Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 066 Tarot in der Literatur - Folge 20: Die Leiden des jungen Werther l mit Tino Wiesinger
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- Petra Baum: Hallo zusammen und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Taro in der Literatur. Ich bin Petra Baum von Spirit, Mind, Energy und begrüße ganz herzlich Tino Wiesinger an meiner Seite. Heute widmen wir uns einem Roman, der zum Symbol des Sturm und Drang wurde und eine ganze Generation von Lesern und Schriftstellern beeinflusste. Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang Goethe. Goethe wurde 1749 in Frankfurt am Main geboren und wuchs in einem wohlhabenden bildungsbürgerlichen Elternhaus auf. Sein Vater legte großen Wert auf eine umfassende Bildung, sodass Goethe schon früh mit Literatur, Kunst, Sprachen und Philosophie in Berührung kam. Zunächst studierte er, wie bereits sein Vater Jura. Doch seine eigentliche Leidenschaft galt dem Schreiben, der Kunst und der Beobachtung des Menschen. Werther veröffentlichte Goethe 1774 im Alter von nur 24 Jahren seinen ersten großen Roman und wurde damit über Nacht zu einer literarischen Berühmtheit in ganz Europa. Den Roman schrieb er innerhalb weniger Wochen und verarbeitete darin seine persönlichen Erlebnisse. So floss seine unglückliche Liebe zu Charlotte Buff, die bereits einem anderen Mann versprochen war, ebenso in die Handlung ein wie der Suizid seines Bekannten Carl Wilhelm Jerusalem. Daraus entstand jedoch keine autobiografische Beichte, sondern ein emotional sehr verdichteter Roman über Sehnsucht, Leidenschaft, gesellschaftliche Grenzen und seelische Überforderung. Der Erfolg war enorm. Er wurde zu einem europäischen Literaturereignis. Junge Männer kleideten sich wie die Romanfigur in blauem Frack und gelber Weste. Der Roman wurde bewundert, nachgeahmt, aber auch heftig kritisiert. besonders umstritten war, dass Goethe Werther freitot mit großer Empathie schilderte und ihn nicht ausdrücklich moralisch verurteilte. Ein provokanter Gedanke in einer Zeit, der Selbstmord als schwere Sünde galt. Und wir werden später noch darauf eingehen. Und damit wenden wir uns nun der Geschichte selbst zu. Werters leidenschaftlicher Innenwelt, seiner unerfüllten Liebe und der Frage, welche Tarot-Artypen sich in diesem intensiven Seelendrama spiegeln. Tino Wiesinger: Ja, liebe Petra, ich freue mich heute mit dir über Werther nachdenken zu können. Werther begleitet mich ja schon sehr, lang. Ich glaube, wir haben ihn damals in der Schule in der 11. Klasse gelesen, diesen Briefroman. Dieser Roman besteht quasi nur aus Briefen Werthers, was den Roman nochmal ganz besonders macht. Denn dadurch können wir wirklich in die Innenwelt von Werther abtauchen. Das macht diesen Roman aus. Ein sehr persönlicher Roman und deswegen auch diese Kritik an diesem Roman, dass... Petra Baum: Sehr persönlich, ja. Tino Wiesinger: Goethe den Suizid von Werther als so empathisch darstellt. Ja, was soll er denn machen? Das ist ein Briefroman. Also eine andere Perspektive einzunehmen, jetzt plötzlich eine göttliche Stimme auftauchen zu lassen, die ihn da abhält vom Suizid oder was auch immer. Das würde gar nicht passen letztendlich. Und wir befinden uns ja immer noch hier im Zeitalter des Sturm und Drang. Das heißt... Petra Baum: 1774. Tino Wiesinger: Ich sage nur, da geht es ⁓ die wilden Kerls, da geht es ⁓ Geniedenken, ⁓ Natur, ⁓ die Innenwelt und weniger ⁓ Moral. Die Moralkeule kommt dann ein bisschen später, wenn dann die Aufklärung auf voller Höhe dann noch dazukommt letztendlich. Oder die Klassik vor allem mit dem Humanitätsgedanken. Aber die haben wir hier noch nicht letztendlich. Und dementsprechend sind wir eigentlich auch schon direkt bei der ersten Taro-Karte, nämlich beim Narren. Denn der Nar, der bricht auf, der ist auch jemand, der nicht sehr konventionell ist, der passt im Prinzip nicht in diese engen gesellschaftlichen Normen, die da aufgebrochen werden von dem Narren. Denn der Werther, der geht auch. Schon direkt zu Beginn verlässt er quasi seine Heimat und geht aufs Land, er geht in die Natur. Und was macht er den ganzen Tag? Er macht eigentlich das, würde ich auch gerne tun, ganzen Tag im Gras liegen und chillen, würden die heutigen Schüler sagen. Und eigentlich ist genau das Das finde ich super im Sturm und Rang. So versteht man ein Genie. Ein Genie, so hat man das verstanden. Der lebt in den Tag hinein, der betrachtet die Natur, der lebt im Moment und denkt nicht irgendwie daran, was könnten da Ihnen später für irgendwelche Sorgen plagen, sondern dieses ganz selbstverständliche in den Tag hinein leben und genießen. Petra Baum: Das, was sich heute jeder wünscht, dass wir im Hier und Jetzt leben und schwer an sich arbeiten, das hinzukriegen. Tino Wiesinger: Die Work-Life-Balance. können eigentlich Work rausnehmen bei Werther. Er hat eine Life-Balance und dem geht super. Und das ist unser Na. Und ich finde, ist nochmal neue Perspektive auf den Narren, dass wir hier auch sehen können, lebe doch einfach mal im Moment, mach was du fühlst, hör auf dein Herz. ⁓ Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Das finde ich, damit fängt der ganze Roman schon mal an. Damit weiß ich selber noch, man, hatte Goethe mich, der Erzähler hatte mich damit, mit diesem Gedanken, ach ja, wenn das Genie ist, ja dann bin ich bestimmt auch ein Genie. Das fand ich schon mal super. Auch wenn Ja, also wenn ich da mit heutigen Schülern komme, so versuche ich immer da so einen Zugang zu kriegen. Ja, aber grundsätzlich die Geschichte, die da nachkommt, das ist ein bisschen schwieriger nachzuvollziehen, zumindest für viele. Warum? Da kommen wir gleich nochmal zu. Denn Werther lebt zwar in den Tag, der sitzt da im Gras und lässt die Sonne auf seinen Bauch scheinen. Aber er besucht auch mal Bälle und irgendwie so gesellschaftliche Veranstaltungen und begegnet dort Lotte. Und daraus entwickelt sich zumindest auf Seiten von Wärtern ein bisschen mehr. wenn wir da jetzt quasi schon halb hochgehalten, wenn wir uns da nämlich jetzt die zwei Kelche angucken, das ist erst mal noch keine Liebesbeziehung. Man begegnet sich auf Augenhöhe, lernt sich erst mal kennen, vielleicht auch bisschen freundschaftlich und redet ein bisschen, aber eigentlich ist da nicht mehr. Bei Werther, der schon. Der nämlich, da können wir jetzt gleich die dritte Karte nämlich mitnehmen, der ist schon der Ritter der Kelche. Der fällt direkt mit der Tür ins Haus. Lotte merkt es zwar noch nicht, aber innerlich ist er schon Feuer und Flamme. Der verliebt sich direkt auf den ersten Blick in Lotte. Ist begeistert davon, wie sich Lotte ⁓ die Familie kümmert. Ich glaube, sie kümmert sich ⁓ die Geschwister und so. das gesellschaftliche Leben. Da ist er begeistert von. Das findet er toll. So dieses typisch teilweise klischeehaft weibliche. Guck mal, so ein Liebes. Eine liebe junge Frau erinnert auch später so bisschen an Gretchen aus Faust. Die er dann später auch so kümmert sich auch ⁓ die Geschwister und Faust findet das ganz toll. Hier ist es Werther, der das auch so toll findet und sich in diese Lotte verliebt. Und zwar direkt mit vollem Herzen. Dabei sind wir nur bei den zwei der Kelchen erst mal und noch nicht beim Ritter der Kelche. Ja, manchmal kann das sinnvoll sein. dass man gleich mit der Tür ins Haus fällt. Aber bei Lotte ist das eben ein Riesenproblem, weil die nämlich schon jemand anderen hat. Sie ist verlobt mit Albert. Und Albert, ja, der ist zwar grad auf Reisen, der ist nicht da. Da könnte Werther die Gelegenheit beim Shop packen. Das würde Werther wahrscheinlich auch gerne. Aber naja. Wir sind ja noch in anderen Zeiten als heute. Da spielt ja Moral sowieso noch eine große Rolle, insbesondere auch bei Lotte, die sehr moralisch ist und die sich nie auf Wärter so... direkt einlassen würde, wenn sie weiß, mein Albert, mein Verlobter ist da gerade auf Reisen. also dieses Überschwängliche, was Werte hat, was auch zu diesem Geniedenken gehört. Man ist eben überschwänglich und total dramatisch auch manchmal mit seinen Gefühlen. Nicht umsonst reden wir ja auch davon. Ich weiß nicht, ob gerade die jüngeren Zuschauer das noch kennen, aber man redet ja auch von der sogenannten Sturm- und Drankzeit. Das ist so die Jugendzeit, wo man auch völlig irrational teilweise handelt und Dinge tut, die man vielleicht später bereuen könnte. Petra Baum: Auch wenn es anders heißt, es gibt sie garantiert. Tino Wiesinger: Ja, genau, die Sturm- und Rangphase, irgendwie, das ist wirklich schon heftig. Und das merkt man definitiv bei Werther. So, und jetzt, wenn wir dann später Albert kennenlernen, der natürlich irgendwann später von seiner Reise zurückkehrt. Der ist nicht der Ritter der Kelche, ist genau das Gegenteil. Und der ist das Gegenteil vom Ritter der Kelche, das ist der König der Schwerter. Der ist rational. Der ist wirklich jemand, der zwar freundlich und ausgeglichen ist. Deswegen ist er hier kein Ritter der Schwerter. Der ist freundlich, nett und sehr vernünftig in vielerlei Hinsicht. Auch so ein bisschen... aufklärerisches Gedankengut, was da noch mit einfließt. Er steht auch für diese gesellschaftliche Welt, wie man sich in der Gesellschaft verhalten sollte, für Vernunft an sich. Und man merkt auch, als Albert und Werther sich begegnen, da treffen unterschiedliche Lebenshaltungen aufeinander. Werther ist der Spontane, der ... Schild, der sich ausruht und der wirklich das tut, was sein Herz ihm sagt. Und Albert ist der Vernünftige. Ja, und es kommt zwar nicht zu irgendeinem Streit. Die verstehen sich gut. Aber man merkt... Petra Baum: Aber das Unheil beginnt seinen Lauf zu nehmen. Tino Wiesinger: eben zwei Welten aufeinander stoßen letztendlich. ja, normalerweise würde man ja auch denken, wenn jemand wie Werther erfährt, dass sein, heute würde man sagen, Crush verlobt ist, dann nimmt man sich eigentlich ein bisschen zurück. Versuche, aber Wenn das Herz eine andere Sprache spricht, dann kann man manchmal nichts dagegen tun. Dann ist es völlig unkontrolliert, wie er handelt. Nur, was passiert innerlich mit ihm? Er entwickelt langsam, Liebeskummer, würde man sagen. was dann aber schon auch in Teilweise eine depressive Haltung mündet. Also er ist sehr unzufrieden, weil er nämlich eigentlich sein gesamtes Glück, und das wird sehr deutlich in seinen Briefen, nur auf Lotte ausrichtet. Nur wenn er Lotte sieht und wenn er Lotte begegnet, dann ist für ihn alles schön. Und ja, er tritt ja dann auch in einen diplomatischen Dienst. wird dann schon, er geht einem Beruf nach dann später. Er versucht es zumindest. Er tritt in die gesellschaftliche Welt ein und macht da irgendwelche diplomatischen Dinge, die ihm aber eigentlich gar nicht wirklich Freude machen. Und er denkt die ganze Zeit nur an Lotte. Und irgendwann kehrt er zurück. Und das ist glaube ich ein Riesenfehler. Ein Riesenfehler, er dann zur Lotte zurückkehrt, obwohl er eigentlich schon gesagt hat, gut, ich gehe und gehe in den diplomatischen Dienst. Aber er kehrt zurück. Warum? Weil er sich, weil er aus Unzufriedenheit und da denke ich natürlich auch, bleiben wir immer noch bei den Kelchen, bei den vier Kelchen. Er ist unzufrieden mit dem, was er tut. Und dieser eine Kelch Den hat er immer im Kopf, immer in den Gedanken, immer im Herzen und er ist da ziemlich unzufrieden weil er die ganze Zeit nur an Lotte denkt. ich weiß, wenn man verliebt ist, glaube, dann kann man oft an nichts anderes denken. Dann hat man die rosa-rote Brille auf und denkt sich, ja, der Albert ist ja auch ganz anders als ich und eigentlich liebt sie wahrscheinlich nur mich. Und ich muss nur zu ihr zurückkehren. Das ist genau das, man heute teilweise denkt. Ich noch eine WhatsApp, ich schreibe trotzdem eine WhatsApp. Eine Nachricht schadet ja nicht. Das, was man dann immer sieht, ich habe ihn oder ihr wieder geschrieben. Das ist ein Handeln aus dem Herzen, aber manchmal ziemlich irrational, weil dann der Liebeskummer wieder aufbricht. Wenn man eigentlich weiß, ich habe keine Chance. Petra Baum: Ja. Vielen Dank. Tino Wiesinger: Werther interessiert das nicht, weil er in seinem Kopf sich wirklich Illusionen hingibt. Er glaubt, sie wird auch in mich verliebt sein. Ja, und du hältst sie natürlich schon hoch, die sieben Kelche. Er denkt sich, wie schön das sein kann, wenn Lotte auch erkennt, wie toll ich bin, was wir für ein schönes Leben haben könnten. Und er entscheidet aus diesem Illusionsdenken heraus. Und er kommt dann zum Entschluss, ich kehre wieder nach Hause zurück oder zu Lotte zurück. Und dann begegnen die sich, die treffen sich, freundschaftlich. Ist ja nur freundschaftlich und so. Wenn einer verliebt ist und der andere nicht, dann ist das schon mal ein Riesenproblem. Ja, was ist wirklich ziemlich schwierig. Und ja. Petra Baum: Das ist ein wichtiges Problem. Tino Wiesinger: Dann begegnen sie sich, sie sitzen dann wieder gemeinsam im Gras und lesen dann Ossian, einen wichtigen Dichter, sehr romantische Gedichte miteinander. ja, Lotte denkt sich, das ist freundschaftlich, so nett und dieser Werther, das ist ein total lieber Kerl, ist ja auch so gefühlvoll. Aber auch wieder, ich bin heute voll im Jugendsprachmodus, sie vonzunt ihn. Sie friendzoned Werther total. Aber Werther will und kann es nicht sehen. Er küsst sie irgendwann, gibt ihr einen Kuss und dann sagt Lotte, ⁓ Gottes Willen, das kannst du auch nicht machen, ich bin noch verlobt. Wir dürfen uns nicht mehr wiedersehen. Lotte, ja natürlich wird sie ihn auch vermissen, so dieses Freundschaftliche, aber sie hat ja Albert und sie kann dann rational handeln. Aber was das mit Werther macht, er kommt bei Lotte überhaupt nicht voran. Er kommt auch selber emotional und gedanklich überhaupt nicht voran. Er sitzt dann da und kann nichts tun. Man will sich, glaube ich, in so einer Situation auch noch nicht mal ablenken lassen. Viele sagen ja immer, wenn man Liebeskummer hat, mach doch was mit Freunden und so und lass dich ablenken. Ja, aber manchmal ist der Liebeskummer so groß, dass man dazu dann auch nicht in der Lage ist und dann auch gar nicht sich ablenken lassen will. Und dann suhlt er sich auch so ein bisschen in seinem Leid. Aber er ist dann in dem Fall der Gehängte. Eindeutig, weil er einfach nicht vorankommt. Und das hat dann auch nichts damit zu tun, wie man ja so den Gehängten gemeinn interpretiert. Ja, lass doch mal deine Sorgen außen vor und deine, dieses materielle Denken. Bei Werther gibt es kein materielles Denken. Der hat Liebeskummer, ganz extrem. Und das ist so schlimm für ihn, dass er eben auch nicht so einfach wieder auf die Füße sich stellen kann. Selbst wenn er alles, was er versucht, sein Inneres, seine Gefühle da voll auf Lotte aus sind. Und ich glaube, macht natürlich Goethe auch eins, er zeigt auch seine eigene Innenwelt, war es das gesagt? Er verarbeitet da natürlich seine eigenen Gefühle und das macht er auf eine Weise, die auch schon sehr übertrieben ist. Eigentlich sind vielleicht die Briefe Werther, sind vielleicht die Briefe Goethes, wie er sich selber da gefühlt hat in dieser Zeit. So, jedenfalls ist er der Gehängte und er kommt da nicht raus. Und was passiert? Er macht sich immer mehr Sorgen. Er gräht wirklich in eine richtige Krise. Und ja, klar, die typische Krisenkarte sind die neun Schwerter. Aber bei ihm geht es nicht nur darum, dass er Albträume hat und nachts wach liegt und Das ist bei ihm auch tagsüber. Und ich finde, der Hintergrund, dieser schwarze Hintergrund der Karte, das ist ja absolut diese Depressionskarte. Das Schwarze ist, dass man kann wirklich nichts anderes sehen. Er verschließt ja hier auch die Augen. Er macht die Augen zu, sodass er gar kein Licht sehen kann, nichts Buntes. Alles ist für ihn nur schwarz. Und ich finde, das macht es deutlich. Und Petra Baum: Das Tino Wiesinger: Mich macht das innerlich auch so ein bisschen, als du eben auch vorgestellt hast, der Roman wird gerade dafür kritisiert, dass sein Freitod so nicht positiv dargestellt wird, aber eben auch zu wenig. Weil die Leute da einfach, glaube ich, noch nicht verstanden haben, dass jeder Suizid auch immer etwas mit Depressionen zu tun hat. Petra Baum: nicht negativ gewertet wird. Tino Wiesinger: Da bin ich jetzt auch nicht so voll drin, entsteht natürlich ein Freitod aus einer Depression. Dass das eine Erkrankung ist, die man dann entwickelt wie bei Werther, das ist den Leuten in dieser Zeit überhaupt nicht bewusst. Und bei ihm führt diese unbehandelte, ich nenne es mal unbehandelte Depression wirklich dazu, dass aus den neun Schwertern tatsächlich die zehn Schwerter werden. Und in dem Fall sind es keine, Wort wird nicht keine Schwerter, sondern es sind die Pistolen, die Pistolen Alberts, die er dann unter einem Vorwand sich besorgt und sich dann erschießt. Das Schlimme ist, dass er noch nicht mal gleich stirbt. Er stirbt ein bisschen später. heißt, er hat da tatsächlich noch wirklich dran, muss noch wirklich leiden. Und jetzt kommt natürlich der Gedanke, er stirbt dann, ein paar Stunden später. Aber, damit endet ja der Briefroman, die Perspektive übrigens auch, kann er dann keine Briefe mehr schreiben. Und wird nicht mal kirchlich beerdigt. ⁓ Also kriegt keine Ehre oder er kann nicht zur ewigen Ruhe gebettet werden aus kirchlicher Sicht. Deswegen finde ich auch diese Kritik daran, dass sein Suizid, sein Freitod als so positiv dargestellt wird, ist natürlich für mich Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: absolut unsinnig, weil dann hätte der Erzähler das auch so darstellen können oder Goethe es so darstellen können. Na ja, egal, er ist ja so traurig und er kriegt trotzdem die kirchliche Bestattung. Kriegt er aber nicht. Und das ist einfach eine sehr traurige Sache. Und wo ich aber tatsächlich die Kritik nachvollziehen kann. ist nämlich, dass daraus dann am Ende das Werterfieber wird. Du hast vorhin schon zum Einstieg erwähnt, die Kleidung, die Leute haben sich alle so gekleidet wie Werter, und zwar Mode. Dieses Blau, Gelbe sozusagen. Ist ja ein bisschen auch Tarot-mäßig, wenn ich an das Rider-Waite-Smith-Tarot denke, haben wir auch sehr viel Gelb und auch Blau. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Aber es bleibt eben leider nicht bei der Kleidung, sondern das Werterfieber besteht vor allem darin, dass sich natürlich auch viele junge Menschen das Leben aus Liebeskummer genommen haben und sich dann Werter zum Vorbild genommen haben. Ja, das ist kritisch, das sehe ich auch so, aber man sieht dadurch natürlich, was Literatur in dieser Zeit gemacht hat. Petra Baum: Ja. Tino Wiesinger: Es gab damals kein Fernsehen und kein Social Media und so, sondern die Figuren aus der Literatur waren die Vorbilder. Und das finde ich einerseits toll, denn die haben die Petra Baum: Aber gefährlich. Tino Wiesinger: Und ein paar 100 Jahre später hatten wir das ja dann später in Form von Harry Potter. Da gab es dann auch diese Harry Potter-Welle. Aber im Prinzip gab es zunächst erst mal diese Werther-Welle. ja, also auch ich, als ich den Roman gelesen habe, hatte natürlich Mitgefühl für Werther und ich immer noch. Also für mich bleibt Werther immer jemand, mit dem man gerne mal irgendwie unterwegs wäre, mit dem hätte ich auch gerne auf der Wiese gelegen, hätte mich hier ausgern gelesen, was auch immer, und mich über Literatur mit ihm unterhalten und über seine Lebenseinstellungen. Aber im Grunde genommen habe ich natürlich unheimlich viel Mitgefühl für ihn, weil er nur Lotte sieht und Er kann Lotte nicht bekommen. Und dass das am Ende in seinem Suizid endet, das ist eine traurige Sache. ja, noch trauriger ist, dass die Kirche ihm dann diese Bestattung verwehrt. Was ja bedeutet letztendlich nichts anderes, dass er das ewige Leben nicht hat. Das heißt, klassischen Petra Baum: wirklich das Herz bricht. Tino Wiesinger: Klassischen Sinne würde man vielleicht sagen, ist in der Landess in der Hölle. Aber schwierig dafür, dass er Liebeskummer hat, man ihm das Herz, ja wenn man nicht jetzt sagen, man hat ihm das Herz gebrochen, eigentlich hat er sich auch selbst das Herz gebrochen. Dafür ist er selbst verantwortlich, denn Lotte ist nichts vorzuwerfen und Albert eigentlich auch nicht. Und deswegen ist das schon eine sehr traurige Situation. Petra Baum: Der hat sich schon selbst gebrochen. Damit kommen wir zum Abschluss von den Leiden des jungen Werther und haben wie immer selber Karten draufgezogen. Und ich mache mal den Anfang. Noch beim Mischen fliebte der König der Kirche raus und dachte ich, ja, das wäre er so gerne geworden. Das war eigentlich der Wunsch, hinter ihm steckte. Kelche stehen ja auch für Wasser, für Gefühle, für die Wasserzeichen und ich glaube die zeigen das auch nochmal, dass er einfach aus dieser Energie heraus auch vielleicht für die unerfüllte Liebe leichter anfällig war, leider sich in den Gefühlen zu sehr zu verlieren. Aber das war eigentlich sein Ansinnen. ⁓ Tino Wiesinger: Und da sieht man auch mal, wie groß der Abstand zwischen dem Ritter der Kelche und dem König der Kelche sein kann. Beides sind Kelche, aber der Ritter eher der unkontrollierte und der fast schon illusorische gefühlsbetonte Mensch und der König. Petra Baum: die Stimmung mitbringt, aber er konnte es nicht repräsentieren. Tino Wiesinger: So und ich habe genau das Gegenteil eigentlich gezogen. habe den Herrscher gezogen und ja ich glaube da fällt die Interpretation auch nicht schwer, denn Petra Baum: Hehehehe! Tino Wiesinger: Werther ist derjenige, eigentlich dieses ganze System, das gesellschaftliche System verlässt und zum Genie wird, zumindest am Anfang des des Romans, als er dann seine Heimat verlässt und eigentlich den ganzen Tag nur sein Leben lebt. Und damit ist er eine Kontrastfigur zum Herrscher und eine Kontrastfigur auch zur Vernunft oder zum allgemeinen Denken, wie man seine Leben zu leben hat. Und ja, dann wird er später doch wieder so ein bisschen vom Herrscher eingefangen, wenn er da in diesen diplomatischen Dienst geht. Aber er bricht ja da auch wieder aus und leider zeigt dann der Roman, dass man manchmal das Gefühl hat, vielleicht hätte er mal ein bisschen mehr auf den Herrscher hören sollen und weniger sein Gefühl so sehr freien Lauf lassen. Ja, das. Petra Baum: sich etwas Struktur gegeben, wieder eingefangen. Tino Wiesinger: Aber ich muss auch im Nachhinein noch mal ein bisschen Werbung für diesen Roman machen, weil ich habe ja vorher gesagt, naja, dieser Roman, sieht eigentlich heutige Jugendliche gar nicht mehr so sehr an. Die Identifikation ist gar nicht mehr so für viele möglich. Im Zeitalter von Social Media oder wie man da die Leute kennenlernt und so richtig dieses Liebe auf den ersten Blick. Ich weiß gar nicht, wie viele heute da noch wirklich so dran glauben oder manchmal die Illusionen dann verloren haben. Ich mache aber trotzdem mal wieder so ein bisschen Werbung. dafür, man vielleicht Illusionen sind gar nicht mal so schlecht. Immerhin besser als das, man heute so manchmal, was ich dann von meinen Schülern höre, ja, Situation-Ship und ja, offene Beziehung und so. Ich weiß nicht, ob das dann so der richtige Weg ist. Vielleicht auch ein bisschen mehr. wenn man sich auf die Gefühle einlassen kann, das würde ich mir wünschen. Wenn wir alle ein bisschen mehr, nicht komplett natürlich, aber wenn wir ein bisschen mehr zu Wärter werden würden, unser Herz ein bisschen mehr öffnen würden, ich glaube, dann können wir am Ende doch alle noch zu kleinen Genies werden. Petra Baum: rechtzeitig die Reißleine innerlich ziehen, wenn es dann doch nicht gepasst hat. Ich glaube, das ist früher so geblieben, wie es heute auch noch aktuell ist. Sich nicht selbst darüber vergessen. Lieber Tino, wir sind wieder am Ende einer Folge angekommen. Ich bedanke mich ganz herzlich und wir sind wie immer neugierig, ob ihr vielleicht Anregungen habt, ob es euch gefallen hat. Wir freuen uns über ein Like und eure Kommentare. Bis zum nächsten Mal. Tschüss! Tino Wiesinger: Tschüss!