Latest / BZ am Ohr / Manuel Herder ist Vatikan-Kenner und verlegt das erste Buch über Leo XIV.
Transcript
- Wo wart ihr, als am 8. Mai um 18.07 weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle gestiegen ist? Ich denke, wir alle können uns noch an diesen Moment letzte Woche erinnern und alles, was seitdem darauf folgte. Manuel Herder, Chef des Freiburger Herder Verlags, war live dabei, als US-Kardinal Prevost zum neuen Papst gewählt wurde. Schon zum dritten Mal hat er ein Konklave quasi live miterlebt und ist jedes Mal wieder aufs Neue beeindruckt. Von den Menschen, den Kulturen, aber auch vom archaischen Aspekt. Mit Hightech gucken die Kameras weltweit auf einen Schornstein, sagt er. Am 28. Mai will Manuel Herder die erste Biografie von Leo XIV. im Regal stehen haben. Im BZ-Podcast spricht er mit der BZ-Kulturredakteurin Gabriele Schoder über Bücher und Menschen, Glaube, Religion und katholische Events. Welche Personality-Schmankerl wird es über Leo XIV. im Buch geben? Und schaut der Papst eigentlich über den Text, wenn er fertig ist? Für welches Baseball-Team aus Chicago jubelt er eigentlich? Das alles hat meine Kollegin ihn gefragt und ich wünsche euch jetzt viel Spaß bei dem Gespräch. Mein Name ist Gina Kuttkatt, ich bin Redakteurin der Badischen Zeitung und ihr hört BZ am Ohr. Herr Herder, selbst wenn in Ihrem Verlag gerade der Bär tobt. Am 28. Mai wollen Sie die erste Biografie von Leo XIV. im Bücherregal haben. Mein Name ist Gabriele Schoder, ich bin Kulturredakteurin der Badischen Zeitung und freue mich auf ein Gespräch über Bücher und Menschen, Glaube, Religion und katholische Events. Herzlich willkommen, Herr Herder. Vielen Dank, Frau Schoder, ich bin gerne hier. Nichts ist älter als die Zeitung von gestern, sagt man in unserem Job. Außer könnte man hinzufügen, das Konklave von letzter Woche. Im Vorfeld gibt es einen Riesenhype. Und wenn die Kardinäle dann drinnen in der Sixtinischen Kapelle sind und am Wählen sind die Kameras und die Augen der Welt auf den Schornstein gerichtet. Sobald dann aber der neue Papst gefunden ist, ist es Konklave sowas von gestern. Aus persönlicher Neugier möchte ich natürlich trotzdem genau darüber nochmal reden. Wie war es? Also wenn ich jetzt sage, es war klasse, dann ist das vielleicht irgendwie arg platt, aber es ist einfach ein großartiges Erlebnis. Ich war jetzt das dritte Mal in Rom um ein Konklave vor Ort. Und wenn man sagt, miterleben, stimmt ja nicht, aber vor Ort doch mitzuerleben. Und das war wieder beeindruckend. Das sind ganz viele Dinge, die zusammenkommen. Zum einen haben sie Menschen, die aus der ganzen Welt dorthin fahren. Pilger, Leute, die eh schon in Rom waren und sich dann freuen, dass jetzt genau ihre Reise die ist, die mit einem solchen Highlight in Verbundenheit ist. Da natürlich die ganzen Ordensschwestern und Ordensleute, die in Rom sind oder extra deswegen nach Rom anreisen. Das ist schon mal ein Erlebnis, international. Sie haben Leute aus allen Kontinenten und sie gehen abends irgendeine Pizza essen und der kommt aus Peru und der kommt aus den Philippinen. Es ist schon unglaublich und es ist herzlich. Die sind alle in guter Verbundenheit miteinander. Das Zweite, was natürlich spannend ist, das sind die Gespräche. Wir reden ja von den Journalisten, die sich mit Vatikan beschäftigen, von den sogenannten Vatikanistinnen. So, und jetzt muss ja jeder und kann jeder hier an der Stelle beweisen, wie gut er das ganze System kennt und was für eine Prognose er hat. Und tatsächlich, ich kenne einen, der hat mir genau diesen Papst prognostiziert. Der hat mir extra danach nochmal geschrieben, ob ich mich auch daran erinnere, dass er das getan habe. Und ob ich ihm nochmal sagen könnte, wer genau um uns herum gestanden hätte. Weil das ist dann schon ein Highlight für so jemanden, wenn er das prognostizieren konnte oder eben Glück hatte. Ja, und das Dritte ist vielleicht, das hat ja was Archaisches nicht. Also mit Hightech gucken die ganzen Kameras der Welt auf einen Schornstein. Das ist schon eine Art der Kommunikation, die sind wir so nicht mehr gewohnt. Es gab da doch auch mal eine Irritation zwischenzeitlich. Da kam so komischer grauer Rauch raus, die einen haben als weißen Interpretation. Das war das letzte Mal auch so, das vorletzte Mal auch so. Das hängt auch immer davon ab, wie die Wolken hinten dran stehen, ob man den Rauch überhaupt erkennt. Vielleicht machen Sie es auch absichtlich, weil es Spaß macht. Ich habe keine Ahnung. Aber überlegen Sie, da haben Sie also auf der einen Seite die Weltöffentlichkeit mit Hightech-Kameras, die einen Balkon filmen, und die anderen sitzen unten drin mit irgendwelchen Hightech-Vorrichtungen, damit der richtige Rauch raufkommt. Hat schon was. Wenn Sie, woran es mich interessiert, erinnert hat, beim Zugucken da am Bildschirm. Diese ganze freudige Erwartung der Leute da auf dem Petersplatz, darunter ja auch sehr, sehr viele Junge, das hat mich an die europäischen Spiele vom SC Freiburg erinnert, die wir ja nächste Saison wieder erleben dürfen. Wissen Sie, das ganze Stadion rappelvoll. Die Stimmung ist euphorisiert, gleich passiert was ganz Großes und ich bin dabei. Ist so eine Papstwahl mit dem ganzen Setting und Pathos nicht vor allem auch ein Mega-Event? Ja, aber nicht nur. Also es ist auch ein Event, aber es ist auch etwas, was wirklich passiert. Also im Gegensatz zu einer Show, die man reproduzieren kann, wird hier tatsächlich eine Wahl getroffen. Und am Ende, ich meine, wenn der Mann jetzt derjenige ist und sich so nennt oder derjenige ist und sich ganz anders nennt, da werden ja auch Weichen gestellt. Und ich glaube, das ist schon ein Gefühl, wo Leute sagen, ich bin jetzt Teil an etwas, was in der Weltgeschichte irgendwo eine Rolle spielen könnte, wahrscheinlich sogar spielen wird. Und insofern haben wir, glaube ich, beides. Wir haben auf der einen Seite, wenn Sie so wollen, die Inszenierung, die alten Rituale und auf der anderen Seite das Gefühl, das, was da gerade stattfindet, das ist echt. Und dann wurde der Name genannt Robert Francis Prevost. Die Leute haben ein Fragezeichen in den Augen gehabt. Robert Wehr. Aber Sie haben in unserer Zeitung schon eine Viertelstunde später, glaube ich, ein kleines Interview geschickt von einem jungen Mann, der wie Papst Leo Augustinamönch ist. Und ich frage mich, wie haben Sie denn aufgetan in der Schnelligkeit? Also wie ich ja vorhin schon sagte, ich war ja schon das dritte Mal jetzt bei einer solchen Veranstaltung, bei diesem Konklave in Rom. Und das letzte Mal war es Papst Franziskus. Und das erste Mal, als ich da war, da waren wir diejenigen, die, als wir Ratzinger hörten, sagten, ja, das ist unser Mann. Wir hatten gerade das Buch veröffentlicht, Werte in Zeiten des Umbruchs. Ich hatte die erste Ausgabe tatsächlich in der Jackentasche. Weil Sie gedacht haben, der wird's oder wie? Also, wenn ich ganz fair bin, muss ich sagen, ich habe mir das da mal sich vorstellen können. Aber wir haben Lektoren, die gesagt haben, man muss auf alles vorbereitet sein, auch darauf. Also machen wir bitte schön das Buch. Und im Nachhinein muss ich sagen, ich bin den Leuten dankbar. So, und da erinnere ich mich natürlich daran, wie das war, als wir gejubelt haben. Und in dem Moment, wo dieser Name bekannt gegeben wurde, schaute ich mich um und guckte, wo jubeln denn Leute? Und da bin ich hin. Und das waren die Augustiner aus Peru, die ihn kannten, die in seinem Bereich im Vatikan gearbeitet haben. Der junge Mann, den ich interviewt habe, hatte noch jemanden dabei. Der war sogar sein Nachfolger in der Organisation innerhalb des Augustiner-Ordens. Aber der war so gerührt, der wollte auf keinen Fall vor meinem Handy etwas sagen. Aber wir hatten danach noch ein sehr nettes Gespräch und ein paar sehr schöne Fotos gemacht. Sie waren also zum dritten Mal dabei, schon beim ersten Mal, nicht nur im Auftrag des Herrn unterwegs, sondern auch in eigenem mit den Büchern vom Ratzinger. Wenn das nicht geworden wäre, hätten Sie trotzdem von einem führenden Theologen das neue Buch in der Tasche gehabt. Absolut, wir hatten ja Ratzinger schon viele Jahre im Verlagsprogramm. Und insofern war es selbstverständlich, das Buch zu machen. Er hatte ja eh vor, dann in Ruhestand zu gehen und zu schreiben. Das hat er angekündigt. Aber so passte es damals noch zehnmal besser. Wie eng haben Sie den Benedikt XVI. kennengelernt? Also das erste Mal kennengelernt habe ich ihn, da war ich glaube ich so zwölf. Da hatte mein Vater mich mitgenommen nach München zu einem der großen Festgottesdienste, wo er danach mit ihm auch verabredet war. Und seitdem immer wieder. Also mein Vater ist sicherlich einmal im Jahr damals nach Rom gefahren und hat oft die neuen, interessanten, theologischen, kontroversen, umstrittenen Bücher vorgestellt, auch mit ihm diskutiert. Und da hatte dann oftmals jemanden mitgenommen und manchmal auch mich. Und beim zweiten Papst, dessen Wahl Sie mitgekriegt haben, der hat ja dann auch einige Bücher oder von dem haben Sie auch einige Bücher dann im Herder Verlag gehabt. Das war ein ganzer Stapel, den wir von ihm gemacht haben. Wir haben zum einen auch seine Biografie gemacht. Er hatte noch in Argentinien ein autobiografisches Interview gegeben. Mein Leben, mein Weg. Der Titel war El Jesuita, der Jesuit. Da haben wir die Rechte erworben, haben das dann auf Deutsch rausgebracht. Möglicherweise. Von vor, fest. Direkt danach. Wir hatten ja Glück nicht. Argentinien ist ja von der Uhrzeit her immer hinter uns. Die Sonne geht in Japan auf, kommt zu uns, geht dann in Amerika wieder unter. Und insofern haben die Argentinier noch gearbeitet, als man in Rom schon feierte. Und wir haben uns gleich drangesetzt und haben recherchiert, welche Bücher er verlegt hat und haben noch in der Nacht in Argentinien angerufen, die eben da noch Nachmittag hatten und haben dann diese Rechte erworben. Und jetzt kracht es erst recht im Herder Verlag. Jetzt kracht es erst recht. Es kracht genauso wie geplant, wobei Papst Leo und Prévost wenig publiziert hat. Wir haben noch kein großes Werk von ihm gefunden, das wir jetzt nach Deutschland und in die deutsche Sprache bringen könnten. Aber jetzt geht es erst mal um sein Leben, seinen Weg. Er hat einen interessanten Lebensweg, aber das wissen Sie alle viel besser, wenn Sie jetzt auch recherchiert haben. Aber Ihr Autor, Andreas Badlock, der österreichische Theologe und Jesuit, den kennen Sie auch schon länger. Der stand ja eine Weile schon direkt eigentlich nach dem Tod von Franziskus fest als Autor der ersten Biografie des neuen Papstes, wer immer es werden wird sozusagen. Der hat sich dann reingeschafft in das, was... Genau, was er gemacht hat, oder was wir mit ihm gemacht haben, ist, wir haben von den sogenannten Papabili, also von denen, die in Frage kommen, Prefost war auch dabei, Sie haben ihn auch gesehen in den verschiedenen Listen, die die verschiedenen Zeitungen veröffentlicht haben. Hatten wir schon so die ersten Rahmendaten, hatten auch Ansprechpartner erarbeitet, die wir dann sofort anrufen können, um dann zusätzliche Informationen zu bekommen. Und was für uns wichtig war, wir verstehen uns ja als ein wissenschaftlicher Verlag, auch wenn wir viele allgemeine Bücher machen und Publikumstitel machen. Aber der Anspruch ist immer ein wissenschaftlicher. Und deswegen war uns wichtig, an der Stelle einen ausgewiesenen Wissenschaftler zu haben, der hier eine Biografie abliefert, wo man auch noch Jahre später sagen kann, da hat nicht jemand schnell mal was runtergeschrieben, sondern das hat er. Ja, dann, ja. Wie läuft so was? Sind Sie den Herrn Batlock, dürften Sie ja kennen, weil der ja lange zum Beispiel auch Chefredakteur von Stimmen der Zeit war, was ja bei Herder erscheint. Genau, eine Zeitschrift, die wir veröffentlichen. Sind Sie da oder jemand vom Herder Verlag auf ihn zugegangen hat, hat gesagt, hey, wenn der Neue da ist, wären Sie bereit zu schreiben oder wie läuft so was? Ja, genau so. Also wir sind ja so organisiert, dass der Verlag Herder hat zwei Geschäftsführer. Simon Bialowons als verlegerischer Geschäftsführer und Cheflektor und Philipp Lindinger als kaufmännischer Geschäftsführer für die ganze Organisation. Und beim Simon Bialowons, dem verlegerischen Geschäftsführer und Cheflektor, sind dann die Programmleiter und Programmleiterinnen angesiedelt. Und bei denen wiederum sind dann jeweils die Lektorate. Und die sitzen immer zusammen, so wie bei euch die Redaktionssitzungen, sind das dann bei uns Lektoratssitzungen und kommen da auf gute und kreative Gedanken. Und hatten dann eine Liste erarbeitet, wer in Frage kommt, um sowas zu machen, haben sich dann auf Buttlog geeinigt und ihn angesprochen, weil sie sagten, der Mann ist, Das ist wissenschaftlich nachweislich gut und anerkannt. Er wird, egal wer der Papst ist, ein wissenschaftlich neutrales Bild von ihm zeichnen. Es gibt ja manchmal auch Biografen, wenn denen jemand nicht passt, dann gibt es halt mal einen Verriss. oder wenn das jemand ist, den Sie auch super finden, dann gibt es so hebelhoch jauchzend. Aber das können wir nicht oder wollen wir nicht machen, sondern wir wollen ja die verlässliche Biografie rausbringen. Und deswegen gingen Sie auf Bartlook und er hat auch so vom Typus her, ich meine, Sie müssen schon auch eine gewisse Durchsetzungskraft sich selbst gegenüber haben, wenn Sie so einen Auftrag annehmen, weil jetzt ist erstmal Arbeiten und Arbeiten und Arbeiten angesagt. Ich meine, der Bartlock ist ja zweifellos ein profunder Kenner auch katholischer Intellektualität und Spiritualität und ja einer der, glaube ich, profiliertesten Kenner des Werks von Karl Rahner, der für mich der bedeutendste katholische Theologe des 20. Jahrhunderts war. Und trotzdem, der muss doch jetzt in einem Affenzahn schreiben. Bleibt da nicht die Gründlichkeit oder die tiefe Auseinandersetzung auf der Strecke? Also, der Deal ist nein. Das Buch muss auch in einem oder in zehn Jahren noch lesbar sein. Ja, aber ich weiß nicht, ob Sie das mitgekriegt haben. Wir haben ja vermeldet, dass Sie dieses Buch rausbringen werden. Und da gab es also Leserkommentare zu dieser gar nicht mal so langen Meldung von Heiser Nadel, von KI, die den Text dann schreibt, bis zur Vermutung, dass sie persönlich mit diesem Buch ins Guinness Buch eine Rekorde wollten. Was sagen Sie den Leuten, wenn die sowas? Das mit dem Guinness Buch finde ich genial. Die Idee nehmen wir auf. Vielen Dank. Die geht nachher ins Social Media Team. Vielen Dank dafür. Und ansonsten hoffe ich, dass noch viele Leute weitere Kommentare dieser Art verbreiten. Denn wir brauchen jetzt für dieses Buch auch Aufsehen und Kritik und Neugierde und gerne auch Zweifel. Denn das Buch will dann und soll dann und muss dann für sich stehend überzeugen, dass es gut ist. Und hat der Papst dann noch was zu tun mit dem Buch, bevor es dann veröffentlicht wird? Nein, das geht ja gar nicht. Das ist einfach wie ein journalistischer Text. Genauso wenig wie der Papst über ihre Texte in der badischen Zeitung schaut, schaut er an der Stelle über ein Buch über ihn. Ich habe schon mitgekriegt, dass zum Beispiel auch der Partners Verlag um den 10. Juni rum eine Biografie über Leo XIV. Rausbringen will. Und andere sind sicher auch dran. Ich habe überlegt, kann es sein, dass Sie auch deshalb die Nase vorn haben wollen, weil Sie sich nun als deutsche Stimme des neuen Papstes in Stellung bringen wollen? Deutschsprachige Stimme. Ja, deutschsprachige natürlich. Wenn Sie die Herder Bücher aufmachen, haben Sie ja bei uns im Impressum immer stehen Freiburg, Basel, Wien, weil wir traditionell gesagt haben, wir sind in den drei großen deutschen Sprachräumen ein inländischer Verlag und wollen das auch bleiben. Und ja, natürlich, wir haben für uns immer in Anspruch genommen und auch versucht, den Beweis zu bringen, dass das klappt, dass in den Märkten, in denen wir zu Hause sind, also das ist die Theologie und die Religion auf der einen Seite, aber auch die Pädagogik und die Erziehung auf der ganz anderen Seite, dass wir in diesen Märkten Marktführer sind. Und Marktführer heißt für uns, dass wir nicht nur Teile bedienen, sondern möglichst alles bedienen, sonst ist man nur ein Nischenverlag. Also in unser Verlagsprogramm gehören auch Leute, die sich untereinander signalisieren, dass der jeweils andere sich irrt. Das gehört dazu. Das machen Sie auch pro und contra. Sie können nämlich immer nur eine Seite in die Zeitung bringen. Genauso wenig wollen wir das machen. Also umfänglich. Und das andere ist, dass wir natürlich auch immer die Aktuellsten sind. Also wenn sich irgendwo ein neuer Trend abzeichnet, dann ist schon unser Anspruch, dass wir den dann auch so veröffentlichen, dass die Leserschaft sagt, ja, das war jetzt auch gut informiert. Und deswegen das Ziel zu sagen, wenn eine Biografie dann die erste, das ist der Anspruch. Ich weiß, dass jetzt alle anderen versuchen, den Zeitplan zu toppen. Wir merken das auch, weil wir natürlich unsere Biografie auch in die anderen Sprachen anbieten. Die auch alle jetzt damit angefangen haben, vielleicht nicht mit der gleichen Vorbereitung. Also da bin ich mal gespannt. Auch im Englisch nehme ich an, denn Sie sind ja auch in New York zu Hause. Alle Sprachen versuchen das, aber die Märkte ticken ganz unterschiedlich. Und Sie haben kaum einen Sprachraum, in dem die Branche so gut organisiert ist wie bei uns, mit der Belieferung über Nacht. Dann überlegen Sie mal, Sie können seit Jahrzehnten, also lange vor der Digitalisierung, seit Jahrzehnten, konnten sie in ihre ganz lokale Lieblingsbuchhandlung gehen und über Nacht ein Buch bestellen. Das klappt mit keinem Paar Schuhe, mit keiner Krawatte. Trotzdem muss ich jetzt noch einmal inhaltlich nerven. Ja, natürlich. So, ich frage mich, theologische Bücher hat er ganz wenig geschrieben. Wir wissen noch nicht, was sein Profil ist, während als Kardinal Ratzinger war ja schon da und wird wahrscheinlich noch mehr als mit seinem Pontifikat mit seinen Büchern bleiben, im katholischen Denkraum sozusagen. Aber was kann man über Leo XIV. sagen? Wir hören Personalities-Schmankerl. Jetzt zum Beispiel, er mag die White Sox und nicht die Cups. Das sind die beiden heftig konkurrierenden Baseball-Mannschaften in Chicago, wo er 1955 zur Welt kam. Aber das haben wir ja schon gelesen. Das sind außerdem Boulevardgeschichten. Das will der Herder Verlag ja eigentlich nicht. Und politisch relevante Aspekte, wie zum Beispiel Leos christlich-humanitäre Position in der Migrationsfrage, das habe ich mir überlegt, kann man ja auch nicht über Gebühr auswalzen oder aufblasen, weil man dadurch ja zwangsläufig polarisiert und ihm vielleicht sogar dann die Möglichkeit gibt, zu einer diplomatischen Mitgestaltung, wenn man ihn jetzt in so einer Biografie als den Anti-Trump aufbaut, wie ja manche Medien das deutlich gemacht haben, dann beschränkt man ihn ja eigentlich in dem, wofür er wohl nicht zuletzt gewählt wurde seiner Möglichkeit oder seiner Fähigkeit zu vermitteln und in unterschiedlichen Sprachen aber auch in unterschiedlichen Positionen, die konservative und progressive, gleichermaßen hofieren und vor den Kopf stoßen würde ich jetzt mal sagen da einen Dialog in Gang zu bringen da muss man ja auch vorsichtig sein also. Also ich teile Ihre Meinung zu 100 Prozent. Das ist einfach so, dass in einem vielsprachigen und vielstimmigen Raum wie dem christlichen Raum und in der Stelle dem katholischen Raum gibt es ganz viele Gruppierungen, Leute, die so ihre eigene Agenda haben. Der eine möchte wieder mehr Latein hören, der andere möchte mehr Jazz hören, der dritte möchte dies. Jeder hat so seine Wünsche und das ist ja auch in Ordnung. Und die Gefahr ist dann immer, dass man eine neue Persönlichkeit nimmt und in die eigenen Wünsche hinein projiziert. So nach dem Motto, der wird jetzt aber bestimmt. Oder der wird doch auf gar keinen Fall. Deswegen haben wir gesagt, unsere Biografie wird von einem Wissenschaftler geschrieben. Damit im Grunde das, was gewichtet wird, das muss nach den Spielregeln geisteswissenschaftlichen Arbeitens passieren. So, und jetzt sind wir dran. Ich meine, das Gras wird nicht schneller wächst, nicht schneller, wenn man dran zieht. Also ich störe die jetzt nicht bei der Arbeit und frage, genau, was habt ihr alles rausgefunden. Aber ich freue mich schon, wenn dann die ersten Monoskriptseiten reinkommen und man da lesen kann. Ich glaube, dass das eine das ist, was jetzt kolportiert wird. Ich habe gerade sehr schön ein Foto bekommen. Sie kennen Altötting, die schöne Kirche in Bayern. Also da habe ich ein schönes Foto bekommen. Da war er schon 2009, gibt es ein schönes Bild von ihm. Und so hat jetzt jeder so seine Bilder. Jemand anders schickte mir ein Foto, da sieht man ja von einem Esel sitzen oder einem Maultier und durch Peru reiten. Also da ist jetzt ganz viel in Gang. Halendwiers, Rosianer. So oder so ähnlich. Und ich bin jetzt mal sehr gespannt. Das ist der Job meines Wissenschaftlers. Informationen zu gewichten. Sie kennen vielleicht den schönen Spruch mit den drei Leuten, die sich bei einem sinkenden Schiff auf eine einsame Insel retten. Nee. Und die Insel ist ja so grün und Wasser und alles, aber die Frage ist, kann man da überleben? Und dann sehen Sie in der Ferne, sehen Sie ein Schaf am Horizont stehen. Und der Erste ruft, ja, wir haben es geschafft, hier gibt es Schafe. Hier gibt es weiße Schafe. Wir haben es geschafft, hier gibt es weiße Schafe. Der Nächster sagt, Moment, hier gibt es ein weißes Schaf. Und der Wissenschaftler sagt, Moment, hier gibt es ein Schaf, das von der Seite, die wir sehen, weiß ist. Und das ist die Aufgabe hier zu sagen, wir haben noch nicht sehr viele Informationen. Bis Redaktionsschluss ist, werden viele dazugekommen sein. Aber man hat nicht alles, aber das, was man hat, das muss sauber gewichtet publizistisch erarbeitet werden. Und der Papst hat dann noch die Möglichkeit, in der Stimme, in der Weltkirche, die er dann hat, ganz Neues zu sagen mit dieser Stimme. Zum Beispiel auch der Frage der Frauen. Da hat er sich ja jetzt aus meiner Perspektive nicht sehr progressiv vorgelegt. Also der neue Papst wird jetzt erst mal, so wie ich den einschätze, hingehen und sich die Gemengelage anschauen, die er vorfindet. So, wenn man sich die Physiognomie des Mannes anschaut, dann hat man nicht das Gefühl, dass der jetzt poltern wird. Ich glaube, das ist ein reflektierter Mensch. Der hat ja viele Perspektiven auf die Welt. Also geborener Amerikaner, dann sozialisiert in Peru. Dann war er viel in Europa. Dann kennt er das monastische Leben. Also da sind ja ganz viele Perspektiven auf die Dinge, wo ich glaube, die wird er zusammenbringen. Zwei Staatsbürgerschaften, die den globalen Süden und die USA. Die Hoffnung, die jetzt der eine oder andere mag, dass der sich jetzt hinstellt und genau alles das sagt, was man selber hören will. Ich glaube, die ist nicht so hoch und auch nicht gut. Aber jetzt haben wir mal mit der Biografie deren Seitenzahl auch schon. Ja, natürlich, 176, glaube ich. Ja, ist ja klar, schauen Sie. Wir wussten, Konklave beginnt an dem bestimmten Tag. Sie wissen nicht, wann es endet. Und je nachdem, wann es endet, begann der Zeitplan. Und da hatten wir dann auch schon, müssen Sie ja machen, in der Druckerei, wo das gedruckt wird, den Zeitpunkt reserviert. Wenn es Konklave später geendet hat. Dann wäre ein Tag nach hinten gegangen. Und dann wäre es Buchtüder geworden. Nein, dann hätten wir in der Schadungstermin nicht mehr am 28. haben können. Ach so. Denn Sie haben ja dann noch eine Woche mit einem Feiertag. Also das wird ein bisschen... Ja, alles klar. Aber da war das Papier bestellt, die LKWs sind reserviert, also das klappt. Wir drücken die Daumen. Danke, das kann man brauchen. Ich denke natürlich, dass es in unserer Zeit so ist, dass jetzt der Kairos da ist. Da ist jetzt plötzlich das Weltinteresse da, an einem neuen Global Player. Oder muss man natürlich auch schnell sein, bevor wieder die nächste Sau durchs mediale Dorf getrieben wird, oder? Das ist so. Okay, aber bleiben wir mal bei dem. Ich wünsche es der Biografie auch, aber bei dem, wofür der Herder Verlag noch in Jahrzehnten stehen wird. Zum Beispiel Lexikon für Theologie und Kirche, zum Beispiel die drei großen Jesusbücher von Benedikt XVI. Herder ist ja weit über den deutschsprachigen Raum raus, der katholische Verlag. Theologische Verlag. Ja, aber theologisch katholischer. Ja, aber wir sind ja ein unabhängiges Verlagshaus. Ja, da kommt nämlich. Klassisches Familienunternehmen. Wir sind ein unabhängiger Verlag, das wollen wir auch sein, müssen wir auch sein. Der Marktführer ist zum Beispiel in der Theologie, weil wir da die meisten Bücher machen und die meisten Themen haben, die meisten Atoren haben. Ich wollte Sie aber genau das fragen mit dem unabhängigen Verlag. Es gab ja, das war vor ihrer Zeit als Chef, einen Skandal als ein Buch von Fritz Leist bei Herder mit dem schönen Titel Der sexuelle Notstand und die Kirchen erschienen. Gedruckt bei Herder in den 70er, Anfang der 70er Jahre zu einer politisch auch schon sehr munteren, um nicht zu sagen aufgeheizten Zeit. Gedruckt bei Herda und dann wurde die Auslieferung nach zwei Wochen gestoppt. Und es hieß, nach einer Intervention von Rom, ist da was dran? Also jetzt muss ich Ihnen sagen, weder kenne ich den Autor noch, wir reden jetzt über die 70er Jahre. Nein, nein, aber es hieß ja schon, dass da auch eine Besor... Ja, ja, aber trotzdem. Ich weiß es wirklich nicht. Den hätten Sie mir davor sagen müssen, wäre ich ins Archiv gegangen. Ich sage Ihnen gerne alles. Ja, okay, alles gut. Aber die Unabhängigkeit, die ist garantiert, die war auch damals schon garantiert. Und ich sage Ihnen auch, warum die wichtig ist. Wenn Sie in einem Fach wie der Theologie, aber auch wie der Medizin, kein unabhängiger Verlag sind, dann werden Sie nicht in der Lage sein, ein vollumfängliches Programm zu liefern. Also wenn Sie mal Theologie mit Medizin vergleichen und Sie sagen, Sie wären nicht unabhängig von der Pharmaindustrie, dann würde Ihnen keiner glauben, dass Ihre medizinischen Bücher sauber sind. Und bei uns ist das auch so. Wir sind ein unabhängiges Familienunternehmen seit jeher. Wir haben die Märkte, die wir bedienen, Theologie, allgemeine Religion. Dann pädagogisch, sprach ich vorhin schon. Und darin, da verlegen wir beides. Schauen Sie mal, wir haben auf der einen Seite den Küng mit der Gesamtausgabe und auf der anderen Seite den Ratzinger mit der Gesamtausgabe. Man kann nicht viel weiter auseinanderliegen. Und das ist das, wo wir sagen Unabhängigkeit. Und den Küng hatten wir auch schon, zwar nicht in Summe, der war ja sehr viel bei Pieper, aber den hatten wir auch schon in den 70er Jahren im Programm. Und die anderen auch, nehmen Sie mal Jacques Gaillot, der Bischof, der in Paris war und dann seines Amtes enthoben wurde. Das Buch, das er damals veröffentlicht hat, das ist auch knapp vor meiner Zeit, wir reden über die frühen 90er, habe ich auch verlegt. Also insofern, was unsere Unabhängigkeit angeht. Da mache ich mir die geringsten Sorgen. Machen Sie keine Sorgen. Was Sie sich wahrscheinlich wünschen von Ihrem Verlag ist, wer Theologe ist und Theologie studiert, will gucken, was Herr da hat. Und sein Buch als erstes mal bei uns veröffentlichen. Ja. Und die Kurier guckt natürlich auch, was er da hat. Ich wünschte Sie Tetz. Also wir haben, ich sage mal, die große Zeit der akademisch geprägten, Die Bischöfe und Kardinäle, die ist aufgrund der Personalwahl der letzten Jahrzehnte etwas in den Hintergrund gerückt. Also der wutentbrannte Professor, der dann irgendwann Bischof wurde und uns anruft und sagt, das könnt ihr doch nicht machen. Das haben wir so nicht mehr. Und wenn Sie mal gucken, fällt Ihnen noch außer Kardinal Schönborn jemand ein, der wirklich Theologe im Sinne eines Professors wäre, der selber geforscht hat und selber richtig veröffentlicht hat? Und auf der anderen Seite bricht ja auch das Interesse an theologischen Themen im christlichen oder gar spezifisch katholischen Sinne immer mehr weg, oder? Also wenn natürlich das Spitzenpersonal darin nicht einen wichtigen Baustein des Ganzen sieht, dann hat es das schwer. Und insofern war es interessant, vor dem Konklave wurden ja verschiedenste Kardinäle befragt von den Journalisten. Wer sollte es werden? Worauf muss man achten? Und kein Zufall, dass gerade der Dogmatikprofessor Kardinal Müller immer wieder sagte, es muss auch theologisch sein. Personal, Stichwort Personal. Gestern war das Freiburger Münster am Nachmittag gestopft voll. Es war Feier der Priesterweihe, aber am Ende waren es halt doch nur zwei Männer, die jetzt Bischofburger dann zum Priesterweihen konnten. Die Amtskirche scheint ja out. Wie spiegelt sich das in Ihrem Verlagsprogramm? Haben jetzt Anselm Grün und der Dalai Lama praktisch den Papst abgelöst? Also, der Dalai Lama hat aufgehört zu schreiben. Da haben wir die beiden großen Abschlusswerke ja in den Markt gebracht, wo er noch mal sein Leben quasi alles und alles… Ja, aber beide nehme ich ja Passportschluss. Ja, gerne. Und bei Anselm Grün verlegen wir fleißig weiter und werden das auch in Zukunft tun, weil er jemand ist, der im Grunde die Sprache dessen, was uns alle beschäftigt, also die Frage, was wird aus mir, was bringt die Zukunft, was ist die Vergangenheit, gibt Gibt es da mehr als nur Materie, Raum und Zeit? Diese Fragen, die bringt Anselm Grün in eine Sprache, die jeder von uns gut versteht. Und insofern glaube ich schon, dass das wichtig sein wird. Jetzt hat sie gesagt, lösen die das ab. Nein, das glaube ich nicht. Die Dinge sind nebeneinander her und das passt ja auch. Sie haben gesagt vorhin, theologische Literatur, aber auch religiöse Literatur im allgemeinen Sinne. Theologie, Pädagogik, aber auch Literatur, das waren ja von Anfang an die drei Säulen beim Hertha Verlag. Und was ist jetzt neu an Aufgaben und Herausforderungen dazugekommen? Stichwort KI und Stichwort Digitalisierung? Also die Digitalisierung, die begleitet uns ja jetzt schon ausreichend lang. Das hat im Grunde mein ganzes Berufsleben geprägt. Und das ist jetzt im Nachhinein ganz schwer eigentlich erklärbar, dass man in der Lage war, ein ganzes Verlagshaus zu führen ohne digitale Daten. Also das können wir uns heute gar nicht mehr vorstellen. Und dann wurde ja zunächst gedruckt auf Metall, dann auch Film, dann hatten wir Computer-to-Plate, also der Film raus. Alles Dinge, die man übrigens im BZ-Museum auch nachschauen kann. Wir mussten erst mal lernen, wie wichtig das ist, zu wissen, wo die Daten liegen. Das war davor ja gar nicht wichtig. Davor war einfach nur wichtig, dass das Buch rauskam. Und dann das Ergebnis neutral produzieren. Aber das haben Sie gleichermaßen erlebt. Den schmerzhaften Weg sind wir alle gegangen. Was im Nachhinein vielleicht interessant ist, vielleicht sogar viel interessanter, als uns das zu dem Zeitpunkt klar war. Jetzt gerade unsere Branche, die Buchbranche, Womit hat denn der riesen Veränderungsagent Amazon angefangen? E-Book. Mit Büchern. Wir waren die erste Branche, die in diese Digitalisierungsmaschmaschine kam. Und wir haben im Grunde schon aufgeschrien, dass es wehtut und dass wir nicht wissen, wie es weitergeht. Da guckten mich die anderen an und sagten, was macht ihr eigentlich für ein Gedöns? Und wenn Sie jetzt mal schauen, wie es andere Industrien, Spielwaren oder anderes, die erreicht es im Grunde jetzt so ganz langsam. Und am ersten Tag ist die gesamte Buchhandelsbranche schon weit voraus. Und jeder Buchhändler um die Ecke, der noch so kleine Laden, kann Ihnen im Grunde alle Dienstleistungen liefern, die der Riesen Amazon auch kann. Er kann Ihnen E-Books liefern. Sie können über sein Portal die E-Books runterladen. Sie müssen gar nicht zu einem großen gehen. Er kann Ihnen alle Bücher über Nacht bestellen. Er kann Ihnen alles recherchieren. Das hat fast keine andere Branche geschafft. Und insofern, wir hatten sehr, sehr viel vor uns. Und jetzt kommt KI. KI ist sicherlich der größte sogenannte Game Changer, den man sich vorstellen kann. Und es macht ja auch Spaß, ein bisschen über sich selbst zu lachen. Sie erinnern sich, die kostenlose und für jeden zugängliche Version von ChatGTP kam raus im Januar 2023. Ja, vor zwei Jahren, genau. Januar 2023. Und ich habe tatsächlich, schon noch im Dezember, Ich habe die Manuskripte, noch die Redekärtchen, bei einer Veranstaltung gesagt, schauen Sie, das Schöne bei uns in der Branche ist. Ich habe das wirklich gesagt. Die großen technischen Neuerungen, die sind jetzt alle durch. Für uns ist in Perspektive der nächsten drei bis fünf Jahre keine sonderliche Veränderung zu erwarten. Wir können uns jetzt darauf konzentrieren. Diese Arbeit, also das war so, das habe ich gesagt, sechs Wochen bevor Chatschi die Bier auskam. Und dann haben wir damit ja alle gearbeitet. Ja, was hat Chatschi bitte hier heute? Und haben gesehen, dass das, alles verändert wird. Ja, aber Entschuldigung, dass ich Sie gerade unterbrochen habe. Was hat die Künstliche Intelligenz insgesamt? Haben die schon Jobs bei Ihnen im Haus? Also, was heißt Jobs bei mir im Haus? Also ich muss ja 20 Euro dafür bezahlen. Insofern, Monat, Sie auch. Also wenn Sie die gehobene Version nehmen. Also wenn das ein Job ist, dann ja. Nicht zum Texte produzieren, aber zum Beispiel Abläufe optimieren, Verfahrensstrukturen, keine Ahnung, frage ich Sie? Ja, sehr, sehr viel. Also ich sage mal, wenn ich vor drei Jahren irgendwie eine Reise plante mit Station A, Station B, die und die Zeiten, dann musste ich über den Hinsetzen recherchieren. Heute gebe ich an und sage, mach mir mal die besten Verbindungen von A nach B. Die stimmen da nicht immer, du musst sie noch recherchieren. Das ist schon mal ein tolles Anhaltspunkt. Und so, glaube ich, arbeitet jeder auf seine Weise damit. Diejenigen, die glauben, man kann einfach einen Text da reingeben und den rausgeben und keiner merkt, die irren sich. Wir selber, sie auch, ihre Leute, wir erkennen einen künstlichen Text, 10 Meilen gegen den Wind. Aber was wir nicht erkennen, ist natürlich ein Text, den jemand zusammenschreibt und sich hier einen kleinen Baustein und da einen kleinen Baustein und dort einen kleinen Baustein zusammennimmt. Ja, ich könnte mir auch vorstellen, dass man sich mit künstlicher Intelligenz beraten lässt, welche Titel laufen, welche Profile Zukunft haben. Das läuft nicht bei Ihnen. Also ich bin davon noch nicht überzeugt. Und Sie erinnern sich, einer der Marktteilnehmer hat vor der Biografie von der Altbundeskanzlerin Merkel, die beim Verlag Kiepenheuer & Wittsch erschienen ist, eine Prognose gemacht, wie viel Absatz das sein würde. Und ich glaube, er lag im Verhältnis 1 zu 5 daneben, der, weil wir auch Prognosen gemacht hatten, jetzt einfach spaßeshalber, die lagen alle näher dran. Aber das ist ja nur eine Frage der Zeit. Aber per heute, glaube ich, Marktbeobachtung durch ChatGDP. Wir sind selbst in einem kleinen Startup dran gewesen, wo zwei wirklich intelligente, junge, engagierte Leute sagten, wir machen jetzt unter Nutzung von KI, scrollen via Social Media, um herauszufinden, wo gerade was wie diskutiert wird. Technisch super spannend, technologisch anspruchsvoll. Die Idee hat einen Charme, aber da ist jetzt noch nichts, wo wir sagen, da kann man das Geld rein investieren. Okay. Sie haben im Jesusalter von 33 Jahren den Verlag übernommen, 1999. Was würden Sie heute sagen, waren Ihre wichtigsten Entscheidungen, abgesehen davon, dass, wie ich gerade gehört habe, Sie einfach in den Diskussionen dabei sein müssen und wollen? Was sind die zentralen Dinge, die sich verändert haben? Also, wir unterscheiden ja zwischen den Fähigkeiten und den Fertigkeiten. Und ich würde mal sagen, die Fertigkeiten haben sich komplett gewandelt. Vom Fax über das E-Mail zu Kommunikationsmethoden wie Teams oder anderes, da sind die Fertigkeiten einfach andere geworden. Die Fähigkeiten sind die gleichen. Wenn ich ein Thema haben will, ein Buch haben will, ein Zeitschriftenartikel haben will, den die Leute interessieren, dann hat das was mit einer bestimmten Witterung zu tun. Und die hat zu tun mit der Wahrnehmung von gesellschaftlichen Entwicklungen, von persönlichen Gesprächen, aber auch von der Abstrahierung. Das ist nur ein persönliches Gespräch, aber der Trend könnte anders aussehen. Und insofern würde ich mal sagen, dass das. Was unsere Branche spannend macht, also Ihre wie meine, das ist das Gleiche geblieben. Bei dem, was Sie gerade erzählt haben, fehlte mir ein Name. Talia. In Freiburg haben es einige bis heute dem Herder Verlag, sage ich jetzt mal, und nicht nur dem Herder Manuel, bis heute nicht verziehen, dass an dieser alteingesessenen Buchhandlung eines Tages Thalia draufstand. Und dann erst recht nicht, dass dann 2016 sie mit einem Konsortium den Löwenanteil ausgerechnet von Thalia übernommen haben, dieser Thalia-Gruppe. Also, der größte Buchhandelskette in Deutschland, ein Marktführer, zumal mit Onlinehandel und eigenem E-Reader, das ist doch, denken viele, Sie haben es vorhin schon angedeutet, dass Sie es ein bisschen anders sehen, der Feind des Buchladens um die Ecke. Was sagen Sie, wenn man Ihnen sowas vorwirft? Also den Vorwurf höre ich total selten. Wahrscheinlich auch deshalb, weil er ja mit der Wirklichkeit gar nicht übereinstimmt. Die Wirklichkeit ist ja eine andere. Die Wirklichkeit ist, dass das große Unternehmen Thalia gesagt hat, wir helfen dieser Branche dabei, sich gegen einen übermächtigen, volldigitalisierten Wettbewerber durchzusetzen. Thalia ist hingegangen, hat gesagt… Wir können das Kind beim Namen nennen, Amazon. Raleigh hat gesagt, wir gründen mit viel Geld den sogenannten Tolino Reader, den jede Buchhändlerin und jeder Buchhändler in seiner unabhängigen Buchhandlung mit seinen eigenen Inhalten verkaufen kann. Bei Amazon ist es so, wenn Sie einmal so einen Kindle haben, kriegen Sie nur Amazon-Ware, nichts anderes mehr. Beim Tolino, der ist offen geschaltet, kann jeder rein. Das ist mal das Erste. Das Zweite. Darf ich gerade reingrätschen, was für einen Marktanteil hat dieser? Ha, der ist super. Der ist grob halber Markt. Die Gerätschaften Tolino versus Kindle ist grob die Hälfte des Marktes. Und die sogenannten downgeloadeten, wunderbares Englisch, E-Books, da sind wir, glaube ich, bei 45 versus 55, aber das müsste ich im Detail nachschauen. Also da kriegen die anderen noch mehr hin. Aber insofern halber Markt. Und nach unserem Kenntnisstand ist der deutschsprachige Markt auch der einzige weltweit, der es geschafft hat, derart dem Kindle Paroli zu bieten. Das hat kein anderer Sparraum geschafft. Und warum? Weil der marktführende Buchhändler gesagt hat, wir nehmen alle mit ins Boot. Jeder, der hier mitmacht, der ist unser Partner. Und deswegen haben wir als nächstes das sogenannte Partnerschaftsmodell entwickelt. Also wenn Sie Lust haben, morgen früh Ihre ganz ureigene, ganz ganz Ihre persönliche eigene Buchhandlung aufzumachen, dann haben Sie verschiedene Möglichkeiten. Und eine ist, Sie sagen, hallo Talia, mach mir doch mal die ganze Infrastruktur, es bleibt trotzdem meine, aber ihr macht den Einkauf gleich mit, ich kriege eure Konditionen, das ist meine Buchhandlung. Insofern, ich glaube, diejenigen, die die Branche kennen, die wissen, was das für einen Wert für diese Branche darstellt. Und das andere, Sie sagten ja, dass wir die Buchhandlung damals verkauft haben. Ja, das war so, 90er Jahre, 96 übrigens genau, 20 Jahre bevor wir zurückgekauft haben. Gehen Sie zurück in die Zeit. Wir waren damals noch in einer Welt, wo der deutschsprachige Buchhandel enorm individuell war. Es gab in allen großen Städten große, inhabergeführte, wissenschaftliche, schöne Buchhandlungen. Und dann begann die Filialisierung von allen Ecken kommend. Und dann stellte sich raus, dass viele von diesen Buchhändlern so es nicht geschafft haben und eingingen. Und wir hatten damals verschiedene Buchhandlungen in Freiburg und in anderen Städten, die aber alle sehr, sehr individuell waren. Und mein Vater sagte damals, so etwas umzubauen in eine moderne Filialkette, was man machen muss, wenn man überleben will, schaut ihn die anderen an. Das werden wir so nicht hinkriegen. Dann wird es doch klüger sein zu sagen, wir geben die Buchhandlungen an denjenigen, von dem wir jetzt sehen, dass er mit Niveau Buchhandel betreiben möchte langfristig. Wir haben mit dem einen stabilen Partnerschaftsvertrag, wo unsere Herderbücher in die ganzen Buchhandlungen reingehen. Und sind mit dem in Good Terms. Wer weiß, vielleicht ändert er irgendwann mal seine Meinung und hat kein Interesse am Buchhandel mehr. Und insofern muss ich sagen, die Entscheidung damals hat sich für uns als eine gute Entscheidung entpuppt. Und retrospektiv, kleiner Wink des Schicksals, wir haben im Juli 96, steht bei Ihnen in der Zeitung, dass wir die Buchhandlung damals verkauft haben. Und im Juli 2016 steht bei Ihnen in der Zeitung, dass wir sie zurückgekauft haben. Schöner kann es eigentlich gar nicht gehen. Also wenn man sie so hört und sie so sieht, Herr Herdern, dann denkt man, und das haben Sie sicher schon tausendmal gehört, das ist ein Unternehmer, wie er im Buche steht. Und was bedeutet es eigentlich dann in dem Zusammenhang, dass Sie sich 2021 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen haben? Für mich würde ich sagen, mehr operativ geht doch gar nicht. Naja, es ist natürlich schon so, sind wir mal ehrlich. Sie kennen die alte Weisheit. Keine Grenze verleitet mehr zum Schummeln oder zum Schmuggeln, falsch. Keine Grenze verleitet mehr zum Schmuggeln als die Altersgrenze. Und dann hilft es auch nicht, wenn man sich weiße Schuhe ansieht. Also das habe ich jetzt nicht gemacht und eine zu enge Hose, weil man sagt, ich bin jetzt auch digitaler. Ich bin es nicht. Ich bin Jahrgang 66 und damit per se einfach nur Digital Immigrant und kein Native. Und ich werde es auch nie werden. Und Sie kennen das, egal wie gut Leute eine Sprache lernen, wo sie in ein Land gegangen sind, den Akzent hört man immer. Und wenn ich über Digitales rede, dann hören sie den Akzent einfach immer irgendwie raus. Und ich habe gesagt, unser Haus hat immer davon gelebt, dass es jung war. Wir hatten immer sehr frühe Generationenwechsel. Wir waren immer sehr schnell in der Adaption von Veränderungen. Und als ich dann die beiden jungen Männer hatte, Philipp Lindinger, kaufmännischer Geschäftsführer, Simon Bialobons, verlegerischer Geschäftsführer und Cheflektor, wo ich gesagt habe, die beiden, die sind digital, natives. Die haben Spaß an dem Unternehmen. Komm, gib denen die Chance. Natürlich, durch den Zuwachs mit Thalia und mit anderen Beteiligungen, die wir haben, war die Arbeit jetzt auch ein bisschen viel geworden und insofern finde ich, das, was ich da gemacht habe, war, Gut, hätte man vielleicht schon ein paar Jahre früher machen können. Aber so ist es jetzt sehr, sehr gut. Und ich muss sagen, ich habe Spaß bei der Arbeit. Sie haben also nicht gewartet, bis Sie zu alt sind? Nee, ich bin jetzt Senior-Chef und noch keine 60. Also das muss man erst mal hinkriegen. Nächstes Jahr werden Sie 60. Genau. Aber was ist mit Ihren eigenen Kids? Sie sind, glaube ich, in Kirchshaten? Im Dreisandertal draußen. Im Dreisandertal. Verheiratet, vier Kinder, alle erwachsen. Steht da nicht schon die siebte Generation vom Herder Verlag in den Startlöchern? Also wir haben in der siebten Generation acht Mitglieder. Vier davon sind meine Kinder, unsere Kinder. Und von diesen acht haben schon fünf ein einjähriges Trainee-Programm gemacht, was wir konzipiert haben für die Familienmitglieder, um zu sehen, ob ihnen das gefällt oder nicht gefällt. Der sechste hat mitgeteilt, er will das noch machen. Also das finde ich schon mal ein hohes Interesse am Unternehmen. Zwei davon waren schon zu einem, wenn auch kürzeren, Trainee-Programm oder Praktikumsprogramm bei Thalia. Oder sind gerade dort. Also auch das, muss ich sagen, macht einen guten Eindruck. In einem Fall geht es schon weiter. Also selbst die achte Generation gibt es schon, aber die sind noch sehr klein. Insofern, ich glaube, das wird am langen Ende gut. Sie selber haben ja Japanologie studiert, Betriebswirtschaft, Theologie und Erziehungswissenschaft. War von Ihnen erwartet oder wurden Sie gar genötigt, dann nach Ende des Studiums, egal was Sie jetzt nun studieren durften, sage ich jetzt mal, den Betrieb zu übernehmen? Nein. Und ich glaube, das ist auch ein Teil der, der Familientradition gerade niemanden zu nötigen, sondern zu sagen, hey, mach du erst mal was Eigenes und steh mal auf eigenen Beinen, damit du nicht abhängig bist von dem gesamten Familienunternehmen. Und jetzt gerade in meinem Fall zu sagen, ich mache Japanologie, damals in einer Zeit, als die japanische Wirtschaft völlig uneinholbar schien, Sie erinnern sich vielleicht, damals kursierten Informationen, Gerüchte, was auch immer, Tokio sei mehr wert als ganz Kalifornien, zusammen. Oder Teile von Tokio, ich habe es vergessen. Das war schon so ein Punkt, wo ich sagte, ich baue mir da was auf. Da kenne ich mich aus. Ich brauche diesen Verlag so nicht. Dann waren es aber die Gedichte der Kaiser. Die haben mir dann doch weiter geholfen. Das war sehr, sehr schön. Vielleicht ein Highlight in meinem Leben. Okay, zum Schluss möchte ich Sie doch noch mal nach dem neuen Papst fragen. Von Erasmus von Rotterdam ist ja der Spruch überliefert, glücklich ist, wer das sein will, was er ist. Als der Kardinal Ratzinger 2005 im Konklave war und dann wohl nach dem dritten Wahlgang oder so schon gesehen hat, oh Gott, es wird wohl kein Weg an ihm vorbeiführen, da hat er, soll er gesagt haben, ihm ist, als würde ein Fallbeil auf ihn niedergehen. Und was man so hört, soll sich der Robert Francis Prevost auch nicht gerade drum gerissen haben, diesen Job zu kriegen. Jetzt ist er Papst und man kann ihm nur wünschen, dass er damit glücklich wird, weil er ist es ja schon. Und die katholische Kirche auch natürlich, dass sie mit ihm glücklich werden kann und vielleicht auch Leute wieder für den Glauben entzünden kann, die jetzt eher indifferent dastehen. Was erhoffen Sie sich persönlich von ihm? Also ich glaube, das sind drei Dinge. Das eine ist ein Mensch, der sich traut, Dinge in Summe beim Namen zu nennen. Auch in den Bereichen, wo es unangenehm und schmerzlich ist. Ich weiß nicht, ob Sie das verfolgen, aber wir erleben derzeit eine der größten Christenverfolgungen in der Weltgeschichte. Wenn Sie mal nachschauen, einfach nur auf Google, Kongo, Kasanga-Massaker, Nigeria, Plateau-Massaker, Indien, also da passieren Dinge, die sind für uns schmerzhaft, keiner will gerne Opfer sein, aber es findet statt. Wir haben andere Dinge. Eines hat er angesprochen, wo er sagte, das, was die künstliche Intelligenz macht, wird mindestens so auswirkungsstark sein wie die industrielle Revolution. Deswegen der Bezug auf die Sozialen Zyklika von Leo XIII. Also Dinge beim Namen nennen ist wichtig. In der Geisteswissenschaft ist es nun mal so, da gibt es keine Reagenzgläschen und keine Wagen. Sie können nicht abwägen, was ist richtig, abwiegen, was ist richtig oder messen. Sie können nur diskutieren. Also wenn wir in der Geisteswissenschaft weiterkommen wollen, dann muss ich A sagen und Sie sagen B. Und dann müssen wir gucken, was macht das mit uns und was sagen Dritte dazu. Nur der Diskurs bringt uns weiter, sonst haben wir kein anderes Mittel. Und der Beginn ist aber, dass man die Dinge beim Namen nennt. Und deswegen wäre das mal die Hoffnung Nummer eins. Das Zweite, was ich wichtig finde, gerade jetzt hier für uns im Westen, im deutschsprachigen Raum, Wir gucken ja immer gerne mal zunächst auf die Probleme und dann die Schwierigkeiten. Und dann erklären wir uns wechselseitig, warum es eh nicht klappt. Und wenn da jemand ist, der einfach mal gute Laune hat und der fröhlich Dinge voranbringt, ich glaube, das wird uns schon weiterhelfen. Ja, und das Dritte ist natürlich ganz eigennützig. Ich freue mich auf spannende Texte, die man hoffentlich verlegen kann. Glücklich ist, wer das sein will, dass er ist. Ich glaube, wir dürfen uns den Verleger Manuel Hertha als glücklichen Menschen vorstellen. Vielen Dank für Ihre Zeit und für das spannende Gespräch. Und viel Glück, dass es klappt mit dem 28.05. Da arbeiten wir dann. Frau Schoder, vielen Dank für das gute Gespräch. Hat mir auch Freude gemacht. Ja, Dankeschön.