Latest / ntv Wirtschaft / In Niedersachsen wird umgerüstet: Volkswagen verkauft Werk in Osnabrück
Transcript
- 0:04Das erste Autowerk in Deutschland wird zum Rüstungswerk. Volkswagen zieht sich
- 0:09komplett aus Osnabrück zurück und will dem Standort eine neue Perspektive geben.
- 0:15Die deutsche Industrie drosselt ihre Produktion überraschend deutlich,
- 0:19vor allem wegen der Autoindustrie.
- 0:21Und in wenigen Jahren könnten hierzulande mehr als 700.000 Fachkräfte fehlen. Hallo.
- 0:29In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:34die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:39Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:44Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:48geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:54Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die Märkte heute überraschend wenig bewegt.
- 0:59Dafür gab es einen Paukenschlag aus Niedersachsen. Von Volkswagen.
- 1:04Nur wenige Tage nachdem der Sparplan vom Aufsichtsrat durchgewunken wurde,
- 1:08verkündet der Autobauer jetzt, das Werk in Osnabrück wird verkauft.
- 1:13Der israelische Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen übernehmen
- 1:17den Standort und wollen ihn nach dem Ende der Autoproduktion 2027 schrittweise
- 1:24zu einem Zentrum für Verteidigungsindustrie umbauen.
- 1:27Als erstes sollen dort Luftverteidigungssysteme des israelischen Iron-Dome-Herstellers
- 1:33Raphael produziert werden.
- 1:35Die Details sollen in den kommenden Monaten noch ausgehandelt werden.
- 1:39Von aktuell rund 1.800 Volkswagen-Mitarbeitern sollen aber, Stand jetzt,
- 1:45schon 1.400 langfristig eine Zukunft in Osnabrück haben, sagt der Betriebsrat.
- 1:51Für den Rest der Stammbelegschaft werde weiter eine Lösung gesucht.
- 1:55Die Betriebsratschefin bei Volkswagen, Daniela Cavallo, äußerte sich sehr zufrieden
- 2:00über den Deal für Osnabrück.
- 2:02So wie auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies.
- 2:06Der heutige Tag ist für meine Kolleginnen und Kollegen hier in Osnabrück und
- 2:10auch für mich enorm wichtig.
- 2:11Denn wir haben vor zwei Jahren in unserer tariflichen Auseinandersetzung 2024 hart darum gerungen,
- 2:18dass der Vorstand sich weiterhin verantwortlich fühlt, für den Standort Osnabrück
- 2:23eine Zukunftsperspektive zu generieren, eine langfristige Zukunftsperspektive und zwar nicht
- 2:29eben den Standort auslaufen zu lassen in dem Moment, wo das T-Roc Cabrio ausläuft.
- 2:34Insofern stehen wir heute hier und können der Belegschaft endlich nach zwei
- 2:37Jahren mitteilen, dass es weitergeht, dass wir eine Zukunftsperspektive generieren können.
- 2:43Das bedeutet, dass wir eben auch weiterhin industrielle Arbeit nach 125 Jahren
- 2:49Automobilgeschichte hier in Osnabrück fortschreiben können, dass es weiterhin
- 2:53gute Industriearbeitsplätze geben wird.
- 2:55Und wir für die Menschen hier, die sich wirklich in den letzten Jahren sehr
- 3:00engagiert haben, auch sich zu öffnen, eben vom Automobilbau auch,
- 3:05wegzugehen und zu sagen, okay, sie lassen sich auf eine neue Industrie ein,
- 3:09mit ihren Fachkompetenzen, mit ihrem Engagement für ihre Zukunft zu kämpfen.
- 3:13Und insomit ist es heute ein guter Tag für den Standort. Wir werden also weiterhin
- 3:19gute Industriearbeitsplätze in Osnabrück haben.
- 3:22Wir schaffen, das Innovation herzubringen. Das wird ein echter Innovationshab.
- 3:26Wir schaffen mehr Sicherheit für Deutschland und Europa. Und mit dem Technologiepartner
- 3:30Raphael haben wir Zukunftschancen, die weit über das, was wir bisher diskutieren, hinausgehen.
- 3:35Vor allen Dingen ist es eine Riesensicherheit für die vielen Kolleginnen und
- 3:38Kollegen, die hier arbeiten, die sich jetzt über 2 Jahre Sorgen gemacht haben, wo es hingeht.
- 3:42Ja, und auch Autoexperte Ferdinand Dudenhöfer schätzt den Verkauf in Osnabrück als Erfolg ein.
- 3:48Das hier hat er im Gespräch mit NTV gesagt. Der Standort, der hat jetzt eine
- 3:52Zukunft, denn da hat er ja bei VW selbst keine Zukunft mehr.
- 3:57Das Unternehmen Raphael, was dort dann Flugabwehrwaffen produzieren wird,
- 4:04ist ein hoch innovatives Unternehmen, ein Zukunftsunternehmen.
- 4:08Der Defense-Markt ist ein ganz großer Wachstumsmarkt.
- 4:12Für andere Werke zeigt es nur, dass es wichtig ist, dass man neue Perspektiven sucht.
- 4:18Und bei der Perspektive war, glaube ich, die Landesregierung in Niedersachsen,
- 4:23der Ministerpräsident Lies, sehr, sehr stark beteiligt.
- 4:26Also starke Ministerpräsidenten, die helfen, neue Investitionen und Investoren
- 4:34für Unternehmen zu finden, sind wirklich sehr, sehr wichtig.
- 4:38Bei den anderen Werken wird es nicht eins zu eins gehen.
- 4:43Osnabrück hat den großen Vorteil, dass es gewachsen ist, früher aus Karmann,
- 4:47also aus einem Ingenierdienstleister.
- 4:50Also hat ein breites Know-how bei den Mitarbeitern in dem Unternehmen,
- 4:55selbst bei den Beschäftigten.
- 4:56Und das nutzt man natürlich auch für den Defense-Teil, so wie ihn dann Raphael
- 5:03plant und umsetzen wird.
- 5:05Ein bisschen überraschend ist das für Rheinmetall. Rheinmetall hat auch schon
- 5:10mal Gespräche geführt, aber ist nicht zum Zuge gekommen.
- 5:15Also Rheinmetall kriegt auch einen starken Wettbewerber dadurch,
- 5:19dass jetzt Raphael in den nächsten,
- 5:22Wochen und Monaten sicherlich sich so positioniert, dass es dann in einiger
- 5:27Zeit in Osnabrück Luftabwehrwaffen.
- 5:32Produzieren kann.
- 5:33Bleiben wir bei der Industrie. Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion
- 5:37im Juli überraschend so stark gedrosselt, wie seit knapp einem Jahr nicht mehr.
- 5:42Zusammen stellten Industriebetriebe, Bau- und Energieversorger 1,1 Prozent weniger her als im Vormonat.
- 5:50Das hat das Statistische Bundesamt errechnet.
- 5:53Und dieser Rückgang ist eben nicht auf die Sektoren Bau und Energie zurückzuführen,
- 5:58sondern allein auf die Industrie.
- 6:00Besonders stark drückt die Autoindustrie
- 6:02auf die Bilanz. Hier brach die Produktion um fast ein Zehntel ein.
- 6:08Woran das genau lag, das hat Corinna Wohlfeil an der Börse in Frankfurt mit
- 6:12Jörg Krämer besprochen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank.
- 6:16Auch das ist natürlich kein gutes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland.
- 6:19Oder war das nur ein Ausrutscher?
- 6:20Ja, die Industrieproduktion ist im Juli, gegenüber Juni stark gefallen.
- 6:24Aber das war ein Ausrutscher insofern, als ein großes Autowerk die Produktion
- 6:30umgestellt hat auf E-Autos. Und während dieser Zeit hat die Produktion geruht.
- 6:34Das haben die Wiesbadener Statistiker angegeben als Erklärung für den Rückgang.
- 6:38Aber Sonderfaktor hin oder her.
- 6:41In der Tendenz bewegt sich die Industrieproduktion seit über einem Jahr,
- 6:45nach einem starken Rückgang in den sechs, sieben Jahren zuvor,
- 6:48seit einem Jahr in der Tendenz auf niedrigem Niveau seitwärts.
- 6:51Das ist schon bedenklich.
- 6:52Und es ist ja insbesondere die Autoindustrie. Haben Sie da noch Hoffnung?
- 6:56Ja, hoffen wir habe ich immer, aber die ist natürlich massiv unter Druck.
- 7:00Und da helfen auch nur bedingt Zölle weiter. Klar kann man ja die Zölle noch
- 7:03weiter anheben gegenüber den Chinesen, aber dann werden die Chinesen natürlich
- 7:06irgendwann anfangen, hier zu produzieren.
- 7:08Also es geht kein Weg dran vorbei, dass die Standorte hier in Deutschland wieder
- 7:13attraktiver werden. Und dann kann man da irgendwas gegensetzen.
- 7:15Aber da reden wir ja schon sehr lange drüber. Die Forderungen sind der Politik,
- 7:19glaube ich, auch klar. Es passiert nichts in der Umsetzung.
- 7:22Was müsste passieren jetzt schnellstens? Ja, ich glaube, dass das Wichtigste
- 7:26wäre der Bürokratieabbau.
- 7:28Und die Bundesregierung hat zwar beschlossen, möchte, dass alle Aufzeichnungs-
- 7:33und Berichtspflichten wegfallen, sofern Ministerien nicht gute Gründe dafür sehen.
- 7:39Ich sage Ihnen, es gibt Ministerien, die sehen immer gute Gründe für jede Berichtspflicht.
- 7:43Sie müssen Bürokratie wirklich da mit der Machete ran.
- 7:47Das kostet nichts, setzt Kräfte frei und die Unternehmen verstehen sofort die
- 7:51Botschaft, dass sich etwas verbessert.
- 7:53Leider sieht es danach nicht aus. Wenn wir weiter in die Branchen gehen,
- 7:56Autoindustrie haben wir gesprochen, Chemie und Pharma, also die energieintensiven
- 8:01Branchen schwächeln ja aber auch. Und wenn wir jetzt heute schauen,
- 8:04die Ölpreise marschieren wieder in Richtung 100 US-Dollar.
- 8:08Was muss da passieren? Ja gut, in Deutschland ist die Produktion der energieintensiven
- 8:14Wirtschaft nicht ungefähr 20 Prozent niedriger als vor Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine.
- 8:20Ja, und das hat natürlich auch was zu tun mit der Energiepolitik,
- 8:23mit der sehr speziellen, die wir uns hier in Deutschland leisten.
- 8:26Und das hat seinen Preis.
- 8:28Also der Blick nach vorne, Delle oder stottert Deutschlands Wirtschaftsmotor
- 8:32wirklich? Also die Industrie, wir sind in einer Phase der Deindustrialisierung.
- 8:36Leider, trotzdem wächst das Bruttoinlandsprodukt seit Anfang 2024.
- 8:42Aber das liegt nicht, wie es eigentlich sein sollte, an steigenden Investitionen
- 8:46der Unternehmen. Nein, die investieren weniger und nicht mehr,
- 8:48weil die Standortqualität nicht stimmt.
- 8:51Leider ist diese Erholung ab Anfang 2024 außergewöhnlich stark getragen durch den Staat.
- 8:57Durch staatlichen Konsum, durch staatliche Investitionen und ein bisschen auch privater Verbrauch.
- 9:03Was auch nicht richtig ins Laufen kommt, sind die Exporte zuletzt etwas gestiegen.
- 9:07Aber wir haben halt die Probleme. China nimmt weniger unsere Güter ab.
- 9:11Unser Export nach China in den letzten 4, 5 Jahren um ein Drittel gefallen.
- 9:15Und natürlich exportieren wir auch weniger in die USA wegen der Zölle von Trump.
- 9:19Also es ist ein schwieriges Umfeld.
- 9:21Wir haben eine Aufwärtsbewegung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt,
- 9:24aber keinen echten Aufschwung.
- 9:26Okay, also da brauchen wir noch etwas Geduld und vor allem die richtigen Maßnahmen.
- 9:29Dr. Jörg Krämer, vielen Dank für Ihren Besuch an der Frankfurter Börse.
- 9:33Ein Thema, das auch die Industrie umtreibt, ist ja der Fachkräftemangel.
- 9:37Und jetzt zeigen Berechnungen des Arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft,
- 9:42die Lücke könnte sich innerhalb der nächsten drei Jahre sogar noch fast verdoppeln.
- 9:482029 könnten dann rund 723.000 Fachkräfte fehlen, warnt das Institut.
- 9:55Besonders groß dürfte die Lücke demnach bei Verkäuferinnen und Verkäufern werden.
- 10:00Danach folgen die Bereiche Kinderbetreuung und Erziehung sowie Sozialarbeit und Pädagogik.
- 10:05Der Grund, der ist laut IW ziemlich klar. Die Demografie.
- 10:10Viele Menschen gehen in den kommenden Jahren in Rente und es kommt zu wenig Nachwuchs nach.
- 10:15Auch aus dem Ausland werden weniger Fachkräfte gewonnen, so die Studie.
- 10:20Und wenn die Wirtschaft endlich wieder stärker wächst, naja,
- 10:23dann steigt eben auch der Bedarf an Fachkräften zusätzlich.
- 10:27Damit war's das mit unserem Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 10:32Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.