Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / #6 Folge 13: Die Nadel in der Vene: Meine Sucht als kaputte Liebesgeschichte
Transcript
- 0:00Herzlich Willkommen zu unserer heutigen Vertiefung.
- 0:03Hallo auch von mir. Wir nehmen uns heute Zeit für
- 0:05ein Thema, das ja wirklich unter die Haut geht.
- 0:09Es geht um den Zusammenhang von Bindungsstörungen und sucht.
- 0:13Und als Grundlage dafür haben wir einen wirklich spannenden
- 0:15Artikel. Genau der heißt Bindungsstörung
- 0:18und sucht, wenn die Droge zum besseren Partner wird, ist von
- 0:22der Webseite Clean mit nielix Berlin.
- 0:24Und geschrieben wurde er von Gabriel Meetz.
- 0:26Richtig, Gabriel Meetz und das Besondere ist ja, dass der
- 0:30Autor, also der Kopf hinter Nielix, Berlin selbst betroffen
- 0:33ist. Ah, OK, ja, von sucht und auch
- 0:35anderen psychischen Themen erteilte auf seiner Seite sehr
- 0:38offen seine eigenen Erfahrungen. Ist also nicht nur jemand, der
- 0:41recherchiert hat, sondern ja ein echter Wegbegleiter sozusagen.
- 0:46Das macht es natürlich besonders authentisch und ja,
- 0:49eindringlich. Absolut.
- 0:50Unser Ziel heute ist es, besser zu verstehen, wie uns diese
- 0:55frühen Bindungserfahrungen prägen, wie daraus vielleicht ne
- 0:59Sucht entstehen kann, aber eben auch, welche Wege es daraus
- 1:02gibt, also zur Heilung. Klingt gut.
- 1:05Lass uns das doch mal auseinandernehmen.
- 1:07Was ist eigentlich Bindung? Also wenn wir von dieser
- 1:10Bindungstheorie sprechen, John Bolby fällt der ja immer als
- 1:13Name. Genau Bolby hat das maßgeblich
- 1:16geprägt. Man kann sich das vorstellen wie
- 1:19ein, ja wie ein emotionales Betriebssystem, das wird in der
- 1:23ganz frühen Kindheit programmiert, sozusagen durch
- 1:26die Beziehung zu den ersten wichtigen Bezugspersonen,
- 1:30meistens ja die Eltern, OK. Und dieses Betriebssystem
- 1:34bestimmt dann, wie wir uns selbst sehen und wie wir.
- 1:38Na ja, wie wir Beziehungen führen.
- 1:40Ganz genau. Es gibt da ja diese grobe
- 1:43Unterscheidung, die du sicher kennst.
- 1:45Sichere und unsichere Bindung, meinst du?
- 1:47Exakt bei der sicheren Bindung, da waren die Eltern halt
- 1:50verlässlich da. Sie haben auf die Bedürfnisse
- 1:53des Kindes reagiert, Trost gespendet.
- 1:55Das Kind lernt also, ich bin okay, ich bin liebenswert und
- 1:59die Welt ist im Grunde ein sicherer Ort.
- 2:02Richtig, das ist ein enormes Pfund, ein echter Schutzfaktor
- 2:06fürs spätere Leben. Urvertrauen eben.
- 2:08Und bei der unsicheren Bindung? Da war das anders, da waren die
- 2:12Bezugspersonen vielleicht unzuverlässig, mal da, mal nicht
- 2:15oder abweisend kühl, im schlimmsten Fall sogar
- 2:19übergriffig oder vernachlässigend.
- 2:21Puh. Und das Kind lernt dann eben
- 2:23andere Dinge. So was wie ich muss um Liebe
- 2:26kämpfen. Ich bin nicht gut genug.
- 2:28Näher ist gefährlich, oder? Am Ende bin ich doch allein.
- 2:31Das erzeugt ja dann ne wahnsinnige innere Unsicherheit
- 2:34oder eine ständige Anspannung. Genau das, eine tiefe
- 2:38Unsicherheit und eben diese Anspannung.
- 2:41Und das ist dann ja der Nährboden für spätere Probleme,
- 2:46ein ziemlicher Risikofaktor. Und hier wird es ja jetzt für
- 2:49unser Thema sucht richtig interessant.
- 2:51Wie entsteht denn aus diesem ja bindungsschmerz oder dieser
- 2:55Unsicherheit dann eine Sucht? Der Artikel von Gabriel Meetz
- 2:58beschreibt das ja sehr plastisch.
- 3:01Ja, das tut er also, diese innere Anspannung, dieses
- 3:05Gefühl, nicht sicher zu sein, das ist ja kaum auszuhalten auf
- 3:09Dauer. Kann ich mir vorstellen.
- 3:10Viele Menschen mit solchen Erfahrungen haben vielleicht
- 3:13auch nie gelernt, ihre Gefühle gut zu regulieren, sich selbst
- 3:17zu beruhigen oder anderen wirklich tief zu vertrauen und
- 3:22in diese Lücke, diese emotionale Lehre, diesen Schmerz.
- 3:26Da stößt dann die Substanz, die Droge, der Alkohol, was auch
- 3:30immer. Sie wird zum Ersatz.
- 3:32Ja, ein Ersatz für die fehlende sichere menschliche Bindung.
- 3:38Metz beschreibt das ja fast so, als würde die Droge ne Art
- 3:41fürsorgliche Bezugsperson kopieren, die man sich immer
- 3:44gewünscht hat, aber nie hatte. Die Droge als ja trügerischer
- 3:50sicherer Hafen der Artikel zählt das ja auch auf, sie ist immer
- 3:54verfügbar. Stimmt.
- 3:56Anders als die Eltern vielleicht waren.
- 3:57Ihre Wirkung ist vorhersehbar, man weiß, was kommt.
- 4:00Betäubung, Euphorie, Entspannung.
- 4:03Genau, man kann sich drauf verlassen, sozusagen ne
- 4:06trügerische Verlässlichkeit. Und sie reguliert eben
- 4:08kurzfristig diese schwierigen Gefühle.
- 4:11Sie ersetzt quasi die Umarmung, den Trost, die menschliche
- 4:14Wärme. Mhm.
- 4:15Der Rausch simuliert dann Sicherheit und Geborgenheit.
- 4:19Und das ist das fatale. So entsteht ne echte Bindung an
- 4:22die Substanz selbst. Das ist wirklich tragisch, wenn
- 4:24man das so hört. Ne Bindung an die Droge.
- 4:27Und das führt unweigerlich in einen Teufelskreis.
- 4:30Diese scheinbare Lösung, dieser Ersatz wird zum eigentlichen,
- 4:34zum riesigen Problem. Metz nennt die Droge ja einen
- 4:37misshandelnden Partner im Artikel.
- 4:40Das ist n starkes Bild. Ja, sehr treffend finde ich.
- 4:44Kurzfristig gibt es vielleicht Erleichterungen.
- 4:46Aber langfristig zerstört die Sucht alles.
- 4:49Sie isoliert ja auch total von echten Beziehungen, oder?
- 4:52Absolut. Man zieht sich zurück, die
- 4:54Substanz wird wichtiger als alles andere und das bestätigt
- 4:57dann oft auch noch das negative Selbstbild.
- 5:00Siehst du, ich bin es ja doch nicht wert, ich kriege es nicht
- 5:02hin. Und jeder Versuch aufzuhören.
- 5:04Der Entzug, die Konsequenzen wie Jobverlust oder Streit, das
- 5:08erzeugt ja wieder neuen Stress. Genau.
- 5:10Und dieser Stress verstärkt dann wieder das Verlangen nach der
- 5:13Betäubung, nach dem scheinbar sicheren Hafen der Drogen.
- 5:17Ein Teufelskreis, wie gesagt. Wirklich Büste aber, und das ist
- 5:20ja wichtig, der Artikel von Gabriel Metz zeigt ja auch Wege
- 5:24aus diesem Kreislauf auf. Ja, zum Glück ein ganz wichtiger
- 5:29Punkt ist oft die Doppeldiagnose, also zu
- 5:32erkennen. Da ist nicht nur die sucht, da
- 5:34ist auch das Bindungsthema, das Trauma dahinter.
- 5:37Man muss beides behandeln. Unbedingt.
- 5:40Der erste Schritt ist oft, die Sucht zu stoppen.
- 5:43Das. Das geht meist über eine
- 5:45Suchttherapie, Entgiftung, stationär oder ambulant.
- 5:48Das ist die Basis. Aber das reicht nicht, oder?
- 5:52Nein, das ist nur, wie soll ich sagen, die Symptombekämpfung
- 5:55erst mal die eigentliche Arbeit, die Arbeit an der Wurzel, die
- 5:59findet dann in der Psychotherapie statt.
- 6:01Was passiert da genau? Da geht es darum, eben diese
- 6:04emotionalen Wunden aus der Kindheit anzuschauen, das innere
- 6:08Kind zu heilen, sagt man ja oft. Zu regulieren, ohne Substanz.
- 6:13Und neue Beziehungserfahrungen zu machen.
- 6:15Ganz zentral der Aufbau einer sicheren Bindung ist Kernstück.
- 6:20Das kann in der Beziehung zum Therapeuten passieren.
- 6:23Die Therapie wird sozusagen zum Übungsfeld für sichere Bindung.
- 6:26Ah, verstehe. Und auch Selbsthilfegruppen sind
- 6:29da unglaublich wertvoll. Dieses Gefühl von Zugehörigkeit
- 6:32verstanden zu werden, von Menschen, die ähnliches erlebt
- 6:35haben, das kann enorm heilsam sein.
- 6:38Gabriel Metz greift in seinem Artikel hier auch noch ein paar
- 6:40häufige. Fragen auf so ne Art FAQ.
- 6:43Das fand ich auch sehr hilfreich.
- 6:45Zum Beispiel bedeutet eine schwere Kindheit automatisch,
- 6:48dass man später süchtig wird oder eine Bindungsstörung hat.
- 6:51Ja, wichtige Frage. Und die Antwort ist Nein, nicht
- 6:56automatisch zum Glück. Menschen sind widerstandsfähig,
- 7:00resilient, wie man sagt, manche finden andere Ressourcen, andere
- 7:04schutzfaktoren, stabile Beziehungen später im Leben.
- 7:07Aber, und das ist entscheidend, das Risiko ist signifikant
- 7:12erhöht. Und umgekehrt ist eine sichere
- 7:14Bindung eben ein starker Schutzfaktor.
- 7:17Genau. Es ist also keine Einbahnstraße,
- 7:20sondern eher eine Frage von Wahrscheinlichkeiten, von
- 7:23Risiken und Ressourcen. Und die vielleicht wichtigste
- 7:26Frage für Betroffene, kann man seinen Bindungsstil als
- 7:30Erwachsener überhaupt noch ändern oder ist das festgelegt?
- 7:33Da ist die Antwort ein klares Ja.
- 7:35Absolut. Das ist ja die Hoffnung und das
- 7:38Kernziel vieler Therapien. Puh.
- 7:41Das gut zu hören. Ja, durch neue, Positive,
- 7:45korrigierende Beziehungserfahrungen.
- 7:48Das kann in der Therapie sein, aber auch in Freundschaften, in
- 7:51einer liebevollen Partnerschaft können wir lernen, neue,
- 7:54sicherere innere Modelle zu entwickeln, das ist Arbeit, das
- 7:59braucht Zeit und Mut, aber es ist definitiv möglich.
- 8:03Bleibt noch die echt schwierige Situation für Angehörige.
- 8:06Der Artikel geht ja auch darauf ein.
- 8:08Was mache ich, wenn mein Partner oder meine Partnerin beides hat,
- 8:11sucht und Bindungsprobleme? Extrem herausfordernd.
- 8:15Der Artikel rät da vor allem zu einer Sache.
- 8:18Klare Grenzen setzen, auch zum Selbstschutz.
- 8:21Man ist ja nicht der Therapeut. Genau, du kannst und sollst
- 8:25nicht der Therapeut sein. Was man tun kann, ist, den
- 8:29Partner ermutigen, sich professionelle Hilfe zu suchen,
- 8:33ihn vielleicht dabei unterstützen, Termine zu machen.
- 8:36Aber eben nicht die Verantwortung übernehmen.
- 8:38Und für sich selbst auch Hilfe suchen.
- 8:40Unbedingt, das ist ganz wichtig, angehörigengruppen,
- 8:43Beratungsstellen, man braucht selbst Unterstützung, um nicht
- 8:46unterzugehen oder in Co Abhängigkeit zu rutschen, man
- 8:49kann unterstützen, ja, aber retten kann man den anderen
- 8:53nicht, das muss er oder sie selbst wollen und tun.
- 8:57OK, lass uns das mal zusammenfassen.
- 8:59Was bedeutet das jetzt alles für dich, der uns zuhört?
- 9:01Ja, was kann man da mitnehmen? Vielleicht hast du dich ja in
- 9:04einigen Punkten wiedererkannt. Die wichtigste Erkenntnis könnte
- 9:07sein, deine sucht, falls du betroffen bist, ist oft viel
- 9:11mehr als nur eine schlechte Angewohnheit, sie könnte ein
- 9:15tiefer Schrei nach Sicherheit sein, nach einer stabilen
- 9:17Bindung. Die vielleicht gefehlt hat.
- 9:19Und allein dieses Verständnis zu ahnen, woher der Schmerz kommt,
- 9:23das kann schon der erste riesige Schritt sein.
- 9:26Und die gute Nachricht ist ja, wie wir gehört haben, unser
- 9:30emotionales Betriebssystem ist nicht für immer in Stein
- 9:32gemeißelt. Man kann lernen, es neu zu
- 9:35programmieren. Genau und vielleicht noch n
- 9:39Gedanke zum Mitnehmen, auch wenn sucht für dich gar kein Thema
- 9:41ist. Wir alle haben ja frühe
- 9:43Bindungserfahrungen gemacht, es lohnt sich vielleicht mal
- 9:46ehrlich draufzuschauen. Wie könnten deine frühen
- 9:49Erfahrungen deine heutigen Beziehungen prägen?
- 9:52Deinen Umgang mit Stress, dein Selbstwertgefühl?
- 9:56Eine gute Frage für jeden von uns.
- 9:58Ja, finde ich auch. Zum Schluss möchten wir dich
- 10:00noch auf etwas hinweisen, was uns am Herzen liegt.
- 10:04Gabriel Metz, der Autor des Artikels und Gründer von Nelix
- 10:07Berlin, stemmt dieses Projekt komplett allein.
- 10:10Ja, finanziell und inhaltlich. Das ist eine riesige Leistung.
- 10:13Absolut. Und sein Antrieb dahinter ist,
- 10:16wie er sagt, aus all den schlechten Erfahrungen in seinem
- 10:19Leben etwas Gutes zu machen. Für sich selbst, aber eben auch
- 10:22für andere. Ein Wegbegleiter wie wir am
- 10:24Anfang sagten. Genau.
- 10:26Wenn ihr also diese Einblicke hier, die ihr auf seiner Arbeit
- 10:28basieren, gefallen haben oder die geholfen haben, dann
- 10:31unterstütze ihn doch gerne. Ja, das wird toll.
- 10:34Teile den Artikel oder diesen Beitrag hier auf Social Media.
- 10:38Gib ein Like auf deiner Podcast Plattform jede Form der
- 10:41Unterstützung hilft ihm wirklich enorm dabei, mit nielix Berlin
- 10:46weiterzumachen und anderen zu helfen, eine wertvolle Arbeit.
- 10:50Das finden wir auch. Damit sind wir am Ende für
- 10:53heute. Danke fürs Zuhören.
- 10:54Und ja, bis zur nächsten Vertiefung.
- 10:56Mach's gut.