Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 057 Tarot in der Literatur - Folge 17: Nathan der Weise I mit Tino Wiesinger
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- Petra: Hallo zusammen. Ich begrüße euch ganz herzlich zu einer neuen Folge von Tau in der Literatur. Ich bin Petra Baum von Spirit, Mind, Energy und begrüße wieder ganz herzlich Tino Wiesinger an meiner Seite. Heute richten wir unseren Blick auf eines der bedeutendsten Werke der deutschen Aufklärung, Nathan der Weise von Gotthold Efraim Lessing. Kaum ein anderes Drama hat die Themen Toleranz, Humanität und Verständigung zwischen den Religionen so eindrucksvoll in den Mittelpunkt gestellt. Mit der berühmten Ringparabel schuf Lessing einen Text, dessen Botschaft bis heute sehr aktuell geblieben ist. Gotthold F. A. M. Lessing wurde 1729 im sächsischen Kamenz als Sohn eines lutherischen Pfarrers geboren. Schon als Kind galt er als außergewöhnlich intelligent und wissbegierig. Sein Vater unterrichtete ihn zunächst selbst, bevor er an die renommierte Fürstenschule St. Afra in Meißen wechselte, wodurch herausragende Leistungen auffielen. Eigentlich war für ihn eine Laufbahn in der Theologie vorgesehen. Aber während seines Studiums in Leipzig entdeckte Lessing seine Leidenschaft für Literatur und Theater. Er kam mit Schauspielern und Bühnenkünstlern in Kontakt, schrieb erste Stücke und entwickelte sich später zu einem der wichtigsten Schriftsteller seiner Zeit. Lessing war ein ganz typischer Vertreter der Aufklärung. Er glaubte an Vernunft, Bildung und die Gleichwertigkeit aller Menschen. Besonders prägend war seine Freundschaft mit dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, die seinen Blick auf religiöse Toleranz gesellschaftlichen Dialog nachhaltig beeinflusste. Nathan der Weise entstand 1779 in seinen letzten Lebensjahren. war ein heftiger theologischer Streit, in dessen Folge Lessing öffentliche Veröffentlichungen zu religiösen Themen untersagt wurden. Nun gut, stattdessen brachte er seine Gedanken einem Theaterstück auf die Bühne. Die Geschichte ⁓ den Juden Nathan, den muslimischen Sultan Saladin und einen christlichen Tempelherr und zeigt, dass Menschlichkeit wichtiger ist als religiöse Zugehörigkeit. Ein vielleicht weniger bekannter Fun Fact. Lessing war nicht nur Schriftsteller und Philosoph, sondern auch Bibliothekar. Und bei seinen Forschungen entdeckte er sogar ein berühmtes mathematisches Rätsel aus der Antike wieder. Das sogenannte Rinderproblem des Archimedes. Mit diesem kurzen Blick auf Leben und Werk wenden wir uns nun Nathan dem Weisen selbst zu. Seinen Figuren, seinen Konflikten und natürlich der Frage, welche Tarotarchetypen sich hinter den Protagonisten verbergen. Lieber Tino, ich begrüße dich ganz herzlich und wir legen los. Tino Wiesinger: Hallo liebe Petra. Ich musste gerade, als du von dem Rinderproblem erzählt hast, dann denken, Nathan hat kein Rinderproblem, aber er hat eigentlich ein Kinderproblem direkt am Anfang. Weil Nathan eine Ziehtochter hat und diese Ziehtochter ist christlich, aber Nathan ist jüdisch. Und dann kann man sich schon vorstellen, was da dann für... Genau, das ist dann nicht nur ein Kinderproblem, sondern das sind dann einige Probleme, sozusagen. Insbesondere zur Zeit der Kreuzzüge, denn da spielt ja dieses Drama. und das ist schon ⁓ ein Riesenproblem. man sich überlegt... Petra: ein paar Probleme vorprogrammiert sind, oder? Tino Wiesinger: Ja, ein Jude nimmt ein christliches Kind auf, wenn man sich auch dann noch vor Augen führt, dass Natans Familie von Christen mehr oder weniger auf grausame Art und Weise abgeschlachtet worden ist. Zur Zeit der Kreuzchen. Petra: gerade dann ist es ja eine spannende Antwort zu sagen, ich wehre mich nicht gegen das Christentum, sondern ich nehme ein christliches Kind bei mir auf. ist ja eine lange Geschichte davor. Tino Wiesinger: nicht richtig. Ja, genau. Das erfährt der Zuschauer. Ich rede bei Dramen immer gerne von den Zuschauern. Das ist ja für das Theater gedacht. Erfährt der Zuschauer erst viel später, was da eigentlich für eine Geschichte dahinter steckt. Es geht aber los mit einem Brand. Das Haus von Nathan hat gebrannt. Der Brand ist schon gelöscht, als das Drama dann losgeht. Und Recha, die Tochter von Nathan, ist gerettet aus diesem brennenden Haus. Recha ist ... die Ziehtochter Natans und hat auch eine Gesellschaft darin, die sie da auch mit großgezogen hat und so. Das heißt, man wird erst mal so ein bisschen auch in diese Kindheit auch hinein versetzt. Und man muss sich vor Augen führen, wie Nathan eigentlich auch seine seine Ziehtochter erzogen hat, nämlich sehr tolerant und mit großem Verständnis auch. Und. Ja, es gibt im Tauroh für mich eine Kindheitskarte und das sind die Sechster-Kirche. Und ich mag die wirklich sehr, diese Sechstelkelche. Denn es führt einen immer wieder zurück. Ich muss auch immer wieder an Rotkäppchen denken. Für mich ist da auch ein Rotkäppchen abgebildet mit diesem Kelch. Wie Rotkäppchen mal durch den Wald läuft Petra: Definitiv. Tino Wiesinger: trifft ja auf diesen Wolf und wird aber dann letztendlich doch geschützt. Und so geht es Rächer auch. Rächer wohnt eigentlich in einem geschützten Umfeld. Und Nathan ist zwar häufiger auf Reisen, hat aber natürlich auch bedienstet. Da hat ja Daya auch die dann Rächer mit erziehen kann. Und deswegen sieht alles gut aus. Und wenn man wirklich sich überlegt, dass Recher eigentlich christin ist und eigentlich auch ganz anders heißt. Ist das schon mal sehr spannend. Und so geht das Ganze los. dass Recher die ganze Zeit erzählt, wie toll doch dieser Tempelherr gewesen sei, der sich aus dem Feuer gezogen hat. mich nervt es eben, wie sie diesen Tempelherrn da in den Fokus stellt. Also dieses, ja, der große Ritter, der Ritter in der glänzenden Rüstung, Ich meine, ich bin nur... Petra: Und dann mitten. Tino Wiesinger: Ja, ich bin noch nie aufs Feuer gerettet worden. Vielleicht würde es mir ähnlich gehen. letztendlich überhöht sie ihn. Es ist fast schon wieder Messias, der sie rettet. Und Nathan bringt sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Er sagt nämlich, ist froh, dass seine Tochter gerettet wurde. Gar keine Frage. Aber... Letztendlich sagt er ihr auch, es ist einfach ein Mann, der dich aus dem Feuer gezogen hat. Es ist kein besonderer Engel oder es ist nicht der Messias selbst, sozusagen. Da ist er sehr souverän und geht souverän auch mit Rächer ⁓ und er zieht sie auch dann noch. Also er ist der Erzieher, der sie auf den Boden der Tatsachen zurückbringt. Und in Taro gibt es für mich eine souveräne Person, die immer dazu neigt, die Menschen wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Und das ist der König der Münzen. Deswegen ist Nathan für mich eindeutig der König der Münzen. Petra: ständig nicht abgehoben. Tino Wiesinger: Ja. Aber eben auch tolerant. Aber er weiß eben auch, was er hat. Er weiß genau, das, was er kann und wie viel er zu geben hat. Nathan ist ja auch jemand, der sehr, sehr großzügig auch ist mit seinem Besitz. So ein reicher Mann, der ständig da auf Reisen ist, auf Handlungsreise sozusagen geht und da auch mit viel ⁓ Besitz und Reichtum auch wieder kommt immer, aber er bleibt trotzdem auf dem Boden der Tatsachen. Ich glaube, das macht ihn auch so weise, dass er nicht so abgehoben ist und denkt, er ist jetzt im Besitz der Weisheit und kann alles und weiß alles, sondern er weiß auch ⁓ seine Schwächen und er weiß ⁓ die Schwächen der anderen auch ⁓ die seiner Tochter und Er versucht sie auf diese Weise dann zu beeinflussen und zu sagen, alles ist gut, wir sind froh, dass du überlebt hast. Ja, wir werden uns jetzt bei dem Tempelherrn bedanken. Und es wäre auch schön, wenn wir mal miteinander reden könnten. Aber er ist nicht gottgleich, so wie du ihn darstellst. dann geht ja die ganze Geschichte ein Stück weit weiter. ⁓ Der Tempelherr möchte nicht sprechen mit einem Juden, mit einem Juden-Mädchen. Der Tempelherr ist schließlich ein Christ, einer der Kreuzritter sozusagen, der in den Krieg gezogen ist. also wirklich Vorurteile. Und dann eröffnet sich irgendwann dann auch noch so eine Parallelhandlung. Also dieses Drama nachher ist ziemlich komplex. Petra: Ja, definitiv. Es heißt, ein wenig dranbleiben, ⁓ wirklich nachher alle Konstellationen mitzubekommen. Tino Wiesinger: Also meine Schüler, ich habe das dieses Jahr mit meinen Schülern gelesen. haben schon mit den Ohren geschlackert, kann man sagen. Auf jeden Fall geht es nicht nur ⁓ Nathan, Recher und den Teppelherren, sondern es gibt auch den Sultan Saladin. Und dieser Sultan Saladin Petra: Ermüden dann fast ein Jahr. Tino Wiesinger: hat Geldsorgen. Davon weiß er aber nicht. Davon weiß nur seine Schwester. Meistens haben ja die Frauen da den größeren Weitblick als die Männer, wenn es ⁓ finanzielle Dinge auch manchmal geht. Das ist jedenfalls beim Sultan und bei seiner Schwester so. Seine Schwester macht ihm dann irgendwann klar, es ist kein Geld in der Kasse. Und das realisiert der Sultan erst spät. die Schwester des Sultans hat schon einen Plan. Die weiß schon ganz genau, wo kriegen wir denn jetzt Geld her. Ja, wir fragen doch mal diesen Nathan, den reichen Juden, diesen reichen Kaufmann. ⁓ Der soll ja auch ganz nett sein, der kann bestimmt uns auch finanziell unterstützen. Und sie hat auch schon so bisschen intrigante Pläne und möchte Nathan dann dem Harem vorstellen. Da hat sie gerade irgendeine schöne junge Sängerin für das Harem geworben und könnte man ja Nathan mal vorstellen. Und dann ist er bestimmt bereit, auch ein bisschen mehr Geld zu geben. Ja, der Saladin, der ist bereit dazu, der lässt seine Schwester da machen und bestellt dann diesen Nathan, diesen weisen Kaufmann zu sich in den Palast. Nathan erfährt aber über Umwege dann auch schon direkt, was eigentlich der Sultan da Er sagte aber nicht, nö, ich komme nicht, sondern gerade deswegen geht er zum Sultan und möchte dann noch mit ihm reden. Und die erste Frage des Sultans an Nathan, eigentlich ⁓ ihn zu schwächen, ⁓ ihn erstmal klein zu machen, ist, was ist denn die wahre Religion? Und egal was Nathan antwortet, eigentlich kann er nur falsch antworten. Wenn er sagt, dass Judentum ist die wahre Religion, ich bin ja Jude, dann kriegt er ein Problem mit Saladin, der Moslem ist. Sagt er, der Islam ist die wahre Religion, kriegt er auch ein Problem, weil dann würde ja Saladin zu ihm sagen, hallo, dann warum bist du denn Jude? Christentum kann er sowieso nicht sagen, weil wenn er sagt Christentum, das glaubt ihm sowieso keiner. gerade zur Zeit der Kreuzzüge ist das ein Riesenproblem. So, deswegen antwortet er, er überlegt erst kurz und er antwortet mit der Ringparabel. Aber wenn wir uns anschauen. welche Überlegungen er da anstellt. Das ist für mich die typische Überlegung, die die Karte der Gerechtigkeit, Er muss abwägen. Wie antwortet er jetzt? Das hat ein bisschen was auch mit Salomons Weisheit zu tun, König Salomons Weisheit. Er muss eine Antwort finden, die für alle Seiten passt. Und das ist dann gar nicht so einfach. Und er antwortet mit der Ringparabel. Und die ist ja auch über das Drama hinaus sehr bekannt geworden, Ich stelle sie nun mal in ganz groben Zügen noch mal da für diejenigen, die die Ringparabe nicht kennen. Es geht ⁓ einen Vater, der drei Söhne hat. Und der Vater ist im Besitz eines Ringes. Und es ist Tradition, dass wenn der Vater kurz davor ist zu sterben, dass er diesen Ring weiter vererbt an den geliebtesten Sohn, den er hat. Problem, er liebt alle drei Söhne gleich und er kann sich nicht entscheiden, welchem Sohn er den Ring geben möchte. Und da muss er eine Lösung finden. Er lässt dann zwei Kopien dieses Ringes anfertigen. Und zwar solche Kopien, dass selbst derjenige, der die Kopien hergestellt hat, am Ende nicht mehr sagen kann, was ist denn jetzt der echte Ring. Petra: das nachher nicht mehr weiß. Tino Wiesinger: Und auch die Söhne wissen nicht, was ist der echte Ring. Als der Vater dann stirbt, stellen sie fest, haben alle drei einen Ring bekommen. Wer hat denn jetzt den echten? Und sie streiten sich darüber, wer den echten Ring hat. Aber sie kommen zu keiner Lösung. Sie gehen sogar zu einem Richter. Und auch der Richter findet keine Lösung. Der gibt ihnen nur einen Rat. lebt für euch so, als hättet ihr den echten Ring, lebt in Frieden miteinander und in Gerechtigkeit natürlich miteinander. Denn dieser Ring soll eben auch Wohlgefallen schaffen gegenüber Gott und den Menschen. Und wenn man sich dann eben nicht im Wohlgefallen verhält, also nicht so verhält, wie es vielleicht Gott oder das Göttliche gerne hätte, dann hätte man ja letztendlich den Beweis dafür, dass man nicht den echten Ring hat. Und dementsprechend will natürlich kein Sohn sich schlecht verhalten. Und ja, das erkennen Sie, es kommt nicht darauf an, letztendlich Petra: Das war toll. Tino Wiesinger: Wer hat den echten Ring? Sondern wie verhalte ich mich gegenüber meinen Mitmenschen, gegenüber der Welt, gegenüber mir selbst, gegenüber meinen Feinden? Da sind wir wieder im christlichen Sinne, wenn wir jetzt hier beim Gebot der Nächsten und Feindesliebe. Und das erkennen sie. Und im Grunde genommen diese Botschaft zu vermitteln. ⁓ Das ist Aufgabe des Hierophanten. Der Hierophant hat nicht die Aufgabe, nur eine Wahrheit zu verkünden und zu sagen, also ganz dogmatisch, das ist die wahre Religion oder das ist der wahre Glaube, sondern letztendlich geht es doch immer darum, das Dogma hinten anzustellen. Und ja, das Göttliche auf die Erde zu holen, das Heilige auf die Erde zu holen. Hierophant, da steckt das Wort Hieron, der Tempel drin. Und Hieros, heilig. Und Phant kommt von Phaino, von Scheinen, aus dem Griechischen. Also er soll das Heilige zum Scheinen bringen. Und das bringen wir nicht, indem wir sagen, ich bin Christ, nur das Christentum ist die wahre Religion. und alle anderen sind falsch oder ich bin Moslem oder Jude und alle anderen Religionen sind falsch, sondern wenn man doch in Toleranz und Liebe miteinander lebt. Und ich sage. Petra: über den Pillarrand ein wenig auch hinausblickt und andere Sachen zulässt, ohne die Angst zu haben, dass es irgendetwas verbieten könnte. Also der spirituelle Führer ist da ja auch das Vertrauen in alles. Tino Wiesinger: geht auch ⁓ Akzeptanz. Ich akzeptiere auch den Glauben oder die Haltung, auch die Traditionen des anderen. Denn wenn man sich auch mal überlegt, wie die drei Weltreligionen, die drei monotheistischen Weltreligionen entstanden sind, mit dem Judentum geht es los. Und dann... ⁓ werden aus einigen Juden, aber auch aus einigen Heiden, werden Christen. So, andere bleiben Juden, andere bleiben Heiden. Und irgendwie müssen dann beispielsweise auch die Judenkristen und die Heidenkristen an einem Tisch sitzen. Und dann gibt es da schon Streitigkeiten darüber, halten wir uns jetzt an die Speisegebote der Juden, halten wir uns nicht dran. Und am Ende ist die Botschaft dahinter, jeder akzeptiert den anderen so wie er ist und jeder darf so leben wie er gerne möchte. Aber immer unter natürlich dieser Botschaft der Nächstenliebe. So und dann kommt irgendwann 500 Jahre später Petra: Das das. Tino Wiesinger: der Islam als letzte Offenbarung. ist natürlich ein sehr theologisch kontroverses Thema. Aber wenn ich jetzt sage, letztendlich glauben wir doch alle nur an den einen Gott, dann ist genau das die Botschaft von Nathan der Weise und die Botschaft des Hierophanten, dass man nur an diesen einen, dass es diese Botschaft der Liebe und ⁓ die Botschaft Gottes gibt, aber wie diese Botschaft gelebt wird, das ist im Prinzip erstmal egal. Es hat was mit Tradition und mit Kultur zu tun, aber es geht letztendlich ⁓ ein Prinzip und das ist das Prinzip der Liebe. Das stellt nahternweise, glaube ich, auch da wie kein anderes Werk in der Literatur und ist natürlich auch deswegen sehr Ja, Aber die drei Religionen, die drei Weltreligionen, haben Gegensätze und diese Gegensätze, muss man auch akzeptieren und auch vielleicht versuchen zu verstehen, warum diese Gegensätze überhaupt existieren. Und da ist mir dann eine Karte in den Sinn gekommen, die da sehr passend ist. Und das sind die zwei Schwerter. Denn die zwei Schwerter, stehen immer erstmal für eine Dualität, für eine Entscheidung. Aber wenn man sich die Karten mal anschaut, diese Person sitzt mit gekreuzten Armen da. Das ist ja fast schon eine Haltung, mit der man überhaupt gar keinen Zugang zu dieser Person findet. Und ich habe, als ich meine Tarot-Ausbildung gemacht habe, eines gelernt, dass man bei dieser Karte eben nicht so macht, sondern dass man eigentlich die Arme öffnen sollte. Die Arme ausbreiten sollte, fast wie zum Sägen ausbreiten sollte. Und wenn man dann diese gekreuzten Arme ausbreitet, dann wird man wieder handlungsfähig. Wenn man die Arme so verschränkt lässt und dann vielleicht auch noch die Augen vor den Tatsachen und vor anderen verschließt, dann bleibt man stehen und es kommt vielleicht auch zu Konflikten und Kriegen, was auch immer. Petra: Und man sieht ja auch, dass die Person hier selber nur noch auf dem grauen Boden sitzt. Sie hat gar keinen Zugang mehr zu Gefühl. Sie ist ausschließlich im Kopf. Sie überlegt, sie zweifelt, sie hat Konflikte. Und das ist ja eigentlich das Traurige, wenn so etwas rauskommt bei einer Religionsdebatte. Und genau die Karte, die wir davor hatten, der Hierophant würde dann ja sagen, jeder darf sein Glauben haben. Aber schön ist, wenn man auch Menschen eines anderen Glaubens zugesteht, dass sie einen anderen Glauben haben. Nicht mehr, nicht weniger. Tino Wiesinger: Ja, letztendlich wird jetzt dieses Drama selbst dann noch ein bisschen problematischer vor diesem Hintergrund. Denn was passiert? Naja, die Recher und der Tempelherr im Laufe des Dramas nähern die sich doch an. Und Recher ist ja ohnehin völlig begeistert vom Tempelherrn. Aber als der Tempelherr Recher dann doch auch irgendwie das erste Mal trifft. Petra: So. Tino Wiesinger: merkt er schon, da ist auch eine Anziehung. Und ja, es muss letztendlich eine Entscheidung getroffen werden, weil der Tempelherr verspürt erstes Verliebtsein in eine vermeintliche Jüdin. Und auch Recher, die ohnehin sehr offen ist, die verliebt sich in den Tempelherren. Und letztendlich geht es darum, eine Herzensentscheidung, getroffen werden muss. Und wenn ich das Wort Herzensentscheidung sage, dann denken wir natürlich sofort an die Karte der Liebenden. Und das ist im Grunde auch eine Liebesgeschichte. Und ja, es muss eine Entscheidung her. Letztendlich ist es ein Drama. Deswegen geht es ein Stück weit auch dramatisch aus. Denn am Ende steht eine große Enthüllung. Nämlich, dass irgendwie alle Figuren... miteinander verwandt sind. Der Sultan mit dem Tempelherrn, der Tempelherr und Wächer sind auch miteinander verwandt. Und es wäre kein Problem, wenn das jetzt einfach so trittgradige Cousins und Cousinen wären. Dann könnten die ja beide trotzdem heiraten und zusammenkommen und glücklich werden. Nein, stellt sich sogar heraus, dass die vermeintliche Jüden und der Christ eigentlich Geschwister sind. ist dann eine Hochzeit nicht mehr möglich. Aber letztendlich ist das ja eine Botschaft, die dahinter steht. Und das ist die Botschaft. Petra: Das ist sehr kompliziert. Tino Wiesinger: dass eigentlich alle drei monotheistischen Weltreligionen miteinander verwandt sind und eine Wurzel dahinter steckt. Deswegen ist genau diese Botschaft, was ich eben gesagt habe, wir glauben doch alle an denselben Gott, ja, theologisch kontrovers diskutiert, aber würde nahtan der Weise entsprechen, wenn man sagt, wir entstammen doch alle einer Wurzel. ⁓ Nämlich dem monotheistischen Glauben. Aber vorher ist das Ganze ja dramatisch. Und deswegen steht natürlich vor dieser ganzen Auflösung steht das Gericht im Zentrum. Die Karte des Gerichts. Ich sehe da ja nicht selber das Gericht drin. Ich hätte es ja lieber, man würde die Karte Auferstehung nennen. Denn das ist ja die typische Auferstehungskarte. Die Menschen steigen aus ihren Gräbern, zeigen sich, werden sichtbar und kommen letztendlich zum ewigen Leben, zur Erleuchtung. Das jüngste Gericht sozusagen, Und das wird am Ende eben in natternder Weise aufgelöst. So. Und ich will es nicht versäumen, hier unser Gespräch über natternder Weise mit einer besonderen Tarotkarte nämlich enden zu lassen. Und das ist die Sonne. Die Sonne steht für mich für Freiheit, für kindlich sein, auch für ungeschützt sein, dafür so sein zu dürfen, wie man eigentlich ist, auch ein Stück weit für Erleuchtung. Aber nicht in diesem erhobenen Sinne, also nicht als Buddha zu verstehen. Ich habe jetzt fast schon das Nirvana erreicht, sondern mehr im Sinne von, ich fühle mich getragen und ich weiß, ich bin auf dem richtigen Weg. Gerade wenn wir uns die Heldenreise angucken. Petra: Das ist schon eine der höheren Karten und zeigt auch schon, wie viel Erfahrung ich gesammelt habe und wie selbstbewusst ich jetzt auch das mein Leben genießen darf. Tino Wiesinger: Ja, eben. Und das können die Figuren in naherter Weise am Ende ganz gut. Die können ihr Leben genießen. Wobei, Die Liebesgeschichte zwischen Rächer und dem Tempelherrn, die ist dann zwar vorbei, ja, im Sinne der Erotik ist sie vorbei, Griechischen würde es jetzt drei Formen der Liebe geben. gibt einmal den Eros, die Erotik. Das ist klar, das ist vorbei. Die Filia, ist die familiäre oder freundschaftliche Liebe, die kann weiterhin bestehen bleiben. Wenn auch nicht als Ehepaar, aber doch als Geschüsterpaar. Petra: Sie bleiben. Tino Wiesinger: Und eine Liebe, und das verbinde ich auch immer mit der Sonne, die steht sowieso über allem, das ist die göttliche Liebe, die sich Agapher nennt. Und dafür steht, das die voraussetzungslose Liebe, dass ich jeden Menschen so annehmen kann, so lieben kann, wie er ist, auch übrigens meinen Feind, meinen vermeintlichen Feind, die Feindesliebe auch integrieren kann. Denn sonst könnte dieses Kind da nicht nackt auf diesem Pferd sein. Denn sonst wäre es zu ungeschützt. Und das ist die Botschaft von Nathan der Weise. Und... ⁓ Petra: Ja. Tino Wiesinger: Ich habe ja gesagt, wir haben es dieses Jahr zum ersten Mal in der Schule gelesen. Da steht es als zentrales Werk für die Abschlussprüfung wurde das festgelegt und das nicht ohne Grund. Denn wenn wir heute mal in die Welt hinausgucken, ich glaube, ich muss das nicht näher ausführen. Dann ist diese Botschaft eine Botschaft, die Petra: und das tolles Event. Tino Wiesinger: sehr zentral auch heute, gerade heute noch für uns ist. Petra: heute und wir können einige Situationen im Außen nicht ändern, aber wir können jeder für uns entscheiden, ob wir tolerant sind gegenüber anderen oder nicht. Ich glaube, das ist so eine ganz zentrale Aussage. Auch wenn das Buch im Mittelteil sehr komplexe Beziehungen hat, das steht tatsächlich über allem zu sagen, letztendlich lebe dein Leben so, wie du es verantworten kannst, aber schließt nichts anderes aus. Tino Wiesinger: Und es schließt auch nicht aus, dass man wirklich seinen eigenen Glauben und seine eigenen Überzeugungen, dass man da voll dahinter stehen kann. Aber man muss immer bedenken, dass es auch Menschen gibt, die das anders sehen. Petra: Ja. Und für die es genauso selbstverständlich ist, ihrer Religion, ihrer Kultur, in ihrem Wertesystem zu agieren, da können wir manchmal gar nicht mitreden, weil wir sind halt in ein anderes System auch rein geboren worden. zu sagen, ich stehe dahinter, aber ich akzeptiere, dass du etwas anderes hast, ist, ich, die höchste Kunst des Zusammenlebens, des Toleranten, auch wenn wir nicht alle gleich sind und auch nicht alle gleich sein brauchen. Tino Wiesinger: ⁓ Petra: Da sind wir schon wieder am Ende und natürlich haben wir Karten draufgezogen. Bei mir kamen die fünf der Münzen. Eigentlich ganz spannend, im Endeffekt ist das ja eine Karte, wo man ausgegrenzt ist, wo man nicht mehr den Zugang, nach innen hat. oder auch dann außen vor gelassen wird. es ist eigentlich vielleicht noch mal so, dieser Ansporn zu sagen, hey, das ist doch gar nicht nötig. Dieses Licht, was von innen kommt, darf für alle scheinen. Es darf jeder kommen, ganz unabhängig, welchen Glauben er hat. setzen niemanden vor die Tür, nur weil er das nicht tut. ⁓ Tino Wiesinger: Genau. Und ich habe den Pagen der Kelche gezogen. Und als ich diese Karte gezogen habe, den Pagen der Kelche, musste ich sofort an Recher denken, wie nämlich ... in dem gesamten Drama eigentlich sehr tolerant und sehr auch naiv an viele Dinge herangeht. Sie fragt nicht nach der Religion. Sie fragt nach dem Menschen und sie ist fasziniert von dem Menschen, der sie da aus dem Feuer gerettet Sie fragt nicht, wo kommt er eigentlich her, was hat er eigentlich für eine Geschichte hinter sich, sondern nur, wie geht diese Person mit mir ⁓ Und der Pase der Kelche repräsentiert diese Toleranz, diese Akzeptanz, ein bisschen auch Naivität, aber dieses, ich gehe einfach fröhlich ins Leben und Und ich gebe das, was ich zugeben habe, der mit seinem Kelch und dem kleinen Fisch da drin, er gibt das, was er geben kann. Und er hofft, dass er das zurückbekommt, auch ein Stück weit von seinem Gegenüber. Und wenn wir doch so alle miteinander umgehen würden, auch eben ein bisschen naiv und ein bisschen toleranter und ohne Verbissenheit, so wie der Pausch der Kelche. Ich glaube, dann könnten wir die Welt schon zu einer etwas besseren Welt machen. Und das ist, glaube ich, auch das Ziel von Lessing, wenn er nahtan der Weise geschrieben hat. Auch die Botschaft der Aufklärung selber, da geht es nicht nur ⁓ Vernunft und ⁓ Ratio, sondern es geht eben auch darum, dass wir, ich drücke es mal platt aus, dass wir wirklich vernünftig auch miteinander umgehen. Also dieser Umgang miteinander, das ist glaube ich ein ganz zentraler Punkt. Petra: Damit sind wir jetzt tatsächlich am Ende und wie wir eingangs sagten, die Botschaft ist heute mindestens genauso wichtig wie früher und Toleranz ist ein wertvolles Gut. Lieber Tino, ich bedanke mich ganz herzlich bei dir und wir freuen uns beide, wenn ihr der gleichen Meinung seid, anderer Meinung seid, andere Interpretationen habt. Wie immer lasst uns das da in den Kommentaren. gebt uns ein Like, wir freuen uns und wir sagen Tschüss, bis zum nächsten Mal. Tino Wiesinger: Bis zum nächsten Mal. Ciao!