Latest / Gin And Talk / Sascha Ehlert über Exil, Kultur und Ohnmacht
Transcript
- 0:00Speaker 0: Der Glaube daran, dass wir mit der Bundesrepublik Deutschland in einem Land leben das eigentlich die bestmögliche Verfassung hat und abgesichert ist.
- 0:10Speaker 0: Die ist glaube ich so tief eingesickert, dass man sich gar nicht mehr... Also auch nach dem Ende des Konflikts zwischen Kapitalismus und Kommunismus war man sich glaube ich einfach sehr sicher darin, dass es jetzt das System in dem wir für immer leben werden und die Werte nachdem wir für überleben können.
- 0:28Speaker 0: Ich glaube schon Rechtsruck in den westlichen Gesellschaften schon vor allem angetrieben wird von männlichen Kräften, die auf eine Art und Weise ihre Formatstellung bedroht sehen.
- 0:41Speaker 0: Die selber eben so sehr vielleicht auch bis sozusagen ein bisschen positiv und empathisch zu formulieren sind gefangen sind in dem was sie beigebracht bekommen haben davon wie einen Mann zu sein hat.
- 0:53Speaker 1: herzlich willkommen Mein Name ist Daniel Fürg und ich freue mich sehr, euch heute zu einer neuen Episode Gin & Talk begrüßen zu dürfen.
- 1:01Speaker 1: Meinen heutiger Gast ist Sascha Ehlertt.
- 1:03Speaker 1: Der Autor- und Journalist hat mit Palo Santo einen Roman geschrieben der zwischen Berlin und Los Angeles zwischen den neunzehnten dreißigern Jahren und einer nahen Zukunft pendelt.
- 1:14Speaker 1: Im Zentrum steht die Frage, was geschieht wenn das Gefühl politischer Ohnmacht auf persönliche Überforderung trifft und wie sich Menschen in Zeiten der Unsicherheit zwischen Rückzug, Widerstand und Sehnsucht nach einem anderen Leben bewegen.
- 1:28Speaker 1: Wir haben über Flucht- und Exil gesprochen – über die Rolle von Kunst in gesellschaftlichen Umbrüchen, über Männlichkeitspiritualität und über Billy Wilder als moralische Figur in dunklen Zeiten.
- 1:39Speaker 1: Ein Gespräch über Haltung, Überforderung und die leise Hoffnung dass es noch nicht zu spät ist.
- 1:44Speaker 1: Wenn dir diese Episode von Jenna Talk gefällt folge uns bei Spotify, Apple Podcast oder wo auch immer du gerne Podcast hörst und hinterlasse uns eine gute Bewertung.
- 1:54Speaker 1: Diese und viele weitere Episoden findest Du auch als Videopodcast auf unserem YouTube Kanal.
- 1:59Speaker 1: Jetzt aber viel Spaß beim Zuhören!
- 2:01Speaker 1: Schön das ihr alle wieder mit dabei seid
- 2:07Speaker 0: Und eine Menge Zeit für ein persönliches
- 2:10Speaker 1: Bargespräch.
- 2:12Speaker 1: Herzlich
- 2:13Speaker 0: willkommen an unseren Bartresen!
- 2:16Speaker 0: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge Gin &
- 2:19Speaker 1: Talk.
- 2:21Speaker 1: Mach es dir gemütlich, lehne dich zurück und tauche ein in die verrucht düstere Atmosphäre unserer Studio-Bar.
- 2:37Speaker 1: Lieber Sascha ich freue mich sehr dass wir uns heute hier im Zürich treffen können um über dein Buch Palo Santo zu sprechen, um über Exilgedanken zu sprechen.
- 2:48Speaker 1: Um über Flucht und Spiritualität und alles was dazwischen stattfindet zu sprechen.
- 2:55Speaker 1: herzlich willkommen!
- 2:57Speaker 0: Vielen Dank für die Einladung.
- 2:58Speaker 0: ich freue mich jetzt zu sein.
- 3:00Speaker 1: Ich habe deinen Buch gelesen und es hat mich echt sehr bewegt weil ganz viele Momente da drin waren wo ich mir gedacht hab so Mist irgendwie war in der Situation auch schon mal Weil man ja immer diesen Gedanken hat, man möchte es irgendwie besser machen.
- 3:14Speaker 1: Man möchte irgendwie auch was tun gegen die Dinge, die da draußen negativ passieren.
- 3:21Speaker 1: und ich habe oft das Gefühl gerade unsere Generation ist manchmal wie gelähmt weil wir auf der einen Seite diese Last auf den Schultern haben dass wir wissen was passieren könnte wenn niemand etwas tut.
- 3:34Speaker 1: Und gleichzeitig werden wir uns so manchmal hilflos füllen Weil wir gar nicht so richtig wissen, wo wir denn eigentlich anfangen können um unseren eigenen Ansprüchen an uns selbst irgendwie gerecht zu werden.
- 3:47Speaker 1: Wie geht es dir da denn?
- 3:50Speaker 0: Die einfache Antwort wäre ich fühle mich da wie meine Figuren nämlich überfordert und manchmal ein wenig hilflos.
- 4:00Speaker 0: und dann gibt das immer so Momente wo man sich versucht aus dieser Überwältigung die natürlich jetzt auch nicht nur etwas damit zu tun hat dass dass ein Mensch sein und in der Welt sein irgendwie immer bedeutet, dass vieles passiert.
- 4:13Speaker 0: Also das ist ja dieses Gefühl, dass alles viel zu schnell geht... ...und alles immer schneller wird.
- 4:20Speaker 0: Das kennen ja auch schon Leute die eben vor... ...gundert Jahren gelebt haben.
- 4:25Speaker 0: Nichtsdestotrotz hat es natürlich auch was damit zu tun, dass man so viel oder dass ich als Medienmensch natürlich auch sehr viele Medien in verschiedenen Formaten konsumiere.
- 4:35Speaker 0: Und manchmal wird mir das alles soviel, dass ich mich dann für einen Moment manchmal radikal zurückziehen möchte und auch muss, weil sonst hätte ich dieses Buch nicht geschrieben.
- 4:46Speaker 0: Aber genau das Buch schreiben ist dann wiederum eigentlich ein guter Weg daraus, weil es erfordert eben eine gewisse Art von Rückzug der dann nötig ist um zu reflektieren und das Ganze in Kunst zu verarbeiten.
- 5:04Speaker 1: Ich hatte einige Suchschlüsse im Moment beim Lesen.
- 5:07Speaker 1: einer davon war dieser Moment, wo die beiden bei Goulos Großmutter waren.
- 5:13Speaker 1: Und diese Szene mit der Pflegerin, die reinkam und ... Die Großmütter selbst erschrocken war von ihrer ja vielleicht rassistischen Reaktion, die irgendwo unterbewusst in ihr Stadt gefunden hat im ersten Moment.
- 5:28Speaker 1: Und sie danach dann aber direkt reflektiert hat was da eigentlich passiert ist.
- 5:32Speaker 1: Und hab da viel über, also wir reden ja mal viel über Transgenerationales Trauma, aber ich glaube es gibt auch so eine transgenerationale Prägung die wir irgendwie tief in uns drin haben.
- 5:44Speaker 1: Die auch irgendwo immer so stückweit weitergegeben wird und wir manchmal bei allen bewussten nicht rassistischen Denken und bei allem offen sein dass wir ja alle sehr leben Aber uns immer wieder mal an so Punkten wiederfinden wo wir merken was denke ich da jetzt gerade eigentlich?
- 6:01Speaker 1: So irgendwo tief in mir drinnen?
- 6:02Speaker 1: oder wo kommt diese Reaktion gerade her?
- 6:04Speaker 1: oder wo kommen diese Angst, diese Befremdlichkeit die man vielleicht in irgendeiner Situation spürt eigentlich gerade her.
- 6:12Speaker 1: Ist das was du auch manchmal feststellst also wo du auch merkst?
- 6:17Speaker 1: Was ist denn das da in mir eigentlich?
- 6:19Speaker 0: Natürlich!
- 6:20Speaker 0: Also Menschen an sich sind ja sehr widersprüchliche Wesen oder sind in der Lage in der einen Sekunde des eine und in der nächsten was komplett anderes zu denken verwandeln, teilweise ihre Haltung zur Welt im Laufe ihres Lebens auch total manchmal bis zu hundert-achtzig Grad.
- 6:41Speaker 0: und das ist nicht mal so dass man jetzt dann sagen muss diese Person isst ein schwächerer Mensch als andere sondern dass sich Ansichten ändern je nachdem was für Erfahrungen Mensch macht mit etwas für Menschen der sich umgibt.
- 6:56Speaker 0: Was für Medien und Kunst die Person konsumiert Das beeinflusst uns schon stark in unserem Denken und unseren Fühlen auch.
- 7:05Speaker 0: Und das geht mir natürlich genauso.
- 7:08Speaker 0: Sicherlich habe ich das Privileg einerseits eine sehr gute, sehr humanistische Erziehung erhalten zu haben und vor allem habe ich viele Bücher gelesen.
- 7:22Speaker 0: aufwürdig behaupten was ja Ich glaube die Formulierung, ich weiß gerade nicht woher ich sie habe.
- 7:29Speaker 0: Aber sie kommt auch aus irgendeinem Buch oder so ist das Lesen auch eine Schulung in Empathie ist.
- 7:34Speaker 0: und dadurch dass sich viele Bücher lese und es schon immer einer meiner liebsten Tätigkeiten war versuche ich natürlich zumindest immer mich in die anderen Personen auch rein zu fühlen und mitzufühlen.
- 7:49Speaker 0: aber das heißt nichtsdestotrotz nicht dass man nicht Momente selbst erlebt indem man ...intolerant ist oder arrogant, oder so ein bisschen selbstherrlich in seiner Kritik an anderen Alters.
- 8:04Speaker 1: Gullo und hier die Flüchten diesen Momenten der Ohnmacht ja dann auch oft in Spiritualität, in Drogen, in Exzesse... Ist das auch so ein Symptom unserer Zeit?
- 8:16Speaker 1: Unsere Generation vielleicht auch dass wir Ja So viele Möglichkeiten haben auch der Situation irgendwo zu entfliehen, dass wir uns vielleicht der Konsequenz des notwendigen Handelns dann oft gar nicht stellen.
- 8:32Speaker 1: Weil es den Leuten die sich intensiv damit beschäftigen, die irgendwie Gefahren sehen, ganz schnell zu viel wird und sie sich tatsächlich ohnmächtig fühlen weil Sie merken Wir haben irgendwie alle eine gute Bildung genossen, wir sollten es alle besser wissen.
- 8:48Speaker 1: Wir haben alle über Jahrzehnte darüber gesprochen dass es nie wieder passieren darf das nie wieder in diese Richtung gehen darf und trotzdem passiert es irgendwie.
- 8:58Speaker 0: Ich überlege gerade weil's war ja jetzt keine richtige Frage aber natürlich viele Gedanken an die man irgendwie anknüpfen kann.
- 9:04Speaker 0: ich glaube schon dass zum einen bei allem Intellekt sind Menschen dann doch eben emotionale Wesen tun sich auch oft schwer, damit sich selbst ein bisschen aus der Distanz zu betrachten.
- 9:19Speaker 0: Weil wir stecken ja nun mal in unseren Köpfen fest und deswegen bekommen es die Leute teilweise glaube ich gar nicht mit dass sie sich gerade im Radikalisierungsprozess befinden weil für sie ist das alles eine logische Konsequenz aus dem was Sie vorher dachten.
- 9:37Speaker 0: aber Wenn sie sozusagen vielleicht mal ein paar Meter Abstand von sich selbst nehmen würden, würden Sie auch merken dass dem nicht so ist.
- 9:44Speaker 0: Und was dieses Flucht Realitätsfluchting und Exzesskonsum usw.
- 9:52Speaker 0: angeht?
- 9:52Speaker 0: Da habe ich das Gefühl da ist die Gegenwart vielleicht einfach unter anderen Voraussetzungen natürlich aber eine Wiederholung also von etwas was immer wieder kommt.
- 10:05Speaker 0: Natürlich kann man auch, weil mein Buch in den Berlin der frühen dreißiger Jahre anfängt.
- 10:11Speaker 0: Natürlich so dieses zwanzigere Jahre Berlin und auch zwanziger Jahre Silent Film Era Hollywood hernehmen dafür.
- 10:20Speaker 0: Aber genauso gut dacht ich jetzt gerade beim, als du erzählt hast an vor allem die USA aber auch Europa dann Zürge des Vietnamen Krieges in Kalifornien oder in Paris, schon so dass sich politischer Protest und auch teilweise im Gewalt eskalierende politische Proteste und dann auf der anderen Seite ein Experimentieren mit Drogen.
- 10:50Speaker 0: Und auch ein Interesse an Spiritualität jenseits des christlich-jüdischen Abendlandes irgendwie verstärkt hat.
- 11:01Speaker 1: L.A.
- 11:02Speaker 1: spielt ja auch eine große Rolle in deinem Buch als paradiesischer Exilort, an dem man sich hinwünscht um den ganzen dystopischen Europa und dem dystopisch Berlin zu entfliehen?
- 11:14Speaker 1: L. A., du warst häufiger da.
- 11:17Speaker 1: ich war häufiger schon da.
- 11:19Speaker 1: Ich hatte immer das Gefühl LA ist tatsächlich irgendwie so entrückt von dieser Realität ein Stück weit also auch entrückt Von der Realität in den USA.
- 11:28Speaker 1: es alles irgendwie immer so ein bisschen.
- 11:31Speaker 1: Ja, man fühlt nicht so richtig die Probleme, die es ja auch in der LA natürlich gibt.
- 11:36Speaker 1: Aber das ist ein Ort, der immer nicht so wirklich greifbar ist.
- 11:40Speaker 1: Der überstrahlt wird von Hollywood, von Schönheit, von der Lage und all den schönen Dingen, obwohl's ja auch ausreichend Katastrophen und Probleme dort gibt.
- 11:52Speaker 1: Was hat denn dieser Ort in deinem Herzen für eine Bedeutung?
- 11:57Speaker 0: Also auf der Art und Weise ... Los Angeles oder auch insgesamt die USA natürlich in meinem Leben und in meinem Aufwachsen immer eine Rolle gespielt, weil ich als junger Mensch zuerst von Musik dann auch von Film- und Literatur immer sehr geprägt war.
- 12:15Speaker 0: Von der US-amerikanischen Idee von Kultur oder so.
- 12:18Speaker 0: Und sei es auch.
- 12:21Speaker 0: also ich meine die Anfänge dessen meines Interesses an Los Angeles liegen sicherlich so ein Hip Hop in der Hip Hop Kultur Und der Geschichte von Musik, die aus Los Angeles kommt.
- 12:33Speaker 0: Also G-Funk und das alles.
- 12:36Speaker 0: Weil es immer sowas... also schon auch was quasi utopisch Fährnis hatte im Gegensatz zu dem East Coast Hip Hop, der für uns als irgendwie in Berlin aufgewachsener Person vielleicht viel mehr noch mit unserer eigenen Lebensfialität zu tun hat.
- 12:53Speaker 0: aber mal in so dem West Coast Hip hop hat man ja halt die Sonne Also dieser ewige Sonnenschein und das alles.
- 12:59Speaker 0: Und die Weite, das Autofahren und so, das hat man ja quasi gespürt.
- 13:04Speaker 0: Das hat mich eigentlich mein Leben lang nie so richtig verlassen... ...und jetzt als es darum ging dass ich darüber nachgedacht habe worüber ich mein erstes Buch schreibe da hatte ich einmal gerade zwei relativ prägende Reisen meine ersten eigenen Reisen noch Los Angeles hinter mir.
- 13:25Speaker 0: Ich habe einfach immer noch viel daran gedacht, auch an den Ort jetzt tatsächlich und nicht nur an das was sozusagen ein Kulturerzeugnis von dort kommt.
- 13:35Speaker 0: Und wollte damit irgendwie mehr machen... ...und dann kam noch das Thema dazu dass in den letzten Jahren ja immer mehr darüber geredet wurde inwiefern sind die zwanziger Jahre in denen wir jetzt leben vielleicht eine Wiederholung der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts und was gibt es für Parallelen?
- 13:54Speaker 0: Was gibt es aber auch für Unterschiede?
- 13:56Speaker 0: oder beziehungsweise es wurde immer so sehr schnell dieser Vergleich gebracht, ohne zu hinterfragen was da wirklich gleich ist und was wirklich verschieden ist.
- 14:06Speaker 0: Und als ich... Also einmal habe ich mich für die Kultur, die in der Weimarer Republik entstanden ist und auch in Wien zu der Zeit schon immer sehr begeistern kann.
- 14:19Speaker 0: also ich würde schon eine Menge Schriftsteller und Schriftstellerinnen aus dieser Generation als Inspiration bezeichnen.
- 14:29Speaker 0: Und wenn man sich mit dieser Generation beschäftigt, dann kommt Los Angeles ja auch immer wieder vor weil viele Intellektuelle oder eigentlich nicht vielleicht auch gar zu wenige aber einige Intellektuellen aus Europa geschafft haben nach Los Angeles, nach Hollywood zu flüchten.
- 14:47Speaker 0: ich habe teilweise deren Häuser gesehen.
- 14:52Speaker 0: Viele von denen sind ja dann aus verschiedenen Gründen, aber nicht lange dort geblieben.
- 14:59Speaker 0: Obwohl sie sich eigentlich geschafft haben, dort ein sehr schönes von außen betrachtetes Leben aufzubauen und ich habe mich gefragt warum?
- 15:05Speaker 0: Und wollte darüber mehr erfahren und dann kam... kam ich oft Billy Wilder der als einer der wenigen Immigrierten die vorher auch wie er in Berlin gelebt haben für immer gebliebene ist und einfach auch eigentlich quasi sein Europäer sein aufgegeben hat zugunsten, dass Amerikaner seins.
- 15:27Speaker 0: Er sprich er hat an diese Utopie würde ich unterstellen geglaubt und auch da habe ich mich gefragt warum?
- 15:33Speaker 0: Und das sind halt all diese ganzen Warum-Fragen hab' ich halt versucht für mich selbst beim schreiben zu klären.
- 15:39Speaker 1: Du hast Billy Wilder gerade schon angesprochen und er spielt eine zentrale Rolle.
- 15:43Speaker 1: in dem Buch ist es ja immer dieser Zeitschnitt quasi zwischen zwanzig siebenundzwanzig und dreißig dreiunddreißig quasi hin und her.
- 15:53Speaker 1: Was mich interessiert ist dieser Punkt, warum er dann letztendlich gegangen ist.
- 15:57Speaker 1: Weil das ist ja eigentlich auch so eine Schlüsselfrage irgendwo.
- 16:02Speaker 1: Wann gehe ich denn eigentlich?
- 16:04Speaker 1: Also heute in unserer Generation habe ich oft das Gefühl die Leute sagen alle lieber zu früh als zu spät.
- 16:09Speaker 1: aber so richtig gehen tut da auch keiner und wir wissen alle nicht wann es eigentlich zu späht.
- 16:14Speaker 1: Ein Freund von mir hat gesagt lieber haut er einmal zu früh ab und kommt nach sechs Wochen wieder und sagt ich war im Urlaub.
- 16:20Speaker 1: Was ist denn so ein Schlüsselmoment, wo gerade auch Menschen die sich mit diesen Themen beschäftigen?
- 16:27Speaker 1: Was würdest du denn sagen, wann würdest Du vielleicht auch für Dich entscheiden gehen zu müssen?
- 16:35Speaker 1: und was glaubst Du war vielleicht der Punkt, wo Billy Wilder dann ja auch schon eher früh gesagt hat er geht.
- 16:42Speaker 0: Also ich kann natürlich nicht für Billy Wilders sprechen.
- 16:46Speaker 0: Versuche deshalb vorsichtig zu antworten, was ihn betrifft.
- 16:49Speaker 0: Weil er ja auch nicht mehr Antworten oder mich korrigieren könnte.
- 16:53Speaker 0: aber Er ist ja Eigentlich.
- 16:56Speaker 0: die hat Deutschland direkt verlassen nach dem klar war Hitler wird Reichskanzler und Ist dann nach Paris gegangen Und es dort so ein halbes dreifel jahr geblieben und von dort weiter nach Los Angeles.
- 17:06Speaker 0: sprich er war schon Ich muss denke ich schon früher lange mit dem Gedanken gespielt haben.
- 17:13Speaker 0: Ich meine eben er waren berlin unterwegs.
- 17:14Speaker 0: Er war journalist Sprich, er hat viel gesehen von dem was da kommt und das war jetzt irgendwie eigentlich wenn man sich mit dem... Zumindest für Menschen die sich viel mit Gesellschaft und Politik und eben auch Literatur auseinandergesetzt haben.
- 17:31Speaker 0: War es glaube ich nicht überraschend was passiert also dass die Deutschen dazu bereit sind einer faschistischen Partei Die Macht zuzusprechen zumal ja auch irgendwie Man konnte ja auch nach Italien schauen und Faschismus war zu der Zeit, wie heute auch wieder ja.
- 17:49Speaker 0: Oder faschistoide Tendenzen waren ja überall auf der Welt zu betrachten zum Beispiel hier in der Schweiz Und sprich er wird viel darüber nachgedacht haben und dann diese Entscheidung getroffen haben sicherlich aus verschiedenen Gründen also einerseits auch so nah ich will das nicht jeden Tag mitbekommen Aus einer persönlichen Bedrohtheit sicherlich auch.
- 18:13Speaker 0: Ein Teil davon wird aber bestimmt auch gewesen sein, dass ihn zu dem Zeitpunkt – weil er ja noch nicht wissen konnte was passieren würde.
- 18:21Speaker 0: Dass es ihm Reiz hat woanders zu sein und in Hollywood, wo ja eben zu diesem Zeitpunkt auch schon viele deutsche Künstlerinnen und Künstlern also sowohl Regisseure Schauspielerinnen, aber auch Filmbosse waren die den deutschen oder österreichischen Background hatten zum Beispiel Lubitsch, sein großes Vorbild war ja auch schon nach Los Angeles gegangen sprich Die, das wird auch eine Rolle gespielt haben.
- 18:45Speaker 0: Und jetzt für mich... Ich meine ich bin ja jetzt so zürich quasi in diesem etwas manchmal disneylandhaft anmutenden vor allem wenn man von außen kommt In dieser disney-aft anmitenden Region zwischen enormen Wohlstand und wahnsinnig schöner Natur überall um einen herum.
- 19:09Speaker 0: Das war jetzt keine Entscheidung von wegen so, ah ich habe Angst davor was in Deutschland passiert.
- 19:16Speaker 0: Ich möchte weg sondern das hat sich so ergeben aufgrund persönlicher privater Umstände.
- 19:22Speaker 0: Nichtsdestotrotz finde ich schon gut gerade also ein bisschen von außen auf Deutschland schauen zu können weil es schon viele Dinge gibt die einem Sorgen machen und die man irgendwie nicht gerne sieht.
- 19:38Speaker 0: Und grundsätzlich war mein, also natürlich habe ich auch schon darüber nachgedacht.
- 19:46Speaker 0: Das was ich mir selber gesagt hab als Glaubenssatz immer, wenn es passieren sollte dass in Deutschland eine rechtsextreme Regierung oder eine Regierung unter Beteiligung der AfD gebildet wird im Bund dann bin ich lieber früher als später weg.
- 20:06Speaker 0: so
- 20:07Speaker 1: Ich habe manchmal das Gefühl, also du hast ja gerade schön beschrieben Billy Wilder der als Journalist unterwegs war.
- 20:12Speaker 1: Der viel mitbekommen hat, der irgendwie auch sehen konnte wie sich die Lage verschärft er ja auch als Jude betroffen war von der Bedrohungslage ganz akut.
- 20:24Speaker 1: und dann denke ich mir immer wir sind jetzt in dieser Zeit und wir tun uns manchmal schwer die Gefahr tatsächlich zu benennen.
- 20:34Speaker 1: Und keine Kritik gegen deine Antwort gerade, aber das ist ja so ein allgemeines Phänomen.
- 20:39Speaker 1: Wir sprechen dann über faschistuide Bewegungen und Tendenzen.
- 20:45Speaker 1: Und wir reden darüber, dass da und hier sich Dinge verschieben.
- 20:49Speaker 1: Aber wir tun uns wahnsinnig schwer damit zu sagen die Gefahr ist da, die Gefahre ist real.
- 20:54Speaker 1: Wenn wir nicht irgendwie jetzt handeln, haben wir im Jahr zwanzig neunundzwanzig ein massives Problem bei der Bundestagswahl.
- 21:01Speaker 1: Was denkst du, warum fällt uns das so schwer?
- 21:05Speaker 1: Hängen wir immer noch sehr an dem Gedanken, dass es nie wieder passieren wird und dass wir eigentlich besser wissen müssten.
- 21:12Speaker 0: Die Antwort darauf hängt natürlich sehr davon ab was für Personen diese Äußerungen treffen also jetzt ob aus Privatpersonen oder öffentliche Person aus der Politik und dann auch die Frage welcher Partei angehörig und warum treffen die dann diese Aussagen?
- 21:30Speaker 0: Nichtsdestotrotz, ich glaube es hat viel mit einer Art von Selbstsicherheit auch zu tun.
- 21:38Speaker 0: Also der Glaube daran dass wir mit der Bundesrepublik Deutschland in einem Land leben das eigentlich die bestmögliche Verfassung hat und abgesichert ist.
- 21:50Speaker 0: Die ist glaube ich so tief eingesickert dass man sich gar nicht mehr... also auch nach dem Ende des Konflikts zwischen Kapitalismus und Kommunismus war man sich glaube ich einfach sehr sicher darin, dass das ist jetzt das System in dem wir für immer leben werden und die Werte nachdem wir für überleben können.
- 22:08Speaker 0: Und das hat man ja schon daran gemerkt wie sehr aus dem heiteren Himmel, dass auch sehr viele Menschen dies eigentlich besser wissen müssten getroffen hat als Putin, die Ukraine angegriffen hat.
- 22:20Speaker 0: Das sozusagen, dass man so ein bisschen eingeschlafen ist vielleicht in dieser Gewissheit.
- 22:28Speaker 0: Und warum sich das, obwohl eben der Beginn des Ukrainekrieges jetzt schon ein paar Jahre her ist und der langsame Aufstieg der AfD jetzt auch schon seit diversen Jahren voranschreitet.
- 22:42Speaker 0: Warum da immer noch teilweise die Augen verschließt?
- 22:46Speaker 0: Das weiß ich ehrlich gesagt nicht!
- 22:48Speaker 1: In Palosanto ist der Golo einer der Hauptprotagonisten.
- 22:55Speaker 1: Er zeigt sich schon ganz am Anfang des Buches, auch als sehr verletzlicher Charakter.
- 23:03Speaker 1: Er hat psychosomatische Symptome und hat häufig Bauchkrempfer, Kopfschmerzen und hat alle möglichen Dinge mit denen er auch vergleichsweise offen umgeht.
- 23:14Speaker 1: Ist das vielleicht auch so eine neue Generation an Mann die langsam versteht dass diese diese dicke Mauer, die wir uns oft herum gebaut haben einfach quatsch ist und uns selbst schadet.
- 23:29Speaker 1: Und wir uns selbst und auch den Menschen in unserem Umfeld sehr viel besser tun wenn wir einfach mit unserer eigenen Verletzlichkeit offener umgehen und nichts so tun als wären wir irgendwie unantastbar?
- 23:44Speaker 0: Ich finde man könnte sagen ich wünschte es wäre so also dass man davon eine Generation sprechen könnte.
- 23:51Speaker 0: aber das Problem ist ja Ich glaube schon einer der wesentlichen Faktoren, die dafür gesorgt hat dass wir in dem Klimaleben, in dem wir uns momentan befinden ist das sich sehr viele Männer von solchen Tendenzen bedroht gefühlt haben.
- 24:10Speaker 0: Teilweise vielleicht auch Frauen aber schon vor allem Männer.
- 24:13Speaker 0: also ich glaube schon was der Rechtsruck in den westlichen Gesellschaften schon vor allem angetrieben wird von männlichen Kräften, die auf eine Art und Weise ihre Formatstellung bedroht sehen.
- 24:29Speaker 0: Die selber eben zu sehr vielleicht auch bis sozusagen ein bisschen positiv und empathisch zu formulieren so sehr gefangen sind in dem was sie beigebracht bekommen haben davon wie einen Mann zu sein hat dass sie sozusagen den größtmöglichen Gegenentwurf zu dieser Art von Männlichkeit oder Menschlichkeit die du beschrieben hast Attraktiver finden, also auch junge Leute.
- 24:51Speaker 0: Also es gab ja irgendwie auch viel Untersuchung über die Rahmen der letzten Wahlen darüber dass junge Menschen tendenziell konservativer wählen als vor zehn Jahren und so.
- 25:04Speaker 0: Und das hat sicherlich was damit zu tun, dass auch insbesondere junge Männer oder Jungs sich ein bisschen vielleicht auch
- 25:16Speaker 1: das
- 25:16Speaker 0: Gefühl haben ihr ihre klare Bestimmung verloren zu haben.
- 25:23Speaker 0: Und dadurch, dazu geneigt sind sich einfachen Antworten hinzugeben und Leuten Männern im Internet die lauthalz propagieren das Männer unterdrückt würden oder so.
- 25:44Speaker 1: Verwechseln wir da vielleicht manchmal auch einfach Stärke mit Abstumpfung und Ignoranz?
- 25:50Speaker 0: Sicherlich!
- 25:51Speaker 0: Also ne den würde ich unverarbeitlos zustimmen.
- 25:55Speaker 1: ist es vielleicht genau da dann auch wichtig, dass man da irgendwie auch mit gutem Beispiel vorangehen und auch Emotionen zeigt.
- 26:03Speaker 1: Und gerade wenn man irgendwo in irgendeiner Art und Weise an der Öffentlichkeit steht wie auch immer aber eine gewisse Reichweite hat, das man genau dann so ehrlich ist und die eigene Überforderung zulässt und genau die ausspricht oder vielleicht auch in einer Geschichte, in einem Buch verarbeitet?
- 26:25Speaker 0: Es ist sicherlich nicht ausreichend, um unsere gesellschaftlichen Probleme zu lösen.
- 26:29Speaker 0: Aber es ist auf jeden Fall ein richtiger Schritt, würde ich behaupten und eben einerseits sind natürlich... Also wenn als ich mich hingesetzt habe einen Roman zu schreiben war halt schnell klar dass irgendwie alle Figuren die Ich aufschreibe viel mit mir zu tun haben also auch die Auch die Billy Wilder Figur in meinem Roman die basiert natürlich viel auf historischen Fakten hab und auf Interviews mit ihm, die ich gelesen habe.
- 26:58Speaker 0: Und oft das Managingbild von ihm, dass ich bekomme durch seine Filme basiert.
- 27:04Speaker 0: aber natürlich ist es trotzdem gefiltert durch mein eigenes Denken und damit eine Projektion aus meinem Kopf.
- 27:10Speaker 0: und vielleicht beschreibe ich irgendwann in einem Buch mal auch so ne ganz klassische Männerfigur Aber ein andererseits.
- 27:22Speaker 0: Ich wollte schon Es ist mir schon wichtiger oder war es mir jetzt zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, wichtiger ein Buch zu schreiben mit dem ich mich auch identifizieren kann und das auch quasi meine Werte mit in sich trägt anstatt einer kritischen Analyse von Männlichkeit.
- 27:43Speaker 0: Natürlich ist es glaube ich immer gut für... also Kunst kann schon immer gut dafür sein dass sich Menschen die vielleicht mit der Art und Weise wie sie sich fühlen sich als Allein empfinden.
- 27:57Speaker 0: Dafür kann es sicherlich kunstgut sein, oder ich jetzt als Person, die bisschen in der Öffentlichkeit steht und so dass ich Leuten zeige, ah ja, so kann man sein und damit gut durchs Leben geht.
- 28:10Speaker 0: Man muss nicht sein wie Joe Rogan oder so.
- 28:14Speaker 0: Und Joe Rogal ist jetzt nicht das schlimmste Beispiel.
- 28:16Speaker 0: Sonst dachte ich sage lieber was Hypics Moderates ist jemand mit dem man sich auch gerne mal unterhalten würde oder so und nicht mit irgendjemandem, der völlig jenseits von gut und böse ist.
- 28:29Speaker 0: Ja also denke ich denke schon dass man als öffentliche Person da ein bisschen was bewegen kann.
- 28:35Speaker 1: Ich saß vor ein paar Wochen mit einem guten Freund von mir lange abends zusammen sehr lange abend zusammen.
- 28:40Speaker 1: Der ist sehr erfolgreicher deutscher Musiker Und wir haben lange darüber diskutiert das die Kultur heute eigentlich wieder eine neue Rolle finden muss von quasi einfachem kulturellen Schaffen hinzu auch wieder Farbe bekennen und eine deutliche Botschaft senden für Demokratie, für ein friedliches Zusammenleben.
- 29:07Speaker 1: Für all diese Dinge wie wir es ja auch in der Vergangenheit oft hatten also Stichwort Vietnamkrieg.
- 29:12Speaker 1: du hast vorhin kurz angesprochen wo ist ja viel kulturell einen Protest auch gab in der Musik in der Kunst wie auch immer.
- 29:21Speaker 1: Wie siehst du das dann als jemand, der sich ja viel mit Kultur beschäftigt in der Kultur arbeitet und da sehr tief drin steckt?
- 29:31Speaker 0: Das ist auch eine Frage die man auf viele Weisen beantworten könnte.
- 29:34Speaker 0: Einerseits denke ich schon dass es jetzt also von mir ausgehend und der gerade einen Roman geschrieben hat Ich hätte es langweilig gefunden jetzt sozusagen in diesem Buch offensive Statements einzubauen sprich als ich beobachte anhand dieser Geschichte eher sozusagen wie sich Mensch sein, meine Umwelt und so sich für mich gerade anfühlt.
- 30:02Speaker 0: Und da spielt Politik oder spielen politische Entwicklungen natürlich eine Rolle.
- 30:08Speaker 0: aber es geht mir nicht darum jetzt sozusagen ein explizites, expliziter Handlungsaufrufe zu betreiben.
- 30:15Speaker 0: und sprich ich finde in der Kunst Oder Kunst wird manchmal auch dadurch schlechter, wenn es sozusagen zu sehr darum geht, dass man eine bestimmte Message nach außen tragen will.
- 30:31Speaker 0: Weil das Gute ist ja an einem Buch, wenn das sozusagen in der Buchhandlung liegt oder mit möglichst vielen Buchhandlungen liegt und jemand nimmt das einfach in die Hand weil er das Cover oder sie das Cover interessant findet und dann sich denkt A der hat doch diesen einen Film gemacht, das ist interessant.
- 30:49Speaker 0: Das nehme ich mir jetzt mit und die Person ist aber selbst vielleicht gerade in einer Situation oder ist in einem Umfeld groß geworden, indem zum Beispiel rassistisches Gedankengut allgegenwärtig ist?
- 31:03Speaker 0: Dann wenn ich sozusagen den zu offensiv so bekehren wollen würde diese Person dann würde es sicherlich scheitern.
- 31:12Speaker 0: Aber wenn das sozusagen im Text quasi eine über... Also eher ein gewisses Menschenbild in sich trägt und implizit diese Werte in sich trägt.
- 31:25Speaker 0: Dann hat das, glaube ich mehr Veränderungspotenzialen Köpfen als wenn man sozusagen Leuten durch Kunst sagt Das ist schlecht!
- 31:33Speaker 0: Da ist es richtig oder so.
- 31:35Speaker 0: Nichtsdestotrotz glaub' ich schon Oder hab' ich auch das Gefühl dass immer noch zu wenig Und da also Ich mein drei tausend Follower auf Instagram und so.
- 31:47Speaker 0: Ich habe ein unabhängiges Magazin, sprich ich hab eine gewisse Reichweite aber jetzt keine große.
- 31:52Speaker 0: Aber ich habe schon das Gefühl dass vor allem von Menschen aus der Popkultur die wirklich viel Einfluss haben auch insbesondere von solchen die sich wie zum Beispiel im Hip Hop Bereich bewegen in Genres, die eigentlich von ihrer Entstehungsgeschichte etwas Inherentpolitisches haben Das natürlich durch den großen Mainstreamerfolg des Genres sich so ein bisschen aufgelöst hat, dass die zu wenig
- 32:19Speaker 1: sich
- 32:20Speaker 0: positionieren.
- 32:21Speaker 0: Und ich glaube auch nicht... Ich finde auch nicht das sie jetzt sozusagen Songs machen müssen, die Protestsongs sind oder so.
- 32:26Speaker 0: aber wenn man in die Öffentlichkeit geht oder indem man eben an Benefizkonzerten teilnimmt und so das kann glaub ich schon eine Awareness schaffen, die sinnvoll wäre.
- 32:38Speaker 0: also ich positiv Beispiel irgendwie so ne Band wie Kraftclub Die machen das ja schon seit Jahren, wenn ich sogar noch seit einem Jahrzehnt, dass sie in ihrer Stadt darauf aufmachen.
- 32:50Speaker 0: Also ihnen Chemnitz darauf aufmerksam machen was für Problematiken rechtes Denken mit sich bringt und über Konzerte da ganz viele Menschen zusammenbringen.
- 32:59Speaker 0: Das sowas ist total ein gutes Beispiel von künstlerischem Aktivismus den ich auf jeden Fall für Worten würde.
- 33:07Speaker 1: Ja, ich glaube wir unterschätzen auch oft welchen Impact es haben kann wenn man einfach für die richtige Werte einsteht.
- 33:15Speaker 1: Also ich muss ja noch nicht mich dazu hinreißen das ein politisches Statement abzugeben schadet auch nicht.
- 33:22Speaker 1: aber Ich glaub der minimalaufwand Für jeden der irgendeine Form von Reichweite hat und dafür Demokratie steht, wäre ja für demokratische Werte einzustehen und die auch irgendwo zu vermitteln in dem eigenen Tun.
- 33:38Speaker 1: Und vielleicht auch kritisch zu argumentieren wenn man da irgendwo missständig besieht oder?
- 33:45Speaker 0: Definitiv!
- 33:47Speaker 0: Und einerseits also natürlich... Wenn man in gewissen Blasen unterwegs ist und auf die Social Media Kanäle geht dann Also ich sehe sehr viel von solchen Content.
- 33:59Speaker 0: Das Problem ist eben, oder die Frage, die wir uns gerade ausstellen müssen was sind die richtigen Kanäle jetzt um den Versuch zu unternehmen auf gefährliche Tendenzen aufmerksam zu machen und irgendwie vielleicht auch Politik zu beeinflussen?
- 34:15Speaker 0: Und das geht eigentlich glaube ich besser in dem man sich... auf analogen wegen zusammenfindet und sich zusammensetzt.
- 34:26Speaker 0: Und sich zusammen überlegt, was können wir gemeinsam machen um unser Publikum?
- 34:33Speaker 0: In unserem Publikums das Bewusstsein für gewisse Dinge zu schärfen?
- 34:37Speaker 0: also ich glaube dieser... Das was sich so eigentlich so richtig auch erst während der Pandemie etabliert hat dass sehr viele öffentliche Personen auch ihre Instagram Stories als Plattform nehmen Gesellschaftliche Kommentare abzugeben, die dann teilweise aber auch sehr an der Oberfläche kleben bleiben weil.
- 34:58Speaker 0: Die Plattform auch einfach genau für sowas gemacht ist.
- 35:02Speaker 0: das hat sich alles irgendwie einerseits dadurch dass sich Algorithmen verändert haben und irgendwie die Menge an Content die sozusagen über diese Social Media Platform auf uns eindringt.
- 35:14Speaker 0: Das versendet sich Alles Und wird auch verdrängt zunehmend Dadurch Dass Rechtenkräfte in der Gesellschaft vielleicht gerade besser organisiert sind und zielstrebiger an dem, was sie tun.
- 35:29Speaker 0: Während sozusagen auf der linken Seite viele sind so Einzelkämpfende die halt ihren Instagram-Kanal bespielen um Leute zu erreichen im Bezug auf Dinge, die ihnen wichtig sind oder zu denen sie etwas sagen wollen.
- 35:44Speaker 0: aber es fehlt dieses Gemeinschaftsstift und natürlich sind so Sachen wie irgendwie... auf eine Briefe oder so einen Anfang, aber ich glaube eben zum Beispiel wie Gertis Konzerte oder auch Festivals für Literatur oder eine Mischung aus all dem die nicht kommerziell orientiert sind und dadurch halt offen für alle.
- 36:08Speaker 0: Und in denen dann gewisse Werte und auch kommuniziert werden und auch Kritik äußert wird, die können glaub ich sehr viel mehr bewegen.
- 36:20Speaker 1: Auch ein zentraler Punkt in Palosanto ist ja die Liebe.
- 36:25Speaker 1: und wie überfordert, die manchmal sein kann oder wie überfordert die Liebe manchmal sein können von den äußeren Einflüssen, von den Herausforderungen, die auf so eine Beziehung auch hereinprasseln wenn Menschen unterschiedlich vielleicht auch feinfühlig sind für die Probleme, die da draußen sind oder sich auch unterschiedlich engagieren wollen dafür, dagegen der eine vielleicht mehr im Rückzug die andere mehr im Aktivismus und dir eine Person geht vielleicht mehr ins Risiko.
- 36:57Speaker 1: Die andere würde sich am liebsten in irgendein stilles Kämmerlein zurückziehen.
- 37:04Speaker 1: Hast du da für dich Gefühl gefunden wie man damit richtig umgehen kann?
- 37:12Speaker 0: Also... Ich kann da jetzt nicht wirklich aus eigener Erfahrung sprechen oder so.
- 37:18Speaker 0: Also das ist eher, was ich da in die Figuren reingeschrieben habe, ist ein Konflikt den ich jetzt nicht selber schon irgendwie meinem Leben ausgetragen habe.
- 37:26Speaker 0: So es ist ja vielleicht so dass diese eben weil beide Figuren ja irgendwie Teil meines Bewusstseids sind, dass sich dann innerer Konflikten mir austrägt darin aber auch da ist es glaube ich Kommunikation und gemeinsam gemeinsame Erfahrungen machen und zuhören.
- 37:48Speaker 0: So das Wichtigste, es sind irgendwie so Gemeinplätze.
- 37:51Speaker 0: aber ich glaube Das ist schon das was ich irgendwie daraus ziehe dass Ich glaube schon glaube das für viele zunehmend ein Problem ist dass sie so gefangen sind in ihren Bildschirmen Dass uns das Dass das eigentlich das wichtigste ist um weiterhin Hoffnung zu haben, einerseits dass die Dinge gut werden können und ohne Hoffnungen wird auch keinen Kämpfen funktionieren oder so.
- 38:21Speaker 0: Und dieses Schöpfen von der Hoffnung geht eigentlich nur durch Gemeinschafts- und egal ob jetzt in liebes Beziehung oder romantischen Liebesbeziehungen oder auch in Freundinenschaften usw..
- 38:34Speaker 1: Verantwortung übernehmen ist ja auch so ein Punkt gerade bei den jüngeren Generationen.
- 38:39Speaker 1: wenn man sich da Studien anschaut Gibt's ganz, ganz viele die sagen ja also ich bin schon irgendwie für Demokratie aber ich würde jetzt auch nicht für mein Land kämpfen oder einstehen wollen.
- 38:51Speaker 1: Ich würd das Land eher verlassen als dass sich irgendwie dann auch versuche meine Heimat irgendwo in welcher Form auch immer zu verteidigen.
- 38:59Speaker 1: was ist das eigentlich für einen Zwiespalt der da in diesen Menschen steckt zwischen?
- 39:04Speaker 1: Ich fühl mich dazu Hause dass es irgendwie meinen umfeld Aber wenn es schwierig wird, wenn's ernst wird.
- 39:11Speaker 1: Wenns mich dann persönlich betrifft, bin ich lieber
- 39:14Speaker 1: weg.".
- 39:15Speaker 0: Also natürlich würde das was damit zu tun haben dass uns unserer Generation und den jüngeren Generationen wahrscheinlich noch stärker sehr beigebracht wurde Dass alles um unsere persönlichen Interessen geht also dass wir uns wirklich frei entfalten sollen Und dass das im Zentrum unseres Lebens steht.
- 39:38Speaker 0: Ein Land mit der Waffe zu verteidigen, da ist ein radikales Gegenteil davon.
- 39:43Speaker 0: Und dass sich die Menschen das nicht mehr vorstellen können... Das ist irgendwie total logisch.
- 39:53Speaker 0: und sicherlich kommt in Deutschland auch dazu, dass insbesondere Menschen, die eher links stehen schon seit sozusagen der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ja diesem Land immer kritisch gegenüberstanden.
- 40:08Speaker 0: aus einem guten Grund.
- 40:10Speaker 0: Ich auch, also weil erstmal schon gefühlt in gefühlter Wahrnehmung, weil eben wir dieses Land oder die Menschen in diesem Land den Holocaust begangen haben und zwei Weltkriege übergonnen haben, die unwahrscheinlich viele Menschen gekostet haben und sich deshalb sozusagen so weit mit der Idee Deutschland zu identifizieren dass man dafür auch die Waffe in die Hand nehmen würde, ist schwierig ohnehin.
- 40:40Speaker 0: Und dann auch wenn man sich mehr mit Geschichte daran beschäftigt und mit den Kontinuiteten des Nationalsozialismus in der führenden Schichten der deutschen Gesellschaft nach dem Krieg, dann wird das noch mal schwieriger.
- 40:55Speaker 0: Das ist glaube ich so eine deutsche Sondersituation, dass es vielen Menschen mich eingeschlossen schwerfällt, mit dem Nationalstaat zu identifizieren.
- 41:08Speaker 0: Also eben, wir können alle... also alle die solche Äußerungen treffen jetzt in der Öffentlichkeit würden sicherlich unterschreiben dass das demokratische System, das in der Bundesrepublik eingeführt wurde nicht zu den schlechtesten demokratischen Systemen in der Welt gehört.
- 41:27Speaker 0: aber diesen nächsten Schritt zu gehen ja ist Aus einerseits diesen bestimmten, bestimmten spezifisch deutschen Gründen aber auch aus vielen anderen logischerweise nicht mehr vorstellbar.
- 41:44Speaker 0: Also wenn man sich anschaut jetzt diese... Ich hab das Gefühl auch dass das Leid der Menschen oder der Familien in der Ukraine und aus der Ukraine liegt vielen Deutschen immer noch sehr fern obwohl es also Ja, sehr viele Leute aus der Ukraine.
- 42:02Speaker 0: Hier gibt's denen, die man fragen könnte wie sich das gerade anfühlt aber irgendwie findet dieses Gespräch sehr wenig darüber statt.
- 42:10Speaker 1: Hedy sagt in deinem Buch irgendwann Deutschland war schon immer eine schlechte Idee.
- 42:15Speaker 1: jetzt sind wir in dieser ganzen aktuellen Bewegung sicherlich nicht das schlechteste Beispiel von allen oder das größte Problem von allen Gäpländer wo die Demokratie gerade noch viel mehr Mitfüßungen getreten wird.
- 42:29Speaker 1: Gleichzeitig ist es aber doch besonders enttäuschend, dass wir gerade in Deutschland mit der Verantwortung und der Geschichte – wo wir alles schon darüber gesprochen haben -, dass das wir überhaupt ein Problem haben.
- 42:41Speaker 1: Bist du denn optimistisch?
- 42:43Speaker 1: Dass wir vielleicht aus dieser ganzen Bewegung, Entwicklung am Ende noch als leuchtendes Beispiel herausgehen, indem dieser ganzen Tendenz klare Grenzen aufzeigen?
- 42:58Speaker 1: oder sind wir da vielleicht gar nicht so sehr am Ende in der Lage dazu, das durchzuziehen?
- 43:07Speaker 0: Ich glaube dass ich was das angeht momentan auch eher tendenziell pessimistisch bin.
- 43:15Speaker 0: Weil ich sehe einfach also ich sehe auf jeden Fall Menschen die einem Hoffnung geben aber gleichzeitig gefühlt mehr Menschen, die diese Hoffnung zerstören.
- 43:29Speaker 0: Und ich hab schon das Gefühl dass zumindest... ...dass.. ..die Dinge vielleicht noch etwas kaputter gehen müssen damit mehr Leute aufwachen.
- 43:41Speaker 0: Also einfach nur als so wenn man sich an.. Wenn man sich irgendwie die Geschichte der Menschheit anschaut dann scheinen die Menschen ja oft sehenden Auges in mir Unheil gelaufen zu sein und haben erst relativ spät bemerkt, dass man ja auch dagegen steuern könnte.
- 44:00Speaker 0: Und ich sehe jetzt zumindest noch nicht den Zeitpunkt gekommen wo sich eine kritische Masse bilden kann die auch wirklich eine Idee.
- 44:10Speaker 0: oder es fehlt vielleicht auch die Idee oder die politische Kraft hinter der genug Menschen bereit wären sich zu versammeln und das liegt sicherlich auch nicht nur an oder das wiederum liegt jetzt nicht spezifisch Deutsch, sondern es hat glaube ich viel auch damit zu tun dass die Konflikte also das ist ja gerade auch durch den Auskonflikt gibt noch einen weiteren ein weiterer Krieg aufgetaucht ist in den letzten Jahren der viele Menschen die eigentlich zusammenstehen sollten entzweit.
- 44:45Speaker 0: Ich glaube das spielt eine große Rolle darin von Menschen, seit je her irgendwie oft angeführte Selbstzerfleichterung der Linken gerade besonders stark stattfindet und diese... ich glaube schon das ist auch für Menschen die sich nicht links der Mitte verordnen würden.
- 45:05Speaker 0: Das es gut täte wenn die gesellschaftlichen Kräfte, die sich eher links der mitte verorden wurden mehr wieder zusammenfinden damit wir ein besseres Gegengewicht bilden gegen direchten Tendenzen.
- 45:19Speaker 1: dann hoffe ich sehr, dass das vielleicht doch noch eintritt.
- 45:23Speaker 1: Dass wir da hoffnungsvoll bleiben und aktiv für Werte einstehen und auch die Kultur dabei einen wichtigen Beitrag leistet!
- 45:33Speaker 1: Ich danke dir auf jeden Fall, dass du dir die Zeit genommen hast und dass wird dieses ausführliche Gespräch hier mit Blick auf die Züge vor Zürich führen konnten.
- 45:44Speaker 1: Vielen Dank!
- 45:45Speaker 0: Ja nochmal Danke dir für die Einladung.
- 45:49Speaker 0: Ich bin gespannt, wie die Menschen dieses Gespräch finden
- 46:22Speaker 1: werden.