Latest / Rheinpegel - der Düsseldorf-Podcast / Seit 15 Jahren autofrei - Alltag mit dem Fahrrad
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- Ich habe eben gelesen, dass eine Joggerin in London nichts ahnt an einem Kanal lang lief, als plötzlich in einem Boot Ed Sheeran an ihr vorbeigefahren ist. Warum, weiß ich es nicht. Vielleicht macht er das manchmal so mit dem Boot über Kanäle schippern. Und dann hat er ihr zugerufen, dass sie sich ein Lied aussuchen darf und sie hat auch reagiert. Und ich frage mich jetzt einige Dinge. Erstens, warum hat Ed Sheeran seine Gitarre dabei? Hat er die immer mit? Also falls mal sowas passiert. Zweitens, warum denkt er, dass sie ein Lied von ihm hören möchte? Und eigentlich das Größte, wie schafft sie es beim Joggen direkt auf einen Song zu kommen von ihm? Also im Moment, in diesem Eifer des Gefechts und wollte sie wirklich diesen Song hören. Und dann hat sie so ein bisschen gepanickt und einfach den ersten Titel gesagt, der ihr einfiel von Ed Sheeran. Und eigentlich wollte sie was ganz anderes hören. oder denkt sie vielleicht sogar, na toll, warum war das jetzt nicht, weiß ich nicht, Harry Styles? Weil, also die Wahrscheinlichkeit, dass ein sehr berühmter Mensch in einem Boot an einem vorbeifährt und dann auch noch ein Lied anfängt zu singen, ist ja schon so was Once-in-a-Lifetime-mäßiges und vielleicht war sie gar nicht so ein großer Ed Sheeran-Fan. Naja, darüber habe ich nachgedacht und dann habe ich darüber nachgedacht, wen würde ich denn gerne auf einem Boot an mir vorbeischippern sehen und dann auch noch ein Lied vorgesungen bekommen. Ich kann ja nicht immer Beyoncé sagen, aber naja. Und dann frage ich mich auch, ob mir in dem Moment sofort ein Song einfallen würde, obwohl ich, ich möchte behaupten, ihr gesamtes Oeuvre ja jetzt nicht, mir nicht fremd ist. Aber ich finde das sehr schwierig, wenn man so Sachen gefragt wird, dann direkt zu reagieren. Deswegen hat mich diese Situation beeindruckt und, wie man hört, auch beschäftigt. Und dann habe ich mich gefragt, würde ich das Ganze mit dem Boot und dem Singen überhaupt mitbekommen, wenn ich jetzt zum Beispiel Fahrrad gefahren wäre, so wie Christian Fehrer. Der Düsseldorfer und seine Familie leben seit 15 Jahren autofrei. Verena Keensbock hat mit ihm darüber gesprochen, wie es ist, immer überall mit dem Rad hinzufahren und berichtet davon. Ed Sheeran ist ja ein Weltstar, das muss man ihm lassen. Bestimmt kennt man den auch in Vietnam. Was man da auf alle Fälle kennt, sind Düsseldorfer Bäckereien. Warum? Das hat Maximilian noch heute mir erzählt. Ob es auf Booten auch Orgeln gibt? Bestimmt, also gibt ja alles. Wo ganz sicher welche zu finden sind, ist in Kirchen und diversen Konzertsälen. Aber auch in anderen Zusammenhängen erklingt das oft bombastische Instrument und bekommt ab Ende September gleich ein ganzes Festival in Düsseldorf gewidmet. Intendantin Friederike Möller hat mir ein paar Details verraten. Und damit herzlich willkommen beim Rheinpegel. Ihr hört Folge 334 und der Rhein steht bei 2,09 Meter. Music. Herzlich willkommen beim Rheinpegel, dem Podcast, in dem wir jede Woche darüber sprechen, was in dieser Stadt passiert, was die Düsseldorferinnen und Düsseldorfer umtreibt, was geht. Mein Name ist Tosja Kohlmann und für eine kleine, wunderbare Weile darf ich diese Aufgabe übernehmen. Okay, wenn ihr uns was mitteilen wollt, wenn ihr mit uns in Kontakt treten wollt, wenn ihr erzählen wollt, welchen Song ihr euch wünschen würdet, wenn jetzt euer Lieblingsstar oder irgendjemand anders auf einem Boot an euch vorbeischippert, dann könnt ihr das gerne tun. Wenn ihr Themen habt, über die wir sprechen können, wenn ihr Veranstaltungen habt, auf die wir hinweisen dürfen, dann schreibt uns das doch zum Beispiel unter reinpegel-post.de oder 0160 80 80 844. Wir freuen uns immer von euch zu hören. Seit 15 Jahren lebt Christian Fährer ohne Auto. Seine Frau, zwei Kinder und ein Hund ziehen mit. Für viele ist das unvorstellbar, bedeutet ein Auto doch im allgemeinen Verständnis Flexibilität, Komfort, vielleicht sogar Freiheit. Aber auch finanzielle Verpflichtungen und stressige Parkplatzsuche von der nicht sehr nachhaltigen Seite des Ganzen mal abgesehen. Wie die autofreilebende Familie in den Urlaub fährt, was sie tun, wenn es mal was zu transportieren gibt und welchen kleinen Nachteil das ganze Modell doch hat, Verena Kehnsbock hat mit den Fährers gesprochen. Liebe Verena, du sitzt jetzt mit mir hier im Konferenzraum. Wie bist du hergekommen? Mit dem Fahrrad. Richtig, wie immer. Bist du per se eine Fahrradliebhaberin und das Auto bleibt auf? Hast du ein Auto eigentlich? Ich habe tatsächlich eins und ich bin aber in Düsseldorf zur totalen Fahrradmaus geworden. Ich muss es wirklich einmal so sagen, ich finde es gibt kein anderes akzeptables Fortbewegungsmittel in Düsseldorf, außer es regnet in Strömen, dann nehme ich natürlich auch mal die Bahn. Aber innerhalb der Stadt mit dem Auto zu fahren, das tue ich mir sehr ungerne an. Ja, ich finde das auch. Also ich bin ja, ich habe das ja auch hier öfter schon kundgetan. Also jetzt Fahrradfahren finde ich jetzt auch nicht so Knorke, wie man so schön sagt. Also ich habe auch manchmal Angst um mein Leben oder zumindest irgendwie um Gliedmaßen. Das gehört dazu, ja. Und auch um meine seelische Gesundheit. Also ich fluche, glaube ich, nirgendwo so viel wie beim Fahrradfahren. Und da hören es halt alle. Im Auto kann ich so schön vor mich hinbrüllen und keiner kriegt es mit. Aber ich bin gerade zum Beispiel auch aus organisatorischen Gründen auch mit dem Auto hier. Und ich habe viel, viel länger gebraucht als mit dem Fahrrad, obwohl die Strecke dieselbe ist und das Fortbewegungsmittel eigentlich zu schnelleren Tempi in der Lage. Also, ich bin auf deiner Seite, ich bin auf eurer Seite, weil wer auch lieber Fahrrad fährt als Auto, ist Christian Fähre. Sehr lustig, wenn er Christian Fahre hießen würde. Christian Fähre hat seit 15 Jahren kein Auto mehr. Und darüber hast du mit ihm gesprochen. So ist es. Erzähl mal, warum hat er kein Auto? Wie ist es dazu gekommen? Also ich kann es mir vorstellen, aber. Ja, also er wohnt in Düsseldorf, in Gerrishalm muss man aber dazu sagen. Also ich finde, das ist auch schon irgendwie wichtig zu wissen, weil Gerrishalm jetzt auch wirklich nicht, nicht so, es ist nicht Pempelford, sondern es ist ja schon ein bisschen, ein bisschen, zwar gut angebunden, aber ein bisschen weiter weg. Durchaus. Und er sagte, er hatte, ist Auto gefahren, er kann Auto fahren, ihm sind zwei Autos kaputt gegangen. Eins hat er selber kaputt gefahren, das andere wurde ihm kaputt gefahren. Und nach dem zweiten hat er gesagt, ich habe keine Lust mehr nochmal so viel Geld in ein Auto zu stecken. In das letzte musste er irgendwie 1000 Euro Versicherung zahlen, monatlich mehrere 100 Euro Sprit. Er ist relativ weit auch zur Arbeit gependelt. Und dann hat er gesagt, jetzt ist es vorbei, ich probiere es jetzt ohne und hat die Chance sozusagen genutzt für den Umstieg. Also das Auto war eh hin und dann einfach kein neues gekauft. Jetzt ist das ja kein Einzel, ich möchte auch gar nicht Schicksal sagen, also es ist ja, ich meine, ich habe, wie gesagt, auch ein Auto, das geht auch ständig kaputt, dann muss ich das reparieren, ich zahle auch Versicherung und ich zahle auch Sprit und ich zahle auch Parkgebühren und so, aber es ist ja schon... Und irgendwie finde ich dann doch selten, dass man sagt, okay, dann verzichte ich komplett drauf. Also wenn ich mich ärgere über mein Auto und dass das immer alles so viel kostet, dann ist halt meine Konsequenz, dass ich das einfach mal stehen lasse drei Monate und nicht bewege. Ich vergesse ja auch ständig, wo ich das geparkt habe und renne dann panisch durch die Gegend und denke, es ist abgeschleppt worden. Aber das ist das eine. Und das andere, was ich besonders finde, ist, dass er diese Entscheidung ja nicht für sich alleine getroffen hat. Da hängen ja noch ein paar Leute und Tiere dran. Das stimmt, obwohl man muss sagen, als er die Entscheidung getroffen hat, die ist ja 15 Jahre her, gab es die noch nicht. Mittlerweile hat er zwei Kinder, zwei Töchter, neun und ich glaube 13 Jahre alt. Also können selber schon Fahrrad fahren. Genau und einen Hund und eine Frau, die alle zusammen leben und alle autofrei leben. Und ziehen die das, verzeihung, wenn ich dir ins Wort falle, aber das habe ich mich sofort gefragt, ziehen die das durch? Also fahren die gar kein Auto, auch nicht in den Urlaub oder auch nicht mal übers Wochenende oder wenn Not am Mann, an der Frau ist? Also es ist jetzt keine, das muss man dazu sagen, es ist jetzt keine Entscheidung im Sinne von, wir finden Autos so schlimm, dass wir nie wieder damit fahren wollen, sondern das war für sie einfach irgendwie die beste Entscheidung, die so in ihr Leben passte. Und deshalb, also sie haben noch Familie auch in Gerritsheim. Also im absoluten Notfall können sie sich auch noch mal dann das Auto von den Eltern dann leihen. Ja, verstehe. Und sie haben sich auch schon mal ein Auto geliehen, um damit in den Urlaub zu fahren. Aber die letzten beiden Urlaube, haben sie mir erzählt, haben sie tatsächlich auch mit der Bahn gemacht. Aber er war wahrscheinlich auch relativ regional, oder? Also ich meine, ich war auch schon mit dem Zug in Frankreich. Aber macht man das dann? Sie sind in Deutschland geblieben, sind in die Eifel und ins Sauerland gefahren. Und haben da so Camping-Urlaub gemacht. Und das war, also Christian Viere sagte, für ihn war das, er fand das deutlich entspannter. Er fährt tatsächlich eigentlich auch gerne Auto. Und für die zwei Wochen, die er sonst mal für den Urlaub im Auto hatte, hat er sich dann auch wieder gefreut, mal wieder zu fahren. War dann aber auch froh, es wieder abgeben zu können. Und er meinte, das war bei ihm toll, weil die alle zusammen als Familie dann halt im Zug sitzen konnten. Die konnten zusammen essen, spielen, sich entspannen. Und hat halt viel mehr gedankliche Freiheit, als wenn man hinterm Steuer sitzt. Was ja auch schön ist, weil wenn man, je nachdem in welche Richtung man spricht und in welchem Zusammenhang, ist fröhlich und entspannt mit Kopf frei. In der Bahn sitzen ja auch nicht immer. Also wenn die halt nicht kommt oder einfach gar nicht fährt oder viel zu spät ist oder viel zu überfüllt. Also da muss man natürlich dann auch Glück haben, wenn es dann so entspannt läuft. Ist dann sowas wie Carsharing auch keine Option. Also das denke ich sofort. Also wie gesagt, ich habe jetzt auch nicht ständig ein Auto. Ich habe das halt irgendwie vor... Ich habe es geschenkt bekommen, gebe ich zu. Also vor einem Jahr und anderthalb Jahren. Und vorher habe ich mich auch... Ich habe halt nie deklariert, ich habe jetzt kein Auto mehr, aber ich bin auch mit dem Fahrrad gefahren und hatte halt sonst irgendwie eins geliehen oder halt Carsharing. Also warum ist das so? Was ist da so der Unterschied? Also ich glaube, es ist jetzt nicht so, dass sie gegen Carsharing wären, aber die nächste Station ist tatsächlich für die schon ein bisschen zu weit weg, haben sie gesagt, sodass es nicht so richtig praktikabel ist, wenn es jetzt mal so um größere Beschaffung oder so geht. Dann leihen sie sich eher das Auto von der Verwandtschaft und sie haben sich halt Lastenräder angeschafft, mit denen man halt auch extrem viel transportieren kann. Und als wir uns getroffen haben, hatten sie sogar noch so einen Anhänger hinten dran, sodass sie wirklich eine Bierzeltgarnitur da drauf transportieren konnten. Und deshalb ist, glaube ich, der Bedarf einfach nicht da. Ich verstehe. Ich stelle mir vor, wie der Hund so in so einem Beifahrersitz so neben dem Lastenfahrrad mitrollt, wie bei so einem Motorrad, bei so einem alten. Jetzt ist das ja, also ich stelle mir vor, dass das für die Fitness einiges macht. Und er pendelt auch immer noch zur Arbeit, oder? Er pendelt, genau. Also das muss man vielleicht einmal, das kann ich ja einmal erzählen, als er sich damals entschieden hat, deshalb das fand ich wirklich bemerkenswert. Es war jetzt nicht so, als hätte er wie ich zehn Minuten Fahrradweg zu arbeiten. Also sich dann für das Fahrrad zu entscheiden, ist jetzt wirklich nicht so die große Kunst. Sondern er ist von Düsseldorf nach Jüchen gefahren. Und das sind mit dem Auto so 30, 40 Minuten, sagt er. Weil er mit dem Fahrrad und dann Umstieg in die Bahn und dann nochmal Fahrrad, hat er anderthalb Stunden gebraucht. Und das hat er halt trotzdem durchgezogen, weil er einfach keine Lust mehr aufs Autofahren hatte. Ja, das finde ich schon krass. Und das finde ich, ich glaube, das war bei ihm aber auch so der Auslöser, dass er gesagt hat, jetzt ziehen wir das auch durch. Und mittlerweile arbeitet er in Rating und fährt pro Strecke zwölf Kilometer. Das ist so eine halbe Stunde, die braucht er dafür. Hat er dann eh Rad? Nee, tatsächlich nicht. Das ist krass. Es wird alles gestrampelt und er sagte, es gibt tatsächlich nur einen Nachteil, den die Familie jetzt so für sich entdeckt hat und das ist, dass sie einfach deutlich mehr essen müssen als vorher. Also die Kosten, die vorher in die Autoversicherung geflossen sind. Ich glaube, ganz so viel ist es hoffentlich nicht. Aber genau, es muss deutlich mehr Hunger gestillt werden, weil sie einfach sich viel mehr bewegen. Aber es ist natürlich total gesund. kann man ja finde ich auch also wie gesagt ich fahre auch wirklich gerne fahrrad also jetzt nicht super gerne immer aber eigentlich. Immer öfter und immer doller. Aber ich bin halt, also sobald es regnet, da bin ich so hell. Ich habe ein Auto. Natürlich fahre ich keinen Fahrer. Also ich bin sehr unloyal diesen Transportmitteln gegenüber. Und ich habe Autos, das habe ich hier, glaube ich, auch schon mal erzählt. Ich merke auch, wenn ich Fahrrad fahre, nerven mich natürlich die AutofahrerInnen und die FußgängerInnen. Wenn ich Fußgängerin bin, also immer die anderen beiden. Also im Auto bin ich auch, also da, wie gesagt, ich fluche und brülle und schimpfe. Das Problem ist halt, wenn man auf dem Fahrrad unterwegs ist, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, also wenn es denn zu einer Situation kommt, dann hat man halt selber, ist man meistens die Person, die richtig Pech hat. Ja, auf jeden Fall. Und das ist ja im Auto nicht ganz so schlimm. Und das finde ich, also das sind diese Sachen auf der Meta-Ebene, die ich spannend finde, zu sagen, okay, wir entscheiden uns als Familie dafür, kein Auto zu haben, weil, genau, das bedeutet auch bei Wind und Wetter, das bedeutet auch die Kinder, das bedeutet halt auch der Hund, also der wird jetzt auch nicht ständig mit dabei sein, aber so, also das. Genau, man Man begibt sich ja auch in eine Position oder Situation, die vielleicht ein bisschen unbequem sein kann. Ist es absolut. Also das ist auch wirklich was, was glaube ich viele ja genau davon abhält, zu sagen, diesen Umstieg machen wir, weil bei schönem Wetter zehn Minuten zur Arbeit zu radeln ist jetzt wirklich, da ist die Überwindung nicht so groß. Im Winter 30 Minuten ist schon was anderes. Also das ist dann diese Konsequenz, die den Unterschied macht, nach dem ich eben gefragt habe. Es ist ja durchaus auch im Zeitgeist, im Sinne der Nachhaltigkeit und bestimmt auch auf anderen Leveln. Also dieses Fitnessding kann ich mir vorstellen, macht ja auch was aus. Also dass man irgendwie an der frischen Luft ist und man weiß ja jetzt auch immer mehr, dass das gut ist. Dass aber doch nicht so viele Menschen halt dann diesen Schritt in Gänze gehen. Darüber schreibst du auch in deinem Stück, Katharina Metzger, Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement in Düsseldorf, mit der hast du gesprochen im Zuge. Tages der nachhaltigen Mobilität. Und da kam zum Beispiel auf, dass natürlich ein Argument oft ist, ja, ich verzichte aufs Auto, jetzt fährt vielleicht auch nicht jeder und jede unfassbar gerne Fahrrad und dann der ÖPNV. Dann, genau, wie ich eben schon am Beispiel der Deutschen Bahn, also dass die da entspannt und mit Gesellschaftsspielen und so in den Urlaub fahren können, Familie, Fähre ist ja wirklich, also finde ich sehr, sehr schön, aber wie gesagt, es gibt ja auch andere, je nachdem mit wem man spricht, so was die Erfahrungen mit der Bahn sind und das ist mit dem öffentlichen Personennahverkehr ja auch so. Ja, das ist tatsächlich wohl so der häufigste Einwand, den sie hört, wenn sie sagt, also wenn es um diesen Umstieg geht, dass ganz viele Leute sagen, ja, ich würde ja aufs Auto verzichten, aber ich habe ja Verwandte, die da und da leben und da komme ich nicht gut hin. Und die brauchen manchmal meine Hilfe und ich muss die manchmal zum Arzt fahren und so weiter. Und ich muss ehrlich sagen, ich kann das total gut nachvollziehen. Das geht mir ähnlich. Ich glaube, das kennen viele, wenn man aus der Stadt innerhalb von Düsseldorf, das Auto stehen zu lassen, ist das eine, die Stadt zu verlassen und in Gegenden zu fahren, wo vielleicht die Anbindung nicht so perfekt ist, ist wirklich was anderes. Da braucht man mal, wie Christian Fähre es ja auch gebraucht hat nach Jüchen, plötzlich dreimal so lange. Und ich glaube, und das sagt halt auch Frau Metzger, ist, dass dieser, also es gibt dafür Lösungen, man muss es sich halt trauen. Und ich glaube, da hat sie wirklich recht und das kann ich mir selber ja auch nochmal als Memo mitgeben sozusagen. Weil es gibt ja genau für solche Fälle, da kann man sich ja zum Beispiel Carsharing-Auto nehmen, um solche Erledigungen zu machen. Dafür braucht man ja theoretisch keinen eigenen Wagen. Der steht nämlich die meiste Zeit tatsächlich am Straßenrand und kostet einfach extrem viel. Und ich fand es total interessant, dass ein Carsharing-Auto, wenn es denn richtig gut genutzt wird, bis zu 20 Privatautos ersetzen kann. Also wenn man sich das mal vorstellt, wie viel Platz wir mehr in den Städten hätten, wenn es einfach mehr Leute nutzen würden und wie gesagt, ich schließe mich damit ein, dann hätten wir bestimmt weniger Verkehr, es wäre angenehmer für alle, wir hätten mehr Platz auf den Straßen. Eigentlich ist es toll. Ja, ich meine, das wird ja auch immer mehr genutzt, oder? Das Gefühl habe ich schon. Also Carsharing, was ich nicht so oft höre, sind Fahrgemeinschaften. Das kann ich auch nachvollziehen. Also mir wäre das auch manchmal zu... Wie gesagt, ich habe dieses Auto, ich nutze das auch, ich nutze das jetzt nicht für jede kleinste Strecke, aber ich muss ganz ehrlich sagen, die Situation, in denen es mir Sachen erleichtert oder in denen ich spontan das benutzen kann und auch verleihen, das finde ich zum Beispiel auch, also das mache ich auch. Also wo das was bringt die wiegen auf dass ich manchmal stunden rum fahre und ein paar platz suche oder halt manchmal genervt bin oder vergessen wo es steht oder irgendwie ist es kaputt besser also diese haus und eine sache die damit zu tun hat ist natürlich auch eine art flexibilität also wenn ich zum beispiel weiß ich muss beruflich irgendwo hin oder ich letztens musste ich nach berlin natürlich bietet sich an mit der bahn zu fahren ich gebe zu ich bin mit dem auto gefahren weil ich einfach wusste, ich kann losfahren, wann ich will, ich bin flexibel und das ist bei Fahrtgemeinschaften natürlich ein bisschen anders und darum, das kann ich mir vorstellen, warum das nicht so drin ist, also so dieses Carpooling, oder? Ich fand es aber ganz, das ist total interessant, dass du das sagst, weil ich fand nämlich, ich habe mir dieses zum Tag der nachhaltigen Mobilität in Düsseldorf, habe ich mir das Panel angehört, genau zu dem Thema Leben ohne Auto und da saßen mehrere Verkehrsexperten, die ganz am Anfang sagen sollten, was für sie nachhaltige Mobilität bedeutet und halt der Verzicht auf das Auto. Und es sagten mehrere Leute Freiheit. Und das ist eigentlich ja genau das Gegenteil von dem, was man erwartet. Weil man denkt, okay, ein Auto, damit bin ich flexibel, das verschafft mir diese Freiheit. Ich bin 18, ich kann losfahren, ich habe einen Führerschein, ich habe ein Auto, ich kann die Welt erobern. Aber irgendwann muss man ja auch ehrlicherweise dazu sagen, wenn man in einer Stadt wie Düsseldorf wohnt, ist das auch ein Klotz am Bein. Das stimmt. Und es kostet viel Geld, man muss sich darum kümmern, es nimmt Platz weg, man muss es ständig suchen. Ja, ja. Oder man muss extra noch einen Parkplatz bezahlen und dafür steht man dann ständig im Stau und regt sich vielleicht über Fahrradfahrer auf. Und insofern fand ich das einen ganz interessanten Perspektivwechsel zu sagen, dass dieses Loslassen vom Auto, zu sagen, ich verzichte jetzt wirklich da drauf und ich probiere mal andere Wege aus. Dass das die eigentliche Freiheit ist. Ja, das ist wirklich spannend. So rum habe ich das natürlich noch nicht gesehen. Also klar, wenn man Sachen loslässt, das ist auch, also wie gesagt, ich hänge jetzt auch nicht mit allem an, was ich habe an diesem Auto, sondern ich habe Ich habe gemerkt, dass bislang die Situation, in der es mir geholfen hat, Stress abgenommen hat, haben irgendwie immer aufgewogen, dass ich halt manchmal mich darüber ärgere. Also vielleicht auch nochmal eine sehr individuelle Sache. Dieses Thema neigt ja dazu, sehr schnell zu polarisieren. So nach dem Motto, man soll bevormundet werden. Ich glaube, dass zumindest diesen Verkehrsexperten, das haben mehrere betont, ging es auch gar nicht darum, dass jetzt alle ihr Auto abschaffen müssen, sondern halt wirklich zu sagen, es ist, selbst wenn man ein Auto hat, Aber zu sagen, ich entscheide mich auf gewissen Strecken dafür, einfach dazu das stehen zu lassen, das hat schon so einen großen Effekt für diese ganze Stadt. Weil wenn alle Menschen in Düsseldorf alle Wege mit dem Auto zurücklegen würden, sagte Frau Metzger, dann würde dieser Verkehr kollabieren. Ja, ich insofern irgendwie, ich glaube, es geht ja um Gedankenanstoß und es muss vielleicht nicht immer so extrem sein, wie Christian Fehrer und seine Familie das machen, dass sie wirklich alles mit dem Fahrrad fahren. Für die ist es die richtige Entscheidung, für andere ist es vielleicht, noch ein Auto zu haben, aber einfach auf dem Weg in die Innenstadt das mal stehen zu lassen und mal ein anderes Verkehrsmittel zu benutzen. Oder es ist vielleicht das Auto geht kaputt, vielleicht nutzt man die Zeit mal, um das auszuprobieren, ohne eine endgültige Entscheidung zu treffen. Das ist nämlich auch was, was ich zum Beispiel überlegt habe, das einfach mal zu testen. Und ich glaube, irgendwie da so offen zu sein, für alle Optionen und alle Verkehrsmittel. Ja, das hast du sehr schön gesagt und ich fühle mich inspiriert, das auch auszuprobieren. Vielleicht mache ich den autofreien Oktober oder so. Dann wird es ja eh, also ich finde auch Autofahren, also das finde ich nämlich, das muss ich noch sagen, ich wollte eigentlich jetzt schließen, weil du das so schön abgerundet hast, aber das finde ich nämlich, ich finde Autofahren stressiger im Herbst als Fahrradfahren. Also ich werde lieber ein bisschen nass, als dieses, alle sind irgendwie nervös und dann regnet es die ganze Zeit und dann. Die tiefstehende Sonne. Und die Licht, genau, und dann auch so die mit Regen und Schlieren und so, also genau. Autofreier Oktober, it is. Kann ja eh, kann ja hier erzählen, was ich will. Also in diesem Sinne versuchen wir das Auto ein wenig öfter stehen zu lassen. Radeln los. Komm mal mit mir Fahrrad fahren. Ich komm mit dir Fahrrad fahren und vielleicht treffen wir auf dem Weg Christian Fähre und seine Nachbarn. Ganz bestimmt. Ich danke dir für dieses mal wieder sehr schöne Gespräch. Bis zum nächsten Mal. Music. Fachkräftemangel herrscht hierzulande in fast allen Gewerben, auch im Bäckerhandwerk. Viele, gerade familiengeführte Unternehmen, müssen deswegen schließen oder sich verkleinern, auch hier in der Stadt. Hilfe kommt jetzt von einem anderen Kontinent. In ein paar Düsseldorfer Traditionsbäckereien haben Auszubildende aus Vietnam angefangen, das Handwerk zu lernen. Maximilian Novroth erzählt, warum es ausgerechnet zu diesem Austausch kommt und wie viel Potenzial darin liegt. Lieber Max. Liebe Tosja, wenn du so frühstückst, gibt es dann eher Müsli oder eher so Brötchen und Croissant? Definitiv Team Müsli. Allein schon, weil meine Kinder auch oder unsere Kinder auch Müsli essen. Ja, da isst man dann irgendwie das Gleiche. Aber so ein frisches Brötchen oder so ein halbwarmes Croissant am Wochenende ist schon was. Damit das auch passieren kann, müssen es natürlich auch Leute herstellen. Es muss Menschen geben, die Croissants backen, die Körner auf Brötchen streuen. Die Brezeln-Form. Das ist ja gar nicht so leicht in Zeiten des Personalfachmangels, Fachkräftemangels. Jetzt gibt es hier in Düsseldorf ja wirklich einige immer noch Familiengeführte und durchaus, also ich bin, muss ich sagen, ich finde unser Brötchen-Game hier in der Stadt ist strong. Ja. Viele Auswahl, viel Qualität, viele Filialen. Ja, wirklich. Also auch viel, ja, und nicht so viele komische Namen für Backwaren, finde ich, so die Kraftlinge und so, aber darüber soll es jetzt gar nicht gehen. Es geht darum, dass sich einige von diesen familiengeführten Bäckereien sich beholfen haben, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, indem sie Menschen engagieren aus anderen Ländern. Genau, also was passiert ist ja, dass immer mehr Bäckereien zumachen müssen. In NRW gibt es ein Drittel weniger aktuell als noch vor zehn Jahren und das liegt vor allem daran, dass die Zahl der Lehrlinge stark schrumpft, weil immer weniger junge Menschen was gebacken kriegen wollen, salopp gesagt. Und was dann Bäckerei Bema gemacht hat, das ist ja eine bekannte Familienbäckerei aus Düsseldorf, vor einem Jahr sich vier Azubis aus Vietnam zu holen. Bedeutet konkret, die haben eine Agentur in Thüringen eingeschaltet, die darauf spezialisiert sind, Auszubildende aus Vietnam nach Deutschland zu lotsen. Die haben in Hanoi, in der Hauptstadt von Vietnam, eine Sprachschule, da lernen die jungen Leute dort Deutsch auf einem Niveau B1, also mittleres Niveau und kriegen dann Stellenanzeigen aus Deutschland und fanden wohl auch Düsseldorf spannend und deswegen haben sich zwei Bäcker und zwei Bäckereifachverkäuferinnen bei BEMA getroffen. Gemeldet und arbeiten da so seit einem Jahr und das hat dann Jan-Patrick Beemer den anderen Handwerksbäckereibetrieben in Düsseldorf erzählt, die auch alle große Probleme haben, junge Leute zu finden, vor allem im Verkauf. Also zum Beispiel Caroline Puppe, Juniorchef in der Bäckerei Puppe, hat mir erzählt, dass die eigentlich im Verkauf gar keine Bewerbungen mehr bekommen für Auszubildende und die natürlich unbedingt brauchen bei der Vielzahl an Filialen und im Ergebnis gibt es jetzt mehr als 20. Auszubildende in Düsseldorf, die im ersten Lehrjahr was mit Bäcker lernen. Also entweder in der Backstube stehen oder, das ist die Mehrzahl Bäckereifachverkäuferinnen, die aus Vietnam kommen. Das finde ich wirklich sehr spannend. Also ich bin über dieses Stück nicht gestolpert, sondern ich habe es einfach gelesen und ja, da ploppen natürlich Fragen auf. Also warum ausgerechnet aus Vietnam? Weil ich würde jetzt nicht sagen, dass das aber das weiß ich auch nicht. Also ist da Backhandwerk auch groß? Also ist das irgendwie oder geht es tatsächlich um dieses Auszubildendenprogramm. Ist das ein Zufall, dass die sich jetzt fürs Backhandwerk hier bewerben? Also ich glaube, der eine Grund, warum Vietnam ist, weil Vietnam ein Land ist, was eigentlich eine herumgekehrte Herausforderung wie Deutschland hat. Also wenn du dir die Bevölkerungspyramide vorstellst, ist das in Deutschland ja keine Pyramide mehr, sondern eher so eine Art Baumstamm, der in dem Alter 50 bis 70 ziemlich dick ist. Also wir haben viele Leute, die ja derzeit in Rente gehen oder bald in Rente gehen werden Und zu wenige, die jungen nachkommen. In Vietnam gibt es super viele junge Leute, also eine höhere Geburtenrate als in Deutschland. Auch eine florierende Wirtschaft, aber weniger Ausbildungsmöglichkeiten. Und die sind jetzt nicht unbedingt alle irgendwie von Geburt an gepolt auf deutsche Croissants und irgendwie Mürbchen ohne Rosinen, aber finden es halt spannend, sich in Deutschland fortzubilden. Und das hat dann eben diese thüringische Agentur entdeckt und die arbeiten wiederum zusammen mit einem Thüringer Bäckermeister, der damit angefangen hat, Bäckerei auszubilden aus Vietnam nach Thüringen zu holen, weil da ist der Fachkräftemangel noch viel, viel stärker als in westlichen Bundesländern wie zum Beispiel NRW. Und dieser Mann, der heißt Markus Scherf, dieser Bäckermeister aus Thüringen, hatte Patrick Beemer davon erzählt, klassisch bei einem Altbier, so vor gut anderthalb Jahren und so entkam die Idee nach Düsseldorf. Verstehe. Und das heißt, wie alt sind die so im Schnitt? Anfang 20. Anfang 20. Das ist ja schon auch ein großer Schritt, dann nicht nur das Zuhause zu verlassen, was für alle wahrscheinlich irgendwie ein großer Schritt ist oder in den meisten Fällen, aber dann auch noch…. Naja, den Kontinent zu wechseln. Für eine Ausbildung, wie sind die dann hier aufgenommen? Also ich meine, man muss sich das halt vorstellen. Es sind 15 Flugstunden, du kannst nicht mal eben so nach Hause, das ist das eine. Und das andere ist, dass die Familien von diesen jungen Menschen auch schon einiges investiert haben, um die überhaupt hier hinzukriegen. Also der Sprachkurs zum Beispiel ist teuer in Hanoi, das Flugticket ist teuer nach Deutschland und dementsprechend stehen die jungen Leute hier auch unter einem gewissen Druck, nicht mal eben abzubrechen, wenn es ihnen nicht gefällt, sondern auch durchzuziehen und die schicken auch einen guten Teil ihrer Ausbildungsvergütung nach Hause. Das ist aber den Düsseldorfer Bäckern auch bewusst gewesen. Also Jan-Patrick Bema hat mir erzählt, dass es wichtig ist, denen eben nicht nur Arbeit, sondern gewissermaßen auch ein Zuhause zu bieten. Und seine Frau, Jessica Aderholt, ist verantwortlich für das Personal bei Bäckerei Bema. Die hat sich diesen Vietnamesinnen und Vietnamesen wirklich persönlich angenommen, mit denen deutsch gepaukt, denen eine Wohnung besorgt, Ikea-Möbel aufgebaut, Deutschland-Ticket organisiert, Papierkram gemacht, also viel gekümmert. Und das war eben auch wichtig, um denen das Gefühl zu geben, ihr kommt hier gut an. Und natürlich hilft denen… Ja, Familien, so Wärme, Nestwärme. Ja, genau, genau. Und was denen natürlich auch hilft, dass die ja eben hier nicht alleine sind. Also einerseits gibt es ja schon eine vietnamesische Community in Düsseldorf. Und jetzt halt in dieser einen Berufsschulklasse, Allie-Heuss-Knapp-Schule, sind von 25 Frauen, die da das Bäckerei-Verkaufshandwerk lernen, 20 aus Vietnam. Also dementsprechend gibt es auch da eine große Gemeinschaft. Ja, ich verstehe. Also ich möchte nochmal ein bisschen auf diesem, ja hier zu Hause ankommen, genau, eine Community gibt es hier, das hast du gerade schon erwähnt, weil es ja auch, also. Eine oder die andere mag es kennen, wenn man so ins Leben startet, dann sind ja auch die Finanzen vielleicht müssen sich erstmal ein wenig etablieren, also wie geht das hier? Also bezahlen die Mieten sind teuer, wenn man sich allein oder auch schon, wenn man sich hier gut auskennt und ein Netzwerk hat und irgendwie auch weiß, ja in dem Stadtteil, in dem Stadtteil also und ein Azubi-Gehalt ist ja jetzt auch nicht. Super ausladend. Wie funktioniert das alles? Ich meine, normalerweise, wenn du in Deutschland eine duale Ausbildung machst, ich habe das ja auch gemacht 2006 damals, wohnst du noch zu Hause, weil du im Bäckerhandwerk zum Beispiel so zwischen 600 und 800 Euro bekommst. Aber die Bedingung, wenn du aus dem Ausland außerhalb der EU nach Deutschland kommst, um hier eine Ausbildung zu machen, damit du ein Visum bekommen kannst, ist vom Berufsbildungsgesetz, dass du mehr als 929 Euro im Monat bekommst. Das bedeutet Bäckerei Bema und eben auch die anderen, Puppe, Hinkel, Pass, Westerhorstmann, die diese Vietnamesen hier beschäftigen, zahlen alle übertariflich. In dem Wissen aber eben auch, dass die Vietnamesen hier sich ja auch natürlich eine eigene Wohnung leisten müssen und komplett andere Herausforderungen haben als deutsche Auszubildende. Und ja, manche haben da echt kreative Lösungen, zum Beispiel Caroline Puppe hat mir erzählt, dass über der Filiale an der Oberkassler Straße ihr Vater eine Wohnung hat und die wurde eh frei und deswegen wohnt jetzt da die Bäckereifachverkäuferin, die sie eingestellt haben. Verstehe. Für eine geringe Miete. Ja, also es ist familiär auch, also nicht nur familiär betrieben dann, sondern auch der ganze Vibe, was ja auch was Besonderes ist, weil das würde ja vielleicht so nicht aufkommen, wenn es jetzt Menschen sind, sind die halt aus... Aus Osterath kommen oder aus North oder sagen wir noch eine Stadt in der Nähe will ich. Also das befeuert das vielleicht ja dann ein wenig auch, dieses Gefühl von Familienbetrieb. Da interessiert mich jetzt noch, wenn es einige sind in der Stadt, haben die dann auch darüber mehr miteinander zu tun? Also verbindet das dann auch die verschiedenen Bäckereien nochmal auf eine andere Art und Weise, weil die sozusagen ihre Lehrlinge aus derselben Community? Also ich glaube, die haben eh eine gute Verbindung zueinander. Es gibt ja auch diesen Verein der Handwerksbäckereien in Düsseldorf, die jetzt im Prinzip alle das mal ausprobieren mit den vietnamesischen Auszubildenden und alle jeweils eine Handvoll beschäftigen. Bei BEMA ist es eben echt viel, weil die es ja schon im zweiten Jahr machen. Die haben 18 Lehrlinge, zehn davon sind aus Vietnam mittlerweile. Klar, und jetzt tauschen die sich halt umso mehr aus und freuen sich auch tatsächlich über die guten Erfahrungen, die die machen, weil die sagen, naja, mit der Sprache ist schwieriger als gedacht, weil dieses B1-Niveau, was einem dann da auf dem Papier präsentiert wird aus Vietnam, stellt sich dann doch als sehr, sehr gebrochenes Deutsch raus. Und es dauert halt, das so aufzupäppeln, dass du dann eben auch bedienen kannst, wenn jemand nur schon sagt, ich hätte gerne drei Brötchen ohne Rosinen, vier mehr Korn und so weiter. Aber, und das ist entscheidend, die bringen halt echt gute Tugenden mit. Das haben ja mehrere Bäckereien gesagt. Das heißt, diese klassischen deutschen Tugenden, Höflichkeit, Pünktlichkeit, Fleiß, Disziplin, sehen, wo Arbeit ist, die dann auch sofort erledigen, das machen wohl alle von denen. Verstehe, ja, du zitierst so schön Herrn Bemer, mittlerweile rocken die den Laden, was ich irgendwie, was ich mir irgendwie, ja, auch ganz, ganz schön vorstelle, weil es ja auch eine Vielfalt nochmal reinbringt, vielleicht auch, obwohl du jetzt sagst und auch schreibst, dass diese, dieser, ja, die Baseline irgendwie dieselbe ist, mit, ne, gucken, wo was passiert und das auch, also, ja, sehen, wo Arbeit ist, pünktlich sein. Ja. Freundlich und so, aber trotzdem ist es ja einfach nochmal ein bisschen was anderes. Meinst du, das wird sich auch irgendwann im Angebot, im wahren Angebot niederschlagen? Bun-Me-Sandwiches beim Bäcker. Ja, also ich meine, mein Traum. Kann sein. Also es kann wirklich was verändern. Ich meine, es ist ja, wie gesagt, 20 von 25 in einer Klasse aus Vietnam ist ja schon ein enormer Wandel, der sich sehr schnell vollzogen hat und ganz ehrlich, wenn das gut läuft, warum soll da nicht noch mehr kommen? Ja. Und natürlich ist eine interessante Frage, was passiert nach der Ausbildung? Also ich habe jetzt mit einer gesprochen, die bei Puppe angefangen hat, Anfang August. Ihren wirklichen Namen kann ich leider nicht aussprechen, aber sie wird Hanni genannt. Sehr nette junge Frau und sie hat mir gesagt, sie möchte gerne dort bleiben und danach auch nicht unbedingt direkt wieder zurück nach Vietnam, sondern hier in Düsseldorf vielleicht Meister machen und eine eigene Bäckerei öffnen. Wie lange geht die Ausbildung? Drei Jahre. Drei Jahre, ja. Das ist ja schon auch, stelle ich mir vor, dann braucht man ja vielleicht ein Dreivierteljahr, bis man hier so richtig angekommen ist. Und dann muss man sich ja auch schon wieder verabschieden fast, also das vergeht dann bestimmt schnell, ne? Witzigerweise gibt es auch ein paar Pärchen, also wo dann zum Beispiel die Frau Verkäuferin ist in einer Düsseldorfer Bäckerei und ihr Freund in einer anderen, in der Backstube arbeitet. Und warum soll sich daraus nicht ein erfolgreiches Unternehmerpaar ergeben? Und meinst du dann wird das irgendwann, also bleibt das das einzige Partnerland oder meinst du dieses Modell kann sich auch, also gibt es auch Agenturen, die das in andere Länder fahren, also Bäckerei, FachverkäuferInnen aus Brasilien oder? Also ich glaube, das kommt ganz auf die Agentur an. Da habe ich jetzt wirklich zum allerersten Mal gehört, dass aus einem Land eben in unsere Stadt Düsseldorf so viele auf einmal kommen. Aber ja, ich meine, der Fachkräftemangel zieht sich ja durch alle Bereiche und ich denke, so dieses gezielte Rekrutieren, wenn sich das als Erfolgsmodell rausstellt, da werden noch weitere kommen, klar. Weil das macht die Agentur auch, die sind nicht nur für BäckerInnen, das war jetzt ein Zufall, dass sich sozusagen so viele für dieses Handwerk entschieden haben oder hier dafür interessiert haben. Und hast du auch ein bisschen raushören mitbekommen können, wie das für die Kundschaft ist? Also in meiner Welt ist das natürlich, also ist das nicht zu erwähnen, aber also gibt es da irgendwie? Also ich konnte leider nicht mit Kundinnen und Kunden sprechen, aber ich habe das Frau Puppe gefragt und sie meinte, naja, klar gibt es irgendwie zwei, drei, die dann grantig sind und sagen, jetzt lerne doch erstmal Deutsch, warum verstehen sie mich nicht? Aber es gibt auch eine Menge, die das erstmal toll finden und spannend und auch merken, ja, sie versteht vielleicht nicht alles, aber sie will und das ist ja das Entscheidende und die dann halt per Körpersprache zeigen, was die wollen. Das ist ja auch immer noch eine sehr gut deutsch sprechende Kollegin nebendran, die das regelt, die werden ja nicht alleine gelassen. Ja, und es sind auch, also das ist ja auch vielleicht tatsächlich eine Tätigkeit, obwohl die natürlich, ja es ist ein, glaube ich, sehr harter Job auch, allein mit den Arbeitszeiten und so, aber da ist es ja vielleicht auch nicht so schlimm, wenn es mit Händen und Füßen sich verständigt wird oder mal ein bisschen, also da muss es nicht so schnell, schnell präzise gehen und es geht vielleicht nicht um Themen, die, wenn man sich da um ein Wort vertut, dass dann direkt irgendwie in der falschen Schnelle was aufgeschnitten wird oder so. Also jetzt zitierst du Caroline Puppe, die sagt, sie hätte ohne das Personal wahrscheinlich keine Auszubildenden im Verkauf gefunden. Meinst du, dass das so ein bisschen ein Schneeball-Effekt ist? Viel zu groß gesagt, aber dass das ein bisschen vielleicht hinter sich zieht, wenn man jetzt sieht, also ich gehe jetzt in eine Bäckerei, sehe, ach guck mal, da sind junge Leute, die eine Ausbildung machen. Also da bewegt sich was, jetzt wird darüber berichtet und so, dass das dann auch mit sich zieht, dass es vielleicht auch wieder mehr Leute, junge Menschen dazu animiert sich, Kann durchaus sein, dass es sozusagen den coolen Faktor von diesem Beruf und auch von dieser Branche erhöht. Ich meine, wenn man sich bei Bäckerei Bulle zum Beispiel umschaut, da arbeiten ja sehr viele junge und irgendwie hippe Leute. Und es gibt so diesen Bäckerhandwerken ein ganz anderes Gefühl, als wenn man da nur in Anführungszeichen 50- und 60-Jährigen kurz vor der Rente gegenüber tritt. Also ich glaube, es kann nur helfen. Und was wären Berufe, warum Leute aus Deutschland nach Vietnam gehen? Wie würde die Agentur andersrum funktionieren? Ich war in Vietnam 2016 drei Wochen auf Reisen und mich hat sehr das Schneiderhandwerk beeindruckt. Insofern, da könnte man sich, glaube ich, aus Deutschland noch was abschauen. Die Achse andersrum gefahren werden. Ja, spannend. Das bedeutet, wir werden bei den verschiedenen Bäckereien hier in der Stadt demnächst immer mehr junge Menschen sehen, die da eine Ausbildung machen. Das ist doch sehr schön. Und ja, vielleicht vermischen sich auch irgendwann dann mal die kulinarischen Welten und das Angebot wird ein wenig ausgebreitet. Ich danke dir sehr für dieses Gespräch. Ich hole mir jetzt ein Croissant. Bis später. Danke, Tosja. Bis dann. Tschau. Music. Kurze Pause. Vielleicht mit etwas Werbung. Königin der Instrumente wird sie genannt, die Orgel. Dass wir wahrscheinlich alle direkt an Kirchen denken, liegt nahe. Schließlich ist sie dort häufig beheimatet. Aber das Instrument, das übrigens weniger mit Klavier zu tun hat, als man denkt, ist so vielfältig wie spannend und fühlt sich in vielen verschiedenen Musikstilen zu Hause. Ein ganzes Festival wird der Orgel deswegen gewidmet. Das IDO Festival in Düsseldorf geht Ende September an den Start. Mit Intendantin Friederike Möller habe ich über das Programm, die Philosophie und die Entwicklung des Festivals gesprochen. In einem, naja, Turmzimmer-ähnlichen Raum sitzt mir gegenüber Dr. Friederike Möller. Hallo. Hallo. Es freut mich sehr, dich hier zu Gast zu haben, dich begrüßen zu können, beziehungsweise, wenn wir ganz korrekt sind, begrüßt du mich ja in deinen heiligen Hallen. Und ich sehe, hier stehen einige Instrumente mit Tasten herum. Was ich nicht sehe, ist eine Orgel. Die sind so schlecht transportabel. Hier stehen mehr so Tasteninstrumente mit Saiten drin. Oder Stahlstäben. Die man gut hin und her transportieren kann, das stimmt. Also dass ich jetzt hier nicht auch noch von Orgel gebrause und massivem Klang begrüßt werde, das stimmt. Ja, ist gar nicht so schlimm. Ich wurde begrüßt mit einem netten Lächeln und einem wirklich sehr guten Kaffee. Vielen Dank nochmal dafür. Wir reden aber heute über Orgeln. Wir, naja, jetzt sage ich es doch, wir orgeln uns hier durchs Gespräch. Du bist, das nehme ich jetzt mal vorweg, Intendantin des IDO-Festivals. Genau, des Internationalen Düsseldorfer Orgel-Festivals. Da kommt der Name her. Da schließt sich der Kreis. Wenn ich jetzt das Internationale Düsseldorfer Orgel-Festival höre, Da gehen natürlich sofort irgendwie die Ideen los, was könnte das alles bedeuten? Sind es nur Kirchenorgeln? Sind es auch Mundorgeln? Was sind eigentlich Orgeln? Ab wann ist eine Orgel eine Orgel? Darüber werden wir jetzt ein wenig plaudern. Zuallererst fände ich es aber schön, wenn du ein bisschen erzählst, wer du bist, wo du herkommst und was dich 2018 zum Ido verschlagen hat, sozusagen. Also, das ist der große Rundumschlag. Ich mache es kurz. Ich bin jetzt seit 20 Jahren mit ganzem Herzen Rheinländerin Aber eigentlich komme ich aus dem schönen Ostwestfalen, aus Bielefeld. Und mich hat es ganz klassischerweise hier zum Studium an die Robert-Schumann-Hochschule, zum Klavierstudium, verschlagen. Und das war mein Einstieg ins Rheinland. Dann war ich noch ein bisschen in München, ein bisschen in Köln, ein bisschen in Warschau und habe aber immer einen Fuß in Düsseldorf behalten. Da begann es schon mit der Düsseldorf-Liebe. Und ich bin Pianistin, Musikwissenschaftlerin, Kulturmanagerin und vor sechs Jahren meldete sich bei mir das Ido-Festival, ob ich mir nicht vorstellen könnte, da mitzuarbeiten. Das Ido-Festival gibt es ja schon ein wenig länger, also das ist jetzt nicht auch erst seit 2018 im Entstehen, nicht wahr? Genau, das ist jetzt die neunzehnte Ausgabe. Gegründet hat es Herbert Ludwig vor neunzehn Jahren mit einer kleinen Crew drumherum, aber im Wesentlichen er. Das ist wirklich eine unglaubliche Leistung. Dieses Festival ist seitdem immer gewachsen. Im nächsten Jahr haben wir also die große Jubiläumsausgabe, die 20. Und wenn wir nicht gerade Corona haben, dann haben wir eben 10.000 Besucherinnen und Besucher. Und wir versuchen wirklich, das ganze Stadtgebiet im Herbst zu beorgeln. Mit allem, was im Entferntesten noch Orgel ist. Aber auch noch natürlich mit den tollen großen Orgelanlagen, die wir hier in dieser Stadt haben. So ist es gekommen. Und seit letztem Jahr habe ich es als Intendantin dann gesamt übernommen. Okay, wow. Also genau, wie du schon gesagt hast, es gibt ja, das lerne ich auch, obwohl ich ja auch hier, was heißt auch, also ich bin ja in Düsseldorf born and raised, ich lerne immer noch neue Kirchen kennen, wo sich ja so Orgeln im Natural Habit jetzt irgendwie wahrscheinlich am meisten aufhalten, außer natürlich die Jazz-Orgeln, aber die klassischen Orgeln, wie sie uns wahrscheinlich alle direkt irgendwie vom Auge erscheinen. Also das ist in vielen Kirchen auch viele verschiedene Orgeln. Gibt, das kann ich mir schon vorstellen. Aber genau, vielleicht fangen wir da mal an. Also wie kommt jemand, wie kommt es dazu, dass man ein ganzes Festival einem ja doch eher. Selten gespielten Instrument in der allgemeinen Wahrnehmung widmet? Das hast du aber jetzt schön ausgedrückt. Großartig. Ja, das ist aber natürlich auch von Land zu Land unterschiedlich. Also in Deutschland In Deutschland ist das natürlich sehr geprägt von der Kirchenmusik, was wir so über Orgeln denken. Das ist in England aber zum Beispiel anders. Da hat die Konzertorgel eine ganz andere Tradition. Das kann man zum Beispiel sehen, in Duisburg ist in der Mercatorhalle in den letzten Jahren eine wahnsinnig tolle Euler-Orgel eingebaut worden und die ist nach dem Vorbild von englischen Konzertorgeln da reingesetzt worden, also in einen Konzertsaal. Und wenn man so die Konzertseele anschaut, die so in den letzten zehn Jahren gebaut worden sind, auch die Elbphilharmonie, da sind Orgeln drin. Und zwar nicht immer nur auch unbedingt für den, sage ich jetzt mal, also tatsächlich klassischen Musikgebrauch, sondern es gibt ja auch…, Jazz-Rock-Orgel? Das wären, ich würde mal jetzt grob sagen, das wären andere Orgeln. Das haben wir aber im Ido-Festival natürlich alles. Wir haben ja auch eine eigene Jazz-Reihe und dann schleppen wir hier die Hammond-Orgeln durch die Stadt. Ja. Und ich habe insofern, die Jazz-Reihe habe ich schon vorgefunden, aber ich habe das Festival auch noch so geöffnet, dass wir eigentlich inzwischen alles mitnehmen, was Orgeln, Synthesizer, Tasten und Und inzwischen gibt es sogar ein Konzert mit Live-Elektronik diesmal und Musiktheater-Performance. Und ich habe mir sogar erlaubt, eins ohne Orgel zu machen dieses Jahr, nämlich mit Akkordeon. Die kleine Schwester. Ich verstehe. Bevor wir da zu den genauen Familienverhältnissen kommen, zwischen den einzelnen Orgeln. Ich muss natürlich ganz transparent sagen, dass das Thema Tasteninstrument und auch mein Wissen, wissen, was die verschiedenen Gattungen der Orgel angeht, jetzt nicht ganz unbefleckt ist, da ich ja auch ein wenig aus dem Bereich komme. Also wenn wir jetzt hier so völlig selbstverständlich mit Vokabeln wie Hammond-Orgel um uns schmeißen, dann darum müssen wir vielleicht gleich noch mal ein bisschen näher da drauf eingehen. Aber jetzt noch mal ganz kurz zurück. Genau, dann gibt es da jetzt also verschiedene Orgeln. So viel habe ich jetzt verstanden. Und dann denkt man sich, ach, so einen ganzen Monat oder zwei Monate einfach mal nur die Orgeln präsentieren, das wäre doch eine Idee. Also wie ist die Genese dieses Festivals? Kannst du das ein bisschen umreißen? Die Genese ist tatsächlich, dass es ein Stadtteil-Festival sein soll. Ich versuche also möglichst viele Stadtteile mit zu berücksichtigen und eben nicht nur die Altstadt, wobei da natürlich sehr viel los ist, weil da auch die vielen tollen Kirchen sind. Das Zweite ist, dass es eben nicht nur rein klassisch ist, sondern eben auch Jazz, Cross und noch alle möglichen anderen Gattungen interdisziplinärer Art umfasst. Das ist schon mal ganz wesentlich. Und dann ist natürlich der nächste Schritt. Ich sage mal, die Orgel ist im Herbst für fünf Wochen, während das Ido-Festival läuft, die Gastgeberin. Also die kann zurücktreten oder Kammermusik machen oder mit japanischen Trommeln zusammenspielen, für die wir dann extra Kompositionen erstellen lassen. Es gibt zeitgenössische Musik, wo wir, ich habe ein Concertino in Auftrag gegeben für Orgel, Solo und Kammerorchester. dass da sowas gibt es eigentlich gar nicht als Gattung. Also es gibt wirklich alles, was es nicht gibt. Stummfilmbegleitung ist ein wichtiges Thema. Haben wir diesmal zweimal dabei. Es gibt ja in der Blackbox die Stummfilmorgel, ne? Die ist jedes Jahr dabei. Und ich habe einen, finde ich, echt tollen Film ausgesucht, nämlich Orlachshände von Robert Wiene. Da werden einem Pianisten die Hände eines Mörders transplantiert. Ich habe gedacht, wo wir bei Tasten sind, ist das der ideale Film. Aber hallo. Genau, insofern... Deswegen versuche ich schon, und das ist auch die Idee des Festivals grundsätzlich, den Blick auf die Orgel zu erweitern und die Perspektive darauf zu verändern. Und natürlich stehen die in Kirchenräumen. Das ist ja auch das Faszinierende daran, dass man ein Instrument hat, was extra für einen bestimmten Raum konzipiert ist. Das gibt es ja nur da. Das ist ja total faszinierend. Und dann gibt es natürlich unglaublich viele interessante technische Raffinessen im Orgelbau der letzten 50 Jahre, was da alles sich entwickelt hat und was da möglich ist. Was hat sich zum Beispiel, also ich finde erstmal, finde ich es total spannend oder interessant, dass die Orgel, natürlich aufgrund des Artikels ist es irgendwie eine, also es ist die Orgel, es ist weiblich, aber sofort habe ich auch so ein majestätisches Königinnenbild. Also die, auch als du dann gesagt hast, das ist die Gastgeberin, also es hat schon was sehr majestätisches, elegantes. Also das möchte ich zuerst noch einfach mal sagen, dass ich dieses Bild irgendwie direkt habe. Empfindest du das auch so? Ja, das liegt natürlich auch sehr an der Musik, die man damit zusammenbringt. Das ist in Deutschland natürlich auch sehr diese pompöse Barockmusik, das ist Händel, das hat was wahnsinnig Majestätisches und Theatralisches. Und dann ist das natürlich 19. Jahrhundert dann extrem französische Orgelmusik. Das hat auch immer leicht sowas von, ich überwältige dich, muss es aber nicht. Aber das ist natürlich etwas, was man damit auf jeden Fall in Verbindung bringt, eben weil die Orgel es kann. Die kann natürlich auch leise Töne, aber sie kann eben dieses Große und das ist natürlich auch ein Grund, warum es sie gibt. Ja, kannst du mal wirklich, also ganz grundlegend, auch für mich, ob schon ich ja eben gesagt habe, dass das Thema jetzt nicht völlig fremd für mich ist, was ist die Orgel? Also die Orgel ist ein Tasteninstrument, aber hat ja schon mal keine Saiten. Genau. Anders als ein Klavier. Genau, im Prinzip, wenn man das jetzt ganz einfach mal mit einem Tasteninstrument wie einem Klavier vergleichen wollte, ist die Orgel eigentlich. Im Prinzip ist die kleinste Form der Orgel eine kleine Panflöte, wo man eben verschiedene Rohre aneinander setzt und die werden dann eben durch Wind in Bewegung gebracht. Früher musste da irgendwie jemand schweißtreibend auf so einem Blasebalk rumtreten, heute kann man das elektrisch regeln, das ist nicht mehr nötig. Also es ist ein Windinstrument? Das ist ein Windinstrument. Deswegen ist das was ganz anderes. Ich habe auch mal viele gefragt, du bist doch jetzt Pianistin und leitest ein Orgelfestival und kannst du jetzt auch Orgel spielen? Ja, also ich habe inzwischen auch Orgelunterricht, einfach auch um ein bisschen Idee davon zu haben, wie man das einordnen kann und mich vor allem hinterher mit allen nach dem Konzert besser unterhalten zu können mit den Künstlerinnen und Künstlern, die ich einlade. Aber ansonsten würde ich sagen, du kannst neben einer Klaviertastatur, einer Orgeltastatur auch noch eine Computertastatur stellen. Das sind alles Tastaturen. Die haben gar nichts miteinander zu tun. Ja, das ist, also mir würde das wahrscheinlich auch so gehen, weil genau, ich sehe ja die Tasten, ich sehe ja nicht die Mechanik dahinter. Und genau, jetzt haben wir ja ein bisschen diese Kirchenorgeln uns vor Augen geführt und wie eben schon gesagt, jetzt haben wir so Sachen erwähnt wie die Hammond-Orgel oder Synthesizer sind ja auch Orgel. Nein, das ist wieder was anderes. Ja, da muss man ein großes Herz haben, dann kann man sagen, es kommt halt immer auf die Klangerzeugung an. Eine Hammond-Orgel ist auch elektronisch. Das ist ja so diese Jazz-Orgel. Genau, die bringen dann so ihren eigenen Verstärker mit. Das ist immer schon ganz aufregend, weil man irgendwie gucken muss, gibt es da irgendwie Rampen, wo man das Ding hochschieben kann? Und dann bringen die ihre Leslie, ihren Verstärker mit. Und dann ist das schon irgendwie ein wahnsinnig gutes Bühnenbild. Ja, also genau. Was ich so ein bisschen jetzt, wo ich so ein bisschen hinleiten möchte, ist natürlich, genau, das ist dann im Rahmen dieses Festivals von wann bis wann geht es eigentlich? Wann legt ihr los? Wann hört ihr auf? Es geht immer fünf Wochen. Diesmal geht es am 27. September los. Das ist der letzte Freitag im September. Und dann geht es eigentlich, muss ich sagen, immer bis zum ersten Montag im November. Das ist der 4. November. Aber ich habe dieses Jahr mir einen großen Herzenswunsch erfüllt und noch eine Orgelnacht, die erste Ido-Orgelnacht ins Leben gerufen. und die wird am 29. November in St. Antonius in Oberkassel stattfinden. Also tatsächlich, der ganze Herbst wird getragen von Orgelklängen jeglicher Couleur und jeglicher Tonfarbe. Auf jeden Fall. Ich stelle mir vor, dass so ein Festival zu planen natürlich sehr, sehr, sehr aufwendig ist. Wie groß ist die Orgelszene? Also du hast ja eben schon ein bisschen erwähnt, dass es in anderen Ländern auf jeden Fall ein bisschen mehr noch im Flow ist, dass das Orgel auch mitgedacht wird vielleicht in Musik. Ja, nee, das würde ich so nicht sagen. Ich wollte eigentlich sagen, dass sie eine andere Perspektive auf das Orgelmusik-Thema haben, so durch die letzten Jahrhunderte hindurch. Aber die Orgelszene in Deutschland ist natürlich riesig. Wir haben hier einige der tollsten Orgeln, die man überhaupt haben kann. Wo sind die so? Also was ist eine tolle Orgel? Also eine tolle Orgel hat natürlich häufig was mit Größe zu tun. Ich finde, muss sie aber nicht unbedingt. Also es gibt diese unglaublich schön restaurierte Orgel in Urdnbach. Da kann auch sogar noch jemand treten, den Blasebalg, wenn man das möchte. Die ist wunderschön mit einem ganz herrlichen Nachtigallregister. Da muss man Wasser reinschütten und dann hört man, es ist wundervoll. Und dann gibt es aber natürlich so eine riesige Orgelanlage, wie die in St. Antonius in Oberkassel, wo alle möglichen technischen Gimmicks drin sind. Die kann auch alleine spielen. Das ist schon ein technisches Meisterwerk. Die hat ein riesiges Fernwerk in der Kirchenkoppel. Man kann verschiedene Orgeln im ganzen Raum damit ansteuern. Also wir haben wahnsinnige Orgeln in dieser Stadt, aber auch aus den unterschiedlichen Jahrzehnten durchaus ganz, ganz verschiedene. Natürlich in den Altstadtkirchen ist es wirklich dicht gedrängt und das ist ganz klasse, was es da gibt. Gerade ist die Riga-Orgel in Lambertus wahnsinnig restauriert worden. Das feiern wir auch richtig im Herbst und wir haben diesmal fast jeden Montag da ein Orgelkonzert, manchmal mit vier Tuben. Tuba ist nämlich das Instrument des Jahres, vom Deutschen Musikrat ausgerufen. Habe ich gleich aufgegriffen. Genau. Insofern ist die Auswahl riesig hier in dieser Stadt. Was ist die kleinste Orgel in der Stadt? Die kleinste Orgel? Jetzt sage ich bestimmt was Falsches. Nee, ich glaube, da muss ich passen. Wenn ich das jetzt sage, dann sagt irgendjemand anders, nein, meine ist noch kleiner. Es gibt natürlich Orgel-Positive. Das sind so die kleineren, die so Richtung Toy-Piano-Orgel gehen. Ja, da wollte ich jetzt auch ein bisschen drauf hinaus. Du bist ja, chapeau. Du gehst ja auch noch eins kleiner. Also du hast ja noch eine Reihe neben dem Orgel-Festival. Also ich bin ganz sicher, du machst ganz, ganz, ganz viele fantastische Sachen. Aber du hast noch eine Sache. Und ich sehe hier auch aus dem Augenwinkel schon ein kleines Exemplar stehen. Ein Toy-Piano. Genau, das ist Flügel to go. sag ich immer, Und es gibt die kleine Toy-Piano-Festival-Reihe, jetzt auch seit 2018, die ist immer im Herbst. Das sind so drei bis fünf Veranstaltungen, je nach Größe der Veranstaltung natürlich. Und da gibt es eben Musik und Bearbeitung rund um diese kleinen Spielzeugklaviere, die in Deutschland gar nicht so eine Tradition haben, aber in Japan, Frankreich und den USA. Und davon habe ich auch eine ganze Sammlung und die erklingen dann. Also insofern, das ist ganz lustig, weil aus der Perspektive von einem Toy-Piano ist eine Orgel natürlich riesengroß. Minni und Maxi wie per Definition. Ihr bespielt, wie du ja schon gesagt hast, die ganze Stadt, im schönsten Falle irgendwie alle Stadtteile. Es ist ja dann bestimmt schon ein bisschen dran gebunden, wo die Orgeln stehen, wo die Veranstaltungen sind. Jetzt haben wir schon gelernt, es gibt auch Orgeln, die man bewegen kann. Was wäre so ein Ort, wo du sagst, wenn da eine Orgelstunde, das wäre, also weiß ich nicht, im Aquazoo, auf dem Rheinturm. Also wo denkst du da mal eine Orgel hinbringen? Das ist total witzig, dass du das sagst mit dem Aquazoo, weil wir hatten auch schon mal eine Wasserorgel da und da habe ich gedacht, oh, das wäre eigentlich super, wenn wir so eine Veranstaltung mal im Aquazoo machen. Also Aquazoo wäre schon weit vorn, doch das fände ich wirklich ziemlich gut. Ja. Ja, also ich hatte auch schon mal an die Böhlerwerke gedacht. Also da hätte ich, glaube ich, wirklich Spaß dran. In so einer ganz anderen Umgebung als so das natürliche Habitat. Ja, genau. Das denke ich mir. Das ist ja auch bestimmt spannend, wenn man halt die Musik in die Stadt bringt und dann, wenn es natürlich aber dann instrumentenmäßig ein bisschen eingeschränkt ist oder ein bisschen mehr, Ideenreichtum braucht, wie man das dann vielleicht bewerkstelligen kann, da stelle ich mir eine Herausforderung vor. Ja, aber ich glaube, wir haben dieses Jahr auch den ersten Schritt gemacht, Weil ich habe dieses Jahr zum Beispiel die Bergerkirche auch dazu genommen. Da steht zwar noch, jetzt sage ich gleich bestimmt irgendwas Falsches, da steht das Orbit. Das ist aber tatsächlich jetzt ein Raum, wo wir Instrumente, Orgel ähnlichst oder kleine Orgeln da jetzt hin transportieren werden, um den für uns zu bespielen. Insofern, glaube ich, kommt das Festival noch aus den Kirchen raus und verbreitet sich noch über das Stadtgebiet. Kannst du mal ein bisschen über das Programm jetzt, also kannst du es ein wenig umreißen? Also es gibt Konzerte in den Kirchen. Was sind so deine Highlights? Was sind vielleicht Sachen, auf die du ganz besonders hingearbeitet hast? Gibt es so Dauerbrenner? Also gibt es Künstlerinnen, Künstler, OrganistInnen, die jedes Jahr zu Gast sind? Also was ist so ein bisschen... Das diesjährige Festival, was erwartet uns? Ja, also die Idee des Festivals ist natürlich richtig tolle Organistinnen und Organisten, die wir aber übrigens auch in der Stadt haben. Also es ist jetzt nicht so, dass ich immer nur alle einlade. Ich lade ganz viele ein, aber eben auch damit die mit der lokalen Szene vor Ort hier interagieren. Wir lassen viele Programme neu machen. Also es gibt hier wirklich gar nichts von der Stange. Und es gibt aber auch viele Gruppen, die wir seit Jahren einladen, wie eben Wadukio mit japanischen Trommeln. Das ist hier unser Riesenreißer in der Johanniskirche und aber auch einige Organistinnen und Organisten, wo wir denken, das ist einfach klasse, die prägen einfach das Bild des Festivals und entwickeln das Festival ja auch mit und haben dann immer schon ganz tolle neue kreative Ideen, was sie so gerne in den nächsten Jahren mit wem hier vor Ort gerne machen würden. Ja. Und dieses Jahr machen wir, ich bin dazu übergegangen, immer so einen Ido-Vorabend am Freitagabend zu machen. Da kommt Christian Schmidt, das ist einer der ganz großen deutschen Organisten, der wirklich weltweit unterwegs ist und bringt seinen Lieblingstrompeter Sebastian Berner mit und dann wird es eben ganz pompös. Ist zum Teil mit Barockmusik, aber auch mit vielen zeitgenössischen Klängen Ido vorabendmäßig eröffnet. Und dann machen wir am 28.09. Die große Eröffnung und ich habe mich dafür entschieden, ein Mitsingen-Konzert zu machen. Um das Ganze einfach noch mehr zu öffnen und zu sagen, hallo, wir sind jetzt hier, macht mit, so die nächsten fünf Wochen. Und da freue ich mich schon drauf. Ja, toll. Das ist wichtig. Dann eben, habe ich schon gesagt, die japanischen Trommeln. Das ist dann Mitte Oktober. Und dann haben wir zweimal Stumpffilm im Programm. Das ist wirklich super. Wir haben auch einen Tastenabend. Das habe ich mir sehr gewünscht. Von Toy Piano bis Orgel ist alles dabei, inklusive Klavier-Duo. Dann machen wir zwei Veranstaltungen im Max-Haus, da geht es einmal um Bert Kempfert da kommt eine ganz tolle Jazz- Kombo rund um Gero Körner der eben seine Hammond-Orgel da rein schleppen wird und Christine Corvisier spielt Saxophon und dann machen die, Bert Kempfert hat ja Strangers in the Night komponiert und so kleine Jazz-Homage an ihn. Verstehe. Da gibt es dann noch einen Tango-Abend mit Akkordeon, den habe ich eben schon erwähnt, also alles rund um Pia Zoller und so weiter. Und das sind so einige meiner Highlights. Also ich mache tatsächlich, wir machen ein Konzert auch immer in Duisburg, in der Salvatorkirche, das ist unsere einzige Außenstelle. Und da habe ich ein Programm machen lassen rund um Udo Lindbergh und Herbert Grönemeyer. Ah, okay. Spannend. Das gibt es dann da auf der Orgel. Ich habe in Gronau auch mal eine Zeit lang gewohnt, weil ich ja aus der Seele in Entschiede studiert habe ein Jahr und da habe ich auf der Udo-Lindenberg-Straße gewohnt oder am Udo-Lindenberg-Platz. Nein. Ja, ja, klar. Das ist ja alles. Ach, das ist ja ganz großartig. Da muss ich gerade dran denken. Super, aber ich habe auch den Dudelsack dabei. Ich habe die vier Tuben dabei, habe ich eben schon erwähnt. Aber wenn wir hier in der Stadt sind, müssen wir natürlich irgendwie auch Oskar Gottlieb Blah feiern. Das ist ja hier der große heilige Organist, der dieses Jahr 90 geworden ist und ich glaube, die Orgelmusik in dieser Stadt sehr geprägt hat. Ohne den ich übrigens auch das Orgelfestival gar nicht kennen will. Das war nämlich seine Idee und da gibt es großen Hommageabend in der Johanniskirche. Also ich glaube, es ist wirklich ein sehr vielfältiges Programm. Wir haben eine Musiktheater-Performance in der Bergerkirche und mir fällt langsam nicht mehr viel ein, was wir irgendwie noch nicht hatten. Aber ich glaube, bis nächstes Jahr habe ich noch gute Ideen. In Richtung Ausstellung. Ich möchte noch mal fragen, also wir haben jetzt klassische Musik, also Kirchenbezogene mit Kirchenhintergrund. Wir haben Zeitgenössisches, wir haben Jazz-Musik. Wo ist die Rockorgel? Wann kommt die? Also was ist die Rock? Also irgendwie habe ich immer im Kopf so, es gibt doch Rockorgel. Ja, das stimmt. Wir hatten auch schon mal einen Punkrockabend. Dies Jahr nicht. Wir hatten es schon. Aber es gibt es. Darauf wollte ich nur sagen. Natürlich. Also Orgel kann alles. Orgel kann tatsächlich alles. Was für ein wunderschöner Abschluss. Das Wetter kann im Moment auch alles. Es regnet, sehe ich gerade. Also wenn im Hintergrund irgendwie Geräusch zu hören ist, dann ist das auf jeden Fall der Regen, der hier auf die Fenster prasselt, aber das war jetzt nur für den Schnitt. Also, Orgel kann alles, was für ein wunderschönes Abschlusswort. Vielen, vielen, vielen Dank für das Gespräch und die kleine Führung durch die Geschichte der Orgel und des Edo-Festivals. Schön, dass du da warst. Bis bald. Bis bald. Das war der Rheinpegel für diese Woche. Wenn ihr uns eine riesengroße Freude machen wollt, so wie Ed Sheeran, der Joggerin vom Boot hinunter, dann abonniert diesen Podcast, bewertet ihn mit Punkten, mit Daumen, mit Sternen, teilt ihn und erzählt davon. Empfehlt ihn Menschen, die Düsseldorf lieben oder noch viel besser, die das noch lernen sollen. Mein Name ist Tosja Krollmann. Vielen Dank fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Tschüss. Den Rheinpegel gibt es jeden Donnerstag neu. 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