Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Welche UN braucht die Welt? (mit Michael Bröning)
Transcript
- 0:00Wir haben eine Situation, in der ständige Mitglieder des Sicherheitsrats offen Krieg führen
- 0:05und diese ständigen Mitglieder werden ein Dokument verabschieden,
- 0:08in dem ein hohes Lied auf die Charta der Vereinten Nationen und auf das Völkerrecht angestimmt wird.
- 0:14Hallo und herzlich willkommen zu Folge 2 von "Pod und die Welt".
- 0:18In diesem Podcast der Zeitschrift "Internationale Politik"
- 0:21denken wir alle zwei Wochen gemeinsam über aktuelle Themen in der Außenpolitik nach.
- 0:26Wir, das sind Martin Bialecki, Chefredakteur der IP
- 0:29und Katharina Peetz, freie Journalistin.
- 0:31In jeder Episode laden wir einen Gast ein,
- 0:33mit dem wir außenpolitische Themen analysieren und in einen größeren Kontext einletten.
- 0:38Und dabei geht es immer auch um die Frage, was hat das alles mit unser aller Leben zu tun?
- 0:42Genau, in unser heutiges Thema, das fühlt sich vielleicht für viele Menschen erst mal sehr weit weg
- 0:47und ziemlich abstrakt an.
- 0:48Wir sprechen nämlich über die Vereinten Nationen.
- 0:51Dass sich das so ein bisschen abstrakt anfühlt, das liegt wohl auch daran,
- 0:54dass die UN einfach ein riesiger Tanker sind mit gewachsenen Strukturen.
- 0:58Manche würden vielleicht auch sagen mit dysfunktionalen Strukturen.
- 1:01Über eine Reform der UN wird deshalb schon lange immer mal wieder diskutiert
- 1:04und wir wollen heute genau darüber sprechen, wie die Zukunft der UN aussehen könnte
- 1:08und ob jetzt eigentlich der richtige Zeitpunkt für Reformen ist.
- 1:11Am 22. und 23. September findet nämlich der sogenannte Zukunftsgipfel in New York statt.
- 1:17Dafür kommen Staats- und Regierungschefs der Welt am UN-Hauptsitz zusammen
- 1:20unter dem Motto "Multilaterale Lösungen für ein besseres Morgen".
- 1:24Soll auch ein sogenannte Zukunftspakt verabschiedet werden,
- 1:27in dem dann dringende internationale Fragen aufgegriffen
- 1:30und eben auch Reformen der UN vorangebracht werden sollen.
- 1:33Im zweiten Teil dieser Folge schauen wir dann genauer auf die Rolle Deutschlands
- 1:37innerhalb der Vereinten Nationen und wir tun das alles zusammen mit Michael Bröning,
- 1:41dem Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in New York.
- 1:44Hallo, lieber Bröning.
- 1:45Halli, hallo.
- 1:46Schön, dass Sie da sind.
- 1:51Sie haben schon vor zwei Jahren in einem Text für die IP geschrieben,
- 1:54dass die UN "auf absehbare Zeit von Dysfunktionalität und einer immer größeren Kluft
- 2:00zwischen Rhetorik und Realpolitik geprägt sein werden".
- 2:03Was würden Sie jetzt zwei Jahre später sagen, ist diese Dysfunktionalität noch größer geworden?
- 2:07Absolut.
- 2:08Wir sehen ja, dass die Vereinten Nationen sich jetzt gerade vorbereiten auf den Zukunftsgipfel.
- 2:13Sie haben es ja gerade in der Anmoderation auch erklärt.
- 2:15Hier sportet man so ein bisschen hinter vorgehaltener Hand darüber,
- 2:19dass das entweder der richtige Prozess zur falschen Zeit ist
- 2:23oder der falsche Prozess zur richtigen Zeit.
- 2:25Auf jeden Fall passen da manche Dinge nicht zusammen,
- 2:28denn wir erleben ja tatsächlich sozusagen im Stundentakt,
- 2:31wie Regeln des Völkerrechts, wie Regeln der multilateralen Zusammenarbeit
- 2:36aufgekündigt in Frage gestellt werden.
- 2:38Und deswegen ist schon die Frage, ob das jetzt der beste Zeitpunkt ist,
- 2:41diese Regeln ganz neu auszuhandeln.
- 2:42Weil ja klar ist, dass momentan eben zu vielen Fragen einfach kein Konsens existiert.
- 2:47Gibt es denn, Herr Bröning, so etwas wie eine jetzt erst recht Mentalität vielleicht in New York?
- 2:52Sie haben gesagt, eigentlich seit der Zeitpunkt jetzt so suboptimal.
- 2:55Also, dass es so ein Reformprozess gibt, ist doch erstmal gut, oder?
- 2:57Sicher. Also, ich nehme das so, weil das hier eine gewisse Nervosität herrscht.
- 3:01Also, die Straßen sind momentan noch frei.
- 3:04Wir sind jetzt eine gute Woche entfernt von dem Reformkipfel.
- 3:08Und ich meine, hier wird sozusagen in jedem Jahr ein großer Zirkus aufgeführt.
- 3:12Und in diesem Jahr wird es eben besonders massiv sein,
- 3:14weil eben nicht nur sagen die regelmäßige alljährlich im September stattfindende
- 3:20High-Level-Week stattfindet, sondern eben auch dieser Reformgipfel,
- 3:23der eben dargestellt wird, als also einmalige Chance innerhalb von einer Generation
- 3:27hier große Dinge zu befüllen.
- 3:29Auf den ersten Blick sieht es erstmal alles gut aus,
- 3:32denn wir warten wirklich eine Fülle von Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
- 3:35Also, es werden 150 Staats- und Regierungschefs erwartet, 190 Ministerinnen und Minister.
- 3:40Also, das ist erstmal alles gut.
- 3:41Amerikaner vergleichen das natürlich gerne mit amerikanischem Sport
- 3:45und sprechen hier von einem Super Bowl der Diplomatie.
- 3:47Nur die Frage ist halt sozusagen, was wird dabei herauskommen?
- 3:51Und deswegen nehme ich auch eine gewisse Nervosität wahr.
- 3:54Es ist ein bisschen so, wie wenn man eine Party vorbereitet,
- 3:56das Buffet ist aufgebaut, die Musik liegt bereit, aber man weiß halt nicht,
- 4:00die Gäste werden kommen, aber wird am Ende getanzt
- 4:02oder sitzen am Ende alle deprimiert in der Küche und machen lange Gesichter.
- 4:07Und wenn man realistisch ist, sind beides sozusagen mögliche Ergebnisse.
- 4:11Wir werden das erleben.
- 4:11Sie sitzen deprimiert in der Küche, woran krankt denn die UN derzeit am meisten?
- 4:16Es gibt eine Menge Probleme, die die Vereinten Nationen haben.
- 4:19Was sind die größten Probleme und warum sollte uns das Sorgen machen?
- 4:23Also, ich glaube, man muss da genau hinschauen.
- 4:25So erstmal ist völlig klar, dass wir in der Zeit leben,
- 4:28die massive Erschütterung der Weltordnung erlebt.
- 4:31Stichwort Ukraine-Krieg, Gaza-Krieg und dann aber auch sozusagen Konflikte,
- 4:36die jetzt nicht in Deutschland im Tagesrhythmus die Headlines bestürmen.
- 4:39Ich sage mal, Stichwort Sudan.
- 4:41Also, es ist klar, dass hier Erschütterungen zu verzeichnen sind
- 4:44und es ist eben auch klar, dass die Vereinten Nationen bisher nicht in der Lage gewesen sind,
- 4:48hier maßgebliche diplomatische Durchbrüche zu erzielen.
- 4:51Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat wieder Ruhe zu Feuerpausen, Waffenruhen und so weiter aufgerufen.
- 4:58Ich glaube, Antonio Guterres war so im Wochentakt irgendwie davor, dass der Planet brennt.
- 5:02Und trotzdem ist ja klar, dass es sozusagen in die Wirklichkeit nicht stringent übersetzt wird.
- 5:07Das ist jetzt erstmal auch nicht fundamental neu,
- 5:09aber das ist eben eine Seite der Wirklichkeit, die erstmal postuliert werden muss.
- 5:13Die andere Seite ist eben aber auch, dass es nicht alles in einem absoluten Zusammenbruch befindlich ist.
- 5:20Also, ich vergleiche das auch gerne mit der Unterstützung an dem Völkerbund.
- 5:23Also, schauen wir mal zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zurück.
- 5:27Palais des Nations in Genf am 2. September 1939 wurden da die Türen zugesperrt
- 5:32und die Leute sind nach Hause gegangen und das war es.
- 5:35Und davon kann hier natürlich überhaupt nicht die Rede sein.
- 5:37Also, ich bin ungefähr 400 Meter jetzt vom UN-Hauptquartier entfernt
- 5:41und das ist ein bisschen also Vollgas im ersten Gang.
- 5:43Also, der Rhythmus der Veranstaltung ist massiv.
- 5:46Die Leute, die hier tätig sind, sind mit großem Metriismengagement dabei
- 5:50und da gibt es jetzt auch keine Erschütterung, dass die jetzt alle irgendwie
- 5:53das Heft zu, klappen und nach Hause gehen, sondern die Betriebsamkeit ist schon sehr eindrucksvoll.
- 5:58Nur die Frage ist halt, was ist die Wirkung?
- 6:01Da spricht ja schon eine gewisse Begeisterung auch raus.
- 6:03Also, ein großes Commitment für die Vereinten Nationen, wenn man ihnen zuhört.
- 6:06Wie lange sind Sie in New York stationiert
- 6:09und was ist in dieser Zeit dann eigentlich besser geworden bei den Vereinten Nationen?
- 6:12Also, ich bin seit 2020 hier und es war eine schwierige Zeit herzukommen,
- 6:17weil wir natürlich unter Pandemiebedingungen hier arbeiten mussten
- 6:20und auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie eben die Viertelige Eberstiftung
- 6:24über lange Zeit gar keinen Zugang zu den Gebäuden der Vereinten Nationen hatten.
- 6:28Wir mussten unsere Arbeit hier natürlich massiv umstricken.
- 6:31Gut nun ist die Eberstiftung wie andere deutsche politische Akteure der Zivilgesellschaft
- 6:35hier wirklich ein kleiner Fisch in einem sehr großen Teil.
- 6:38Man muss seine Ambitionen hier zurückstecken und schauen, wo man tatsächlich einen Beitrag leisten kann.
- 6:43Was besser geworden ist, denke ich, das Glück im Unglück,
- 6:46das im Zuge der Krisen eben zumal in Deutschland das Bewusstsein eher gewachsen zu sein,
- 6:53denke ich, dass wir multilaterale Lösungen brauchen.
- 6:56Ich muss trotzdem noch mal zu den Problemen zurückkommen.
- 6:59Da sind ja einige, diese Selbstverserlung des Sicherheitsrats in der aktuellen Weltpolitischen Lage.
- 7:03Massive Finanzprobleme, der Vorwurf, dass die Vereinten Nationen die Machtverhältnisse in der Welt gar nicht mehr angemessen repräsentierten
- 7:10Reformen und Fähigkeit, Bürokratie etc.
- 7:12Und dann, Sie haben das Stichwort von Serbe gesagt, auch noch der Gaza-Konflikt.
- 7:16Wie sehr liegt denn dieser Gaza-Konflikt zurzeit jetzt über allem drüber
- 7:20und wie sehr erschwert dieser Gaza-Konflikt auch die aktuellen Reformbemühungen?
- 7:25Also der Gaza-Krieg ist hier natürlich total präsent.
- 7:28Er ist eben einer von zwei Konflikten, an denen gerade Vertreter des Globalen Südens in New York meinen,
- 7:35abzulesen, dass eben auch in Berlin, auch in Deutschland, deutlich mit zwei allein mass gemessen wird.
- 7:41Und das ist schon eine diplomatische Bürde, die da zu tragen ist.
- 7:44Und wenn man jetzt den Blick ein bisschen weitet und sich die Arbeit im Sekretariat anschaut,
- 7:49aber auch im Sicherheitsrat, dann ist die Stimmung da natürlich total vergiftet.
- 7:52Wir haben eine Situation, wo einerseits große Reformpläne geschmiedet werden
- 7:56und wo andererseits sich ständige Sicherheitsratsmitglieder mehr oder weniger unverhohlen
- 8:01mit atomarer Vernichtung drohen.
- 8:02Also dass man da jetzt sozusagen nicht am großen Rat die Silver Bullet
- 8:05sozusagen entwickelt und alles auf Kurs bringt, ist irgendwie klar.
- 8:09Ich habe mir mal die Zahlen angeschaut.
- 8:11Also bisher 2024 sind 52 Prozent der Resolutionen im UN-Sicherheitsrat einstimmig verabschiedet worden.
- 8:19Und das ist eine Zahl, die so niedrig ist wie noch nie.
- 8:22Schon im vergangenen Jahr waren es 70 Prozent und 2022 67 Prozent.
- 8:28Und wir haben natürlich auch einen ganz regelmäßigen Einsatz des Vetos.
- 8:31Und das zeigt halt einfach, dass das Vertrauen sehr stark erodiert ist
- 8:35und dass da geopolitische Zerwürfnisse in die Geschäftlichkeit der normalen Abläufe sehr reingegiert.
- 8:43Ich fand eben das Bild sehr schön von den Vorbereitungen für die Partei,
- 8:51Und alle sind sehr aufgeregt.
- 8:52Deutschland hat diesen Zukunftsgipfel,
- 8:55der Mitte Ende September in New York stattfindet,
- 8:57mit vorbereitet, zusammen mit Namibia.
- 9:00Man hat trotzdem den Eindruck,
- 9:02dass der Zukunftsgipfel in der deutschen Öffentlichkeit,
- 9:05Sie haben beschrieben, dass es vor Ort in Interesse gibt,
- 9:08aber hier in der deutschen Öffentlichkeit,
- 9:10ist das bisher kaum Thema gewesen.
- 9:12Man könnte sagen, die Party wird zwar vorbereitet,
- 9:14aber irgendwie kriegt das hier niemand mit oder keine Einladungen.
- 9:18Aber die Menschen in Deutschland sind doch zu weit weg.
- 9:21Ich würde sagen, das ist in New York auch gar nicht so furchtbar anders.
- 9:25Der UN-Reformgipfel ist weltberühmt in New York
- 9:27zwischen der 41. und der 48. Straße.
- 9:30Darüber hinaus schaut man hier mit großer Spannung auf die US-Wahlen.
- 9:35Die Vorstellung, dass hier in der amerikanischen Öffentlichkeit
- 9:38mitgefiebert wird, was hier Großes zu erwarten ist,
- 9:41bietet leider ein bisschen an der Wirklichkeit ebenfalls vorbei.
- 9:45Ich habe gestern gesehen, dass tatsächlich in New Yorker Bushaltestellen
- 9:48Poster aufgehängt worden sind.
- 9:50Eine treue Seele hat sich die Mühe gemacht, Poster anzubringen,
- 9:53darauf hinzuweisen, dass hier die Reformgipfel stattfindet.
- 9:56Ich fand das gut, aber das Interesse ist immer nur punktuell.
- 9:59Ich gehe davon aus, dass sich das ändern wird.
- 10:02Wenn hier die hochkaritigen Gäste einfliegen,
- 10:05dann wird die Party losgehen, das ist jedes Jahr so.
- 10:07Dann kann man das irgendwann nicht mehr ignorieren.
- 10:10Auf die Rolle Deutschlands bei diesem Gipfel,
- 10:13die Vorbereitung noch mal genauer zu sprechen kommen,
- 10:15wie haben Sie die deutsche Bundesregierung da wahrgenommen?
- 10:19Deutschland und Namibia haben da tatsächlich gute Dienste geleistet
- 10:24und mit großem Engagement und Pflichtbewusstsein
- 10:27versucht, ein sehr dickes Brett zu bohren.
- 10:30Die Vorbereitung dieses Paktes ist nicht im Hauruck-Verfahren erfolgt.
- 10:34Dieser Reformgipfel hier ist das Resultat eines 3-4-Jährigen-Prozesses.
- 10:38Deutschland hat die Fiederführung mit Namibia gemeinsam übernommen
- 10:43und in einem sehr aufwendigen Prozess sichergestellt,
- 10:47dass beispielsweise jetzt die gesellschaftliche Stimmen einfließen konnten.
- 10:50In meiner Wahrnehmung wird das wahrgenommen
- 10:53und wird auch als Verdienst wahrgenommen,
- 10:56auf dem man auch ein Stück weit stolz sein kann.
- 10:58Das heißt, was verspricht man sich vielleicht auch?
- 11:00Mehr Sichtbarkeit?
- 11:01Auch vielleicht mit Blick auf eine Repräsentanz im Sicherheitsrat?
- 11:05Deutschland ist hier natürlich sichtbar.
- 11:07Deutschland ist sozusagen je nach Zählung
- 11:10der zweitgrößte oder der viertgrößte Zahl,
- 11:12je nachdem, ob man das gesamte UN-System oder jetzt das UN-Budget
- 11:16in den Blick nimmt.
- 11:17Natürlich spielt die Bundeswehr hier eine politische Rolle.
- 11:21Wir sind nicht im Sicherheitsrat vertreten,
- 11:23also nicht dauerhaft als Veto-Spieler,
- 11:26aber kandidieren ja auch immer wieder mal
- 11:28nehmen deswegen hier eine wichtige Rolle ein.
- 11:30Das wird wahrgenommen und auch geschätzt.
- 11:32Die Diskussion nach einem ständigen Sicherheitsratssitz
- 11:35für Deutschland ist natürlich dann noch mal eine ganz andere.
- 11:37Also seit 2005 spielte es ja da sozusagen die auch formale Forderung
- 11:42der Bundesrepublik, dass der finanziellen und der politischen Rolle,
- 11:46die Deutschland spielt, eben auch Rechnung getragen wird,
- 11:49in dem Deutschland ein ständigen Sicherheitsratssitz erhält.
- 11:52Da gibt es einen Plan,
- 11:54Zusammenarbeit mit Indien, Brasilien und Japan,
- 11:56die Forderung, dann sechs neue Sitze einzuführen.
- 11:59Aber ich meine, wenn man hier mit UN-Watchern spricht,
- 12:03die sich nur wirklich über Jahrzehnte mit Sicherheitsratsreformen beschäftigen,
- 12:07dann sagen die einem gerne: "Hey, I want my life back!"
- 12:09Ja, ich will die Lebenszeit, die ich auf diese Debatten gerne verwendet habe,
- 12:13gerne zurückbekommen, weil so absehbar ist,
- 12:15dass da unwahrscheinlich ist, dass sich irgendetwas tut.
- 12:18Auch jetzt im "Pact for the Future" wird natürlich sozusagen
- 12:21eine Reform des Sicherheitsrats in Aussicht gestellt,
- 12:24aber es ist halt nicht sehr realistisch,
- 12:25weil natürlich die aktuellen Sicherheitsratsmitglieder
- 12:29dem zustimmen müssen und davon es eben nicht auszugehen.
- 12:31Und vielleicht noch einen Satz zur allgemeinen politischen Einordnung.
- 12:35Meine persönliche Auffassung ist da eben auch,
- 12:37dass man sich schon sehr genau überlegen muss,
- 12:40was man als Bundeswehr in Deutschland da eben jetzt auch fordert.
- 12:42Ich meine, wir sagen in der UN-Reform Diskussion gerne,
- 12:45Leute, die Institutionen spiegeln nicht die Wirklichkeit wieder,
- 12:49sie spiegeln die Welt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wieder.
- 12:53Wenn man ehrlich ist, wenn Deutschland jetzt Sicherheitsratsmitglied würde,
- 12:56dann würde das nicht die Situation am Ende des Zweiten Weltkriegs
- 12:59wieder spiegeln, sondern die Situation vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
- 13:03Ich meine, da muss man realistisch sein und auch verstehen,
- 13:05dass manche Forderungen mittlerweile wirklich sehr aus der Zeit gefallen sind.
- 13:08Da geht es dann vielleicht auch eher darum,
- 13:09ein besseres Gleichgewicht zwischen dem Globalen Norden,
- 13:12Globalen Süden zu haben, wenn wir nochmal auf diesen Zukunftspakt genauer gucken.
- 13:16Es gibt so ein paar große Themen, die da angesprochen werden,
- 13:19aber es ist auch auffallend, welche Themen nicht so explizit genannt werden.
- 13:23Sie haben eben mal kurz das Stichwort Klimawandel genannt.
- 13:25Was ist denn so ihre Erwartung?
- 13:27Ein großer Durchbruch wird vermutlich nicht erwartet,
- 13:29aber vielleicht im Bereich von Nebenabkommen.
- 13:31Das Dokument wird ja noch verhandelt.
- 13:33Wir kennen alle die Schlussversion auch nicht.
- 13:36Es ist jetzt die dritte Version des Dokuments.
- 13:39Während wir jetzt sprechen, sind die diplomatischen Vertretungen,
- 13:42die ständigen Vertretungen dabei,
- 13:44sich tatsächlich über die einzelnen Sätze dieses Dokumentes zu beugen.
- 13:47Denn es muss ja im Konsens dann angenommen werden.
- 13:50Was man erwarten kann, ist ein Dokument der Ambivalenz.
- 13:53Natürlich ist das jetzt auch nicht für jeden leicht verdaulich.
- 13:55Wir haben eine Situation, in der ständige Mitgliederte Sicherheitsrats
- 14:01offen Krieg führen.
- 14:02Und diese ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats
- 14:04werden ein Dokument verabschieden,
- 14:06in dem ein hohes Lied auf die Karte der Vereinten Nationen
- 14:10und auf das Völkerrecht angestimmt wird.
- 14:12Also, das muss man sich auch auf dazu gezirrgehen lassen.
- 14:15Natürlich sind da Spannungen drin.
- 14:17Und natürlich sind da Ungereimtheiten drin,
- 14:20die auch schon verdaulich sind.
- 14:22Aber das ist halt die Welt in der Welt.
- 14:24Muss man die Vereinten Nationen sehr lieben, um noch an sie zu glauben?
- 14:27Ist das ein Platz für reine Idealisten geworden?
- 14:30Muss man die Vereinten Nationen lieben?
- 14:32Ich denke, wir sollten nicht vergessen,
- 14:33dass sie, obwohl es natürlich nicht die magische Lösung
- 14:37für alle unsere Menschheitsprobleme sind,
- 14:39dass wir gut damit beraten sind, sie aktiv zu halten
- 14:43und am Laufen zu halten.
- 14:44Und ich glaube, dass das ja auch das ist, was wir erleben können.
- 14:47Ich meine, dieser Gipfel in diesen Tagen ist ja letztlich ein Zeichen,
- 14:51hallo, wir Vereinten Nationen sind übrigens auch noch da.
- 14:54Wir werden ein einzigartiges Treffen von der Weltpolitik haben.
- 14:58Und wo würde man diese Diskussionen sonst führen,
- 15:02wenn nicht in New York?
- 15:03Schauen wir auf die operative Ebene.
- 15:05Ich meine, wir haben aktuell elf Peacekeeping Operations,
- 15:08die nach wie vor laufen, von Süpern bis nach Südzudan
- 15:12und in den Sudan.
- 15:13Also, es ist ja nicht so, als ob nichts passiert.
- 15:14Und wenn man genau hinschaut,
- 15:16ist es natürlich tatsächlich so, dass die UN dann sozusagen
- 15:19die letzten sind, die dann noch restzuständig sind
- 15:22und eben an die Orte gehen, an die sonst keiner mehr geht.
- 15:26Und ich glaube, die Welt wäre sicherlich keine besseren,
- 15:29wenn wir diese Institutionen nicht mehr hätten.
- 15:31Und das sage ich nicht als sozusagen blauäugiger Enthusiast,
- 15:35der hier die Schwächen nicht erkennt, die erkenne ich sehr wohl.
- 15:38Die erkenne eben auch viele Leute, die in diesem System tätig sind.
- 15:41Aber ich glaube, man muss da einfach genau hinschauen.
- 15:43Und es ist weder die Zeit jetzt, ein schwahrenden Gesang anzustimmen,
- 15:46noch in, sozusagen Triumphgeheul auszubrechen,
- 15:49sondern in der Mitte braucht man einen pragmatischen klaren Blick
- 15:52auf das, was geleistet werden kann und das, was eben nicht geleistet werden kann.
- 15:56Ein sehr nourrissiertes und sehr balanciertes Schlusswort.
- 15:59Lieber Herr Bröning, bevor wir mal ganz kurz zurückgucken,
- 16:01sagen wir an der Stelle schon mal ganz, ganz herzlichen Dank an Sie.
- 16:04Vielen Dank für das Gespräch.
- 16:06Vielen Dank für die Gelegenheit.
- 16:07Wir wollen zum Schluss einer jeden Folge immer so ein bisschen zusammenfassen,
- 16:14was uns am meisten im Kopf geblieben ist.
- 16:16Und dann nehme ich aus diesem Gespräch mit, dass ich sehr beeindruckend
- 16:19von dem hohen, hohen Aufwand der Betrieben wird,
- 16:21sowohl für die Veranstaltung selber,
- 16:23als auch für diese ganzen Prozesse innerhalb der Vereinten Nationen.
- 16:26Und dass man trotzdem so wahnsinnig wenig davon sieht, davon mitbekommt.
- 16:30Ich frage mich dann, ob das ein Problem der Kommunikation ist, der Darstellung,
- 16:33weil das die Lage der Welt unbedingt eine funktionierende,
- 16:37internationale, kräftige Organisation braucht.
- 16:39Das ist, glaube ich, ganz unbestritten.
- 16:40Ich fürchte aber, das wäre mein letzter Satz,
- 16:42dass die Großmächte eben immer weniger interessiert sind
- 16:45an einer wirklich funktionierenden Vereinten Nation.
- 16:48Katharina, was sind denn deine wichtigsten Gedanken zu dieser Folge?
- 16:52Also, mir bleibt auf jeden Fall das Bild von den Partyvorbereitungen hängen.
- 16:55Das fand ich super und sehr anschaulich.
- 16:57Wie bei der Party ist es dann eben so ganz weiß man nicht,
- 17:00woranz am Ende hängt, ob es gut wird oder nicht.
- 17:02Ich finde vor allem das Schlagwort Ambivalenz,
- 17:04dass man das erwarten muss und dass das irgendwie dazugehört,
- 17:07dass das am Ende das Ergebnis sein wird.
- 17:10Und dass die UN natürlich nicht perfekt sind
- 17:13und dass man trotzdem ohne vermutlich schlechter dran wäre.
- 17:16Das war sie, die zweite Folge von "Pod und die Welt".
- 17:22Wir haben gesprochen über die UN, die Zukunft der UN,
- 17:25mögliche Reformen, und zwar mit Michael Bröning,
- 17:28dem Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in New York.
- 17:30In zwei Wochen gibt's eine neue Folge
- 17:32und wir freuen uns sehr, wenn Sie auch die hören.
- 17:34Ich bin Katharina Peetz.
- 17:36Und ich Martin Bialecki. Tschüss und bis zum nächsten Mal.