Latest / Medizin im Wandel – Wissenschaft, Innovation und neue Perspektiven / Transplantationsmedizin im Fokus: Kooperation, Präzision, Innovation
Transcript
- 0:02Speaker 1: Herzlich willkommen beim Podcast des deutschen Zentrums Immuntherapie des UniKlinikums Erlangen.
- 0:08Speaker 1: Heute geht es um die Niere genauer über moderne Transplantationsmedizin.
- 0:13Speaker 1: Nierenerkrankungen nehmen zu und für viele Patientinnen und Patienten stellt sich irgendwann die Frage, wie's weitergeht.
- 0:21Speaker 1: Dialyse ist die eine Möglichkeit – eine Transplantation auf die andere.
- 0:26Speaker 1: Es geht um den Weg zur Transplantion, um interdisziplinäre Zusammenarbeit, um immunologische Präzision Und darum, wie Forschung und Innovation ganz konkret in der Versorgung der Patientinnen und Patienten ankommt.
- 0:39Speaker 1: Heute spreche ich mit Ärztinnen und Ärzten aus verschiedenen Fachbereichen die gemeinsam daran arbeiten Transplantationsmedizin jeden Tag ein Stück besser zu machen.
- 0:51Speaker 1: Herr Professor Schiffer Wenn man auf das Thema Nieren oder Krankungen schaut hat man den Eindruck dass es zunehmend relevante wird.
- 1:00Speaker 1: Woran liegt es aus Ihrer
- 1:01Speaker 0: Sicht?
- 1:02Speaker 0: Tatsächlich in der Bevölkerung zunehmendes Problem, auch durch die überalternde Gesellschaft.
- 1:08Speaker 0: so langsam nimmt das zu.
- 1:10Speaker 0: Aber es gibt eben sehr unterschiedliche Erkrankungen, die zum Ausfall der Nierenfunktion führen können.
- 1:16Speaker 0: Es können genetische Erkranken sein, es gibt Systemerkrankungen wie dazu führen können und es gibt viele seltene Erkränkungen.
- 1:22Speaker 0: Und da haben wir natürlich ja auch hier am Universitätsklinikum Erlangen einen Schwerpunkt dass diese Patienten hier auch betreut werden.
- 1:39Speaker 0: Das hat natürlich auch nach der Transpandation Konsequenzen in der weiteren Behandlung, da muss man wirklich individuelle Nachsorgeschämung für die Leute entwerfen und genau auf deren Krankheitsverlauf und ihre Vorgeschichte dann auch eingehen.
- 1:51Speaker 0: Es ist ganz wichtig dass man das in dem Zusammenhang nicht aus den Augen verliert.
- 1:54Speaker 0: es geht nicht nur um das transplantierte Organ sondern wir verfolgen hier als medizinische Klinik IV eher so einen holistischen Ansatz bei denen wir die Patienten in ihrer Ganzheit dann auch betrachten wollen allen Lebensbereichen sozusagen die Unterstützung zu liefern, die sie brauchen.
- 2:10Speaker 0: Das
- 2:11Speaker 1: heißt Sie schauen nicht nur auf das Organ sondern wirklich auf den ganzen Menschen.
- 2:15Speaker 0: Natürlich medizinisch auch auf Ihre spezifischen Probleme eingehen zu können.
- 2:20Speaker 1: Wenn die Nierenfunktion versagt gibt es unterschiedliche Therapieoptionen.
- 2:24Speaker 1: welche Rolle spielt die Nierentransplantation dabei aus Ihrer Sicht?
- 2:28Speaker 0: Ja also die Niertransplantations ist hier für uns ein ganz besonderer Schwerpunkt.
- 2:33Speaker 0: Niere und Nierenpankresttransplantation machen wir aus unserer Sicht das beste Verfahren des Nähnersatzes, was wir den Patienten anbieten können.
- 2:41Speaker 0: Die Alternativen sind ja immer nur Hemo- und Peritonealdialyser und gerade die Hemo-Dialyse ist ja nur ein intermittientes Verfahren bei dem man dreimal in der Woche für vier bis fünf Stunden an einer Maschine angeschlossen wird und nur während dieser Phase wird das Blut gereinigt.
- 2:56Speaker 0: Während die Nähentransplantation natürlich eine kontinuierliche Reinigung des Blutes dann sozusagen gewährleistet.
- 3:04Speaker 1: Damit wird Transplantation schnell zu einer Teamaufgabe.
- 3:08Speaker 1: Wie ist das hier in Erlangen organisiert?
- 3:10Speaker 0: Hier am DZI sind wir ein interdisziplinäres Team aus Chirurgen, Transplantationsmedizinern, Internisten und dann eben auch Transfusionsmedizinern und alle tragen sozusagen dazu bei dass der optimale Verlauf für unsere Patienten hier vor Ort dann auch gewährleistet ist.
- 3:29Speaker 0: Nierentransplantation ist eigentlich schon immer traditionellen interdisziplinäres Fach gewesen und die Fachdisziplinen, die hier involviert sind, sind neben der Abdominalchiologie auch die Orologie und die Gefäßchiologie.
- 3:42Speaker 0: Und alle Anteile der Nephrologie, die mehr oder weniger in der Wartelistenbetreuung schon anfangen, die Patienten optimal auf das vorstehende Transplantationsverfahren
- 3:56Speaker 0: vorzubreiten.".
- 3:57Speaker 1: Das heißt, die Vorbereitung beginnt lange vor der eigentlichen Transplantation?
- 4:02Speaker 0: Das heißt wir wollen hier am DZI den Patienten schon, wenn sie auf die Warteliste kommen, die Perspektive geben und ihnen ermöglichen dass Sie dann schon in dieser Zeit alles über die Transplantation erfahren und sich optimal darauf vorbereiten sowohl psychisch als auch physisch.
- 4:20Speaker 0: Und dafür haben wir ein paar Spezialprogramme hier auch entwickelt, die uns einen Alleinstellungsmerkmal tatsächlich geben.
- 4:28Speaker 0: Also eines der Programme ist beispielsweise FIT für die Nierentransplantation.
- 4:32Speaker 1: Was steckt konkret hinter diesem Programm?
- 4:34Speaker 1: FIT Für die Nieren Transplantation
- 4:36Speaker 0: Das ist ein Programm wo wir die Patienten schon an der Dialyse dabei unterstützen ihre körperliche Fitness voranzubringen damit sie mit den optimalsten Bedingungen dann wirklich in den OP hineingehen.
- 4:47Speaker 0: Nach der Transplantation haben wir dann Programme, dass wir die Patienten begleiten.
- 4:52Speaker 0: Sie dabei unterstützen wie die Medikamenteinnahme funktioniert.
- 4:56Speaker 0: Immunsuppression ist ja wirklich harte Arbeit für die Patienten.
- 4:59Speaker 4: Die müssen
- 5:00Speaker 0: ganz regelmäßig ihre Medikamente dann auch weiter und lebenslang einnehmen oder zumindest so lange wie das Transplantat halten soll.
- 5:08Speaker 1: Und wie stellen sie sicher, dass die Therapie auch im Alltag gut funktioniert?
- 5:13Speaker 0: Da versuchen wir die Patienten optimal zu unterstützen Und zusätzlich bieten wir eben jetzt noch neue innovative Verfahren an, dass wir die Patienten dann zu Hause anbinden.
- 5:24Speaker 0: Also das wäre das Innovationsprojekt SmartNTX.
- 5:27Speaker 0: Dass die Patienten, die von hier entlassen werden mit mobilen Endgeräten Zuhause angebunden sind und dort mit einer Wagen im Bluetooth-Messgerät und einem Temperaturfühler mit uns vernetzt
- 5:38Speaker 1: sind.
- 5:39Speaker 1: Was ist der größte Vorteil dieses digitalen Ansatzes?
- 5:41Speaker 0: Die Daten werden über eine App automatisch an uns übertragen sodass auch von zu Hause aus die Patienten hier sozusagen einen gewissen Überwachungseffekt haben.
- 5:50Speaker 0: Und das machen wir im Rahmen einer randomisierten
- 5:51Speaker 0: Studie.".
- 5:52Speaker 1: Herr Dr.
- 5:53Speaker 1: Luba, ein ganz zentraler Punkt bei jeder Transplantation ist die immunologische Verträglichkeit.
- 6:00Speaker 1: Wie stellen Sie sicher, dass Spender und Empfänger wirklich zueinander passen?
- 6:04Speaker 3: Also wir sind jetzt des Labor für Immungenetik oder Kurzheilalabor der Uniklinik Erlangen.
- 6:09Speaker 3: Und was wir für die Spendediagnostik machen, ist wir bestimmen zum einen die HILA-Moleküle.
- 6:14Speaker 3: Das sind bestimmte Oberflächenproteine, die dem Körper eine Unterscheidung zwischen Fremd und Körpereigen erlauben.
- 6:23Speaker 3: Im Vorfeld bestimmen wir ob dagegen Antikörper schon vorliegen.
- 6:27Speaker 3: So wird dann quasi bestimmt welcher Spender zu welchem Empfänger gut passen würde.
- 6:32Speaker 1: Wie läuft dieser Abgleich konkret ab, wenn ein Entspenderorgan zur Verfügung
- 6:36Speaker 3: steht?
- 6:36Speaker 3: Wir bestimmen im Vorfeld vom Empfänger die Merkmale, die er auf den Oberfläche von den Zellen trägt und bestimmten aber eben Antikörper gegen bestimmte Merkmalen hat.
- 6:45Speaker 3: Und wenn dann ein Spender anfällt in dem Klinikum, dann bestimmen wir von dem Spender die entsprechenden Moleküle.
- 6:55Speaker 3: Die Daten werden dann an Eurotransplant übermittelt über die DSO die dann entsprechend eine Liste erstellen, welche potenziellen Empfänger für diesen Spender infrage kommen.
- 7:05Speaker 1: Und bevor transplantiert wird, ist da noch eine letzte Sicherheitsprüfung?
- 7:10Speaker 3: Das wir in einem bestimmten Test nochmal überprüft ob die Zellen wirklich kompatibel sind.
- 7:16Speaker 3: Da mischt man einfach die zählen vom Spender mit dem Serum von den Empfängern und gibt noch eine bestimmte Substanz hinzu und misst im Endeffekt, ob die zälen abgetötet werden oder nicht.
- 7:27Speaker 3: Also unser Labor ist tatsächlich ein bisschen speziell, generell gibt es von den immunen Genetiklaboren für die Spenderdiagnostik zwölf Stück in Deutschland.
- 7:36Speaker 1: Herr Dr.
- 7:37Speaker 1: Apel neben der Diagnostika spielt natürlich auch die operative Umsetzung eine entscheidende Rolle.
- 7:42Speaker 1: Wie ist die Nierentransplantation hier chirurgisch organisiert?
- 7:46Speaker 2: Terminabsprachen gewährleisten eventuell auch Wunschtermine die Patienten haben so dass im Vorfeld der Operation bereits eine stressfreie Einleben auf die Operation möglich ist.
- 7:58Speaker 2: Darüber hinaus planen wir dann die OPs mit zwei OP-Sellen, das heißt wir operieren parallel.
- 8:05Speaker 2: Zeit verzögert als das Spender und Empfängerpaar kommt gemeinsam im Zentrum hier an bestreitet sozusagen gemeinsam seinen Tag.
- 8:14Speaker 2: Wir beginnen da mit dem Lebenspender mit der Operation.
- 8:17Speaker 1: Warum ist dieses zeitlich abgestimmte Vorgehen so wichtig?
- 8:20Speaker 2: Zeitverzögert wird der Empfänger eingeleitet und damit gewährleisten wir eine möglichst kurze Chemiezeit, das heißt eine kurze Zeit des Organs außerhalb des Körpers bis es dann wieder transplantiert wird.
- 8:33Speaker 2: Also das Besondere an diesem Klinikum ist, dass wir wie gesagt in der Disziplin zusammenarbeiten.
- 8:39Speaker 2: Das heißt nicht eine Fachabteilung beteiligt sondern viele Fachabteilungen die im ganzen Prozess der Transplantation eingebunden werden auch während des operativen Parts.
- 8:48Speaker 1: Welche Rolle spielt moderne Technik bei diesen Eingriffen?
- 8:51Speaker 2: Darüber hinaus versuchen wir auch den Patienten eines der modernsten OP-Verfahren anzubieten.
- 8:58Speaker 2: Wir machen eine minimalinvasive Nierenlebendentnahme Schüsselhochtechnik auch bekannt, sodass der Eingriff am Spender sich auf ein Minimum reduziert und erst schnellstmöglich wieder aus dem Klinikum entlassen werden kann um eben integriert zu werden in seinen häuslichen oder beruflichen Alltag.
- 9:17Speaker 1: Und wenn es während der Operation unerwartet komplex wird?
- 9:20Speaker 2: Sollte darüber hinaus noch bezüglich der Gefäße etwas problematisch sein können wir ihm zusätzlich noch das hochmoderne robotisch assistierte OP-Verfahren anbieten.
- 9:29Speaker 2: Schlagwort wäre da Winschi System Und dann haben wir die Möglichkeit zu sagen, auf alle Eventualitäten zu reagieren.
- 9:37Speaker 2: Also ich meine das Wichtigste ist wie gesagt die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Zentren des Integrativen zwischen den Zentren und dass man Hand in Hand arbeitet den Patienten quasi komplett betreut aus allen Fachrichtungen und er sich damit maximal wohlfühlt.
- 9:54Speaker 1: Herr Professor Schiffer Sie haben über viele Jahre Erfahrung in der Transplantationsmedizin gesammelt.
- 10:00Speaker 1: Welche Rolle spielt diese Erfahrung heute für die Qualität der Versorgung hier in Erlangen?
- 10:04Speaker 0: Und davon profitieren natürlich die Patienten auch im Langzeitverlauf, weil die Erfolgsraten hier am Uniklinikum sehr gut sind.
- 10:12Speaker 0: Auch im Lang-Zeit Verlauf ist das Transplantat überleben eigentlich sehr, sehr gut und es spielt immer größere Rolle, weil wir ja immer noch zu Zeiten des Organspendemangels natürlich jedes Organ, was transplantiert wird wirklich so optimal schützen müssen wie möglich damit ein transplantierter Patient nicht irgendwann wieder zum Wartelistenpatient wird.
- 10:32Speaker 1: Das bedeutet, jedes einzelne Organ ist besonders wertvoll!
- 10:35Speaker 1: Wie sichern Sie diese Qualität auch langfristig
- 10:38Speaker 0: ab?
- 10:38Speaker 0: Also wir machen am Universitätsklinikum noch eine ganze Reihe von Studien mit nientransplantierten Patienten sowohl in der Frühphase nach der Transplantation als auch im Langzeitverlauf und auch da neue Erkenntnisse zu gewinnen wie man die Versorgung der Patienten noch weiter optimieren kann.
- 10:57Speaker 0: Und da gibt es eine ganze Reihe.
- 10:58Speaker 0: Auch in der Grundlagenforschung haben wir natürlich ein sehr großes Standbein, nicht nur was die Erforschungen der Physiologie oder der Pathophysiologie von Niernerkrankungen angeht sondern eben halt auch im Langzeitverlauf was dann eben die Nachsorge der Patienten angeht.
- 11:16Speaker 1: Wie fließen diese Erkenntnisse dann konkret wieder in die Versorgung an?
- 11:20Speaker 0: Da machen wir einiges tatsächlich an Versorgungsforschung halt auch, was dann wiederum dazu führt dass diese Erkenntnisse unmittelbar in die Nachbehandlung einfließen können.
- 11:30Speaker 0: Also zu erwähnen sind dabei insbesondere eben die Innovationsfondsprojekte über den GBA gefördert werden.
- 11:36Speaker 0: das sind ja alles Projekte, die eigentlich ursprünglich aus Krankenkassen finanziert werden und die wieder dem Patienten hinterher zugutekommen sollen indem die Erkenntnisse irgendwann die Chance haben wenn sie zu signifikant positiven Ergebnissen führen, dass wir dann in die Regelversorgung überführt werden können.
- 11:54Speaker 1: Herr Professor Weber solche Entscheidungen
- 11:57Speaker 2: brauchen
- 11:58Speaker 1: klare Strukturen.
- 11:59Speaker 1: Wie stellen Sie sicher das komplexe Fälle richtig bewertet werden?
- 12:03Speaker 4: Also wir besprechen jeden Fall in unserem interdisziplinären Transplantations Board bzw.
- 12:09Speaker 4: der Transplantation Konferenz Die ist immer Mittwochs um um vierzehn Uhr, vierzehntunddreißig mit den Kollegen von der Nephrologie.
- 12:17Speaker 4: Mit den Radiologen und den Urologen.
- 12:21Speaker 4: Und mit mir als Transplantations- und Pankerestransplantationschirurg.
- 12:25Speaker 4: Da wird letztendlich dezidiert jeder Fall besprochen.
- 12:28Speaker 4: Da werden auf Probleme aufmerksam gemacht, dass man die auch dann im Gespräch mit dem Patienten ansprechen kann.
- 12:35Speaker 4: Das heißt wenn der Radiologe irgendwas Besonderes findet oder eine gewisse immunologische Problematik eventuell vorherrschen könnte.
- 12:43Speaker 1: Was bringt dieses strukturierte Vorgehen am Ende für die Patienten?
- 12:47Speaker 4: Dann vermerken wir das schon und haben dann letztendlich, wenn ein Angebot kommt auch in der Nacht die Informationen, ob letztendlichen, dass ein Patient ist, der besonders gutes Angebot braucht.
- 13:00Speaker 4: Das heißt ganz junger Spender kurze Transplantationszeit und kurze Transportwege.
- 13:07Speaker 1: Transplantationmedizin
- 13:09Speaker 4: ist
- 13:09Speaker 1: Teamarbeit.
- 13:11Speaker 1: Sie beginnt lange vor einer Operation und endet nicht mit dem Eingriff.
- 13:15Speaker 1: Was wir in dieser Folge gehört haben, zeigt wie eng Medizin Forschung und Innovation am Deutschen Zentrum Immuntherapie des Uniklinikum sehr lang zusammenarbeiten – mit einem Ziel Patientinnen und Patienten bestmöglich und langfristig zu begleiten!
- 13:32Speaker 1: Vielen Dank fürs Zuhören.