Latest / Die Abschweifung / Die Abschweifung 83 Diamanten, Drag und Diskotheken
Transcript
- 0:00*Musik*
- 0:02[Musik]
- 0:31Hallo und willkommen zu einer neuen Ausgabe der Abschweifung. Ich bin Sascha Machmann und
- 0:37ich schweife eigentlich nie, manchmal, ich würde sagen fast immer, aber andere sagen nie,
- 0:44vom eigentlichen Thema ab. Das heutige Thema ist Männergrippe. Nein, nein, Scherz beiseite.
- 1:00Wir haben jetzt mal ein paar Tage krank im Bett gelegen und diese Ruhe tat uns wirklich mal richtig
- 1:08gut. Aber zurück zum eigentlichen Thema. Wir hatten uns den Film über die Biografie von Olivia Jones
- 1:19angeschaut und das hat mich so ein
- 1:27bisschen an meinen Sandkasten-Kumpel Marco
- 1:33erinnert. Marco war oder ist
- 1:38mein bester Freund. Den kenne ich schon
- 1:42wirklich, seitdem man alleine zum
- 1:46Sandkasten gehen kann. Ich bin damals,
- 1:46Ich hab ihn damals kennengelernt gehabt über einen anderen Nachbarn, einen Jungen, der quasi im Nachbarhaus gewohnt hat und der Marco hat halt ein paar Häuser weiter gewohnt.
- 1:55Und der sagte, du, ich hab da jemand Neues kennengelernt und bla bla bla.
- 2:00Und so hat man sich halt über die Jahre kennengelernt und viele, viele Stunden zusammengespielt, sich gegenseitig besucht und so wie das ist.
- 2:15Und irgendwann mal, da waren wir gerade so acht, dann kam er zu mir ran und sagte, dass er schwul ist.
- 2:23Und was ich jetzt darüber denken würde, und Gott sei Dank, die Erziehung meiner Eltern war so offen,
- 2:33war mir das Schnurzpiep egal.
- 2:38Was für ein Geschlechter mein bester Freund priorisiert.
- 2:45Es muss man sagen, er war ein Womanizer.
- 2:49Er sah gut aus, ja, hat so ziemlich jedes Klischee bedient,
- 2:56was man halt über einen männlichen, maskulinen Mann sagen würde.
- 3:02war gepflegt,
- 3:04hatte einen tierischen Schlag
- 3:06bei den Frauen gehabt und
- 3:08manche haben das
- 3:10wirklich,
- 3:12die hatten da echt dran zu kämpfen, dass
- 3:14er
- 3:16halt kein Interesse an Frauen
- 3:18hatte, sondern
- 3:20schwul war. Da gab es sogar einen
- 3:22Vorfall, dass da
- 3:24eine Klassenkameradin aus der höheren
- 3:26Handelsschule
- 3:28mitten auf der Kreuzung
- 3:30ihn angehalten hat und gefragt, ob das wahr wäre.
- 3:35Das war schon krass.
- 3:38Aber was mich so bei den Filmen so beeindruckt hatte, war die Reaktion der Mutter von Olivia
- 3:47Jones und dass die dann nicht mehr klargekommen ist.
- 3:52Und wenn ich überlege, dass mir damals der Marco erzählt hatte, dass seine Mutter da
- 3:58auch ein ganz großes Problem mit hatte und ihm sogar Geld angeboten hatte, dass er dann mal zu
- 4:04einer professionellen Frau gehen könnte, weil die jungen Dinger es heutzutage ja nichts drauf hätten,
- 4:11dass er es da noch mal probieren sollte. Das fand ich schon richtig, richtig krass. Also das hätten
- 4:20sich meine Eltern nicht erlaubt. Auch in den Gesprächen, die ich dann Jahre später mit ihnen
- 4:25hatte, waren sie darüber beide doch sehr erstaunt über diese Reaktion. Jetzt muss man sagen, ich bin
- 4:33mit meinem Sandkastenkumpel und deren Eltern auch in Urlaub gefahren und der Markus auch bei uns mit
- 4:41in Urlaub gefahren. Also kann man sich vorstellen, dass das Verhältnis super super eng war und wenn
- 4:50ich am Wochenende, weil wir waren auf unterschiedlichen Schulen, ich dann da war,
- 4:55dann hat er seine Mutter mich rausgeschmissen, weil ist ja schon spät, wie halt, dass meine
- 5:03Eltern angerufen haben und haben gesagt, wann kommt der Junge mal nach Hause. So muss man sich das
- 5:09vorstellen. Ich kann mich noch an eine Situation als Kind erinnern, da haben wir Kindergeburtstag
- 5:16gefeiert. Ich weiß gar nicht, ob das mein Geburtstag war oder der von meiner Schwester. Und da hatten
- 5:22wir uns Kinder halt verkleidet und Marco hatte sich halt als Mädchen verkleidet und ist dann halt
- 5:29total stolz zu seiner Mutter gegangen und ich weiß gar nicht mehr, was ich war. Und da musste
- 5:36der Marco sich umziehen und sich die Schminke abwaschen und es ist ja kein Karneval. Das war
- 5:43die Argumentation. Ich glaube, die Frau hat schon damals irgendetwas geahnt,
- 5:48weil das total überzogen war. Die Reaktion, ja, ich fand das einfach nur so heftig, wie ich das so
- 6:02gesehen habe in dem Film. Natürlich weiß man ja, dass das halt im Film noch dramatischer dargestellt
- 6:10wird, wie es in der Realität war oder so, sondern halt aus dramatologischen Gründen es halt so
- 6:22dargestellt wird, wie es dargestellt wird. Aber wenn man dann auch die Biografie sich
- 6:29dann angeschaut hatte von Olivia Jones, da wird das ja auch schon sehr krass beschrieben. Und
- 6:35was für ein Struggle sie hatte mit dem, dass die Mutter da so, ja so versteinert,
- 6:46verbissen war und dann echt Probleme damit hatte, es akzeptieren, dass der Junge schwul ist und als
- 6:54drag queen da sein Geld verdient und Erfolg hat. Ich muss sagen, nachdem dann das Schwulsein-Thema
- 7:08durch war, bin ich ja auch am Wochenende mitgegangen, wenn Party war. Mal ist man halt
- 7:14in einer normalen Disco gewesen. Dann waren wir auch in schwulen Schuppen und ganz ehrlich,
- 7:23ich muss sagen, ich habe mich in den schwulen Schuppen wohler gefühlt wie halt in den normalen
- 7:28Schuppen. In einer normalen Diskothek konnte es passieren, dass wenn du dich mit jemandem mehr
- 7:36oder weniger zufällig unterhalten hattest, wenn du draußen gestanden hast, beim Rauchen oder
- 7:42oder an der Bar was bestellt hast, ein nettes Wort, dass da irgendein Typ ankam,
- 7:50"Du hast meine Freundin angelabert!" Das passiert dir in diesen Shop nicht.
- 7:54Und die Stimmung war auch immer wesentlich positiver.
- 8:02Und da muss man sagen, wir waren öfters in Bochum in einer Diskothek, die hieß "Da geht",
- 8:09war natürlich an diesem Motto angelehnt und da waren auch viele Tänzer aus dem Starlight Express
- 8:17und die Jungs die konnten tanzen. Richtig krass. Aber ich weiß einfach nur, dass diese Stimmung
- 8:27immer so positiv war. Natürlich bin ich da auch ein paar mal angemacht worden und man hat mir auch
- 8:36mal einen Abend um meinen Arsch gepackt und ich weiß noch, was für ein komisches Gefühl das war.
- 8:42Und bis auf diese ein, zwei Erlebnisse, die ich da hatte, wo es übergriffig wurde,
- 8:48ist das nie passiert. Und das fand ich so total positiv, dass man da, egal wie schräg oder wie
- 8:58merkwürdig man drauf war, im Großen und Ganzen wurde man akzeptiert. Natürlich gibt es auch
- 9:03die Silester rein und so. Das fand ich immer angenehm und meine Schwester ist auch immer
- 9:09gerne hingegangen, weil sie da nicht dumm von irgendwelchen Typen angemacht wurde. Die wollte
- 9:16nur hingehen, zur guten elektronischen Musik tanzen und das konnte man da einfach. Ob du mit
- 9:23jemand zusammen getanzt hast oder für dich alleine und das war so geil. Aber das hatte ich
- 9:34alles so in dieser Verfilmung gesehen und ich fand das echt beeindruckend. Auch dann halt dieser
- 9:41Struggle mit der Familie und diesen merkwürdigen Nachbarn. Oh Gott, was sollen die Nachbarn denken
- 9:46und die arme Frau. Also wenn ihr da Bock drauf habt, dann solltet ihr euch mal die angucken,
- 9:55den Film. Selbst meine Mutter hat den gesehen gehabt und darüber haben wir uns unterhalten.
- 9:59Ist zu finden in der Mediathek. Ich wette, wenn ich dran denke, mache ich das auch noch in eine
- 10:07schonuls rein. Ja, ich fand das auf jeden Fall so interessant und so rührend die Geschichte,
- 10:16dass ich da auch dann immer wieder mal gedanklich abgeschweift bin in meiner Vergangenheit und ja,
- 10:24so mein Erleben. Meine liebsten Arbeitskollegen waren übrigens fast immer Lesben. Schwule
- 10:36könnte manchmal etwas als Arbeitskollegen
- 10:43anstrengend sein, aber an zwei
- 10:46Arbeitskolleginnen, die lesbisch waren, da
- 10:49erinnere ich mich richtig gut dran.
- 10:52Das fand ich auch schade, wo ich einmal
- 10:56gegangen bin und einen neuen Job
- 10:58angefangen habe und bei der anderen hatte
- 11:02sie gekündigt. Das war schade gewesen,
- 11:02Aber das waren so richtig coole Menschen, mit denen ich mich so deep unterhalten konnte,
- 11:10weil die haben mir natürlich immer neue Aspekte gegeben gehabt und man konnte herrlich lästern.
- 11:17Ja, ich gebe zu, ich bin eine Lästerschwester durch und durch und mache das wirklich gerne
- 11:25und kann das auch sehr gut.
- 11:26Und ich glaube auch deswegen fühle ich mich einfach in dieser Welt auch so wohl.
- 11:36Ja, wenn ich überlege, was damals so los war, in meinen frühen 20ern oder fast 20er,
- 11:48und ich das Erwachsenwerden so aufregend fand und diese ganzen tollen Möglichkeiten und diese
- 12:01Freiheiten die du hattest. Wir sind dann mit dem Auto nach Bochum gefahren, nach Dortmund oder ins
- 12:09Münsterland und überall waren richtig geile Diskotheken mit super Techno-Musik und später
- 12:21dann auch die ganzen Goa-Partys, illegale Raves am Kanal. Mein Gott, war das eine gute Zeit. Aber
- 12:32irgendwann mal entwächst man da raus, dann kommen andere Verpflichtungen und dieses schreckliche,
- 12:39schreckliche Geld verdienen, weil man tauscht seine Arbeitskraft gegen eine Währungseinheit,
- 12:47mit der man sich dann wieder andere Sachen ertauschen kann. Das ist ein total bescheuertes
- 12:53Konzept. Manchmal denke ich mir so zurück, hättest du damals ein bisschen weniger einen
- 13:01Stock im Arsch gehabt und hättest du weniger Diamanten gekackt. Also mir konnte man Kohle
- 13:10zum Frühstück geben und ich habe abends Diamanten gekackt. So verklemmt war ich. Ich
- 13:16glaube ich hätte noch mehr Spaß gehabt. Ich meine die Rahmenbedingungen waren alle gegeben.
- 13:21Das lustige war, wie ich dann etwas später dann mit dem Musikmachen dann mehr angefangen habe.
- 13:30war ich ja in den ganzen Läden irgendwie mehr oder weniger schon bekannt, weil ich kann heute gut reden
- 13:38und das konnte ich damals auch schon. Ich habe mich mit hin zum Kunden unterhalten und so hatte ich
- 13:45dann damals auch so manch einen kleinen Auftritt gehabt. Und ich habe auch im Bahnhof Langendria in
- 13:50Bochum, wo ich vorher auch einmal als Gast war, so viel verschiedensten Veranstaltungen, dann da
- 13:58auch mal selber live gespielt und das war so eine aufregende Zeit. Und dann denke ich mir so,
- 14:06wenn man jetzt noch mal zurückkommt auf die Geschichte mit Olivia Jones, die ganzen Jahre
- 14:12dieses gestörte Verhältnis zu seiner Mutter, diese schöne Erinnerung, die man eigentlich
- 14:19zusammen schaffen würde, die dann nicht zusammengeschaffen wurden, das ist schon traurig,
- 14:26einfach traurig. Ja, jetzt ist die Stimmung im Arsch. Nein, ich merke nur gerade, dass gerade die
- 14:38Männergrippe so richtig kickt und vielleicht hört man das auch an meiner Stimme und meine Nase wird
- 14:45langsam wieder zu. Ich würde jetzt die Sache hier beenden und wünsche euch einen schönen,
- 14:55was auch immer ihr habt, Morgen, Mittag, Abend, gute Nacht und sage Dankeschön fürs Zuhören
- 15:02und bis zum nächsten Mal. Tschüss, euer Sascha.
- 15:06[Musik]
- 15:09[Musik]
- 15:12[Musik]
- 15:18[Musik]
- 15:24[Musik]
- 15:30[Musik]
- 15:36[Musik]
- 15:39[Musik]
- 15:45[Musik]
- 15:51[Musik]
- 15:57[Musik]
- 16:03[Musik]
- 16:10[Musik]
- 16:15[Musik]
- 16:22[Musik]
- 16:29[Musik]
- 16:32[Musik]
- 16:38[Musik]
- 16:44[Musik]
- 16:50[Musik]
- 16:56[Musik]
- 16:59[Musik]
- 17:05[Musik]
- 17:11[Musik]
- 17:17[Musik]
- 17:23[Musik]
- 17:26[Musik]
- 17:33[Musik]
- 17:39[Musik]
- 17:45[Musik]
- 17:51[Musik]
- 17:54[Musik]
- 18:01[Musik]
- 18:07[Musik]
- 18:19[Musik]
- 18:22[Musik]
- 18:28[Musik]
- 18:34[Musik]
- 18:40[Musik]
- 18:47[Musik]
- 18:50[Musik]
- 18:56[Musik]
- 19:02[Musik]
- 19:08[Musik]