Latest / Anonym Suchthilfe – KI-gestützte Selbsthilfe / Die Macht des Mitgefühls: Tränen als Wendepunkt in der Genesung
Transcript
- 0:00Hallo und herzlich Willkommen. Ich freue mich riesig, dass du
- 0:03heute wieder eingeschaltet hast, um dir Zeit für dich und deine
- 0:06Themen zu nehmen. Wir tauchen heute gemeinsam in
- 0:09einen sehr, sehr persönlichen Text ein, es ist ein
- 0:12Tagebucheintrag von Gabriel Malz, dem Gründer von Nilix
- 0:15Berlin, geschrieben hat er den an seinem 14.
- 0:18Tag clean nach immerhin 28 Jahren sucht.
- 0:22Und der Titel sagt eigentlich schon alles.
- 0:24Recovery Tagebuch 14 Tage Clean die unbekannte Emotion wenn
- 0:28Mitgefühl tränenreich wird es geht um einen Tag, der
- 0:32eigentlich ganz normal anfängt, so scheint es zumindest.
- 0:35Aber der nimmt dann in einer Selbsthilfegruppe eine ziemlich
- 0:39unerwartete, ja emotionale Wendung.
- 0:42Wir schauen uns an, wie Gabriel da eine für ihn neue Emotion
- 0:45erlebt, wie er mit Suchtdruck umgeht und ja, wir über sein
- 0:48Leben nachdenkt. Das Ziel ist, so n bisschen die
- 0:51Höhen und Tiefen der frühen Recovery nachzuvollziehen.
- 0:54Was passiert da eigentlich emotional und auch psychologisch
- 0:58und wichtig zu wissen, bevor wir starten?
- 1:00Gabriel teilt ja auf nielix Berlin sehr offen seine
- 1:03persönlichen Erfahrungen mit, sucht aber auch mit psychischen
- 1:06Herausforderungen, er will damit halt ne Verbindung schaffen und
- 1:09dir zeigen, Hey du bist nicht allein damit, diese Offenheit
- 1:11ist sozusagen der Kern seiner Arbeit dort.
- 1:14OK, lass uns mal Reinstarten der Tag beginnt für Gabriel erst mal
- 1:18mit ja, neuen Routinen. Gute Schlafhygiene also, er
- 1:21wacht automatisch so zwischen 7 und 8 auf, kein Wecker, dann
- 1:25Dusche Frühstück, er setzt sich an den Laptop, will an einem
- 1:29Beitrag für seine Serie, sucht und Beziehung arbeiten, aber,
- 1:32und das betont er, er nimmt sich ganz bewusst vor, nur einen
- 1:36Beitrag zu schaffen, plus eventuell eben diesen
- 1:39Tagebucheintrag, das ist so n kleiner, aber wichtiger Schritt
- 1:43um der Arbeitssucht. Sich wieder zu verfallen, das
- 1:45kennt er ja auch von früher. Später trifft er sich dann ganz
- 1:49locker mit Freundinnen, also positive soziale Interaktion
- 1:52klingt erst mal nach einem guten, ja fast normalen Tag oder
- 1:58der sich so langsam wieder einstellt.
- 2:00Am Abend geht es dann erst zu seiner Freundin, seiner Muse
- 2:03Ute, wie er sie nennt, und von da aus gemeinsam zu seiner
- 2:07Lieblings Selbsthilfegruppe er. Er beschreibt es ganz humorvoll,
- 2:11wie er da mal kurz die Leitung vertreten hat mit so ironischen
- 2:14Regeln. Nägel machen Make up, Beine
- 2:17überschlagen, aber im Kern ist da dieses Gefühl ja nach Hause
- 2:20zu kommen, alte Gesichter wiedersehen, vertraute Umgebung.
- 2:24Und genau da, in dieser Gruppe passiert dann das Besondere.
- 2:27Er trifft eine Person, die er aus wirklich, wirklich
- 2:30schlechten Zeiten kennt, also Zeiten, in denen der Konsum
- 2:33dieser Person wohl lebensbedrohlich war, und jetzt
- 2:37sieht er diese Person nach einer Entgiftung und Gabriel ist ja
- 2:41tief beeindruckt von dieser Veränderung, er beschreibt das
- 2:44sehr detailliert, kein eingefallenes Gesicht mehr,
- 2:46stattdessen rosige Wangen, ne ganz andere Körperhaltung,
- 2:51vielwacher, reflektierter. Die Person spricht über Ziele,
- 2:55über Wünsche. Gabriel sagt einfach, wie ein
- 2:58anderer Mensch diese Verwandlung, die bewegt ihn
- 3:02sichtlich. Das ist ein unglaublich starkes
- 3:04Bild, das er da zeichnet. Und das ist ja viel mehr als nur
- 3:07die Oberfläche, ne was Gabriel da beobachtet ist sozusagen die
- 3:13sichtbare Manifestation von ja regenerationsprozessen im Gehirn
- 3:18und im Körper. Wenn der Substanzkonsum aufhört,
- 3:21fängt das Gehirn an, sich neu zu organisieren.
- 3:24Das Schlagwort ist ja neuroplastizität, wichtige
- 3:28Systeme, also zum Beispiel das Dopaminsystem fürs
- 3:30Belohnungsempfinden oder der präfrontale Cortex, der Ja für
- 3:34Entscheidungen zuständig ist. Die können sich wirklich
- 3:36erholen, und das wirkt sich dann eben auch körperlich aus,
- 3:40weniger Stresshormone. Dadurch werden die Gesichtszüge
- 3:43weicher, die Haltung kann sich ändern, der Schlaf wird besser.
- 3:46Also das ist faszinierend, wie eng da Psyche und Körper
- 3:49zusammenspielen und wie Genesung tatsächlich ja sichtbar wird.
- 3:54Es gibt ja Studien, die zeigen, dass ein Großteil vielleicht 80%
- 3:58der körperlichen Schäden sich in 6 bis 12 Monate regenerieren
- 4:01kann. Wahnsinn.
- 4:02Und genau diese sichtbare Genesung will Gabriel der
- 4:05Personen dann auch spiegeln, ihr sozusagen Mut machen.
- 4:10Aber als er anfängt zu sprechen, da überkommt ihn selbst so eine
- 4:13ja Welle von Gefühlen. Er schreibt von einer Mischung
- 4:17aus Trauer und Freude, die ihm die Tränen in die Augen treibt,
- 4:21er kann sie wohl gerade noch unterdrücken.
- 4:23Aber er merkt, wie fragil er da ist.
- 4:26Und sein alter Impuls, gerade aus der opiat Vergangenheit, der
- 4:30meldet sich sofort verdrängen, bloß nicht fühlen.
- 4:33Er nennt sich dann selbstironisch ein Emotionsbaby,
- 4:36das nach Jahrzehnten der Betäubung das fühlen erst wieder
- 4:40neu lernen muss. Das klingt nach einer enormen
- 4:44Zerreißprobe. Innerlich absolut.
- 4:46Und diese Reaktion ist psychologisch total spannend und
- 4:50auch typisch für die frühe Recovery Phase.
- 4:53Was Gabriel da erlebt, das ist wahrscheinlich das, was wir als
- 4:57gemischte Gefühle oder Mixed Emotions bezeichnen, also ein
- 5:00sehr komplexes emotionales erleben, da sind verschiedene
- 5:04Systeme gleichzeitig aktiv, einerseits die Freude über die
- 5:08positive Veränderung bei dem anderen, das hängt vielleicht
- 5:11mit dem Dopamin System zusammen, also Belohnung.
- 5:14Gleichzeitig aber auch Trauer, vielleicht über verlorene Zeit,
- 5:17vergangenes Leid. Das aktiviert eher Stress und
- 5:20Gedächtnissysteme Serotonin spielte eine Rolle und dann,
- 5:24ganz zentral, dieses Mitgefühl, diese Empathie.
- 5:28Das ist ja eine soziale Emotion. Oxytocin ist da wichtig, die uns
- 5:32tief verbindet, auch Hoffnung, nur Adrenalin, vielleicht, diese
- 5:36ganze Komplexität ist an sich schon anstrengend, aber für
- 5:39jemanden, dessen Emotionsregulationssystem sich
- 5:44nach langer Zeit der Beeinflussung durch Substanzen
- 5:47erst wieder neu einpendeln muss, kann das schlicht überwältigend
- 5:50sein, da ist der Impuls zur Verdrängung ein ja
- 5:53nachvollziehbarer Schutzmechanismus.
- 5:56Aber eben nicht unbedingt hilfreich auf Dauer.
- 5:58Das heißt, dieser Moment trägt eigentlich beides, oder also die
- 6:01zurückkehrende Fähigkeit zum Mitgefühl, zu tiefer Empathie,
- 6:04aber gleichzeitig auch die riesige Herausforderung, diese
- 6:09wiedererwachenden Gefühle irgendwie zu händeln.
- 6:12Genau das ist der Punkt. Exakt, es ist ja ein Zeichen von
- 6:16Heilung, dass diese Empathie und die dazugehörigen Emotionen
- 6:19überhaupt wieder spürbar werden. Das ist ja positiv.
- 6:22Aber gleichzeitig ist die Fähigkeit, diese Emotionen dann
- 6:26auch zu regulieren, also damit umzugehen, die ist halt noch
- 6:30nicht voll da, man kann sich das vorstellen wie ein Muskel, der
- 6:33lange, lange Zeit nicht benutzt wurde und jetzt plötzlich
- 6:36intensiv gefordert wird, das kann erst mal wehtun und
- 6:39überfordern, ist aber Teil des notwendigen Trainingsprozesses
- 6:44und das unterstreicht Halt, warum Geduld und auch
- 6:46Selbstmitgefühl in der Recovery so unglaublich wichtig sind.
- 6:50Puh, ja. Und nach diesem doch sehr
- 6:54intensiven Erlebnis in der Gruppe kommt dann ja direkt die
- 6:57nächste Bewährungsprobe. Suchtdruck, ausgelöst durch ganz
- 7:01klassische Trigger, wie er schreibt.
- 7:03Er hat Geld in der Tasche und die Verfügbarkeit von Substanzen
- 7:06ist halt hoch, Dealer kennt er noch, späti wäre erreichbar, er
- 7:10spürt diesen Druck, aber gleichzeitig ist da ne sehr
- 7:13klare innere Haltung, er formuliert das so, aber ich
- 7:15wollte ja nicht konsumieren, also so richtig nicht wollen.
- 7:19Das fände ich stark. Was macht der also?
- 7:21Er geht eben nicht den alten Weg, sondern nutzt eine neue
- 7:24Routine erst ins Fitnessstudio und danach ins Solarium, wobei
- 7:28er sich da auch bewusst ist, dass das Solarium selbst ja auch
- 7:31Suchtpotenzial hat. Erkennt das die Junkiebleiche
- 7:34wegmachen wollen, aber er nutzt es diesmal anders, nicht zu
- 7:38Flucht, sondern explizit zur Reflexion mit Musik auf den
- 7:41Ohren geht er im Kopf durch, was eigentlich auf dem Spiel steht,
- 7:45wenn er jetzt rückfällig würde und diese Liste, die er da
- 7:48aufzählt, die ist echt. Beeindruckend seine
- 7:51Zuverlässigkeit, die er sich gerade aufbaut.
- 7:54Der Sport, das gute Essen bei seiner Freundin Ute, die
- 7:57sozialen Kontakte, seine cleanen Freunde, die Arbeit an seiner
- 8:02Webseite, das Tagebuch schreiben, all das würde er bei
- 8:05einem Rückfall wieder verlieren, und die Erkenntnis ist dann ganz
- 8:09klar, das Leben ist ihm einfach wieder zu wertvoll geworden.
- 8:13Er schreibt, ich Liebe dieses Leben wieder.
- 8:16Ja, das ist wirklich n hervorragendes Beispiel dafür.
- 8:19Wie Recovery Fähigkeiten in der Praxis aussehen können ganz
- 8:22konkret. Er erkennt die Trigger, also
- 8:25geldverfügbarkeit er spürt den Druck, das ist schon mal der
- 8:29erste wichtige Schritt. Wahrnehmung aber statt dann
- 8:32impulsiv zu reagieren, schaltet er bewusst um, er geht eben
- 8:36nicht zum Dealer oder speti, er nutzt das Solarium, diesen Ort,
- 8:40den erkennt, aber er nutzt ihn neu für das, was man in der
- 8:43Psychologie kognitive Umstrukturierung nennt.
- 8:46Das heißt, er lenkt seine Gedanken aktiv weg vom
- 8:49Suchtmittel, weg vom Druck, hinzu den positiven Dingen in
- 8:52seinem Leben. Und gleichzeitig macht er sich
- 8:54die negativen Konsequenzen eines Rückfalls ganz klar bewusst.
- 8:58Er antizipiert die Folgen seines Handelns.
- 9:00Das ist ein enorm wichtiger Schritt weg vom automatischen
- 9:03Reagieren hin zum bewussten Entscheiden.
- 9:06Das zeigt schon ein hohes Maß an Selbstwahrnehmung und.
- 9:10Bereits erlernter Bewältigungsstrategien.
- 9:12Absolut. Und dieser Prozess der
- 9:15Selbstbeobachtung, der geht ja direkt weiter.
- 9:17Das fand ich auch so faszinierend.
- 9:18Auf dem Heimweg kommt ihm der Gedanke, ach kurz, im Späti eine
- 9:22Spezi kaufen, klingt ja erst mal harmlos, ne, aber Gabriel
- 9:25analysiert sich sofort in Echtzeit, das ist der Punkt, er
- 9:28bemerkt, wie seine Augen unbewusst den Laden nach
- 9:31Research Chemicals oder Lachgas Scan, so ein alter Automatismus,
- 9:35er weiß wenn er vom Kühlschrank stünde, würde sein
- 9:38Unterbewusstsein eher zu einem Porta.
- 9:39Zu tendieren als zu spätzi er erkennt sofort Muster von
- 9:43Kaufsucht, die er auch hat. Er würde jetzt bei wenig Geld
- 9:46nie den doppelten Preis im Späti zahlen und er trifft dann eine
- 9:49bewusste Entscheidung dagegen. Er lenkt die Vorfreude auf einen
- 9:53neuen Tee, den er zu Hause hat und ganz wichtig, er macht sich
- 9:57klar, ein Fehlkauf und sei es nur eine überteuerte Spezi,
- 10:00würde ihn davon abhalten diesen wichtigen Tagebucheintrag zu
- 10:04schreiben und diese neue Emotion, dieses Mitgefühl zu
- 10:07reflektieren. Das ist wirklich beeindruckend,
- 10:09diese. Metaebene der Reflexion direkt
- 10:13im Moment des Triggers, das ist schon ja Recovery Master Level,
- 10:18könnte man fast sagen, er erkennt ja nicht nur den
- 10:20offensichtlichen Substanztrigger Bier statt Spezi, sondern auch
- 10:24diese subtileren Muster, das unbewusste Scannen nach anderen
- 10:28Dingen, die Verbindung zu kaufsucht, und er nutzt dann
- 10:31aktiv ein starkes Motiv, nämlich das Schreiben des Tagebuchs,
- 10:34also die Auseinandersetzung mit sich selbst.
- 10:36Die Reflexion, um diesem Impuls zu widerstehen, das zeigt eben,
- 10:40wie Selbstreflexion und das Verstehen der eigenen Muster zu
- 10:43unglaublich mächtigen Werkzeugen in der Recovery werden können.
- 10:46Das ist dieser Wechsel vom Passagier zum Fahrer im eigenen
- 10:50Kopf. Er gestaltet aktiv mit.
- 10:52Ja, sehr gut beschrieben. Gabriel selbst zieht ja am Ende
- 10:55des Eintrags auch ein Fazit, was ich sehr stark finde.
- 10:58Er nennt den Tag einen Meilenstein.
- 11:01Und diese unbekannte Emotion, die identifiziert er klar als
- 11:04Mitgefühl. Pure Menschlichkeit, wie er
- 11:06sagt, die er zum ersten Mal seit langem Kurz zulassen konnte.
- 11:10Für ihn ein klares Zeichen von Wachstum, er sieht, was er
- 11:13gelernt hat, Emotionen sind keine Bedrohung mehr, sein Leben
- 11:17ist wieder lebenswert, seine Reflexionsfähigkeit funktioniert
- 11:20aber, und das ist das ehrliche daran, er benennt auch ganz
- 11:24klar, was er noch üben muss, nämlich Emotionen länger
- 11:28aushalten, nicht gleich wegdrücken.
- 11:30Vertrauen fassen, dass Gefühle nicht automatisch zum Rückfall
- 11:33führen müssen und die Balance bei Triggern noch besser finden,
- 11:37das zeigt eine ja bemerkenswerte Ehrlichkeit sich selbst
- 11:41gegenüber. Absolut.
- 11:43Diese ehrliche Bestandsaufnahme ist goldwert in so einem Prozess
- 11:47zu erkennen, was schon funktioniert, das stärkt ja die
- 11:50Selbstwirksamkeit, das Gefühl, ich kann das schaffen.
- 11:54Und gleichzeitig klar zu benennen, wo die Baustellen noch
- 11:57liegen. Das ermöglicht ja erst gezieltes
- 12:00Weiterüben dieses Bewusstsein für den eigenen Prozess mit den
- 12:04Stärken und den Herausforderungen, das ist
- 12:06wirklich ein Kernmerkmal für nachhaltige Recovery und diese
- 12:10Person in der Gruppe wurde für ihn dann, wie er schreibt, zum
- 12:13Spiegel und auch zur Hoffnung. Vielleicht, so überlegt er am
- 12:17Ende, war diese Träne nicht nur Mitgefühl für die andere Person,
- 12:21sondern eben auch ein Funken Hoffnung für ihn selbst.
- 12:25Das ist ne sehr schöne, tiefgründige Reflexion, finde
- 12:28ich. Ja, total.
- 12:30Der Artikel geht ja dann auch noch auf diese Fa.
- 12:32Qs ein. Diese Fragen, die sich
- 12:34vielleicht auch jetzt einige von uns stellen, lass uns da mal
- 12:36kurz durchgehen, die erste war ja, was war das denn nun für
- 12:40eine Emotion? Ja, also wir haben es ja schon
- 12:43angedeutet. Es war wahrscheinlich eine
- 12:44Mischung. Hauptsächlich wohl Mitgefühl
- 12:47diese Empathie für das Leid und die Freude über die Genesung des
- 12:50anderen, aber eben gemischt mit dieser, ja bittersüßen Hoffnung,
- 12:54also Freude über die positive Veränderung, aber vielleicht
- 12:58auch Trauer über die eigene verlorene Zeit oder das
- 13:00vergangene Leid, komplex, aber menschlich.
- 13:03OK, und ist diese Überforderung durch neue Emotionen normal?
- 13:07Das fragt sich Gabriel ja auch. Ja, absolut normal.
- 13:11Total. Das emotionale System muss nach
- 13:13jahrelanger Betäubung. Quasi wie ein Instrument, das
- 13:16lange nicht gespielt wurde, erst wieder neu gestimmt und
- 13:19trainiert werden. Das gehört zum Heilungsprozess
- 13:21dazu, völlig normal. Gut zu wissen dann die Frage,
- 13:26warum ist Geld eigentlich so ein Trigger, das kommt ja immer
- 13:29wieder vor. Das ist klassisch, Geld bedeutet
- 13:32Verfügbarkeit, allein das wissen, ich könnte jetzt, wenn
- 13:36ich wollte, aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn, das
- 13:39auf die Substanz konditioniert ist.
- 13:41Das ist der eigentliche Auslöser.
- 13:43Gabriels Reflexion darüber zeigt aber schon eine sehr gesunde
- 13:46Bewältigung, weil er es eben erkennt und nicht automatisch
- 13:49handelt. Verstehe und sollte man solche
- 13:53starken Emotionen dann eher vermeiden, um nicht überfordert
- 13:55zu werden? Nein.
- 13:56Auf keinen Fall. Das wäre kontraproduktiv.
- 13:59Das Erleben und das Verarbeiten von Emotionen, auch der
- 14:02Schwierigen, ist essentiell für die Heilung dieser
- 14:04Verdrängungsimpuls, den Gabriel gespürt hat.
- 14:07Der ist total verständlich aus der Suchtgeschichte heraus, aber
- 14:10das bewusste Durchleben, auch wenn es nur kurz ist am Anfang,
- 14:13stärkt langfristig die Fähigkeit zur Emotionsregulation, also
- 14:17fühlen lernen nicht vermeiden. OK, letzte Frage aus dem FAQ ist
- 14:22das mit dem Solarium nicht vielleicht problematisch?
- 14:26Birgt das nicht auch Suchtgefahr?
- 14:29Doch das kann es. Solarium kann süchtig machen ja,
- 14:32UV Strahlung kann Endorphine freisetzen, also auch eine Art
- 14:35Belohnungseffekt haben, aber entscheidend ist hier Gabriels
- 14:38Bewusstsein dafür, er erkennt die potenzielle Gefahr, nutzt es
- 14:42aber nicht zur Flucht oder Betäubung, sondern bewusst zur
- 14:45Reflexion, das zeigt einen relativ gesunden Umgang damit,
- 14:48in diesem Moment die Absicht ist entscheidend.
- 14:51Super danke für die Klärung dieser Punkte.
- 14:53Der Artikel gibt ja dann auch noch wichtige Hinweise speziell
- 14:56für Angehörige. Wie können die denn auf solche
- 15:00emotionalen Durchbrüche oder auch auf Momente von Suchtdruck
- 15:03reagieren? Das ist ja oft eine riesige
- 15:05Unsicherheit, was hilft da? Ja, das ist ein ganz wichtiger
- 15:08Punkt. Hilfreich ist vor allem Raum
- 15:11geben, aber trotzdem präsent sein, also nicht bedrängen, aber
- 15:15signalisieren, ich bin da. Die Emotionen nicht kleinreden
- 15:20oder wegmachen wollen. Dieses typische Ach regt dich
- 15:23nicht auf, ist meistens nicht hilfreich, sondern anerkennen.
- 15:26OK, ich sehe dir geht's grad nicht gut oder ich sehe das
- 15:30bewegt dich anerkennen, dass diese Gefühle da sein dürfen und
- 15:33vielleicht sogar ein Zeichen von Heilung sind.
- 15:36Geduld ist absolut essentiell, das braucht Zeit bei Softdruck
- 15:41nicht moralisieren oder Vorwürfe machen, sondern eher die
- 15:44Bewältigungsleistung würdigen, wenn es gelingt dem Druck nicht
- 15:47nachzugeben also. Fragen was brauchst du jetzt
- 15:50praktische Unterstützung anbieten für Alternative
- 15:53positive Aktivitäten kann helfen kleine Siege feiern, also
- 15:56Fortschritte konkret benennen und Vertrauen zeigen, ohne dabei
- 16:00nativ zu sein, das ist n Balanceakt.
- 16:02Und was sind so typische Fallstricke, die Angehörige eher
- 16:06vermeiden sollten? Was macht es vielleicht
- 16:08schwieriger? Problematisch ist oft genau das
- 16:10Gegenteil. Die Gefühle negieren, abtun.
- 16:14Oder selbst in Panik verfallen, wenn jemand emotional wird und
- 16:17vielleicht sofort einen Rückfall befürchten.
- 16:19Das überträgt sich, Ungeduld zu zeigen, weil die emotionale
- 16:22Entwicklung eben dauert. Beim Thema Suchtdruck ist auch
- 16:26Überfürsorglichkeit dieses du hättest aber nicht allein
- 16:29losgehen sollen, oft kontraproduktiv, das nimmt
- 16:32Eigenverantwortung genauso wie übermäßige Kontrolle zum
- 16:35Beispiel beim Geld, das untergräbt das Vertrauen, das ja
- 16:38langsam wieder aufgebaut werden soll und natürlich ständige
- 16:41Panik oder Pessimismus. Dieses, das wird ja doch wieder
- 16:45schief gehen, das ist Gift für den Genesungsprozess.
- 16:48Es geht um eine Balance, Unterstützung ja, vertrauen ja,
- 16:51aber mit einer realistischen Wachsamkeit.
- 16:54Recovery ist eben kein gerader Weg.
- 16:56Absolut. Das war jetzt wirklich eine, ja
- 16:59intensive Auseinandersetzung mit nur einem einzigen Tag im Leben
- 17:03von jemandem in der frühen Recovery.
- 17:05Aber es zeigt unglaublich eindrücklich diese ganze
- 17:08Achterbahn oder die Herausforderung, durch Trigger,
- 17:11die alten Muster, aber eben auch diese tiefgreifenden
- 17:14Erkenntnisse und dieses spürbare, ja Wiedererwachen des
- 17:19Lebensgefühls. Absolut.
- 17:22Was für mich wirklich heraussticht, ist diese
- 17:23Fähigkeit zur Selbstreflexion in Echtzeit, die Gabriel da schon
- 17:27am Tag 14 zeigt und anwendet. Das Erkennen von Mustern, das
- 17:31bewusste Gegensteuern bei Triggern, die Auseinandersetzung
- 17:34mit neuen, auch schwierigen Gefühlen, das sind halt die
- 17:37Bausteine für ne stabile, nachhaltige Genesung.
- 17:40Es ist ein permanenter Lern und Wachstumsprozess, das wird hier
- 17:43sehr deutlich. Genau.
- 17:44Und Gabriel teilt seine Reise ja sehr offen auf nilix Berlin.
- 17:49Um sich selbst, aber eben auch anderen zu helfen, das ist ihm
- 17:52wichtig. Wenn dir dieser Einblick hier
- 17:54gefallen hat und du die Arbeit von Nielix Berlin generell
- 17:58wertvoll findest, dann würde sich Gabriel riesig über deine
- 18:01Unterstützung freuen. Du kannst ihm zum Beispiel
- 18:04helfen, indem du diesen Beitrag auf Social Media teilst oder uns
- 18:08hier auf der Podcast Plattform vielleicht eine positive
- 18:10Bewertung oder ein Like hinterlässt.
- 18:12Das hilft ungemein bei der Sichtbarkeit.
- 18:15Das ganze Projekt Nilix Berlin wird komplett allein von Gabriel
- 18:19finanziert und auch erstellt. Es ist ne Menge Arbeit, jede
- 18:23Form der Unterstützung hilft ihm also dabei, mit diesem Projekt
- 18:26sich selbst, das ist ja auch Teil seiner eigenen Recovery und
- 18:30gleichzeitig anderen Betroffenen zu helfen, sein persönliches
- 18:33Motto, das ihn dabei antreibt, lautet, aus allem schlechten,
- 18:37was in seinem Leben war, etwas Gutes zu machen, finde ich sehr
- 18:41stark. Und zum Schluss, wie immer
- 18:44vielleicht noch ne kleine Frage, die dich zum Nachdenken anregen
- 18:48kann, welche unbekannten Emotionen oder vielleicht
- 18:53überraschenden Reaktionen hast du schon mal bei dir selbst?
- 18:57Oder vielleicht auch bei anderen Menschen in Zeiten großer
- 19:00Veränderung oder persönlicher Herausforderungen beobachtet?
- 19:05Und wie bist du oder wie sind sie damit umgegangen?
- 19:09Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für diese
- 19:11gemeinsame Betrachtung. Heute Pass gut auf dich auf und
- 19:16ja, bis zum nächsten Mal.