Latest / Augstein & Blome / Müssen Juden wirklich Angst vor der Linken haben?
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- 0:22Hallo Blume, herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe unseres intergalaktischen
- 0:26Podcasts in der neuen Zeit.
- 0:29Denn ich glaube, dass diese ganzen Landtagswahlen, die wir erlebt haben,
- 0:32der Niedergang der CDU, der Aufstieg der Linken, die große Antisemitismus-Debatte,
- 0:37wer ist für Israel, wer ist für Palästina und so weiter, schon Zeichen einer neuen Zeit sind.
- 0:42Und ich möchte mit einem Funfact einsteigen.
- 0:46Die CDU hat zusammen mit der AfD in einem Ort in Sachsen beschlossen,
- 0:51dass keine Stolpersteine mehr verlegt werden sollen.
- 0:54Ich nehme mal an, wegen der Sicherheit und Ordnung in diesem Ort,
- 0:57weil zu viele Sachsen über diese Stolpersteine wahrscheinlich gestolpert sind
- 1:02und deshalb sollen die dann nicht mehr verlegt werden.
- 1:04Während in Berlin man sich darüber streitet, ob palästinafreundliche Linke,
- 1:10die gegen die israelische Besatzungspolitik und den Krieg in Gaza sind,
- 1:15mit dem Antisemitismusvorwurf von der Regierung ferngehalten werden sollen, finde den Fehler.
- 1:22Blome? Ja, in Ihrem Vortrag steckt der Fehler, lieber Kollege Augstein,
- 1:26aber das ist bei dem Thema vielleicht auch...
- 1:30Nicht völlig unerwartet, sage ich mal so. Und wir wollen es versuchen,
- 1:33ohne große Polemik zu machen.
- 1:36Und natürlich ist das, was da in Heidenau geschah, dieser Beschluss,
- 1:41ein Skandal, für den die CDU hoffentlich und die AfD auch, aber denen ist dann
- 1:45meistens egal, aber wenigstens die CDU mächtig an den Ohren gezogen wird.
- 1:50Ich glaube, Heidenau ist schon mehrfach in der Vergangenheit,
- 1:52gerade auch so bei Flüchtlingsfragen in den 2015er, 16er, 17er Zeiten,
- 1:59außerordentlich unangenehm aufgefallen, wenn ich mich recht entsinne.
- 2:03Aber sei es drum, das ist indiskutabel, das geht überhaupt nicht.
- 2:06Es hat nur gerade überhaupt gar nichts, außer den durchschaubaren Versuch der
- 2:12Ablenkung zu tun mit dem, was.
- 2:16Die Partei Die Linke sich hier in Berlin leistet.
- 2:19Leistet an, sie sagen palästinafreundlichen Tönen, ich sag an krassem Israel-Hass, der natürlich auch,
- 2:29eine Grenze zum Antisemitismus hat und über die wollen wir ja in Wahrheit reden,
- 2:33wo die liegt, also wo darf man, wie weit,
- 2:36ist es noch, Kritik an israelischem Besatzungsverhalten, an israelischer Kriegsführung
- 2:42in Gaza und und und und und,
- 2:44und wo schwappt das dann in Richtung Antisemitismus, den es mit allen Mitteln
- 2:50zu bekämpfen gilt und dem es schon gar nicht die Hand zu reichen gilt als Koalitionspartner.
- 2:58Ja, das Thema ist schwierig. Ich finde es deshalb vor allen Dingen so schwierig, weil,
- 3:05die Begriffe unklar sind. Also alle Leute sagen, dass sie gegen Antisemitismus
- 3:10sind. Ich habe noch nie jemanden gehört, der gesagt hat, er ist unbedingt für
- 3:13Antisemitismus, er findet das eine richtig gute Sache. Also ich kenne jedenfalls
- 3:17keinen und habe auch noch von keinem gelesen, der das so formulieren würde.
- 3:20Jeder ist also gegen Antisemitismus.
- 3:23Trotzdem werfen sich dauernd Leute gegenseitig Antisemitismus vor.
- 3:26Dann ist offensichtlich der Begriff schwierig. Offenbar hadert und hapert es
- 3:31mit dem Begriff, weil jeder darunter etwas anderes versteht.
- 3:36Es gibt den schönen Spruch. Doch Stein, wirklich, wir wollen es nicht polemisch
- 3:39machen, aber wir wollen es jetzt auch nicht döver machen, als wir sind,
- 3:42beziehungsweise wir sollten uns jetzt auch nicht döver stellen, als wir sind.
- 3:46Natürlich sagt niemand, Antisemitismus ist eine runde Sache.
- 3:52Selbst die Antisemiten sagen das nicht, aber ich habe auch noch nie einen gehört,
- 3:55der sagt, Mord ist eine runde Sache und trotzdem gibt es Mörder.
- 3:59Verstehen Sie, also das ist jetzt keine Frage der Begrifflichkeit,
- 4:04sondern das Inhalts. Doch, es ist eine Frage der Begrifflichkeit.
- 4:07Pass auf, wir machen heute die Sendung heute, jetzt mal Spaß beiseite,
- 4:11ist auch tatsächlich ein bisschen so eine Art Infosendung, weil ich könnte mir
- 4:14vorstellen, dass tatsächlich viele Hörerinnen und Hörer da draußen im Lande,
- 4:18sich irgendwie am Kopf kratzen und sagen, sie verstehen im Prinzip nicht mehr,
- 4:22worum es geht bei diesen ganzen Debatten.
- 4:23Ich glaube deshalb, dass man jetzt mal nüchtern auch ein bisschen Informationsvermittlung
- 4:28hier betreiben sollte, obwohl das ja eigentlich nicht das Hauptgeschäft ist,
- 4:31in dem Sie und ich jedenfalls in diesem Rahmen hier tätig sind,
- 4:34wo wir uns immer gegenseitig nur an den Ohren ziehen.
- 4:37Also es gibt zwei Definitionen für Antisemitismus, die eigentlich die beiden gängigen sind.
- 4:44Das eine ist die sogenannte IHRA-Arbeitsdefinition von 2016 und dann die Jerusalemer
- 4:52Erklärung zum Antisemitismus JDA von 2021.
- 4:57Und im Wesentlichen unterscheiden die sich darin, wie man, ob man welche Arten
- 5:04von Äußerungen in Bezug auf Israel und auf israelische Politik man für antisemitisch hält oder nicht.
- 5:10Und um es jetzt mal einfach zu formulieren, die strengere und engere IHRAA-Definition
- 5:17sagt im Prinzip bei sehr vielen Äußerungen über Israel, dass das israelbezogene
- 5:22Antisemitismus ist, dass sozusagen Antisemiten hier an.
- 5:26Der israelischen Politik Kritik üben, um dahinter ihren eigentlichen Antisemitismus zu verstecken.
- 5:33Während die Jerusalemer Erklärung sagt, man kann schon eine ganze Menge den
- 5:36Israelis vorwerfen, ohne dass man sich deshalb für einen Antisemiten schelten lassen muss.
- 5:41Das ist im Großen und Ganzen die Spielaufstellung.
- 5:45Und wenn Sie jetzt sehen, worum es in Berlin geht, dann geht es dort ja nicht,
- 5:49um den klassischen, rassistischen, alten, christlichen oder deutschen Antisemitismus.
- 5:55Der Jude isst Kinder und will nur Geld und ist Sex besessen.
- 6:00Also irgendwelche antisemitischen Vorurteile aus der Vergangenheit.
- 6:03Sondern es geht ja bei der Berliner Debatte ausschließlich um die Frage und die Haltung zu Israel.
- 6:09Daran sehen Sie aber schon, und wenn aber die beiden großen Antisemitismus-Definitionen
- 6:14sich gerade an der Frage trennen
- 6:16und der Vorwurf in Berlin sich auch an der Frage trennt, dann sehen Sie,
- 6:19dass es eigentlich keine Antisemitismus-Debatte ist, sondern eigentlich eine
- 6:23Debatte ist über das deutsche Verhältnis zum Staat Israel und seiner Politik.
- 6:28Ja klar, es gibt nichts auf der Welt, was keinen Kontext hat, würde ich mal sagen.
- 6:34Und hier in Berlin spielt natürlich die deutsche Blickweise auf Besonderheiten,
- 6:40der Blickweise auf Israel eine Rolle.
- 6:42Und hier mischt sich natürlich in dieser Stadt auch nochmal eine muslimische
- 6:47Blickweise auf dieses Problem dazu. und das ist nicht immer die schönste und kleiner Funfact von den.
- 6:56Von muslimischen deutschen Staatsbürgern, die in Berlin zur Wahl gegangen sind,
- 7:01hat mehr als die Hälfte, ich glaube 51 Prozent, die Linke gewählt.
- 7:04Und das hat ja auch Gründe und das ist auch alles vollkommen okay,
- 7:07aber ich finde ja, möglicherweise bezieht sich das hier eher darüber,
- 7:15worüber wir reden müssen.
- 7:16Also das Problem bei den Linken mit einem möglichen Antisemitismus oder ich
- 7:19würde sagen, dass sie haben ein Manifest des Antisemitismus Problems,
- 7:23bezieht sich also auf die Haltung zu Israel und wann geht die über diese Grenze
- 7:26und dann sind sie bei ihren beiden Definitionen.
- 7:29Nur die Haltung zu Israel klingt auch schon außerordentlich vornehm,
- 7:33wenn halt die Linke es zulässt, dass in ihren Reihen und auf ihren Veranstaltungen,
- 7:39in Wahrheit nichts weniger gefordert wird als die Auslöschung Israels.
- 7:43Weil man halt sagt, naja, das ist doch eh alles Palästinensergebiet und wo die
- 7:47Juden dann bleiben, ist auch scheißegal.
- 7:50Ja, ich weiß nicht. Wie gesagt, ich würde es mir da nicht so einfach machen.
- 7:54Das könnten wir jetzt aber schon als Antisemitismus bezeichnen,
- 7:56oder? Auch nach Ihren beiden Definitionen.
- 8:01Ich wollte gerade darauf eingehen, das ist interessant, weil es gibt ja Leute, die sagen,
- 8:05wenn man die Einstaatenlösung fordert und demokratische Rechte für alle dort,
- 8:12dann ist das gleichbedeutend mit der Auslöschung Israels als jüdischer Staat
- 8:16und ist deshalb sozusagen antizionistisch und was antizionistisch ist, ist antisemitisch.
- 8:20Und das ist jetzt keine sarkastische Übertreibung von mir. Sie wissen,
- 8:24dass es sozusagen diese Sichtweise, auch diese Definition gibt.
- 8:27Jeder, der sagt, in Israel müsste one man, one vote gelten und,
- 8:33es muss einen großen Staat geben, in dem alle Leute, die auf diesem Territorium
- 8:37da sind, zusammenleben, fordert implizit die Auslöschung Israels und das ist antisemitisch.
- 8:42Einerseits kann man das dann so sehen, andererseits wäre das aber das,
- 8:46was wir eigentlich alle für normal halten, nämlich, dass jeder Mensch eine Stimme
- 8:49hat und dass demokratische Rechte für alle gelten.
- 8:52Das Problem an Israel ist eben die Sondersituation, dass die sozusagen einen
- 8:56ethnisch homogenen Staat haben wollen und gleichzeitig andere Leute da wohnen.
- 9:01Sie haben ja eine arabische Minderheit im Land, die israelische Staatsbürger
- 9:04sind. Natürlich kann nur ein israelischer Staatsbürger wählen,
- 9:08genauso wie in Deutschland auch nur ein deutscher Staatsbürger wählen kann.
- 9:14Und Sie haben eine umfangreiche Besatzungspolitik, die von der UNO für völkerrechtswidrig
- 9:19gehalten wird, bla bla bla.
- 9:21Das wissen wir alles. Naja, gut. Und worauf ich hinaus will,
- 9:24ist, wenn Sie sich die Einzelfälle angucken, was man jetzt der Berliner Linken
- 9:28vorwirft, und zwar ja in einer maßlosen Art und Weise.
- 9:30Darüber müssen wir gleich auch nochmal sprechen, wie man, was sozusagen hier
- 9:35gerade rhetorisch hochgedreht wird.
- 9:37Alles, was man den Linken hier vorwirft, hat nur zu tun, ich finde das ist wichtig,
- 9:41es geht ausschließlich um die Frage, wie stehen wir zu Israel.
- 9:47Das heißt, wir holen uns hier in die Berliner Landespolitik.
- 9:50Ich meine ehrlich gesagt, Sie und ich, wir wissen das hier in der Berliner Landespolitik,
- 9:53wird weder über den Nahostkonflikt entschieden, noch darüber,
- 9:56wie sich die Bundesrepublik Deutschland dazu verhalten soll.
- 9:59Trotzdem ist das hier aber das Chefthema bei der Frage, wer hier dann die Bürgermeisterin
- 10:05stellt. Das ist alleine natürlich schon echt absurd. Und das halte ich übrigens,
- 10:10für eines der größten Probleme bei der ganzen Geschichte.
- 10:12Denn definitiv sollte es hier in dieser Berliner Landespolitik nicht darum gehen,
- 10:17wie wir zum Nahostkonflikt stehen. Absolut. Das ist absolut meine Meinung.
- 10:21Das wundert mich total. Das ist hier Berlin, also die Hauptstadt des Hitler-Nazi-Reiches.
- 10:30In dem der Völkermord an den Juden ins Werk gesetzt wurde, von dem er ausging, wo er geplant wurde.
- 10:38In so einer Stadt, die wieder jetzt, glücklicherweise kann man ja sagen,
- 10:42die deutsche Hauptstadt ist, guckt man natürlich ein bisschen genauer hin, ist doch klar.
- 10:47Und ich glaube, dass die Frage natürlich des Nahostkonfliktes nicht in Berlin
- 10:52entschieden wird, und zwar noch nicht mal in der Bundesregierung und schon gar
- 10:55nicht in der Landesregierung.
- 10:56Das stimmt natürlich, aber noch einmal, das sind alles, tut mir leid,
- 11:00ich will nicht polemisch sein, aber mir kommt das vor, als würden sie von etwas ablenken wollen.
- 11:05Wenn in dieser Stadt eine Partei regieren sollte, die ein Manifestes,
- 11:12ein erkennbares Problem mit Antisemiten oder Antisemitismus in ihren eigenen
- 11:17Reihen, in ihren Vorfeldorganisationen und und und hätte. Nehmen wir das jetzt nur mal als Theorie.
- 11:22Dann wäre das ein Thema von bundesweiter Bedeutung, wahrscheinlich sogar von
- 11:26internationaler Bedeutung.
- 11:29Und darüber muss geredet werden, das ist jetzt nicht der Versuch,
- 11:32den Wahlsieger irgendwie auf den letzten Metern zu verhindern,
- 11:35sondern zu schauen, wer der Wahlsieger ist,
- 11:38und zu schauen, was das für die Stadt bedeuten würde, für den Ruf Deutschlands,
- 11:42für den Ruf dieser Stadt, für das Leben in dieser Stadt, insbesondere das jüdische Leben.
- 11:47Das ist doch selbstverständlich, dass darüber geredet wird und meinetwegen wird
- 11:50da jetzt ein bisschen härter ausgeteilt.
- 11:51Ich kann mich ganz gut erinnern, dass die Linke sagte, wir müssen unbedingt
- 11:55die Reichen abschaffen, die Milliardäre abschaffen.
- 11:58Kann man auch so sehen, fand ich in der Worldwide jetzt auch nicht so richtig
- 12:01elegant, aber die sollen sich jetzt mal nicht so haben, wenn Leute anfangen
- 12:05zu gucken, wer da rumtobt.
- 12:08Die komplette Maßlosigkeit der Debatte, die haben in den Tagesthemen,
- 12:12was ja öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist, wo man sagen könnte,
- 12:16die müssen noch so eine Art.
- 12:20Mäßigungsgrundsatz befolgen. In den Tagesthemen kommt dann der Kommentator Thaddeus,
- 12:24ein Mann, der hier in Berlin-Brandenburg ja auch eine publizistische Größe ist,
- 12:29Jörg Thaddeus und macht einen Kommentar, in dem er sagt,
- 12:34ob Grünen und SPD-Politiker eigentlich noch am Auschwitz-Gedenktag teilnehmen
- 12:40können und wollen und sollen, wenn sie hier in Berlin mit diesen Linken in eine Koalition gehen.
- 12:44Ich meine, wenn das nicht eine komplette Entgrenzung ist, eine verbale,
- 12:48auch ein kompletter Missbrauch, ehrlich gesagt, des Gedenkens des Holocaustes,
- 12:52auch ein Verkaufen Auschwitz für ganz, ganz kleine Münze, dann weiß ich nicht.
- 12:58Das zeigt, finde ich, dass bei den Leuten rhetorisch und dann offensichtlich
- 13:01auch gedanklich irgendwie so alle Bremsen gelockert sind.
- 13:04Also ich fand den Kommentar eigentlich gut.
- 13:09Ich will mich aber nicht um einzelne Worte streiten. Aber jetzt kommen Blume,
- 13:15einzelne Worte, wir reden von Auschwitz, nicht von einzelnen Worten.
- 13:18Hören Sie mal, jetzt machen Sie sich da mal nicht so einen schlanken Fuß.
- 13:20Finden Sie das angemessen, das in diesem Zusammenhang so zu formulieren?
- 13:23Ich finde es angemessen zu sagen, dass die Grünen und die SPD ein hohes,
- 13:28hohes Glaubwürdigkeitsproblem haben bei ihrem sehr oft vorgetragenen Nie-Wieder-Nie-Wieder,
- 13:35meinetwegen auch am Auschwitz-Gedenktag, wenn sie mit einer Partei zusammengehen
- 13:40würden, einer regierenden Bürgermeisterin in den Sattel helfen würden,
- 13:45die offenkundig ein solches Antisemitismusproblem mindestens mal in ihren eigenen Reihen hat.
- 13:49Ja, das wäre erheblich doppelzüngig und dann darf man auch,
- 13:54das Auschwitz-Gedenken dabei erwähnen, als wenn man so will,
- 13:57den Kulminationspunkt von Glaubwürdigkeit, der Frage nach Glaubwürdigkeit,
- 14:02wie glaubwürdig ist unsere Haltung zu
- 14:05unserer eigenen Geschichte meinetwegen, wenn sie es so formulieren wollen,
- 14:08oder eben zum Holocaust und dem Gedenken an den Holocaust, ja natürlich ist das legitim.
- 14:14Weiß ich nicht. Ich finde es nicht legitim. Ich finde, es ist das Verkaufen
- 14:17dieses Gedenkens und des Menschheitsverbrechens wirklich für eine ganz, ganz kleine Münze.
- 14:23Und ich finde es auch irre, wenn der israelische Botschafter,
- 14:26Herr Prosor, hier sagt, er sieht nach dem Wahlsieg der Linken eine unmittelbare
- 14:31Existenzgefahr für die jüdische Gemeinschaft in Berlin.
- 14:34Und er redet hier von völlig enthemmten Antisemitismus, der sich hier Bahn gebrochen hat und so.
- 14:39Auch das finde ich eine komplette Überdrehung, eine unmittelbare Existenzgefahr.
- 14:44Bitte wägen Sie doch mal die Worte auf Ihre...
- 14:47Ach echt, danke. Augstein, schön ruhig bleiben.
- 14:51Wir wollten das ohne Polemik hinkriegen und ohne Aufregung. Ja,
- 14:54und ich gebe Ihnen zu, die Einlassung des Botschafters in dieser Form auch eher
- 14:59verzichtbar bis überflüssig, vollkommen
- 15:02d'accord, ist aber auch von der Meinungsfreiheit gedeckt, denke ich mir.
- 15:05Und trotzdem zugleich führt es und lenkt es den Blick zum Beispiel nach Neukölln,
- 15:10also einem Bezirk für unsere Nicht-Berliner Zuhörer.
- 15:13Ein Bezirk, ziemlich groß, Größe einer Großstadt inzwischen,
- 15:18in Berlin, wo der stark muslimisch geprägt ist, wo die Linke einfach auch eine
- 15:24sehr starke Parteibasis hat, die,
- 15:28In Teilen sicherlich auch muslimisch geprägt ist und dann finden da eben solche
- 15:31Veranstaltungen oder Demonstrationen oftmals statt, wo es ganz stumpf heißt.
- 15:38Wo die Intifada gelobt wird, wo die Vernichtung Israels als Staat und als Volk,
- 15:45bejubelt wird, wo Kuchen verteilt wurde am 7.
- 15:48Oktober, als das Massaker der Hamas an Israelis auf israelischem Territorium
- 15:55stattgefunden hat. Da wurde der Kuchen zum Feiern verteilt.
- 15:58Also das gibt es halt schon. Und das ist dann eine reale Bedrohung.
- 16:02Da können Sie mit der Kippe auf dem Kopf nicht durch alle Straßen laufen und
- 16:06schon gar nicht durch jede Tageszeit. Blume, nicht, dass wir uns falsch verstehen.
- 16:09Ich bin schon der Meinung, dass die Linkspartei ein Problem hat.
- 16:12Also ich glaube, wir lassen uns mal das Thema jetzt mal wieder erden.
- 16:17Es gibt natürlich Leute in der Linkspartei, vor allen Dingen in der letzten
- 16:20Zeit sind die dazugekommen, weil die Linkspartei sehr, sehr stark gewachsen ist in Berlin.
- 16:24Und sie ist auch in Neukölln sehr stark gewachsen, die versuchen,
- 16:28die Linkspartei auch zu kapern und zu usurpieren mit ihren Themen,
- 16:32mit diesem palästinensischen Nationalismus.
- 16:34Zwischen uns beiden, zwischen Ihnen jetzt, Blome und mir, ist ja nur strittig,
- 16:38ist das antisemitisch oder nicht. Ich halte das nicht für antisemitisch,
- 16:41ich halte das für einen palästinensischen Nationalismus. Die versuchen sozusagen
- 16:44hier das Palästina-Thema nach Berlin zu holen, um hier dann Stimmung zu machen und so weiter.
- 16:49Egal, für die Linkspartei ist das aber in jedem Fall ein politisches Problem,
- 16:53weil erstens gibt es eine Flanke für die politischen Gegner und zweitens macht
- 16:57es natürlich auch den potenziellen politischen Verbündeten es schwer,
- 17:01sich zu den Linken zu bekennen.
- 17:02Ich meine, SPD und Grüne würden ja sofort jetzt mit den Linken hier in Berlin
- 17:07koalieren, wenn da nicht diese Irren wären aus der Palästina-Fraktion,
- 17:12die ihnen das Leben so schwer machen wird.
- 17:13Das bedeutet, natürlich hat diese, wie ich finde, sehr sympathische und glaubwürdige
- 17:18Bürgermeisterkandidatin der Lampen, Frau Ehralp, jetzt das Problem,
- 17:21wie wird sie diese Irren los und hat sie ihren Laden im Griff?
- 17:26Die Linke muss sich ja in ihrer Geschichte schon sehr, sehr viel immer gefallen
- 17:30lassen an Vorwürfen, teilweise zurecht, teilweise überzogen, hat es aber geschafft,
- 17:35damit klar zu kommen, weil sie dann doch sehr gut organisiert waren und eben
- 17:39auch irgendwie staatstragend und verantwortungsvoll bla bla bla und so weiter.
- 17:43Die Frage ist, schaffen die das halt in Berlin auch? Ich würde sagen,
- 17:46das ist im Moment noch offen.
- 17:48Ja gut, damit haben Sie es beim Namen genannt, lieber Kollege Augstein.
- 17:53Wie kriegt man das in den Griff? Was wäre jetzt eine glaubwürdige Distanzierung,
- 17:57beziehungsweise was wäre ein glaubwürdiger Vorschlag, der den beiden anderen
- 18:02potenziellen Koalitionspartnern, also SPD und Grünen.
- 18:07Die Sicherheit gibt, dass da nicht irgendwelche durchgeknallten Leute mit ans
- 18:12Ruder kommen, in einem Boot, das sie dann gemeinsam hier als Regierung steuern wollen.
- 18:18Und da habe ich echt Schwierigkeiten, wie das funktionieren soll.
- 18:21Das ist halt eine Brandmauerfrage, nennen Sie.
- 18:25Und dann hat die Linke eben auch ein Brandmauerproblem, wenn das ein Problem ist.
- 18:29Ich finde, sie müsste sagen, mit dieser Linkspartei geht das nicht.
- 18:33Und übrigens nicht nur wegen des erkennbaren, und das nenne ich eben so Antisemitismus-Problems,
- 18:40abseits der netten, ich habe die auch schon interviewt, Spitzenkandidatin,
- 18:44die wirklich sympathisch wirkt,
- 18:46aber halt einer Partei vorsteht, die nicht sympathisch ist und einem Programm,
- 18:51quasi den Stempel verliehen hat und das freundliche Antlitz verliehen hat,
- 18:55das einfach total crazy ist.
- 18:57Allein deswegen, und wir können sicherlich durch ein, zwei, drei Punkte gleich
- 18:59mal gehen, kann man eigentlich mit dieser Linkspartei, wenn sie ihr eigenes
- 19:04Protokollegang ernst nimmt und durchsetzen will als Wahlsiegerin,
- 19:08und das ist sie nun mal, können sie einfach in Wahrheit nicht koalieren. Das geht nicht.
- 19:13Na gut, das sagen Sie jetzt aus politischer Sicht. Das hat aber mit Antisemitismus
- 19:16nichts mehr zu tun. Ich will zu der Frage ganz kurz im Griff haben.
- 19:19Ich habe zwei Punkte gemacht.
- 19:21Es gibt eine sehr grundsätzliche Frage in Sachen Antisemitismus.
- 19:24Da bräuchte es eigentlich eine Brandmauer, von der SPD und Grünen immer sagen,
- 19:29die muss aber zwischen CDU und AfD stehen. Aber die haben die doch, die Linken.
- 19:33Die haben doch Parteiausschlussverfahren eingeleitet gegen Leute.
- 19:38Zum Beispiel hat eine Frau gesagt, die Befreiung Palästinas endet dann,
- 19:41wenn Tel Aviv wieder in der Hand von Palästina liegt.
- 19:44Da könnte man sagen, okay, da ist jetzt eindeutig die Grenze überschritten.
- 19:48Finde ich auch. Ist übrigens auch meine Meinung, dass da die Grenze überschritten
- 19:51ist. Das sieht die Linkspartei ebenso. Deshalb läuft gegen diese Frau ein Parteiausschlussverfahren.
- 19:54Das heißt, die macht das ja, diese Säuberung, um jetzt mal das schlimme Wort zu benutzen.
- 20:00Und das Problem, was die haben, haben doch diese Leute erkannt.
- 20:03Die sind ja nicht blöd. Ich meine, die allermeisten in der Linkspartei sind
- 20:06natürlich ganz vernünftige, normale, moderne, urbane Sozialisten.
- 20:12Und deshalb wurden sie übrigens auch gewählt hier von den Leuten in Berlin.
- 20:16Und die wollen natürlich mit denen nichts zu tun haben. Klasse, wie Sie das schön malen.
- 20:19Wie sagten Sie, moderne, normale Sozialisten? Also gut, dann gehen wir mal ein
- 20:24bisschen durch das Programm. Die möchten gerne den Verfassungsschutz auflösen.
- 20:28Das erinnert mich jetzt, Entschuldigung, an die AfD in Sachsen-Anhalt.
- 20:31Die möchte das nämlich auch. Aber das ist sicherlich nur ein Zufall, diese Parallele.
- 20:35Sie möchte der Polizei Mittel wegnehmen, weil die Polizei zu viel Racial Profiling
- 20:41machen würde. Also diese Straßenkontrollen, denen man Rassismus unterstellt,
- 20:47weil sie eine bestimmte Gruppe überproportional treffen.
- 20:50Also nimmt der Polizei das Geld weg. Ja, okay.
- 20:55Die möchten aber auch,
- 20:57Im Prinzip möchten sie alle Ausländer rein, so wie die AfD alle Ausländer raus
- 21:01haben möchte, rein im Sinne von Länderaufnahmeprogramme. Also das Land Berlin
- 21:06möchte eine eigene Flüchtlingspolitik machen und aus Ländern wie Afghanistan, Syrien etc.
- 21:12Möglichst viele Menschen als Länderprogramme, als Landesprogramm Berliner Spezialität
- 21:18dann reinholen und auch möglichst schnell einbürgern.
- 21:21Unter Verzicht übrigens auf so in Anführungsstrichen entwürdigende Prozeduren.
- 21:27Wie einen Sprachtest oder einen Einbürgerungstest oder irgendwie sowas.
- 21:32Also das sind schon echt extreme Politikansätze, die 25% der Leute,
- 21:39die sie gewählt haben, gekauft haben.
- 21:41Vielleicht wussten sie auch gar nicht, was sie gekauft haben.
- 21:43Ist aber egal, haben sie am Ende also in einem großen Sack mit ihrem Kreuzchen
- 21:47auf dem Wahlzettel angekreuzt, beziehungsweise gewählt.
- 21:51Mit sowas ist auch sehr, sehr schwer zu koalieren. Allein deswegen schon.
- 21:55Also wie gesagt, die Brandmauer in Sachen Antisemitismus fehlt mir.
- 21:59Und ein Blick ins Programm würde mich lehren, okay, das sind Sektierer.
- 22:03Dann lass sie mal alleine. Dann müssen wir eine andere Regierung bilden.
- 22:07Blum, es ist interessant, dass wenn Sie das Wahlprogramm lesen,
- 22:09dass Sie dann diese Punkte zitieren.
- 22:12Sie wissen, warum die Linkspartei vor allen Dingen in Berlin gewählt wurde,
- 22:16weil sie die einzige Partei war, der die Wählerinnen offensichtlich zugetraut
- 22:20haben, das zentrale Problem dieser Stadt zu lösen.
- 22:24Und das ist komischerweise nicht der Verfassungsschutz, ehrlich gesagt auch
- 22:26nicht der Antisemitismus, auch nicht irgendwie, ob die Polizei irgendwie genug,
- 22:31Wannen hat zum rumfahren oder nicht, sondern das sind die Mieten,
- 22:34das ist nämlich das reale Leben der Leute hier.
- 22:37Und das ist nicht das, was die Leute bei der Welt, Zeitung, Springer,
- 22:41Verlag in den Redaktionsstuben umtreibt, sondern nein, sorry,
- 22:44ich finde der Zynismus in der Debatte, der ärgert mich so, denn die großen Parteien
- 22:49haben beim Thema Mieten.
- 22:51Wohnraum hier krass versagt.
- 22:54Ich finde übrigens nicht nur die Parteien, sondern die Stadtgesellschaft selber
- 22:57auch, weil es sind ja auch die Berlinerinnen und Berliner, die nicht wollten,
- 23:01dass das Tempelhofer Feld bebaut wird.
- 23:03Es sind ja auch viele Berlinerinnen und Berliner, die nicht wollen,
- 23:05dass die Schrebergärten für Bebauung zur Verfügung gestellt werden.
- 23:08Das heißt also in der Stadt ist das ja auch ein sehr widersprüchlich gehandhabtes Thema.
- 23:11Jedenfalls war es das zentrale Thema bei den Wahlen und da genießt offensichtlich
- 23:17die Linkspartei mehr Glaubwürdigkeit als die anderen Parteien.
- 23:20Verfassungsschutz hin oder her, lieber Kollege Blomer. Das ist einfach das,
- 23:24was die Leute bewegt und interessiert.
- 23:25Das ist eine interessante, auf eine Art noch eine Parallele zur AfD.
- 23:29Es ist ein disruptives Modell, was die Linke vorgeschlagen hat,
- 23:32um das Wohn-Miet-Problem, das ein eindeutiges ist, zu lösen in dieser Stadt.
- 23:38Sie möchte nämlich den Wohnungsbestand großer Wohnungskonzerne,
- 23:41Wohnungsbaugesellschaften vergesellschaften oder enteignen, das hängt jetzt ein bisschen davon ab.
- 23:47Sie schlägt dabei einen erkennbar verfassungswidrigen Weg vor,
- 23:50aber das könnte ja noch ein Gericht gerade biegen.
- 23:54Gebaut ist deswegen noch nicht. Deswegen gibt es noch keine Wohnung mehr.
- 23:57Aber das sei mal dahingestellt, es ist ein disruptives Modell,
- 24:00das diesen Anklang gefunden hat.
- 24:03Anders als all die kleinen Modelle und Vorschläge und Ideen und Pläne der anderen
- 24:07Parteien, die halt versucht haben,
- 24:10durch Bürokratieabbau und andere Punkte, irgendwie Schwung in diesen Wohnungsbaumarkt.
- 24:17Zu kriegen. Ja, das ist eine demokratische Wahl.
- 24:21Und noch einmal, dann sollen sie das probieren, wenn sie dafür eine Mehrheit
- 24:24bekommen, eine regierungsfähige parlamentarische Mehrheit.
- 24:28Die Frage ist halt nur, ob das Problem, das die Leute an die Urne und zum Wählen
- 24:34der Linken getrieben hat,
- 24:37auf diesem Weg wirklich zu lösen ist oder ob es nicht einfach nur einen zweistelligen
- 24:41Milliardenbetrag kostet und hinterher ist Berlin nun endgültig pleite.
- 24:44Diese Frage darf man aber auch stellen. Und die ist nicht erhaben und nicht
- 24:49mehr, wenn man so will, diskutabel, nur weil die Linke 25 Prozent gemacht hat.
- 24:54Blume, was mir hier gerade noch fehlt in dem Gespräch zwischen Ihnen und mir
- 24:57ist, Sie nennen das disruptiv, was die Linkspartei da anbietet,
- 25:03genauso wie die AfD disruptiv.
- 25:06Vielleicht kann man das tatsächlich irgendwie vergleichen, obwohl ich diese
- 25:10vergleiche, Linkspartei, AfD finde ich echt schrecklich, wie sie sich denken können.
- 25:13Aber egal, vielleicht muss man aber zur Kenntnis nehmen, wir hatten hier bei
- 25:19unserem Sonderpodcast nach der Wahl, da hatte ich gesagt, das ist der Anfang
- 25:22vom Ende der alten Bundesrepublik. Die Parteien in der Mitte haben keine Attraktion
- 25:27mehr, in der Mitte klafft ein Loch.
- 25:29Und das ist doch eigentlich die Lehre hier von Berlin.
- 25:33Die Mitte-Parteien machen kein Angebot mehr, was sozusagen die Mehrheit der Wähler erreicht.
- 25:39Ich meine, wir wollen auf dem Teppich bleiben von 25 Prozent der Wähler,
- 25:42die die Linkspartei gewählt haben. Ja, wir müssen jetzt auch nicht so tun,
- 25:44als wäre das irgendwie hier so praktisch so die absolute riesige Mehrheitsmeinung.
- 25:50Aber trotzdem bricht sich doch da ein Gefühlbahn, dass sozusagen diese etablierte
- 25:55Politik, die das Leben hier in dieser Großstadt offensichtlich nicht in den Griff kriegt.
- 26:00Und da geht es ja nicht nur um das Wohnen, es geht ja auch um Wohnen.
- 26:04Um das Gefühl in einer lebenswerten Stadt zu sein, sagen wir mal so.
- 26:08Und inwieweit ist die Politik in der Lage, diese Sehnsucht, die die Leute haben, zu adressieren.
- 26:13Und was ich interessant finde, vielleicht wollen sie das jetzt nicht.
- 26:18Sie beschäftigen sich überhaupt nicht damit, warum eigentlich SPD und CDU es
- 26:21nicht geschafft haben, den Wählerinnen und Wählern dieses Gefühl zu vermitteln
- 26:25oder sie damit irgendwie an die Wahlurne zu locken.
- 26:28Warum muss eigentlich die Linkspartei kommen mit diesen ganzen Vorstellungen,
- 26:31die Sie ja für völlig irre halten und kriegt dann eine Mehrheit?
- 26:35Diese Frage müssten Sie doch eigentlich beantworten als Vertreter dieser politischen
- 26:39Mitte oder finden Sie das nicht? Natürlich muss man die Frage beantworten.
- 26:42Es ist allerdings auch die eine Million Dollar Frage, die sich übrigens ja genau
- 26:45so stellt mit Blick auf die Wahlergebnisse der AfD.
- 26:49Und man muss die jetzt nicht gleichsetzen, aber dass sie auf sehr unterschiedliche
- 26:55Art und Weise dieselbe Frage stellen, auch mit denselben Typen von Typologien von Antworten kommen,
- 27:03das scheint doch offenkundig.
- 27:04Und es trifft auf eine Bevölkerung, mindestens mal in Teilen,
- 27:09in Ostdeutschland deutlich größere Teile, in Berlin jetzt auch schon einen nennenswerten
- 27:13Teil, im Endeffekt also ein Viertel der abgegebenen Stimmen bei einer hohen
- 27:15Wahlbeteiligung, die so eine, wie ich es nennen würde, so eine Scheißegal-Haltung ist.
- 27:20Und also es ist mir scheißegal, dass die AfD erkennbar rechtsextremistisch ist
- 27:25und in Sachsen-Anhalt so wirklich auch noch das Radikalste vom Radikalen aus
- 27:28den eigenen Reihen zu bieten hat.
- 27:30Es ist mir scheißegal, ich wähle die trotzdem, aus welchen Gründen jetzt auch immer.
- 27:34Und in Berlin ist es die Haltung, ich wähle jetzt trotzdem die Linke.
- 27:39Ich ahne oder sehe, dass die ein Problem mit Antisemitismus haben.
- 27:44Und ich sehe auch irgendwie, kann das so richtig nicht aufgehen mit dieser Wohnbauvergesellschaftung
- 27:49und am Ende fängt es an im Bundesgesetz, das sie daran hindern wird,
- 27:53macht nichts, ich will die trotzdem, weil ich habe einfach keinen Bock mehr auf die anderen.
- 27:59Das scheint mir eine Parallele zu sein. Und wie Sie an diese Leute rankommen,
- 28:04die sagen, das ganze alte System muss einfach mal weg, ist vollkommen egal,
- 28:07was danach kommt, Hauptsache das alte System ist weg, also die alten Parteien, wenn Sie so wollen.
- 28:12Ja, wie adressiert man diese Wut, diese Zerstörungslust, also auch ein bisschen
- 28:20das Destruktive daran, denn egal, was danach kommt, hat was Destruktives.
- 28:25Aber die Linkspartei passt in dieses Raster nicht rein. Übrigens kurz nochmal,
- 28:29zur Ergänzung, Sie haben das sicher mitbekommen, dass hier 150 Jüdinnen und
- 28:33Juden aus der Öffentlichkeit sich gegen diese Antisemitismusvorwürfe ausgesprochen haben.
- 28:39Das zeigt übrigens auch, dass die Debatte, was ist antisemitisch und was nicht,
- 28:42auch innerhalb der deutschen Juden ja sehr, sehr umstritten ist und eben politisch
- 28:47instrumentalisiert wird. Hier geht es ja letztlich auch, ehrlich gesagt,
- 28:50auch um knallharte Wirtschaftsinteressen.
- 28:52Natürlich haben viele Leute Angst, hier enteignet zu werden.
- 28:56Kein Wunder, ich meine, der Antisemitismusvorwurf ist eben ein politischer Hebel,
- 29:01um eine missliebige Politik in Misskredit zu bringen. Wundert mich jetzt ehrlich gesagt nicht.
- 29:07Aber darfst du mir den Einsatz sagen? Das finde ich jetzt sehr billig von Ihnen,
- 29:11Leuten, die Angst um das jüdische Leben in Berlin haben, zu unterstellen,
- 29:16sie hätten nur Schiss um ihr Geld.
- 29:18Das finde ich zu billig. Nein, nicht die. Entschuldigung.
- 29:22Ja gut, aber auch fürs Protokoll, dass sozusagen die Linken vor allen Dingen
- 29:27deshalb so krass kritisiert werden, weil sie hier vielen Leuten sozusagen ans Portemonnaie wollen.
- 29:34Und zwar nicht nur hier in Berlin mit den Wohnungen, sondern ganz grundsätzlich
- 29:38mit der Frage der Umverteilung mit Steuern.
- 29:40Das ist ja wohl klar. Das finde ich übrigens auch gar nicht schlimm.
- 29:42Das nennt sich halt politische Auseinandersetzung. Was ich bloß schlimm finde,
- 29:45ist, dass mit dem Antisemitismus-Argument in dieser politischen Auseinandersetzung gekämpft wird.
- 29:51Blome, das war jetzt nur ein Exkurs, ich will das Thema jetzt nicht nochmal aufrollen.
- 29:54Die Linkspartei bietet natürlich, Entschuldigung, jetzt so zu tun,
- 29:57als wäre das irgendwie was ganz Neues, was jetzt irgendwie so um die Ecke kommt und so disruptiv ist.
- 30:01Die Idee, Wirtschaft und Gesellschaft nach sozialistischen Gesichtspunkten aufzurollen
- 30:07und nicht nach profitorientierten kapitalistischen, ist jetzt ehrlich gesagt gar nicht so neu.
- 30:11Zugegebenerweise hatte sie in Deutschland immer einen ziemlich schlechten, schwierigen Stand.
- 30:16Vielleicht ändert sich das jetzt, weil sich sozusagen die internationale Großwetterlage
- 30:20ändert. Weil wir haben hier schon ein paar Mal darüber gesprochen,
- 30:22weil es eine neue Form von einem urbanen Sozialismus gibt, der für viele Leute attraktiv ist.
- 30:27Und Entschuldigung, sorry, aber Sie sozusagen als alter, weißer.
- 30:32In der Wolle gewirkter Erzliberaler kommen damit halt nicht klar und erkennen
- 30:38nicht, dass das im Prinzip eine neue Form von Politik ist, die die Leute hier vorschlagen.
- 30:43Ja, ob nun neu oder nicht neu, größere Teile des Wohnungsbestandes einfach zu
- 30:48enteignen und dann zu glauben, das löst das Mangelproblem, das nenne ich disruptiv,
- 30:54weil es halt versucht, mit der ganz großen Bombe
- 30:56Tabula Rasa zu machen, um mal zu gucken, wie es danach weitergeht.
- 31:00Wenn es dafür eine Mehrheit gibt,
- 31:02Okay, dann muss man das halt machen. Es sind noch wahrscheinlich ein paar Gerichte vor.
- 31:06Und die Frage ist eben, ob diese Mehrheit zustande kommt. Denn darüber reden
- 31:09wir ja die ganze Zeit, ob diese Mehrheit von Grünen und SPD in diesem Sinne hergestellt wird.
- 31:17Parlamentarisch. Denn mit 25 Prozent allein können sie halt nicht regieren.
- 31:21Und ich glaube, das sollte, so traurig das klingt, in diesem Fall sollte die
- 31:26linke Mehrheit nicht gezogen werden, weil sie diese Stadt ins Abseits und ins
- 31:30Aus führt und mal ganz unabhängig, wie gesagt, von Antisemitismus.
- 31:35Aber dass wir ein Gerechtigkeitsproblem haben, ist ja nicht nur in Berlin der
- 31:40Antreiber gewesen für diese Wahlen, sondern das ist ja inzwischen als Message
- 31:45offensichtlich sogar schon beim Bundeskanzler angekommen.
- 31:48Sie müssten sich doch irgendwie, wie sagt man,
- 31:53die Augen gerieben haben vor Erschrecken und Erstaunen, als der Bundeskanzler
- 31:57nach der Wahl plötzlich aus der Tasche gezogen hat das Argument,
- 32:01ja tatsächlich, Viele Deutsche halten das Land für zunehmend ungerecht,
- 32:05da müssen wir mal was machen.
- 32:07Das war ja schon fast satirisch überhöht. Das ist grotesk und es passt auch
- 32:14überhaupt nicht zu diesem Mann.
- 32:15Das heißt, er versucht jetzt auch noch eine andere Rolle zu spielen und kann
- 32:20schon seine eigene, ihm auf den Leib geschriebene Rolle nur schlecht spielen.
- 32:23Wie soll das denn erst werden, wenn es eine fremde Rolle ist des Bundestaschentuches,
- 32:28der Kanzler, der jetzt weich wird.
- 32:30Ich möchte keinen Kanzler haben, der Weichheit zeigt. Ich möchte einen Kanzler
- 32:35haben, der die Weichen stellt. Haha, kleines Wortspiel am Rand.
- 32:39Oh Mann, den hatten Sie sich aber schon hingelegt, oder?
- 32:44Ja, der hängt hier seit Wochen vor mir an der Scheibe, dass ich ihn endlich mal vortragen kann.
- 32:48Ja, der Bundeskanzler erkennt eine Gerechtigkeitsfrage.
- 32:51Wissen Sie, was ich gemacht habe danach? Ich habe meinen alten Taschenrechner
- 32:54rausgesucht. Erinnern Sie sich an meinen alten Taschenrechner?
- 32:58Meinen schöner, alter, hellblauer Taschenrechner.
- 33:01Ganz einfach, das war glaube ich noch zu Zeiten, als man so umrechnen konnte,
- 33:04Euro in D-Mark und so ein Zeug. Daher stammt er.
- 33:08Und den müssen wir uns jetzt wieder vor Augen führen. Es gibt ein paar Dinge,
- 33:12die sind objektiv richtig.
- 33:13Und auf diesem Pfad war diese Bundesregierung, wenn sie davon abweicht und das
- 33:18dann Gerechtigkeit nennt, macht sie einen Fehler.
- 33:21Und sie, glaube ich, reitet auch den Begriff Gerechtigkeit dann zu Schanden.
- 33:27Aber Blume, Entschuldigung, ich meine, wir wollen mal nicht so schnell darüber hinwegwischen.
- 33:31Der Bundeskanzler hat mal eben die Trennung von gesetzlichen und privaten Krankenkassen
- 33:35ins Spiel gebracht und soweit ich weiß, die CDU hat ja echt viel leiden müssen
- 33:40mit diesem Kanzler und viele CDU.
- 33:46Wie sagt man, Tafelsilber sind hier schon verschärbelt worden und eingeschmolzen
- 33:50und ich weiß nicht was und so.
- 33:51Aber die Trennung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung steht jetzt
- 33:55plötzlich zur Debatte aus einer unbedachten Äußerung dieses Kanzlers.
- 34:00Ehrlich gesagt ist der Mann ja noch unkontrollierter und noch fahriger,
- 34:04als ich es für möglich gehalten hätte.
- 34:07Ich bin kein CDU-Wähler, aber wie fühlen Sie sich denn jetzt,
- 34:10Blume, wie geht es Ihnen mit dieser Äußerung des Bundeskanzlers?
- 34:12Fahrig ist ein gutes Wort. Fahrig ist...
- 34:18Ja, der Bundeskanzler hat aus Versehen mal eines der letzten Stücke,
- 34:24nicht vom Tafelsilber, sondern vom Hochzeitsservice aus dem Sims gehauen.
- 34:29Nämlich tatsächlich die private Krankenversicherung, also das duale System in
- 34:33der deutschen Krankenversicherung.
- 34:35Und hinterher muss der Herr Linnemann kommen und es wieder einsammeln,
- 34:37beziehungsweise kitten. Nein, nein, das hat er nicht so gemeint.
- 34:39Nee, Moment mal, keine Sorge, liebe private Krankenversicherten,
- 34:43ihr werdet jetzt nicht zwangseingemeindet in das gesetzliche System und so weiter und so fort.
- 34:48Ich glaube, das wird nicht kommen, aber es ist ein Symptom, da haben Sie recht.
- 34:51Es ist ein Symptom für die Fähigkeit dieses Bundeskanzlers und wenn er dies
- 34:55nicht ablegt in sehr, sehr, sehr kurzer Zeit jetzt, so viel Zeit hat er nämlich
- 34:59nicht mehr und so viele Chancen kriegt er auch nicht mehr, dann wird ihn seine
- 35:03eigene Partei tatsächlich abräumen.
- 35:06Oder aber es kommt, so wie ich das dargestellt habe in unserem Nachwahlpodcast.
- 35:12Die neue Manuela Schwesig SPD wird die Reformen infrage stellen,
- 35:17an die der Bundeskanzler aber seine politische Existenz gebunden hat.
- 35:22Zumindest an den großen Kernbestand dieser Reform. Und wenn das so kommt,
- 35:26muss er dann eigentlich selber zurücktreten.
- 35:27Die Vertrauensfrage stellen und verlieren oder wie auch immer,
- 35:30dann aber das Amt verlassen.
- 35:31Insofern glaube ich, dass das Endspiel um Friedrich Merz,
- 35:38mit Gerechtigkeit oder ohne Gerechtigkeitssoße begonnen hat und wahrscheinlich
- 35:43zu dem einen oder anderen Ende kommt, bevor die Linke hier in Berlin eine Regierung
- 35:48gebildet hat. Denn das bezweifle ich sehr.
- 35:51Wow, okay, krasse Prognoseblume. Da werde ich Sie, weil wir doch alte Freunde
- 35:56sind und auch noch weiter zusammenarbeiten wollen, nicht beim Wort nehmen.
- 36:01In diesem Sinne bis nächstes.