeit bei der Bundeswehr gemerkt, dass mir etwas fehlt, was ich davor immer hatte, auch wenn ich es davor immer nur als Hobby gemacht habe. Und natürlich für meine Klavierstunden, Fagottstunden einigermaßen regelmäßig geübt habe, mal so, mal so. Aber in dieser Zeit in Mittenwald bei den Gebirgsträgern ist mir eben plötzlich aufgefallen, dass mir was fehlt, was dann scheinbar doch was Größeres ist und eine größere Leidenschaft, die mir da abhandengekommen ist. Und das war die Musik. und dann bin ich nach meiner Zeit in Mittenwald wieder zurück nach Ulm und habe ein Jahr im Extrakor gesungen am Ulmer Theater. Das ist ganz schön, vor allem an den kleineren Theatern, weil die Extraköre da relativ viel zum Einsatz kommen. Da singen alles Mögliche an Berufen, Ärzte, Lehrer, Architekten und so weiter Und eben dann auch zu dem Zeitpunkt noch Menschen, die im Nirwana zwischen Schule und Studium irgendwie dahin schweben. Und das hat mir eine neue Welt eröffnet, also gerade die Opernwelt. Und dann bin ich dann doch dem Ruf einiger gefolgt, die mir gesagt haben, da ist gutes Material da, probier das mal, Versuch mal die Aufnahmeprüfung. Und somit habe ich mich dann mit 21 dazu entschieden, die Aufnahmeprüfung zu wagen für den Studiengang Gesang. Aber wie muss ich mir das vorstellen? Haben Sie dann, während die anderen mit Ihnen da im Berg hingen oder den Berg rauf oder runter gekraxelt sind, haben Sie dann vor lauter Sehnsucht angefangen zu singen? Fehlte Ihnen das geradezu körperlich? Und wie kamen dann diese Wände? Ja, also sportlich gesehen war es auf jeden Fall, habe ich sehr, sehr genossen, weil ich da sehr, sehr viel machen konnte und sehr viel Neues auch ausprobieren konnte. Wir waren jeden Tag draußen bei Wind und Wetter, bei jedem Wetter. Manchmal war das etwas unangenehm, aber sportlich gesehen war das schön. Die andere Seite, da habe ich dann einfach irgendwann gemerkt, okay, das ist dann vielleicht doch nicht das, was ich mir vorgestellt habe, wie es sein könnte. Also der ganze Betrieb, Bundeswehr. Ich habe dann einfach gemerkt, das funktioniert dann scheinbar wohl für meinen, für mich und für meinen Charakter dann doch nicht so sehr. Und ich habe es dann doch vermisst. Also ich habe die Musik, ich habe das Singen vermisst, ich habe das Fagott spielen vermisst. Ich habe dann zuerst versucht, Bundeswehr und Musik zu vereinen, indem ich dann versucht habe, mit dem Fagott in Heeres Musikhau reinzukommen in Ulm. Das hat dann nicht ganz so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe, weil ich da auch ohne jegliche Blasmusikerfahrung angetanzt bin und dann wurden mir da Märsche vorgelegt, die gar nicht so unheikel waren zu spielen und zu dem Zeitpunkt waren glaube ich auch gar keine Fagottstellen frei. Also von daher habe ich das dann abgehakt und habe dann aber gesagt, okay, nee, ich möchte doch zumindest mal versuchen, dem Ruf der Musik zu folgen, ob da wirklich was dahinter steckt oder nicht. Und bisher habe ich es nicht bereut. Dann kann ich ja noch eine kleine eigene Beichte loswerden. Ich war im Marine-Musico in Kiel. Na, sehen Sie? Ja, das war auch speziell. Wir hatten damals Miniformen an, wir sahen alle aus wie Sascha Hehn auf dem Traumschisch, wie die Stewards. Das war also auch eine eigene Art von Erfahrung, was Bundeswehr angeht. Aber okay, dann sind wir also quitt, was das angeht. Aber dann sind sie also umgeschwenkt und dann kam diese Gesangskarriere und die ging dann auch so, wie man das normalerweise als steil bezeichnen würde. Und seit ein paar Jahren sind Sie in München an der Staatsoper fest engagiert. Wie muss ich mir das denn vorstellen, wenn das mal so weit ist, dass jemand aus den ersten Runden der Karriere raus ist und dann ruft dann jemand an aus der Staatsoper in München und sagt, Herr Krimmel, wir müssen sprechen? Tatsächlich ja, beziehungsweise ich habe es über meine Agentur erzählt bekommen und gesagt bekommen und ich habe erst mal, und da, natürlich war das im Nachhinein, muss ich da sehr aufpassen, aber ich habe erst mal tatsächlich sehr gehadert damit, weil ich eigentlich nicht in ein festes Engagement gehen wollte. Ich singe sehr viel Lied, ich singe sehr viel Konzert, also ich brauche sehr viel Zeit für die Musik neben der Oper, allein um neue Sachen einzustudieren und die Reiserei und so weiter. Und da habe ich dann tatsächlich erst mal so ganz vorsichtig der Münchner Staatsoper gesagt, ich musste mir das sehr gut überlegen. Ich weiß noch nicht, ob ich das jetzt machen will. Hören wir auch nicht so oft, nehme ich an. Was sicherlich. Was sicherlich vielleicht nicht der schlauste Schachzug war, vor allem wenn man direkt nach dem Studium kommt und eigentlich, ich meine es ist die Münchner Staatsoper, also es ist eines der führenden Häuser weltweit. Und ich habe dann aber daraufhin wurden mir Gastengagements angeboten und das wurde dann aber relativ schnell, weil dann auch, dann kam Corona, dann kam auch der Intendantenwechsel in München und der neue Intendant nun wollte von Anfang an ein quasi eine Art neues Mozart Ensemble am Haus haben. Also er wollte ein Ensemble, ein festes Ensemble am Haus haben mit Leuten, die im Engagement sind, fest, aber trotzdem die Möglichkeit haben, ihre Sachen machen zu können und die aber dann wiederum auch die, jetzt nicht nur irgendwie die kleineren Rollen singen, sondern auch die Hauptrollen singen, sodass einfach auch so ein festes Engagement doch sehr attraktiv ist. Muss man dann überhaupt noch vorsingen, wenn man schon gefragt wird oder hat sich das erledigt? Nee, ich habe davor, also ich habe schon noch unter Bachler mal vorgesungen und ich habe dann auch noch mal vorgesungen, beziehungsweise hatte mich der jetzige Intendant bei einem Wettbewerb gehört. Ich weiß nicht, ob er live dabei war oder über einen Livestream, aber das hat er mir erst kürzlich wieder erzählt, hatte mich bei einem Wettbewerb gehört und hat dann eben drauf, gesagt und entschieden, dass er den Krimmel unbedingt im Ensemble haben möchte. Und. Und ich habe, wie gesagt, beim ersten Mal erst mal drüber nachgedacht und kam dann aber doch zu dem Erschluss, dass es ein doch sehr, sehr attraktives Angebot ist und sehr verlockendes Angebot ist und eine Möglichkeit ist, natürlich auf einer weltberühmten Bühne singen zu können. Teilweise natürlich auch Sachen neu auszuprobieren auf so einer Bühne, was den Druck natürlich nicht mindert, weil es manchmal doch auch ganz angenehm ist, wenn man neue Sachen im kleineren Rahmen ausprobiert. Das hat sich jetzt aber bei mir im Laufe der letzten Jahre, kam das immer mal wieder so, dass ich dieses Level irgendwie übersprungen habe und sich dann einfach Sachen ergeben haben, wofür ich wahnsinnig dankbar bin, aber Sachen ergeben haben, die ich dann zum ersten Mal gesungen habe, einfach auf großer Bühne und vor sehr vielen Menschen. Und mittlerweile komme ich, glaube ich, ganz gut klar damit und muss einfach, ja, bereite einfach diese Sachen sehr, sehr gut vor zu Hause, sodass im Konzert dann toi, toi, toi so gut wie nichts schieflaufen kann. Aber wenn das dann so ist, ich weiß ja nicht, wie es normalerweise bei Ihnen mit Lampenfieber ist, aber gehen wir mal zurück. Sie haben dann da diesen Vertrag, sind jetzt frisch, neu im Engagement, fest am Haus. Alle sagen, den wollten wir haben. Das ist jetzt der Bariton, den wir dringend hören wollen. Geht einem dann oder geht Ihnen dann oder ging Ihnen die Düse dann nochmal viel mächtiger, als es bei einem Repertoire-Auftritt irgendwo in Baden-Württemberg gelaufen wäre? Oder haben Sie sich gesagt, ich habe jetzt eh nichts zu verlieren, die wollten mich haben, das wird schon schief gehen. Wie ist das dann, in so einem Moment dann rauszusollen? Die Düse, die ging mir schon. Und auch nach wie vor. Ich werde jetzt diese Spielzeit meinen ersten Don Giovanni hier machen. Und das ist dann natürlich auch... Auch bei der Berufswahl. Genau. Und meine allererste Rolle an der Oper war eine Wiederaufnahme von Ariadne auf Naxos. Da habe ich den Harlequin gesungen. Das ist jetzt eine Rolle, die eigentlich irgendwo eine schöne Einstiegsrolle, weil sie ist nicht sehr groß. Es ist zwar Strauß, aber es ist jetzt nicht irgendwie was wahnsinnig stimmlich Großherausforderndes, wo man gegen das große Strauß-Orchester ankämpfen muss, sondern es ist dann doch eine sehr, sehr lyrische Rolle. Und aber es ist halt trotzdem Strauß, Ariadna auf Naxos, Wiederaufnahme mit sehr vielen bekannten und sehr berühmten Menschen auf der Bühne, und also Andreas Schager war da auch auf der Bühne zum Beispiel oder eine ich glaube eine Rachel Willis-Sörensen hat es dann auch damals mal gesungen, also das sind alles halt natürlich wahnsinnig große Namen und ich war ja, davor nicht in einem anderen Ensemble. Also ich hatte auch dieses. Opernleben noch gar nicht so richtig. Ich war dieses eine Jahr da im Extracor in Ulm. Das konnte man aber auch nicht so wirklich damit vergleichen mit jetzt wirklich als Solist im Rampenlicht auf der Bühne zu stehen. Und von daher ging mir da auf jeden Fall die Düse. Aber ich habe, glaube ich, jetzt gelernt über die letzten Jahre damit ganz gut umzugehen und freue mich natürlich auch und danke der Oper sehr, weil es natürlich ein großer Vertrauensvorschuss ist, den ich da bekomme, solche tollen Rollen auf dieser Bühne singen zu dürfen. Und von daher tue ich da mein Bestes, um diesem Vertrauensvorschuss gerecht zu werden. Wann haben Sie denn aufgehört, sich zu kneifen, dass das da jetzt tatsächlich wahr ist? Und wann haben Sie womöglich aufgehört, sich einzureden, dass Sie in zehn Minuten jemand erwischt, dass Sie wirklich gar nicht so toll sind, wie alle immer denken? Manchmal meiste ich immer noch und manchmal muss ich mich immer noch kneifen und manchmal warte ich immer noch auf diesen Herrn, der gleich reinkommt. Ja, also es ich will nicht sagen, dass es sich normalisiert hat, aber es ist, Ich habe gelernt, auf jeden Fall das zu mögen. Ich habe gelernt, das anzunehmen und ich habe gelernt, mich damit wohl zu fühlen. Und es ist aber nach wie vor, dass ich teilweise, wir spielen jetzt gerade, ich habe heute Abend Vorstellungen von Figur aus Hochzeit und stehe mit Peter Matej auf einer Bühne. Und Peter Matthei ist für mich persönlich das große Bariton-Vorbild, was die Oper angeht, der letzten Jahre und Jahrzehnte. Und es ist eine unglaubliche Ehre und eine auch surreale Situation, mit diesem Mann auf einer Bühne stehen zu dürfen und mit ihm singen zu können, spielen zu können, in der gleichen Produktion zu sein. Es macht ganz, ganz große Freude und das ist natürlich auch der Vorteil sicherlich von solch einem Bekanntenhaus und solch einer großen Bühne, dass nun mal da die Crème de la Crème aus und ein geht und man ähm. Und man lernen kann auch davon. Also wie sind die drauf? Man kennt ja dann diese Leute, wenn man die irgendwie nur aus dem Fernseher kennt oder aus Aufzeichnungen oder auch sonst als Zuschauer von der Bühne, dann hat man so eine wahnsinnige Achtung vor diesen Menschen, weil das sehr erfahrene und bekannte Wesen sind, die in unserem Business wandeln. Und ich habe natürlich nach wie vor die größte Achtung vor diesen Menschen und speziell vor ihm. Aber es ist natürlich schön, ihn dann kennenzulernen und zu sehen, er ist auch nur ein Mensch. Das wollte ich gerade sagen, dass ich mir auch vorstellen kann, dass es ja entspannt ist, wenn man merkt, auch die kochen nur mit Wasser und haben einen Abend, wo es eher so drei plus vom Niveau ist, aber keine eins. Und auch die Proben sind mal so und mal so. Und da ist natürlich auch jeder anders. Jeder geht auch anders mit so einer Wiederaufnahme um. Bei so einer Wiederaufnahme sind nicht so wahnsinnig viele Proben. Jetzt sind wir in dieser Produktion hier. Die meisten haben diese Produktion schon mal gemacht, er noch nicht. Also es ist ganz, ganz spannend, wie auch solche Leute mit neuen Gegebenheiten umgehen. Und ich sauge das auf wie so ein Schwamm und lerne da gern und nehme da vieles mit und versuche, mich da selbst weiterzuentwickeln. Dann ist es ihnen doch sicherlich auch schon passiert im Laufe der vergangenen Jahre, dass sie mal bei einer Opernproduktion mit einem Regisseur oder einer Regisseurin zu tun hatten, wo relativ schnell erkennbar war, dass die, sagen wir mal, nicht ganz genau wissen, wo oben und unten bei so einer Partitur ist und eher mit dem berühmten Reklamheft reinkommen und dann versuchen, sich irgendwie durchzumogeln. Macht einen das nicht kirre? Ja, es ist sehr schwer oder manchmal fordernd, weil man dann selbst nicht weiß, oder ich jetzt persönlich bin ich jetzt schon in der Situation jetzt, wo ich auf den Tisch hauen kann und sagen kann, Freunde, so funktioniert es nicht. Oder das steht aber nicht so in den Noten oder der Text sagt was ganz anderes. Wir können nicht, wenn Figaro mit Susanna flüstert, dann kann nicht Figaro auf der einen Seite der Bühne stehen und Susanna auf der anderen Seite und sie sollen aber trotzdem miteinander flüstern und niemand soll es mitbekommen. Und in der Mitte stehen andere Menschen. Also das funktioniert nicht. Das sind dann manchmal interessante Ideen und neue Ideen von Regisseuren und Regisseurinnen. Aber die halt einfach einfach dann manchmal auch nur anders sind und nur anders heißt halt nicht besser und dadurch wird das Stück auch nicht plötzlich fulminant besser, also. Es ist manchmal herausfordernd, also wir hatten das schon, und wir haben uns dann mit dem ganzen Cast und dem Regisseur mussten wir uns zusammensetzen und sagen, die Punkte hier, die gefallen uns nicht, das funktioniert so nicht für uns, weil da einfach der Text und der italienische Text etwas anderes sagt. Und die Rezillative bei Mozart sind nun mal, besonders in den Da Ponte Opern, sind sehr, sehr. Und da sind sehr viele Wendungen in sehr kurzer Zeit drin. Und wenn man da einfach wie so ein Bulldozer manchmal drüber geht und diese Feinheit nicht herausarbeiten möchte, aus welchem Grund auch immer, dann tut es dem Stück nichts Gutes. Und alles, was Sie damals bemängelt haben, ist dann fallen gelassen worden? Nein, das nicht. Das ist natürlich dann, dann hat jeder so seine Seite und wir verteidigen uns und wir verteidigen das Stück und der Regisseur verteidigt dann seine Idee und seine Kreativität. Und dann muss man halt schauen, dass es irgendwie auf eine Art und Weise irgendwie zusammenläuft. Und schlussendlich stehen dann halt wir auf der Bühne und müssen es dann halt auch, der Regisseur verabschiedet sich dann nach der Premiere Und dann müssen wir die Vorstellungen ausbahnen und wir müssen dann schauen, dass der Cast an sich muss dann gucken, dass es so funktioniert für uns und für den Cast, dass wir es mit gutem Gewissen spielen können. Und da haben wir, glaube ich, jeder hat so ein bisschen seine eigenen Erfahrungen von anderen Produktionen mit der gleichen Oper einfließen lassen. Und wir haben es dann am Ende, glaube ich, geschafft, da was ganz Passables und was ganz Gutes auf die Bühne zu stellen. Aber es war ein ganzes Stück Arbeit. Dann können Sie ja jetzt sagen, um welche Produktionen, wo es sich gehandelt hat. Wir sind ja unter uns. Ja, tatsächlich gerade um den Figaro. Es gibt auch ganz, ganz geteilte Meinungen. Manche finden diese Produktion ganz, ganz toll und andere nicht so sehr. Und es war auf jeden Fall eine sehr intensive Probenarbeit. Wenn das so ist, dass es hin und wieder, wie oft auch immer, Situationen gibt, wo das eher hakt und schwierig ist, können Sie sich eigentlich noch genau an den Moment erinnern, wo Sie das erste Mal gemerkt haben, ich singe jetzt hier nicht nur vor mich hin, sondern ich habe wirklich eine Stimme. Ich bin Donnerschlag, ich bin Sänger. Ich bin jetzt keiner, der gerne singt, sondern ich bin Sänger und das muss jetzt raus und ich will das auch bleiben. Ich komme immer wieder in diese Situation. Also ich habe sicherlich auch dargemerkt, als ich dann zum ersten Mal in der ersten Vorstellung oder in der zweiten Vorstellung spätestens bei Ariadne auf Naxos als Harlekin auf der Bühne stand und mir dann gedacht habe, okay, ich bin jetzt tatsächlich auf dieser Bühne. Und die Inszenierung ist auch so, dass, Harlequin und Serbinetta tatsächlich auch in einer Szene in der ersten Reihe, sich entgegenkommen und zwar quasi zwischen Graben und den Füßen der Menschen, die in der ersten Reihe sitzen, entlanglaufen von links nach rechts und sich dann in der Mitte treffen. Somit war dann auch die Berührung zum Publikum und zu den Zuschauern sehr, sehr nah und sehr intensiv. Und ich komme aber immer wieder in diese Situation. Also ich hatte letztes Jahr eine wahnsinnig tolle Matthäus-Passionstournee mit Herre Wege und dem Kollegium Vukane Gent. und. Wir hatten da Konzerte in tollen Konzertsälen, in Bozard, in Belgien, also in Brüssel, in der Elbphilharmonie, hier in München, in der Iservoller Philharmonie in Innsbruck und ich darf und ich habe mir da jedes Mal gedacht, das sind so unglaublich tolle Musiker in diesem Ensemble und so ein fantastischer Core und tolle Solisten und wir stehen jetzt hier alle und verfolgen das gleiche Ziel und da sind. Ganz, ganz viele Menschen, die uns gerade zuhören und wir dürfen diese herrliche Musik von Bach, aufführen und singen und da hören tatsächlich sehr viele Menschen zu und das war ein sehr, sehr berührendes Gefühl, weil es einfach, weil es natürlich auch, je höher man auf dieser Karriereleiter steigt und desto mehr kommt man in diese Kreise, wo einfach gute Musiker zusammenkommen und Musiker, die wahnsinnig viel Lust haben und die Freude haben, gerade diese ganzen Projektgeschichten, wo niemand fest ist, sondern alle nur wirklich aufgrund der Musik zusammenkommen und aufgrund der Leidenschaft zusammenkommen und auch wenn da sicherlich die Christine Busch an der ersten Geige diese Matthäus-Passion schon hunderte Male gespielt hat. Ist da nach wie vor in jedem Konzert und in jeder Probe war eine neue Energie da, so wie sie vielleicht beim ersten Mal da gewesen ist. Und das finde ich schon sehr, sehr besonders. Hilft Ihnen eigentlich in Ihrem Beruf, also in dem Sie nicht nur singen, sondern ja auch schauspielen müssen, können, sollen, dürfen, Hilft Ihnen das im täglichen Leben im Sinne von, wenn Ihnen jemand an der Supermarktkasse dumm kommt, dann lassen Sie sich da nicht die Butter vom Brot nehmen, sondern ist das gut fürs Ego, diesen Beruf zu machen, um einfach auch anders, größer, solider, geerdeter im Leben zu stehen? Oder hilft das so gar nicht? Mit Sicherheit. Also ich meine, das Selbstbewusstsein, was man braucht, um auf so einer Bühne wie jetzt hier in München stehen zu können und da singen zu wollen, das hilft sicherlich generell im Leben. Und was aber das Schöne ist an solchen Situationen wie Supermarktkassen, ist, dass das Situationen manchmal sind, die... Die einen vielleicht manchmal sogar inspirieren. Und manchmal können diese Situationen mitgenommen werden, tatsächlich auf die Bühne, weil es so manchmal absurd ist und Gespräche oder man belauscht ein Gespräch. Ich finde es auch ganz, ganz schön, in einem Café zu sitzen, meistens, wenn ich dann irgendwo gerade unterwegs bin, und dann einfach die Leute so zu beobachten, die so vorbeilaufen. Und mir dann so kleine Geschichten zu überlegen, wo kommen sie her, wo wollen sie hin, was machen sie, was ist der Beruf. Und so bleibt, glaube ich, die Imagination und die Vorstellungskraft immer ansprechend. Dementsprechend und ja, also mit Sicherheit ist es hilfreich, dass man ein gewisses Selbstbewusstsein braucht, um auf solchen Bühnen zu stehen und das Selbstbewusstsein kann man dann sicherlich in vielen anderweitigen privaten Situationen einsetzen. Ich habe ja vorhin schon so ein bisschen nach dem Lampenfieber gefragt. Ich habe sie auch im Kino gesehen. Sie hatten in Orphea in Love mitgespielt von Zedranisch in diesen ganz niedlichen, rührenden Opernfilmen. Eine kleine Rolle. Ist das besonders schrecklich für Sie gewesen? Also vor der Kamera oder war das ganz entlastend, weil Sie wussten, wenn ich das jetzt versebele, die Szene, dann drehen wir sie halt nochmal bis es klappt? Das ist der Vorteil von Aufnahmen, genau. Das ist der Vorteil auch von jeder CD-Aufnahme. Das war sehr, sehr schön. Das war sehr spannend, weil wir nachts gedreht haben. Und das ist dann doch auch eine Uhrzeit, die selbst für uns ungewöhnlich ist. Für Schauspieler, Filmschauspieler und Filmschauspielerinnen nicht ganz so ungewöhnlich, aber es war schön. Es war schön, ähm, Weil es auch mal was anderes war. Es war sehr, sehr kalt. Wir haben oben in Stralsund diese Szene gedreht und da bin ich mal kurz da hochgefahren. Und wie gesagt, es war nur eine Nacht, nur ein Nachtdreh. Aber was mich doch sehr beeindruckt hat, ist, wie viele Menschen da für eine so eine Szene am Set sind. Sie haben aber nicht auch noch den Schauspieler in sich entdeckt, also den ausgerichteten. Ich glaube, das überlasse ich denen, die das wirklich sehr, sehr intensiv studiert haben. Aber es ist natürlich schön, weil man sowohl als auch kann man. Also ich glaube, sowohl vom Opernschauspiel oder von der Opernbühne kann man was in solche Situationen mitnehmen, Aber auch die Angaben und Vorgaben und den Input, den ich da von Axel Ranisch bekommen habe, das ist natürlich auch was, das Film ist natürlich viel, viel kleiner, viel, viel feiner. Da kann man, da ist es selbst ein von rechts nach links mit den Augen gehen, kann schon was sehr, sehr Großes sein. Das ist natürlich auf der Opernbühne nicht so, aber das, was ich da bekommen habe und gesagt bekommen habe, und es ist ja dann doch eine Opern-Arie, die ich da gesungen habe, den Abendstern. Und das war dann doch was, wo ich dann mir gedacht habe, ja, diesen Input, den könnte ich vielleicht sogar auf der Opernbühne auch irgendwie zum Einsatz bringen. Und der Axel macht ja selbst auch Opernregie. Also von daher ist es doch schön zu sehen. Es funktioniert nicht immer, aber jetzt in seinem Fall funktioniert es, dass diese Filmwelt und die Opernwelt, mit, fusionieren und zusammenkommen und auch ein Filmregisseur einen sehr, sehr guten Job auf der Bühne, auf der Opernbühne macht und auch andersrum. Ihre Welt ist ja eine ganz eigene, mit ganz eigenen Spielregeln, Gesetzen und Sonderbarkeiten. Ich habe mal mit Ihrem Kollegen Christian Gerhaar gesprochen. Er sagte einerseits, dass es ohne Angst gar nicht so gut wäre vor einem Auftritt. Das brauchte also in einem gewissen Maß zumindest. Und er hat dann ein bisschen gebeichtet, dass er geradezu unaussprechlich doofe Rituale hat vor jedem Konzert, ohne die er nicht kann. Wie sieht das da bei Ihnen aus? Ich fürchte, ich bin da wahnsinnig langweilig. Also ich versuche Tage, Konzerttage so entspannt wie möglich anzugehen und mache meinen Sport, den ich aber sowieso regelmäßig mache. Ist das Bergsteigen dann oder was machen Sie? Ja, das ist meistens eine Runde Joggen gehen. Das kommt so ein bisschen darauf an, wo ich bin. Ich bin leider sehr nicht so häufig in bergigen Regionen beruflich bedingt, aber ich war neulich in Gstaad und das hat mich sehr, sehr gefreut, weil da ist man natürlich mittendrin und da hat man sehr viele Möglichkeiten. Aber eine Runde joggen gehen oder Fahrradfahren gehen oder einfach den Körper mal morgens aufwecken und warm machen und dann sich mal langsam so ein bisschen einsingen und irgendwann dann in die Oper gehen. Also ich setze da leider keine Steine an bestimmte Stellen oder verbogene Nägel oder sonst was, sondern ich vertraue dann doch darauf, dass ich gut vorbereitet bin, dass die Kollegen und Kolleginnen gut vorbereitet sind und dass wir dann eine schöne Vorstellung haben. Sie suchen sich Ihre Jobs aber nicht danach aus, wo der nächstgelegene hohe Berg ist oder so. Thomas Hemsons, glaube ich, geht sehr nach Golfplätzen und manche andere Sänger auch. So weit ist es bei Ihnen noch nicht. Wenn es mehr Möglichkeiten gäbe, dann, also ich freue mich immer, ich suche jetzt nicht speziell direkt danach aus, aber ich freue mich immer, wenn sich sowas ergibt, wenn sich sowas ergibt wie Gstaad oder Verbier oder man generell, wenn man ja in der Schweiz ist und auch in vielen Teilen von Österreich ist man ja dann doch umgeben von den hohen Zinnen. Und das ist dann immer schön. Also mir geht's dann einfach immer gleich, von Grund auf besser, weil es einfach so eine schöne Umgebung ist. Berge haben wir hier in der Gegend der Staatsoper ja nicht so wirklich in Hamburg. Ist das jetzt der Grund, weswegen Sie hier noch nicht aufgetreten sind oder gibt es da andere? Nee, ich weiß es nicht. Also ich bin da offen für. Bisher hat sich die Hamburger Staatsoper noch nicht in meinem Postfach verirrt oder in das meiner Agentur. Aber also ich bin da auf jeden Fall. Für zu haben und in der Elbphilharmonie war ich schon, in der Elbphilharmonie bin ich auch jetzt dieses Jahr wieder, Anfang April mit den Bamberger Symphonikern und den fahrenden Gesellen von Mahler von daher, Hamburg ist schön Hamburg ist schön und, Naja, ich frage mit dem leichten Hintergedanken weil Tobias Kratzer, unser nächster Intendant ich weiß nicht, wie weit er von Ihnen in München weg wohnt aber vielleicht gar nicht so weit Womöglich sind Sie sich schon mal in der Startsoper begegnet. Er hat gerade da einen Ring an den Start gestellt. Das stimmt, ja. Er kann ja gute Leute gebrauchen und hat dann vielleicht mal eins und eins zusammengezählt und gesagt, Mensch, der Krimmel. Ich warte auf die Nachricht. Aha. Ich bin gespannt. Ich würde mich freuen. Na gut. Sie sind jetzt knapp über 30, also heute ein Jahr mehr, aber nichtsdestotrotz und sind mit 30 Nachwuchslänger des Jahres geworden. Und das finde ich sehr sonderbar. Mit 30 haben andere ihre Doktorarbeit durch und schon Jahre im Job. Und das klingt so ein bisschen wie noch grün hinter den Ohren. Das ist natürlich ein toller Titel, aber wie kommt Ihnen das vor oder wie kam Ihnen das vor? Naja, das ist ja das Schöne in diesem Beruf oder das Schöne an dem Instrument Stimme ist, dass man eben noch nicht wie mit vielen anderen Instrumenten mit 14, 15, 16 schon perfekt sein kann oder nahezu perfekt und da schon die große Karriere winkt, sondern je tiefer die Stimme, desto mehr Zeit kann man sich lassen. Aber alle verlangen doch diese Perfektion. Und dann kann man ja nicht sagen, bitte, bitte Welpenschutz. Ich bin auch gar nicht so weit. Nee, auf keinen Fall. Und diese Perfektion, für die arbeitet man natürlich auch oder arbeite ich natürlich auch. Aber ich habe zum einen sehr spät erst mit dem Studium angefangen. Also ich habe erst kürzlich jemanden jetzt hier im Opernstudio kennengelernt bei uns. Ein Bassmarathon, der ist 24. Also mit 24 war ich gerade mal, ich glaube, im vierten oder fünften Semester und habe noch irgendwie meine Stimme gesucht. Also das ist ganz unterschiedlich, wie da manche Karrierewege verlaufen. Und ich habe spät angefangen. Dadurch wurde ich auch erst wahrscheinlich ein bisschen später fertig als andere und habe dann eben auch... Relativ spät erst mit Aufnahmen angefangen. Also ich glaube, meine erste Aufnahme habe ich mit 27 oder 28 gemacht. Die erste CD und von daher ich habe mich da natürlich noch gefreut, weil ich meine nach wie vor, also auch wenn es 30 ist, aber. Nachwuchssänger ist dann doch heißt dann doch auch irgendwie, man hat noch ein bisschen was vor sich. Sind Sie eigentlich nachtragend bei der Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen? Also von einfachen Dingen wie, keine Ahnung, der Kollege sollte durch die zweite Tür von rechts auf die Bühne kommen, hat aber die Richtige nicht gefunden oder hat sie nicht so angespielt, wie sie das brauchen? Oder im Konzert gab es einen Einsatz nicht so, wie es eigentlich vorgesehen war? Wie schnell können Sie da vergeben und vergessen? Also im Konzert und in der Vorstellung speziell überhaupt gar nicht. Also da passieren so viele Sachen und da ist es einfach, das ist ja dann auch das Schöne, wir haben den Live-Moment, da live passieren Sachen. Im Idealfall geht alles gut, aber je nachdem, was für Leute kommen. Wir hatten jetzt die letzte Wiederaufnahme von der Zauberflöte, die Vorstellungen erst ein paar Tage her sind, die letzten. Wir hatten krankheitsbedingt so viele Einspringer in jeder Vorstellung, sodass man da eigentlich jedes Mal wieder einen halb neuen Cast auf der Bühne hatte. Und damit musst du dann halt spontan klarkommen. Und dann ist es völlig selbstverständlich, dass da nicht Sachen so normal laufen, wie man sie geprobt hat, weil ja neue Leute da sind. Die haben das nicht zehn Tage lang geprobt, sondern die hatten vielleicht eine Stunde oder zwei. Und da muss man sich darauf einstellen. Und dann bin ich da, ich glaube, ich bin sehr, sehr wohlwollend, auch was Proben angeht und so, weil ich weiß, weil auch mir Sachen passieren und ich Sachen vergesse oder Sachen anders mache, weil ich sie im Moment anders fühle, anders spüre, anders gestalten möchte. Da bin ich, also ich glaube, wenn ich etwas bin, dann nicht nachtragen. Na sowas. Musikerinnen und Musiker sind auch nur Menschen. Dann können Sie sich wahrscheinlich ja jetzt denken oder ahnen, was denn die nächste Frage ist, nämlich, was ist der größte Klopfer, der Ihnen so passiert ist? Also irgendwas, wo Sie sich heute noch sagen, am liebsten würde ich meine Gage wieder zurückgeben, weil das habe ich sowas von versemmelt. Das ist mir so peinlich gewesen und um Himmels Willen. Ich habe mich sehr, sehr verbrannt an dem Brahms-Requem. Das kann ich ja jetzt sagen, weil mittlerweile singe ich sehr, sehr gerne und mittlerweile funktioniert alles. Aber das war zu einem Zeitpunkt noch während des Studiums, wo ich einfach technisch noch nicht so weit war, dass ich dieses Stück sehr gut präsentieren konnte. Und ich habe es aber trotzdem gemacht, weil es war ein befreundeter Dirigent, mit dem ich schon auch einiges zusammengearbeitet habe und das war halt das Uniorchester und der Unichor und das war, also der Rahmen war sehr, sehr familiär und sehr wohlwollend und sehr zum Wohlfühlen. Aber ja, also gesangtechnisch war es einfach noch nicht auf dem Punkt. Und da hatten wir drei Konzerte. Das war auch meine erste richtige Tour in Anführungszeichen mit einem Konzert in Stuttgart, einem Konzert in Helsinki und einem Konzert in St. Petersburg. Und dieses zweite Konzert in Helsinki, das ging von meiner Seite so dermaßen in die Hose. Also da ist viel mehr schief, viel mehr hätte nicht auch noch schief laufen können. Und stimmlich auch und von der Konzentration her und dann bricht die Stimme und dann ist man sowieso, stört man tausend Tode und dann geht es aber weiter. Also da hätte ich gerne so eine Klappe im Boden gehabt, wo ich einfach nur versinke und dann in Deutschland wieder rauskomme oder so. Also das war, und dann habe ich das ganz, ganz viele Jahre weggelegt, weil ich es nicht anfassen konnte und nicht anschauen konnte. Und habe mich dann irgendwann gegen Ende des Studiums, wo dann, ich glaube, es kam dann auch noch in den Jahren danach zwei oder drei Anfragen für dieses Stück. Ich habe alle abgesagt, obwohl ich armer Student war und irgendwo schauen musste, dass ich mein Lebensunhalt verdiene. Aber... Und dann habe ich, genau, dann habe ich gegen Ende des Studiums, habe ich mir dann doch wieder rangewagt, nachdem ich dann gemerkt habe, okay, ich bin jetzt einfach technisch auf einem anderen Level. Ich glaube, es könnte jetzt funktionieren und bisher, ja, also mittlerweile ist es, glaube ich, das Stück, was ich am meisten gesungen habe und auch wahrscheinlich mit am liebsten singe, weil es ein unglaublich tolles Werk ist. Aber damals in Helsinki haben sich einen auf die Lampe gegossen, um das möglichst schnell zu vergessen, direkt nach dem Abend. Ja, musste, musste, weil es ging dann weiter. Wir sind dann weitergefahren über, genau, oben rum nach, also mit dem Zug dann sogar nach St. Petersburg. Und das Konzert in St. Petersburg, das ging dann auch einigermaßen gut. Ich habe dann da wirklich alles zu allen Göttern gebetet und Opfer gebracht und weiß der Geier was. Sodass das Konzert dann schlussendlich gut funktioniert hat. Aber ich da einfach gemerkt habe, okay, das war jetzt einfach zu früh. Das war ein Fehler. Hätte ich nicht machen sollen. Ist jetzt so. Ist passiert. Kann man nichts ändern. Es geht weiter. Ich habe mal eine Handvoll persönliche Fragen, die auf Ihren Job abzielen, aber auch auf das, was Sie so tagtäglich erleben. Was fällt Ihnen spontan ein als allererstes, wenn ich Sie frage, was nervt Sie eigentlich am meisten an Ihrer Branche? Uff. Manchmal... Manchmal die Überheblichkeit. Manchmal die Überheblichkeit generell von Leuten, die die klassische Musik auf ein höheres Podest stellen als alles andere. Das finde ich manchmal so ein bisschen also gerade weil ich bin ein sehr großer Musical-Fan, ich bin wenn ich in London bin versuche ich, wenn ich abends frei habe, Shows anzuschauen und da merke ich manchmal in unserer Branche dass das so ein bisschen belächelt wird und so ein bisschen, ja aber das ist ja sehr musical, das ist ja keine. Qualitativ hochwertige Musik und dann muss ich mir denken also das, was die da auf der Bühne machen, mit Tanzen, Spielen und Singen, das will ich mal von einem Opernsänger oder einer Opernsängerin so sehen. Juckt es Ihnen insgeheim, dass Sie sich sagen, ah, Musical, ich müsste halt noch tanzen lernen, aber das kann so schlimm nicht sein? Oder haben Sie es mal ausprobiert? Nee, ich mache das zu Hause. Ich habe da viel zu großen Respekt dafür, was Sie können und ich weiß auch, weil ich mit ein paar befreundet bin, wie die Ausbildung ist, gerade auch, in London oder auch in Amerika, was die alles, wie viel harte Arbeit dahinter steckt und vor allem, wie viel die in der Woche spielen. Also gerade irgendwie sieben, acht, neun Shows die Woche. Das ist Wahnsinn, was das für ein Pensum ist und was das auch für ein Leben ist. Da bin ich, da habe ich den größten Respekt vor. Ich gehe gern hin und schaue es mir an. Aber das selber machen, ich würde, also wenn das irgendwo gespielt wird, sowas wie Sweeney Todd oder sowas, könnte ich mir sehr, sehr gut vorstellen, weil das so ein bisschen so ein Übergangsding ist. Ich glaube, Sonntag hat es auch selbst als schwarze Operette bezeichnet. Also es gibt so ein paar Sachen, die würde ich gerne singen. Bei ein paar, glaube ich, könnte ich es auch. Bei den anderen wird es immer Wunschdenken bleiben, aber ich mache es dann zu Hause in der Dusche. Ja. Was ist der Antrieb für Sie, den Job zu machen, den Sie machen? Ich gebe Ihnen mal drei Antworten vor, die natürlich alle wunderbar passen. Ist es das Geld, ist es der Ruhm oder ist es, weil Ihnen nichts anderes eingefallen ist? Ich merke das, ich habe jetzt die letzten drei Jahre im Dezember immer die Zauberflöte machen dürfen hier in München, die altehrwürdige Eberling-Inszenierung. Und da merke ich es besonders. Oder auch bei solchen Sachen wie Matthäus Passion, dass da Leute zusammenkommen, die ganz unterschiedliche Hintergründe haben und ganz unterschiedliche Vergangenheiten haben und denen auch an diesem Tag vielleicht auch ganz unterschiedliche Dinge passiert sind, die durch verschiedene Lebenssituationen gerade gehen und aber dann mal für zwei, drei Stunden abschalten können. Das ist das eine. Natürlich ist es der innere Drang zu singen bei mir, weil mir diese Musik einfach persönlich sehr, sehr viel gibt und ich teilweise wirklich, also bei Mozart, bei Bach, bei Lied generell, ich da sehr, sehr viel Erfüllung finde. Aber ich jetzt auch immer wieder merke in verschiedenen Situationen, mal mehr, mal weniger, dass es auch Leute berührt und dass da Leute danach zu mir herkommen und sagen, sie hatten jetzt mal wirklich eine Stunde oder anderthalb nach so einem Liederabend einen freien Kopf und konnten sich da voll hingeben. Und das ist sehr, sehr schön. Das ist sehr viel wert. Es freut mich, dass ich dieses Gefühl erzeugen kann. Und ich glaube, dafür machen es sehr, sehr viele. Was ist für Sie, Sie singen ja nicht nur Oper, also nur in großen Anführungszeichen, Sie singen nicht nur Oper, Sie singen auch Lied und haben da ja auch einen Schwerpunkt. Wie ist es eigentlich bei Ihnen mit dem Lernen? Was lernt sich einfacher? So eine lange Partie, die dann über Stunden sich zieht auf der Bühne oder drei Handvoll Lieder? Wie ist es für Sie handlicher? Ach, es ähm, es ist ganz unterschiedlich, ich glaube am einfachsten oder am, ja doch, also am einfachsten glaube ich, sind sind Lieder, weil es natürlich auch meine Muttersprache ist, also gerade deutsches Lied, weil es meine Muttersprache ist weil ich da, ich lerne relativ gut auswendig und. Und auch bin da ja sehr, sehr flexibel, also kann das überall machen. Text lernen kann ich überall machen, so ein bisschen vor mich hinsummen auch meistens. Für Oper, das geht auch, aber Oper ist dann doch auch abhängig davon, dass ich da einen Chorepetitor habe, der mit mir einfach die ganze Partie dann auch durchgeht. Also jetzt bei Mozart die Rezative, ja, aber so Ensemble-Geschichten und so, Das ist dann doch, wenn man die selber lernt und wenn es dann irgendwann schwieriger wird. Ich habe jetzt letztes Jahr in Salzburg Capriccio gemacht von Strauß. Das ist einfach eine Sache, die kannst du nicht alleine im Kämmerlein für dich so gut erarbeiten, dass du es am Ende wirklich kannst. Sondern da braucht es jemanden, der mit dir am Klavier diese Partie durchgeht, der diese anderen Störfaktoren, also die anderen Charakter dagegen spielt, der das Orchester spielt, sodass sich einfach diese Harmonien in den Körper einfinden, in den Kopf einfinden und das Hirn checkt, okay, meine Stimme ist das und ich muss aber hier manchmal dagegen singen und kann mich nicht darauf verlassen, sondern muss meinen eigenen Weg gehen. Also da ist sicherlich Oper etwas komplexer und daher auch ein bisschen aufwendiger zu lernen. Und wenn das um solche Herausforderungen geht, was fällt Ihnen einfacher? Also das Nein sagen oder das Ja sagen, wenn jemand sagt, kommen Sie mal demnächst vorbei, wir würden gerne das eine oder andere von Ihnen hören. Ich übe das Nein sagen. Ich lerne das Nein sagen. Ich merke, dass... Nee, anders gesagt. Also ich bin wahnsinnig dankbar für alles, was ich machen darf. Und ich bin wahnsinnig dankbar für jede Anfrage, die reinkommt. Manchmal sind es Interessen, wo ich mir denke, das ist jetzt was, was ich jetzt nicht so wahnsinnig spannend finde. Manchmal sind es einfach Überschneidungen und es geht zeitlich nicht. Und dann ist das Nein-Sagen sehr einfach. Aber bei manchen Sachen, wo schon was anderes im Kalender steht und es kommt was rein, was ich sehr, sehr gerne machen würde. Und da gilt dann aber halt doch das Credo, der zuerst kommt, gewinnt. Und ich hasse Absagen. Ich finde es ganz, ganz schlimm. Und von daher versuche ich da, das eben vornherein so weit auszuschließen, dass es nicht dazu kommt. Fragen Sie hin und wieder auch Ihre Frau? Immer. Immer? Ja, ja. Wir müssen auch generell, meine Frau ist beim Bayerischen Rundfunk tätig, wir müssen da schauen, dass die Terminkalender auch zusammenkommen und legen da regelmäßig unsere Kalender aufeinander und schauen, was steht an in der nächsten Zeit. Und mittlerweile hat sie ja da auch so einen tollen Einblick in dieses Business, dass sie dann auch manchmal sagt, du, aber beim letzten Mal, als du das gesungen hast, da kamst du nicht so wahnsinnig erfüllt wieder nach Hause. Willst du das wirklich machen oder ist schon eine lange Zeit oder hier ne auf jeden Fall, das ist eine tolle Sache das ist tolle Musik, da hast du dich so wohl gefühlt und tolles Ensemble und also ne da halte ich auf jeden Fall, das ist meine Nummer 1 Rücksprachebank ok, Ich habe noch mal fünf Fragen, da können Sie geradezu mit Ja oder Nein oder mit der einen oder anderen Option antworten. Die sind daraufhin ausgerichtet. Das geht ganz schnell. Fünf Fragen, fünf Antworten. Kurz und knapp und gar nicht einfach. Wenn Sie die Wahl haben, Piano oder Pforte? Piano. Ihr Lieblingsinstrument und die eigene, also in diesem Fall Ihre Stimme zählt nicht. Das Hackbrett tatsächlich. Das Hackbrett? Ja. Sie waren zu lange in den Bergen, glaube ich. Immer. Da komme ich nicht mehr von los. Wissen Sie noch, was Sie mit Ihrer ersten Gage gemacht haben? Mir einen Anzug gekauft. Einen etwas schickeren Anzug. Der passt noch. Der passt noch, ja. Es schwankt manchmal so ein bisschen, aber ich zwänge mich da manchmal, also ich zwänge mich da rein, beziehungsweise manchmal passt es besser, manchmal ist es sehr eng, aber ja, doch für einfach für Liederabende und so weiter mal einen anständigen Anzug. Es war sogar ein Frack, glaube ich sogar. Ich glaube, es war mein erster, erster, erstes Frack. Okay. Bier oder Champagner? Bier. Ja, schon. Beides sehr gern, aber ich bin noch am rausfinden, was es für ein Enzym ist, aber nach Vorstellungen, nach dem Singen generell, wird irgendwas freigesetzt, wo ich sehr, sehr viel Lust auf Bier habe. Was ist das Sänger-Typischste an Ihnen? Also womöglich sogar das Bariton-Typischste Aber Sänger-Typischste wäre schon mal okay Also bei den Tenören, der Schal, der fällt bei Ihnen ja weg Aber vielleicht gibt es ja was. Ach, also sicherlich, dass ich sehr oft vor mich hin summe Vor mich hin singe, es selbst auch nicht mehr merke An der Kasse, im Supermarkt, Und dann werde ich da entweder komisch angeschaut oder von meiner Frau angestupst. Ja, ich glaube, das ist wahrscheinlich das Sängertypischste an mir. Okay, dann habe ich jetzt, um mal zum Ende zu kommen, noch eine harte letzte Frage, eine große letzte Frage womöglich. Wenn Sie sich jetzt begegnen würden, also der Anfang-30er Konstantin Krimmel, dem 20-jährigen Konstantin Krimmel, Was wäre der wichtigste Rat, den Sie für sich dann loswerden wollen würden? Lernen, sehr schnell, sehr ehrlich zu sich selbst zu sein. Das tut aber auch weh dann. Das tut auf jeden Fall weh, auch manchmal. Aber so ehrlich zu sich selbst zu sein, dass man weiß und sich selbst schnell sehr gut kennenlernen, dass man weiß, was geht und was geht nicht. Was man kann und was man nicht kann, wo man sich überschätzt. Und sich im Leben so zwei, drei Leute raussuchen, mit denen man ganz, ganz ehrlich reden kann. Also die einem auch ganz ehrlich ins Gesicht sagen können, das ist gut, was du gerade machst und das ist nicht so gut, was du gerade machst. Ich beziehe es jetzt speziell aufs Singen. Das sollte man sicherlich auch generell so im Privaten haben. Vielleicht ist es sehr hilfreich, aber speziell beim Singen, dadurch, dass dieses Instrument doch etwas Besonderes ist und ich nie zu 100 Prozent weiß, wie es draußen klingt. Also auch wenn ich es mir jetzt wirklich jahrelang angeeignet habe und mir da eine tolle Technik erarbeitet habe, Zu ganz 100 Prozent weiß ich es ja nie, wie meine Stimme, wie ich sie höre und wie sie dann draußen im Raum klingt. Also ich kann das so hintrainieren, dass ich es nahezu erahnen kann und nahezu weiß. Aber gerade in der Anfangsphase, Und auch, glaube ich, einfach auch so das übers Leben durch, weil sich ja die Stimme biologisch gesehen auch weiterentwickelt. Der Körper entwickelt sich weiter, die Stimme verändert sich, es wird größer. Manchmal schleichen sich manche Sachen ein und da einfach dann, ich habe immer regelmäßig entweder meine Frau oder meinen Coach hier aus München in verschiedenen Konzerten, Proben, Vorstellungen drin sitzen. Und die müssen einem ehrlich ins Gesicht sagen dürfen, das ist jetzt gut oder da musst du aufpassen, da hat sich was eingeschlichen, da sollte man mal schauen, dass es nicht in eine falsche Richtung abbiegt. Aber grundsätzlich gesagt ist es dann so, dass man durchs Singen womöglich ein besserer Mensch werden könnte, muss aber nicht sein. Muss nicht sein. Es kann auch in die andere Richtung gehen. Es gibt genügend Beispiele, wo es in die andere Richtung geht. Aber ja, weil es ist halt, es ist was wahnsinnig Körperliches. Und man lernt halt gezwungenermaßen, lernt man sich selbst irgendwie kennen, auch auf eine Art und Weise, die man vielleicht ohne das Singen gar nicht herausgefunden hätte. Weil es halt körperabhängig ist, ob das Singen funktioniert jetzt heute oder nicht. Wie habe ich geschlafen? Wie habe ich gegessen? Was habe ich gemacht? Wie geht es mir heute? Es ist was sehr, sehr Körperliches. Das ist auf der einen Seite was unglaublich Schönes und was sehr Schönes zu fühlen. Aber auf der anderen Seite ist es sicherlich auch, ich bezeichne es manchmal so als Segen und Fluch, weil es zum anderen natürlich auch einfach das mit sich bringt, dass man etwas anders leben möchte. Sollte, als man es vielleicht gemacht hätte, wenn man nicht einen Beruf ergriffen hätte, der von der Stimme abhängig ist. Da bin ich jetzt natürlich sehr froh, dass meine Frau da ebenfalls einen Beruf ergriffen hat, wo sie abhängig ist von ihrer Stimme. Von daher ist da sehr viel Verständnis da auf beiden Seiten und sehr viel Nachsicht auch da. Und ich kann halt auch nicht den Beruf nicht mit nach Hause nehmen, also weil ich halt zu Hause meine Sachen lerne und vorbereite und einstudiere. Von daher ist da, es braucht da doch sehr viel Verständnis, wenn man in einer Partnerschaft ist, sehr viel Verständnis von der anderen Seite, weil es ja sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Und da gehen dann manchmal andere Sachen ein bisschen unter und je nach Situation, je nach Phase, wie viel gerade da ist. Aber es ist was sehr, sehr Erfüllendes und es ist was wahnsinnig Schönes. Ich würde es wahrscheinlich so wieder machen und kann auch jedem, der diesen Beruf ergreifen möchte, dazu nur raten, aber halt mit dem Hintergedanken, dass man einfach auf sich selbst sehr, sehr Acht geben muss, weil da draußen tut es keiner für einen. Also es gibt so viele Menschen und es gibt so viel Nachwuchs, der da nachkommt. Und schlussendlich muss man selbst sehr schnell lernen, sich so gut einschätzen zu können, dass man sagen kann, okay, das kann ich mir zumuten und das ist zu viel. Okay, also zur Not könnten Sie auch immer noch vielleicht ja wieder zurück zu den Gebirgsjägern. Ich weiß ja nicht, ob das verjährt, aber... Ich weiß nicht, ich glaube, da gibt es irgendwo, da gibt es so einen Einstiegs-, so eine Grenze beim Alter, aber... Aber ja, vielleicht. Ja, schön. Ich habe sehr viel gelernt über Sie. Sie vielleicht auch ein bisschen was über sich. Aber auf jeden Fall war es total interessant. Und es hat mich sehr gefreut, dass wir darüber gesprochen haben. Mir fällt ein, Sie sind also, wenn man Sie jetzt nicht nur reden, sondern singen hören möchte, das geht Anfang April in der Elbphilharmonie. Sie sind mit den Bambergern da und machen Maler Lieder ins Fahnen Gesellen. Genau. Und wer da keine Karten mehr bekommt, kann ja auch die letzte CD, die Mythos-CD sich anhören, die gäbe es dann auch noch. Genau. Und ansonsten tauchen Sie womöglich bei Herrn Kratzer demnächst im Spielplaner auf in der Staatsoper. Hoffentlich. Ja, das hoffe ich auch. Also vielen Dank und nochmal kleine Erinnerung, alle Folgen von Erstklassisch mit Mischke gibt es bei abendblatt.de, überall wo Sie Ihre Podcasts ansonsten so abholen und die Fünf-Sterne-Nummer gilt natürlich nach wie vor, aber auf jeden Fall, wir machen hier weiter und kommen Sie wieder bei der nächsten Folge vorbei und lassen Sie sich überraschen, wer dann da so sitzt. Vielen Dank.