Latest / Gin And Talk / Evelyn Roll über Glück, Verdrängung und Erinnerungen
Transcript
- 0:00Speaker 0: Es gibt in so existenziellen Situationen, wo es wirklich am Leben und Tod geht offenbar gar kein Platz für Angst.
- 0:06Speaker 0: Das ist der ganze Körper und das ganze Denken auf Retten fokussieren und Angst würde da eher stören.
- 0:15Speaker 0: Es gibt eine unglaubliche Schwere zwischen der Kenntnis also Geschichtsbuchkenntnis die wir alle haben Unterkenntnis über die eigene Familie.
- 0:26Speaker 0: Wenn man Umfragen liest, sagen ungefähr siebzig Prozent der heute lebenden Deutschen meine große Eltern waren eher im Widerstand.
- 0:33Speaker 0: Die waren jedenfalls dagegen.
- 0:35Speaker 0: Das kann aber gar nicht sein.
- 0:37Speaker 0: Der Mechanismus ist genau das, weil Leute kommen schwer traumatisiert, dass etwas raus und wollen auf keinen Fall mehr darüber reden, weil es hilft weiterzuleben.
- 0:47Speaker 0: auch das finde ich aber nicht gesund.
- 0:50Speaker 1: Herzlich willkommen!
- 0:51Speaker 1: Mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr, euch heute zu einer neuen Episode Gen & Talk aus Berlin begrüßen zu dürfen.
- 0:58Speaker 1: Mein heutiger Gast ist Evelyn Roll.
- 1:01Speaker 1: Die preisgegrönte Journalistin schreibt seit vielen, vielen Jahren für renommierte Medien wie die Süddeutsche Zeitung und überlebte vor nicht allzu langer Zeit ein gefährliches Gehirn-Anhorisma.
- 1:11Speaker 1: In der darauf folgenden Reha hatte sie viel Zeit zum Nachdenken und nutzte diese für eine spannende Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte.
- 1:20Speaker 1: Das Ergebnis dieser Reise in die Vergangenheit der eigenen Familie heißt Pericalosa, ein Buch irgendwo zwischen Neurowissenschaften, Verdrängung deutscher Erinnerungskultur und Wahrheiten, die wir gerne vergessen hätten.
- 1:34Speaker 1: Ich wollte von ihr wissen wie sie das eigene Gehirnanorismal erlebte und überlebte, wie sie danach wieder auf die Beine kam und wie es zu der Spurensuche in der eigenen Familienhistorie kam.
- 1:45Speaker 1: Wenn dir diese Episode gefällt, dann folg uns bei Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer du gerne Podcast hörst und hinterlasse uns eine gute Bewertung.
- 1:53Speaker 1: Diese und viele weitere Episoden gibt es als Video-Podcast auf unserem YouTube Kanal.
- 1:59Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören?
- 2:01Speaker 1: Schön dass ihr alle wieder mit dabei seid!
- 2:16Speaker 1: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Gin & Talk.
- 2:21Speaker 1: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studio-Bar!
- 2:38Speaker 1: Liebe Frau Rolli ich freue mich sehr dass wir uns heute hier treffen können um mit Ihnen über ihr spannendes Buch zu sprechen und damit auch über Ihr Leben zu sprechen.
- 2:46Speaker 1: herzlich Willkommen.
- 2:47Speaker 0: Ich freu mich ja auch
- 2:48Speaker 1: Um mal gleich mit den ganz einfachen Fragen zu starten Welche Bedeutung hat eigentlich Glück in ihrem Leben?
- 2:55Speaker 0: Dass sie das eine einfache Frage nennen, ist kompliziert zu beantworten.
- 3:03Speaker 0: Weil man ja selber immer denkt, ist es jetzt Glück?
- 3:07Speaker 0: war das Zufall?
- 3:08Speaker 0: also zufall wäre ja Glück?
- 3:11Speaker 0: na klar wenn man in einer geliehenen Badewanne sitzt und bei einer stirbt und der Mann den man anruft, in dem die letzte Nummer, die noch im Handy wählbar ist weil man blind geworden ist.
- 3:25Speaker 0: Ist zufällig wegen Schneestorm nicht in die nächste Kneipe gegangen sondern in Bayern Zuhause und kann ans Telefon gehen.
- 3:34Speaker 0: Er ruft zufältig genau die richtigen Leute an.
- 3:38Speaker 0: Zufällig nehmen sie alle ernst was ich zu meinem Mann gesagt habe nämlich es ist etwas in meinem Kopf geplatzt.
- 3:46Speaker 0: Zufällig haben wir damals Hausärzte gehabt, die kommen in so einer Situation.
- 3:53Speaker 0: Zufällig weiß dieser Hausarzt es gibt einen Mann in Berlin nämlich dem Professor Waikosi der kann das operieren wenn es stimmt was sie gesagt hat dass etwas in ihrem Kopf geplatzt ist.
- 4:05Speaker 0: zufälliger ist er so ein Held dass da die Notärzte und Feuerwehrleute Prügel androht oder wie er manchmal sagt, er hat auch prügeln müssen.
- 4:17Speaker 0: Weil die müssen einen immer in sich nicht das beste Krankenhaus fahren und ich konnte mich ja nicht mehr äußern.
- 4:23Speaker 0: Und er hat dann immer gesagt aber sie hat gesagt es ist etwas in ihrem Kopf geplatzt.
- 4:28Speaker 0: Die Muster also hin.
- 4:31Speaker 0: Zufällig ist dieser Professor da und nicht auf einem Gehirnkürogen Kongress im Brasilien.
- 4:40Speaker 0: Ja, wenn Sie das Wort Zufall durch Glück ersetzen habe ich da einfach unglaubliches Glück gehabt.
- 4:47Speaker 0: Also es ist so ein bisschen wie in dem Film Lola Rent – ich weiß nicht ob den noch irgendjemand kennt aber da wird auch durchgespielt dass jemand immerzu in eigentlich tödliche Situationen gereiht und einen richtigen Ausgang findet kommt bei mir noch dazu dass selbst wenn es der beste Kerog der Welt macht gibt es statistisch sehr blöde Ausgänge.
- 5:12Speaker 0: Also eine große Prozentsatz, die so ein anderes Mal an der Stelle haben wo ich es hatte sterben dann praktisch unter den Händen des Kirogen oder wachen auf und sind gefährlich behindert.
- 5:26Speaker 0: also ich habe einfach da.
- 5:27Speaker 0: ja.
- 5:28Speaker 0: also Glück spielt eine große Rolle in meinem Leben.
- 5:31Speaker 1: Sie waren ja auch große Strecken bei Bewusstsein.
- 5:36Speaker 1: Wie erinnern Sie, sie sagen ja, sie konnten sich nicht mehr äußern.
- 5:40Speaker 1: Aber wie erinneren Sie diese Situation?
- 5:43Speaker 1: Ist das wenn Sie heute daran zurückdenken, wie so ein Film der ganz schnell abläuft oder ist es...
- 5:47Speaker 0: Also im Film habe ich nicht, weil mein Gehirn nicht visualisieren kann aber ich hab mich... Es sind Erinnerungen die sehr genau da sind an dich.
- 5:58Speaker 0: aber Ich glaube, ich habe so ein kontrafobisches Bewältigungskonzept.
- 6:02Speaker 0: Das hab' ich jetzt so oft durchgenommen, dass es mir gar keine Angst mehr macht.
- 6:06Speaker 0: und andere die dann dieses Kapitel lesen oder den ich das erzähle... Für dies ist das viel schlimmer als für mich.
- 6:14Speaker 0: Ich hab mich irgendwie gewöhnt aber in der Tat kann ich mich an alles rantern.
- 6:20Speaker 0: also ich saß da in der Badewanne, es machte Klack in meinem Kopf, ich war so untergetaucht mit meinem Kopf um mir die Haare zu waschen und dachte, es ist ein bisschen heiß hier.
- 6:33Speaker 0: Und dann machte ich diesen Klick und dann hat sich das angefühlt als würde Laura durch meinen Kopf laufen und ich habe unfassbare Schmerzen gehabt.
- 6:42Speaker 0: Nachher habe ich gelesen dass die Mediziner das Vernichtungskopfschmerz nennen.
- 6:47Speaker 0: Das trifft ganz gut das Wort!
- 6:50Speaker 0: Dann bin ich irgendwie aus dieser Badewanne rausgekommen und wusste Ich musste dieses Handy erreichen, das lag ein paar Meter entfernt weil ich Musik hören wollte.
- 7:04Speaker 0: Und das konnte ich erreichen und konnte telefonieren.
- 7:08Speaker 0: Und relativ bald danach bin ich blind geworden, konnte also nichts mehr sehen.
- 7:12Speaker 0: aber alles andere habe ich gehört.
- 7:14Speaker 0: Ich habe gehört dass die Leute mich retten wollten... Wohnungsführ aufgebrochen haben, weil es eben wie gesagt eine geline Wohnung war in der ich gerade lebte.
- 7:26Speaker 0: Ich habe gehört, wie die dann reinkam und das ist für mein Gefühl sehr viele Menschen waren.
- 7:31Speaker 0: Ich erinnere mich dass sie Frau des Hausarztes in Decke über mich gelegt hat was sehr angenehm war, weil ich nackt auf diesen Fliesen lag.
- 7:41Speaker 0: Ich hab gespürt, dass Sie so Kabel an mich anlegen und wie sie mich die Treiber untertragen hab dann gedacht, wo ich jetzt liege.
- 7:52Speaker 0: das muss in Krankenwagen sein und da konnte ich dann auch wieder sehen.
- 7:57Speaker 0: Da sah ich auf einmal die Kampfstraße, der das alle spielt hier ganz in der Nähe und sah auch den Hausarzt und er guckte mich ganz lieb an und sagte es wird alles wieder gut.
- 8:10Speaker 0: Ich konnte aber in seinem Gesicht sehen dass er selber nicht dran glaubt.
- 8:15Speaker 0: Da musste ich mich übergeben.
- 8:16Speaker 0: Dann hat der Notarzt gesagt, ich nähe ihn jetzt in Zugang an und dann konnte ich sagen ... Weil er sagte, ich muss da eine kleine Betäugungsspritze geben.
- 8:29Speaker 0: Wenn könnte ich sagen vertrage ich nicht lokale Anesthetiker.
- 8:32Speaker 0: Da hätte er gesagt, das globe ich jetzt nicht!
- 8:35Speaker 0: Und dann war der Hausarzt noch mal wieder glück.
- 8:39Speaker 0: Eben da, der sagt, das glaubt man sich jetzt besser mal.
- 8:42Speaker 0: also ich erinnere mich sehr gut.
- 8:44Speaker 0: Ich erinnere mich auch, dass wir dann nach dieser Odyssee in der Chavette waren und das der Mann, der mich nun also rennen sollte vor mir stand und mir erklärte was eigentlich passiert ist.
- 8:57Speaker 0: Und dass es ja auch ein Horosma ist, geplatzt ist und den man erklärt hat, was passiert wenn man nichts macht nämlich... dass ich das nicht überleben werde und dass er mir den Schädel aufsehen muss.
- 9:10Speaker 0: Und was passieren kann, wenn bei dieser Operation nicht alles eins läuft?
- 9:16Speaker 0: Und ich erinnere mich auch, dass ich dann alle rausgeschickt habe bis auf meinen Mann und diesem Professor gesagt hab Wenn irgendwas von dem passiert, was sie gerade angekündigt haben Ich also denken und sprechen verliere oder beides.
- 9:31Speaker 0: Dann bitte ich Sie hier vor meinem Mann, der da Zeuge ist, dass sie mich gar nicht mehr wach werden lassen.
- 9:40Speaker 0: Dann hat er mich das in sehr hübscher Kirgut.
- 9:43Speaker 0: Sie sieht gut aus und er hat mich mit seinen grauen Augen so angeguckt und hat gesagt, ich habe das gehört.
- 9:50Speaker 0: wir sind gewohnt sowas differenziert zu betrachten.
- 9:54Speaker 0: Irrerweise habe ich dann auch gedacht ach der hat hübsche Wimper also war es schon da ein etwas garter Zustand und dann war Narkose und dann erinnere natürlich nicht mehr.
- 10:05Speaker 1: Sie haben sich davor ja auch schon recht viel mit dem Gehirn auseinandergesetzt, sie haben aus Neugierde sich da wirklich auch sozusagen aufgeschlaut.
- 10:16Speaker 1: Woher kam diese Faszination davor?
- 10:19Speaker 1: dafür wie unser Gehirnt funktioniert?
- 10:21Speaker 0: Ich kann das nicht genau beschreiben.
- 10:23Speaker 0: jetzt nachdem was passiert ist wäre es eigentlich ganz klar dass ich jemand aber ich glaube es ist auch der geister Zeit ich glaube gibt weniger Wissenschaften, in denen sich so viel bewegt.
- 10:36Speaker 0: In dem man soviel Neues erfährt und zwar Neues was die Gesellschaft überhaupt noch nicht in eher Weltbild übernommen hat.
- 10:44Speaker 0: ich glaube das war meine Faszination.
- 10:47Speaker 0: wenn das was die Wissenschaft über Erinnerung zum Beispiel weiß wenn das alles stimmt müssten eigentlich Juristen Polizisten Anwälterrichter komplett anders ausgebildet werden können sich sehr viel weniger auf Zeugenaussagen verlassen.
- 11:06Speaker 0: Das geht in ganz viele Bereiche, ich glaube das war mehr so das normale Interesse von jemandem der sich umschaut und was verändert gerade am meisten unsere Zeit.
- 11:20Speaker 0: Und dass ich damit angefangen habe vielleicht fünfzehn Jahre her – es war zu dem Zeitpunkt wirklich so, dass man dachte Passierendinge Wie könnt ihr eigentlich alles so weiterleben, ohne das Erkenntnis zu nehmen?
- 11:36Speaker 0: Das hat sich ein bisschen jetzt abgespächt.
- 11:38Speaker 0: Es ist ja auch allgemein sehr viel geschrieben worden.
- 11:42Speaker 0: aber ich hatte auch den Eindruck jetzt vor ich über diese Frage nachgedacht habe dass ich nicht allein war mit diesem besonderen Interesse sondern es sieht man auch an den Büchern die publiziert worden sind.
- 11:55Speaker 0: also es hat sehr viel von dieser Wissenschaft ist auch populär wissenschaftlich verkauft worden, woran man ja immer sehen kann.
- 12:04Speaker 0: Es gibt eine Interesse über die Wissenschaft hinaus.
- 12:08Speaker 0: aber dass ich mich damit beschäftigt habe war wieder so ein Glück und Zufall weil ich glaube ich hab auf dem Weg dann in die Heilung oft gute Entscheidungen getroffen weil ich mich vorher mit Gehirn beschäftigt hatte.
- 12:23Speaker 1: Zum einen Jahr sie hatten mehr Wissen.
- 12:25Speaker 1: aber in der Situation selbst macht einem Mit diesem ganzen Wissen, die Sache eigentlich mehr Angst oder weniger Angst.
- 12:33Speaker 1: Weil man es vielleicht irgendwo einschätzen einordnen kann in der Situation.
- 12:38Speaker 1: Also gibt's da einen Unterschied?
- 12:39Speaker 1: Wenn Sie jetzt gesagt hätten sie wären in diese Situation gekommen ohne jedes Vorwissen und hätten gesagt ich weiß überhaupt nicht was da gerade passieren könnte.
- 12:48Speaker 1: macht das einen Unterschied?
- 12:49Speaker 0: Ich glaube ich kann darüber keine Auskunft geben weil ich keine Angst hatte.
- 12:55Speaker 0: Ich habe darüber auch viel gelesen.
- 12:57Speaker 0: Es gibt in so existenziellen Situationen, wo es wirklich am Leben und Tod geht offenbar gar kein Platz für Angst.
- 13:04Speaker 0: Da ist der ganze Körper und das ganze Denken auf Retten fokussieren.
- 13:09Speaker 0: Und Angst würde da eher stören.
- 13:12Speaker 0: oder ist der Motor für das alles?
- 13:14Speaker 0: Aber ich kann mich in dieser Zeit an Angst gar nicht erinnern.
- 13:18Speaker 0: Ich hab nachhaltig lange auf der Intensivstation lag, habe ich mir oft den Gedanken erlaubt zu denken Boah, war ich eine coole Socke.
- 13:26Speaker 0: Sowas zu diesem zu sagen anstatt den Panik und Rollen- und Zähneklappern auszubrechen... Ich hatte ja auch diese feuchten Schmerzen aber Angst hatte ich nicht!
- 13:39Speaker 0: Und an meinen Gehirnstudium habe ich auch nicht gedacht.
- 13:42Speaker 0: das kam alles später.
- 13:44Speaker 1: Gab es so einen Schlüssel im Moment an dem Sie sich erinnern wo sie gemerkt haben okay jetzt bin ich wirklich optimistisch dass alles wieder in Ordnung wird.
- 13:54Speaker 1: Also wo sie gemerkt haben, die ganzen Fortschritte, die ich mache und wie ich mich zurückkämpfe sieht jetzt wirklich so aus als würde alles wieder gut werden?
- 14:02Speaker 0: Ja sehr viel später also nach Intensivstationen normal, also das was die normale gehirnkirurgische Station nennt.
- 14:10Speaker 0: Das war eine Rehanz.
- 14:14Speaker 0: Da musste ich Ergotherapie machen, musste mir so Klötzchen über so ein Resuppal-Tisch zuschieben Mit einer Frau, die glaube ich genauso oder noch ärmer dran war als ich.
- 14:25Speaker 0: Wir konnten beide eigentlich den rechten Arm nicht mehr bewegen und sollten so die Hände zu Flügeln machen um diese Klötzchen anhalten.
- 14:35Speaker 0: Schlitter den zu ihr rüber und der fällt runter, sie zu mir und er fällt runter.
- 14:40Speaker 0: Und es war peinlich ein bisschen entwürdigend auch.
- 14:44Speaker 0: Der Raum sah aus wie eine Kindertagesstätte für Erwachsene.
- 14:48Speaker 0: Da bin ich dann raus und habe zum ersten Mal in diesem ganzen Prozess geheult.
- 14:55Speaker 0: Ich hab also gesehen das mal auf meinen Händen ... waren auf einmal Tropfen, die beende hielten einen Rollator und da drauf an Tropfen.
- 15:03Speaker 0: Also habe ich überholt... Und in der Nacht hab' ich dann den Schloss gefasst zur Klinikleitung zu Tarpen mit meinem Rollator um denen zu sagen Ich möchte am Stadterritorapie bitte Klavier üben!
- 15:17Speaker 0: Ich hatte gesehen, da gibt es ein Raum, wo man nimmt so mehr Zweckraum indem man Klavier stand und ob das denn davor getragen Hatte auch eine Aphasie, also ich hatte auch Schwierigkeiten zu sprechen.
- 15:31Speaker 0: Aber konnte mich verständlich machen und das fanden die dann toll.
- 15:35Speaker 0: Das waren die auch interessant natürlich weil das bekannt ist dass man mit Musik speziell mit Musik die man mit den Händen selber macht sehr viel in einem Gehirn an Neuroplastizität anregen kann.
- 15:49Speaker 0: Und es war bei mir glaube ich sowohl fürs Gehirnen aber auch psychologisch Toll, ich war nicht mehr die so zupathische Alte von Zimmer siebenhund zwölf.
- 16:01Speaker 0: Sondern ich war die Frau ... Ich war die Klavierspielerin, die einmal am Tag den Schlüssel holt und übt.
- 16:08Speaker 0: Ich konnte nicht viel Klavier spielen.
- 16:12Speaker 0: Aber ich habe beim Bach geübt und konnte den noch mal ganz ... musste den ganz neuen nochmal auseinandernehmen.
- 16:19Speaker 0: Hab das getan was ich jedem empfehlen würde wenn er sich mit Bachfugen beschäftigt nämlich Spielen wir da erstmal nur immer die eine Stimme in der linken Hand, drei Tage lang und nehmen dann die zweite Stimme an der linker Hand dazu.
- 16:34Speaker 0: Und dann dasselbe nochmal mit der rechten Hand.
- 16:37Speaker 0: Das hat mir das was damit Bachs Musik passiert überhaupt noch mal richtig aufgeschlosselt.
- 16:44Speaker 0: Man spielt den auf Laien spielen Bach oft vertikal weil es klingt ja auch immer schlimm zusammen.
- 16:51Speaker 0: Und seitdem bild ich mir ein kann, wenn ich Klavierspiele meinen Zuhörern hörbar machen, dass es vier Stimmen sind.
- 16:58Speaker 0: Das war nur weil ich durch meine Behinderung gezwungen wurde alles erstes in Zeitlob und dann in diesem langsamen Form zu üben.
- 17:12Speaker 0: Mein Mann hat immer gesagt man konnte dir zugucken wie du dich an Bachstönen weder in die Gesundheit gezogen hast Und das war auch für mein Ich sehr stabilisierend natürlich.
- 17:26Speaker 0: Also wenn ich so eine Klinik leiten würde, wäre das erste was ich die Patienten fragen würde ob sie Musikinstrument spielen oder tanzen.
- 17:36Speaker 0: irgendwas mit Musik ist glaube ich therapeutisch für Menschen mit Gehirnblutung oder Schlaganfall eine ganz große Chance dass sich da etwas tut.
- 17:47Speaker 0: Gehirnenforschung erkennt Wenn Sie Gehirne optozieren, man kann nicht sehen welchen Beruf sie haben wenn mein Ehegeherrn jetzt mal optoziert würde.
- 17:58Speaker 0: Aber man kann sehen ob einer Musiker ist.
- 18:01Speaker 0: Dann ist dieses Corpus callosum was die beiden Gehirnhälften miteinander verbindet das meinem Bruch den Titel gegeben hat Peri callosa es praktisch um dieses Kalossum herum.
- 18:16Speaker 0: Das ist bei Musikern ganz dick und ausgeprägt, also da sagten Anfänger wenn ein Gehirn optoziert das waren Musiker.
- 18:27Speaker 0: Also kann man davon schließen dass man Menschen helfen kann wenn man mit ihnen musiziert oder sie anregt zu musizieren weil dann die Verbindung zwischen linker und rechter Gehirnhälfte angeregt wird und Heilung passiert.
- 18:49Speaker 0: Was im Gehirn bedeutet, es findet sich etwas neue Wege.
- 18:54Speaker 0: Es kann was kaputt gegangen sein, aber dieses ist das, was man Neuroplastizität nennt, erschafft ganz neue Wegen und dann lässt sich ein Arm eben doch wieder bewegen.
- 19:06Speaker 0: Und Wörter wie da finden die
- 19:07Speaker 0: wegwarten.".
- 19:08Speaker 1: Sie haben sich ein Jahr lang zurückgekämpft.
- 19:11Speaker 1: nach einem Jahr und zwei Monaten Hat man sie gefragt, ob Sie ein Interview führen könnten und dafür nach New York fliegen können.
- 19:19Speaker 1: Jetzt ist bei mir in meinem Leben New York irgendwie immer so eine Stadt die immer kamen nach irgendwelchen zugegebenermaßen nicht so gravierenden aber nach gewissen Einschnitten in meinem Leben wo ich immer in diese Stadt hinein geflogen bin und auf einmal war wieder alles in Ordnung.
- 19:37Speaker 1: also dieser
- 19:38Speaker 0: Einflug
- 19:41Speaker 1: Wie hat sich das für Sie angefühlt, als sie da in diesem...
- 19:44Speaker 0: Also das war bei mir auch so.
- 19:45Speaker 0: Bei mir kommt noch private zu, dass ich mein Mann mit dem ich seit forty-fünf Jahren zusammen bin in New York kennengelernt habe.
- 19:54Speaker 0: also diese Stadt ist für mich auch eine Stadt und in dieser Zeit, in der ich mich zurückgekämpft hab, habe ich schon immer was geschrieben.
- 20:04Speaker 0: Also da gibt es so ein Hamburger Modell, wo dann Teil die Krankenkasse bezahlt und der Arbeitgeber aber auch.
- 20:10Speaker 0: Aber ich habe nur Dinge geschrieben für die man schreibtisch nicht verlassen muss ab und zu meiner Kolumne SES.
- 20:17Speaker 0: Ich hab dann eigentlich angefangen SES zu schreiben, was eine tolle Form ist.
- 20:22Speaker 0: Aber von meiner Leidenschaft her bin ich immer Reporter Und dieser Kollege Alexander Gorkow heißt er, der früher in der Süddeutschen Seite drei geleitet hat und heute das Föhrer macht.
- 20:39Speaker 0: Der hatte einfach diese tolle Idee mich zu fragen Kannst du schon wieder fliegen?
- 20:45Speaker 0: Möchtest Du für uns nach New York Fliegen und Harry Bellafonte Interviewen?
- 20:50Speaker 0: Das war im Grunde um so ein zweiter Schritt in die tatsächliche vonendete Genesung.
- 20:57Speaker 0: Das war ein bisschen eine Mutprüfung, weil ich hatte da noch manchmal so Zustände, die mich Waschmaschine nannte.
- 21:03Speaker 0: Also großes Brausen im Kopf mit dem ich mich einfach immer hinlegen musste Glas Wasser trinken und hörte das auch wieder auf.
- 21:15Speaker 0: Es war schon auch ne Mutprobe sich in Flugzeug zu setzen und dahin und dann war es.
- 21:19Speaker 0: aber wenn Sie das kennen werden sie's nachempfinden.
- 21:22Speaker 0: Dann war es diese Elektrisierende von meinen Händen was vielleicht auch nur an der Zeitverschiebung liegt, weil man irgendwie so euphorisiert ist.
- 21:33Speaker 0: Der Tag auf einmal noch weitergeht und da war es einfach toll diesen wunderbaren alten Mann zur Interviewin Harry Benner-Fonte.
- 21:43Speaker 0: Der ganz brillante Kopf war ungeheuer politisch wahnsinnig nett und charmant und er mir sogar in meinen Thumband gewähnt noch gesungen hat trat er schon lange nicht mehr auf, aber er merkte irgendwie das ist ja schwierig für einen Journalisten so auf Augenhöhe zu bleiben wenn man voller Bewunderung ist.
- 22:06Speaker 0: Aber es konnte dir sehr gut mich da entspannen und dann hat der Mehl ein Sturmbandgerät was gesungen und hatte interessanterweise eine Stimme die in zwei Oktaven klang also der eigentliche Ton oder noch so etwas scheppern ... oben drüber, sehr berührt.
- 22:26Speaker 1: Und die Leidenschaft für das Gespräch?
- 22:29Speaker 1: Für das Interview war nie weg oder kam es dann in dem Moment noch mal besonders stark hervor also... Ich hatte jemanden der gerne Gespräche führt kann, dass wir ein bisschen nachfühlen wie viel Leidenschaft man ja auch in solchen Gesprächen
- 22:43Speaker 0: ist.
- 22:43Speaker 0: Ja, wie toll das dann ist!
- 22:44Speaker 0: Man bereitet sich eine Weile vor und gließt was man lesen kann.
- 22:50Speaker 0: Ja klar, das war dann einfach, als ich da wieder rauskam bin ich noch zwei Tage, glaube ich in New York geblieben.
- 22:56Speaker 0: Und als ich im Flugzeug sah und das Laptop aufklappte war die Geschichte eigentlich schon fertig.
- 23:02Speaker 0: Also da habe ich wirklich meinen Beruf nochmal zurückgefunden.
- 23:07Speaker 1: Irgendwann haben Sie sich dann auch dazu entschieden Perika Loser zu schreiben dieses Buch von dem sie gerade schon sprachen?
- 23:14Speaker 1: Welcher Moment war das?
- 23:16Speaker 1: Wann haben sie gemerkt?
- 23:17Speaker 1: Ich möchte meine eigene Geschichte.
- 23:21Speaker 1: Erinnerung meiner Familie, die Geschichte meiner Familie noch mal tief ergreifend erforschen und damit natürlich auch unser allerdeutsche Geschichte nochmal tiefgreifender ergründen.
- 23:33Speaker 0: Das letzte war erst ich habe überhaupt nicht an den Buch gedacht.
- 23:38Speaker 0: Ich hab nur gedacht auf der Intensivstation habe ich immer zu meine Kindheit gedacht Und einige Dinge ganz offensichtlich nicht stimmten oder Spooky waren.
- 23:53Speaker 0: Und dann gab es auch eine Reihe von Erlebnissen, die ich in dem Buch erzählte, die mich dazu gebracht haben das Nicht zu vergessen.
- 24:03Speaker 0: und ich hatte schon als ich aus dem Krankenhaus zurück kamen, wer macht's unterlagen meines Vaters bestellt?
- 24:10Speaker 0: Das war ziemlich mager aber man kann da mehr finden.
- 24:15Speaker 0: In Freiburg im Bundesarchiv habe ich dann einen Historiker gefunden, der mir geholfen hat.
- 24:22Speaker 0: Weil das nicht, man zieht da nicht eine Akte und findet was und der auch nicht so besonders viel gefunden hat.
- 24:29Speaker 0: aber es gab die Mosaik-Steine wurden immer mehr sodass ich schließlich und zum ersten Mal in meinem Leben ein Bild davon hatte dass mein Vater eigentlich in diesem Krieg gemacht hat als Nebenprodukt viel ab, was der erste Mann meiner Mutter im Krieg gemacht hat.
- 24:50Speaker 0: Der eben in diesem Krieg gefallen ist.
- 24:56Speaker 0: und dann bin ich nach Polen gereist weil um die Herkunftsgeschichte meines Vaters für dich mich auch vorher nicht interessiert hatte Hörer zu finden.
- 25:07Speaker 0: Ich habe dann das Bewusstsein dafür gewonnen, dass ich späterlicherseits eigentlich ein Flüchtlingskind bin.
- 25:16Speaker 0: Der ist also weiß ich nicht genau mit acht vielleicht auch erst mit zehn Jahren aus der Stadt in der er geboren ist.
- 25:22Speaker 0: Das Jahrhautschien bei Posen vertrieben worden.
- 25:26Speaker 0: damals mussten die Deutschen in Polen entscheiden entweder Polen zu werden oder bitteschön abzuhauen.
- 25:35Speaker 0: Die sind dann nach Ruben gegangen, und in der Zeit waren sie noch einmal vertreten.
- 25:40Speaker 0: Also war ich plötzlich die Tochter eines Vertriebenens und hatte aber Vorteile.
- 25:47Speaker 0: Ich habe immer gedacht, Vertriebenen sind diese Erika Steinbach und tanzen in irgendwelchen Tanten.
- 25:54Speaker 0: Das war so in meiner westdeutschen Familie verdrängt, wie ich spät daraus gefunden habe im ostdeutschsten Teil der Familie auch, dass das schon mal so eine Erkenntnis war und ich dann sehr vieles was mir an mir selber fremd ist verstanden habe.
- 26:17Speaker 0: Also das waren zwei Jahre die ich ohne einen Buch zu denken geforscht und gereist warbe und Unterlagen ausgewertet zugeordnet und Fähnchen gesteckt.
- 26:38Speaker 0: Also eine riesengroße Recherche, die noch ganz ohne die Idee war, ich mache ein Buch
- 26:46Speaker 0: raus.".
- 26:47Speaker 0: Und eine Motivation war auch das sich von einem Halbbruder wusste den ich unbedingt finden wollte.
- 26:57Speaker 0: Wie es dann so ist wenn man meinen Beruf hat und da hat man einen Sonnenpacken.
- 27:02Speaker 0: Das ist meine Geschichte, aber es ist auch die Geschichte dieses Landes.
- 27:08Speaker 0: Man kann uns Boomer eigentlich überhaupt nicht verstehen wenn man nicht weiß dass wir fast alle so eine ähnliche Geschichte haben.
- 27:17Speaker 0: das erlebe ich übrigens jetzt auch wo das Buch draußen ist des Menschen vor mir stehen und sagen du hast meine Geschichte erzählt was natürlich quatsch ist weil denen ist nichts im Kopf geplatzt sondern damit ist dieser andere Teil da Geschichte gemeint.
- 27:33Speaker 1: Gerade die Generation ihrer Eltern und meiner Großeltern war ja wahnsinnig gut darin einfach nicht darüber zu kommunizieren, was passiert ist.
- 27:46Speaker 1: Diese Verdrängungsstrategie hat eigentlich dazu geführt dass wir zwar alle gelernt haben das das was passiert es ganz furchtbar schrecklich war.
- 27:56Speaker 1: Wir haben aber ganz selten eine umfassende Kenntnis davon, wie es überhaupt dazu kam.
- 28:01Speaker 1: Wie die Zusammenhänge waren, welche kleinen Dinge zu den großen Dingen geführt haben?
- 28:09Speaker 1: Ist das was uns gesellschaftlich wirklich fehlt, wodurch wir vielleicht nie so ein richtiges Gespür, so ein richtiges Verständnis für die Generation ihrer Eltern oder meiner Großeltern entwickeln können?
- 28:24Speaker 0: Absolut!
- 28:25Speaker 0: Es gibt eine unglaubliche Schere zwischen der Kenntnis, also der Geschichtsbuchkenntnis die wir alle haben und der Kenntenis über die eigene Familie.
- 28:35Speaker 0: Wenn man umfragen liest sagen ungefähr siebzig Prozent der heute lebenden Deutschen meine große Eltern waren eher im Widerstand.
- 28:43Speaker 0: Die waren jedenfalls dagegen.
- 28:44Speaker 0: das kann aber gar nicht sein weil natürlich nicht so.
- 28:49Speaker 0: Das heißt dieser Teil dazu Geschichte dazugehört, nämlich herauszufinden.
- 28:56Speaker 0: Wie war es denn meiner Familie?
- 28:58Speaker 0: Der ist einfach sträflich vernachlässigt worden.
- 29:02Speaker 0: Ich glaube übrigens in der ehemaligen DDR noch mehr als im Westen zwar einfach nach fünfundvierzig was in der DDR so dass die so das Gefühl hatten hier bei uns sind nur die guten die Nazis sind alle drüben was er auch nicht stimmte.
- 29:19Speaker 0: und jetzt wo Corona Ich immer mehr verstanden, dass es nicht so ist wie die Achtensechtiger gesagt haben.
- 29:28Speaker 0: Die Alten sind böse und schweigen und sagen uns nicht was los war sondern ja sie haben geschwiegen.
- 29:37Speaker 0: aber wir haben auch nicht gefragt.
- 29:39Speaker 0: Kinder gehen da nicht gerne hin wo sie spüren das tut den Eltern wirklich weh.
- 29:45Speaker 0: man wartet dann eigentlich eher ängstlich ab ob noch etwas erzählt wird oder so.
- 29:52Speaker 0: Und ich finde es ist im Moment auch so, man hat jetzt in dieser Zeit nach Corona habe ich auch das Gefühl – Ich weiß nicht wie's ihnen geht – Niemand redet mehr darüber war irgendwas.
- 30:06Speaker 0: Es sind viele Menschen gestorben, hatten wir diesen Krieg zwischen denen die sich geimpft haben und den anderen ... der ja heute noch auf die Straße ist.
- 30:19Speaker 0: Und da habe ich auf einmal verstanden, so wird es fünffürzig auch.
- 30:23Speaker 0: Natürlich will ich auf gar keinen Fall in zweiter Welt, kriege ich irgendwie vergleichen mit Corona-Aber der Mechanismus.
- 30:29Speaker 0: Es ist genau deshalb, Leute kommen schwer traumatisiert das etwas raus und wollen auf keinen Fall mehr darüber reden weil es hilft weiterzuleben.
- 30:39Speaker 0: Auch das finde ich aber nicht gesund.
- 30:42Speaker 0: Ich glaube wenn jetzt langsam oder bevor sogar wieder los geht mal... bisschen aufgearbeitet wurde, sind ja auch Freundschaften kaputt gegangen.
- 30:55Speaker 0: Und so ähnlich ist es eben da auch und wir meine Generation und bestimmt auch noch ihre Generation leidet darunter.
- 31:03Speaker 0: Das ist einfach vollkommen unbearbeitete Traumata die dann umso perfekter sich in uns entwickeln können zu irgendwelchen Störungen und wir haben aber überhaupt keine Ahnung wovon das kommt.
- 31:21Speaker 0: Darüber wird ja auch im Moment sehr viel geschrieben, ich habe das Gefühl jetzt geht es so ein bisschen los.
- 31:27Speaker 0: Auch wieder durch Forschung weil man inzwischen nachweisen kann dass es sowas wie transgenerative Traumverabrung gibt.
- 31:37Speaker 0: Das heißt die Wahrscheinlichkeit in Situationen mit Gefühlen reagieren, die daher kommen was ihre Großeltern im Zweiten Weltkrieg gemacht haben.
- 31:50Speaker 0: Dies relativ groß und wenn man weiß das war da so und so ist für man sehr großer Schritt getan und man könnte auch allen Verpalten helfen die jetzt hinter der AfD herlaufen.
- 32:05Speaker 0: Da sind ganz sicher durch Flüchtlinge, das ist ja ein großes Thema bei denen sind Flüchtlings.
- 32:13Speaker 0: Da ist was angeschruggert worden in den Familien die alle irgendwie einen Großvater mindestens hatten der Flüchtlingen ist.
- 32:22Speaker 0: aber das ist ihnen gar nicht klar glaube ich dass sie wenn Sie flüchtlinger sehen und Schmerz verspüren der mit den großen Eltern zu tun hat oder in meinem Fall mit den Eltern sie merken nur dass sie Angst haben oder reagieren dann eben.
- 32:39Speaker 0: So, also es würde sehr helfen gesellschaftlich wenn das groß aufgearbeitet würde dieser Unterschied zwischen Kenntnis über Nationalsozialismus und Holocaust.
- 32:53Speaker 0: und was haben eigentlich meine eigenen Vorfahren gemacht?
- 32:58Speaker 0: Ich habe eine Zeit lang hier in Kneipen so ein Spiel gemacht, wenn das Gespräch ein bisschen langweilig wurde.
- 33:05Speaker 0: Dann hab ich gesagt wo war die eigentlich schon hundert Jahre?
- 33:08Speaker 0: Und da war interessant, dass Menschen aus anderen Ländern der Welt ziemlich genau aufsagen konnten.
- 33:14Speaker 0: Großvater da, Großmutter da und deren Eltern haben das und das gemacht – und bei uns Deutschen ganz ungenaue Kenntnis nur!
- 33:24Speaker 0: Überhaupt gar kein Interesse daran wo sie eigentlich herkommt.
- 33:28Speaker 0: Auch diese Erfahrung dieser Gespräche war auch ein sehr starker Motor.
- 33:35Speaker 1: würden Sie sagen, dass genau dieses Nicht auseinandersetzen mit unserer quasi kollektiven Vergangenheit und der sehr individuellen Vergangenheiten jeder einzelnen Familie vielleicht auch dazu führt.
- 33:47Speaker 1: Dass wir heute gerade im Umgang mit Themen wie der AfD oder auch der ganzen Diskussion rund um die Impfungen damals rund um Corona also all diese gesellschaftlichen Diskussionsherde, die wir hatten und haben Vielleicht auch damit zusammenhängt, dass wir nie verstanden haben wie das damals eigentlich so richtig dazu kam und welche Mechanismen da gegriffen haben.
- 34:11Speaker 1: Aber wie Sie schon sagen die in den Mechanisten, die heute greifen sind ja genau die gleichen wie damals.
- 34:16Speaker 0: Ja das glaube ich bei uns glaube ich unbedingt und sie können sogar historiker sein und sich mit dem was historisch passiert ist genauer auseinander gesetzt hat und Soziologie gelesen haben.
- 34:29Speaker 0: aber wenn da fehlt herauszufinden, wie war das eigentlich bei den Menschen, deren Gene ich in mehr habe?
- 34:38Speaker 0: Wenn es nicht gemacht wird aus Schmerzvermeidung.
- 34:42Speaker 0: Niemand hat gerne einen Opa der Nazi.
- 34:45Speaker 0: Darum waren alle Opas kein Nazi.
- 34:48Speaker 0: aber wenn man's mal rausfindet hilft es glaube ich sehr.
- 34:52Speaker 0: Es wäre praktisch schon eine Art Massentherapie.
- 34:56Speaker 0: Ich fand man konnte das auch merken als Putin die Ukraine überfallen hat.
- 35:02Speaker 0: Ich glaube, dass es da auf einmal in den Nachrichten lauter Orte waren wie Charson Odessa Krim wo unbewusst bei heute lebenden irgendwas angetruggert ist umgehört weil was sie vielleicht gar nicht bewusst wissen aber weil ein Großvater dort gemordet hat oder ermordet worden ist, oder beides.
- 35:31Speaker 0: Darum war es so... Ich fand das sich angefühlt wie so ein kollektiver Flashback.
- 35:38Speaker 0: Es war auf einmal was anderes.
- 35:40Speaker 0: Es waren nicht so viele Kriege die wir ein bisschen gleichmütiger entgegengenommen haben auch wenn sie im ehemaligen Jugoslawien relativ nahe waren sondern es war auf einen mal so'n Schock.
- 35:54Speaker 0: Und da würde es, glaube ich, jedem Individuum und der Gesamtgesellschaft helfen wenn man das mal auseinandernehmen würde.
- 36:01Speaker 0: Wenn man sagen würde euer großes Engagement oder eure große Furcht kommt genau daher weil all diese schrecklichen Dinge die ihr aus einem Geschichtspüchern kennt sind euren Großvätern passiert eine Art, die wir alle noch sehr geheimnisvoll finden.
- 36:24Speaker 0: Das habt ihr in euren Gehen und kriegt deswegen einen Schreck wenn ihr diese Namen
- 36:29Speaker 1: hattet in den letzten Jahren das große Glück ganz viele Gespräche auch mit Zeitzeugen zu führen.
- 36:35Speaker 1: Und was da schon sehr auffällig ist es sind ja meistens Diejenigen die heute sprechen und die auch eine wahnsinnige Energie haben Darüber zu sprechen diejenigen die darunter gelitten haben was damals passiert ist also sozusagen die Opferseite, die auch beeindruckend sind in dem wie sie erzählen und wie sich dafür einsetzen dass es diese Aufklärung eben gibt.
- 36:59Speaker 1: Auf Seite der Täter oder der Mitläufer gibt es ganz wenige Leute, die ganz offen darüber sprechen.
- 37:07Speaker 1: also diese kollektive Scham, die auf dieser Seite der Gesellschaft ist.
- 37:11Speaker 1: Ist das auch das was vielleicht dazu führt?
- 37:13Speaker 1: Dass wir da immer nur diese eine Seite wenn überhaupt wahrnehmen
- 37:20Speaker 0: die kollektive Scham und auch einfach so eine emotionale Bremse, wie jeder Mensch hätte gerne das Opa-und Oma tolle lieben Menschen waren.
- 37:34Speaker 0: Und er finden sich dann halt Geschichten – es ist ja immer nicht nur böse oder gut!
- 37:40Speaker 0: Dann werden sie in einer Familie immer weiterzielt, die vielleicht ein bisschen gut sind begraben und belastet aber.
- 37:52Speaker 0: Belastet politisch, belastete jeden persönlich.
- 37:56Speaker 0: Also für mich ist das eine große Befreiung gewesen dem nun allen auf die Spur zu kommen.
- 38:05Speaker 0: Das war erstens der ungeheuer spannende Interessante und ihre Recherche Aber es hat mir auch geholfen die so anzunehmen wie sie waren Und auch dieses was ich gerade gesagt habe Das Gefühl dafür zu bekommen, wie gut es im ganzen Land tun würde.
- 38:24Speaker 0: Wenn sich jeder nochmal genau überlegen würde wo waren die eigentlich?
- 38:30Speaker 0: Man hat vielleicht Angst vor oder denkt das tut weh wenn der auch ein Böser war.
- 38:37Speaker 0: Aber je mehr man dann erfährt und je mehr weiß wie die Zeiten eben waren, tut so nicht mehr weh sondern es heilt!
- 38:45Speaker 1: Wir haben ja in den letzten Jahren ganz Europa in vielen europäischen Ländern einen politischen Rechtsrück erlebt.
- 38:53Speaker 1: Wir erleben ihn gerade auch hier in Deutschland, ich habe immer das Gefühl dass andere europäische Länder einen anderen Umgang damit haben grundsätzlich weil sie nicht dieses komplette Wegschieben von allem was weiter rechts als konservativ ist.
- 39:13Speaker 1: Also ich habe bei uns immer das Gefühl, wir haben irgendwie das Rechteste.
- 39:16Speaker 1: was wir irgendwie zulassen ist eine konservative Meinung und alles was davon weg ist bezeichnen wir sofort als komplett radikal abgrundtief schlecht.
- 39:29Speaker 1: Und das führt natürlich dazu dass wird die ganze Diskussion den Dialog auch mit diesen Menschen komplett tabuisieren Das Ganze aus meiner Sicht eher noch stärker aufkeimlässt, weil die irgendwann so lange an diesen Mauern sozusagen rütteln bis sie durchbrechen können und dann natürlich viel viel lauter sind.
- 39:50Speaker 1: Viel lauter schreien als diejenigen, die sich eher wenig mit Politik vielleicht auseinandersetzen.
- 39:57Speaker 1: Ich finde
- 39:57Speaker 0: das ganz kluge Überlegung, die Sie da haben Es hat uns aber auch sehr lange imprägniert.
- 40:06Speaker 0: Also dieses Nie wieder, hat ja dazu geführt dass diese Entwicklung in so eine rechtsautoritäre Partei in Deutschland mit zwölf Jahre Verspätung also ungefähr so lange wie das E-Land unter Hitler gedauert hat waren es zwölfe Jahre und wir können uns nur jetzt nicht mehr darauf verlassen.
- 40:31Speaker 0: Das impliziert ja, dass man sich damit gar nicht auseinandersetzt und weg damit.
- 40:39Speaker 0: Ja das hält jetzt, das trägt jetzt nicht mehr.
- 40:43Speaker 0: Das merken viele aber ich habe noch nicht sehr gute Rezepte gehört es wieder aufzulösen.
- 40:50Speaker 0: Und eins wäre ganz sicher sich bewusst zu machen wie das gesellschaftlich war.
- 40:57Speaker 0: Wenn Sie hier durch Berlin gehen, wird dann doch klar die Menschen, die in diesen Häusern gelebt haben, haben am Fenster gestanden und gesehen wie ein Lastwagen Juden abtransportiert worden.
- 41:09Speaker 0: Diese Menschen sind Eltern von Menschen gewesen, die heute leben.
- 41:16Speaker 0: oder ob sie jemals darüber geredet haben auch die Unfähigkeit etwas dagegen zu tun.
- 41:27Speaker 0: Wir reden ja manchmal über unsere Eltern so, als sollten wir sagen ihr habt Titler zugelassen.
- 41:33Speaker 0: Das habe ich jetzt verstanden.
- 41:35Speaker 0: durch Brexit, durch Trump, durch die entsetzlichen Zahlen, die bei uns die AfD hat was eigentlich Sachen war diese.
- 41:45Speaker 0: meine Eltern haben genau gesehen was passiert so wie wir das hier sehen Aber sie haben nicht gewusst, was sie dagegen tun sollen.
- 41:53Speaker 0: So wie wir auch nicht wissen, was wir dagegen tun soll.
- 41:58Speaker 0: Also es führt auf der einen Seite zum Verständnis für die Zeit und vielleicht auf der anderen Seite dazu andere Lösungen und Gegenkonzepte zu finden.
- 42:12Speaker 0: aber weiter verdrängen, sagen Mein Opa war kein Nazi, ist irgendwie nicht hilfreich.
- 42:21Speaker 1: Was hat sich für Sie ganz persönlich durch die Auseinandersetzung mit all diesen Themen verändert dadurch dass sie dieses Buch am Ende auch geschrieben haben?
- 42:29Speaker 0: Also ich liebe meine Eltern mehr Ich habe noch mehr verstanden wie sie eigentlich so geworden sind und ich habe das beschreibliche in dem Buch einen irrsinnigen Beifang gehabt bei der Recherche weil offenbar nach Polen reisen musste ein paar mal, um dann herauszufinden dass ich in der ehemaligen DDR sehr viele Verwandte habe und das sind alles ganz wahnsinnig nette Menschen.
- 43:00Speaker 0: Also ich war gerade auch in diesem Sommer wieder auf einem Fest, dass die Cousinen treffenden mit UH schreiben wo zweiundvierzig Leute an dem weiß gedeckten langen Tafel in Sachsen in einem Garten sitzen Und es wird nur Musik gemacht und gefeiert, geredet um Spaziergänger.
- 43:22Speaker 0: Ich mag die alle – und die hätte ich weiter ignoriert bzw nicht gefunden, wenn ich diese Rechanzen nicht gemacht hätte.
- 43:32Speaker 0: Eine von diesen in diesem Fall Großgrusinen ist eine richtig enge Freundin von mir geworden.
- 43:38Speaker 0: Also das ist ein ziemlich fetter Beifang von so einer Recharfe.
- 43:43Speaker 0: Das macht mich sehr glücklich!
- 43:45Speaker 1: Sie haben vorhin schon mal kurz den Halbbruder erwähnt, von denen sie auch dadurch gefunden haben.
- 43:51Speaker 1: Bzw.,
- 43:52Speaker 1: sie haben herausgefunden dass es ihn gibt.
- 43:56Speaker 1: Sie haben in einem anderen Gespräch erzählt bisher haben sie ihn noch nicht finden können.
- 44:01Speaker 1: Gibt's da schon ein Update?
- 44:02Speaker 1: Gibt´s da vielleicht positive?
- 44:03Speaker 0: Ne, das hätte ich sicher schon rausgeplatzt.
- 44:06Speaker 0: Nein, da gibts noch nichts!
- 44:08Speaker 0: Das ist ja nun auch... für den Medienbetrieb ist ein Buch, was letzten Freitag erschienen ist.
- 44:18Speaker 0: Aber das muss jetzt auch erst mal gelesen werden.
- 44:20Speaker 0: Also ich ... eine kleine Hoffnung habe, dass dieses Buch denn vielleicht noch zu mir bringt, was sehr schön
- 44:29Speaker 1: wäre.".
- 44:30Speaker 1: Wenn wir zum Abschluss nochmal kurz auf das Aneurysmer zurückkommen und was das auch mit ihnen gemacht hat haben sich eigentlich Werte bei Ihnen verschoben, Dinge die Ihnen vorher wichtig waren, die heute vielleicht eine andere Gewichtung haben.
- 44:45Speaker 1: Andere Dinge, die Ihnen vorher vielleicht unwichtig waren und die heute bewusster von Ihnen wahrgenommen werden?
- 44:50Speaker 0: Ja total, das ist wenn man... Ich glaube ich musste die... Ich wäre in Beinahe gestorben und ich bin nicht gestorbt.
- 44:57Speaker 0: Das ist eine sehr besondere Situation!
- 45:00Speaker 0: Und natürlich denkt man dann jetzt beginnt ein zweites Leben Und zu diesem zweiten Leben gehört der Erkenntnis, dass wir wirklich nur dieses eine Leben haben und dann verändert man sich.
- 45:12Speaker 0: Dann findet man Dinge die man früher wichtig fand nicht mehr so wichtig.
- 45:17Speaker 0: Also das hat meistens mit Äußerlichkeiten, mit Öffentlichkeiten, Mit Eitelkeiten zu tun von denen ich heute denke, nee, das brauche ich letztendlich mal.
- 45:27Speaker 0: Ich brauche Musik und Freundschaft und Liebe Tage an denen ich tue, was ich tun möchte und nicht etwas tue um Applaus zu bekommen.
- 45:40Speaker 0: Also ich glaube das ist sich mich am verändert habe.
- 45:44Speaker 0: wenn hier auch mal meinen Mann zitieren darf der sagt du bist egoistischer geworden und empathischer wo man eigentlich denkt es passt nichts zusammen aber es passt dann eben doch nur jemanden die sich sehr gut um sich selber kümmern kann kann sich auch um andere kümmern.
- 46:00Speaker 0: Ja, ich glaube schon, dass ich wirklich ein zweites Leben angefangen
- 46:03Speaker 1: habe.".
- 46:04Speaker 1: Jetzt ist das ja ein wahnsinniger Einschnitt wie Sie schon sagen sie werden fast gestorben.
- 46:10Speaker 1: Ist es etwas was für Sie im Nachhinein auch psychologisch herausfordernd war?
- 46:17Speaker 1: Wo Sie gesagt haben Ich muss das auch irgendwie verarbeiten aufarbeiten Um vielleicht auch nicht eine Angst daraus entstehen zu lassen Dass sowas wieder passieren kann Also diese quasi auch damit verbunden, so ein Stück die Traumaverarbeitung dieses Geschehens.
- 46:34Speaker 0: So ist das bestimmt gewesen aber ich habe es gar nicht so reflektiert.
- 46:38Speaker 0: Ich hab' es einfach so gemacht und ich hatte auch psychologische Hilfe und die hat mir dann auch oft erklärt dass Menschen verschiedene Konzepte haben damit umzugehen und meins ist kontrafobisch also immer wieder da rein.
- 46:54Speaker 0: Ich habe damit meinen Mann der Erden verdränger, er ist glaube ich gequält weil ich immer wieder das nochmal durchgenommen habe aber das Buch hatte damit dann schon nichts mehr zu tun.
- 47:07Speaker 0: Ich glaube auch dass es nicht klug ist wenn man ein Buch schreiben will was eine Gültigkeit über den Einzelfall hinaus hat Wenn man das aus selbst therapeutischen Gründen macht.
- 47:19Speaker 0: Das war praktisch schon beendet.
- 47:22Speaker 0: Es gibt auch eine sehr, sehr lange komplett andere Datei in der ich das schriftliche für mich verarbeitet habe.
- 47:29Speaker 0: Das unterscheidet sich aber von dieser Erzählung.
- 47:34Speaker 1: Ich danke Ihnen sehr für diese ganzen vielen sehr persönlichen Einblicke und die Zeit für dieses Gespräch
- 47:39Speaker 0: Hat mir auch großen Spaß gemacht, jetzt noch sehr lange weiterarbeiten können.
- 47:44Speaker 1: Danke Das war es leider schon.
- 47:48Speaker 1: Die letzte Runde ist ausgetrunken.
- 47:50Speaker 1: – das Gespräch zu Ende.
- 47:52Speaker 1: Vielen Dank fürs Zuhören.
- 47:55Speaker 1: Bitten
- 47:55Speaker 0: im Rücksicht
- 47:56Speaker 1: auf die Nachbarn und sei leise, wenn du die
- 47:59Speaker 0: Bar verlässt!
- 48:00Speaker 1: Aber vergiss auf keinen Fall den
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