Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Siebentes Hauptstück - 395-410
Transcript
- 0:00Unterkapitel, 395 Befehlen, lehren Nietzsche spricht über
- 0:06Erziehung und soziale Klassen, er sagt Kinder aus bescheidenen,
- 0:10einfachen Familien müssen erst lernen zu befehlen.
- 0:13Das liegt ihnen nicht im Blut, genauso müssen andere Kinder,
- 0:17vermutlich die aus sehr vornehmen oder verwöhnten
- 0:20Verhältnissen, erst das gehorchen lernen, beides, das
- 0:24Führen und das Folgen, sind Fähigkeiten, die durch Erziehung
- 0:27beigebracht werden müssen. Je nachdem, was dem Kind von
- 0:30seiner Herkunft her fehlt. Unterkapitel 396 Verliebt werden
- 0:38wollen hier geht es um arrangierte Ehen, bei denen die
- 0:43Konvenienz die Partner zusammengebracht hat.
- 0:46Konvenienz bedeutet hier Zweckmäßigkeit,
- 0:48gesellschaftliche Passung oder Vorteil.
- 0:51Nietzsche beobachtet, dass Verlobte in solchen Ehen sich
- 0:54oft bemühen, sich wirklich zu verlieben.
- 0:57Sie wollen nicht, dass ihre Ehe nur wie eine kalte Berechnung
- 0:59aussieht. Sie wollen den Makel der reinen
- 1:02Nützlichkeit loswerden. Er vergleicht das mit Menschen,
- 1:05die aus Vorteil zum Christentum wechseln, konvertieren auch
- 1:09diese Menschen, bemühen sich wirklich, fromm zu werden, damit
- 1:12ihr Religionswechsel nicht nur wie Taktik wirkt und ihnen das
- 1:15religiöse Verhalten leichter fällt.
- 1:19Unterkapitel 397 kein Stillstand in der Liebe.
- 1:26Nietzsche verwendet ein Bild aus der Musik, ein Musiker, der ein
- 1:29langsames Tempo liebt, wird dazu neigen, die Musikstücke immer
- 1:32noch langsamer zu spielen. Genauso ist es in der Liebe, es
- 1:37gibt keinen Stillstand, die Gefühle verändern sich immer,
- 1:40sie werden intensiver oder schwächer, schneller oder
- 1:43langsamer, eine Liebe, die genau auf einem Punkt stehen bleibt,
- 1:47gibt es nicht, Unterkapitel, 398, Schamhaftigkeit.
- 1:55Dieser sehr kurze Satz stellt eine Beobachtung auf.
- 1:58Je schöner eine Frau ist, desto schamhafter ist sie in der
- 2:01Regel. Nietzsche meint damit
- 2:03wahrscheinlich, dass schöne Frauen sich ihres Wertes und der
- 2:06Wirkung auf andere bewusst sind und sich deshalb zurückhaltender
- 2:09oder schützender Verhalten. Schamhaftigkeit um diesen Wert
- 2:13zu bewahren, Unterkapitel 399 Ehe von gutem Bestand.
- 2:22Zum Schluss dieses Abschnitts erklärt Nietzsche, was eine Ehe
- 2:24stabil macht. Er sagt, eine Ehe hält gut, wenn
- 2:28jeder Partner durch den anderen ein persönliches Ziel erreichen
- 2:31will. Er nennt ein Beispiel, die Frau
- 2:34möchte durch ihren Mann berühmt werden, weil er berühmt ist, und
- 2:38der Mann möchte durch seine Frau beliebt werden, weil sie
- 2:40charmant ist und gut mit Menschen kann, wenn beide so
- 2:44einen Nutzen voneinander haben, funktioniert die Ehe dauerhaft
- 2:49Unterkapitel 400. Proteos Natur in diesem
- 2:54Abschnitt beschreibt Nietzsche die Anpassungsfähigkeit der
- 2:57Frauen in Liebesbeziehungen. Er verwendet den Begriff Prothos
- 3:01Natur prothos, ist ein Meeresgott aus der griechischen
- 3:05Mythologie, der seine Gestalt beliebig verändern konnte.
- 3:09Nietzsche sagt hier, dass Frauen aus Liebe ganz zu dem werden,
- 3:12was der Mann sich unter ihnen vorstellt, das bedeutet, sie
- 3:16passen sich vollständig dem Bild an, das der Mann von ihnen im
- 3:19Kopf hat. Und geben ihre eigene Form auf,
- 3:21um diesem Ideal zu entsprechen. Unterkapitel 401 Lieben und
- 3:28besitzen Nietzsche spricht hier über den Konflikt zwischen Liebe
- 3:33und Eitelkeit bei Frauen, er stellt fest, dass Frauen einen
- 3:36bedeutenden Mann meistens so sehr lieben, dass sie ihn ganz
- 3:39für sich allein haben wollen, sie würden ihn am liebsten
- 3:42einschließen, damit ihn niemand sonst sieht, doch diesem Wunsch
- 3:46steht ihrer Eitelkeit entgegen. Die Eitelkeit verlangt nämlich,
- 3:50dass der Mann auch vor anderen Menschen als bedeutend und
- 3:53großartig erscheint. Die Frau möchte also einerseits
- 3:56den Mann allein besitzen, andererseits aber auch der Welt
- 3:59zeigen, welch tollen Mann sie hat.
- 4:02Unterkapitel 402 Probe einer guten Ehe hier gibt Nietzsche
- 4:08eine kurze, aber prägnante Definition, woran man eine gute
- 4:12Ehe erkennt, er sagt, dass eine Ehe sich dadurch bewährt, dass
- 4:16sie auch einmal eine Ausnahme verträgt.
- 4:19Das bedeutet, dass eine Beziehung so stabil sein muss,
- 4:22dass sie nicht zerbricht, wenn einmal etwas Ungewöhnliches
- 4:24passiert oder Regeln kurzzeitig nicht eingehalten werden.
- 4:28Die Festigkeit der Ehe zeigt sich also nicht im starren
- 4:31Regelwerk, sondern im Umgang mit Abweichungen, Unterkapitel, 403
- 4:38Mittel, alle zu allem zu bringen.
- 4:42Nietzsche beschreibt eine Taktik, mit der man Menschen
- 4:44dazu bringen kann, Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht wollen.
- 4:49Man muss die Menschen durch Unruhe, Ängste und eine
- 4:51Überlastung mit Arbeit und Gedanken so sehr erschöpfen und
- 4:55schwach machen, dass sie keinen Widerstand mehr leisten können.
- 4:59Wenn man ihnen dann eine Sache vorschlägt, die kompliziert
- 5:01wirkt, geben sie einfach nach, weil ihnen die Kraft zum
- 5:05Widerspruch fehlt. Nietzsche merkt an, dass sowohl
- 5:08Diplomaten als auch Frauen diese Methode kennen und anwenden, um
- 5:11ihren Willen durchzusetzen. Unterkapitel 404 Ehrbarkeit und
- 5:19Ehrlichkeit in diesem Abschnitt vergleicht Nietzsche junge
- 5:24Mädchen, die auf eine Versorgungsehe aus sind, mit
- 5:27Hetären. Eine Hetäre war im antiken
- 5:30Griechenland eine Gebildete, oft wohlhabende Prostituierte oder
- 5:34Geliebte. Nietzsche behauptet, dass junge
- 5:36Mädchen, die sich nur aufgrund ihrer Jugend und Schönheit einen
- 5:39Mann suchen, um für das ganze Leben versorgt zu sein, im
- 5:43Grunde genau das gleiche wollen wie Hetären.
- 5:46Der Unterschied ist laut Nietzsche nur, dass die jungen
- 5:48Mädchen dabei klüger vorgehen, aber unehrlicher sind, weil sie
- 5:52ihre Absichten hinter dem Schein der Ehrbarkeit verstecken.
- 5:55Dabei werden sie oft von ihren erfahrenen Müttern unterstützt,
- 6:00Unterkapitel 405 Masken Nietzsche spricht über Frauen,
- 6:07die kein wirkliches inneres Wesen haben, sondern nur aus
- 6:10Masken bestehen. Egal wie tief man bei ihnen
- 6:14sucht, man findet keine echte Persönlichkeit, sondern immer
- 6:17nur eine Hülle oder Rolle. Nietzsche sagt, dass ein Mann zu
- 6:21bedauern ist, der sich mit solchen Wesen einlässt, da sie
- 6:24fast wie Gespenster wirken und niemals wirkliche Befriedigung
- 6:27bieten können. Paradoxerweise ist es aber genau
- 6:31diese Lehre und das Geheimnisvolle daran, dass das
- 6:33Verlangen des Mannes am stärksten anregt.
- 6:36Der Mann sucht ständig nach der Seele der Frau und hört nicht
- 6:39auf zu suchen. Auch wenn dort vielleicht gar
- 6:42keine ist. Unterkapitel 406 die Ehe als
- 6:47langes Gespräch hier reduziert Nietzsche die Ehe auf ihren
- 6:51kommunikativen Kern, errät dazu, sich vor dem Eingehen einer Ehe
- 6:56eine entscheidende Frage zu stellen.
- 6:58Glaubst du, dass du dich mit dieser Frau bis ins hohe Alter
- 7:01hinein gut unterhalten kannst? Nietzsche begründet dies damit,
- 7:05dass alles andere in einer Ehe wie körperliche Anziehung oder
- 7:08Leidenschaft vorübergehend ist. Der größte Teil des gemeinsamen
- 7:12Lebens besteht jedoch aus Gesprächen.
- 7:14Daher ist die Fähigkeit zur guten Unterhaltung das
- 7:17wichtigste Fundament für eine dauerhafte Beziehung.
- 7:20Unterkapitel 407 Mädchenträume Nietzsche analysiert die
- 7:27Vorstellung unerfahrener Mädchen von der Ehe, diese schmeicheln
- 7:31sich oft mit dem Gedanken, dass es in ihrer Macht steht, einen
- 7:34Mann allein dadurch glücklich zu machen, dass sie da sind und ihn
- 7:38lieben. Später jedoch lernen sie, dass
- 7:41diese Annahme eigentlich eine Geringschätzung des Mannes
- 7:44bedeutet. Denn wenn ein Mann nur ein
- 7:46Mädchen braucht, um vollkommen glücklich zu sein, wäre er ein
- 7:49sehr genügsamer und anspruchsloser Mensch.
- 7:53Die Eitelkeit der Frauen verlangt aber eigentlich das
- 7:55Gegenteil, sie wollen, dass ihr Mann mehr ist als nur ein
- 7:58glücklicher Ehemann, sondern jemand, der auch andere große
- 8:01Ziele und Ansprüche hat. Unterkapitel 408 Aussterben von
- 8:08Faust und Gretchen. Nietzsche bezieht sich hier auf
- 8:12Johann Wolfgang von Goethes berühmtes Werk Faust.
- 8:16Er zitiert die Beobachtung eines Gelehrten, dass die gebildeten
- 8:19Männer im damaligen Deutschland keine Ähnlichkeit mehr mit der
- 8:21Figur des Faust haben, der tiefgründig und zerrissen ist.
- 8:25Stattdessen sind sie eine Mischung aus Mephistopheles, dem
- 8:29teuflischen Cyniker, und Wagner, dem trockenen, Pedantischen
- 8:32Famulus Assistenten. Da die Männer sich so verändert
- 8:36haben, passen die Frauen vom Typ Gretchen.
- 8:39Das naive, unschuldige Mädchen, das Faust liebt, nicht mehr zu
- 8:42ihnen, weil dieser Typ Frau von den modernen Männern nicht mehr
- 8:46begehrt wird, scheint er laut Nietzsche auszusterben.
- 8:51Unterkapitel 409 Mädchen als Gymnasiasten in diesem kurzen
- 8:58Abschnitt warnt Nietzsche davor, die klassische Gymnasialbildung,
- 9:01wie sie damals für Jungen üblich war, auf Mädchen zu übertragen,
- 9:05ein Gymnasiast ist ein Schüler an einer höheren Schule.
- 9:08Nietzsche befürchtet, dass diese Art der Bildung aus
- 9:10geistreichen, neugierigen und lebendigen jungen Frauen bloße
- 9:14Kopien ihrer Lehrer macht. Er sieht darin einen Verlust der
- 9:18natürlichen weiblichen Eigenschaften zugunsten einer
- 9:20trockenen Schulgelehrsamkeit unter Kapitel 410 ohne
- 9:27nebenbuhlerinnen Nietzsche beschreibt hier die Eifersucht
- 9:31der Frauen auf alles, was nicht sie selbst ist.
- 9:34Frauen merken sehr schnell, ob die Seele eines Mannes bereits
- 9:37von etwas anderem besetzt ist, zum Beispiel von Ehrgeiz,
- 9:40Politik, Wissenschaft oder Kunst.
- 9:43Sie wollen aber ohne Nebenbuhlerinnen geliebt werden,
- 9:47also ohne Konkurrenz. Deshalb nehmen sie es dem Mann
- 9:50oft übel, wenn er sich für diese Dinge leidenschaftlich
- 9:53interessiert. Es gibt jedoch eine Ausnahme,
- 9:56wenn der Mann durch diese Tätigkeiten glänzt und Ruhm
- 9:59erlangt, profitiert auch die Frau davon, weil es ihren
- 10:02eigenen Glanz steigert. In diesem Fall unterstützen sie
- 10:06den Mann, weil es ihrer Eitelkeit dient.