Latest / Raumrauschen / Vorfreude (NOK25 Spezial)
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- Hallo und herzlich willkommen zu Raumrauschen. Wir erzählen uns hier am digitalen Lagerfeuer persönliche Geschichten und blicken hinter die Geschichten der AutorInnen. Schön, dass ihr dabei seid. Ja, schön, dass ihr dabei seid. Heute ein bisschen anders als sonst. Vielleicht werden es die einen oder anderen schon gemerkt haben. Wir sind gerade live. Live, aber nicht im Sinne von live im Internet zu sehen, sondern das ist eine Live-Aufnahme und zwar eine ganz besondere. Wir sind nämlich gerade bei der Nacht der offenen Kirchen hier in Aachen am 10. Oktober und nehmen auf in der Akademie des Bistums Aachen in der Kapelle und neben mir habe ich auch wieder, so wie wir es alle kennen immer, eine Autorin zu Gast, nämlich die Lucia. Hi, grüß dich. Hallo. Und gleichzeitig darf ich auch begrüßen die Band Tonkosmos, die die Stücke, die wir gleich hören werden, live auch mit einspielt. Von daher schön, dass ihr dabei seid und natürlich auch allen Gästen, die sich hier mit uns in der Kapelle geben. Es wird großartig, glaube ich. Und diejenigen, die den Podcast kennen, die wissen, dass ich meistens mit einer einfachen Frage anfange, mit einer Frage, die so ein bisschen in den Einstieg geht. Und ich beziehe das jetzt auch auf die Nacht der offenen Kirchen, denn, liebe Lucia. Du bist ja hier mit unserer Ausstellung, mit allem gut vertraut. Wir haben Raumrauschen ins Analoge gebracht. Und meine erste Frage ist, was ist dir besonders aufgefallen jetzt heute bei dieser Nacht der offenen Kirchen? Also ich habe von der Nacht der offenen Kirche bis jetzt nur diesen Teil mitbekommen. Aber das ist gar nicht schlimm, weil ich finde hier ist durch die Geschichten, die an den Wänden hängen und durch die Zitate, die auf den Postkarten abgedruckt sind, ist so viel Leben und Gemeinschaft hier. Also eine echte Geschichten-Community, was für mich auch Raumrauschen ist und was so ganz einladend ist. Ich bin den schönen Kreidepfeilen, die ihr auf den Weg gezeichnet habt, gefolgt und ja, also ein echtes Geschichten-Zuhause ist das hier geworden und das freut mich total, dass ich heute Teil dessen sein darf, so ganz live und in Farbe und in 3D. Ich freue mich natürlich auch riesig, dass du dabei bist. Von daher den einen oder anderen Schnitzer, den man sonst rausschneiden könnte, den lassen wir jetzt heute einfach mal drin. Wir machen heute keine Schnitzer. Genau, wir machen einfach keine Schnitzer. Was wir aber machen, ist heute wirklich auch als Premiere eine neue Geschichte zu veröffentlichen. Du hast nämlich eine Geschichte mitgebracht. Wie heißt sie denn? Die Geschichte heißt Vorfreude. Dann hören wir einmal rein. Neulich stand die Vorfreude bei mir vor der Tür. Lange hatte ich sie nicht gesehen. Hallo du, grüßte sie mit leiser Stimme. Hey, sagte ich, um Lockerheit bemüht. Lang ist's her. Ja, stimmt, antwortete sie. Verlegen schwiegen wir eine Weile. Darf ich reinkommen? fragte sie vorsichtig. Ich weiß nicht, erwiderte ich zögernd. Irgendwie kommst du gerade etwas überraschend, nach all der Zeit. Verstehe, sagte sie nur. Wir können uns auch hier an der Tür unterhalten, wenn du magst. Okay, willigte ich ein. Ich wollte sie jetzt auch nicht ganz abweisen. Schließlich waren wir mal gute Bekannte gewesen. Ich hab deine Kinder besucht, fing sie an. Ja, ich weiß, sagte ich. Das ist total schön, wie oft du bei ihnen vorbeischaust. Vor Weihnachten und vor den Geburtstagen, vor Übernachtungspartys und vor dem großen Konzert letztens. Und vor den Urlauben. Die freuen sich so sehr. Die Vorfreude lächelte. Wunderbar, oder? Stimmte sie zu. Kinder können das richtig gut, das Vorfreuen. Die sind dann mit dem ganzen Körper so hopseleicht, haben Schmetterlingsflattern im Bauch, können vor lauter Wunschkonfetti im Kopf nicht einschlafen und sind trotzdem am nächsten Tag nicht müde. Total schön. Einvernehmlich lächelten wir vor uns hin, die Vorfreude und ich, beim Gedanken an die vorfreudigen Kinder. »Das habt ihr gut hingekriegt«, sagte die Vorfreude mit warmer Stimme. »Was meinst du?«, fragte ich überrascht. »Na, dass sie sich so wunderschön vorfreuen können. Man sagt zwar, ich sei die schönste Freude, aber wenn danach nichts mehr kommt, dann wird's auch für mich auf Dauer schwierig. Und für das Danach habt ihr ja immer gesorgt«, erklärte sie. Aber ich weiß, dass das nicht immer leicht war, setzte sie hinzu. Ich merkte, wie mein Hals enger wurde, es in den Augen anfing zu brennen. Du meinst die Corona-Zeit, sagte ich bitter. Ja, das war nicht schön. Nicht schön traf es wohl nicht so ganz. Total beschissen wäre eine passendere Beschreibung gewesen. Vieles war zwar inzwischen in meiner Erinnerung zu einem Einheitsbrei verschwommen. Die Zeit mit Lockdowns, Kita-Schließungen, Homeschooling, Verbot von Familientreffen und Kindergeburtstagen. Der verzweifelte Versuch mit Videokonferenzen irgendeinen Ersatz für Ballettstunden und Großelternbesuche zu schaffen. Die ständige Konfrontation mit virtuellen und realen Corona-Leugnern und Impfgegnern und all das. Irgendwie auch schon wieder lang her. Was aber immer noch sehr lebendig war in Erinnerung, war das Gefühl von ständiger Überforderung mit der Gesamtsituation. Daran, wie wir versucht hatten, für unsere Kinder trotz allem irgendeine Form von verlässlicher Normalität zu wahren. Denn natürlich kamen trotz Corona Geburtstage, Ostern und Weihnachten. Und natürlich wurde das gefeiert. Natürlich führten wir alle Familientraditionen zu diesen Anlässen weiter fort. Teilweise dann eben in anderer Form, mit Ersatzlösungen für all das, was nicht ging. Ich erinnerte mich genau, wie viel Kraft diese Ersatzlösungen manchmal gekostet haben. Wie viel Energie es gebraucht hatte, eine schöne Atmosphäre zu schaffen, den Schein zu wahren, dass wir mit dieser Form des Osterfestes oder des Geburtstagsfeierns doch eigentlich sehr zufrieden sein können, auch wenn es sich für uns Erwachsene insgesamt irgendwie alles nur unwirklich anfühlte. Und ja, wir hatten das gut hingekriegt. Unsere Kinder hatten sich weiterhin vorgefreut auf all diese Anlässe. Ihre Vorfreude war so normal und gar nicht wie alles andere in ihrem Leben damals von der Pandemie eingefärbt. Jedes Mal, wenn sie vor Aufregung hüpften, mit heißen Wangen Wunschzettel schrieben und eifrig bei den Festvorbereitungen halfen, hatte ich Tränen in den Augen. Und mir gewünscht, ich könnte mich auch einfach so mitfreuen. »Gut, dass du damals da warst für sie«, sagte ich mit einem Kloß im Hals. »Ja«, antwortete die Vorfreude nur. »Wäre ich für dich auch gern gewesen«, ergänzte sie dann. »Hab auch ab und zu angeklopft.« »Aber du hast nicht aufgemacht.« Kontaktsperre, sagte ich im schlechten Versuch, einen Witz zu machen. Entschuldige, fuhr ich dann ernster fort. Ich hätte dich so gerne reingelassen, aber irgendwie habe ich mich nicht getraut. Wie meinst du das? fragte die Vorfreude verwundert. Na, ich hatte mich ja auf so viele Dinge gefreut. Auf die Zeit des Mutterschutzes mit dem dritten Kind, meinem letzten Baby. Auf die allererste Kindergeburtstagsfeier von der Mittleren, auf die Familienfeste mit drei Kindern, auf die Urlaube, auf Konzerte, auf Treffen mit Freunden, auf so viel. Und dann war das alles einfach weg. Oder anders. Oder eben nur eine mehr schlechte als rechte Ersatzlösung. Und es gab ständig neue Regelungen und Absagen und Verbote. Nichts war mehr verlässlich. Mein Kloß im Hals war nun so dick, dass ich nicht mehr weitersprechen konnte. Und dann hast du dir irgendwann abgewöhnt, dich vorzufreuen, sagte die Vorfreude mit sanfter Stimme. Denn das ständige Enttäuschtwerden tat so weh. Ich nickte nur mit Tränen in den Augen. Kann ich verstehen, sagte sie traurig. Ich habe ja gar nichts gegen dich, versuchte ich zu erklären. Es ist nur so, ich glaube, das war so eine Schutzreaktion meiner Seele, damit ich stark bleiben konnte, für die Kinder und so. Die Vorfreude zog ein Papiertaschentuch aus der Tasche und reichte es mir. Ich nahm es dankbar entgegen und wischte mir die Tränen vom Gesicht. Ist es jetzt besser? Fragte sie nach einer Weile. Sollte es sein, oder? Gab ich zurück. Die Pandemie ist vorbei, alles läuft wieder normal und wir haben es im Vergleich zu anderen ja Gott sei Dank auch gut überstanden. Aber irgendwie... Fragend schaute die Vorfreude mich an. »Irgendwie ist es gar nicht so leicht, wieder mit dem Vorfreuen anzufangen«, gab ich zu. »Denn, wenn wir ehrlich sind, wird ja eh immer alles anders, als man es sich ausgemalt hat.«, Hm, verstehe, sagte die Vorfreude nachdenklich. Ein Gedanke. Lass beim Ausmalen der Zukunft doch etwas Platz frei für das Leben. Das wird ohnehin mitmalen, ob du willst oder nicht. Und dann hast du Spaß beim vorfreudigen Ausmalen und trotzdem noch Raum für all das Überraschende und Gute, was das Leben dir noch dazu schenken will. In verschwörerischem Ton fügt sie hinzu, da oben meint es nämlich, wie jemand wirklich gut mit dir, weißt du, mit euch allen. Jetzt klingst du wie die Leute, die einem an der Haustür was vom Himmelreich erzählen wollen, versuchte ich zu scherzen. Mag sein, erwiderte die Vorfreude grinsend mit einem Schulterzucken, aber stimmen tut's trotzdem. Wir lachten beide, und es fühlte sich ein bisschen an wie Erlösung. Wie wär's, schlug die Vorfreude schließlich vor. Du bittest mich rein, ich koch dir deinen Lieblingstee, und du erzählst mir über eure nächsten Urlaubspläne. Hab gehört, es geht nach Frankreich. Ich lächelte und hielt der Vorfreude die Tür auf. Ja, vielen Dank, liebe Lucia, für diese große Geschichte, für diese lange Geschichte, auch sehr intensive Geschichte, wie ich finde. Die erste Frage, die sich mir aufdrängt, ist aber gar nicht so intensiv. Was ist denn dein Lieblingstee? Mein Lieblingstee? Oh, mein Lieblingstee heißt, oh Gott, jetzt habe ich tatsächlich den Namen vergessen. Es ist eine Abwandlung von einem Earl Grey Tee, den es nur bei Fortnum & Mason in London gibt. In einer wunderbaren lila-türkisen Verpackung. Und immer, wenn irgendjemand nach London fährt, bringt er mir diesen Tee mit. Das ist großartig. Und so hat dir auch jetzt die Vorfreude diesen Tee bereitet. Das ist wahr. Genau. Ja, vielen Dank. Dann weiß ich das jetzt auch mal schon, Bia, dein Lieblings-Thema. Nächstes Mal bringe ich den mit, der Theben. Ich finde, du hast in dieser Geschichte so viele Punkte gesagt, dass ich versuche, sie so für mich zusammenzufassen. Das Erste, was bei mir wirklich ganz oben steht, ist, wie unglaublich viel wir von Kindern lernen können. Ich habe selber zwei Kinder, das weißt du, mit zwei sehr schönen Namen, wie du gesagt hattest. Und ja, die Vorfreude in den Blick zu nehmen und auch sie reinzulassen, da hast du ja in deinem Monolog ganz schön viel Zeit verbracht. Und ja, da wollte ich erst mal fragen, wie es dir so ging, als du diese Erkenntnis hattest, deine Kinder da vor allem im Blick zu haben. Also in dem Augenblick oder in der Situation... Oder ist das immer was, dass die Kinder einfach so ganz intuitiv und ganz natürlich irgendetwas empfinden oder denken oder fühlen, wo ich immer mal wieder feststelle, dass wir als Erwachsene da gar nicht mehr so intuitiv drankommen. Ich glaube, das Thema hatte ich schon öfter bei irgendwelchen Geschichten, dass ich über meine Kinder an solche Sachen drankomme, wo sie sich auf einmal wundern oder wo sie so ganz gläubig sind auf einmal oder sich einfach so mit dem ganzen Körper und ganzer Seele einfach vorfreuen können. Und ich weiß gar nicht, warum das, also ich möchte jetzt nicht von mir auf alle schließen, aber ich habe das Gefühl, dass Kinder das anders machen als Erwachsene das vorfreuen. Dass bei uns Erwachsenen das Vorfreuen ganz oft ein Ausdruck ist von Sehnsucht. Also ich freue mich etwas, was ich jetzt gerade in meinem Alltag als Mangel empfinde. Also zum Beispiel, ich freue mich auf den nächsten Urlaub, weil ich jetzt aber so viel Stress habe und mir ganz wenig Auszeiten gönne. Aber bei Kindern ist die Vorfreude anders. Das ist nicht so ein Ausdruck von Mangel, sondern ein Freuen auf Fülle. Ja, da hast du völlig recht. Ich denke da gerade an so ein Zukunftsbild. Also man kann Zukunft irgendwie als etwas auf ein zukommendes haben oder umgekehrt etwas, wo man hinaus guckt. Und ich glaube, bei der Vorfreude der Kinder ist es ziemlich ähnlich. Also mit anderen Begriffen natürlich zu sagen, die Vorfreude, da komme ich aus dem Mangel, um quasi in ein gewisses erlösendes Moment zu kommen oder in ein gewisses freudiges, erleichterndes Moment zu kommen. Oder aber ich freue mich, weil es einfach da ist, weil einfach etwas Neues, Anderes kommt, ganz egal, wie die Situation vorher war. Ja, und weil vielleicht auch noch so viel Urvertrauen da ist, dass das einfach so ist. Das Leben meint es gut mit mir. Und ich glaube, die Vorfreude ist für mich eine Form dieses Ausdrucks, dieses Urvertrauens, dass das Leben es gut mit mir meint. Und ich das eigentlich schon so ein Stück weit vorwegnehme. Und dann wird es für mich auch, deswegen habe ich die Geschichte auch hier bei Raumrauschen erzählt, das ist für mich auch ein Stück weit eigentlich dieser christliche Gedanke, dieses, wir sind ja eigentlich schon erlöst. Also wir müssen ja nicht aufs Himmelreich warten, bis es jemand gut mit uns meint. Das ist ja eigentlich schon so. Und in so vielen Momenten des Miteinanderseins, dessen, was die Schöpfung uns schenkt oder das, was das Leben uns schenkt, könnten wir das auch schon spüren. Und die Kinder spüren das einfach so mit dem ganzen Körper. Das ist total toll. Da wünscht man sich tatsächlich, dass man das auch verspürt. Lucia, du hast es ja aus deiner Perspektive gesprochen und die Vorfreude in deinem Monolog hat es ja auch bei dir versucht anzuklopfen. Und ein Thema, wo wir nicht drum rumkommen, wir sind nun mal Kinder dieser Zeit, ist auch, Ja, ein tiefer Grund, warum wir uns wahrscheinlich auch gar nicht mehr so häufig freuen können, weil wir ziemlich viel durchgemacht haben, zumindest wenn wir von heute reden, nämlich die Corona-Zeit, die auch nochmal viel in deiner Geschichte mit reingenommen hat. Wenn du jetzt nochmal rückblickst auf die Geschichte, so wie du es jetzt eingeordnet hast, hast du ja ganz ausführlich darüber gesprochen. Wie würdest du das jetzt für dich nochmal zuordnen, einordnen? Also, ich habe an irgendeiner Stelle der Geschichte geschrieben und es fühlte sich an wie Erlösung. Also inzwischen zu merken, es geht wieder mit dem Vorfreuen. Ich glaube, die Corona-Zeit ist jetzt tatsächlich, also zumindest für mich, mein Leben ist natürlich auch sehr voll, aber ist für mich inzwischen schon so weit wieder weg, dass so ein gewisses, also dass die Erinnerung auch an das, an das, was schwer war und was wirklich belastend war, auch so ein Stück weit, ja, vielleicht auch überlagert worden sind von neuen Dingen, aber sich auch einfach gesetzt haben. Aber ich glaube insgesamt, wenn ich so in die Welt gucke, denke ich, Ich kann mir manche Dinge, die im Moment so gesellschaftlich passieren, also dieses Gefühl von wir brechen irgendwie auseinander, wir entfernen uns voneinander und gleichzeitig, dass es so eine große Sehnsucht gibt nach Gemeinschaft und nach Zusammenhalt und nach der eigenen Bubble, in der man sich sicher fühlt. Wovon mir auch nicht jede Bubble gefällt, aber ich glaube, das ist ein Ausdruck von der gleichen Sehnsucht, dass die eigentlich durch diese Corona-Zeit befördert worden ist, dass die daherkommt. Und an der Stelle arbeiten wir, ich glaube, das ist eine Narbe, die wir wahrscheinlich echt alle mit uns rumtragen. Ich will es nicht übertreiben, es ist was anderes als ein Weltkrieg oder eine Kriegserfahrung oder so, Aber es ist trotzdem eine Zeit gewesen von, ich sag mal, mindestens anderthalb Jahren, bis so die ersten Impfungen kamen, die ein völliger Ausnahmezustand waren für uns alle. Auch wenn manche ganz doll dagegen gekämpft haben, dass das ein Ausnahmezustand ist. das nicht wahrhaben wollten. Und ja, ich glaube, ein Stück weit tragen wir diese Verunsicherung oder dieses, also wir sind beide irgendwie ungefähr eine ähnliche Generation. Wir haben immer in Sicherheit gelebt. Es war immer Frieden, es war immer Wohlstand. Es war immer klar, wir haben eine Demokratie. Wir haben sogar den Mauerfall miterlebt und also natürlich auch, also zumindest als Westkinder, irgendwie kann ich das sehr euphorisch sehen. So, und in der Situation, gut, dann kam ja irgendwann auch eine Wirtschaftskrise, aber, die haben auch noch ganz gut überstanden und dann kam Corona und all diese Sicherheit und Normalitäten brachen zusammen und seitdem fällt es mir total schwer, auch immer noch mich vorzufreuen und das ist für mich immer noch eine tägliche Herausforderung, das sehr bewusst zu üben und mich das zu trauen. Das zu tun, mit ganz viel Vertrauen, dass es doch gut werden könnte oder mit ganz viel Vertrauen, dass es vielleicht anders wird, als ich mir das vorstelle. Das hat auch was mit Kontrolle abgeben zu tun. So, aber doch dieses Gefühl, ein Stück weit wieder zuzulassen und ein Stück weiter wieder Kind zu werden. Wollte ich gerade sagen, also wieder bei den Kindern lernen, die das Ganze noch unbedarft sehen und von denen einfach ihre Art und Weise, das auch wahrzunehmen und dann daraus zu lernen. Und sich da anstecken zu lassen. Wir haben jetzt viel über Corona und Pandemie gesprochen. Das ist die gute Art der Ansteckung, die dürfen wir mitnehmen. Danke dir. Ich habe noch zwei kleine Fragen, bevor ich jetzt, und da bitte ich jetzt zumindest die Hörenden hier, die im Raum sind, noch kurz zuzuhören, wo ich den Raum nochmal öffnen werde. Denn bei Raumrauschen beim Podcast versuchen wir es ja auch sozusagen so interaktiv wie möglich mal eine Frage gegenzustellen. Und heute haben wir tatsächlich die Chance, mal eine Frage nochmal an die Autorin zu stellen. Aber bevor ich den Raum öffne, noch eine andere Frage. Denn du hast es als so einen schönen Monolog dargestellt. Die Vorfreude personalisiert, die einfach mal klopft und dir jetzt den Tee gemacht hat. Wen würdest du denn noch anklopfen lassen wollen, wenn du das könntest? Wenn ich das könnte. Also... Ich glaube, vielen, die hier in Aachen wohnen, ist klar, von wem ich mich habe inspirieren lassen, für diese Art, eine Geschichte zu schreiben. Das ist von Annette Janssen, die ja diese Geschichten über Gott schreibt und das Gott anklopft. Und Kaffee trinkt. Und Kaffee trinkt oder manchmal auch Bier. Manchmal auch Bier, genau. Entweder Kaffee aus der Kaffeetasse von der Feuerwehr oder in einer Geschichte trinkt er auch Bier. Super Geschichten kann ich total empfehlen. Die ist eine tolle, tolle Autorin. Ich würde mich das, glaube ich, nicht trauen, so über Gott zu schreiben. Das wäre mal ein Experiment, vielleicht auch ein Glaubensexperiment für mich. Ich habe gedacht, ich fange jetzt mal mit diesem Gefühl an, der Vorfreude. Und ganz ehrlich, als ich das schrieb, hatte ich natürlich ein bisschen auch Annettes Geschichten und Annettes Schreibhaltung im Kopf und dachte, naja, aber so ein Stück weit ist vielleicht Gott oder zumindest die Geistkraft in der Vorfreude auch drin. Weil wenn ich drüber nachdenke, wie viele unserer christlichen Feste so eine Vorfreude-Vorbereitungszeit haben, ich meine, wir gehen jetzt ja demnächst in den Advent über. Dann ist das ja eine Haltung und ein Gefühl, was wir haben. Als Christenmenschen oder christlich geprägte Menschen offensichtlich auch kultivieren sollen in diesem Vertrauen. Da kommt was Gutes und das kommt übrigens jedes Jahr und das feiern wir jedes Jahr, weil es eigentlich immer da ist. Aber so dementsprechend kann ich deine Frage nicht beantworten. Ich weiß es noch nicht, wen ich noch so anklopfen lassen würde, aber es hat total Spaß gemacht, in dieser Art und Weise zu schreiben. Und da lernt man viel über sich selber, weil jetzt auf einmal dieses Gefühl oder diese Person oder diese Kraft oder Energie sich so als ein Gegenüber vorstellt und wirklich damit in Dialog geht. Also das kann ich auch euch allen, die ihr hier seid, nur ans Herz legen. Macht das mal. Das ist wirklich total spannend, was dabei rauskommt. Ich musste tatsächlich auch an die Annette Janssen denken. Also Grüße gehen raus und wir verlinten sie dann auch nochmal in dem Podcast bzw. Ihre Bücher. Dann freut sie sich hoffentlich auch darüber. Eins heißt, wenn Gott zum Kaffee kommt. Ja, jetzt kommen wir zum spannenden Moment. Jetzt haben wir hier bei der Nacht der offenen Kirchen, ja eben sitzen wir nicht nur wir zwei hier in deinem Büro oder in meinem Büro, sondern wir sitzen hier in der Kapelle der Akademie des Bistums Aachen. Und wir haben auch ein paar Zuhörende. Das freut uns natürlich sehr. Jetzt gibt es nochmal Gelegenheit, auch nochmal Fragen zu stellen an die Autorin. Ich habe leider nur ein festes Mikro hier, deswegen würde ich die Frage einfach dann, sobald sie gestellt wird, quasi nochmal ins Mikro sprechen und dann würde die Lucia darauf antworten. Also herzliche Einladung jetzt, nochmal die ein oder andere Frage oder auch ein Statement nochmal zu geben. Es würde uns sehr freuen, wenn wir die Gelegenheit auch nutzen könnten. Also die Frage, die gestellt worden ist, ist einfach die Frage nach der Dauer. Wie lange hat es gedauert, um zu merken, dass die Frau Vodde weg ist und auch diese Geschichte zu schreiben? Super gute Frage. Danke dafür. Es hat tatsächlich eine Zeit lang gedauert. Ich glaube, da war Corona schon fast, ehrlich gesagt, wieder vorbei. Weil in der Zeit selber war ich wahrscheinlich, wie wir alle, mit so viel Alltag einfach beschäftigt, weil der Alltag ja nicht mehr von selber lief, dass mir das gar nicht bewusst war. Da war man einfach immer nur überfordert und müde und gestresst und bemüht. Also das hat sicherlich zwei, drei Jahre gedauert. Also zum Ende der Zeit, wo es eigentlich schon fast wieder alles möglich war. Und ich dann merkte, ja, jetzt kann ich eigentlich alles wieder machen, aber ich traue mich gar nicht, mich darauf zu freuen. So, obwohl eigentlich nicht mehr im Raum stand, dass jetzt noch mal ein Lockdown kommt und ein Konzert abgesagt wird oder so. Als ich das gemerkt habe, hat mich das furchtbar traurig gemacht. Also wirklich, es hat mich tief in der Seele getroffen, das an mir selber festzustellen, dass ich mich nicht mehr vorfreuen kann. Also ich konnte mich noch freuen, aber ich konnte mich nicht mehr vorfreuen. Das ist ein Unterschied. Und dann, bis dann die Geschichte geschrieben wurde, die ist erst diese Woche geschrieben worden, also sie ist wirklich ganz frisch. Ich habe sie allerdings schon mindestens ein halbes Jahr in meinem Herzen und in meinem Kopf mit mir rumgetragen. Also vor einem halben Jahr habe ich gedacht, boah, da konnte ich das das erste Mal in einem Gespräch mit einem Freund in Worte fassen, dass ich das gemerkt habe. Ich kann mich nicht mehr vorfreuen. Und dann die Überlegung, ja, ich finde, das ist eigentlich was wert, erzählt zu werden, weil vielleicht geht es auch anderen Menschen so. Aber ich möchte nicht ein psychologisches Selbstporträt schreiben, sondern eine Geschichte. Bis das dann soweit war, hat es halt auch nochmal ein paar Monate gedauert. Es ist ein Prozess. Es ist auch noch nicht fertig. Ich kann mich noch nicht so froh freuen wie meine Kinder. Vielleicht gelingt das nie, aber ich bin auf einem guten Weg. Danke für die Frage. Ja, ich denke mal, wenn noch Fragen kommen sollten, also ich spreche jetzt wieder fürs Internet. Wenn der Podcast veröffentlicht ist, dann schreibt gerne in die Kommentare, wenn ihr noch etwas dazu stellt. Und ich denke mal, dass die Lucia auch bereit ist, wenn Fragen kommen sollten, darauf Antwort zu geben. Ich antworte auf alles, kein Problem. Und ich würde auch total, mich würde wirklich interessieren, wenn ihr auch so eine, jemand kommt, mal an die Tür klopfen Geschichte schreiben würdet. Wer würde denn da klopfen? Das war eine super Frage. Dann mit Blick auf die Uhr, das wird natürlich unsere Extended-Version sein. Wir haben bisher ja immer Folgen so um die Viertel bis 20 Minuten gehabt. Ende ich jetzt nochmal. Und zwar mit einer Schlussfrage. Du hast ja gesagt, dass am Anfang, dass du eher das hier kennengelernt hast und hast die schönen Leinwände erwähnt, wo einige wenige Geschichten vorgekommen sind. Jetzt hast du aber hoffentlich auch das Bücherregal gesehen. Und in diesem Bücherregal gibt es so ein kleines Mitmachelement, wo jeder und jeder eingeladen ist, nämlich mal zu schreiben. Und eine der Fragen, die da steht, ist, zumindest bis heute, wie würde heute dein Buchtitel heißen, wenn du einen hättest, von deinem Leben, von deiner Geschichte. Oh Gott, von meinem Leben, von meiner Geschichte. Ich würde vielleicht von meinem heutigen Tag oder von meinem heutigen Nachmittag eine Kurzgeschichte schreiben mit dem Titel Als ich einmal auf Herbergssuche war. Vielleicht wird das noch eine Neuraumrauschengeschichte. Wir werden sehen. Das werdet ihr natürlich hören hier bei uns. Und bis dahin bedanke ich mich auch vor allem allen, die heute hier sind in dieser Kapelle, heute bei der Nacht der offenen Kirchen. Und liebe Lucia, ich danke dir nochmal ganz herzlich, dass du dieses Wagnis mit mir eingegangen bist, das mal live zu machen. Das ist auch eine ganz neue Erfahrung für uns beide und ich freue mich natürlich über jede Geschichte, die kommt. Allen euch Zuhörenden im Internet wünsche ich noch alles Gute und bis zum nächsten Mal. Den Blog und die Geschichte findet ihr unter www.raumrauschen.de, folgt uns auf Instagram unter raumrauschen-ac, Raumrauschen ist ein Angebot der Berufungspastoral im Bistum Aachen. Musik, Robert Niegel, Produktion, Social Media und Podcast Agentur Kunden fokussiert.