Latest / Gin And Talk / Eva Umlauf über Menschen, Trauma und das Vergessen
Transcript
- 0:00Speaker 1: Ich fühle mich so missverstanden, so falsch eingeschätzt.
- 0:08Speaker 1: So gehasst.
- 0:09Speaker 1: für was?
- 0:12Speaker 1: Das ist bei mir auch immer wieder Fragezeichen.
- 0:16Speaker 1: Also ich habe nicht resigniert absolut nicht.
- 0:19Speaker 1: aber manchmal denke ich mir wo ist das Ergebnis?
- 0:24Speaker 1: ja tatsächlich Aber nicht so dass ich sage jetzt höre ich auf Nein weil auch jeden einzelnen denn man Überzeugt, das ist ein kleines Steinchen.
- 0:36Speaker 0: Herzlich willkommen!
- 0:37Speaker 0: Mein Name ist Daniel Fürk und ich freue mich sehr euch heute zu einer neuen Episode Genant Talk begrüßen zu dürfen.
- 0:43Speaker 0: Mein heutiger Gast ist Dr.
- 0:45Speaker 0: Eva Umlauf.
- 0:46Speaker 0: Sie kam im bitter kalten Winter des Jahres neunzehntausendertzweiundvierzig ins lovakischen Arbeitslager für Juden in Novaki auf die Welt.
- 0:54Speaker 0: Später kommt sie in das Konzentrationslager Auschwitz und wird zu einer der jüngsten überlebenden.
- 0:59Speaker 0: Heute lebt sie in München und ist nach wie vor als Fachärztin für psychotherapeutische Medizin tätig.
- 1:04Speaker 0: Nach einem Herzinfarkt im Jahr Zwei-Tausendvierzehn beginnt sie zu ihrer eigenen Geschichte genauer zu recherchieren, schreibt ein Buch und wird so einer lauten Stimme gegen Menschen
- 1:13Speaker 0: hasst.".
- 1:14Speaker 0: Ich wollte von Eva Umlauf wissen, wie es sein kann dass Antisemitismus gerade in Deutschland wieder auf dem Vormarsch ist?
- 1:20Speaker 0: Warum Menschen überhaupt andere Menschen pauschal hassen können und wie sie ihr eigenes Trauma verarbeitet hat.
- 1:27Speaker 0: Wenn dir diese Episode von Genetalk gefällt, folge uns bei Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer du gerne Podcasts hörst und hinterlasse uns eine gute Bewertung.
- 1:35Speaker 0: Diese und viele weitere Episoden gibt es auch als Video-Podcast auf unserem YouTube Kanal.
- 1:40Speaker 0: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören – schön dass ihr alle wieder mit dabei seid!
- 1:53Speaker 1: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Gin &
- 2:00Speaker 0: Talk.
- 2:01Speaker 1: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre
- 2:09Speaker 0: unserer Studio-Bar!
- 2:18Speaker 0: Liebe Frau Umlaufe.
- 2:19Speaker 0: ich freue mich sehr dass wir uns heute hier treffen können um ein wenig über ihr Leben zu sprechen und über das zu sprechen was gerade in unserer Welt in unserer Gesellschaft so alles passiert.
- 2:28Speaker 0: herzlich Willkommen Vielen
- 2:29Speaker 1: Dank.
- 2:29Speaker 0: Wir sitzen hier am Montag nach der Europawahl.
- 2:33Speaker 0: Wir haben gerade schon so ein bisschen darüber gesprochen, wie es uns gestern Abend ging als die ersten Ergebnisse reinkamen und das hat sich ja dann im Laufe des Abends immer weiter gefestigt.
- 2:48Speaker 0: dieser erste Schock.
- 2:50Speaker 0: Wie geht's Ihnen denn damit wenn Sie heute auf dieses Europa schauen in dem sie so viel erlebt haben?
- 2:56Speaker 0: Und indem man glauben könnte dass wir irgendwie von der Vergangenheit gelernt haben, die sie hautnah noch miterleben mussten.
- 3:04Speaker 0: Wie geht es Ihnen damit wenn Sie diesen Recht zurück in diesem Europa sehen?
- 3:08Speaker 1: Also ich habe damit gerechnet und ich glaube jeder hat damit gerechnet ungehofft dass es doch nicht so wird wie wir denken wie es sein könnte aber es war noch schlimmer als ich mir das vorgestellt hab und Hauptsache er hat mich erschüttert dass so viele junge Wähler AfD gewählt haben.
- 3:30Speaker 1: Junge, die Neuen, die noch nie gewählt hatten... ...die ich auch ein bisschen noch für zu früh halte persönlich.
- 3:40Speaker 1: Ich wurde sie nicht wählen lassen.
- 3:41Speaker 1: Ich weiß nicht, wer sich das ausgedacht hat und ich glaube es war nur in Deutschland, dass die Jungen gewählt hätten.
- 3:47Speaker 1: Die anderen Händen haben wir das nicht gehabt.
- 3:49Speaker 1: Sie sind so jung!
- 3:51Speaker 1: Die sind so unerfahren.
- 3:54Speaker 1: Die kennen die Geschichte nicht.
- 3:57Speaker 1: noch nie in Diktatur.
- 3:59Speaker 1: Und das war für mich so schockierend, kann ich sagen.
- 4:04Speaker 1: Dass diese Angst die ich hatte, dass es so wird ist wirklich mit voller Kraft da
- 4:10Speaker 1: gewesen.".
- 4:12Speaker 0: Jetzt könnte man ja meinen wir wenn wir uns mal auf Deutschland beschränken leben im Land in dem Das Schulsystem diese Themen irgendwie schon integriert hat.
- 4:23Speaker 0: Wir haben alle gelernt, was ist der Holocaust?
- 4:26Speaker 0: Wir haben gelernt, Was ist der Zweite Weltkrieg?
- 4:27Speaker 0: Was ist da passiert?
- 4:29Speaker 0: Was bedeutet Nationalsozialismus und so weiter?
- 4:34Speaker 0: Aber Irgendwie hat man das Gefühl dass verfängt gar nicht so richtig.
- 4:38Speaker 0: also die oder es wird gar nicht Die Brücke zu dem gebaut was da gerade passiert in den Köpfen der Leute.
- 4:44Speaker 0: Die Parallelität wird irgendwie nicht hergestellt.
- 4:46Speaker 0: Die Leute verstehen gar nicht, dass wenn sie die AfD wählen... Was das bedeutet?
- 4:53Speaker 1: Ja und das ist so schwierig!
- 4:57Speaker 1: Wenn wir gehen in die Schulen und reden und lesen und diskutieren mit der Jugend seit Jahren.
- 5:04Speaker 1: Wir Überlebende Und was wollen wir damit erreichen, dass die Jugend weiß es was passiert, wenn man eine Diktatur lebt.
- 5:14Speaker 1: Und gestern war ich ja so richtig enttäuscht und meine ich es ist alles umsonst, was man macht auch wenn schon doch etwas passiert.
- 5:25Speaker 1: Ich glaube jetzt nicht dass es umsonsten ist aber der erste Eindruck war so das wozu machst du das?
- 5:32Speaker 0: Sie sind damals im Lager auf die Welt gekommen in einem bitter kalten Winter
- 5:38Speaker 1: Arbeitslager für Juden in der Slowakei.
- 5:42Speaker 0: Genau, können Sie sich noch daran erinnern, wann sie das erste Mal gemerkt haben was da eigentlich passiert ist?
- 5:48Speaker 0: Also wenn sie das bewusst reflektiert haben, was da überhaupt los war in ihrem Leben im ersten Jahr?
- 5:56Speaker 1: Die ersten Jahre,
- 5:57Speaker 1: d.h.,
- 5:58Speaker 1: Arbeitslagers und dann Auschwitz, da habe ich keine bewussten Erinnerungen.
- 6:04Speaker 1: Knapp zwei, wo ich nach Auschwitz kam.
- 6:07Speaker 1: Und vorher war ich schon in Lager die ersten Jahre.
- 6:10Speaker 1: dort bin ich geboren als erste Geburt von fünf Geburten und da muss ich sagen Da habe keine bewussten Erinnerungen.
- 6:20Speaker 1: aber wir haben sehr viele Fotos weil in Arbeitslager auch ein Foto eine Fotowerkstatt war und diese Fotowerkstatt hat auch mich Fotografie, die sollten die Arbeit dokumentieren.
- 6:36Speaker 1: Und dieses Dokumentieren.
- 6:37Speaker 1: der Arbeit war dann die Hauptbeschäftigung von den Fotografen und er hatte auch mich fotografiert.
- 6:46Speaker 1: Und dann hat meine Mutter mir erzählt da hatte ich Fotografien dort hatte die Fotografier und nach dem Krieg er hat auch überlebt hat meiner Mutter die Fotos zurückgegeben und das ist die einzigen Fotos der frühen Kindheit.
- 7:03Speaker 1: Und später war er am Leben, auch lebte in der Stadt wie wir und hatte eine Fotowerkstatt oder kam nach Hause nicht sehr oft, aber so einmal in zwei Jahren, einmal im Jahr und hatte so gestellte im Wohnzimmer mit Palmeblatt vorne Familienfotos gemacht.
- 7:27Speaker 1: Erinner ich mich schon.
- 7:28Speaker 1: Nach dem Krieg erinnere ich mich an Vieles, auch wenn nicht dann
- 7:32Speaker 1: alles.".
- 7:33Speaker 0: Sie sind ja nach wie vor auch als Psychotherapeutin aktiv.
- 7:38Speaker 0: Deshalb können wir ein bisschen über Trauma sprechen und über diese ganzen Themen.
- 7:42Speaker 0: Wenn sie das aus ihrer fachlichen Perspektive betrachten... Sie sagen, Sie haben keine bewussten Erinnerungen an das was passiert ist?
- 7:50Speaker 0: Wie ist es denn mit den unbewussten?
- 7:55Speaker 1: Man forscht darüber, wie die Trauma da sich auswirken.
- 8:02Speaker 1: Die unbewusste Trauma an die man sich nicht erinnert und es ist nachgewiesen wissenschaftlich dass sie sich in Körper- und in der Seele reingeleibt haben.
- 8:16Speaker 1: also das gibt tausend Beispiele die man sagen könnte auch bei mir wo ich meine Analyse gemacht habe und man weiß, warum das und im Leben erinnert oder macht.
- 8:35Speaker 1: Und warum?
- 8:36Speaker 0: Sie waren damals als Auschwitz befreit wurde auch krank.
- 8:42Speaker 0: sie hatten diverse Erkrankungen einfach durch die schlechten Lebensumstände dort durch die Schlechte Versorgung dort Ihre Mutter auch.
- 8:51Speaker 0: Wie lange hat es denn gedauert, bis sie beide wieder einigermaßen auf den Beinen waren?
- 8:56Speaker 1: Also es hat ungefähr paar Monate gedauern.
- 9:02Speaker 1: Also Auschwitz war Freitag im Januar.
- 9:06Speaker 1: Mein Mutter war schwanger als sie nach Auschwiz kam und sie hat meine Schwester auf die Welt gebracht in April Und meine Schwester war sechs Wochen alt, wo wir aus Auschwitz raus sind.
- 9:24Speaker 1: Das heißt ich war vom Januar bis ungefähr Juni in Auschwiz, wobei nach der Befreiung die Versorgung viel besser war.
- 9:32Speaker 1: Aber wir waren nicht gesund!
- 9:34Speaker 1: Also ich war auf jeden Fall nicht gesund weil ich sehr viele Krankheiten hatte aber transportfähig also.
- 9:42Speaker 1: das heißt dass wir konnten dann gehen, aber ich hatte offene Tuberkulose die man dann Monate geheilt hat in einer Heilstätte.
- 9:51Speaker 1: Also das.
- 9:53Speaker 1: außerdem habe ich auch als Kinderärztin meine ... ... Zwei-Tausendzehn meiner Krankgeschichte aus Auschwitz aus dem Archiv in die Hand bekommen.
- 10:04Speaker 1: und da muss ich sagen Was dafür Krankheiten aufgezählt wurden, sind Außetuberkulose, Hunger-Ödeme, Rachitis.
- 10:16Speaker 1: Es war Keuchusten und Lungenentzündung unter Ernährung.
- 10:23Speaker 1: Es ist skoliose, das ist wirbelsäule Verkrümung.
- 10:29Speaker 1: Also so viel auf dem kleinen Blatt Papier, dass man ... Glauben musste dem Pediatr, das war ein Prager-Professor.
- 10:41Speaker 1: Prof.
- 10:41Speaker 1: Epstein hat meine Mutter gesagt, er auch gefangen war in Auschwitz.
- 10:46Speaker 1: Vergessen sie das Kind?
- 10:47Speaker 1: Das überlebt es nicht!
- 10:49Speaker 1: Und wenn ich das durchgelesen habe als Fachärztin für Kinderhalkunde dann hab' ich mir auch gedacht hätte ich vielleicht auch gesagt nur was man liest Das ist wie Lerbo für Kinderhalken, der was man alles so haben kann und doch überstehen kann.
- 11:10Speaker 0: Sie sind dort auch in Kontakt gekommen mit dem ... ja ich traue mich fast nicht Arzt zu sagen weil das eigentlich das falsche Wort für diesen Menschen mit Mängel.
- 11:21Speaker 0: Sie wurden selbst kein Opfer seiner Experimente?
- 11:25Speaker 1: Er machte das schon nicht.
- 11:27Speaker 1: wir kamen relativ spät nach Auschwitz und dadurch bin ich dem entkommen.
- 11:34Speaker 0: Sie haben dann selbst Medizin studiert.
- 11:38Speaker 0: Was war der Beweggrund dafür?
- 11:40Speaker 0: Wie kamen sie darauf ausgerechnet, Medizin zu studieren?
- 11:45Speaker 1: Ich weiß es nicht so.
- 11:47Speaker 1: Zuerst wollte ich Lehrer werden.
- 11:49Speaker 1: Das erinnere mich als Kind und später bin ich nicht Lehrerin geworden und da bin ich froh, ich wollte Medizin Aber ich wollte auch Kinderhalkunde studieren und da bin ich ganz sicher, dass da auch diese unbewusste Zugang zu diesen... Ich war ja nicht nur krank in Auschwitz.
- 12:11Speaker 1: Als Nachfolge, als Folge dieser ganze Traumatisierung und Hunger und alles was da einem passiert ist, die ganze Kindheit war ich krank!
- 12:27Speaker 1: Ich erinnere mich, erste Klasse kam die Lehrerin nach Hause mir paar Fragen zu stellen.
- 12:33Speaker 1: Nichts zu prüfen ob ich in die zweite Klasse kommen kann weil ich so viele Fehltage hatte.
- 12:40Speaker 1: Ich war, ich erinner meine erste sogar noch Schulzeit eigentlich nur im Bett.
- 12:47Speaker 0: Gab es eigentlich irgendwann einen Moment wo sie vielleicht auch wahrscheinlich nicht in frühen Jahren wahrscheinlich deutlich später wo sie sich dann noch mal aktiv damit auseinandergesetzt haben, was da alles passiert ist.
- 12:58Speaker 0: Also auch das quasi vielleicht sogar therapeutisch aufgearbeitet haben?
- 13:01Speaker 0: Was da passiert ist?
- 13:02Speaker 1: Ja natürlich!
- 13:04Speaker 1: Das muss man zu der Ausbildung als Psychotherapeutin machen und das war sehr gut für mich.
- 13:11Speaker 1: Und außerdem ich habe ein Buch geschrieben und die ganze Buchschreibung wurde, habe ich auch therapeutisch begleiten lassen, das aushält, was man da alles erlebt hat und Hauptsache mit wie vielen Toten man leben muss.
- 13:30Speaker 0: Sie haben dann Medizin studiert?
- 13:31Speaker 0: Wie ich schon gesagt habe, sie haben irgendwann ihren ersten Mann kennengelernt der polnische Abstammung war Und sind mit dem dann auch gemeinsam nach Deutschland, nach München gekommen.
- 13:43Speaker 0: Was hat es für Sie eine Bedeutung gehabt ausgerechnet nach Deutschland zu kommen oder hatten Sie da erst mal keine Vorurteile?
- 13:50Speaker 1: also Er war polnischer Überlebende, er lebte in München und wir mussten – es waren noch eiserne Vorhang-Kommunismus bei uns.
- 14:02Speaker 1: Wir mussten heiraten im Bratislava also in der Slowakei.
- 14:08Speaker 1: Man war eingesperrt man konnte nicht ausreisen oder nur sehr begrenzt.
- 14:16Speaker 1: Ich habe halbes Jahre auf die Auswanderungspapiere gewartet.
- 14:21Speaker 1: Die habe ich dann bekommen und bin nach München ins Land der Täter gekommen.
- 14:32Speaker 1: Es war nicht einfach, es war nicht nur einfach deswegen dass das Deutschland war... Eine andere Welt, das war eine andere Sprache.
- 14:43Speaker 1: Das war alles am Anfang für mich... Ich musste mich dran gewöhnen!
- 14:50Speaker 0: Sie haben ganz lange nicht wirklich über ihre Geschichte gesprochen?
- 14:54Speaker 0: Was gab denn den Ausschlag, dass sie gesagt haben, sie müssen jetzt doch darüber reden und sie wollen es auch öffentlich tun und mit Schulen an Schulen sprechen?
- 15:03Speaker 1: Das sind die letzten zehn Jahre was ich in den Schulen spreche.
- 15:09Speaker 1: So langsam habe ich mich auch getraut.
- 15:16Speaker 1: Zuerst war das so, dass es noch viel anderer Überlebende waren die ich empfunden hab, dass sie das Vorrecht haben.
- 15:27Speaker 1: Die haben das ganz anders erlebt als ich und ich habe gewartet.
- 15:33Speaker 1: immer wollte ich hatte ich irgendwelche Ausreden, die keine Ausrede waren.
- 15:41Speaker 1: Ich hatte drei Kinder, ich hatte Kinderarztpraxis.
- 15:44Speaker 1: Ich war beschäftigt den ganzen Tag eigentlich rund um die Uhr und dann habe ich mir schon wenn ich Zeit hatte Notizen gemacht was ich mal wann irgendwann schreibe Und dann vor zehn Jahren, im Jahr den Herzinfarkt bekommen.
- 16:08Speaker 1: Ich war auf der Intensivstation und da habe ich mir gedacht... Diese Hypotheke zahlst du zurück wenn du hier lebendig rauskommst!
- 16:19Speaker 1: Und ich bin gesund geworden, herzlich ja?
- 16:25Speaker 1: Dann habe ich professionell versucht das und ein Hut zu bringen, mit Agenten zu suchen, Verlag zu suchen.
- 16:40Speaker 1: Mir eine Historikerin zur Seite nehmen die Stefanie Ausfalt, die ich später kennenlärmte.
- 16:49Speaker 1: also so es ist ein anderes Holocaustbuch als die anderen geschrieben haben.
- 16:57Speaker 1: Es war so eine Spurensuche als ob sie mit einem Taschenlampe immer ein Stück beleuchten, befragen von Leuten die mit uns in Transport waren.
- 17:14Speaker 1: Befragen Leute die noch gelebt haben, die in Nowaki mit uns im Arbeitslager waren.
- 17:20Speaker 1: und so langsam nach eineinhalb Jahren hat das alles irgendwie Glück gehabt.
- 17:27Speaker 1: Dieses Buch war unter dem glücklichen Stern, wir haben einen sehr guten Verlag.
- 17:31Speaker 1: Wir haben schon drei Übersetzungen.
- 17:35Speaker 1: Das ist zwar nicht vierzig wie bessere Autoren haben aber man ist zufrieden!
- 17:41Speaker 1: Es ist wirklich eine große Freude.
- 17:48Speaker 1: für mich war das Okay, ich schreibe das.
- 17:53Speaker 1: Ich wollte aber nicht so schreiben, dass man nur ein Skript macht und das dann auf dem Toten beten Kindern übergibt.
- 18:01Speaker 1: Ich will schon, dass es auf die Öffentlichkeit kommt.
- 18:05Speaker 1: Das Schicksal dieser kleine Familie aus der Slowakei ... Weil ich meine, können sich die Leute mehr darunter vorstellen was das bedeutet als sechs Millionen?
- 18:18Speaker 0: Sie haben all die Zeit in München gelebt
- 18:21Speaker 1: Ja.
- 18:21Speaker 0: Über die Jahrzehnte hinweg, wenn wir vielleicht mal die letzten fünfzehn Jahre ausblenden, zehn-fünfzehn Jahren ausblende, war Antisemitismus in dieser Zeit jeden Thema für sie?
- 18:32Speaker 0: Also unabhängig von der Erinnerung an das Geschehen aber auch ganz akut in der jeweiligen Gegenwart
- 18:39Speaker 1: vereinzelt.
- 18:41Speaker 1: zum Beispiel ich ging in eine Sprachschule zuerst Deutsch lernen Und dann war da auch eine Lehrerin, die über Juden ganz schlecht gesprochen hat.
- 18:52Speaker 1: Also das war noch... Ich erinnere mich an die relativ junge, die uns unterrichtet hat.
- 18:59Speaker 1: und was waren wenig Ausländer, die Deutsch gelernt haben?
- 19:06Speaker 1: Die war aber wirklich vereinzelt vielleicht auch deswegen weil wir ... ich würde sagen fast Kontakt nur mit Juden hatten.
- 19:19Speaker 1: Also mein Mann, der hatte auch schon viel Kontakt mit den Deutschen weil er gearbeitet hat aber ich war ja in dieser Sprachschule da waren keine Deutsche die Deutsch gelernt haben und ich war nicht so richtig hier mitten im Leben unter den Deutschen noch nicht durch diesen Unfall ums Leben gekommen ist.
- 19:50Speaker 1: Aber bis dahin hatten wir fast ausschließlich am Wochenende, wo man sich getroffen hat in Louis-Paul-Café.
- 19:59Speaker 1: Das waren alles
- 20:01Speaker 0: am
- 20:01Speaker 1: meisten polnische Juden die nicht zurück durften nach Polen.
- 20:06Speaker 1: Polen hat die Juden nicht nach dem Krieg zurück gelassen.
- 20:09Speaker 1: das waren diese Displaced Person Und mit denen hatten wir Kontakt.
- 20:15Speaker 1: Auch bei uns zu Hause kamen die zum Abendessen und da natürlich Kind, und es war das Leben... ...und auch das jüdische Leben wieder was wir nicht hatten.
- 20:30Speaker 1: Wir jetzt ganz paradox klingen dass ich das erste Mal freies jüdischer Leben in München, in Deutschland leben konnte Auch jetzt, wir haben zwar Polizeischutz vor der Synagoge.
- 20:50Speaker 1: Es ist nicht schön aber es ist nötig dass das ist und dass wir in unserer Synagoe tatsächlich guten Schutz haben.
- 21:00Speaker 1: Wir haben dort Kinder, Schule, Kindergarten.
- 21:03Speaker 1: Das geht nicht!
- 21:04Speaker 1: Das muss man schützen wie wir wissen.
- 21:08Speaker 0: ich habe in der Pandemie im Jahr das erste längere Gespräch mit Charlotte Knubloch damals geführt.
- 21:18Speaker 0: Und sie war damals schon sehr besorgt, wie sich alles entwickelt und dass Antisemitismus auf einmal wieder ein Thema ist, dass sich jüdische Mitmenschen nicht mehr wohlfühlen teilweise darüber sogar nachdenken, das Land zu verlassen.
- 21:34Speaker 0: Für mich der Nicht-Jüdisch ist, war es erst mal ... Also Antisemitism war immer irgendwie ein Thema für mich.
- 21:43Speaker 0: Aber ich hatte diese akute Veränderung gar nicht so sehr wahrgenommen.
- 21:50Speaker 0: Mal unabhängig davon von dem allgemeinen Rechtsruck, aber das ist jetzt tatsächlich ... dass Antisemitismus wieder ein Thema wird.
- 21:57Speaker 0: Hatte ich damals noch nicht so wahrgenommen?
- 22:01Speaker 0: Wann war bei Ihnen denn der Punkt erreicht, wo Sie gemerkt haben, da verändert sich gerade wieder was in dieser Gesellschaft zum Schlechteren?
- 22:09Speaker 1: Also wir hatten immer Antisemitism.
- 22:14Speaker 1: Aber dieser Antisemitismus hat sich entwickelt zu einem reinsten Judenhass.
- 22:22Speaker 1: Für mich ist das Wort Antisemitism noch so schwach für das, was wir jetzt haben.
- 22:29Speaker 1: Das ist nicht nur ab dem siebten Oktober verstärkt und in Kreisen dass ich mir das nie hätte vorstellen können.
- 22:45Speaker 1: Ich habe das nie gedacht, ich kam unter deutsche Kolleginnen in die Klinik, junge Kolleginnen wie ich auch damals war wo wir unser Facharzt gemacht haben.
- 22:58Speaker 1: Ich hab nie viel verabendet.
- 23:07Speaker 1: irgendwelche Trennungen hinter sich.
- 23:09Speaker 1: Wir hatten richtige Freundschaften bis heute und jetzt ist es wirklich so, dass mich der Niklas Frank – Sie wissen wer das ist – mich interviewt hat und hatte zu mir gesagt sie haben noch ihr Schild an die Tür.
- 23:31Speaker 1: Wollen Sie das nicht runterschrauben?
- 23:35Speaker 1: Und ich habe gesagt, nein das will ich nicht.
- 23:37Speaker 1: Ich hab auch eine Arztpraxis und ich habe keine Angst.
- 23:41Speaker 1: aber diese Angst habe ich inzwischen wenn ich...ich will es jetzt nicht nur auf Netanyahu und seine Politik und ich bin keiner Israels die gewählt hat und da sollen wir nicht vermischen dieses Sachen.
- 24:03Speaker 1: Aber trotz allem ist es jetzt so, dass seit dem siebten Oktober meine Lesungen unter Polizeischutz sind.
- 24:13Speaker 1: Diese Wichtigkeit habe ich mir nie gegeben und auch nie gefordert aber das haben die Veranstalter selber gemacht weil sie einfach Angst haben und die Leute tragen keinen David Stern und keine Kippa.
- 24:27Speaker 1: und einmal habe ich ein Kind gefragt was bei mir in Therapie war Warum?
- 24:34Speaker 1: Ja meine Mama, die hat mir gesagt ich soll nicht die Kippa fahren wenn ich in die Schule gehe.
- 24:40Speaker 1: Und was hast du gesagt?
- 24:42Speaker 1: Ach der liebe Gott wird uns schon beschützen!
- 24:45Speaker 1: Also sie haben sehr viel Religion und diese Glaube der liebe gott wird uns beschützen.
- 24:51Speaker 1: da habe ich mir gedacht ja und wo war er, wo wir ihn ausschwitz waren?
- 24:57Speaker 0: Bevor ich da gleich noch mal drauf eingehe Ich hab enge Freunde Auch teilweise in der Öffentlichkeit stehen, die sich heute oder auch schon in der Vergangenheit nicht wirklich getraut haben ihre jüdische Identität preiszugeben.
- 25:16Speaker 0: Die daraus nie ein Thema gemacht haben weil sie zum einen nicht in die Schublade gesteckt werden wollen und zum anderen auch diese Anfeindungen einfach nicht erleben und ertragen möchten.
- 25:27Speaker 0: können Sie das nachvollziehen?
- 25:29Speaker 1: Ich kann es noch vollziehen wobei ich meine Wenn man verheimlich, dass man Jude ist, das bleibt nicht lange geheim.
- 25:38Speaker 1: Das wissen die Leute!
- 25:39Speaker 1: Das war zum Beispiel in den damaligen Czechoslovakien, wo wir gelebt haben – in einer Kleinstadt.
- 25:45Speaker 1: Das alle wussten, dass wir Juden sind.
- 25:48Speaker 1: Also wir waren nur fünf Familien und wenn man meinte, sie haben das nicht gewusst, dann haben wir es sehr, sehr geehrt.
- 25:57Speaker 1: Das wissen die Leute.
- 25:59Speaker 1: Und wir wissen das sowieso...
- 26:01Speaker 0: Was bedeutet denn jüdisch sein heute für Sie?
- 26:05Speaker 1: Eine Zugehörigkeit zum Judentum.
- 26:10Speaker 1: Absolut, ich bin nicht sehr religiös aber ich habe mein Platz in der Synagoge mit meinem Schild auch wenn ich nicht sehr oft dort bin die Tradition und hauptsache die Zugehöhrigkeit.
- 26:26Speaker 1: also wir sind ein Volk eine Minderheit gelitten hat und das ist der gemeinsame Horror, nicht nur seit Hitler schon viel früher.
- 26:38Speaker 1: Und wenn man die Geschichte weiß und kennt und auch sehr große Befürworter des Staates Israel – für mich und für uns Juden in den Diaspora ist diese Stadt wahnsinnig wichtig!
- 26:55Speaker 1: Nicht nur für die Israelis, die dann ihre Söhne verlieren Es ist wirklich für uns auch, die Wir-Leben.
- 27:06Speaker 1: Ist das irgendwie eine Heimat?
- 27:09Speaker 1: Eine Notheimat wenn wir es brauchen sollen Gott behüllt.
- 27:13Speaker 0: Was war denn Ihr erster Gedanke als Sie von den Anschlägen am siebten Oktober gehört haben?
- 27:20Speaker 1: Also ich bin so ein Nachrichtenjunkie und das war ein Samstag Und in diesem Samstag Gibt es ja nicht diesen Morgenmagazin und die Nachrichten, was ich noch im Bett, wo ich Kaffee tränke.
- 27:36Speaker 1: Aber ich habe NTV angeschaltet schon um sieben.
- 27:40Speaker 1: Und hab' ich die Nachrichtung gehört?
- 27:44Speaker 1: Ich war so entsetzt... Man wusste noch nicht viel!
- 27:50Speaker 1: Man wuste Israel wurde überfallen und wo?
- 27:54Speaker 1: und dieser Geburts- und paar Tote?
- 27:57Speaker 1: aber man wusste nur viel.
- 28:01Speaker 1: Stichkrieg, so eine Angst.
- 28:05Speaker 1: Ich habe ja ganzen Tag nur beim Radio gesessen.
- 28:09Speaker 1: Das sollte man machen und Freunde in Israel angerufen.
- 28:13Speaker 1: Wie es denn geht?
- 28:15Speaker 1: Hab ich nachgedacht?
- 28:16Speaker 1: wie kann ich Ihnen helfen?
- 28:18Speaker 1: Hier sitze ich passieren schreckliche massakers und schrecklichen sachen.
- 28:25Speaker 1: also einfach anrufen sagen dass man an sie denkt und dabei ist und wir warten ab.
- 28:31Speaker 1: vielleicht wird es nicht so schlimm.
- 28:33Speaker 1: das ist schlimm.
- 28:35Speaker 1: es ist einfach eine katastrophe.
- 28:38Speaker 0: wann haben Sie mitbekommen dass sich die Stimmung hier im Land auch noch mal verändert hat?
- 28:44Speaker 0: in der Folge, also auch eben worüber wir gerade schon gesprochen haben Antisemitismus wieder noch stärker wird.
- 28:52Speaker 1: Ja natürlich!
- 28:54Speaker 1: Ich meine ich war jetzt in Amerika mein Sohn wohnt in der Nähe von Kolumbus Universität und dann habe ich das gesehen die das Zelten den Studenten Aufstand Und weil ich jeden Tag spazieren ging wollte ich das fotografieren Und da kamen meine Ängste hoch.
- 29:16Speaker 1: Viel Polizei um mich und ruhig, also ruhig die haben das bewacht und ich hab mir nicht getraut mein Handy zu nehmen um Foto zu machen weil ich mir dachte dann werden die dich ausfragen.
- 29:27Speaker 1: und warum machst du das?
- 29:29Speaker 1: Und vom wo bist Du?
- 29:30Speaker 1: und ich muss mich erklären... Ich habe es gelassen!
- 29:33Speaker 1: Ich habe mich so geärgert über mich aber da hatte ich wahnsinnige Angst.
- 29:39Speaker 1: Das ist aber eine Angst die man in Sicht trägt, wenn man sieht eine Bedrohung.
- 29:45Speaker 1: Mich hat keine Bedroht aber die jüdischen Studenten wurden bedroht und ich habe alles verstanden was sich an den Hochschulen tut das ist nicht durch.
- 29:56Speaker 1: Und was man in Berlin hört dass man einen jüdische Student von der Universität mit Füßentritt und ganzes Gesicht bricht Und es passiert nicht, der Täter dürfte weiter studieren.
- 30:17Speaker 1: Dem haben die nicht mal von der Uni geschmissen weil das in den Statuten nicht drinstehen.
- 30:22Speaker 1: also sind Sachen wo man staut und denkt ich wurde gefragt weil das Buch jetzt ins Englische übersetzt worden ist Von einem englischen amerikanisch berühmten Schriftstelle in Amerika vor allem berühmt Sechzig Jahre alt, also jung noch für mich.
- 30:45Speaker 1: Warum ich in Deutschland lebe?
- 30:48Speaker 1: Das ist oft Frage die man kriegt, Hauptsache von Amerikanern, die dort geboren sind und alles.
- 30:55Speaker 1: Und ich habe ihm dann gefragt gute Frage können sie die Antwort?
- 31:02Speaker 1: Konnte auch nicht die Antwort!
- 31:04Speaker 1: Also das ist schwierig.
- 31:05Speaker 1: und jetzt nach der Wahl wo wir sehen in Europa ist ein Recht zurück, nicht nur in Deutschland.
- 31:13Speaker 1: Was im Frankreich noch passiert das werden wir sehen und Das ist hier.
- 31:19Speaker 1: Und wie es in amerika wird nach den wahlen wissen wir auch noch
- 31:24Speaker 0: nicht.
- 31:25Speaker 0: Haben sie in all den jahren eigentlich jemals darüber nachgedacht deutschland zu verlassen?
- 31:30Speaker 0: Ich meine ihr sohn Sie haben's gerade schon gesagt lebt in new york hätte ja auch ein guter anders sein können für sie zu sagen Vielleicht gehe ich da auch mit
- 31:40Speaker 1: Naja, so einfach ist es nicht.
- 31:44Speaker 1: Ich habe darüber nachgedacht und Amerika war in Mittelpunkt noch mit meinem ersten Mann Und irgendwie ist das nicht konkret geworden und dann ist er gestorben.
- 31:58Speaker 1: Das Kind war dreieinhalb und ich muss ihm sagen, ich hatte keine Kraft irgendwo auszuwandern.
- 32:07Speaker 1: Und das war noch die Zeit nach dem Prage Frühling, wo die Grenze noch offen war.
- 32:14Speaker 1: Wo meine Eltern und meine Schwester hierher kommen konnten.
- 32:19Speaker 1: Die konnten Deutsch, weil sie aus österreich-ungarischer Monarchie kommen.
- 32:24Speaker 1: Wo die Muttersprache meiner Mutter Deutsch war.
- 32:29Speaker 1: Und die hat hier dann doch mal Fuß gefasst.
- 32:34Speaker 1: Wir waren wieder zusammen.
- 32:36Speaker 1: Und da sollte ich wieder nach Amerika.
- 32:38Speaker 1: So ist auch nicht alles so
- 32:40Speaker 1: einfach.".
- 32:42Speaker 0: Sie waren in den Jahren, seitdem sie auch angefangen haben öffentlich über ihre Geschichte und die Geschichte ihrer Familie zu sprechen – auch immer wieder ein Auschwitz?
- 32:52Speaker 0: Was fühlen Sie wenn Sie dieses Gelände betreten
- 32:55Speaker 0: heute?".
- 32:56Speaker 1: Immer wieder ... ja, seit letzten zehn Jahren immer wieder.
- 33:05Speaker 1: Ich fühle eine Lehre.
- 33:08Speaker 1: Für mich ist Auschwitz der größte Friedhof der Welt, am meisten sind wir dort doch in Januar wo es kalt ist und da ist die Öffentlichkeit nicht weil diese Befreiungsteremonien usw.
- 33:32Speaker 1: Und dadurch Diese Auschwitz-Tourismus, was die Leute beschreiben und das kann ich mir schon vorstellen.
- 33:41Speaker 1: Dass es so ist wenn sie im Sommer die Klassen reinkommen und dann sagt man dass ist nicht würdig was da dort passiert, dass man isst und dass man laut ist.
- 34:02Speaker 1: also es wurde sehr kritisch auch in manchen Büchern beschrieben.
- 34:07Speaker 1: Aber wo ich dort war, war es am meisten recherchieren in den Archiv und dann bei Befreiungsgedenkefeier, wo auch zweimal gesprochen habe, im Jahr Zwei-Tausend-Elf und letztes Jahr, zwanzig, drehundzwanzig.
- 34:28Speaker 1: Also eine Rede gehalten hat bei einer Gedenkfreie.
- 34:31Speaker 1: Und letztes jahr waren meine Enkelin mit die Hündere mit einundzwanzig.
- 34:37Speaker 0: Wenn ich ihre Lebensgeschichte hätte, ohne mir anmaßen zu wollen mich da hineinversetzen zu können aber für mich wäre glaube ich oder ich stelle mir vor dass dieses große warum da ständig omnipräsent immer noch da ist.
- 34:56Speaker 0: deshalb vielleicht eine zwei geteilte frage spielt dieses Warum für Sie heute noch eine Rolle oder hat es in all den Jahren eine Rolle gespielt?
- 35:07Speaker 0: Meinen
- 35:07Speaker 1: Sie, warum Deutschland?
- 35:08Speaker 1: Warum
- 35:10Speaker 0: Antisemitismus.
- 35:11Speaker 0: Warum diese Vernichtung von Juden.
- 35:16Speaker 0: Warum dieser Gewalt.
- 35:17Speaker 0: Warum
- 35:18Speaker 1: der Hass.
- 35:20Speaker 1: Also das ist richtig Hass was man spürt.
- 35:25Speaker 1: Die Juden sind klöger die haben das ganze Geld die manipulieren Coronaviren und weiß es nicht, welchen Blödsinn man uns zuschreibt.
- 35:39Speaker 1: Aber zuerst ist das richtig was Sie sagen?
- 35:43Speaker 1: Das ist auffallend und schon lange!
- 35:47Speaker 1: Da gibt's verschiedene Ursachen oder verschiedene Theorien dass die Juden immer Geld verlieren haben Königen oder den Hören, die keins hatten und ich weiß es nicht.
- 36:03Speaker 1: Ich spüre den Hass nicht nur gegen den Juden, gegen allen Minderheiten Und ob das jetzt Sintiroma sind Ob das Homosexuellen sind.
- 36:14Speaker 1: Also dass ist immer eine Minderheit, die anders ist.
- 36:18Speaker 1: Da kann man den Schmerz des anderen nicht fühlen dass man so behandelt wird, ja.
- 36:25Speaker 1: Dass man ermordet wird nur weil man jüdisch ist.
- 36:29Speaker 1: und natürlich kommen politische Situationen und wirtschaftliche Situation noch dazu die die Leute da drin bestärken Und deswegen auch der Rechtsruck.
- 36:46Speaker 1: Die leute sind nicht zufrieden Auch mit unserer Regierung nicht dann wenn die was anderes, weil sie meinen das ist besser wert.
- 36:56Speaker 0: Findet man sich damit als Antwort irgendwann ab dass man sagt ich kann es mir so ganz genau irgendwie nicht erklären außer jetzt mit der Erklärung die Sie gegeben haben?
- 37:07Speaker 0: Ich kann es
- 37:08Speaker 1: mich wirklich nicht ganz genau erklären.
- 37:12Speaker 1: also ich fühle mich so missverstanden so falsch eingeschätzt So gehasst für was?
- 37:25Speaker 1: Das ist bei mir auch immer wieder Fragezeichen.
- 37:28Speaker 0: Wenn wir uns die Zahlen der Wahl anschauen von gestern, hat man auch gesehen dass sehr viele junge Menschen Die AfD gewählt haben.
- 37:38Speaker 0: jetzt waren sie auch oft an Schulen haben vor jungen menschen gesprochen haben ihnen ihre Geschichte erzählt.
- 37:46Speaker 0: Können Sie sich erklären wie sowas passieren kann?
- 37:48Speaker 0: weil ich könnte mir vorstellen wenn sie diese Lesungen oder auch diese Vorträge gehalten haben, das wahrscheinlich schon sehr emotional darauf auch reagiert wurde.
- 37:59Speaker 1: Sehr emotional!
- 38:01Speaker 1: Aber ich glaube dass die Schulen, die zu meinen Lesungen mich einladen und die Lehrer, die das machen, Geschichts- und Deutschlehrer am meisten, dass da tatsächlich auch Leute sind, die anders sind die vorbereitet sind, die Geschichtsunterricht haben.
- 38:26Speaker 1: Die auch von zu Hause anders geführt werden.
- 38:31Speaker 1: Es gibt natürlich von Zuhause Verniedlichungen.
- 38:38Speaker 1: Wir waren alle in Widerstand und Opa war nie ein Nazi oder im Krieg.
- 38:45Speaker 1: Aber sensibles Kind spürt so was Leuten, die mich irgendwo gehört haben.
- 38:54Speaker 1: Die nicht Schüler sind aber erwachsen sind wie das verheimlicht war dass der Opa doch in Krieg war und doch als Elektriker den Strom in die Zäune in Auschwitz eingeführt hat.
- 39:09Speaker 1: Ja weil dieses Kind hat weiter geforst.
- 39:13Speaker 1: Dieses Kind war schon über vierzig.
- 39:16Speaker 0: Glauben Sie sie haben es gerade angesprochen.
- 39:18Speaker 0: ich habe das mal mit Evelyn Roll vor einigen Monaten diskutiert Journalistinnen und Autorin, die sich in... gibt es auch eine frühere Folge mit ihr.
- 39:32Speaker 0: Die sich nach einem Gehirn- Aneurysmer ganz intensiv mit ihrer Familiengeschichte beschäftigt hat.
- 39:39Speaker 1: Sie hatte Hirnanourismal?
- 39:41Speaker 1: Ja!
- 39:41Speaker 0: Sie hatte einen, sie hat das überlebt genau.
- 39:43Speaker 1: Das ist ein wunderer Gott sei Dank.
- 39:44Speaker 1: Absolut,
- 39:45Speaker 0: absolut.
- 39:46Speaker 0: Und sie hatte danach diesen inneren Drang ihre eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten und wir haben darüber gesprochen.
- 39:53Speaker 0: Und dann kam es eben auch genau zu diesem Thema, ich glaube, siebzig Prozent der Deutschen sagen meine Familie war im Widerstand.
- 40:03Speaker 0: das
- 40:03Speaker 1: wäre gut.
- 40:04Speaker 0: Das wäre gut gewesen.
- 40:08Speaker 0: Hängt das vielleicht auch ein bisschen damit zusammen dass wir ja wahrscheinlich seit den fünftigern irgendwie so getan haben, als wer dieses Thema jetzt erledigt.
- 40:18Speaker 0: Wir sind darüber hinweg wir brauchen es nicht mehr großartig aufzuarbeiten auch in ganz vielen Familien sich damit eigentlich nie bewusst auseinandergesetzt wurde weil vielleicht die Eltern und dann die Großeltern Nicht wirklich darüber sprechen wollten gerade auch aus nicht nur aus der quasi Opferperspektive sondern auch aus der Täter Perspektive ganz viel tot geschwiegen wurde und uns einfach diese Aufarbeitung, die persönliche... Weil in der Schule ist es ja abstrakt.
- 40:51Speaker 0: Wir bekommen Bilder gezeigt.
- 40:52Speaker 0: Es betrifft uns persönlich nicht so richtig außer wir kennen die eigene Familiengeschichte aber das ist alles sehr abstrakt was uns dabei gebracht wird.
- 41:01Speaker 0: Ist es vielleicht genau dieses Fehlender der persönlichen Aufarbeitungen auch der Familiengeschichte dass wir heute so
- 41:09Speaker 1: ein
- 41:10Speaker 0: scheinbar schlechtes Geschichtsverständnis haben, dass wir so Fehler begehen wie eine AfD so stark werden zu lassen?
- 41:17Speaker 1: Also ich glaube das Deutschland doch was macht.
- 41:23Speaker 1: Das ist auch wahr!
- 41:28Speaker 1: Ich spreche jetzt mehr von Bayern weil ich weiß was hier passiert.
- 41:33Speaker 1: Das is ein richtiges Programm von der Stiftung in Bayern.
- 41:41Speaker 1: Das ist so, dass die Neuntklässler im Gymnasium im Geschichtunterricht Nazi-Zeit durchnehmen.
- 41:51Speaker 1: Dann haben sie ein Zeitzeugengespräch und dann gehen die nach Dachau oder umgekehrter Reihenfolge wie das halt geht.
- 41:59Speaker 1: Und das machen die wirklich sehr gewissenhaft in der Regierung.
- 42:04Speaker 1: Der Herr Freller ist der Vorsitzende und da muss ich sagen, da passiert viel Wahrscheinlich nicht so viel genug.
- 42:14Speaker 1: was ist, weil die Zeitzeugen auch aussterben.
- 42:18Speaker 1: Wir werden immer weniger... wir sind jetzt alle eigentlich Kinderzeitzeugen.
- 42:26Speaker 1: Die älteren ... sind nicht mehr da oder nicht gesund genug, dass sie das machen können.
- 42:33Speaker 1: Es kostet viel Kraft, viel emotionale Kraft, dass Sie immer wieder darüber sprechen, erklären Fragen beantworten und die Kinder haben auch gute Fragen.
- 42:46Speaker 1: Das ist unglaublich was ein Kind fragt.
- 42:50Speaker 1: Die Erwachsener haben keine sehr guten Fragen oder meistens nicht.
- 42:54Speaker 1: Die erzählen ihre Geschichte über Flucht Aber niemanden fällt ein, dass er sich fragt warum diese Flucht nötig war.
- 43:04Speaker 1: Warum mussten wir flüchten?
- 43:08Speaker 1: Die sind dadurch auch traumatisiert worden.
- 43:11Speaker 1: die Kinder die geflüchteten muss aber das jemand fragt, warum haben wir eigentlich den Hitler gewählt demokratisch gewählt?
- 43:22Speaker 1: Das kommt nicht und möchte wissen wie viele Leute sich Geschichte auch anschaut bei diesen Fernsehprogrammen, die das anbieten.
- 43:34Speaker 1: Geschichtserklärung Die Filme Alles alles.
- 43:40Speaker 1: Man kann das erlernen wenn man möchte.
- 43:43Speaker 1: Ich
- 43:44Speaker 0: bin vor vielen Jahren mal über ein Artikel gestolpert vielleicht kennen sie den sogar aus der New York Times in den ich glaube frühen zwanziger jahren tatsächlich als man dort schon berichtet hat über das Aufkeimen der NSDAP, dass Hitler dort immer mehr Einfluss bekommt.
- 44:06Speaker 0: Immer mehr Aufmerksamkeit bekommt.
- 44:09Speaker 0: und ich muss mir, muss immer wieder an diesen Artikel zurückdenken und frag mich wann ist denn der Punkt?
- 44:16Speaker 0: Wir reden immer ganz viel über nie wieder und dann schaue ich mir dieses Nie Wieder ist jetzt an was ganz viele dann auch in sozialen Netzwerken teilen und als Parole ausgeben.
- 44:31Speaker 0: Und ich frage mich immer, was muss denn noch passieren?
- 44:34Speaker 0: Dass wirklich mal die Leute umdenken und realisieren, was sie da eigentlich gerade tun mit unserer Gesellschaft.
- 44:42Speaker 0: Haben Sie eine Idee warum uns das so schwer fällt also als Gesellschaft wenn ich mir die Zahlen gestern anschaue scheinbar auch in einer sehr großen Masse dass wir das einfach nicht verstehen.
- 44:56Speaker 0: Ist es wirklich nur Plumpeignoranz?
- 45:00Speaker 1: Naja, wir leben schon lange hier ohne Krieg und ich glaube aber... Ich kann das auch nicht nachweisen, dass in den Menschen oft, in manchen oder vielen so eine Sehnsucht nach starke Führung ist ein Mann, der stark ist.
- 45:21Speaker 1: Er sagt uns was man macht und da müssen wir selber nicht denken.
- 45:26Speaker 1: Das ist so ein Leben.
- 45:28Speaker 1: dann haben wir halt Putin oder Mauer oder irgendwelche Diktaturen die sie gar nicht gekannt haben und gerade diese jungen Menschen die wissen gar nicht was das bedeutet wenn man um vier in den nacht oder um zwei in der Nacht aus dem Bett von Gestapo holt wenn man ein Polizeistatt hat, wo man nicht sagen darf.
- 45:50Speaker 1: Wo man als Kind zweigleisige Erziehung bekommt und meine Mutter sagt was man zu Hause kocht das ist man Zuhause.
- 46:00Speaker 1: Und wir wussten meine Schwester und ich ganz genau Was wir draußen sagen können und was zuhause gegessen wird.
- 46:09Speaker 1: Ja also dass ist schon so Dass man in diesen Diktaturen, wenn man da lebt total ein anderes Empfinden hat.
- 46:21Speaker 1: Dass irgendetwas, dass irgendeine den anderen verrät und was das Folgen für die ganze Familie ist, hat.
- 46:35Speaker 1: Und ich meine gerade in der DDR ehemaligen DDR wo wir jetzt Mehrheit haben in Thüringen und Sachsen Das habe ich schon gestern Abend gehört, dann denke ich mir das kann doch nicht wahr sein.
- 46:51Speaker 1: Dass gerade in diesen Ländern die unter Diktatur gelebt haben, die auch gelitten haben und eingesperrt wurden oder nicht an die Uni dürften, denen die Kinder weggenommen haben – das ist doch alles nicht aufgearbeitet!
- 47:08Speaker 1: Und es ist doch über dreißig Jahre, dass sie Freiheit haben.
- 47:12Speaker 1: Aber Freiheit zu leben, dazu gehört auch Mut.
- 47:16Speaker 1: Und die sind unzufrieden, fühlen sich abgehängt.
- 47:20Speaker 1: Fühlen sich nicht gleichwertig behandelt.
- 47:24Speaker 1: und die waren doch zwei Generationen unter Diktatur.
- 47:30Speaker 1: Und gerade die wählen wieder diese Partei.
- 47:33Speaker 1: also das ist für mich man hat doch nichts
- 47:37Speaker 0: gelernt Bei all dem was sie erlebt haben mit ihrer Geschichte und allem was da zusammenkommt.
- 47:44Speaker 0: haben sie eigentlich so ein Rezept gegen Resignation und Verzweiflung, wenn man sich gerade solche Dinge anschaut wie die Wahl gestern.
- 47:53Speaker 0: Und man sich danach einfach nur noch denkt was soll denn eigentlich noch passieren?
- 47:57Speaker 0: Wie sollen wir das überhaupt noch in den Griff bekommen?
- 48:01Speaker 0: Ich dann auch gestern glaube ich bis weit nach Mitternacht mir den Kopf zermatert habe weil man kommt irgendwann an diesen Punkt und sagt sich, naja also ist egal was man tut.
- 48:15Speaker 1: Sind die alle dumm?
- 48:17Speaker 1: Denken sie nicht oder haben Hoffnung dass diese Partei sie aus dieser Resignation oder aus dieser Unlust meine Resignations- oder Depression oder was man alles da hat und erlebt?
- 48:36Speaker 1: das ist unbegreiflich wenn man logisch versucht zu denken, was passiert mit uns?
- 48:44Speaker 1: Also als ob man diese Sehnsucht nach dem Diktator in sich hat und meint der macht das dann richtig.
- 48:54Speaker 1: Vielleicht ist es auch die Schwäche unserer Regierung.
- 48:58Speaker 1: also ich spreche von Deutschland aber ich meine in ganz Europa.
- 49:05Speaker 1: Das ist so wie eine Pandemie inzwischen.
- 49:10Speaker 1: Zuerst haben wir sie gehabt, wirklich fast drei Jahre und jetzt haben wir nichts Besseres.
- 49:19Speaker 0: Wie behalten Sie sich da die Energie weiter zu kämpfen?
- 49:23Speaker 1: Ich habe mich schon auch... also ich hab nicht resigniert absolut nicht.
- 49:28Speaker 1: aber manchmal denke ich mir wo ist das Ergebnis?
- 49:32Speaker 1: ja tatsächlich Aber nicht so dass ich sage jetzt höre ich auf Nein weil auch jeden einzelnen den man Überzeugt, das ist ein kleines Steinchen.
- 49:45Speaker 0: Ja, hoffentlich?
- 49:47Speaker 1: Hoffentlich!
- 49:49Speaker 0: Ich danke Ihnen sehr für Ihre Zeit und dass wir über dieses schwierige emotionale Thema sprechen konnten.
- 49:58Speaker 1: Das war es leider schon.
- 50:00Speaker 1: Die letzte Runde ist ausgetrunken, das Gespräch
- 50:03Speaker 0: zu Ende.
- 50:04Speaker 0: Vielen Dank fürs
- 50:05Speaker 1: Zuhören.
- 50:07Speaker 1: Bitten im Rücksicht auf die Nachbarn und sei leise
- 50:10Speaker 0: wenn du die
- 50:10Speaker 1: Bar verlässt Aber vergiss auf keinen
- 50:13Speaker 0: Fall, den abonnieren
- 50:14Speaker 1: Button zu klicken.