Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Merz und die Angst vor der 5-Prozent-Hürde
Transcript
- 0:00Wenn Merz das nicht liefern kann, dann verliert er seine Daseinsberechtigung.
- 0:04Denn die einzige Währung, die in der Politik am Ende zählt, ist Erfolg.
- 0:08Wer dauerhaft an der Spitzigkeit einen Erfolg hat, der scheitert.
- 0:14Wir haben diese Bundestagswahl 2025 gewonnen. Jetzt darf auch mal Rambo Zambo im Adler aus.
- 0:24Das ist Rambo Zambo, der Merz-Podcast. Das Format, das ihr vielleicht nie wolltet, aber jetzt braucht.
- 0:31Mit Carlotta Richter und Julia Emrich. Hallo und herzlich willkommen zu einer
- 0:36neuen Folge von Rambo Zambo, dem Podcast, in dem wir immer einmal in der Woche
- 0:41über unseren Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen.
- 0:45Mein Name ist Julia Emrich und mir gegenüber sitzt heute unser Chefredakteur
- 0:50der Zentralredaktion hier bei Funke, Jörg Wohs.
- 0:53Herzlich willkommen, Jörg. Hallo, Julia.
- 0:56Ja, ich bin sehr froh, dass du in dieser Woche bei mir bist hier im Studio,
- 1:00denn ich schätze dich aus vielen Gründen, aber vor allem auch aufgrund deiner
- 1:05langen Erfahrungen und deiner oft sehr sicheren Prognosen.
- 1:09Und deshalb möchte ich dir gleich ganz am Anfang zu unserem Bundeskanzler eine
- 1:13Frage stellen, die mich zumindest inzwischen umtreibt.
- 1:17Ist Friedrich Merz am Ende dieses Jahres noch im Amt? Aber das geht ja gut los
- 1:23hier. Tut mir leid, aber so ist das hier.
- 1:26Ich bin mir gar nicht sicher, ob Friedrich Merz das selber beantworten könnte.
- 1:31Wenn ich jetzt mal aus logischen Erwägungen mal zusammen konstruiere, würde ich sagen ja.
- 1:39Aber die Frage ist, in welchem Zustand? Denn wenn er nicht mehr im Amt wäre,
- 1:44müsste es ja einen Ersatz geben.
- 1:46Und alle, die für einen Ersatz in Frage kommen, die halten ja die Füße auffallend ruhig.
- 1:52Und der Mann, auf den ja alle in letzter Zeit blicken, Hendrik Wüst,
- 1:56der muss im April erstmal eine Landtagswahl gewinnen.
- 1:58Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen. Der Minister war in Nordrhein-Westfalen
- 2:01und er hat eine ganz wichtige Landtagswahl vor der Brust.
- 2:06Und deswegen sehe ich auch, wenn das jetzt ganz schwierig ausgeht hier in Berlin
- 2:11und in Mecklenburg-Vorpommern, sehe ich jetzt noch nicht den ganz schnellen Ablauf.
- 2:17Ich fürchte, es wird, wenn es soweit kommt, eher ein ganz zähes,
- 2:22wie soll ich sagen, ein zähes Ende dieses Kanzlers werden. Und deswegen meine
- 2:28Prognose erst zum Jahresende noch im Amt.
- 2:30Und wir haben in den letzten Tagen und Wochen ja immer wieder Szenarien durchgespielt,
- 2:37die ja auch begründet waren, weil es immer wieder, ich sag mal,
- 2:41Leute gab aus Unionskreisen, aber auch außerhalb der Union, die solche Szenarien
- 2:45entworfen und auch vorangetrieben haben, nach denen
- 2:49März kurzfristig abgelöst werden könnte.
- 2:52Und diese Szenarien waren begründet dadurch, dass es bei diesen Wahlen,
- 2:57die jetzt anstehen, wir nehmen am Donnerstag auf, also in drei Tagen,
- 3:01am Sonntag in Mecklenburg und in Berlin, für die Union sehr,
- 3:05sehr hart werden könnte.
- 3:07Wenn wir mal einmal kurz auf diese beiden Spielplätze schauen,
- 3:13welche Wahl hältst du für die für März gefährlichere?
- 3:19Aber die gefährlichere Wahl ist die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern,
- 3:24weil da passierte etwas, was es noch nie gab.
- 3:28Das wäre eine historische Einmaligkeit für die CDU, wenn sie tatsächlich unter
- 3:33die 5 Prozent fallen würde.
- 3:35Das wäre ein Fanal und dieses Signal, das würde die ganze Debatte überlagern.
- 3:40Also CDU schafft es nicht mal mehr in einen Landtag, das wäre der Satz,
- 3:44der würde immer fallen, wenn zwei politische Menschen aufeinandertreffen und
- 3:49deswegen glaube ich, dass also die Gefahr in dieser Wahl liegt.
- 3:52Wenn wir auf Berlin blicken, da kämpft jetzt ein Spitzenkandidat der CDU,
- 3:58der sehr spät eingestiegen ist um das Amt des Regierenden Bürgermeisters und
- 4:03da ist meines Erachtens noch alles drin.
- 4:07Also klare Analyse, die Meck-Pom-Wahl ist für Friedrich Merz die gefährlich.
- 4:14Die CDU im Nordosten steht in den jüngsten Umfragen bei sieben Prozent.
- 4:19Wenn man die letzten Umfragen sieht, sehen wir einen Abwärtstrend.
- 4:23Das heißt, das kann sich tatsächlich realistischerweise sogar noch weiter nach unten bewegen.
- 4:29Wir haben es bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gesehen,
- 4:32dass wir alle von einem deutlich stärkeren CDU-Ergebnis ausgingen,
- 4:37einschließlich glaube ich des Spitzenkandidaten und wir dann doch erschüttert
- 4:42waren, wie schlecht oder wie unpräzise eben diese Umfragen waren,
- 4:47denn die Union landete deutlich drunter.
- 4:50Wenn man das jetzt mal überträgt auf Mecklenburg-Vorpommern,
- 4:52ist dieses 5%-Szenario nicht ganz unrealistisch.
- 4:58Wenn wir noch mal ganz kurz auf diese Situation dort im Nordosten schauen.
- 5:03Der Spitzenkandidat ist für die meisten im Bund relativ unbekannt.
- 5:08Mein Gefühl ist, dass selbst ein bekannterer, aber es nicht gerissen hätte,
- 5:13weil ein Effekt gerade eintritt, den wir auch schon in anderen Ländern gesehen haben, dass,
- 5:18die amtierende Ministerpräsidentin so eine Art Amtsbonus gerade bekommt und
- 5:23möglicherweise bis Sonntag sogar schafft, sich an die Spitze einzusetzen.
- 5:28Das heißt, sogar die AfD, die im Moment noch vorne liegt, zu überrunden.
- 5:31Ist dein Gefühl auch, dass ganz viele, die dort vielleicht eher Mitte,
- 5:36vielleicht sogar Mitte konservativ sind, sagen, okay,
- 5:39Vor die Wahl gestellt, ich stärke meine CDU oder den Kampf der Ministerpräsidentin
- 5:45um die Regierung, ich entscheide mich dann für Schwesig.
- 5:49Ja genau, diesen Trend sehe ich, der bildet sich ja exakt in den Umfragen ab.
- 5:53Es ist offenkundig, dass Leute, die vielleicht CDU gewählt hätten,
- 5:58jetzt sagen, ich stärke die Ministerpräsidentin, ich stärke die politische Mitte,
- 6:01die Frau gegen Blau. Das ist ein ziemlich genialer Wahlkampf-Slogan und.
- 6:08Ich war ein bisschen erschüttert, als ich die CDU-Generalsekretärin neulich
- 6:11las, wie sie sagt, Frau Schwesig führt einen egoistischen Wahlkampf,
- 6:17in dem sie ihre Person besonders herausstellt und damit andere Parteien beschädigt.
- 6:22Das ist natürlich totaler Quatsch. Ich kann mich nicht daran erinnern,
- 6:25dass Friedrich Merz im Bundestagswahlkampf irgendwie die SPD verschont hätte
- 6:28oder andere mögliche Koalitionspartner.
- 6:30Hier kämpft in dem Wahlkampf jeder für sich allein. Das betonen ja auch alle,
- 6:34die im Wahlkampf unterwegs sind regelmäßig. Deswegen sieht man das ein bisschen,
- 6:37die Verzweiflung der CDU, dass es tatsächlich der Ministerpräsidentin gelingt,
- 6:42jetzt so viele bürgerliche Wähler auf sich zu ziehen.
- 6:45Das sind ja nicht alles Fans einer erratischen SPD-Politik, die wir die letzten
- 6:49Jahre erleben, sondern das sind Menschen, die in Manuela Schwesig eine engagierte
- 6:53Ministerpräsidentin erkennen, die Klarfarbe zeigt.
- 6:58Die die AfD öffentlich stellt.
- 7:00Das haben wir auch in dem Gipfelgespräch jetzt im MNR gesehen.
- 7:05Und die vor allem auch die Vorgaben aus der Parteizentrale, die sind ja herzlich
- 7:11wurscht, die ignoriert sie und setzt eigene Punkte. Und das kommt da im Norden sehr gut an.
- 7:16Und der Trend ist so, wie du es beschrieben hast. Die SPD wächst stetig und
- 7:23die CDU ist eher im Gegentrend.
- 7:25Das kann tatsächlich am Wahlabend die große Überraschung werden.
- 7:28Und ich sehe die Ministerpräsidentin weiter im Amt.
- 7:33Sie wird eine Regierung bilden und ob da die CDU eine Rolle spielt, das werden wir sehen.
- 7:37Okay, worst case für Friedrich Merz, Sonntagabend. Er sieht die ersten Hochrechnungen.
- 7:42Die CDU im Nordosten, in Mecklenburg-Vorpommern, ist raus aus dem Landtag.
- 7:47Und in Berlin hat die Linke die Nase vorn. Was immer noch nicht heißt,
- 7:51dass die Linke auch regieren wird.
- 7:52Die braucht ja auch ein Bündnis dafür und so weiter. Aber nehmen wir mal an,
- 7:56es wird sehr schwierig in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern ist die einstige
- 8:01Volkspartei unter die 5-Prozent-Rödel gerutscht.
- 8:06Nochmal mit dem Blick auf meine allererste Frage, kann sich dann Friedrich Merz
- 8:10halten, wenn so eine auf allen Ebenen schiefgelaufene Geschichte ihm reinhagelt?
- 8:17Das kommt dann natürlich ein bisschen darauf an, wie die Partei und ihre führenden Köpfe reagieren.
- 8:23Ja, und da sind tatsächlich Fragezeichen angebracht. Wir haben ja gerade erlebt,
- 8:29es gab den Versuch einer großen Solidaritätserklärung.
- 8:33Da haben die CDU-Ministerpräsidenten unterschieden. Die Erklärung ist ziemlich
- 8:37kurz und wenn man sie als Unterstützung verstehen soll, ist da ziemlich wenig
- 8:43Unterstützung eingebaut in den Text.
- 8:45Das wird nicht mal der Name von Friedrich Merz erwähnt. Da steht nur,
- 8:49wir werden gemeinsam mit dem Bundeskanzler weiter regieren.
- 8:55Wenn diese Solidarität, die jetzt schon so mühselig zusammengekratzt wird,
- 9:00wenn die dann aufbricht und wenn wirklich die erste Reihe anfängt,
- 9:04Merz in Frage zu stellen, dann wird es ganz schwer.
- 9:07Weil wir erleben das ja in der Mediengesellschaft, das ist dann so eine Kettenreaktion,
- 9:10da kippt ja Einstein meistens den anderen.
- 9:13Aber wenn die Partei es schafft, sich vielleicht jetzt schon vor den Wahlen
- 9:18so zu verabreden, wie man sich verhält, um einfach diesem Kanzler die Chance
- 9:23zu geben, die Reformen noch durchzubringen.
- 9:24Denn das ist die einzige Chance, die meines Erachtens Friedrich Merz jetzt hat,
- 9:29um sein Amt zu retten und am Ende der Legislatur doch noch,
- 9:33als ein guter Kanzler dazustehen, indem er es einfach ausblendet,
- 9:37alle Umfragen, alles was passiert und super konzentriert sich um die Reform kümmert.
- 9:43Das durchzieht, wofür er angetreten ist, das durchzieht, was er versprochen hat.
- 9:48Auch sein eigenes Renommee dafür aufs Spiel setzt. Dann hat er eine Chance.
- 9:52Du hast gerade einen interessanten Halbsatz gesagt. Doch noch als guter Kanzler
- 9:55dastehst. Das heißt, du würdest sagen, es gibt noch eine Chance für ihn,
- 9:59die Sache wirklich zu drehen. Es gibt noch die Chance, ganz am Ende als Held
- 10:04aus der Geschichte rauszugehen?
- 10:05Held ist jetzt ein großes Wort, aber ich meine, es ist ja wahnsinnig viel angekündigt,
- 10:09und es stehen noch so viele Reformen uns bevor und die Bilanz kann man doch
- 10:15erst dann ziehen, wenn die Reformen beschlossen sind.
- 10:18Wenn sie durch den Bundestag sind, wenn sie Wirkung zeigen. Und im Augenblick
- 10:23befinden wir uns doch immer noch in einem Status der Ankündigungen,
- 10:26der Versprechungen, der hohlen Worte. Wir hören ja immer wieder das Gleiche,
- 10:31was jetzt alles passieren soll und wird.
- 10:33Ich glaube, die Bilanz zu Friedrich Merz, die kann man nur dann ernsthaft ziehen,
- 10:37wenn wir gucken, was ist aus diesen ganzen Versprechungen geworden.
- 10:40Okay, dazu muss ja erstmal Bundeskanzler bleiben.
- 10:43Ich glaube, wir haben beide ein Gefühl, dass durch diesen Brief der achten Ministerpräsidenten
- 10:49und dieser Erklärung zumindest eine gewisse Sicherheitslinie eingezogen ist vor dem Sonntag.
- 10:56Den nimmt man nicht einfach wieder zurück und sagt, ach nee,
- 10:59jetzt doch nicht, jetzt stürzen wir ihn doch. Ich glaube auch,
- 11:02dass er diesen Sonntag, auch wenn es hart wird, überleben wird in seinem Amt.
- 11:07Aber du sprichst es an danach muss er reformen durchbringen und das wird nicht
- 11:11leicht wir haben es in dieser runde hier im podcast schon oft besprochen er
- 11:15hat zwölf stimmen mehrheit im bundestag das ist eine verdammt knappe kiste die spd,
- 11:20ist auf dem baum wegen vieler dinge auch weil sie selber gerade unsortiert ist
- 11:26und nicht weiß wohin sie eigentlich laufen will,
- 11:28Selbst wenn Merz dieses Wahlwochenende mit Hilfe der Ministerpräsidenten oder
- 11:34vielleicht dann doch ganz guter Ergebnisse überlebt, es kann.
- 11:38Die nächste Krise steht möglicherweise schon vor der Tür. Das ist ganz sicher.
- 11:42Ich sehe diese Erklärung wie so einen kurzlaufenden Kredit, den man eben gewährt
- 11:46hat. Und den muss er zurückzahlen.
- 11:49Er muss Umfragen drehen, er muss seine Reformen durchbringen und er muss auch
- 11:55wieder Wahlen gewinnen.
- 11:56Nehmen wir mal an, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gehen jetzt für die CDU in die Hosen.
- 12:00Es gibt nächstes Jahr wichtige Wahlen und die müssen dann von der CDU viel besser
- 12:04geschlagen und gewonnen werden. Und wenn Merz das nicht liefern kann, dann...
- 12:11Dann verliert er seine Daseinsberechtigung, denn die einzige Währung,
- 12:14die in der Politik am Ende zählt, ist Erfolg.
- 12:17Wer dauerhaft an der Spitzigkeit einen Erfolg hat, der scheitert.
- 12:20Jetzt wenden wir mal den Blick, wir haben jetzt die ganze Zeit auf Merz geguckt,
- 12:23wenn wir jetzt mal so tun, als würden wir aus Merz heraus gucken,
- 12:26hast du das Gefühl, dass Merz verstanden hat, dass er noch Dinge tun muss,
- 12:31um diesen Erfolg, den du gerade skizziert hast?
- 12:33Also Beliebtheitswerte drehen, Umfragen drehen, auch in die Bevölkerung hinein,
- 12:39Stichwort künftige Wahlen mehr positiv zu wählen.
- 12:43Hat er verstanden, dass er noch was anders machen muss? Oder denkst du, naja, ich bin gut.
- 12:49Die Politik ist das, was irgendwie nicht funktioniert. Ich kenne Merz schon
- 12:52seit vielen Jahren und er ist wirklich intelligent genug, seine Lage ziemlich genau einzuschätzen.
- 12:58Ich glaube, er sieht die Probleme, er sieht auch seine Defizite,
- 13:02er benennt sie manchmal so ein bisschen linkisch, er will uns alle in unserer
- 13:05Emotionalität besser abholen.
- 13:09Aber er sieht die Probleme und die Frage ist, wie kriegt er es in den Griff,
- 13:14und in welcher Priorität, was muss er zuerst hinbekommen? Die bessere Kommunikation,
- 13:20die Reformen, die Umfragen drehen.
- 13:23Ich glaube, Merz ist mittlerweile in der Situation, wo er sich völlig fokussieren
- 13:27muss auf eine Politik, die schnell umgesetzt wird, die Erfolge zeigt.
- 13:32Und wo die Wählerinnen und Wähler das Gefühl haben, von diesen vielen Ankündigungen,
- 13:37die wir jetzt schon so lange gehört haben, wird endlich was eingelöst.
- 13:41Er ist ja angetreten als Macher, als Mann von außen, der so ein bisschen den Nimbus hatte.
- 13:48Er steckt nicht in diesen Parteistrukturen und in diesem ganzen sehr prozessualen,
- 13:53sondern er ist so ein bisschen der Eruptive, der mit der Kraft sozusagen von
- 13:57außen des Unternehmertyps und so weiter.
- 13:59Viele haben ihn jetzt zuletzt so als CEO-Typ beschrieben, der einfach auch mal
- 14:03Sachen durchsitzt. Okay, jetzt.
- 14:06Ist die Demokratie kein Unternehmen, sondern es ist nun mal ein anderes System.
- 14:11Hast du das Gefühl, dass Merz wirklich schon verstanden hat,
- 14:16in welcher Rolle er funktionieren muss in diesem nun mal demokratischen und
- 14:22nicht ökonomisch unternehmerischen System?
- 14:24Ja doch, den Eindruck habe ich schon. Wir erleben ja schon, wie er große Rücksicht
- 14:28nimmt, auch auf den Koalitionspartner.
- 14:29Er ist ja nicht so, der jetzt mit seinem Koalitionspartner extrem rücksichtslos umgeht.
- 14:34Das wird ihm ja auch vorgeworfen, dass er sich viel zu viel von der SPD fesseln
- 14:39lässt und eben nicht Merz pur liefert, was auch schwer möglich ist,
- 14:42wenn du die Stimmen am Ende brauchst.
- 14:44Also da wird da manchmal unfair gesehen, natürlich muss Merz die SPD mitnehmen,
- 14:48das mag manchem Wirtschaftslobbyisten nicht gefallen.
- 14:53Und die sind ja auch interessanterweise besonders enttäuscht von Merz,
- 14:57der ja als Wirtschaftskanzler angetreten ist, Aber auch in den Lobbyetagen bei
- 15:02den Arbeitgebern muss man erkennen, am Ende ist das alles ein Kompromiss.
- 15:07Und natürlich muss Merz sich stark machen und darf sich nicht alles,
- 15:15also die Dinge, die er versprochen hat, die muss er auch versuchen mit der SPD durchzusetzen.
- 15:21Er hat es erlebt, die ersten 17 Monate. Es ist wahnsinnig schwer.
- 15:26Und ich meine, es ist vielleicht auch nicht der schlauste Zug gewesen,
- 15:29die Bundesarbeitsministerin, die auf dem riesigen Sozialetat sitzt,
- 15:32auch diese auch gleichzeitig SPD-Vorsitzenden. Also das macht dieses Zusammenspiel
- 15:36in der Koalition wahnsinnig kompliziert und.
- 15:41Das ist glaube ich das größte Problem. Er weiß glaube ich genau was zu tun ist,
- 15:46er hat einen Plan, aber er hat realisiert, es funktioniert so nicht in der Konstellation,
- 15:51und das hat ihn jetzt aus dem Tritt gebracht und jetzt müssen wir gemeinsam
- 15:56zusehen, ob er diesen Tritt wieder findet.
- 16:00Irgendwie sind wir alle an diesen Kanzler gekettet, habe ich manchmal das Gefühl.
- 16:05Auch deshalb, weil so richtig eine Alternative sich nicht anbietet.
- 16:11Natürlich, wir haben in diesem Podcast schon oft über Markus Söder geredet.
- 16:14Wir haben oft über Hendrik Wüst geredet.
- 16:16Es gab mal eine Phase, wo plötzlich Leute anfingen, über Boris Rhein,
- 16:20den hessischen Ministerpräsidenten zu reden als Alternative.
- 16:23Und wir haben, glaube ich, eine ganze Folge darüber gemacht,
- 16:25warum es eine Sehnsucht gibt.
- 16:26Es gibt sogar Alexander Dobrindt, den aktuellen Bundesinnenminister,
- 16:30zum Ersatzkanzler zu machen.
- 16:32Also Namen gibt es genug, aber immer dann, wenn man ein bisschen näher hinguckt
- 16:36und sagt, okay, könnte der denn, wollte der denn, würde der denn,
- 16:39ist man in einer Konjunktivkaskade.
- 16:43Warum, glaubst du, greift weder Hendrik Wüst, der ja als realistischer Alternativkanzler gilt,
- 16:55oder Markus Söder, der ebenfalls als sehr wildstarker Alternativkanzler gilt,
- 17:01warum greifen die jetzt nicht in dieser Schwäche zu?
- 17:04Da gibt es die älteste politische Regel, einfach, wer sich zu schnell bewegt
- 17:09und zu schnell was will, der wird es nicht.
- 17:13Beide sind schlau genug. Sie wissen, sie brauchen eine ganz breite Bewegung,
- 17:17von der sie getragen werden, wo sie dann ganz zum Ende, wenn wirklich alle bei
- 17:21ihnen waren und auf Knien nach Düsseldorf oder nach München gerutscht sind, erst dann wird sich,
- 17:27ein Hendrik Wüst oder ein Markus Söder erklären. Das große Rutschen sehen wir gerade nicht.
- 17:31Keiner will jetzt den Königsmörder machen und sich ins Spiel bringen.
- 17:34Wir sehen ja auch, wie sie sich verhalten. Hendrik Wüst verhält sich sehr geschickt.
- 17:38Er sagt möglichst wenig zu dem Thema.
- 17:40Markus Söder sagt ein bisschen mehr, aber auch nicht so viel,
- 17:43dass man sagen kann. Er steht schon fast hier vor Berlin.
- 17:47Also die beiden, um die es geht, das sind ja ausgebuffte Politikprofis und die
- 17:52genau wissen, wenn sie jetzt zu früh zucken, kann es schief gehen. Soll ich dir was sagen?
- 17:57Mein Verdacht dahinter ist, dass beide, du sagst ja selbst, schlau genug sind
- 18:01sie, dass beide sich ab und zu vorstellen, okay, nehmen wir mal an,
- 18:05die SPD würde mich wählen, ich hätte,
- 18:08in meinem Land einen Nachfolger, der Stichwort Landtagswahlen hier, Stichwort Bayern dort.
- 18:14Meinen Hof sozusagen bestellen würde.
- 18:16Und dann stellen sie sich vor, was am Tag zwei passieren wird.
- 18:19Tag eins ist, jetzt bin ich Kanzler und Tag zwei sind die Probleme noch genau dieselben.
- 18:24Und die Probleme sind kein bisschen leichter geworden, weil sie immer noch mit
- 18:28der SPD regieren. Denn in Klammern Minderheitsregierung würde keiner von den
- 18:32beiden machen wollen. Es ist viel zu riskant.
- 18:34So, dann stehen sie da und haben den gleichen Sumpf und ich glaube inzwischen,
- 18:37dass die ganz froh sind, dass sie den März haben.
- 18:40Der März sitzt ziemlich tief im Morast gerade, aber sie können im Grunde immer
- 18:46sich sagen, er muss den Laden aufräumen, er muss durch diese ganzen tiefen Täler
- 18:51jetzt gehen und vielleicht
- 18:53gelingt es ihm, vielleicht kriegt er die Reformen durch und dann ist ja immer
- 18:56noch Zeit für einen Hendrik Wüst oder vielleicht einen Markus Söder zu kommen.
- 19:00Ja, du hast schon recht, das Amt des Kanzlers ist ja deswegen für die Politik
- 19:04so interessant, weil sie ein unheimliches, ein Amt mit einer unheimlichen Machtfülle
- 19:07und Gestaltungsmöglichkeit und deswegen sind ja Vollblutpolitikerinnen und Politiker
- 19:12auf dieses Amt scharf. Natürlich.
- 19:14Aber sie sehen natürlich auch ganz deutlich.
- 19:18Regieren war schon mal more sexy als jetzt.
- 19:21Wir haben einen Krieg mit in Europa, wir haben kein Geld mehr,
- 19:24die deutsche Wirtschaft struggled, unsere ganzen Vorzeigebranchen,
- 19:27auf die wir jahrzehntelang so stolz waren, die Automobilindustrie, muss sich neu erfinden.
- 19:33Wir haben eine tiefe Spaltung der Gesellschaft. Es ist wirklich...
- 19:37Ja und wir haben die AfD in einer Größe... ich wollte jetzt nicht Kanzler werden,
- 19:41muss ich dir ganz ehrlich sagen, ich wollte diesen Job nicht machen.
- 19:44Er ist weder herausragend bezahlt noch hast du besondere Vorteile davon.
- 19:49Es ist wirklich, du stehst permanent in der Öffentlichkeit, jede Entscheidung
- 19:53von dir wird seziert und hat eine Tragweite, die größer nicht sein könnte.
- 19:58Also es ist wirklich ein extrem hartes Amt. Das kann man natürlich sagen,
- 20:01Augen auf bei der Berufswahl. Friedrich Merz wusste, worauf er sich einlässt,
- 20:06aber ich glaube, er hat am Ende doch unterschätzt.
- 20:10Wie multiple die Krisen sind, die ihn da erreichen und wie wenig Space ergeben
- 20:17kann, um das alles schnell zu lösen.
- 20:19Ich glaube, in der Draufsicht, als er noch aus dem Politikbild draußen war,
- 20:24regelt sich das alles relativ leicht.
- 20:26Das, das, das, das, das musst du tun und dann wird es besser.
- 20:28Und jetzt Inside im Machtbetrieb mit einer SPD, mit der Öffentlichkeit,
- 20:33mit Social Media und mit allem, was wir da haben.
- 20:36Und dann auch mit hybriden Angriffen und allen möglichen sonstigen Störungen,
- 20:41ist das schon was völlig anderes. Und das sieht natürlich auch Markus Söder.
- 20:44Ich meine, Ministerpräsident ist kein schlechter Job.
- 20:47Egal, wo Markus Söder aus seiner Limousine aussteht, es steht immer eine Blaskapelle da.
- 20:52Es gibt frische Brezeln und der Bürgermeister tritt auf.
- 20:57Und da kann man sich dran gewöhnen, an dieses Wohlfühlen. Und dann ist Bayern
- 21:01ja auch noch so ein schönes Land und die Wirtschaftszahlen sehen gut aus.
- 21:04In NRW ist es so, das ist das größte Bundesland. Da kann man sagen,
- 21:07wir sind die Stärksten, wir sind das Industrieland Nummer eins.
- 21:10Also es macht schon Spaß, auch solche Länder zu regieren.
- 21:13Und deswegen werden sich die beiden dann am Ende auch schon mal gut überlegen,
- 21:18in welcher Konstellation mache ich das? Und vor allem, wie stark ist die AfD?
- 21:23Wie hängst du da plötzlich gegen so einen Block in der Ecke und kommst überhaupt
- 21:27nicht mehr weiter, wenn du Pech hast und musst dich mit Leuten verbünden,
- 21:30mit denen du jahrzehntelang nichts am Hut hattest?
- 21:33Stichwort Linkspartei. Also wenn ein CDU-Kanzler mit den Linken gemeinsam Politik
- 21:38machen muss, dann wird es richtig hart.
- 21:41Dann ist es ein Spaziergang, was Merz gerade erlebt, dagegen.
- 21:45Die beiden in Düsseldorf und München sind möglicherweise wirklich ganz froh,
- 21:48dass sie gerade noch gar nicht greifen müssen.
- 21:52Ich erinnere mich an ein Interview, das Friedrich Merz mal vor ein paar Monaten
- 21:55gegeben hat, das wir alle mit relativ großer Überraschung gelesen haben,
- 21:58weil er angefangen hat, so ein bisschen öffentlich über sich selbst und seine Emotionen zu sprechen.
- 22:03Und da hat er sinngemäß auch gesagt, kein Kanzler hat es so schwer wie ich gehabt.
- 22:10Man kann natürlich mal sagen, es gab Kanzler, die hatten ganz andere Probleme.
- 22:13Also Adenauer im Wiederaufbau und auch natürlich Helmut Kohl und auch,
- 22:18denke ich, Angela Merkel.
- 22:20Aber ich finde ein Körnchen Wahrheit ist drin, denn gegen eine solche AfD anzuregieren,
- 22:26ist wirklich unik. Das ist neu.
- 22:28So einen klaren rechten Block im Bundestag, aber eben auch in den Ländern,
- 22:33das ist schon eine Situation, die ist nicht unbedingt vergleichbar mit den ebenfalls
- 22:39harten Situationen, in denen andere Kanzler waren.
- 22:41Das, glaube ich, kann man an der Stelle Friedrich Merz sogar zugestehen.
- 22:46Für uns alle neu und wir sind alle überrascht, wie schnell das gehen konnte,
- 22:50dass es tatsächlich so einen großen Block plötzlich gibt.
- 22:54Und das ist jetzt für Friedrich Merz oder auch denjenigen, der auf ihn folgen
- 22:57sollte, eine gigantische Herausforderung. Und keiner hat einen Erfahrungswert, wie es geht.
- 23:03Jetzt muss er erstmal durch die nächsten Stunden und Tage. Er hat seine Reise
- 23:07nach New York, die er eigentlich Dienstag antreten wollte, abgesagt.
- 23:10Er will in Deutschland sein.
- 23:12Am Sonntagabend, noch bevor die ersten Hochrechnungen da sind,
- 23:17will er sich mit seinen Ministerpräsidenten, also das Gremium heißt Präsidium,
- 23:21im Adenauerhaus zusammensetzen, in Präsenz.
- 23:24Man wird also gemeinsam die Hochrechnung gucken und dann natürlich auch sich
- 23:27gemeinsam verständigen, wie es weitergeht.
- 23:30Montag geht das dann weiter. Dienstag will er in die Fraktion,
- 23:33also in seine Truppe gehen, um wahrscheinlich zu erklären, wie es jetzt weitergehen
- 23:36soll und die Reihen zu schließen. Also er ist da, er hat verstanden.
- 23:40Er kann jetzt nicht den Außenkanzler geben und bei der UN-Reden halten, wenn die Hütte brennt.
- 23:45Das ist das, was er für die nächsten Stunden und Tage sieht.
- 23:49Was dann kommt, ist so ein bisschen offen. Wir werden es in der nächsten Woche,
- 23:54analysieren können, müssen, wollen.
- 23:58Und jetzt die Zahl der Woche.
- 24:01Du musst das tun, was wir alle tun müssen. Du musst uns noch eine Zahl der Woche
- 24:05nennen. Okay, ich habe euch auch eine Zahl mitgebracht, Julia. Die Zahl heißt 4.
- 24:10Und jetzt fragst du dich, wo die herkommt. Es sind genau vier Worte,
- 24:15die in dieser großen Solidaritätserklärung für den Kanzler, so wurde sie an den Medien gehandelt,
- 24:20die die acht Ministerpräsidenten geschrieben haben, vier Worte in dieser 222-Wortelangen
- 24:26Erklärung beziehen sich auf den Bundeskanzler.
- 24:29Und sie erwähnen nicht mal seinen Namen. Gemeinsam mit dem Bundeskanzler.
- 24:33Das war quasi der Teil der Erklärung, der auf Friedrich Merz zielt.
- 24:38Und das war ganz schön kurz.
- 24:40Du hättest dir gewünscht, dass dort klarer steht, wir stellen uns hinter Friedrich Merz?
- 24:47Nein, ich hätte mir das nicht gewünscht. Friedrich Merz hätte sich das wahrscheinlich gewünscht.
- 24:51Es sah sehr danach aus, als hätten alle Staatskanzleien da sehr lange redigiert,
- 24:56um eine minimale Unterstützung zu organisieren, aber dem Kanzler maximal zu
- 25:01zeigen, dass der Kduzfaden auch in den Staatskanzleien mittlerweile gewaltig dünn geworden ist.
- 25:06Meine Zahl ist die 11. Am 11.11.
- 25:11Hat,
- 25:14Friedrich Merz Geburtstag. Er wird 71 Jahre alt. Und das führt mich nochmal
- 25:18so ein bisschen zu dem zurück, was wir eben schon kurz angerissen haben.
- 25:23Ich finde es schon auch beeindruckend, wie jemand sich das antut,
- 25:29was er sich da gerade antut. Du kannst immer sagen, ja, der wird dafür bezahlt,
- 25:32ja, er wollte es unbedingt, jetzt hat er den Job, den er immer haben wollte.
- 25:36Aber es gibt ja auch Stimmen in der Union von Leuten, die ihn schon lange beobachten,
- 25:41die manchmal sagen, es kann auch sein, dass ihm irgendwann die Hutschnurr platzt
- 25:46und dass er hinwirft und sagt, ihr könnt mich mal alle.
- 25:51Kenne ihn nicht gut genug, um zu wissen, wie weit solche Reflexe bei ihm unter
- 25:55Kontrolle sind oder nicht.
- 25:56Ich würde nur mal nicht ganz ausschließen, dass Friedrich Merz nicht auch irgendwann
- 26:00vielleicht für uns alle überraschend sagt, ich mache das nicht mehr.
- 26:04Ist nur so eine Vermutung. Also auszuschließen ist es nicht.
- 26:09Friedrich Merz ist ja mit einem wahnsinnigen Ehrgeiz an dieses Amt gekommen.
- 26:14Das hat ja an ihm genagt. Und er hat ja wirklich eine Ochsentour in Kauf genommen
- 26:18in der Partei, um an die Spitze zu kommen und dann den Kanzlerkandidat zu werden.
- 26:22So dass er glaube ich nicht sehr leichtfertig dieses Amt, das er so schwer erreichen
- 26:27konnte, preisgibt. Aber du hast recht, es gibt da eine menschliche Dimension.
- 26:33Ja und es gibt den einen oder anderen, der Kanzler hat eine kurze Zündschnur.
- 26:38Aber wie kurz sie ist, werden wir dann an dem Moment sehen, den du gerade beschreibst.
- 26:43Wir haben es schon erlebt. Wir hatten einen Bundespräsidenten,
- 26:46Horst Köhler, der im Amt und Würden für alle völlig überraschend hingeschmissen
- 26:52hat, weil er sich auch von uns Medien ungerecht behandelt fühlte.
- 26:58Also die menschliche Dimension ist da, finde ich, nicht auszuschließen.
- 27:04Aber die Wahrscheinlichkeit, wenn ich mir die Persönlichkeit von Friedrich Merz
- 27:07ansehe, ist eher gering. Ich würde fast sagen, hoffen wir es.
- 27:12Lieber Jörg, vielen Dank, dass du da warst.
- 27:15Sei herzlich willkommen, demnächst mal wiederzukommen. Sehr gerne.
- 27:18Möglicherweise haben wir dann noch einen Kanzler Friedrich Merz oder einen anderen.
- 27:21Wir werden ihn auf jeden Fall journalistisch, professionell an der Stelle begleiten.
- 27:27Euch vielen, vielen Dank fürs Zuhören, Zuschauen.
- 27:30Und wir freuen uns wirklich immer, wenn ihr kommentiert, wenn ihr uns sagt,
- 27:35was ihr von unserer Folge gehalten habt.
- 27:37Wenn ihr Ideen für uns habt, Anmerkungen oder weiteres, was wir mal bedenken
- 27:42sollten. Vielen Dank und bis zum nächsten Mal. Bis nächstes Mal.