Latest / IT ohne Drama – der kjello-Podcast / Phishing: Warum Ihre Buchhaltung das Hauptziel ist
Transcript
- 0:04Lena: Wenn bei uns eine Betrugsmail kommt, denke ich an den Paketdienst oder an die Bank.
- 0:09Lena: Warum soll ausgerechnet die Buchhaltung das Hauptziel sein?
- 0:13Jonas: Weil dort jemand sitzt, der Geld bewegen darf.
- 0:16Jonas: Wer eine Überweisung auslösen kann, ist für Betrüger wertvoller als jeder Laptop.
- 0:20Lena: Und wie groß ist das Problem wirklich?
- 0:23Lena: Ich höre die Warnungen seit Jahren.
- 0:25Jonas: Das Bundeskriminalamt hat für zweitausendfünfundzwanzig rund dreihundertvierunddreißigtausend Fälle von Internetkriminalität gezählt.
- 0:33Jonas: Phishing, also das Abfischen über gefälschte Nachrichten, bleibt dabei ein beliebter Einstieg.
- 0:39Jonas: Eine Zahl zum Schaden kommt vom FBI, der amerikanischen Bundespolizei.
- 0:43Jonas: Allein zum Betrug mit gefälschten Geschäftsmails wurden ihm zweitausendfünfundzwanzig gut drei Milliarden Dollar Schaden gemeldet.
- 0:50Lena: Drei Milliarden.
- 0:51Lena: Ist das nicht ein amerikanisches Thema?
- 0:53Jonas: Die Masche ist dieselbe, nur die Sprache wechselt.
- 0:56Jonas: Und mit Programmen, die Texte schreiben, klingen die Mails inzwischen glaubwürdig und offiziell.
- 1:01Lena: Und wer ist im Haus dafür zuständig?
- 1:03Lena: Die IT?
- 1:04Jonas: Die IT kann Filter einschalten und Konten absichern.
- 1:06Jonas: Aber wie Zahlungen freigegeben werden, legt nur die Geschäftsführung fest, und genau dort entscheidet sich, ob ein Angriff Geld kostet.
- 1:13Lena: Was nehme ich aus dieser Folge mit?
- 1:15Jonas: Drei typische Fälle aus der Buchhaltung, jeweils mit dem Fehler und dem besseren Ablauf.
- 1:20Jonas: Und am Ende drei Regeln, die Sie morgen im Haus festlegen können.
- 1:24Lena: Fangen wir mit dem Klassiker an.
- 1:25Lena: Wie sieht so ein Angriff aus?
- 1:27Jonas: Ein typischer Fall: Freitagnachmittag, die Geschäftsführerin ist laut Abwesenheitsnotiz auf einer Messe.
- 1:32Jonas: Bei der Buchhalterin kommt eine Mail von ihr an.
- 1:35Jonas: Darin steht: Wir übernehmen gerade eine Firma im Ausland, das ist streng vertraulich.
- 1:40Jonas: Bitte heute noch eine Anzahlung überweisen, sprechen Sie mit niemandem darüber.
- 1:44Lena: Das würde bei uns niemand machen.
- 1:46Lena: Die Kollegen kennen mich doch.
- 1:48Jonas: Genau darauf setzen die Täter.
- 1:50Jonas: Die Polizei beschreibt, dass sie vorher recherchieren: im Handelsregister, auf der Firmenseite, in Broschüren und in den sozialen Netzwerken der Beschäftigten.
- 1:59Jonas: Die Mail kennt also Namen, Tonfall und den Messetermin.
- 2:02Jonas: Und die Absenderadresse weicht oft nur um einen Buchstaben ab, etwa r und n statt m.
- 2:07Lena: Woran soll meine Buchhalterin das dann erkennen?
- 2:10Jonas: Vor allem am Muster, weniger an der Adresse.
- 2:12Jonas: Großer Zeitdruck, Geheimhaltung und ein Weg, der am üblichen Ablauf vorbeiführt.
- 2:17Lena: Eilig ist es bei mir aber auch manchmal wirklich.
- 2:20Lena: Wie soll sie das unterscheiden?
- 2:22Jonas: Eilig darf es sein, geheim vor der eigenen Buchhaltung nie.
- 2:25Jonas: Eine echte Chefin hat nichts dagegen, dass man sie kurz zurückruft.
- 2:29Jonas: Wenn alle drei zusammenkommen, ist das kein Auftrag, sondern ein Alarmzeichen.
- 2:33Jonas: Dann wird nicht überwiesen, sondern nachgefragt.
- 2:36Lena: Und wie fragt sie nach?
- 2:37Lena: Antworten auf die Mail?
- 2:38Jonas: Auf keinen Fall, die Antwort landet beim Täter.
- 2:40Jonas: Sie ruft die Geschäftsführerin unter der Nummer an, die sie schon kennt, nicht unter der aus der Mail.
- 2:45Lena: Und wenn sie mich nicht erreicht?
- 2:47Lena: Die Mail sagt ja, es muss heute raus.
- 2:50Jonas: Dann geht die Zahlung heute eben nicht raus.
- 2:52Jonas: Das ist die Regel, die Sie als Geschäftsführung vorher festlegen und selbst einhalten.
- 2:56Jonas: Die Polizei rät zum Vier-Augen-Prinzip: Ungewöhnliche Zahlungen prüfen mindestens zwei Menschen.
- 3:02Jonas: Dazu klare Regeln, wer während einer Abwesenheit freigeben darf.
- 3:06Lena: Mal ehrlich: Hat eine Buchhalterin den Mut, die Chefin wegen jeder Mail anzurufen?
- 3:13Jonas: Nur, wenn Sie es ausdrücklich erlauben.
- 3:15Jonas: Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt genau das: Die Buchhaltung soll wissen, dass sie bei einer fragwürdigen Zahlung jederzeit nachfragen darf.
- 3:24Jonas: Sagen Sie es einmal laut in der Teamrunde.
- 3:26Jonas: Ein Rückruf zu viel kostet zwei Minuten, eine falsche Überweisung oft das ganze Geld.
- 3:31Lena: Und was ist mit der Abwesenheitsnotiz?
- 3:33Lena: Die hat den Messetermin ja erst verraten.
- 3:36Jonas: Die Polizei rät, sparsam mit dem umzugehen, was die Firma nach außen zeigt.
- 3:40Jonas: In die Abwesenheitsnotiz gehören Zeitraum und Vertretung, nicht Ort und Anlass der Reise.
- 3:45Lena: Was kostet mich das alles?
- 3:47Jonas: Kein Geld, nur eine Entscheidung.
- 3:48Jonas: Sie schreiben auf, ab welchem Betrag zwei Menschen freigeben, wer Sie vertritt und dass ein Rückruf nie als Misstrauen gilt.
- 3:55Lena: Der zweite Fall ist vermutlich weniger dramatisch?
- 3:59Jonas: Leiser, aber teurer.
- 4:00Jonas: Ein Lieferant, mit dem Sie seit Jahren arbeiten, schreibt: Wir haben die Bank gewechselt, bitte zahlen Sie ab sofort auf dieses Konto.
- 4:08Jonas: Die Rechnung sieht aus wie immer, Logo, Betrag und Bestellnummer stimmen.
- 4:12Jonas: Nur die Kontonummer ist neu.
- 4:14Lena: Das kommt doch auch wirklich vor.
- 4:16Lena: Firmen wechseln ihre Bank.
- 4:18Jonas: Ja, und genau deshalb funktioniert es.
- 4:20Jonas: Die Polizei nennt die angeblich geänderte Bankverbindung ausdrücklich als typischen Vorwand.
- 4:26Lena: Was ist der bessere Ablauf?
- 4:27Jonas: Eine neue Bankverbindung gilt erst, wenn jemand beim Lieferanten angerufen hat.
- 4:31Jonas: Unter der Nummer aus Ihren eigenen Unterlagen, nicht unter der aus Mail oder Rechnung.
- 4:36Jonas: Und wer das Konto in der Buchhaltungssoftware ändert, sollte nicht dieselbe Person sein, die danach die Zahlung freigibt.
- 4:42Lena: Hilft mir da nicht inzwischen die Bank?
- 4:45Lena: Ich habe von einer neuen Prüfung bei Überweisungen gehört.
- 4:48Jonas: Die gibt es.
- 4:49Jonas: Seit dem neunten Oktober zweitausendfünfundzwanzig müssen Banken im Euroraum vor jeder Euro-Überweisung prüfen, ob Name und Kontonummer zusammenpassen.
- 4:57Jonas: Das steht in einer Verordnung der Europäischen Union, und die Prüfung ist für alle Kunden kostenlos.
- 5:02Jonas: Passt der Name nicht, warnt Sie die Bank, bevor Sie freigeben.
- 5:06Lena: Dann ist das Problem doch gelöst.
- 5:07Jonas: Nicht ganz, aus zwei Gründen.
- 5:09Jonas: Erstens hält die Warnung Sie nicht auf; Sie dürfen trotzdem freigeben, und dann tragen Sie das Risiko in der Regel selbst.
- 5:16Jonas: Zweitens dürfen Firmen die Prüfung abschalten, wenn sie mehrere Zahlungen gebündelt einreichen.
- 5:21Jonas: Eine Sammelüberweisung aus der Buchhaltungssoftware ist genau so ein Bündel.
- 5:25Lena: Woher weiß ich, ob das bei uns abgeschaltet ist?
- 5:28Jonas: Fragen Sie Ihre Buchhaltung und im Zweifel Ihre Bank.
- 5:31Jonas: Und legen Sie fest: Eine Warnung zum Namen wird nie weggeklickt, sondern führt zu einem Rückruf.
- 5:36Lena: Und wenn der Lieferant beim Rückruf sagt, er habe nie etwas geschrieben?
- 5:39Jonas: Dann wissen Sie, dass jemand seinen Namen benutzt, vielleicht sogar sein Postfach.
- 5:44Jonas: Sagen Sie es ihm sofort, denn seine anderen Kunden bekommen vermutlich dieselbe Mail.
- 5:48Lena: Und wenn das Geld schon weg ist?
- 5:50Jonas: Dann zählt jede Stunde.
- 5:51Jonas: Das FBI rät, sofort die eigene Bank anzurufen und den Rückruf der Zahlung zu verlangen.
- 5:57Lena: Wie realistisch ist es, das Geld zurückzubekommen?
- 6:00Jonas: Das hängt vor allem am Tempo.
- 6:02Jonas: Deshalb gehört die Notfallnummer Ihrer Bank in die Buchhaltung und nicht nur ins Handy der Chefin.
- 6:07Jonas: Danach erstatten Sie Anzeige, bei der örtlichen Polizei oder beim Landeskriminalamt.
- 6:11Jonas: Halten Sie dafür Mail, Rechnung und Überweisungsbeleg bereit.
- 6:15Lena: Im zweiten Fall war die Mail gefälscht.
- 6:18Lena: Was, wenn sie wirklich vom Lieferanten kommt?
- 6:21Jonas: Das ist der dritte Fall, und er ist der gefährlichste.
- 6:24Jonas: Dabei wird zuerst das Postfach einer echten Person übernommen, bei Ihnen oder beim Lieferanten.
- 6:29Lena: Wie kommt jemand an ein ganzes Postfach?
- 6:32Jonas: Zum Beispiel über eine Mail, die eine angebliche Sprachnachricht ankündigt.
- 6:36Jonas: Ein Klick führt auf eine Anmeldeseite, die genau aussieht wie die von Microsoft.
- 6:40Lena: Und das merkt niemand?
- 6:42Lena: Die Adresse im Browser stimmt dann doch nicht.
- 6:46Jonas: Wer genau hinsieht, merkt es.
- 6:47Jonas: Aber auf dem Handy ist die Adresszeile kurz, und zwischen zwei Terminen sieht man nur das vertraute Logo.
- 6:53Jonas: Dort gibt die Person Kennwort und sogar den Bestätigungscode vom Handy ein.
- 6:57Jonas: Die Seite reicht beides an die echte Anmeldung weiter und behält die Sitzung für sich.
- 7:02Lena: Moment.
- 7:02Lena: Ich dachte, genau dafür haben wir den Code auf dem Handy eingeführt.
- 7:06Jonas: Der Code hält sehr viel ab.
- 7:07Jonas: Microsoft schreibt, dass er zusammen mit dem Abschalten alter Anmeldewege mehr als neunundneunzig Prozent der gängigen Angriffe auf Konten stoppt.
- 7:15Jonas: Gegen diese nachgebaute Anmeldeseite hilft er aber nicht.
- 7:18Jonas: Dafür gibt es Anmeldeverfahren, die sich nicht abfangen lassen, etwa einen Sicherheitsschlüssel.
- 7:22Lena: Braucht dann jeder im Haus so einen Schlüssel?
- 7:25Lena: Das klingt nach Aufwand.
- 7:27Jonas: Nicht sofort jeder.
- 7:28Jonas: Fangen Sie bei denen an, die Zahlungen freigeben, und bei den Konten mit Verwaltungsrechten, also mit Zugriff auf die Einstellungen der ganzen Firma.
- 7:36Jonas: Für alle anderen ist der Code auf dem Handy die Pflicht.
- 7:39Jonas: Den bringt Microsoft 365 ohne Aufpreis mit.
- 7:42Lena: Und was passiert dann im Postfach?
- 7:44Jonas: Microsoft hat so eine Angriffswelle beschrieben.
- 7:47Jonas: Teils vergingen nur fünf Minuten bis zum ersten Betrugsversuch, teils lasen die Angreifer tagelang mit, vor allem Mails zu Rechnungen und Zahlungen.
- 7:55Jonas: Dann richteten sie eine Regel ein, die Antworten des Geschäftspartners automatisch ins Archiv schiebt und als gelesen markiert.
- 8:02Jonas: Und schließlich antworteten sie in einen laufenden Rechnungsverlauf hinein.
- 8:06Lena: Das heißt, die Mail mit der neuen Kontonummer hängt direkt unter meiner echten Anfrage?
- 8:11Jonas: Genau.
- 8:11Jonas: Deshalb gilt die Regel aus dem zweiten Fall immer: Neue Bankverbindung nur nach Rückruf, auch wenn die Mail echt aussieht.
- 8:18Lena: Woran merke ich im eigenen Haus, dass ein Postfach übernommen wurde?
- 8:22Jonas: Microsoft nennt einige Zeichen.
- 8:24Jonas: Mails fehlen, im Ordner Gesendet liegen fremde Nachrichten, oder es gibt neue Regeln, die Mails nach außen weiterleiten.
- 8:31Lena: Und wer kümmert sich dann?
- 8:33Lena: Ich, die Kollegin, die IT?
- 8:35Jonas: Die Kollegin meldet es sofort, ohne Angst vor Ärger.
- 8:37Jonas: Die IT setzt das Kennwort zurück, beendet alle Sitzungen und löscht fremde Regeln und Weiterleitungen.
- 8:43Jonas: Das neue Kennwort geht dabei nie per Mail raus, denn das Postfach könnte noch mitgelesen werden.
- 8:48Jonas: Und die Geschäftsführung informiert die Geschäftspartner, die betroffen sein könnten.
- 8:53Lena: Warum ausgerechnet ich?
- 8:55Lena: Das ist doch Sache der IT.
- 8:57Jonas: Weil aus Ihrem Postfach vielleicht schon Mails an Kunden rausgegangen sind.
- 9:01Jonas: Ob Sie die warnen und wie, ist eine Entscheidung der Führung, keine technische.
- 9:05Lena: Dann bitte zum Schluss die drei Regeln.
- 9:09Lena: Was lege ich morgen fest?
- 9:11Jonas: Erstens: Eine neue Bankverbindung gilt nur nach Rückruf unter der bekannten Nummer.
- 9:15Jonas: Ungewöhnliche Zahlungen gibt nie ein Mensch allein frei.
- 9:19Jonas: Zweitens: Die Warnung der Bank zum Empfängernamen wird nie weggeklickt.
- 9:23Jonas: Prüfen Sie, ob Ihre Buchhaltung die Prüfung für gebündelte Zahlungen abgeschaltet hat.
- 9:28Jonas: Drittens: Wer klickt oder zweifelt, meldet es sofort und wird dafür nicht bestraft.
- 9:33Jonas: Für jedes Postfach gilt die Anmeldung mit zweitem Faktor.
- 9:36Lena: Das klingt nach wenig.
- 9:38Lena: Reicht das wirklich?
- 9:39Jonas: Es schließt die drei Wege, auf denen in den Fällen heute das Geld verloren ging.
- 9:43Jonas: Wichtig ist nur, dass die Regeln auch dann gelten, wenn die Chefin selbst es eilig hat.
- 9:47Lena: Und wie lernt die Belegschaft, so eine Mail überhaupt zu erkennen?
- 9:52Jonas: Durch Übung, nicht durch einen Vortrag im Jahr.
- 9:54Jonas: Mit dem kjello-Paket Schulung und Phishing-Übungen bekommen Sie kurze Schulungen und harmlose Übungsmails und sehen, wie viele im Haus sie melden.