Latest / Auf gutem Grund - Bio. Praxis. Wissen. / Krisen, Klima, Kostendruck: Wohin steuert die Biolandwirtschaft?
Transcript
- 0:01Wo ich wirklich genervt und auch wütend bin, ist es die Politik.
- 0:05Wenn Sie schon von der Fleischindustrie, von den Ökoverbänden, von dem Umweltverbändten, vom Tierschutzverbändnen, von Kürchen und uns so viel gesellschaftliche Rückendeckung bekommen, dass sie dann nicht in Gesetz schreiben und das über den Widerstand einer Bildzeitungen oder Springerpresse aushalten können – zwei bis drei Monate und sagen, es tragen alle mit!
- 0:27Das ist richtig und wir gehen jetzt gemeinsam diesen
- 0:29Weg.".
- 0:32Auf gutem Grund.
- 0:34Bio. Praxis.
- 0:36Wissen.
- 0:37der Podcast von Bioland Welchen Weg Biolandpräsident Jan Plagge genau meint und was ihn da so in Rage bringt?
- 0:48Darüber reden wir in der ersten Folge.
- 0:51Mein Name ist Katja Stefan Ich bin Journalistin und moderiere diesen Podcast Und ich wollte von Jan wissen Wo sieht er stärken der ökologischen Landwirtschaft zwischen Spannungen weltweit Inflation im eigenen Land und der Klimakrise, die auch auf dem eigenen Acker in diesem Sommer zu spüren war.
- 1:10Auf der Suche nach Antwort nehme ich Jan gedanklich mit zum Einkaufen in den Discounter.
- 1:15Wir sprechen über den Preis und den Wert von Lebensmitteln.
- 1:19Wir machen einen kleinen Abstecher nach Brüssel und bewerfen gemeinsam einen Blick auf Jans Brotdose in der Schulzeit.
- 1:27Neugierig?
- 1:28Dann wünsche ich euch jetzt viel Spaß beim Zuhören!
- 1:35Hallo Jan, schön dass du da bist.
- 1:37Ja, freut mich auch.
- 1:38Die meisten Zuhörerinnen und Zuhörer werden dich vermutlich kennen.
- 1:42Du bist ja seit Jahrzehntausend elf Präsident von Bioland... ...und Council Chair von EFU-Arm Organics Europe.
- 1:48Was das genau bedeutet?
- 1:49Das wirst du uns später noch genauer erklären!
- 1:52Um dich jetzt noch etwas besser kennenzulernen würde ich gerne mit dir zurück in die siebziger Jahre reisen.
- 1:58Du warst neunzehnundeteinundseitzig geboren und damals war bei euch zu Hause einiges los in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz.
- 2:06Das lag an deinen Eltern, richtig?
- 2:08Ja genau.
- 2:10Meine Eltern kommen nicht aus der Landwirtschaft.
- 2:14die Großeltern hatten schon noch landwirtschaftliche Betriebe aber das Thema Gesundheit war bei uns in einer Familie ganz... zentrales Thema.
- 2:23Naja, und erst fing das an im Ende der Sitzigerjahre mit Vollwertkost dass man bei uns morgens dann zum Frühstück kein Brot mehr gegessen hat sondern nicht nur Müsli, sondern eben den Schrotbrei und Brot gebacken hat.
- 2:35und da war natürlich die Frage ja wo kommt das Getreide her?
- 2:38Bio war ja noch überhaupt nicht bekannt geschweige denn, dass man es irgendwo kaufen konnte zumindest nicht bei uns auf dem Land.
- 2:43und meine Eltern haben dann einfach gefragt okay wo kriegen wir's her?
- 2:46haben Kontakt zu einer Mühle, das war bei uns die Bohlen seiner Mühlesucht und wurden dann mit Getreide beliefert.
- 2:52Haben sich mit anderen Familien verbunden denn waren nicht nur irgendwie fünfzig oder hundert Kilo Getreiden in Keller sondern gleich tausend oder zweitausend weil wir da ein Familien-Sammelpunkt wurden für ganz viele Familien die bei uns dann das Getreid bestellt und abgeholt hatten und so ging es immer weiter.
- 3:10Dann kam Makrobiothek Anfang der achtziger Jahre dazu.
- 3:14wie konnte man dann überhaupt die makrobiotischen Lebensmitteln, die man heute als Trennfut sind.
- 3:21Die Algen, die Noris für die Sushi's... Das war mein Pausenbrot!
- 3:25Die haben wir dann selber gemacht weil man als Makrobiot kein Brot mehr gegessen hat.
- 3:30und all das musste ja beschafft werden.
- 3:32und so haben wir unseren Naturkostvertrieb in den Achtzigerjahren aufgebaut.
- 3:36mitten in meiner Jugend wurde ich quasi da mit meiner Mutter zu einem kleinen Kaufmann und habe bestellt, abgepackt sehr geprägt, auch die Verbindungen dann mit den Lieferanten.
- 3:47Das klingt auf jeden Fall nach einer sehr interessanten Kindheit und mich würde interessieren wie hat dich das geprägt?
- 3:53Weil es waren ja dann richtige Pioniere deiner Eltern!
- 3:56Ja mit vielen anderen auch.
- 3:58Mich hat es gepräagt also einmal natürlich meine Eltern selber aber auch das ganze Umfeld.
- 4:03wir waren dann auf den frühen Biofachmessen In Wiesbaden, da durfte ich auch als Jugendlicher dann schon mit.
- 4:11Wir waren in Sommercams wo wir uns ausgetauscht haben.
- 4:13Ich habe diese ganze Pionierszene als Kind als Jugendliche mitbekommen und das hat mich total motiviert.
- 4:21Was mich geprägt hat war immer es ist möglich was zu machen.
- 4:25man erkennt ein Thema im Gesundheit oder gesunde Lebensmittel eine Landwirtschaft ohne Pestizide.
- 4:32Was mich geprägt hat, war immer wenn es genug Leute gibt die was anpacken und was machen dann funktioniert das auch.
- 4:38Jetzt wollen wir ja heute in dem Podcast über die agrarpolitische Lage sprechen und da fällt es wahrscheinlich nicht immer so ganz leicht sich dieses Wir schaffen das auf die Fahnen zu schreiben oder daran zu glauben wie viel Pessimist steckt denn in dir?
- 4:51Und wie viel Optimists
- 4:53So der Wissenschaftler in mir Der ist schon ziemlich pessimistisch, weil wenn man mal diese Systeme die Einzelnen und auch die globalen Systeme sieht.
- 5:02Dann dann sieht man aufgrund der Fakten und der Entwicklungen dass wir als Menschen Menschheit viel zu langsam handeln das wir aus den Erkenntnissen die wir eigentlich wissen viel zu langsam in die Tat kommen vor allem gemeinsam und dass wir offensichtlich auch Angst voreinander haben dann die falschen Schritte zu schnell zu tun zu viel fürs Thema zu tun und dann wieder wirtschaftlich im Nachteil zu sein.
- 5:23Da bin ich eher pessimistisch, wenn ich mir die rein die Fakten angucke.
- 5:28Von Mensch zu meinem Wesen her bin ich immer optimist, sonst würde ich mich auch gar nicht für Verbandsarbeit von tausenden Betrieben einsetzen können.
- 5:37Ich glaube fest daran dass Menschen, die was machen wollen, die etwas anpacken, den positiven Geist haben das Ruder noch rumreißen können, dass wir das zusammen schaffen können egal in welcher Region dieser Welt.
- 5:49Ja, weil also die Hoffnung ist es, die mich antreibt und ich halte es da ganz mit meinem protestantischen Ursprung.
- 5:57Wenn ich wüsste auch dass morgen die Welt untergeht dann würde ich heute noch ein Apfelbaum pflanzen.
- 6:02Also das ist das was auch mein Leben prägt.
- 6:04Okay und die Einstellung kann heute bei dem Gespräch auf jeden Fall nicht schaden denke ich, weil das viele Herausforderungen und auch Sorgen und Nöte der Landwirtinnen und Landwirte gibt.
- 6:12darüber brauchen wir sicherlich nicht diskutieren.
- 6:15Nicht würde aber interessieren, welche Lösungsvorschläge du hast und wo du vielleicht auch Chancen siehst für die Biolandwirtschaft.
- 6:26Am Anfang würde ich dich bitten wir folgende Szene vorzustellen.
- 6:29Du bist Landwirt auf einem Bio-Betrieb irgendwo in Bayern.
- 6:33Sagen wir, sechzig Hektar Ackerbau dazu fünfzig Biomilchkühe ist es.
- 6:38früher morgens, du bist gerade aufgestanden hast die erste Tasse Kaffee vor dir und da liegt auf dem Küchentisch ein Anzeigenblättchen vom Supermarkt um die Ecke und der wirbt mit verdarmer Bio-Milch.
- 6:49Und der Liter kostet da ein Euro für zwanzig.
- 6:53Was denkst du spontan, wenn Du das liest?
- 6:56Naja, da ich offensichtlich einen Bioland Milchbauer bin, der hoffentlich auch noch Grünland neben dem Ackerbau hat, freu' ich mich erst mal, dass ich sehe, dass meine Produkte breit in der Bevölkerung beworben werden.
- 7:09und zu dem Preis schaue ich zwar drauf Aber das Entscheidende für mich ist meine Milchgeldabrechnung.
- 7:17Und die habe ich ja im letzten Monat bekommen.
- 7:20und solange der Preis, ich kenne auch meine Produktionskosten so lange der Preis so nah wie möglich an meinen Produktions kosten dran bin würde ich denken gut dass für die Biolandmilch Produkte und dem Joghurt Werbung gemacht wird weil das was ankommt bei mir als Milcherzeuger hat nicht immer unmittelbar was mit dem Inverkaufspreis, mit dem Verbraucherpreis zu tun.
- 7:46Im Wettbewerb schon weil sich ja immer alle Anbieter an den niedrigsten Preisanbietern orientieren.
- 7:53so funktioniert nun mal der Wett Bewerb.
- 7:55deswegen erzeugt ein niedriger Preis natürlich eben einen entsprechenden Wett bewerbsdruck.
- 7:59aber mir als Bioland Landwirt ist erstmal das Thema Erzeugerpreise das was meinen Alltag bestimmt.
- 8:07Aber würdest du denn sagen, dass von diesen ein Euro und zwanzig genug bei den Landwirten ankommt?
- 8:11Also das der Erzeugerpreis an sich hoch genug ist jetzt.
- 8:14Wenn wir beim Beispiel Bio-Milch bleiben.
- 8:16Aktuell beim Beispiel bio Milch bleiben.
- 8:18also wir haben ja einen von Bioland.
- 8:20jetzt seit Jahren versuchen wir genau diese Lücken so transparent wie möglich zu machen.
- 8:26Und zwar für alle Beteiligten die Landwirte, die Molkereien aber vor allen Dingen auf den Einzelhändlern und dem Verhandler im Supermarkt inklusive dem Verbrauchern indem einen Orientierungspreis berechnen, der den durchschrittlichen Produktionspreis eines Michviehbetriebes von Bioland – das waren auch gemeinsam mit Demeter und Naturland – berechnet.
- 8:49Und er als Grundlage der Verhandlungen dienen kann.
- 8:51Das ist das, woran wir seit Jahren arbeiten.
- 8:56Das bekannt ist was ein Landwirt bekommen muss wenn er sich auf seine Produktion, auf eine Nachhaltigkeit in nachhaltige ökologische Produktion konzentriert, in Biodiversität und Tierwohl investiert seine Böden aufbauen bewirtschaftet, das kostet Geld.
- 9:10Die Produktionskosten muss ich kennen und die müssen Gegenstand der Verhandlungen für meinen Erzeugerpreis
- 9:16sein.".
- 9:17Also ganz generell ist es ja so unabhängig von der ob jetzt Biolandwirtschaft oder konventionelle Landwirtschaft dass man sagt, dass der Landwirt einfach eine sehr schwache Position hat gegenüber dem Handel also seine Preise nicht selbst bestimmen kann usw.
- 9:30Wie unterstützt ihr denn jetzt als Verbands?
- 9:33Eure Biolandwürde dabei, dass so eine Verhandlung vielleicht auch auf Augenhöhe passieren kann.
- 9:38Also du hast jetzt von dem Milchpreis gesprochen aber wie macht ihr das auch in anderen Bereichen?
- 9:45Na erst mal generell, dass wir bei Bioland nicht nur Produktionsrichtlinien für Milch- und Getreideerzeugung oder auch für die Herstellung von Käse sondern sie haben auch Vermarktungsrichtlinie.
- 9:56Und in unseren Vermarkttungsrichtlingen steht klipp um klar drin, dass alle Beteiligten der Wertschöpfungskette Bio-Landqualität auf der Erzeugerseite in Wert setzen müssen.
- 10:07Also das heißt übersetzt im Rahmen von Richtpreisen, Orientierungspreisen langfristigen Vertragsvereinbarungen Konditionen festlegen die die Kosten auf der erzeuger Seite, die sie brauchen zum Einhalten des Biolandstandards dass es auch erreicht werden kann.
- 10:23Das ist sozusagen die Grundlage.
- 10:24Das sind unsere unser heiliges Buch quasi das sind die Biolandrichtlinien.
- 10:29jetzt ist ja die Frage wie wird es umgesetzt?
- 10:31Umgesetzt wird es dann auch noch in weiteren feineren Regeln, zum Beispiel den Fair Play-Regeln oder den Verträgen die wir mit dem Lebensmittel Einzelhandel abschließen und unseren Verarbeitern.
- 10:43Und wir haben permanente Fachgruppen und Diskussionskreise wo dieser Treffpunkt nicht erreicht wird dass wirklich die Produktionskosten nachhaltig gedeckt sind Und wie man da hinkommt und wo sie gedeckt sind, wo im Grunde genau diese Richtlinie dieser Auflage erfüllt ist.
- 11:02Das kann man sagen also so dynamisch wie die Märkte, die Ernten, die Nachfrageentwicklung ist, kann man sich vorstellen dass das kein statischer Prozess ist sondern das arbeitet bei uns eine ganze Abteilung dran gemeinsam eben auch mit dem Ehrenamt.
- 11:20Bioland war ja den ersten Verband der eine Partnerschaft mit einem großen Discounter eingegangen ist.
- 11:26Wie ist da deine Bilanz?
- 11:27War das die richtige Entscheidung?
- 11:29Ja, das war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.
- 11:33Was wollten wir damit erreichen?
- 11:35Wir hatten aus den Jahren zwei tausendsechzehn, siebzehn und achtzehn ein extrem hohes Interesse an der Umstellung auf Bioland, auf ökologische Landwirtschaft allgemein.
- 11:45also viele Betriebe wollten auf Ökolandbau einsteigen Und dann war für uns klar das Ziel wenn wir mehr betriebe haben und die Politik auch Ziele setzt in Richtung, um zu kommen.
- 11:58Vier Prozent Ökolandbau in der gesamten EU, dreißig Prozent in Deutschland, dass wir auch die Bürgerinnen und Bürger mit in die Rechnung einbauen müssen.
- 12:07Also sprich das auch der Konsum ansteigt ist auf Verbraucher ihr Einkaufsverhalten umstellen, dass sie Sortimente und Regale sich verändern.
- 12:15Und Discounter-Drogarie Märkte der gesamte Liebesmittel Einzelhandel sind einfach die Einkaufsstädte wo achtzigfünfundachtzig Prozent der Lebensmittel umgesetzt werden.
- 12:23Da wurden sowieso schon sehr viel Milch, Fleisch, Eier von unseren Bäuerinnen und Bauern verkauft.
- 12:29Und das wollten wir sichtbar machen und auch gemeinsam in der Partnerschaft in Wert
- 12:33setzen.".
- 12:33Das hat jetzt die letzten acht Jahre sowohl vom Volumen als auch vom grundsätzlichen Geschäftserfolg sehr gut funktioniert!
- 12:41Wie passt das zusammen?
- 12:42Nachhaltige Bioprodukte geprüft und zertifiziert auf der einen Seite und auf der anderen Seite des Counter bei denen es ja eher um Masse und niedrige Preise geht – was sagst du
- 12:51denen?!
- 12:52Solange eben auch die Produktionsqualität wirklich im Wert gesetzt wird und es da keinen Standardbettbewerb nach unten gibt, solange das sichergestellt ist.
- 13:02Ist es ja für die Verbraucher auch ein Vorteil dass sie an dem Ort wo Sie in der Regel einkaufen also Discounter kunden, dass sie dort eben auch eine gute heimische Bio Qualität erhalten?
- 13:13Und das Stichwort von und gerade regionales heimisches Bio in die Breite der Gesellschaft zu bringen.
- 13:22Weil wenn wir unsere Idee, dass wir eigentlich hundertprozent nachhaltige ökologische und sozialverträgliche Landwirtschaft brauchen, wenn wir das erreichen wollen dann müssen wir auch in die breite gehen.
- 13:35Und hat das geklappt?
- 13:37Naja bis lang hat es die ersten Jahre vor allen Dingen ja dann auch die jahre die dann folgen mit den Coronajahren vom Wachstum her sehr gut funktioniert.
- 13:49In vielen Produktbereichen hat das auch mit der Kostendeckung sukzessive funktioniert, andere Bereiche da arbeiten wir noch dran.
- 13:57jetzt gerade im frische Bereich ist es schwer zum Beispiel jetzt Orientierungspreise auszurechnen und dann haben wir auch ganz schwanken beernten.
- 14:03also da arbeiten mir auch selber noch daran diese Systeme zu verbessern.
- 14:07aber seit der Influationskrise merken wir dass der Preisdruck den ja die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft erreicht hat auch uns erreicht hat, also wir eben unsere Betriebe stehen.
- 14:19Auch unter Preistruck und diese Mechanik dann so günstig wie möglich anzubieten nicht immer darauf achtet.
- 14:27heißt das noch dass die betriebe tatsächlich kostendeckend mit hohen Standards arbeiten können und... Das ist jetzt unsere Tagesaktuelle Challenge an der wir arbeiten weil in den Zielen beispielsweise auch vom Discount von Lidl von Aldi die wollen in Richtung Klimaneutralität arbeiten.
- 14:45Die wollen Biodiversität und müssen Biodiversity schützen wie alle anderen Unternehmen auch, also sie haben ein hohes unternehmerisches Interesse dass wir ja auch in der Produktion diese Standards erfüllen aber sie stehen im Wettbewerb enorm unter Druck.
- 15:01da komme ich wieder zu dem Schulterschluss den wir brauchen.
- 15:05Wir brauchen einen wettbewebsübergreifenden Schulterschluß Der zwar Wett Bewerb zulässt dort wo er sinnvoll unmöglich ist aber nicht zu Lasten unserer Lebensgrundlagen und das erforderten Neues Denken.
- 15:18Der Wettbewerb nach unten, dass ich nicht mehr darauf achte ob ich wirklich klima- und bodenfreundlich wasserfreundliche arbeiten kann und Tierwohl in Wert setzen kann.
- 15:27wenn das nicht möglich ist dann ist es ein Wett bewerbsversagen weil es ist auf Kosten schon von uns heute und erst recht noch auf Kosten der kommenden Generation.
- 15:37Ich würde jetzt gerne noch einen anderen Punkt aufgreifen, der in dieser Diskussion eine Rolle spielt.
- 15:42Und zwar dass die Biomilch oder auch andere Bio-Lebensmittel eigentlich gar nicht so teuer sind im Vergleich zu konventionell erzeugten Lebensmitteln.
- 15:51Der Begriff dazu heißt True Cost und ich war echt überrascht als ich die Zahlen dazu gelesen habe.
- 16:03Jan, true costs was genau bedeutet das?
- 16:07True costs, die wahren Kosten sollten im Idealfall Teil des Preises sein.
- 16:12Also beispielsweise wenn unser Trinkwasser, unser Grundwasser mit Nitrat- oder Pestizidrückständen belastet wird aus der Landwirtschaft dann verursacht das Kosten was später das Wasserwerk und der Verbraucher, der dann das Trinkwasser beim Wasserwerk Einkauf bezahlen muss.
- 16:31Das sind sozusagen eben dann die verlagerten Kosten.
- 16:36Eigentlich müsste das schon bei den Kosten der landwirtschaftlichen Produktion des Getreides oder des Gemüses draufgeschlagen werden, dass später das Wasser wieder gesäubert, gefiltert oder gemischt werden muss.
- 16:49Dann hätten wir wahre Kosten.
- 16:51Jetzt haben wir unwahre Kosten – also wir zahlen quasi über unser Trinkwasserpreis die eigentlichen Nebenkosten in der Lebensmittelproduktion.
- 16:59Also die Zukunftskommission Landwirtschaft hat einen Wert berechnet, eben dieser gesellschaftlichen Kosten unserer heutigen landwirtschaftlichen Produktion.
- 17:08Der liegt je nachdem was man mit einrechnet zwischen sechzig und neunzig Milliarden Euro pro Jahr.
- 17:13Und das ist erheblich mehr als der eigentliche Produktionswert der produzierten landwirtschaftliche Güter.
- 17:19Aber das klingt ja erstmal eigentlich einer guten Idee, also dass man diese Kosten miteinrechnet oder nicht?
- 17:26Das ist eine super Idee und die Idee hatten im Übrigen auch die Kommission der früheren Bundesregierung unter Angela Merkel, unter ehemaligen CDU-Aggra-Ministern wie Herrn Borchert.
- 17:37Der versucht hat im Grunde über so ein Umlagesystem den Umbau der Tierhaltung zu finanzieren.
- 17:43alle zahlen ein paar Cent mehr fürs Kilogramm Fleisch und dafür erhalten die landwirtschaftlichen Betriebe, die ihre Stelle erweitern und mehr Platz für die Tiere schaffen etwas mehr Geld.
- 17:55Und hätten damit auch eine Investitionssicherheit.
- 17:59Das ist ein Modell was ganz breit von allen Richtungen getragen wird.
- 18:04Weder ne schwarz oder ner rote oder grün oder wie auch immer gefärbte Regierung hat dieses Konzept – das ich eigentlich die gesamte Wirtschaft wünschte umsetzen können.
- 18:16Und warum nicht?
- 18:17Ganz einfach!
- 18:18Sobald auch nur im Ansatz eine Vorlage, eine Gesetzesvorlage dafür erarbeitet wird, hielt die Bildzeitung der Kanzler oder der Minister oder die Ministerin wollen das Fleisch teurer machen und sie haben so eine Macht dann gibt es ne Aufregung und sagen nein wir wollen das nicht teurer machten.
- 18:36Dann ist das Thema vom Tisch
- 18:38unkupulär über ein eigentlich vernünftiges System eine nachhaltigere und auch tierfreundlichere Landwirtschaft zu erbringen.
- 18:47Und wir machen uns das dann selber immer wieder über diesen Populismus kaputt!
- 18:51Ich hatte dazu auch eine Zahl gefunden, die fand ich selber tatsächlich auch erstaunlich.
- 18:55Also laut ZKL also dieser Zukunftskommission Landwirtschaft müssten dann konventionell erzeugte tierische Produkte hundredsechsenvierzig Prozent teurer sein als wenn man diese Mehrkosten mit einrechnen würde.
- 19:08das heißt dass Schweineschnitzel würde dann das zweieinhalbfache kosten.
- 19:12Das finde ich natürlich jetzt.
- 19:13als Verbraucherin muss ich sagen schon auch ne Ansage
- 19:18Ja, das sind eben die wissenschaftlichen Berechnungen.
- 19:22Die ganz praktischen Umsetzungsvorschläge waren ja viel einfacher.
- 19:26also da hat er auch gesagt wir tragen das solidarisch durch die Bank und es wird günstigere und teurere Stufen geben.
- 19:34aber alle nicht nur die Landwirte sondern auch die Bürgerinnen und Bürger alle tragen gemeinsam die Kosten des Umbaus zu einer Artgerechten Tierhaltung.
- 19:44So, das klingt doch nicht nur nach einem guten Plan, sondern es ist auch ein guter Plan denn die meisten Menschen wenn sie befragt werden wollt ihr Tierwohl sagen ja.
- 19:53Ja, wollt ihr's bezahlen?
- 19:54Meistlich sagen ja, wollt Ihr Insektenschutz oder Bienenschutz, Sie sagen ja auch ja aber wenn es dann zum Schwur kommt an der Kasse, dann wirds schwierig.
- 20:03und das meine ich eben mit dieser... Dilemma, in dem wir alle sind.
- 20:08Wenn wir das Gefühl haben es gibt doch noch was billigeres oder günstigeres was dann mein Nachbar kauft obwohl das Insekten schädlich oder tierunfreundlich ist ja dann fühle ich mich ungerecht behandelt.
- 20:19deswegen müssen wir das Level für alle heben und Es muss ein Projekt der gesamten Gesellschaft und Solidargemeinschaft werden sonst machen auch die Bauern irgendwann nicht mehr mit.
- 20:28aber
- 20:29Ist es richtig, dass ich da so ein bisschen Wut auch aushöre bei dir?
- 20:32Oder ich bin mir nicht ganz sicher oder vielleicht auch Resignation.
- 20:35Weil du ja auch gesagt hast bist das langsam Leid diese Diskussion.
- 20:38Wo ich wirklich genervt und auch wütend bin ist das die Politik.
- 20:43wenn sie schon von der Fleischindustrie, von den Ökoverbänden und Umweltverbändinnen.
- 20:48Von den Tierschutzverbändnen, von dem Kirchen und uns zu viel gesellschaftliche Rückendeckung bekommen.
- 20:54Dass sie dann nicht ein Gesetz schreiben und es in den Widerstand auch einer Bildzeitung oder Springerpresse aushalten können zwei bis drei Monate und sagen Es tragen alle mit!
- 21:05Und das ist richtig und wir gehen jetzt gemeinsam diesen Weg.
- 21:08Dieser Mut fehlt in der Politik, das Richtige auch tatsächlich zu tun.
- 21:12Gerade wenn es so eine breite Rückendeckung
- 21:14gibt.".
- 21:23Ich finde was eigentlich noch in diese Rechnung mit reingehört ist die Resilienz der ökologischen Landwirtschaft.
- 21:28Also Resilience bedeutet ja im Grunde so viel wie Krisenfest also auch in Krisenzeiten stabil.
- 21:34Was heißt also dass ein so schnell nix um haut?
- 21:37Wie resilient bist du Jan?
- 21:39Also ich würde sagen, ich bin ziemlich krisenfest.
- 21:42Ich habe auch schon sehr viele Krisen selber mitgemacht – auch in Verantwortung oder auch schon vorher.
- 21:49die erste große Krise, an der sich vieles hier auch erinnern kann.
- 21:52Meine größte Krise am Anfang war die Reaktorkotastrophe von Chernobyl, wo man ja selbst die Sensibilität von dem, was wir als Menschen, als Technik und als Sicherempfinden am eigenen Leib empfunden haben.
- 22:05Und auch nicht mehr wusste, was ist eigentlich jetzt noch sicher?
- 22:07Was kann man noch essen und wie geht es in die Zukunft?
- 22:11Und dann gab's viele Krisen, die BSE-Krise Windrinder waren.
- 22:14Wir haben auch im Biobereichkrisen gehabt.
- 22:16Wir hatten die Wirtschaftskrise aus dem Jahr zwei tausend acht, zweitausend neun gehabt wo auch, wo es gar keine Bioentwicklung gegeben hat.
- 22:24Und eben jetzt die Covid Zeit Und natürlich jetzt eben der Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine mit all seinen Folgen, die es danach gegeben hat.
- 22:37Ich fühle mich dann stabil wenn ich versuche zu verstehen was hinter diesen Krisen steckt und auch Ansatzpunkte finde wie man im Kleinen in großen diese Krisen überwinden kann und dass der Mensch eigentlich alles weiß wie er diese Kriesen überwindet.
- 22:53Das lässt mich optimistisch und selber auch resilient durch diese Krisen kommen.
- 22:59Und was bedeutet dann in diesem Zusammenhang resiliente Landwirtschaft oder resiliante Bio-Landwirtschaft?
- 23:05Resiliente Landwirtschaft, in dem Zusammenhang bedeutet auf Ereignisse in der Zukunft vorbereitet zu sein... wenn sie eben noch nicht eintreten.
- 23:14Beispielsweise im extremen Wetterereignisse aufgrund des Klimawandels, die Dürre, die wir in diesem Jahr sehen – auf die muss man sich vorbereiten!
- 23:22Wir haben beispielsweise nach den Dürrenen, das ist auch ein starkes Dürrerjahr, an der unsere Richtlinien geändert und gesagt so wie schaffen wir eine resilientere Grundfuttervorsorge für unsere Betriebe?
- 23:34Die hat dieses Jahr einigen Betrieben den Kopf gerettet.
- 23:39Für andere war es aber noch nicht ausreichend, weil die Dürre dann wiederum so stark war in bestimmten Regionen wie wir uns das im Jahr zwei Tausend Achtzehn noch gar nicht vorstellen konnten und da braucht's wieder einen Anpassungsschritt.
- 23:51Das gehört auch zur Resilienz, dass ich mich immer wieder frage bin ich auf das vorbereitet was heute noch nicht eintritt?
- 23:57Und genauso eben wirtschaftlich also sind die Lieferketten ist die Vertragspartnerschaft, die ich mit meinen Abnehmern, mit den Verarbeitern oder eben auch mit dem Einzelhandel habe.
- 24:10Ist die stabil?
- 24:11Ist die resilient?
- 24:12Geht sie durch Konflikte, durch wirtschaftliche Krisen, durch Absatzkrisen, wenn jetzt beispielsweise die Verbraucher ihr Einkaufsverhalten verändern?
- 24:23All das gehört für mich zur Resilienz und zu guter Letzt für uns als Verband – und das haben wir sehr genau auf dem Radar –.
- 24:30was passiert In Europa, was passiert geopolitisch?
- 24:34Wie entwickeln sich die Systeme auch außerhalb von Europa in den USA, in China.
- 24:39Wie haben die Änderungen in der europäischen und deutschen Wirtschaft Auswirkungen wiederum auf unsere Kunden, auf unsere Lieferketten, auf unsere Systeme und welche Möglichkeiten haben wir als Bioland Stabilität zu erreichen?
- 24:53das alles gehört für mich mit dazu.
- 24:55Wenn ich dich richtig verstehe, Jan, dann bringt der Ökolandbau diese Resilienz ja mit sich.
- 24:59Und zwar weil die Lebensmittel in der Region angebaut werden und da auch verlässlich zur Verfügung stehen, egal was in der Welt politisch gerade passiert.
- 25:08Und wenn zum Beispiel die Preise für Düngemittel gerade durch die Decke gehen, können die Biobauern zumindest ein bisschen gelassener sein.
- 25:16Die Klimakrise betrifft die Bio-Landwirte natürlich grundsätzlich auch.
- 25:20allerdings Steckte das Thema Klimawandeljahr, das finde ich muss man ehrlicherweise sagen die letzten Jahre ein bisschen in der Schmudelecke.
- 25:27So habe ich das zumindest empfunden also in der öffentlichen Diskussion fand es kaum statt.
- 25:32andere Themen schien da viel drängender zu sein und spricht ja deshalb auch von der Gefahr eines sogenannten Rollbacks Also dass Entscheidungen pro klimarückgänig gemacht werden könnten oder unter Druck geraten.
- 25:43Jetzt könnte man ja sagen, der Klimawandel hat es nach dieser extremen Hitze zurück ins Bewusstsein der Menschen geschafft.
- 25:51Ist das vielleicht auch eine Chance?
- 25:52Was sagst du dazu?
- 25:54Auf jeden Fall ist das eine Chance.
- 25:55wenn man am eigenen Leib die Verletzlichkeit unseres eigenen Lebens und unserer Systeme drum herum spürt, dann wächst auf jeden Fall die Bereitschaft auch etwas zu verändern aus der Komfortzone oder der Bequemlichkeit rauszukommen und darüber nachzudenken.
- 26:11Ja was kann ich denn als Einzelner tun?
- 26:12Was kann ich in meiner Umgebung, in meiner Gemeinschaft mit meiner Familie
- 26:16tun?".
- 26:18Und die Diskussion, die wir jetzt erleben, die wird jetzt führen, die erlebe ich an vielen Stellen.
- 26:24das diskutiert wird wie man konstruktiv mit der Klimawandel Anpassung umgehen kann, also wie jetzt konkret in einer Landwirtschaft wie wir unsere Fruchtfolgen umbauen.
- 26:34Wie viele Einzelhändler haben ja eine Eiweiß-, eine Proteinstrategie gebrauchen?
- 26:40Eiweiss aber mehr pflanzliches Eiweis davon wächst mehr aufgrund der Trockenheit auch im Mittel- und Norddeutschland.
- 26:50Wir können dort unsere Fruchte folgen anpassen.
- 26:52Aber was wir brauchen sind auch deutlich weiterentwickelte Systeme Rückhaltung und Speicherung von Wasser in der Landschaft, in den Böden aber auch technische Rückhaltemöglichkeiten.
- 27:05Also all das bietet Chancen uns anzupassen zu reagieren und eben auch eine gute Lösung für unsere Zukunft zu haben.
- 27:16Genau!
- 27:16Und da bietet ja die... Biolandwirtschaft viele Ansätze.
- 27:19Jetzt gibt es ja Politiker, Wissenschaftlerinnen und auch Landwirte gesehen als Lösung für eben Trockenheit steigenden Schädlingsdruck
- 27:25usw.,
- 27:26vor allem eins die Gentechnik.
- 27:28Und die EU hat hier auch die Deregulierung neuer genetischer Techniken beschlossen.
- 27:32also bekanntes Beispiel die Gen-Schere.
- 27:34Krzper Kass Eins der Argumente damit würde der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduziert.
- 27:40stimmt das aus deiner Sicht?
- 27:43Nein, das stimmt nicht weil diese einfache Aussage Ja Ausgrenz und ausschließt das natürliche Systeme, dass Natursysteme komplexe Systemen sind mit komplexen Wechselwirkungen.
- 27:55Wenn ich eine Pflanze mit einem Gen ändere und eine Resistenz auf ganz vielen tausend oder Millionen Hektar ausbringe dann passen sich die Pathogenie wie Schädlinge an.
- 28:06Ganz schnell!
- 28:07Das weiß jeder eigentlich.
- 28:09und deswegen ist dieses Versprechen kompletter Nonsens.
- 28:13Dann wird immer gesagt, dann muss ich ganz viele Gene auf einmal bei ganz vielen Nutzpflanzen verändern.
- 28:19Aber die Natur ist so kreativ und passt sich so schnell einem veränderten Nahrungsangebot an.
- 28:27Ich werde immer mehr Resistenzen ändern.
- 28:29Jetzt macht man den gleichen Fehler wieder, den man mit der alten Gentechnik gemacht hat.
- 28:34Man stellt Versprechen in einen Raum, die nicht eingehalten werden können.
- 28:38Die Enttäuschung wird einerseits groß sein Und das viel schlimmer ist ja, dass das eigentliche wirtschaftliche Interesse was hinter der Einführung von CRISPR-Cars in der Landwirtschaft steckt komplett vom Radar verschwindet.
- 28:53Nämlich die Patentierung unserer Lebensmittel, die Patentinierung unseres Saatguts.
- 28:58Dass man mit der Einführung der Genenschere auch diese Gene und diese Pflanzeneigenschaften für den gesamten Einsatz einer Pflanzenzüchtungen patentieren kann Und damit sozusagen den Kot der Lebensmittel lizenziert und dem Kot im Profite der Konzerne übersetzen kann, ohne dass die dann noch eine Pflanze anfassen oder anbauen müssen.
- 29:22Sondern das Bauern Landwirte und letztendlich auch die Verbraucher nur noch zu Lizenznehmern der großen Patentinhaber werden.
- 29:30Das unter dem Deckmalente man würde Pflanzenschutzmitteleinsatz reduzieren.
- 29:34Das halte ich für ne große Lüge.
- 29:37Es gibt ja auch das Argument, dass mit dieser Technik also vom CRISPR-Cas nur beschleunigt wird was eh durch Züchtung passieren würde.
- 29:44Wo ist denn der Unterschied aus deiner Sicht?
- 29:46Also wenn man jetzt lange genug züchtet selektiert dann würde im Grunde jetzt verkürzt das passieren, was man sonst in fünfzig Jahren erreichen würde.
- 29:53aber das Argument zählt aus deines Sicht nicht.
- 29:55Nein, weil es ja auch nicht stimmt.
- 29:58Dann bräuchte man diese Technik gar nicht.
- 30:01Natürlich ist das eine extrem mächtige Technik wenn ich spezifisch einzelne Gene verändern kann und ich kann sie an Orten in einer Art und Weise verändern wie Sie in der Natur eben nicht vorkommen.
- 30:14Sonst hätte ich's schon mit klassischer Züchtung gemacht.
- 30:16Das ist ne Erzählung die so nicht stimmt, die auch wiederlegt ist und die auch in vielen Publikationen so veröffentlicht wurde.
- 30:24Also die Erzählung funktioniert natürlich, es ist alles im Grunde das was in der Natur passiert nur schneller und präziser.
- 30:32Wir sehen das jetzt schon an dem Einsatz von Genome Editing, an den wenigen Sorten die es bereits auf dem Markt gibt oder die kurz vor der Markteinführung sind – das sind alles Züchtungen, die es mit einer normalen natürlichen Kreuzungs- und Selektionszüchtung so nicht gegeben hätte.
- 30:47Und der Aufschrei, weil man ja gleichzeitig immer noch die gesamte Risikoprüfung rausgenommen hat.
- 30:53Der Aufschreil später in einigen Jahren, wenn man merkt da ist doch eine Eigenschaft entstanden, die entweder aller Gene auslöst oder die doch eben Ökosysteme... schwächt wieder bestimmte Resistenzen, mit bestimmten Resistencen den Anbau von unseren Kulturpflanzen bedroht oder auch sensible Ökosysteme bedrohnt.
- 31:12Dann ist der Aufschrei groß und sagt hätte man doch etwas vorsorglicher, etwas vorsichtiger gehandelt.
- 31:18Wir selber jetzt als Ökoverband und Ökoverbände haben ja gar nicht gesagt, man muss eine Technik verbieten sondern man muss Technik nur gewisse Regeln einen gewissen Rahmen geben.
- 31:29Es ist halt so, ich mache ein großes Experiment mit der gesamten Natur und da hätte ich mir einen bisschen mehr Demut oder ein bisschen mehr Vorausschau gewünscht.
- 31:40Welche Möglichkeiten hat denn der Verband dagegen zu wirken?
- 31:44Oder darauf Einfluss zu nehmen auf diese Entwicklung?
- 31:47Naja unser wichtigster Einfluß ist dass wir noch einen alternativen Innovationsfahrt am Leben erhalten und vor allen Dingen auch ausbauen es die ökologische Pflanzenzüchtung auch die öko-logische Tierzüchtungen ohne den Einsatz von Genome Editing und Gentechnik, weil ansonsten irgendwann die gesamten Lebensmittel durchpatentiert sind.
- 32:07Die in einer Inhaberschaft sind und die Abhängigkeiten immer größer werden.
- 32:12also wir brauchen eine Entwicklung ein Wachstum unserer ökologisch eigenen Pflanzenzüchtung müssen viel mehr in die Breite in die Tiefe investieren und dem Verbrauchern eine alternative anbieten auf die immer mehr Verbraucher setzen.
- 32:29Dann können wir den Abhängigkeiten und auch im natürlichen Risiken noch etwas entgegensetzen, das ist unser stärkster
- 32:35Hebel.".
- 32:35Ich würde da gerne mal nachhaken nur damit ich sicher bin dass ich es richtig verstanden habe weil es braucht ja hitzerresistente Pflanzen.
- 32:41also die Klimakrise ist ja nicht von der Hand zu weisen.
- 32:45wie will der Ökolandbau wenn er jetzt nicht auf Gentechnik setzt dieses Ziel erreichen also hitzeresistentere Pflanzen zum Beispiel?
- 32:54Ich muss schmunzeln, weil das natürlich... Das sind die Fragen, die mich die letzten fünf Jahre immer rauf und runtergestellt wurden.
- 33:00Züchtung für den ökologischen Landbau ist seit Jahrzehnten die Anpassung an widrigere Boden-, Klima- und Wasser- und Nährstoffverhältnisse.
- 33:10Pflanzen, die in dem ökologistischen Landbausystem gezüchtet worden können viel mehr als im konventionellen System.
- 33:18Deswegen haben auch Zuchtkonzerne wie die KWS meist Züchtungen In ökologischen Landbausystemen, schon seit Jahrzehnten haben die dort reininvestiert.
- 33:29Weil sich das lohnt und weil es Sinn ergibt.
- 33:32Pflanzen im ökologistischen Landbau brauchen tiefere Wurzeln, brauchen breitere Wurtzeln.
- 33:37Müssen mehr arbeiten um Nährstoffe aufzunehmen.
- 33:41Brauchen die Symbiosen?
- 33:43Müssen mit Unkräutern in der Nachbarschaft überleben?
- 33:47haben schon einen Umfeld, das auch zum Klimawandel oder auf die Klimakrise Hitzestress Trockent Stress vorbereitet.
- 33:55Aber immer im System.
- 33:56wir haben parallel zu dieser Pflanzenzucht immer auch an den Anbausystem gearbeitet.
- 34:01Mischkulturen.
- 34:02Wir haben mit ganz unterschiedlichen Anbau Kulturen Bodenbearbeitung Abständen gearbeitet weil wir ja keine Pflanzenschutzmittel im normalen Markfruchtanbau einsetzen können.
- 34:15und durch diesen Stress oder diese Herausforderung haben wir einen großen Vorsprung sowohl in der Resistenz-Züchtung wie eben in angepassten Sorten für jetzt auch für Extremwetterereignisse.
- 34:29und da müssen wir konsequent weitermachen.
- 34:32Ich kann die meisten Eigenschaften, die ich brauche entweder ebenso gut oder deutlich besser als mit den Versprechungen von Genome Editing erreichen und das wird oft ausgeblendet.
- 34:44Das sind keine rückständigen Züchtungsprojekte, sondern wir machen modernste Pflanzenzüchtung mit allen was dazugehört.
- 34:51Natürlich auch mit dem Einsatz von Geneanalysen und wir gucken uns die Eigenschaften in den Genomen genau ein, was gekreuzt werden muss.
- 35:01Unsere Einschätzung und auch die Einschätzungen unserer Pflanzenzüchter ist dass man sich mit ökologischer Pflanzen züchtung entweder ebenso gut oder deutlich besser auf dem Klimawandel anpassen und vorbereiten kann, als jetzt mit den Sätzen auf eine spezifische Gentechnologie.
- 35:19Okay.
- 35:20Das heißt unter dem Strich ich fasse das nochmal zusammen die ökologische Landwirtschaft ist resilienter uns sie verursacht weniger hohe Folge kosten haben wir darüber gesprochen.
- 35:29Jetzt frage ich mich, müsste vom Staat oder auch von der EU dann nicht das Signal kommen?
- 35:33Wir wollen mehr regionale Lebensmittel.
- 35:35Wir wollen unabhängiger sein von Importen und vor allem von chemischen Düngemitteln.
- 35:40Und wir brauchen deshalb mehr Bio?
- 35:43Das kommt ja zum Glück auch!
- 35:44Also es ist ja Teil der Vision der EU-Kommission ist ja more organic – mehr Bio in ganz Europa.
- 35:53Das Ziel ist nach wie vor, für unzwanzig Prozent bewirtschaftete Landfläche ökologisch und natürlich auch noch viel mehr darüber hinaus mit agrarökologischen Systemen zu bewirtschaften.
- 36:05Also das politische Ziel ist da allein es fehlen in vielen Bereichen noch die konkreten Programme und die konkrete Entscheidungen, dass das auch umsetzbar ist.
- 36:16Und vielleicht ja auch das Geld womit wir dann bei dem Thema Subventionen wären?
- 36:19Also wenn wir über staatliche Gelder sprechen, dann kommen wir natürlich im einen Thema nicht herum.
- 36:24es hat nur drei Buchstaben aber jede Menge Sprengkraft.
- 36:33Die Rede ist natürlich von der GAP also der gemeinsame Agrarpolitik innerhalb der EU.
- 36:38Ich habe mich damit bei der Vorbereitung auf den Podcast ziemlich ausführlich beschäftigt und ich muss sagen, alle Vorurteile in Sachen Bürokratie die ich gehört habe haben sich leider bestätigt.
- 36:47Deshalb jetzt die Frage an dich Jan!
- 36:49Auf einer Skala von eins bis zehn was sagst du?
- 36:52Wie viel unsinnige Bürokrate steckt in der Gap?
- 36:57Ja sieben bis acht Auf jeden Fall.
- 37:00Ich hatte auf elf getippt, aber das ist ja dann noch eine diplomatische Antwort.
- 37:05Ja also man muss ja sagen dass die gemeinsam europäische Agrarpolitik in den letzten Jahren und Jahrzehnten auch sehr viel Gutes erreicht hat.
- 37:16Das merkt man ja einmal dann wenn auch viele Landwirte die Programme annehmen.
- 37:19beispielsweise Die Ökoregelungen, die Ecoschemes sind sehr breit angenommen worden.
- 37:25Die Programme in Bayern zum Beispiel zum Humusaufbau über Klegras sind extrem gut angenommen worden.
- 37:33Also es gibt Programme, auch eben zum Ökolandbau oder das ist ja ein echtes Erfolgsmodell in ganz Europa und wird sehr gut an genommen.
- 37:41Man kann mit der Gap viel Gutes erreichen – auch gar nicht so viel Bürokratie wenn man's richtig macht!
- 37:48Das Problem ist dass man viel zu viele Ziele und auch Detailziele in die gemeinsame europäische Agrarpolitik reinprojiziert hat.
- 37:56Dadurch ist sie immer komplizierter geworden, dann warte man sich wieder vorgenommen was zu vereinfachen, hat aber eigentlich wieder mit den Entscheidungen es noch komplizirter gemacht und aktuell sind wir kann man sagen vom gesamten System an einem Limit.
- 38:11also weder die Verwaltung noch die Landwirte kapieren das Gesamtsystem.
- 38:15uns braucht eine radikale Vereinfachung.
- 38:18Da werden dir sicherlich viele zustimmen.
- 38:20Ich habe mal auf die Zahlen geschaut, in der letzten Finanzperiode von Dreiundzwanzig bis Siebenundzwanzeig stellte die EU allein für die Einkommensstützung der Landwirten und Landwirte rund hundert achten achtzig Milliarden Euro zur Verfügung.
- 38:32Und laut Angaben der EU machte diese Zahlung im Durchschnitt in den letzten zehn Jahren fast die Hälfte des Einkommensther Landwirter aus.
- 38:38Das ist also eine existenzielle Unterstützung.
- 38:41Und da stellt sich natürlich jetzt die Frage, wie sieht die Planung für die Zeit ab achtundzwanzig aus?
- 38:46Es gibt ja einen Vorschlag der Kommission und lass mich raten ich fürchte es wird nicht mehr Geld werden richtig?
- 38:54Nein!
- 38:54Es würde nicht mehr geld werden.
- 38:55also zum ein sind alle EU-Staaten unter wirtschaftlichen Druck wachsen nicht ausreichend dass mehr Steuereinnahmen gibt das mehr Geld zu verteilen ist.
- 39:04aber es gibt eher weniger als mehr zu verteilt.
- 39:07Und mit dem weniger werdenden Geld müssen mehr Dinge finanziert werden, vor allem die Verteidigung.
- 39:13Aber auch in anderen Bereichen in der EU-Erweiterung oder im ländlichen Raum in der Wettbewerbsfähigkeit, in der Forschung und Entwicklung will die EU mehr Geld ausgeben.
- 39:25Also ist der Topf für die Förderung der Landwirtinnen und Landwirte insbesondere auf die Einkommensunterstützung enorm unter Druck.
- 39:34Jetzt kommt ja das Geld für die Landwirte, soll nach dieses Vorschlag es zukünftig aus dem sogenannten NRP-Fonkom.
- 39:41Also NRP steht dafür nationale und regionale Partnerschaften.
- 39:44Das bedeutet wenn ich jetzt mal stark vereinfachen darf jedes land hat ein Budget Und verhandelt dann mit der EU Kommission wie viel davon in die Landwirtschaft und vor allem auch in den Ökolandbau frießt.
- 39:54Die EU sagt, sie wird den Ländern dadurch mehr Spielraum geben bei dieser Entscheidung.
- 39:58Aber ich habe mich gefragt ist denn dann irgendwo auch festgelegt wie hoch die Summe ist, die in dem Ökolandbau fließen muss?
- 40:04Also so was wie eine Art Untergrenze?
- 40:08Nein und das ist einer unserer zentralen Kritikpunkte dass es weder eben für die Unterstützung der Umstellung und Beiberhaltung zum Ökelandbau ein Minimum, eine Untergrenz oder ein geschütztes Budget gibt noch für den gesamten Bereich der Agrarumwelt Klimaschutzmaßnahmen, das trifft für den ganzen Bereich zu.
- 40:28Positiv muss man sagen ist im Vorschlag drin dass jeder IOMITID-Staat in seiner nationalen Planung die Umstellung und auch die Beibehaltung vom Ökolandbau fördern will.
- 40:39aber wie?
- 40:40In welchem Umfang?
- 40:41In welche Rahmen?
- 40:42Dass es nicht festgelegt und bei so viele unterschiedliche Dinge finanziert werden können und sollen und wahrscheinlich auch müssen wird es einen ziemlichen Wettbewerb um diese sehr allgemeinen Haushaltstöpfe geben.
- 40:56Okay, also Herausforderungen die da auf die Landwirtschaft warten.
- 41:00Neu ist ja auch das Prinzip des Farms Stewardship.
- 41:03übersetzt heißt das so viel wie verantwortungsvolle Betriebsführung und das soll die bisherige Konditionalität ersetzen.
- 41:08Also die Zahlung aus der Gap an bestimmte die waren ja vorher an bestimmten Bedingungen geknüpft zum Beispiel den Schutz von Böden Wasser und Biodiversität.
- 41:16hilft diese Veränderungen dem Ökolandbau oder ist das eher ein Rückschritt aus deiner Sicht?
- 41:22Ja, es gab eigentlich in allen letzten Agrareformen immer Grundregeln.
- 41:27Also Grundanforderungen an die gute landwirtschaftliche Praxis, an ökologischen Zustand und Gewässerschutz.
- 41:34also diese Grundanfordernung gab's immer.
- 41:36Die sollten ja im Grunde so eine Art Grundanforderung sein dass man überhaupt als Betrieb Agrarförderung bekommen kann auch eben dieser Einkommensstützung.
- 41:46das war die Grundlage.
- 41:48Im Grunde jetzt erstmal von der Theorie her kein schlechtes System.
- 41:53Diese Regeln haben aber sich oft gebissen.
- 41:56wieder mit den spezifischen Regeln des Ökolandbau, gerade in der Bodenbearbeitung ob ich jetzt mit Herbizide also mit Unkrautvernichtungsmitteln arbeite oder im Ökelandbau mit Fruchtfolge und mechanischer Unkraudregulierung macht ein Riesenunterschied wenn nicht beispielsweise dem Boden bearbeiten muss.
- 42:12Das hatte uns in den vergangenen Jahren sehr viel Kopfschmerzen auch sehr viel Bürokratie.
- 42:19Jetzt mit dem Vorschlag der Kommission wird das tatsächlich für die Biobetriebe besser, denn sie sind automatisch anerkannt für diese Grundanforderungen und wenn Sie ein zertifizierter Biobetrieb sind dann erfüllen Sie die Grundanfordernung im Können auch die anderen Programme.
- 42:36mit beeintragen.
- 42:37Also das ist eine erhebliche Vereinfachung und
- 42:39Verbesserung.".
- 42:40Okay, ein anderes wichtiges Thema ist ja diese Flächen- oder Basisprämie also dass Geld das Land führte je nach Größe ihrer bewirtschafteten Fläche bekommen.
- 42:48bisher galt je mehr Fläche desto mehr Geld also Prinzip Gießkanne wenn man so will.
- 42:54jetzt soll sich das ändern.
- 42:55geplant ist unter anderem eine Kappung dieser Flächenprämien.
- 42:58es gibt also eine Obergrenze die laut Kommission bei hunderttausend Euro liegen sollen.
- 43:03Ist das mit der Kappung eine gute Idee, die da aus Brüssel kommt?
- 43:08Wir sehen als Bioland und auch als Bioverbände insgesamt diese ganze Flächenprämie als kritisch.
- 43:15Also wir würden sie am liebsten komplett abschaffen stufenweise so wie es auf die Wissenschaft empfohlen hat und das Geld in Form von Gemeinwohlleistungen der Landwirte ausbezahlen.
- 43:27also wer mehr Naturschutz, wer mehr Wasserschutz, wer mer Bodenschutz, Klimaschutz Der soll auch entsprechende Honorierung erhalten, die nicht aus dem Markt honoriert werden kann.
- 43:39Da haben wir am Anfang vom Podcast darüber gesprochen wie schwierig das ist alles über den Verbraucherpreis zu finanzieren.
- 43:45also hier braucht es eben diese staatliche Honorierung Bezahlung von Gemeinwohlleistungen, die alle Menschen gemeinsam brauchen.
- 43:53ich hätte viel mehr Output vielmehr Wirkung mit den knapper werdenden Steuermitteln.
- 43:59Also wenn ich auf hundert oder auf tausend Hektar Naturschutz hecken Blühstreifen, Altgrastreifen oder eben auch Gewässerschutzbetreibe.
- 44:08Dann ist das gleich viel wert und ich kann es eben auch entsprechend ignorieren.
- 44:12und kein Landwirt fühlt sich irgendwie diskriminiert, egal ob er groß oder klein
- 44:16ist.".
- 44:17Es wird wahrscheinlich schwer umzusetzen sein die Flächenkremie Schritt für Schritt abzuschaffen?
- 44:22Also da gebe ich die Hoffnung nicht auf weil A ist der finanzielle Druck so groß Und ich kriege das ja mit auch in den Diskussionen, mit den anderen Ressorts.
- 44:31Also wenn man in Brüssel oder Berlin mit Ministerien... in einem ganz anderen Wirtschaftsbereich oder im sozialen, sprich die schütteln ja alle den Kopf und zahlen.
- 44:40Die Landwirtschaft ist offensichtlich kaum oder gar nicht reformierbar.
- 44:44Warum hören denn die Agrarpolitiker nicht auf die wissenschaftlichen Beiräte?
- 44:49Warum folgen sie dann nicht den Empfehlungen einer Zukunftskommission Landwirtschaft wo ihr auch der Deutsche Bauernverband mitgearbeitet und auch mitgezeichnet hat?
- 44:57Warum hört man nicht auf dem strategischen Dialog von Ursula von der Leyen, wo genau das auch drin steht.
- 45:04Dass man sukzessiv in eine gewinnbeitragende Inwertsetzung von Umweltleistungen investiert anstatt immer per Gießkanne eine Flächenprämie auszuzahlen?
- 45:13also ich glaube an dieser Stelle wird sich irgendwann das vernünftige und richtige durchsetzen weil alles anderes einfach viel zu teuer.
- 45:22Okay da sind wir ja.
- 45:24beim Stichwort Optimismus würde ich gerne nochmal einhaken.
- 45:27du bist ja Präsident seit Muss man da so eine Art Zweckoptimist sein für diesen Job eigentlich?
- 45:35Nein, also kein Zweck Optimist.
- 45:36Das würde man ja irgendwann selber sich nicht mehr im Spiegel angucken oder sakastisch werden.
- 45:44Ich bin Pragmatiker und ein realistischer Optimist das heißt ich versuche immer die Zusammenhänge auf die Mehrheiten, die Meinungsbildung, die Fakten, die vielfältigen Perspektiven so gut wie möglich zu verstehen und dann auch andere Sichtweisen zu respektieren.
- 46:01Also mir beispielsweise die acht Monate Arbeit im strategischen Dialog in Brüssel, die waren ja wahnsinnig intensiv zusammen mit Peter Schurschneider und den ganzen Kollegen sehr viel Perspektiverweiterung gebracht und auch gesehen dass ganz viele mit mir nach Lösungen suchen und auch bereit sind gemeinschaftliche Lösungen zu suchen und aufzufinden.
- 46:20und das ist das was mich optimistisch hält dass man mit einerseits einen pragmatischen Ansatz, aber auch immer wieder mit einer gewissen vehementen Kreativität auf Lösungen drängt.
- 46:34Dass man da auch einiges erreichen kann.
- 46:36Okay und gab es denn in den fünfzehn Jahren auch mal Momente wo du am liebsten alles hingeschmissen hättest und gesagt hast das macht alles keinen Sinn mehr?
- 46:43also die totale Verzweiflung?
- 46:46Kann ich mich ehrlich gesagt nicht dran erinnern.
- 46:48Also wenn dann sind jetzt die Jüngste, die kann ich mir natürlich noch erinnernen nach der Abstimmung und Beschlusslage zu dem geänderten Gentechnikrecht, dass ich einen Tag gedacht hätte.
- 47:01Also das darf alles nicht wahr sein, weil auch die Strategien von Korteva, Monsanto, Bayer und Co sind ja gut.
- 47:10Die sind transparent und nachvollziehbar, weil sie wirklich für Gefährlich-Halte für unsere Systeme... Da denke ich man um Mann, die Machtverhältnisse sind schon unfair und ungleich verteilt.
- 47:21aber den Tag danach wieder Wir kämpfen und arbeiten weiter, dass wir auch unsere Kinder und Enkel eine gute Zukunft haben.
- 47:33Das gehört zum Menschheim mit dazu.
- 47:35Und das motiviert natürlich auch.
- 47:36Deswegen würde ich auch gerne noch mal zum Abschluss auch mit der Gab positiv enden, weil es gibt ja sicherlich Dinge die du daran gut findest oder die du befürwortest.
- 47:46Was ist das
- 47:47z.B.?
- 47:48Naja, bei der gemeinsamen Agrarpolitik.
- 47:51Also da sind viele Chancen mit dabei.
- 47:54auch in den Kommissionsvorschlag das haben wir immer wieder gesagt gab eigentlich einen ganzen Topf außerhalb der GAP mit denen man Bioregionen also so regionale ökologische Wertschöpfungsketten fördern kann also wo man Investitionen fördern können in die beispielsweise Lebensmittelverarbeitungen für dezentrale regionale Kantinen oder auch wieder in dezentrale, mobile Schlachtstätten zu investieren.
- 48:18All das wäre angelegt jetzt in diesem Kommissionsvorschlag und ich immer wenn wir so diese Ideen noch einbringen nutzt doch den Ökolandbau für ein stabiles Europa in der Zukunft im Grunde für die Blaupause dass wir unabhängiger und weniger erpresswertbar von China, von den USA werden, dass wir stabile ländliche Räume mit zufriedenen Menschen Handwerker, Bürgern auch mit dem Pendlern haben.
- 48:47Dass es ein friedliches Miteinander gibt.
- 48:49Nutzen wir doch den Ökolandbau aus diese ganzen Systemwirkungen die wir über Jahrzehnte erarbeitet haben um letztendlich unserem friedlichen gemeinschaftlichen demokratischen Europa zu dienen was viele auch nicht wissen ist dass Deutschland ja nur der komplette Durchschnitt des Ökelandbaus in Europa ist.
- 49:09Die meisten Betriebe sind in Italien.
- 49:13Italien hat über zwanzig Prozent Öko-Landbau.
- 49:16Die meiste Öko Landbaufläche ist in Spanien und die höchsten Anteile sind in Österreich und Island, so also das ist wirklich auch das Schöne wenn man ein bisschen aus dieser deutschen Perspektive rauskommt.
- 49:29es gibt so viel unterschiedliches Engagement auch aus unterschiedlichen Motiven für Bio wie beispielsweise im Portugal ist der Öko landbau die letzten Jahre am meisten gewachsen in ganz Europa dass das eine riesen Bereicherung ist.
- 49:43Und dann kommt man wieder mit Demo zurück nach Deutschland und sagt, Mensch wir könnten ja auch von den unseren Nachbarländern oder auch von Süd- oder aus der Europa die ganze Menge lernen!
- 49:58Ich würde gerne zum Ende noch einmal in den Supermarkt zurückkehren, da sind wir ja am Anfang unseres Gesprächs gestartet.
- 50:03Seit dem siebenundzwanzigsten September gelten neue Regeln um die Verbraucherinnen und Verbrauchern von Greenwashing zu schützen.
- 50:09Irreführende oder nicht belegte Umweltaussagen sollen dadurch eingedämmt werden?
- 50:14Was sagst du?
- 50:15ein Grund zur Freude?
- 50:18Ja und nein also Beides!
- 50:21Also erst mal ist das ein Grund zur Freude auf jeden Fall.
- 50:24Wir haben uns so eine Regulierung grundsätzlich gewünscht, Öko oder Bio ist zwar geschützt aber jetzt eben klimaneutral nachhaltig, regenerativ oder was auch immer.
- 50:33Das sind alles Begriffe die nicht geschützten und quasi wie beliebig fast beliebig verwendet werden können.
- 50:40und damit hat man auch um faire Wettbewerbsbedingungen wenn man sich eben nach einem gesetzlich regulierten Standard jetzt wie nach der Bio Verordnung oder noch nach den höheren Biolandrichtlinien richtet und kontrolliert wird.
- 50:53Also erstmal grundsätzlich gutes politisches Anliegen, ja warum etwas weniger Freude?
- 50:59da kann man mal wieder sagen Politik gut gemeint aber schlecht gemacht.
- 51:03das ist ein handwerklich schlechtes Gesetz.
- 51:06die Mitgliedstaaten müssen diese Verordnung dieser Richtlinie umsetzen im nationalen Recht.
- 51:12in Deutschland ist es dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb reguliert worden.
- 51:16wir haben auch intensiv beraten und begleitet.
- 51:19Aber man sieht jetzt schon in der ganzen Vorbereitung, der Lebensmittelhersteller und Handler, dass es unheimlich viele Unsicherheiten gibt.
- 51:29Was denn nun genau gilt?
- 51:31Was eine legale Umweltaussage ist und was vielleicht eine Grenzüberschreitung ist um überall wo Unsicherheit ist wird weniger investiert, wird weniger geworben und das ist ne schlechte Nachricht.
- 51:44so also wir haben das positive.
- 51:47für uns Bio ist eine anerkannte Umwelt-Höchstleistung, also Biohersteller, Biobauern und auch Biohändler haben es erstmal grundsätzlich einfacher.
- 51:57Wenn sie mit Bio werben das ist einfach möglich.
- 52:02wenn man das alles nicht belegen kann dann wird man eher seine Marken oder seine Aussagen zurückziehen lassen.
- 52:08Insofern wird's auch eine gewisse Marktbereinigung geben.
- 52:11aber eben wir erleben eben auch dass einige Der Marktteilnehmer, der Händler über Stile hinaus schießen und maximale Sicherheit wollen die es aktuell noch nicht geben kann.
- 52:20Und damit wird auch einiges vom Markt verschwinden was mit Sicherheit eben auch gute Umweltleistung oder auch gute Umweltaussagen in sich birgt.
- 52:28Müsst ihr denn als Verband auch eure Kommunikation verändern?
- 52:32dann also als Biolandverband?
- 52:34Wir haben sehr viel Material natürlich gesammelt und zusammengestellt, dass alle unsere Umweltaussagen auch belegbar sind.
- 52:43Entweder über unsere Richtlinien oder eben auch über wissenschaftliche Studien, da wir in den letzten Monaten viel gearbeitet haben.
- 52:49Wir haben natürlich unseren Mitgliedern- und Partnerbetrieben sehr viele Handwerkszeug gegeben bis hin zu Textbausteinen was sie recht sicher verwenden können und was gedeckt und belegt ist und wo sie aufpassen müssen, und wo Sie gegebenenfalls eben auch nochmal Beratungen einholen müssen.
- 53:06Also das ist schon für uns die letzten Monate eine Arbeitsschwerbung gewesen und wir gehen auch davon aus dass wir unsere Betriebe in Erzeugung, in Herstellung, in den Handel auch die kommenden Monate noch intensiv begleiten werden.
- 53:24Ja egal wo man einkauft an Ende landet man ja immer an der Kasse und abgerechnet wird bekanntlich zum Schloss.
- 53:31deswegen stehen jetzt auf meinen Kassenzettel einige Chancen für die Biolandwirtschaft.
- 53:35Zum einen die Resilienz, also die Stabilität in Krisen seines politische Auseinandersetzungen liefer Engpässe oder auch die Klimakrise und dass sie Nachfrage wächst das ist ja ein gutes Zeichen aber wenn dieses Wachstum unbedingt finanziell bei den Landwirtinnen und Landwirten ankommen muss auf mein Zettel steht deshalb auch das noch einiges zu tun es genauso wie bei den Verhandlungen zur zukünftigen Agrarpolitik oder bei der Gentechnik.
- 53:58Wenn du jetzt auf deinen Kassenzettel guckst, was steht da?
- 54:01Wo geht die Reise für die Biolandwirte
- 54:03hin?".
- 54:05Ja das auch wir und anpassen und verändern müssen.
- 54:09Also das spüren alle dass die Antworten von zehn vor zwanzig Jahren die wir hatten wahrscheinlich in den nächsten Jahren nicht mehr alle funktionieren werden.
- 54:18dafür ist gerade eben der Klimawandel leider schon viel zu weit fortgeschritten Und auf die unsicherheiten, die geopolitischen Unsicherheiten werden wir uns auch berühren und betreffen.
- 54:28Das braucht Anpassung.
- 54:30Dafür braucht es eine starke Gemeinschaft, weil in der Regel ein Einzelner sich viel schlechter anpassen kann als eine starste Gemeinschafters.
- 54:36Deswegen geht die Reise für uns in einer starken Gemeinsschaft weiter aber natürlich eben auch mit erheblichen Herausforderungen wo wir uns anpassen müssen.
- 54:44Genau Stichwort Gemeinshaft da steckt ja ein ganzes Netzwerk dahinter.
- 54:49Was ist das zum Beispiel unter jetzt mal ein paar zu nennen Die im Verband aktiv sind, um auch die Landwirtinnen und Landwirte zu unterstützen.
- 54:58Wir sind allein schon von unserer Wikis Basis eine fantastische große starke regionale Gemeinschaft.
- 55:05wir sind über neuntausend Erzeugerbetriebe sind über tausend vierhundert Betriebe in Gastronomie in Verarbeitung im Handel In Einzelhandel, in Großhandel.
- 55:15Wir haben ganz kleine Manufakturen und eben auch große Konzerne in der Mitgliedschaft die sich alle den gleichen Werten, den sieben Bioland-Prinzipien als Leitstern gesetzt haben.
- 55:27also das erstmal das was verbindet.
- 55:29Was uns stark macht ist das Ehrenamt.
- 55:31wir haben über sechshundert ehrenamtlich engagierte auch wieder in allen Bereichen aus der Landwirtschaft aber eben auch aus Verarbeitung auch an der Veränderung, an der Stabilisierung unserer Betriebe.
- 55:47arbeiten.
- 55:49Und dann haben wir noch über dreihundert Mitarbeiter, die vor allen Dingen ja dann draußen im Außendienst in der Beratung und in der Begleitung von Wertschöpfungsketten, von den Betrieben, von dem Umstellern als Experten dabei sind immer ansprechbar sind.
- 56:02Wir haben eine Hotline für alle Bereiche, die möglichst immer erreichbar sind, bauen unsere digitalen Services aus, dass es leichter ist, Biolandbetrieb zu sein oder auch zu werden permanent am Ball zu bleiben, dass die Entscheidung biologisch zu wirtschaften sich eigentlich aus allen Perspektiven, aus allen Alltags bereichen.
- 56:26Sich immer wieder als die Richtige erweist sowohl wenn ich meinen Boden angucke wirklich auch wenn nicht mein Konto anguccke aber vor allem auch wenn ich mein soziales Umfeld die Wertschätzung und mein eigenes Lebensgefühl meine Lebensqualität angucken.
- 56:40Zum Abschluss noch eine letzte Frage.
- 56:43Wo siehst du den Biolandbau in zehn Jahren?
- 56:48Als den Stabilitätsanker im ländlichen Raum, in Landwirtschaft und Ernährung in Deutschland und in Europa als die gefestigte stabile Säule in immer unsichereren Zeiten also einen Anker ein Orientierungspunkt an dem sich immer mehr Menschen orientieren weil die Verbindung mit der Natur unsere Basis ist.
- 57:09Also wenn wir uns nur an Technik orientieren oder an sozusagen unseren menschlichen Schwächen, Neid, Missgunst, Krieg dann werden wir als Menschheit keine gute Zukunft haben.
- 57:20Wenn wir uns an einer Balance mit anderen Lebewesen, an einem Teilen der Lebensgrundlagen orientieren, an Mitmenschlichkeit und Diversität orientieren das sind genau eben die Werte die Bio stark gemacht haben und Bio ausmachen Dann sind wir ein guter Orientierungspunkt für ganz viele Menschen und auch für ganz viel andere Wirtschaftssektoren in ganz, ganz vielen Regionen dieser Erde.
- 57:53Vielen Dank Jan für das Gespräch!
- 57:55Aktuelle Infos zur Agrarpolitik finden Bioland-Mitglieder auch im Politikkanal in der Bioland App.
- 58:02Und das war sie auch schon die erste Folge unseres neuen Podcast auf gutem Grund – diesmal mit redaktioneller Unterstützung von Leon Moor produziert von Michaela Natschke, Idee und Konzeption Inga Schneepel.
- 58:17Ich bin Katja Stefan und in der nächsten Folge spreche ich mit Bioland-Landwirt Hilmar Cäsar und den Ackerbauberatern Simon Siedl und Hans Schiefereder über das Thema Umkraubbekämpfung.
- 58:29Vielleicht hat der eine oder andere von euch ja auch dieses Jahr mit dem Ackerfuchsschwanz zu tun gehabt?
- 58:34Und wenn dir ein Thema unter den Nägeln brennt, über das wir unbedingt mal sprechen sollten oder du uns Feedback geben möchtest, dann meld dich gerne unter socialmedia at BioLand.de.
- 58:49Das war
- 58:50auf gutem Grund!