Latest / Rambo Zambo – Der Merz-Podcast / Luisa Neubauer: „Zu hysterisch, zu emotional“
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- Ich bin so, wie ich bin. Das Scholz-Update, der Kanzler-Podcast der Funke Mediengruppe. Herzlich willkommen, mein Name ist Lars Haider. Die Zeiten sind aufregend und weil sie so aufregend sind, freue ich mich, dass jemand hier ist, der in diesen aufregenden Zeiten immer Antworten hat und Ideen hat, was man dagegen tun kann. Sie war schon häufiger in meinem Podcast zu Gast. Wahrscheinlich ist sie der häufigste Podcast-Gast zusammen mit Christian Lindner. Das passt irgendwie nicht. Könnte sein, Luisa Neubauer ist da. Luisa, schön, dass du da bist. Und du bist heute in Hamburg und das müssen wir gleich mal thematisieren, weil es in Hamburg eine große Demonstration gegen rechts gibt. Und da ist schon nach einem unserer letzten Podcasts haben mich Leute gefragt, Moment, das ist doch die Klimaaktivistin, Luisa Neubauer. Und jetzt auf einmal Demokratie? Hä? Was hat das eine mit dem, natürlich, du wirst es leicht erklären können, aber beantworte doch diese Frage vielleicht mal von so Leuten, die sagen, die soll sich ums Klima kümmern und nicht jetzt anfangen sozusagen das zu skalieren. Ui, also das höre ich sehr, sehr selten, glücklicherweise, weil ich glaube, viele Menschen verstehen, was gerade Phase ist. Ich gehe auf die Straße, weil ich Mensch bin, weil ich Demokratin bin, weil ich ein Interesse daran habe, dass wir in stabilen demokratischen Verhältnissen leben. Und Gott sei Dank geht es ganz, ganz vielen Menschen da draußen auch so, die auch im Alltag Eltern und Kinder sind und Großeltern und Köchen und Ärztinnen und Auszubildende oder sonst was. Aber in diesem Augenblick sind wir eine demokratische Zivilgesellschaft, die einen Job hat, Haltung zu zeigen. Und der Augenblick war der Mittwoch und der Freitag? Naja, ich würde sagen, die letzten Wochen, da hat sich das natürlich ja schon angebahnt. Ich finde, man kann durchaus nochmal benennen, dass das, was wir gerade erleben, also diese unglaublichen Grenzüberschreitungen seitens der Union und ihren Verbündeten, das Entgegenkommen, also Richtung AfD, Richtung Rechtsradikale, das entzündet sich gerade alles um Asylfragen oder um Migrationsfragen. Das könnten aber genauso gut Fragen sein von. Von internationalen Klimazielen, von Frauenrechten, von Rechten von Schwangeren, von chronisch Erkrankten, von Menschen mit Behinderung, von Menschen, die alt sind oder die nicht mehr arbeiten können oder was auch immer. Das ist eher eine Schablone für ein ganz, ganz, ganz schwieriges Muster. Und das heißt natürlich gehe ich auch auf die Straße als Klimaaktivistin, die versteht, gerechten und demokratischen Klimaschutz gibt es nur in gesichert demokratischen Verhältnissen. Und es ist kein Zufall, dass diese ganze Achse, Alice Weidel, Elon Musk, Donald Trump, dass die alle auf den Weltbühnen stehen und gegen Windräder hetzen. Weil für sie ist das ja alles eins. Für sie bin ich als Klimaaktivistin ein Feindbild, genauso wie ich als Demokratin ein Feindbild bin, genauso wie ich als junge Frau ein Feindbild bin. Und deshalb sehe ich auch oder macht es mich auch so froh, auf der Straße zu sehen, dass sich diese breiten Bündnisse zusammentun. Von allem, von Klimabewegungen und Kirchen und Gewerkschaften und ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen und sonst was und Sportclubs und so. Die sagen, nee, nee, nee, nee, da machen wir nicht mit. Hattest du schon mal Kontakt mit Friedrich Merz? Ja, wahrscheinlich. Ich habe mit ihm eine ganze Talk-Sugar verbracht. Wir saßen mal zusammen bei Markus Lanz, das war total lustig für mich. Und hinterher auch mal, also so unter vier Augen? Ja, da haben wir auch danach. Bei Markus Lanz im Backstage gibt es glaube ich immer Sushi. Da haben wir danach auch so eine kleine Marki-Sache gemacht. Und wie überrascht warst du jetzt, dass er das getan hat, was er getan hat? Ich frage mich und ich komme ja gerade von einem Podcast mit Olaf Scholz und da haben wir es auch thematisiert. Ich frage mich, warum er es getan hat. Weil eigentlich hätte ja Friedrich Merz nur abwarten müssen, die Tage runterziehen, bis er Bundestagswahl und er wäre relativ sicher Bundeskanzler geworden. Völlig bescheuert dieses Manöver natürlich. Hast du eine Erklärung, warum? Das ist so, der Vergleich, Fußball, 75 Minuten, du führst 3-0 und du nimmst nicht die Stürmer raus, sondern du nimmst die Verteidiger raus und bringst noch drei Stürmer und riskierst alles und man fragt sich... Warum? Ja, ich verstehe das. Jetzt möchte man so rumrätseln, was reitet dieser Mann? Ehrlicherweise, das ist ein studierter Mensch, bei dem ich überzeugt bin, dass er im Kern auch irgendwo eine demokratische Überzeugung hat. Aber ich weigere mich jetzt so einem erwachsenen Mann, der gerade im Wahlkampf antritt, um Verantwortung für das gesamte Land zu übernehmen. Ich weigere mich ehrlicherweise ihm sozusagen in irgendeiner Form um da so eine parapsychologische Ausrede reinzubauen, von wegen er hat einen schlechten Tag und er versteht es eigentlich nicht. Nee, ich glaube, das ist nicht zu viel verlangt, von einem erwachsenen Menschen, der Kanzler in diesem Land werden möchte, zu erwarten, dass er versteht, eine Abstimmung mit der AfD ist eine Abstimmung mit der AfD. Und es gibt keinen Kontext, in dem das irgendwie in unserer demokratischen Verfassung seit 80 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg okay ist. Und jetzt können wir alle die Grußen, ja, wahrscheinlich hat er auch vielleicht schlecht geschlafen und überhaupt sein Weihnachtsfest war nicht schön. Aber ich glaube, das tut nichts zur Sache. Wenn er antritt für diesen Job, dann müssen wir uns ja auch darauf verlassen können, dass er völlig unabhängig von irgendwelchen persönlichen Sachen oder irgendwelchen Parteifragen oder Kalkülfragen oder Strategiefragen oder irgendwelchen schlechten Beratern völlig unabhängig davon stabil dort steht auf der richtigen Seite der Brandmauer. Und dass er das nicht tut, das macht mich auch so fassungslos. Ich erwarte von Friedrich Merz gar keine Politik, die mir persönlich gefällt. Um Gottes Willen, das ist ja auch Demokratie. Gott sei Dank müssten wir nicht miteinander einverstanden sein. Aber es muss doch möglich sein, von ihm zu erwarten, da irgendwie eine Haltung an den Tag zu legen. Hast du gestern, hast du am Freitag Teile zumindest verfolgt, der Bundestagsdebatte? Ja, ich saß da wie wir alle vor Phoenix und dachte um Gottes Willen. Und meine Kinder kamen dazu, 9 und 13 und sagten irgendwie, Papa, warum schreien die sich so an? Warum gehen die so miteinander um? Und ich habe gedacht, erstens stimmt und zweitens, was bedeutet das denn künftig? Weil man hat das Gefühl, Katharina Fegebank war neulich in diesem Podcast, nach dem Mittwoch hat der gesagt, das Thema Schwarz-Grün hat sich erstmal für längere Zeit erledigt. Aber auch Olaf Scholz hat eben gesagt, es wird ganz schwer, da wieder einen Gesprächspfaden aufzunehmen. Und das sind die österreichischen Verhältnisse und das ist doch das eigentliche Drama. Und es macht mich auch wahnsinnig, vor einigen Tagen haben wir vor dem Konrad-Adenauer-Haus, also vor der CDU-Zentrale in Berlin protestiert. Und da machte die CDU durch ihr Presseorgan die Bild so eine Geschichte auf. Es sei jetzt eigentlich so ein bisschen so die Linken seien jetzt auf der Straße und hätten jetzt ein Problem mit der CDU, ja, Surprise. Und mich macht das so wahnsinnig und mich enttäuscht das auch intellektuell, wenn die daraus so ein Rechts-gegen-Links-Problem machen. Was es überhaupt nicht ist, sondern es geht um ganz grundsätzliche Fragen in unserer Demokratie, in einer Zeit, in der wir Koalitionen brauchen, stabile Koalitionen, die miteinander arbeiten und reden können, die sich aufeinander verlassen können und was die, CDU da gerade dann oder die Union, vor allem natürlich Friedrich Merz da gerade an Kollateralschäden produziert, weit jenseits von einer Bundestagsdebatte. Es ist richtig, es macht einen wütend, aber ehrlicherweise macht es mich auch richtig traurig, weil genau diese Fragen ja im Raum stehen. Dann gucken sich die Kinder, diese Erwachsenen, Menschen an, die sich benehmen wie in so einem, weiß ich nicht, in so einem schlechten Theaterstück, und was sendet man für Zeichen? Ja, was sendet man für Zeichen? Ich musste aber auch dran denken, als jetzt die ersten Demos in Hamburg losgingen und tatsächlich an mir so eine Gruppe Menschen vorbeizog und dann schrie ganz Hamburg hasst die CDU. Ist das nicht auch einer, man kennt diesen Spruch so ganz Hamburg hasst die AfD. Was ja auch umstritten ist, weil viele ja sagen, also meine Großmutter sagt dann immer, Luisa mit dem Hass, das ist aber nicht gut. Randnotiz, ich finde von Menschen, die von der AfD in ihrer Existenz irgendwie bedroht werden rhetorisch, finde ich, ist es sehr viel verlangt, sie dann nicht hassen zu sollen. Aber ja, ich meine, was jetzt gerade passiert ist, dass die CDU, dafür sorgt, dass sehr, sehr viele, gerade junge Menschen ihre sozusagen Politisierungserfahrung machen in einem Augenblick, in dem man sich auf die Union nicht verlassen kann, in Sachen demokratische Grundhaltung. Das ist schon ein Problem für unsere Demokratie, aber natürlich auch für die Union. Lass uns trotzdem noch mal bei der Frage bleiben, weil die mich so beschäftigt. Was hat ihn angetrieben, Friedrich Merz? Ja, jetzt Männer über Männer reden. Deshalb frage ich dich ja. Ja, mir ist es ehrlicherweise also. Also, ich glaube, es ist mir egal, ich weiß es nicht, aber ich denke so, es tut für mich eigentlich nichts zur Sache, was genau ihn getrieben hat mit diesem Ergebnis. Ich glaube, hätte der eine schlechte Wahlkampagne gemacht und irgendwelche peinlichen Plakate mit irgendwelchen Rechtschreibfehlern drauf, da hätte man sagen können, uh, was ist denn da schief gelaufen? Jetzt glaube ich, würde ich nicht fragen, oh was ist da schief gelaufen, sondern was heißt das jetzt für uns und was muss jetzt eigentlich gerade passieren, um unsere Demokratie zu schützen. Und das Interessante ist, ich glaube, ich will jetzt gar nicht so eine Sexismusdebatte aufmachen, aber ich glaube, wäre Friedrich Merz eine Frau, würde man jetzt sagen, ja zu hysterisch, zu emotional, zu unzuverlässig für so ein Abend, Rücktritt sofort. Völlig, also völlig, was ist Hexe, würde die sonst was. Und wo ist ein Mann, da setzen wir uns so hin und sagen, ah ja, hatte der vielleicht da eine Strategie, die klüger war als wir alle? Nee, ich würde sagen, all das, was du eben gesagt hast, das wird dir jetzt auch über Friedrich Merz gesagt. Bei der SPD gibt es ja auch sowas wie eine Schadenfreude, weil die SPD ja immer gesagt hat, naja, dieser Mensch, der so impulsiv ist, der die Sachen nicht vom Ende her denkt, der kann nicht, darf nicht Kanzler werden. Das heißt, alles, was du eben erzählt hast, wird doch jetzt auch über Friedrich Merz erzählt. Ja, aber trotzdem sitzt man in aller Ernsthaftigkeit in tausenden Runden wie genau dieser und denkt, Friedrich Merz, das war da wohl die Strategie. Und ich würde sagen, wir können das mal testieren, das war scheiße. Da hat er richtig scheiße gebaut. Und das Problem ist da ja gar nicht nur, dass Friedrich Merz sich gerade so ein bisschen disqualifiziert hat für viele in dieser Rolle, in der er ist, sondern dass er so viele nach sich zieht. Dass er ja seine ganze Partei, aber auch so viele Menschen rund um die Partei, in so eine absurde Situation reinbringt, dass sie sich so, dass sie in so einen Positionierungszwang Und Gott sei Dank gibt es Menschen wie Angela Merkel, wie Michelle Friedmann und viele weitere, die jetzt gerade irgendwie verstanden haben, ui, ich glaube, ich kann hier gut was sagen und das ja auch machen. Und er reißt so viele rein in diese Zündeleien, in dieses Feuerspielchen und das ist, also es macht mich ratlos, auch weil wir ja wissen, stabile Demokratien brauchen stabile konservative Parteien. Und wenn jetzt alle Guten aus der Union austreten oder was ja alle Guten, aber die irgendwie die demokratisch, wehrhafte, stabile Brandmauer for Future Front wenn die jetzt in der Union sagt, wir gehen was ich total gut und richtig finde wenn man da eine Konsequenz sieht, muss man sich aber auch along the way fragen okay und was heißt das für die Zukunft der. Christdemokratie in Deutschland Wo ich gezuckt habe, was diese Debattenkultur anbelangt, war oft gezuckt, aber ein Moment, wo er dann sprach, dass es täglich Massenvergewaltigung in Deutschland gibt von Asylbewerbern, dann anscheinend mit deutschen Frauen. Und niemand hinterher sagte, Moment, stimmt das eigentlich? Ja, woher kommt denn das? Woher kommt denn das so? Dass also auch jetzt jemand wie Friedrich Merz, ein deutscher Spitzenpolitiker, der vielleicht der nächste Bundeskanzler ist, sich eines Prinzips bedient, das wir vor allen Dingen von Donald Trump kennen. Genau. Das ist natürlich das Problem, wenn du dich politisch so verrannt hast, dann musst du ja die Realität umbauen, um deine eigene verquere Politik rechtfertigen zu können. Das heißt, dann darf es ganz viel, was es gibt, nicht geben. Zum Beispiel eine Sicherheitssituation in Deutschland, die viel komplexer ist als eine Außengrenze, bei der es ja auch ganz wiederum geht, wie schützen wir Menschen durch unsere Sprache, durch die Polemik, durch Vorurteile. Das kann es ja alles nicht geben. Es darf dann nur eindimensionale Sicherheitsfragen geben und genauso darf es eben auch keine Nuancen geben in der Art und Weise, wodurch eigentlich in Deutschland jetzt zum Beispiel in Frauen gefährdet werden. Also um Gottes Willen schützt die Frauen, aber dann musst du den Mut haben, einmal hinzugucken, was eigentlich da die Gefahr ist. Aber das geht nicht und das heißt, Friedrich Merz wird gerade praktisch zum, Verfolgten seiner eigenen Politik und natürlich auch der AfD. Die er sich jetzt ja so ausgeliefert hat. Das ist eins zu eins natürlich der rechtspopulistische Dreh, den wir in den USA sehen. Es ist aber auch sehr schwer, dass wieder einzufangen. Also es müsste ja eigentlich müsste man sich dann irgendwann hinstellen und sagen, sorry Leute, ich habe mich hier verrannt. Weiß ich nicht, ob man das jetzt von Friedrich Merz erwarten kann. Und was dann ja kommt, dass Dinge passieren können, Olaf Scholz hat das angesprochen, du hast es eben auch angesprochen, dass Dinge passieren können, wo man am Ende sagt, eigentlich wollten wir die gar nicht, aber sie passieren dann. Genau. Wie es in Österreich passiert ist. Wirklich, also Olaf Scholz sagt ja jetzt, er kann sich vorstellen, dass Friedrich Merz sich mit den Stimmen der AfD zum Bundeskanzler Und da finde ich, ist das nicht einer zu viel gerade? Von wem jetzt? Von Scholz? Von Scholz. Naja, ich glaube, was jetzt passieren müsste, ist, dass man ganz realistisch mal zwei Schritte vorausdenkt und sagt, okay, was passiert heute? Was könnte in Zukunft passieren und wie ermöglichen wir diesen. Oder wie erweitern wir den Möglichkeitsraum für die Zukunft? Das ist ja das Konzept Hoffnung. Da habe ich ein Buch drüber geschrieben. Kommen wir gleich zu. Die Idee ist ja nicht, was heißt Mut, was heißt Hoffnung, anzuerkennen. Es wird nicht alles garantiert besser, aber wir können die Möglichkeitsfenster aufreißen, dass es vielleicht besser werden könnte. So, was heißt das konkret? Friedrich Merz möchte jetzt zur Tagesordnung zurückkehren, damit es leichter wird, sich als Gewinner der Bundestagswahl feiern zu lassen und dann jeweiligen Koalitionspartner unter maximalen Druck zu setzen. Deswegen, das bin ich auch heute bei dieser Demo in Hamburg, deswegen würde ich vorschlagen, das auf gar keinen Fall zu machen, sondern diesen Skandal als das beizubehalten, was ist nämlich eine ganz grundsätzliche Frage von unserer Demokratie und unserem Miteinander. Und das muss Friedrich Merz den Wahlkampf über begleiten. Und ihm diesen Gefallen zu tun, zu sagen, sorry, da hast du dich vielleicht, ja, das war jetzt irgendwie ein bisschen komisch, egal, wir machen weiter, als wäre nichts gewesen. Das darf, glaube ich, nicht passieren, um die Möglichkeiten oder um es möglicher und wahrscheinlicher zu machen, dass man eine Koalitionsverhandlung führt, bei dem es irgendeine Art von Augenhöhe geben kann. Das nächste, worüber man sich Gedanken machen muss, ist, gut, was sind denn eigentlich die Möglichkeiten so einer Koalition? Unter welchen Bedingungen kann das stattfinden? Wenn jetzt alle die Mitarbeit mit allen ausschließen, wo landen wir dann? Dann müsste man sich dann idealerweise mal zusammensetzen, auch mit der Union und sagen, was ist hier das Konzept? Wozu bekennt ihr euch? Die Worte von Friedrich Merz wiegen gerade nicht mehr so schwer und da weiß man sich nicht. Aber es gibt hier noch andere in der Union, die vielleicht da verlässlicher sind. Ich finde deswegen ist es von Olaf Scholz nicht einer zu viel, sondern ich glaube es reicht nicht das irgendwie als Drohung in den Raum zu werfen, sondern man muss das als potenzielles Szenario ernst nehmen und dann aber konkret überlegen, okay was machen wir dagegen. Vor allen Dingen, weil ja auch Friedrich Merz weiß, egal was er macht, am Ende werden die Grünen oder die SPD, sie werden mit ihm zusammen gehen müssen, wenn sie eben nicht selber ihn in eine Situation bringen, dass er mit der AfD koaliert. Also letztlich ist sozusagen die AfD für ihn ein schönes Faustpfand. Ja, also das ist mir jetzt glaube ich zu... Auch einer zu viel. Ja, ich würde, also die Wahlen sind ja nicht in Stein gemeißelt. Also die Wahlen kommen, aber das Ergebnis ist nicht in Stein gemeißelt. Und wer am Ende wie dasteht, das ist ziemlich offen. Und deswegen ist es so wichtig, glaube ich, in diesem Augenblick. Sich nicht so der Zukunft auszuliefern, von der wir gar nicht wissen, ob sie so eintreten wird, sondern vielmehr darauf zu gucken, was kann jetzt eigentlich noch getan werden. Also zum Beispiel ein Stichwort Skandalisierung, weiter auf der Straße bleiben, aber auch das Gespräch suchen mit ganz vielen Menschen, die gerade wirklich verwirrt sind, was da eigentlich vorgefallen ist und was jetzt eigentlich die richtige Geschichte ist und die Version und das Gespräch zu suchen mit Menschen, die sich vielleicht auch gerade überlegen, wen wähle ich eigentlich. Und ich würde, es schmerzt mein Herz zu sagen, ich würde Menschen in dieser Wahl nicht dazu raten, die Union zu wählen, sondern sich wirklich im progressiven Spektrum zu orientieren, weil das am besten noch die Chancen steigert, dass man am Ende... In irgendeine Art von Gespräch gehen kann, was nicht nur eine Friedrich-März-Agenda ist. Das könnte ja etwas sein, wo das Ganze was Gutes hätte. Man weiß jetzt genau, wer für was steht und man sieht auch genau, was passiert, wenn ich A oder B wähle. Ja, das sagt Friedrich-März ja auch, aber da wäre ich vorsichtig. Friedrich-März möchte jetzt ja sagen, ich bereue überhaupt nichts, die Leute wissen jetzt, wo ich stehe. Ich würde es wieder genauso machen, genau. Genau, und ich würde sagen. Dass also die Audacity, dass er sich da nicht in Grund und Boden schämt, sondern sich ganz hinstellt, ein bisschen so im Sinne von, war doch lustig, hatten wir nicht alle eine gute Zeit, hat man aber mal richtig was los. So ist das, das ist der Vibe, den ich da bekomme und ich denke wirklich, echt, ich hoffe, dass der irgendeine Großmutter oder wahrscheinlich Mutter hat, die ihn da richtig ins Gewissen redet. Der Vater ist ja gerade 100 geworden, glaube ich, also den gibt es noch. Aber das kann doch nicht die Haltung sein, es hat doch was Gutes, jetzt wissen wir alle, wo wir stehen. Nein, die AfD hat gejohlt im Bundestag. Da ist, finde ich, bis man dazu kommt von wegen, ah, das war was Gutes, ist schon ein sehr, sehr weiter Weg. Erstmal ist es eine komplette Katastrophe gewesen in der demokratischen Geschichte der Bundesrepublik. Und wenn sich schon Friedrich Merz nicht schämt, dann sollten wir zumindest ihm nicht den Gefallen tun, da jetzt irgendwie so einen positiven Spin draus zu nehmen. Du hast gerade gesagt, du hast ein Buch geschrieben, Was wäre, wenn wir mutig sind? Und da wird auch verknüpft diese Frage, was hat eigentlich der Kampf gegen den Klimawandel, gegen die Klimakatastrophe zu tun oder gegen die Folgen, muss man ehrlich sagen, zu tun mit der Demokratie? Und das ist eigentlich relativ einfach zu sagen, denn diese Parteien, die AfD sowieso, aber auch die CDU, das sind Parteien, die ja bestimmte Dinge zurückdrehen wollen. Stichwort Verbrennermotor, Klimawandel ist gar nicht menschengemacht und so. Das ist der Zusammenhang, der direkte? Also der Zusammenhang geht glaube ich auch noch weiter. Also vielleicht muss man einmal einordnen. Ich habe dieses Buch geschrieben letztes Jahr, unter anderem als ich in den USA war. Und das habe ich diesen Wahlkampf rund um Donald Trump verfolgt. Das heißt, es war jetzt nicht die leichteste Zeit, über Mut zu schreiben und über Hoffnung zu schreiben. Und jetzt muss man sagen, liest es sich natürlich nochmal ganz absurd aktuell. Und ich bin sehr, sehr froh, dass dieses Mutbuch rauskommt in einer Zeit, in der glaube ich viele Menschen Mut suchen. Und was ich in diesem Buch so wichtig fand, ist diese Verzweiflung aufzugreifen. Also ich habe da vorher meine Großmutter im Kopf gehabt, die zunehmend gar nicht nur verzweifelt ist vom Zustand der Welt, sondern verzweifelt ist von dem, was dann die Menschen daraus machen. Also diese Gleichgültigkeit, diese Passivität, das erschüttert sie so sehr. Und ich habe in diesem Buch einmal umgedreht und gesagt, okay, wie ist denn aber eigentlich die Klimakatastrophe so weit gekommen? Es gab ja keinen Augenblick, da hat man sich demokratisch zusammengesetzt und gesagt, super, wir wollen mehr Planeten kaputt machen. Das ist ja total undemokratisch, Klimazerstörung und Klimakrise an sich. Wie könnte das so weit kommen? Und das sozusagen fallte ich in diesem Buch aus. Unter anderem sehen wir, dass einfach die Geschichte unserer deutschen Demokratie eine Geschichte ist, die immer koexistiert hat mit der Geschichte von fossiler Zerstörung, von Kohle, Öl und Gas. Also im 20. Jahrhundert war man sich im Parteienspektrum mit Ausnahmeteilen der Grünen eigentlich einig, mehr Kodeln und Gras ist besser für das Land, ist besser für den Vortritt, ist besser für unsere Freiheit. Das war das Credo. Das heißt, da konnte überhaupt gar kein, da ist offensichtlich kein ökologischer Diskurs erwachsen, der parteiübergreifend irgendwie in die Zukunft weist. Deswegen ist es auch gerade so knorpelig, was wir jetzt vorhaben. Es gibt aber noch eine andere Dimension, die ich mir da angucke, nämlich dass in gewisser Weise das Kaputtmachen von unseren Lebensgrundlagen und die Zerstörung der Natur auch für uns immer gehandelt werden als Sinnbild von Fortschritt, Freiheit, Wohlstand. Also unser Fortschrittsverständnis, das ist ja immer das Auto, was immer schneller fährt, was immer lauter ist, immer mehr Straßen, die gebaut werden, immer länger, immer weiter, runter nach Italien, das war das große Versprechen damals. Wirtschaftswunder, alles, was damit zusammenhängt. Und mein Plädoyer in diesem Buch ist eben, sich das anzugucken mutig, was da eigentlich los war. Und dann aber auch vielleicht einen Schritt weiter zu gehen und zu sagen, Moment, wenn die Natur oder der Ursprung der Klimakrise eigentlich sich mehr um Wohlstand und Freiheit dreht, als um die Emission alleine, dann müssen wir vielleicht auch mal für uns überprüfen, okay, wie sähe dann eigentlich fossilfreie Freiheit und Wohlstand und ein richtig gutes Leben aus. Und in dem Sinne ist es auch ein bisschen so ein Antibuch gegen so das klassische Klimasachbuch. Ich glaube, wir müssen viel ästhetischer und poetischer und schöner und irgendwie träumerischer und zukunftsgewandter auch über das Klima sprechen, damit wir am Ende uns nicht alle langweilen, immer im Kreis drin und nicht wundern, dass wir nicht vorankommen. Wobei man könnte das ja auch einfach fortspinnen und sagen, es kann ja vielleicht auch eine Idee da drin stecken, wenn man das mit den erneuerbaren Energien zum Beispiel maximal ausbaut, dass das ja auch wieder zu einem unglaublichen wirtschaftlichen Aufschwung führen kann. Wir haben ganz viele von diesen Herangehensweisen schon. Also da hat ja Christian Lindner wirklich mal, das sag ich hier, da hat er recht gehabt mit den Freiheitsenergien. Erneuerbare Energien, das ist ja so utopisch, dass man sagt, wir machen uns nicht in unserer Energiesicherheit von, weiß ich nicht. Dem Bauchgefühl von so einem fossilen Autokraten nebenan abhängig. Wie toll. Aber auch diese Idee zu überlegen, was eigentlich... Unsere Träume, die wir wirklich träumen und was sind Träume, die uns sozusagen das Marketing von irgendwelchen fossilen Konzernen eingepflanzt hat. Also ich beschreibe da diesen Moment, als ich mich mit gerade 18 um mein Leben mit meinen Eltern gestritten habe, weil ich unbedingt so einen Roadtrip machen wollte. Und in so einem kleinen, wirklich wackeligen Auto, mir wird schlecht beim Autofahren, so durch Spanien zu Gurken damals, das war mein totaler Traum. Meine Eltern meinten, mach doch Interrail oder sowas, was soll das? Und Jahre später ist mir aufgefallen, natürlich wollte ich so einen Roadtrip machen, weil jeder von diesen Dusseligen so, wie nennen das, Chickflicks, so diese Hollywood-Teenie-Filme, die so voll die schönen, tollen, freien Frauen zeigen. Das sind alles Filme, wo die irgendwann dann so einen wilden Roadtrip machen und so die Hand aus dem Fenster, halten und das war natürlich dann auch irgendwie mein Traum und ich glaube diese ganz ehrliche Auseinandersetzung mit irgendwie mit unserem Planet, mit unseren Lebensgrundlagen, aber auch mit unserem Inneren hat auch die öffnet uns auch die Möglichkeit zu überprüfen, was träumen wir eigentlich wirklich und was will irgendwer dass wir träumen, das finde ich ziemlich cool. Ich muss gerade dran denken, ich habe mit einem Hotelbesitzer gesprochen und da ging es um die Frage Investitionen Und dann sagt er, ich habe jetzt erstmal investiert in eine Anlage, letztendlich mit so einer Art Wärme, Energie, Bio, Gas, was auch immer. Und dann sage ich, das war sehr viel Geld. Und eigentlich hätte ich das Geld auch für was anderes nehmen können. Und dann habe ich gesagt, warum haben Sie es denn gemacht? Das passt dazu. Und dann sagt er, weil ich will frei sein von zum Beispiel russischer Energie. Und ich will frei sein. Und dann merkt man erst natürlich, was das auch für eine, im wahrsten Sinne von das befreiende Geschichte sein kann, wenn man sich darum kümmert. Geht auch mit der Liebe so. Also die meisten Eltern, also eigentlich alle Eltern, die ich kenne, sagen, ich liebe meine Kinder, ich möchte alles für sie machen. Und was heißt das in dieser heutigen Zeit, wenn man seine Kinder liebt? Was möchte man denen vielleicht auch für den Planeten hinterlassen? Und ich erlebe jetzt so viele Menschen, gerade aus dem Mittelstand, mittelständische Konzerne oder mittelständische Betriebe, die sagen, ja klar, wollen wir jetzt irgendwie erneuerbar werden, weil wir wollen doch unseren Betrieb unseren Kindern übergeben und die sollen doch dann nicht vor was stehen, was völlig aus der Zeit gefallen ist. Wie können wir eigentlich anders unsere Mitmenschen, unsere Familien, Unsere Kinder, Enkelkinder lieben, wenn wir die Welt angucken oder uns selbst angucken und dann vielleicht ein bisschen Mut zusammensammeln. Umso erstaunlich ist das Thema in diesem Wahlkampf, ich will nicht sagen, keine Rolle spielt, aber Nebenrolle ist schon geprahlt. Ja, also Klima stimmt nicht ganz, weil es gibt ja eine Fraktion, die redet den ganzen Tag über das Klima und das sind die Rechtsradikalen. Haben wir in den USA gesehen, haben wir in Österreich gesehen, haben wir in Deutschland jetzt gesehen. Alice Weidel steht auf diesen großen Bühnen, könnte wirklich über alles reden und nörgelt über Windräder. Und das ist ja kein Zufall, weil das für sie ein solches Feindbild ist. Ein gerechter und bezahlbarer Klimaschutz ist ja alles, was Faschisten hassen. Heißt ja, wir halten uns an globale Vereinbarung, wir nehmen alle Menschen ernst, wir schützen die Menschenrechte und die Menschenwürde und wir machen was, was irgendwie zukunftsgewandt ist und transnational und so. Richtiges Fortschritt, so ein Unabhängigkeitszeichen. Und deswegen ist es auch so wichtig. Sozusagen den Klimaschutz und die Debatte drumherum auch zu verstehen als etwas, womit Rechtsradikale nichts anfangen können. Also ich denke viel an diese Europawahl 2019. Historisch niedrige Werte für die AfD, weil alle über das Klima geredet haben, in einer fundierten Art und Weise. Und sie konnten nicht mitreden. Sie waren einfach in dieser Debatte, hatten sie keinen Platz. Und das, glaube ich, wäre auch ein großes Ziel für die letzten Wochen bis zur Bundestagswahl, nochmal den Raum einzunehmen und Themen zu setzen, für die man einsteht. Für die wir, würde ich sagen, brennen und die Debatten zu führen, die echt sind und die wahrhaftig sind, wo Faschisten und Rechtsradikale in den wenigsten Fällen wirklich einen Platz haben, weil sie gar nicht die grundsätzliche Mathematik dieser Sachen anerkennen. Ich glaube, das war ja auch die Idee von den anderen Parteien, dass sie eigentlich versuchen wollten, die Migrationsfrage aus dem Wahlkampf rauszuhalten, weil sie gesagt haben, okay, das ist natürlich genau die Frage, die die AfD diskutieren will. Saskia Esken hat neulich in diesem Podcast gesagt und dafür viel Ärger gekriegt, wir reden zu viel über Migration. Ach, interessant. Aber was sie damit meint ist, glaube ich, je mehr du darüber redest und je mehr du das zum Thema machst, ist so ähnlich wie mit der, wem hat damals die Diskussion nach Fukushima am meisten genutzt, denen, die zu sagen, wo das der Kern der Partei war, der Partei DNA war, nämlich den Grünen. So und das nutzt natürlich jetzt vor allen Dingen der AfD. Wie absurd ist es da, dass ausgerichtet Elon Musk auf einmal die rechte und linke Hand von Donald Trump ist? Jemand ja, der zumindest für die Elektrifizierung des Straßenverkehrs eine riesen Leistung gebracht hat. Ich muss jetzt vorsichtig sein, weil ich das eben so, wie man vertreten hat, aber ich glaube Elon Musk, wenn er uns einen einzigen Gefallen getan hat, dann hat er uns Klarheit verschafft darin, auf wen wir bauen können in der Transformation und auf wen nicht. und so, sagen opportunistische und oft nicht zu Ende gedachte Tech-Versprechen von wegen, ja die werden das schon lösen für uns, weil die machen einfach ein Angebot. Die haben zwar, und wir drücken beide Augen zu bei ganz ganz vielen Details, die uns eigentlich wichtig sein sollten, das klappt halt nicht. Und ich habe mich jetzt selten, ich sage das jetzt öfter, in letzter Zeit ist auch eine neue Phase in meinem Leben, aber da stehe ich wirklich für eine deutsche E-Auto-Produktion, das wäre doch was. Das wäre doch mal ein richtig gutes Zeichen gegen Elon Musk, der ja ein Sinnbild geworden ist von diesen neuen Kämpfen. Also früher dachten wir, wir müssen einfach nur für bessere Technologien kämpfen, dann haben wir es. Und heute wissen wir, nee, nee, nee, nee, das reicht überhaupt nicht, weil was wir auch so sehr beschützen müssen und verteidigen müssen, ist die Wahrheit. Elon Musk ist ja der größte Feind von der Wahrheit geworden mit seinen Plattformen, mit dem, was er da anrichtet. Und damit vernichtet er eben auch die Orte, wo wir einen echten Diskurs, wo wir eine echte Debatte führen könnten über Klima XYZ. Und ich glaube, ich hoffe, dass wir jetzt gerade unseren Blick schärfen dafür, was es eigentlich braucht. Also für eine gute Klimawende, für gute und gerechte Klimapolitik braucht es eben auch einen offenen Diskursraum, der wahrhaftig ist. Es braucht eine demokratische Verfassung in einem Land. Es braucht irgendwie eine Augenhöhe. Es braucht übrigens auch eine, irgendwann hoffentlich so bald wie möglich, ein Wiedereinkehren von so einer echten Debatte über eine offene Gesellschaft, weil wir ganz, ganz viel Einwanderung brauchen in diesem Oh Gott. Also wir brauchen ja viele Menschen, die in dieses Land kommen und hier leben und arbeiten wollen. Das brauchen wir auch. Das ist ja eigentlich auch unbestritten. Das würde ja auch die CDU nichts anderes sagen. Ja und das frisst sich aber auf, wenn man im gleichen Augenblick so viel rassistische Ressentiments vor sich her treibt, dass Menschen im Ausland denken, du, ich würde in das Land kommen, aber ich werde auf der Straße bespuckt, bei aller Liebe, aber das mache ich nicht. Ein Rassist unterscheidet ja nicht zwischen, was auch immer, den, also, das heißt, vielleicht zeigt uns Elon Musk, warum es so wichtig ist, diese Allianzen zu schließen. Zwischen denen, die für eine freie Demokratie kämpfen und denen, die für eine intakte Umwelt und Klima kämpfen und denen, die für eine solidarische und offene Demokratie kämpfen. Interessant finde ich in dem Zusammenhang, dass tatsächlich mir Leser und Leserinnen schrieben neulich, also mehrfach, die gesagt haben, ja pass mal auf. Wollte ich mir eigentlich einen Tesla kaufen, aber jetzt kaufe ich mir keinen Tesla mehr. Obwohl ich von dem Auto eigentlich überzeugt bin. Aber ich denke, nee, ich kann es nicht kaufen, weil es ja Elon Musk gehört. Richtig. Würde ich total unterstützen. Aber da passiert ja dann schon, ist tatsächlich was passiert. Diese Gedanken hätte man sich früher nicht gemacht, was man, also machen wahrscheinlich auch nicht alle, aber von wem man sich jetzt solche Waren kauft. Also ich glaube, wer sich aussuchen kann, also wer sich aussuchen kann, woher das E-Auto kommt, dem würde ich empfehlen, nicht bei Tesla zu kaufen. Ich glaube, es ist alles entscheidend. Der Firma geht es ja auch gerade nicht gut. Und das ist ein wichtiges Zeichen. Ich weiß nicht, was der spürt noch, aber oft zieht das dann ja. Ich würde gerne noch deine Einschätzung haben zu dem Personal, was wir in diesem Wahlkampf haben, wo man ja denkt, das sind die gleichen Gesichter und interessanterweise, wenn man dann guckt, wenn man die Hoffnung hat, da müssen doch mehr Frauen sein, wenn man sich die Spitzenkandidatin anguckt, also die beiden Frauen, dann denkt man, das sind jetzt wahrscheinlich nicht die Frauen, von denen jetzt Menschen wie du geträumt haben. Richtig, träumen sehr selten von Addis Weidel, Gott sei Dank. Ist das auch ein Problem, dass da in Wahrheit alte Männer und schwierige Frauen an den Spitzenpositionen sind? Kann man das so sagen? Ähm... Was ich damit sagen will, ist, weil es so vielen Menschen schwerfällt zu sagen, wen soll ich wählen. Diese Frage, wen soll ich wählen, weil entweder spricht die Partei dagegen oder der Kandidat, die Kandidatin. Also da würde ich erstmal grundsätzlich, also ich bin da an sich bei dir natürlich. Wir brauchen dringend Vorbilder in diesem Land, auch in der Politik. Und da fühlen sich viele Menschen gerade nicht so richtig gut versorgt. Das ist natürlich ein Problem. Ich würde, ich glaube, empfehlen, so eine Wahl nicht als so einen Ehevertrag zu verstehen. Man wählt ja nicht die Partei oder den Kandidaten, den man heiraten möchte, sondern man wählt die Richtungen, die man hofft, dass es gehen kann und man wählt vor allem die Partei, von der man das Gefühl hat, das wäre gut, wenn die im Kanzleramt sitzen, während ich auf den Straßen stehe und protestiere oder während ich mich vor Ort einsetze für meine, keine Ahnung, für meine Werte und so. Also es ist ja nicht, ich glaube, wir nehmen immer dieses Beispiel von einem Taxi, so eine Bundestagswahl ist nicht ein Taxi, es holt mich genau zu Hause ab und bringt mich genau dahin, wo ich sein will, sondern es ist vielmehr so eine S-Bahn-Fahrt. Da laufe ich ein Stückchen, bis ich irgendwo bin, da komme ich dem entgegen und dann fahre ich in eine Richtung und dann muss ich aber noch ein bisschen laufen. Und das ist vielleicht ein Bild, dass der Sache gerechter wird. Grundsätzlich aber, ach ich glaube, es geht nicht nur mir so. Ich finde, das ist keine leichte Zeit in diesem Land, in dieser Gesellschaft, in dieser Demokratie, bei dem was passiert. Und bei den vielen Momenten, bei denen man denkt, haben jetzt alle den Verstand verloren. Geht es dir auch so wie anderen, dass du nicht so richtig weißt, wen du wählen willst? Oder ist bei dir sowieso immer klar, dass es nur die eine Partei geben kann, die du wählst? Und das besprechen wir, glaube ich, in der nächsten Folge. Nee, aber tatsächlich, also das ist, ja... Ich habe zwei Hoffnungen für diese Bundestagswahl. Ich hoffe, dass die CDU einen Denkzettel bekommt für das, was sie gerade abgezogen hat. Und wer CDU wählt und sich vorstellen könnte, was anderes zu wählen, im demokratischen Spektrum würde ich das ganz toll empfehlen. Ich hoffe, dass wir die Linken im Bundestag sehen wieder, die gerade ja einen phänomenalen Job machen. Und wer in Wahlkreisen ist, wo das zum Beispiel durch einen Direktmandat möglich gemacht werden könnte, würde ich das unbedingt darlegen. Und ich hoffe, dass wir eine richtig starke, stabile ökologische Front im Bundestag wiedersehen. Das ist meine Hoffnung für die. Nächste Wahl. Und das Interessante ist ja gerade, dass einzelne Prozente so einen Weltenunterschied machen können. Ein Prozent mehr oder weniger für die Linke, ein Prozent mehr oder weniger von SPD und Grüne dazwischen, ein Prozent mehr oder weniger CDU und von der AfD ganz zu schweigen. Das heißt, In dieser Wahl kann man wirklich mit allem Selbstbewusstsein und aller wissenschaftlichen Evidenz sagen, jede einzelne Stimme zählt. Olaf Scholz hat gerade gesagt, als ich ihn darauf ansprach, dass er ja noch 12 Prozentpunkte laut Umfragen hinter Friedrich Merz hinterher liegt. Dann sagt er, naja, sechs rauf, sechs runter. Also ich glaube trotzdem, dass ihm das Wunder von 2021 nicht gelingen wird. Wobei man ja sagen muss, dass der Lacher von Armin Laschet im Vergleich zu dem, was Friedrich Merz jetzt gemacht hat, ja, es lässt sich eigentlich nicht vergleichen. Und trotzdem bin ich so gespannt, was jetzt passiert. Denn was ist denn eigentlich, wenn nichts passiert? Das heißt dann doch, dass eine große Anzahl von Menschen in diesem Land, ungefähr die Hälfte, das was da passiert ist, gut heißen und gut fanden. Dass er recht hat er mit dem, ich hätte es wieder so gemacht. Ich glaube, dass es das Gemeine ist, ich glaube, dass man diese Annahme nicht treffen kann, weil es ja längst überhaupt nicht mehr um die Bewertung realer Ereignisse geht, sondern weil es um den Deutungskampf geht in der Nacherzählung. Dass die Frage, glaube ich, gerade nicht, also ich glaube, die Erkenntnisse sagen, weniger jetzt nur über die Menschen außen, wo die eigentlich stehen, sondern um die Diskursmacht von Friedrich Merz, der ja gerade einfach umerzählen möchte, was passiert ist. Der sich selbst praktisch die Absolution erteilen möchte von dem, was er da angerichtet hat. Und die große Frage wird sein, wie weiter mit dieser Umerzählung kommt. Und ich glaube, wenn es mal eine Blüte gab in diesem Jahr 2025 von einem aufgeklärten, verantwortungsbewussten und sozusagen wahrheitssuchenden Journalismus und Medienwelt und Öffentlichkeit und Social Media Diskurs, dann bräuchten wir diese Blütezeit glaube ich jetzt. Ganz zum Schluss noch, weil du es eben gerade gesagt hast, du kommst auch in einen neuen Abschnitt und ich habe jetzt Kritik zu dem Buch gelesen, fand einen interessant, wo drin steht, Luisa Neubauer wird von einer Aktivistin zu einer Intellektuellen. Nein, hat das jemand geschrieben? Das ist doch nett, aber die Frage ist, ist das der nächste Sprung und hast du damit dieses, was frage ich dich glaube ich jedes Mal, diese Frage, was ist mit der Politik, also in die Politik zu gehen, du sagst immer. Ich dachte, diese Frage hätte so einen interessanten Knick bekommen können, jetzt kommst du mit der Politik. Stellt sich, ob das Übersprung ist. Aber siehst du dich so? Siehst du dich jetzt sozusagen, ist das sozusagen Aktivistin und der nächste Schritt, Intellektuelle? Ach, intellektuelle Also, ich hatte gehofft, dass du mich jetzt fragst Wie sieht eigentlich Aktivismus aus in diesen Zeiten Du machst es jetzt ja schon sechs Jahre Und Luisa, ich habe ja nachgelesen Du wirst ja schon 28 jetzt, Und ich freue mich Ich habe so eine Freude daran Und ich bin so froh darüber, dass ich die Chance habe, herauszufinden, wie sieht eigentlich Aktivismus aus Wenn er erwachsener wird Ah, okay, wie sieht er aus Ja, und ich glaube er und das ist natürlich für mich nicht nur leicht, weil es gibt, das klingt jetzt so abgehoben, aber es gibt jetzt ja nicht so wahnsinnig viele Leute, die das machen, was ich mache in diesem Land und irgendwie, wo ich sagen könnte, ich will das sein und das mache ich und dann laufe ich da mal hin. Und so lange auch, das ist ja, glaube ich, das ist die Geschichte. Ja, genau, die Tatsache doch letztens von mir als einem Urgestein von Fridays for Future gesprochen, dachte ich auch, oje. Genau, also das heißt, ich habe aber eine ganz, ich bin so dankbar und so froh, dass ich, Und dass ich mir selbst die Möglichkeiten gebe, also dass ich selbst probiere, da mutig zu sein und mit Erwartungen, also es gibt ja tausend Erwartungen an mich und ich probiere, glaube ich, oder ich habe mich schon auch, glaube ich, mehr und mehr dazu entschieden, da ich es ohnehin nicht allen gerecht machen kann, kann ich vielleicht mal überlegen, wie ich bei mir bleibe und wie ich mich nicht so abhängig mache von den Unzufriedenheiten von Menschen, die ohnehin nie zufrieden mit mir sind oder waren. Und das heißt, glaube ich auch, ich probiere ja zu zeigen, wie zivilgesellschaftliches Engagement immer auch politisch ist und auch immer heißt, Politik zu machen. Ich bin mit den besten und tollen Leuten zusammen zu einer Zivilgesellschaft zu stärken, die gerade stark angegriffen wird und da immer wieder mit anderen zusammen neue Ideen und neue Ansätze in die Welt zu tragen. Ich bin sehr froh, dass ich immer mehr die Möglichkeit habe, Aktivismus zu machen, der sich selbst nicht zu ernst nehmen muss, der auch mal lachen kann, der lustig sein kann und ironisch und kreativ. Und war es das konkret, ob ich irgendwann mal in die Politik gehe? We will see, vielleicht, vielleicht auch nicht. Und ich... Ich glaube, ich probiere das, was ich jetzt gerade mache, so gut zu machen, wie ich es machen kann unter den Umständen und dann werden wir sehen. Und ich freue mich, wenn du dann das nächste Mal wiederkommst. Das Buchschreiben an sich ist aber schon ein anderer Schritt. Also wenn du sagst, Aktivismus, Erwachsenwerden, dazu gehört ja Gedanken zu formulieren. Das ist ja schon mein fünftes Buch. Genau, sag ich ja. Aber es gehört, also das Buch war für mich besonders, weil ich normalerweise, es gibt ja beim Bücherschreiben diese Sache, dass man sagt, du schreibst erst mit Tür zu und dann Tür auf. Also das erste Mal, wenn du schreibst, dann machst du die Tür zu und schreibst einfach deine Sachen von der Seele. Und dann, wenn du drüber gehst, dann machst du die Tür auf und überlegst, okay, für wen schreibe ich eigentlich das Buch und wen möchte ich damit irgendwie auch ein bisschen beeindrucken oder sonst was. Und ich habe bei diesem Buch das erste Mal mich auch gefragt, wen will ich überhaupt nicht beeindrucken und für wen schreibe ich denn gar nicht dieses Buch. Und wer ist einfach so uneinverstanden mit meiner Existenz in diesem Land, da kann ich mich auf den Kopf stellen und die werden irgendwas an mir ausgesetzt. Interessant, für wen hast du dieses Buch nicht geschrieben? Ja, für diese, ich glaube viele Menschen, die in den, also für eine Fraktion würde ich sagen, die im Internet, egal was ich mache. Nur meint, es ist ein guter Augenblick, keine Ahnung, gegen mich zu hetzen. Gegen Menschen, Frauen, junge Frauen anzugehen, die einfach für ihre Werte einstehen. Für diejenigen, die es angemessen finden, mit unerträglich gewaltgeladener Rhetorik über junge Aktivistinnen zu sprechen. Und das sind ja leider nicht nur Menschen aus dem Internet und irgendwelche Trolle, sondern teilweise auch irgendwelche PolitikerInnen und Politiker. Und das war ganz toll, mich davon zu befreien, zu sagen, Leute. Als junge Frau in der Öffentlichkeit ist es nie richtig für manche. Da ist immer zu laut, zu leid, zu wenig, zu viel. Darf sie das, darf sie das nicht? Und ich habe gedacht, super. Wenn die ohnehin nicht einverstanden sind, dann kann ich mich ja auch auf die konzentrieren, die ich wirklich erreichen möchte und wo ich wirklich hoffe, sie finden in diesem Buch ein bisschen Mut und sie sehen in diesem Buch auch das, was mir so wichtig ist. Nämlich die Geschichte, die gar nicht von mir handelt, sondern von uns allen, die gebraucht sind. Da hat sich auch, wirklich eine letzte Frage, da hat sich auch so ein bisschen der Ton verschoben. Ich habe ein Video gesehen oder mehrere Videos von dir gesehen, da war irgendwas mit der CDU und dann haben irgendwie Jens Spahn, Philipp Amthor, Paul Ziemiak, sind ja eine Art und Weise auf dich zugegangen, wo ich dachte, okay, das wäre vor einem Jahr so noch nicht möglich. Also so ein bisschen böse, so ein bisschen von oben herab, herablassend, so ein bisschen so dieses, ach guck mal, das kleine Mädchen. Hast du das auch so empfunden oder habe ich das so empfunden? Ich habe vor allem diese Veränderung gemerkt. Also alles Leute, mit denen ich vor ein paar Jahren noch irgendwie guten Bierchen getrunken habe, bei denen ich mich jetzt frage, Jungs, was reitet euch denn? Und da bin ich immer ja nur eine Projektionsfläche. Also das heißt ja einfach grundsätzlich, wie steht es eigentlich um junge, engagierte Frauen in der Öffentlichkeit oder in der Gesellschaft oder Aktivistinnen oder Menschen, die ihr Anliegen voranbringen oder das Anliegen der Gesellschaft voranbringen. Das fand ich schon krass, diese Verhärtung. Aber auch genau deshalb, weil ich so viel Verhärtung in der Politik sehe, nehme ich mir heraus, auch habe ich auch in diesem Buch gemacht, das Sanfte und das Zärtliche und das Liebevolle und das auch Zweifelnde nach außen zu tragen. Nicht immer meins müssen, alles am Ende doch besser zu wissen, sondern mal Fragen in den Raum zu stellen, auf die wir noch Antworten finden müssen. Liebe Luisa, vielen Dank. Gerne, gerne. Ein Podcast von Funke. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie in unserer Abendblatt-Podcast-App und auf abendblatt.de slash podcast.