Latest / «Call the Boss» / Nina Siegrist: Die wichtigste Medienmanagerin Schaffhausens
Transcript
- 0:00Journalist ist man ein Leben lang, auch wenn man den Beruf
- 0:04komplett wechselt. Oh, der Boss, ein Format vom
- 0:08Schaffhauser Wirtschafts Newsletter Zahltag, unterstützt
- 0:11von der Schaffhauser Kantonalbank, GF und Radio
- 0:14Munot. Mach ich Gäste?
- 0:19Hallo Nina, hier ist der Robin Blank vom Wirtschaftsnewseter
- 0:22Zahltag. Hallo Robin.
- 0:24Nina bald ist es soweit. Du trittst die Nachfolge von
- 0:27Beat Rechsteiner als CEO von den Maier und CAG in Schaffhausen
- 0:30an, die unter anderem auch die SN raus gibt.
- 0:33Wie fühlst du dich so kurz vor dem Start?
- 0:35Bist du nervös oder bist du entspannt?
- 0:37Ich würde sagen, ich bin noch relativ entspannt, sitze gerade
- 0:40mit Blick auf die Berge in Davos und Geniesse noch ein paar
- 0:44Ferientage, bevor es losgeht. Aber natürlich ist zumindest
- 0:48latent eine gewisse Nervosität vorhanden, zum einen, weil es
- 0:52meine erste CEO Rolle ist und zum anderen, weil es, glaube
- 0:55ich, in keinem Medienhaus, egal ob gross oder klein, momentan
- 0:59ganz einfach ist, gut über die Runden zu kommen darum.
- 1:02Weiss man grundsätzlich, dass man sich als Verantwortliche
- 1:05nicht unbedingt in eine einfache Umgebung.
- 1:08Begibt und das auch herausfordernde Entscheide
- 1:10anstehen. Aber das macht es auch reizvoll.
- 1:13Ich kann es grundsätzlich nicht gerne langweilig.
- 1:16Und wenn ich dich jetzt frage, du hast ja gesagt, es werden
- 1:19Entscheidungen anstehen, was willst du erreichen mit der
- 1:22Firma mit unserer Firma? Noch fehlt mir ein wirklich
- 1:27fundiertes Gesamtbild. Ich habe ja das aus und alle
- 1:29meine neuen Teamspartner erst so richtig kenne, aber ich habe
- 1:33sicher ein paar Ideen, was ich anpacken möchte.
- 1:36Zum einen haben wir bei der SN ja das Problem, das ist kein
- 1:40Geheimnis und bei den meisten Medienhäusern so, dass unsere
- 1:43gedruckte Auflage schneller zurückgeht als unsere digitale
- 1:47Abonnentenschaft wächst. Da braucht es einen Shoot, und
- 1:50zwar technisch mit einem besseren Nutzererlebnis und
- 1:54einer vielleicht noch ein bisschen zeitgemässeren App,
- 1:57aber natürlich auch mit Inhalten, die den Bedürfnissen
- 2:01unserer Nutzerinnen und Nutzer entsprechen.
- 2:04Da gibt es neue datenbasierte Tools.
- 2:06Wie ist das eigentlich usernee Konzept, wo ich bei
- 2:09verschiedenen Redaktionen von Ringier, meinem vorherigen
- 2:13Arbeitgeber, schon implementiert habe?
- 2:15Und dann glaube ich, dass wir unseren Nutzerinnen und Nutzern
- 2:19mehr eintrittspunkte, mehr Berührungspunkte mit unserem
- 2:22Angebot hinter der Paywall bieten müssen und ihnen noch
- 2:25besser aufzeigen, was sie von uns bekommen.
- 2:28Das führt mich vielleicht zu einem zweiten wichtigen Punkt,
- 2:31ich glaube, es braucht so etwas wie eine Charme Offensive, um
- 2:36unserem Ruf noch ein bisschen zu optimieren und auch
- 2:38klarzumachen. Wieviel wir für die Region tun,
- 2:42was wir alles abdecken und warum man auf uns eigentlich nicht
- 2:46kann. Und.
- 2:47Nicht wegpflichten ja, dann muss es uns natürlich auch gelingen,
- 2:51neue digitale Werbeformen zu etablieren, vielleicht auch
- 2:56Produkte wie Podcasts, Newsletter, Social Media Formate
- 2:59zu vermarkten. Und wenn du jetzt nach so etwas
- 3:03wie ein wenig einer Langzeitvision fragst, dann wäre
- 3:06mein Ziel schon, dass wir künftig zu einem physischen und
- 3:10virtuellen Treffpunkt werden in der Region, wo die Menschen, die
- 3:13hier leben. Eine attraktive Plattform haben,
- 3:16um sich auszutauschen. Die ihre Geschichten erzählt
- 3:19werden und wo sie Informationen, aber auch die Services finden,
- 3:23die ihr Leben hier noch etwas besser machen.
- 3:26Eine ganze ganz klare Richtung, die du hier schon mal vorgibst
- 3:30und sehr viele Ansatzpunkte, um das umzusetzen, was du als
- 3:34Nachfolger dann bekannt gegeben worden bist, hat es sicher
- 3:37Reaktionen gegeben. Was sind das für Reaktionen?
- 3:39Gewesen. Reaktionen sind sehr
- 3:41unterschiedlich gewesen. Lustigerweise sind die
- 3:44Reaktionen ausserhalb von Schaffhausen fast ein wenig
- 3:47positiver gewesen. Man nimmt es auch in der Branche
- 3:50Mayer und CAG als spannend und innovativ wahr, auch wenn man
- 3:56sich über mehr als 150 Jahre die Eigenständigkeit halten konnte.
- 4:00Viele kennen und bewundern auch immer noch das, was der Nobby
- 4:04und mit dem Haus erreicht hat und zum Beispiel auch meine
- 4:06vorgesetzte Ladina Heimgartner fand, der Job sei eine super
- 4:10Chance und sie verstehen sie, dass ich die packe.
- 4:15In Schaffhausen selber sind manche eher skeptisch.
- 4:18Sagen, Oh, da hast du aber eine grosse Baustelle ausgesucht und
- 4:23dann gibt es noch die. Das kennen vermutlich auch
- 4:26andere berufstätige Frauen, die sagen, wird auch Zeit, dass du
- 4:30deinen Kindern etwas mehr schaust und mehr in der Nähe
- 4:32schaffst und bist, weil ich bin ja bisher in der Globalmedia
- 4:36Unit von Ringier gewesen und dort mitverantwortlich für
- 4:39unsere Medienmarken in Ungarn, Rumänien, Serbien und der
- 4:43Slowakei und entsprechend bin ich recht viel unterwegs gewesen
- 4:46und gereist. Das Thema werden wir sicher auch
- 4:48noch schnell. Ansprechen.
- 4:50Du bist lange bei Ringier gewesen, das weiss man
- 4:52inzwischen kommst du jetzt zurück zu Maier und sie wenn du
- 4:55das jetzt vergleichst ist das ein reiner Grössenunterschied.
- 4:59Ja, hast du schon ein bisschen geschildert?
- 5:01Die Herausforderungen sind, glaube ich ziemlich ähnlich,
- 5:04leider hat noch niemand in unserer Branche so etwas wie den
- 5:07Heiligen Gral zum langfristigen Überleben gefunden und man kann
- 5:11eigentlich nur mutig vorwärts gehen und sich stetig anpassen
- 5:14und und wandeln, aber es gibt natürlich schon Unterschiede.
- 5:19Im Verwaltungsratspräsidenten. Dacona, die früher
- 5:22Geschäftsführer von 20 Minuten war, das hat mir ZB prophezeit,
- 5:25dass ich die vergleichsweise doch grösseren Budgets des Blick
- 5:30und Ringier vermissen werde. Dafür erhoffe ich mir, dass man
- 5:33in der Näherei die Sache ein wenig direkter und
- 5:36unkomplizierter entscheiden kann und gestalten kann, wie
- 5:40vielleicht in einem Grosskonzern.
- 5:42Du kommst ja ursprünglich aus dem Journalismus, hast ja auch
- 5:45bei den Schaffhauser Nachrichten im Express angefangen und bist
- 5:47aber inzwischen auch viel im Management gewesen, hast
- 5:50Erfahrungen gesammelt. Führungserfahrung wo schlägt
- 5:53eigentlich dein Herz? Eher beim Schreiben oder beim
- 5:56Managen? Das ist relativ einfach.
- 5:59Ich glaube, Journalist ist man ein Leben lang, auch wenn man
- 6:02den Beruf komplett wechselt, wenn ich eine gute Geschichte
- 6:06höre, packt es mich noch heute und juckt es quasi den Finger.
- 6:10Ich habe aber schon in der Chefredaktion der Schweizer
- 6:12Illustrierten und vom Blick nur noch selten selber geschrieben
- 6:16und. Habe auch gelernt zu schätzen,
- 6:18mich auf einer strategischen Ebene mit Medienprodukten
- 6:22auseinanderzusetzen. Zu analysieren, zu konzipieren
- 6:26und meinen Mitarbeitenden durch, ich sage jetzt mal möglichst
- 6:30sorgenfreies Setting die Möglichkeit zu geben, einen
- 6:33guten Job zu machen. Und das habe ich auch als sehr
- 6:37reizvoll empfunden, sind. Wir eigentlich schon mitten im
- 6:39Thema? Was ist in deinen Augen bei der
- 6:42Führung von einem Unternehmen von Menschen weisst du da das
- 6:44Wichtigste für dich, ich. Glaube was ich bei mir bewährt
- 6:48hat, auch über über die. Letzten, bald 10 Jahre, die ich
- 6:53aus Zürich die Verantwortung habe, ist.
- 6:55Zuhören, empathisch sein und. Spüren, wer was möchte, wer was
- 7:04gut kann und wer wie belastbar ist.
- 7:08Dann aber auch einen gewissen strategischen Weitblick und
- 7:11Pragmatismus und dem Uet zu entscheiden, auch wenn es
- 7:15zwischendurch vielleicht mal einen Fehlentscheid gibt.
- 7:18Und bei den Angestellten weisst du ja bei denen wichtig.
- 7:21Ich glaube, grundpositive Haltung und Einsatzwillen machen
- 7:25schon mal sehr viel aus. Und dann, aber das ist die
- 7:29Geschmackssache, habe ich auch gerne kritische Mitarbeiterinnen
- 7:33und Mitarbeiter, die mitdenken und auch mal etwas Konstruktives
- 7:38hinterfragen. Ich finde auch die Vorgesetzte
- 7:41gibt es nichts Schlimmeres wie Stille Abnicker, die dann hinten
- 7:46durch ihr Unverständnis für eine Aufgabe zum Ausdruck.
- 7:48Zu bringen, das ist eine Redaktion, und in solchen
- 7:51Medienhäusern eher nicht so. Verbreitete Spezies.
- 7:55Genau, Journalisten haben einen Grund.
- 7:59Das gefällt mir auch. Und was macht?
- 8:01Und jetzt rede ich vom Menschen Nina Siegrist, was macht ich
- 8:04eigentlich so richtig verrückt? Ungerechtigkeit, Überheblichkeit
- 8:09und Dinge, die mir an Geschick und Geduld mangeln.
- 8:15Also wenn du mich richtig entnervst sehen willst, dann
- 8:19musst du mich ein Fahrradreifen flicken lassen und parallel dazu
- 8:23in die Warteschlaufe von irgendeiner Airline Hotline hat.
- 8:28Gut, aber das ist jeder. Also das wird jeder wütend,
- 8:30oder? Du besonders gut.
- 8:35Du hast es vorhin angesprochen, Nina, Deine familiäre Situation,
- 8:38wir kennen uns schon wirklich lange und ich weiss, du hast
- 8:40Familie und weil du Karriere machst, kümmern sich dein Mann
- 8:43und die Kinder. Würdest du das Modell, das ihr
- 8:46Leben anderen gut ausgebildeten Frauen auch empfehlen, das
- 8:50funktioniert. Es funktioniert, aber ich glaube
- 8:54nein. Empfehlen würde ich es nicht
- 8:56unbedingt, weil es gibt einer Person einen einen grossen
- 9:00Ernährungsdruck und den anderen häufig wenig Anerkennung für
- 9:05Hausarbeit und Kinderbetreuung. Ich fände es besser, wenn die
- 9:09Rahmenbedingungen so wären, dass beide ihren Job vielleicht in
- 9:12ein Teilzeitamt um gut mit der Kinderbetreuung vereinbaren
- 9:16können. Aber wir haben einfach gemerkt,
- 9:19dass es so am. Von uns und mein Mann hat sich
- 9:23sehr freiwillig angeboten, seinen beruflichen Ambitionen
- 9:27zumindest für ein zeitchen Zurückzustecken.
- 9:29Okay also mehr der Ausgleich als das Modell, wie es bei euch
- 9:33jetzt ist? Genau.
- 9:35OK, und jetzt ist ja trotzdem so, das hast du auch gesagt.
- 9:39Es gibt also den Ernährungsdruck, wo jetzt eher
- 9:40bei dir liegt oder bei dir liegt bist du jetzt, weil du ich sag
- 9:44jetzt mal die männlich konnotierte Rolle vom Ernährer
- 9:47hast. Bist du denn auch oder merkst du
- 9:49auch, dass du jeweils diese rollenmuster verfällst?
- 9:51Die Männer haben, also machst du quasi die männlich konnotierten
- 9:55Sachen zu Hause, du kannst eben gehen der Veloreifen flicken, du
- 9:58machst die Steuern, du tust, ich weiss nicht was am Grill stehen
- 10:02und und dein Mann hat immer das Pflästerchen dabei und die
- 10:04Sonnencreme für die Kinder, oder?
- 10:06Sind zu Hause wieder ganz die klassischen Rollen.
- 10:10Ja, ich glaube, da sind wir eher klassisch unterwegs.
- 10:14Ich bin auch eher die fürsorglichen, wo immer
- 10:17Fläschchenparate mit Sonnenbränden für die Kinder, er
- 10:21ist eher der Bündner Bergler, der findet auch mit einem
- 10:24trockenen Bein kommt man noch auf die Skipiste ab.
- 10:29Was aber ausfällt, ist, dass der Christian für einfache Sachen
- 10:35wahnsinnig gelobt wird. Also wenn er den Kindern auf dem
- 10:38Spielplatz in Job flechtet, wird er meistens von 4 bis 5
- 10:41grossmüttern extrem bejubelt. Was für eine Frau vermutlich nie
- 10:45passieren würde. Für die gleiche Verhalten.
- 10:49Genau. Genau.
- 10:52Ja. Das ist wahrscheinlich nicht
- 10:53gerecht in dem Zusammenhang. Nina, hast du eigentlich schon
- 10:56immer gewusst, dass du Karriere machen?
- 10:59Willst ich würde sagen, Nein, da bin ich eher so ein bisschen.
- 11:02Ich habe mich bei Ringier auch nie aktiv für eine
- 11:05Führungsposition beworben, sondern war immer gefragt, ob
- 11:09ich mir das nicht vorstelle, habe dann aber auch immer aus
- 11:12aus sehr viel Überzeugung zugesagt, also ich mache das
- 11:16gerne. Und wenn wir jetzt nochmal
- 11:18schnell auf unsere Branche schauen, was findest du an
- 11:21dieser toll und was ist nicht so toll an dieser?
- 11:23Wir haben es ja schon bisschen angesprochen, die
- 11:25wirtschaftliche Situation ist sicher angespannt, was auch
- 11:27schon, was gefällt dir aber an dieser Branche denn noch?
- 11:31Ja, also eben wie du angesprochen hast und wie wir
- 11:33diskutiert haben. Die Herausforderung ist sicher,
- 11:35dass es immer noch Leute gibt, die.
- 11:39Nicht bereit sind, für Journalismus zu bezahlen oder
- 11:42die das Gefühl haben, Journalismus darf sie nichts
- 11:45kosten, das erschwert es sicher, man hat dann einen immer
- 11:50grösseren Produktionsdruck, man an Führungsperson führt oftmals
- 11:55sparrunde um Sparrunde durch, muss er auch seinen
- 11:58Mitarbeitenden immer mehr zumuten, das ist sicher
- 12:01schwierig. Was ich aber grundsätzlich toll
- 12:03finde ist, dass man. Menschen ermöglichen, sich zu
- 12:07informieren und die Geschehnisse einzuordnen.
- 12:11Das ist etwas, das ich in Zeiten von von Künstlicher Intelligenz
- 12:15und von Inhalten, die da ins Internet flutet, immer immer
- 12:18wichtiger und persönlich habe ich immer auch so ein bisschen
- 12:22die Lizenz zum Fragen geschätzt, also die Möglichkeit, so viel
- 12:26verschiedene Menschen zu interviewen, Auszufragen und
- 12:30kennenzulernen. Weil ich bin grundsätzlich ein
- 12:33neugieriger Mensch. Diese Neugierde teilen wir und
- 12:35ich möchte natürlich wissen, du bist zurückgekommen nach
- 12:37Schaffhausen. Was schätzt Du an dieser Region?
- 12:41Zahlbare Mieten und sauber sicher zum einen natürlich
- 12:46unsere schöne Altstadt, der Rhein, eine gewisse
- 12:50Bodenständigkeit und ganz viele Menschen, die mir wichtig sind
- 12:55und die mich schon das Leben lang begleiten.
- 12:57Die, die hier in Schaffhausen leben.
- 12:59Gut Nina, ich glaube, ich lasse dich jetzt langsam wieder in
- 13:03Ruhe deine letzten Ferientage geniessen.
- 13:06Danke. Dir vielmals für das Gespräch.
- 13:08Was steht jetzt bei dir noch an? Gehen dir noch raus in die
- 13:10Berge, oder? Genau.
- 13:11Ich tue jetzt alles so, als würde unser Gespräch noch ein
- 13:14bisschen länger dauern und die Leute noch eine Viertelstunde,
- 13:18bevor ich den Tag mit den Kindern starte und dann, so will
- 13:21ich meinen Mann kenne, muss ich auf irgendeinen Berg in einen
- 13:24Seilpark oder auf ein Fahrrad, gut.
- 13:26Nirgends. Dann lassen wir dich in Ruhe.
- 13:28Ich danke dir für das Gespräch, mach's gut und bis gleich.
- 13:30Bis gleich. Tschüss.
- 13:34Ein Format vom Schaffhauser Wirtschaftsnewsetter Zahltag,
- 13:38unterstützt von der Schaffhauser Kantonalbank, GF und Radio
- 13:41Munot.