Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Ecce Homo - 2: Warum ich so klug bin. 1
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- 0:00Echse homo, wie man wird, was man ist.
- 0:03Kapitel 2 warum ich so klug bin Abschnitt 1 Friedrich Nietzsche
- 0:12beginnt diesen Abschnitt mit der Frage an sich selbst.
- 0:15Warum weiß er eigentlich mehr als andere Menschen?
- 0:18Warum ist er so klug? Seine einfache Antwort lautet,
- 0:22dass er niemals seine Zeit und seine Energie mit Fragen
- 0:25verschwendet hat, die in Wirklichkeit gar keine echten
- 0:27Fragen sind. Zum Beispiel sagt er, dass er
- 0:30religiöse Probleme aus eigener Erfahrung überhaupt nicht kennt.
- 0:34Er versteht gar nicht, wie man überhaupt sündhaft sein kann.
- 0:38Sündhaft bedeutet in der christlichen Religion, dass man
- 0:41gegen Gottes Regeln verstößt, auch das Gefühl eines
- 0:44Gewissensbisses versteht er nicht, ein Gewissensbiss ist das
- 0:48schlechte Gefühl oder die tiefe Reue, die man hat, wenn man
- 0:52denkt, man hat etwas Falsches getan.
- 0:54Nietzsche findet, dass ein Gewissensbiss nichts ist, das
- 0:57man respektieren sollte. Er ist der Meinung, wenn eine
- 1:00Handlung ein schlechtes Ergebnis hat, sollte man diese Handlung
- 1:03danach nicht einfach im Stich lassen oder verteufeln.
- 1:07Wir verlieren oft den richtigen und objektiven Blick für das,
- 1:10was wir getan haben, nur weil es schief gegangen ist.
- 1:14Für Nietzsche ist es eine viel bessere Art von Moral, eine
- 1:17Handlung gerade dann in Ehren zu halten, wenn sie nicht
- 1:19erfolgreich war. Er nennt das Gefühl der Reue,
- 1:22einer Art bösen Blick auf die eigenen Taten.
- 1:25Nietzsche zählt Begriffe auf wie Gott.
- 1:28Die Unsterblichkeit der Seele, Erlösung und das jenseits, also
- 1:33das Leben nach dem Tod. Er sagt, dass das alles nur
- 1:37leere Begriffe sind, er hat diesen Dingen niemals
- 1:39Aufmerksamkeit oder Zeit geschenkt, nicht einmal als
- 1:42Kind. Er glaubt, dass er vielleicht
- 1:45nie kindlich genug für so etwas war, er ist auch nicht durch
- 1:48langes Nachdenken zu einem Atheisten geworden, ein Atheist
- 1:51ist jemand, der nicht an Götter glaubt.
- 1:54Nietzsche sagt, der Atheismus ist für ihn kein Ergebnis von
- 1:57Überlegungen, sondern ein reiner angeborener Instinkt.
- 2:01Er ist einfach von Natur aus zu neugierig und stellt zu viele
- 2:05Fragen, als dass er sich mit einer so groben und einfachen
- 2:08Antwort wie Gott zufrieden geben würde.
- 2:12Für ihn ist der Begriff Gott nur ein unhöfliches Verbot an uns
- 2:15Menschen. Dieses Verbot lautet, Ihr sollt
- 2:18nicht denken, anstatt sich mit solchen ausgedachten religiösen
- 2:22Dingen zu beschäftigen. Interessiert sich Nietzsche für
- 2:24eine ganz andere Frage. Er glaubt, dass diese Frage viel
- 2:28wichtiger für das wohl und die Zukunft der Menschheit ist als
- 2:31jede theologische Überlegung. Es ist die Frage der Ernährung
- 2:35er formuliert diese Frage für den täglichen Gebrauch so wie
- 2:38genau musst du dich ernähren, um dein absolutes Maximum an Kraft
- 2:42zu erreichen? Er verwendet hier das Wort
- 2:44Virtu, das ist ein Begriff aus der Zeit der Renaissance und
- 2:48beschreibt eine starke, kraftvolle und hervorragende
- 2:50menschliche Eigenschaft. Die völlig frei von der
- 2:53typischen und von ihm abgelehnten Moral ist.
- 2:57Nietzsche gibt ehrlich zu, dass seine eigenen Erfahrungen mit
- 2:59der Ernährung in der Vergangenheit so schlecht wie
- 3:02nur möglich waren. Er wundert sich darüber, dass er
- 3:05diese wichtige Frage erst so spät erkannt hat und erst so
- 3:08spät vernünftig geworden ist. Die Schuld an dieser Verspätung
- 3:12gibt er der völlig wertlosen deutschen Bildung, er nennt
- 3:15diese Bildung Idealismus. Unter Idealismus versteht
- 3:19Nietzsche eine Denkweise, die die echte körperliche
- 3:21Wirklichkeit aus den Augen verliert und stattdessen
- 3:24unrealistischen geistigen und sogenannten idealen Zielen
- 3:27Hinterherjagt, zum Beispiel dem Ziel einer rein theoretischen
- 3:31klassischen Bildung ergibt zu, dass er bis in seine erwachsenen
- 3:34Jahre hinein immer nur sehr schlecht gegessen hat.
- 3:38Er nennt sein Essverhalten scherzhaft, unpersönlich,
- 3:41selbstlos und Altruistisch, was bedeutet, dass er nicht an sich
- 3:46selbst gedacht hat. Sondern nur zum Wohl der Köche
- 3:49aß, als er zum Beispiel im Jahr 1865 in der Stadt Leipzig
- 3:54studierte und dort den Philosophen Arthur Schopenhauer
- 3:56las, verdarb er sich mit der dortigen Küche ernsthaft den
- 3:59Magen. Er meint sarkastisch, dass die
- 4:02Leipziger Küche das Problem, den eigenen Körper durch falsche
- 4:05Ernährung kaputt zu machen, perfekt gelöst habe.
- 4:08Nietzsche übt dann scharfe Kritik an der deutschen Küche im
- 4:12Allgemeinen, er beschwert sich über viele Dinge, die in
- 4:15Deutschland beim Essen üblich sind.
- 4:17Die Suppe, die man vor der eigentlichen Mahlzeit isst, das
- 4:20völlig totgekochte Fleisch, das Gemüse, das mit viel Fett und
- 4:24Mehl zubereitet wird und die schweren Nachspeisen, die wie
- 4:27ein Briefbeschwerer im Magen liegen.
- 4:30Wenn man dann noch den großen Durst der Deutschen nach Bier
- 4:33und anderen Getränken dazurechnet, dann versteht man,
- 4:36woher der deutsche Geist wirklich kommt.
- 4:38Er kommt aus kranken, traurigen Därmen, für Nietzsche ist der
- 4:42deutsche Geist nichts anderes als eine Verdauungsstörung.
- 4:46Er wird mit nichts fertig und kann nichts richtig verarbeiten.
- 4:50Aber auch die englische Ernährung lehnt Nietzsche tief
- 4:52aus seinem Instinkt heraus ab, er vergleicht sie sogar mit
- 4:55Kannibalismus, also dem Essen von Menschenfleisch, und sagt,
- 4:59dass diese fleischlastige Diät dem Geist schwere Füße macht.
- 5:03Die absolut beste Küche ist für ihn die Küche aus dem Pimont das
- 5:07ist eine Region im Nordwesten von Italien, danach spricht
- 5:11Nietzsche über den Alkohol, Alkohol ist für ihn sehr
- 5:15schädlich. Schon ein einziges Glas Wein
- 5:17oder Bier am Tag reicht aus, um sein Leben in ein Jammertal zu
- 5:20verwandeln. Ein Jammertal ist ein alter
- 5:23Begriff für einen Ort oder Zustand voller Traurigkeit und
- 5:27Leid, deshalb leben in der Stadt München, die berühmt für ihren
- 5:30vielen Bierkonsum ist, seine absoluten Gegensätze.
- 5:34Er dachte schon als Junge, dass das Trinken von Wein bei jungen
- 5:37Männern nur eine eitle Angeberei ist und später zu einer sehr
- 5:40schlechten Gewohnheit wird, zu glauben, dass der Wein einen
- 5:44Menschen wirklich fröhlich macht.
- 5:46Ist für ihn absurd. Er sagt, dafür müsste man ein
- 5:50Christ sein und Dinge einfach blind glauben, anstatt auf den
- 5:53eigenen Körper zu hören. Sehr seltsam ist jedoch, dass er
- 5:56auf kleine Mengen Alkohol zwar sehr empfindlich reagiert, aber
- 6:00als junger Mann extrem starke Mengen vertragen konnte.
- 6:03Er erzählt eine Geschichte aus seiner Schulzeit an der
- 6:06berühmten Schule schulpforta, er schrieb in der Nacht lange
- 6:09lateinische Texte, weil er so gut und streng schreiben wollte
- 6:13wie sein Vorbild. Der römische Autor Sallust dazu
- 6:17trank er einige Gläser schweren Grog.
- 6:20Grog ist ein sehr starkes, heißes Getränk mit viel rum, das
- 6:24hat seinem Körper damals scheinbar nicht geschadet,
- 6:26trotzdem hat er sich in seiner Lebensmitte dazu entschieden,
- 6:29vollkommen auf jedes alkoholische Getränk zu
- 6:32verzichten, errät allen geistig arbeitenden Menschen sehr streng
- 6:35dazu, dem Alkohol fernzubleiben. Wasser ist das einzige, was
- 6:39wirklich gut tut. Er bevorzugt Orte, an denen man
- 6:42überall Zugang zu fließendem Brunnenwasser hat, zum Beispiel
- 6:45in den Städten Nizza, Turin oder Sils Maria.
- 6:49Er hat ständig ein kleines Glas Wasser bei sich, zudem gibt er
- 6:53noch ein paar genaue Regeln für die richtige Ernährung und die
- 6:56Verdauung. Eine große Mahlzeit ist für den
- 6:59Körper leichter zu verdauen als eine zu kleine Mahlzeit, der
- 7:03Magen muss nämlich als Ganzes in Bewegung kommen und arbeiten,
- 7:06das ist die wichtigste Voraussetzung für eine gute
- 7:09Verdauung. Dafür muss man aber wissen, wie
- 7:12groß der eigene Magen ist. Aus dem gleichen Grund warnt er
- 7:15vor endlos langen Mahlzeiten, bei denen man in Abständen immer
- 7:19wieder isst. Er nennt diese langen Mahlzeiten
- 7:21an großen Tischen scherzhaft Opferfeste.
- 7:24Man sollte auch keine Zwischenmahlzeiten essen und auf
- 7:27Kaffee verzichten, denn Kaffee macht den Geist düster.
- 7:31Tee ist nur am morgen gut, man sollte nur wenig Tee trinken,
- 7:34aber er muss stark sein, wenn der Tee auch nur ein bisschen zu
- 7:38schwach ist, ist er sehr schädlich.
- 7:40Und macht den ganzen Tag über krank, manchmal besonders in
- 7:44bestimmten rauen Klimazonen, ist Tee am morgen gar nicht zu
- 7:47empfehlen, dann sollte man lieber eine Stunde vor dem
- 7:50Frühstück eine Tasse dicken Entölten Kakao trinken.
- 7:54Seine allerwichtigste Regel betrifft jedoch die Bewegung, er
- 7:58sagt, man soll so wenig wie möglich sitzen, man darf keinem
- 8:02Gedanken vertrauen, der nicht draußen an der frischen Luft
- 8:05geboren wurde, während man sich frei bewegt, ein guter Gedanke
- 8:09entsteht nur dann. Wenn auch die Muskeln aktiv sind
- 8:11und gleichsam ein Fest feiern, alle Vorurteile und falschen
- 8:15Vorstellungen kommen aus den Därmen, weil man sich nicht
- 8:18bewegt, dass viele sitzen, dass er Sitzfleisch nennt, ist für
- 8:22Nietzsche die eigentliche und schlimmste Sünde gegen den
- 8:25Heiligen Geist.