Latest / Die Lage international mit Christian Mölling / Trumps Atom-Deal mit den Saudis: „Das ist eine dramatische Entwicklung“
Transcript
- 0:07Es ist Donnerstag, der 23. Juli. Hallo und herzlich willkommen zum Stern-Podcast
- 0:11Die Lage International mit Christian Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler
- 0:15Think Tank European Policy Center. Guten Morgen, Herr Mölling.
- 0:17Hallo, guten Morgen, Herr Gassel.
- 0:19Ich bin Steffen Gassel, Diplomatischer Korrespondent des Stern.
- 0:22Herr Mölling, das hat man sozusagen davon, wenn man einen Deep Dive macht.
- 0:25Die letzte aktuelle Podcast-Folge ist zwei Wochen her und seitdem ist so viel
- 0:29passiert, dass man kaum hinterherkommt.
- 0:30Und lassen Sie uns heute darum möglichst rasch beginnen mit dieser Folge und
- 0:34versuchen wenigstens das Wichtigste aufzugreifen und ein Stück weit einzuordnen,
- 0:39an zwei verschiedenen Schauplätzen. Glaube ich, müssen wir das tun.
- 0:44Der eine ist die Ukraine und der andere ist Nahostpersischer Golf.
- 0:48Fangen wir mit dem zweiten Mal an.
- 0:50Der Iran und die USA hatten ja eigentlich, das war glaube ich der Stand,
- 0:53als wir zuletzt hier aktuell sprachen, bis Mitte August eine diplomatische Lösung aushandeln wollen.
- 1:00Nach dem 39-Tage-Krieg im März und April.
- 1:05Doch nun beschießen beide Seiten einander wieder. Die letzte Nacht war die zwölfte
- 1:09Nacht in Folge mit gegenseitigen Angriffen.
- 1:13Die USA haben nach den Angriffen im März und April viele ihrer Truppen und Kampfgeräte
- 1:19aus der Golfregion, also aus den alliierten arabischen Staaten, Bahrain, Katar,
- 1:24auch Saudi-Arabien, weiter weg verlegt, vor allen Dingen Richtung Israel und nach Jordanien.
- 1:29Der Grund war, dass dort ja während des Krieges die Iraner sehr häufig auch
- 1:34US-Basen angegriffen und getroffen hatten.
- 1:37Doch jetzt treffen die iranischen Raketen und zwar mit erstaunlicher Prästition
- 1:41sogar in Jordanien Flugzeughangers, Wohncontainer, andere Installationen von US-Truppen.
- 1:48Vier Soldaten sind in den vergangenen
- 1:50Tagen, also US-Soldaten sind in den vergangenen Tagen gestorben.
- 1:53An die 100 sollen bei iranischen Angriffen verletzt worden sein.
- 1:57Herr Mölling, offenbar lernen die iranischen Revolutionsgarden,
- 2:00obwohl sie ja durch mehrere zehntausend Luftangriffe in wenigen Wochen offensichtlich
- 2:06geschwächt sind, trotzdem extrem schnell dazu.
- 2:09Oder wie erklären Sie es sich, dass diese iranischen Raketen jetzt in der Zielgenauigkeit
- 2:13unter diesen Umständen offenbar rasant besser werden und auf größere Entfernung
- 2:18noch genauer US-Ziele ins Visier nehmen?
- 2:21Ja, also erstmal müssen wir dann ja wahrscheinlich vom 39-Tage-Krieg irgendwie
- 2:25auf den 51-Tage-Krieg umschalten.
- 2:28Die Idee, dass man Trump folgen sollte, wenn er einen Konflikt für beendet erklärt,
- 2:33ist offensichtlich ganz doll falsch.
- 2:37Ich will noch einen Schritt vorher machen. Ich bin mir gar nicht so sicher,
- 2:39ob man sagen kann, dass die Iraner geschwächt sind.
- 2:42Die Iraner zeigen das, was, glaube ich, in Deutschland, in Europa gerade so.
- 2:47Gehypt wird in aller Munde.
- 2:48Das iranische Regime, nicht der Iran mit seiner Bevölkerung,
- 2:52aber das iranische Regime und die Revolutionsgarden zeigen eine enorme Resilienz,
- 2:57weil sie sich darauf vorbereitet haben, diesen Konflikt zu führen,
- 3:00indem sie Kommandostrukturen so angelegt haben, dass man keinen Enthauptungsschlag durchführen kann,
- 3:06und offensichtlich große Reserven angelegt hat und sich auch jahrelang überlegt
- 3:10hat, wie man so einen Konflikt führen muss.
- 3:12Deswegen sehen wir das jetzt, glaube ich, was wir gerade sehen,
- 3:15Ob sich die Zielauffassung oder sozusagen die Möglichkeit des sogenannten Targetings,
- 3:19also das Finden und das Beschießen von Zielen so sehr verbessert hat, weiß ich nicht.
- 3:24Es gibt Gerüchte darüber, dass die Russen offensichtlich mithelfen,
- 3:27die Ziele zu finden oder wissen, wo sie sind.
- 3:29Gleichzeitig muss man sagen, viele der Ziele sind bekannt.
- 3:32Also die finden wir beide auf Google Maps oder auf einer anderen Satellitendatenbank.
- 3:39Das ist nicht so wahnsinnig schwer. Sehr schwer wird es immer dann,
- 3:41wenn Installationen neu aufgebaut worden sind, wie irgendwie Container oder sowas in die Richtung.
- 3:45Aber auch da muss man davon ausgehen, dass der Iran halt nicht komplett blind
- 3:48ist, sondern einfach Spione in der Nähe hat. Menschen, die bereit sind, gegen Geld zu verraten,
- 3:54was sich auf den Basen der USA, in Jordanien und anderswo gerade verändert hat.
- 4:00Und dann kann der Iran eins und eins, glaube ich, ganz gut schon zusammenzählen in dem Zusammenhang.
- 4:05Bemerkenswert ist einfach die Tatsache, dass das hier gerade droht,
- 4:09ein weiterer Forever War für die Amerikaner zu werden.
- 4:13Donald Trump hat die USA-Blockade gegen den Iran, die ja zwischenzeitlich außer
- 4:18Kraft war, wieder in Kraft gesetzt und Vergeltung geschworen.
- 4:21Die US-Luftwaffe greift nun ihrerseits Ziele im Iran an und lässt diese Angriffe ausweiten.
- 4:28Vor allem entlang der Straße von Hormuz im Süden des Landes,
- 4:31aber auch im Raum Teheran.
- 4:33Und im Kongress und wohl auch in der US-Generalität mehren sich die Stimmen,
- 4:38die dafür werben, wie es dann immer heißt, den Job militärisch zu beenden,
- 4:42statt weiter auf Diplomatie zu setzen.
- 4:45Das, Herr Mölling, würde ja
- 4:46nahezu unweigerlich den Einsatz von US-Bodentruppen erforderlich machen.
- 4:50Für wie wahrscheinlich halten sie es, dass Trump bereit ist oder nach und nach
- 4:55die Bereitschaft vielleicht entwickelt, so muss man es eher sagen,
- 4:57das zu tun und wenn ja, wie bald?
- 4:59Die Zeit, wir sprachen ja gerade in anderen Zusammenhang drüber,
- 5:02spielt ja offenbar eher zu Ungunsten der USA und zu Gunsten des Iran.
- 5:07Einerseits militärisch, andererseits mit Blick auf die Rohstoffpreise,
- 5:10die dabei sind, wieder nach oben zu gehen.
- 5:12Und außerdem haben wir nun auch noch die mit Teheran verbündeten Houthis ihrerseits
- 5:16eine Seeblockade im Roten Meer verhängt und begonnen, dort saudische Tanker zu beschießen.
- 5:21Das war ja die wichtigste Alternativroute für den Ölexport in Zeiten,
- 5:25wo die Straße von Hormuz nicht passierbar ist.
- 5:27Ja, genau. Ich glaube, man muss das vielleicht in zwei Teile zerteilen.
- 5:34Und wenn das Ziel ist, die Seeblockade zu beenden, das scheint ja das einzige
- 5:38Ziel noch zu sein, das Trump hat, weil alle anderen Ziele hat er im Grunde genommen über Bord gekippt.
- 5:43Und die Auflösung der Seeblockade ist ja auch erst entstanden,
- 5:47nachdem er den Anlass geliefert hat, die Straße von Hormuz zu blockieren.
- 5:51Auch das gehört natürlich mit dazu, muss es glaube ich immer wieder sagen.
- 5:55Dann ist jetzt eine Zwickmühle auf einmal entstanden. Nämlich das, was,
- 5:59jetzt auch nicht überraschend ist, nämlich dass die Iraner die nächste Stufe
- 6:03zünden und ihre nächsten Verbündeten, nämlich die Houthis, mit ins Boot nehmen
- 6:07und damit quasi eine Zwickmühle aufmachen oder ihre Daumenschrauben erweitern.
- 6:11Das ist eine Situation, in die Donald Trump jetzt schon reinguckt,
- 6:14bevor er irgendwelche Schläge lanciert hat. Und dieses Problem oder das verdoppelte
- 6:20Problem geht ja nicht weg, dadurch, dass man den Job militärisch beendet.
- 6:24Wenn man es denn kann. Und das ist, glaube ich, der zweite Teil des Problems.
- 6:27Und ich glaube, da muss man dann schon mittlerweile sehr historisch denken.
- 6:31Also es ist das Privileg jeder politischen Elite.
- 6:34Die Vergangenheit, die man vergessen hat und die Lehren, die man daraus ziehen kann, zu wiederholen.
- 6:39Und meine große Sorge ist, dass wir das gerade in Real-Time mit den USA erleben.
- 6:45Also der Angriff gegen den Iran war schon historisch schwierig.
- 6:48Es gibt eine historisch vorbelastete Beziehung zwischen dem Iran und den USA,
- 6:52dadurch, dass die USA schon mal Bodentruppen versucht haben zu schicken.
- 6:56Damals eine Spezialeinheit, aber weniger wird es dieses Mal auch nicht sein.
- 6:59Die amerikanische Geiseln aus Teheran befreien sollten.
- 7:02Das Ganze ist einem Desaster geendet und das ist letztendlich ein Trauma,
- 7:06das die amerikanische Politik mit sich rumträgt.
- 7:08Deswegen ist es so kurios, dass man das eigentlich vergisst und glaubt,
- 7:12man könnte in diesem riesigen Land, ich meine, das muss man sich wirklich vorstellen,
- 7:16das Land ist wirklich unendlich groß,
- 7:18man könnte da einfach mit ein paar Leuten rein spazieren und den Job militärisch
- 7:22beenden, was auch immer das dann heißt.
- 7:24Also was heißt das? Das heißt, dass die Zentrifugen finden, das Uranmaterial
- 7:29finden Oder was genau heißt denn den Job beenden?
- 7:32Ich habe große Sorge allerdings, weil Sie fragten, wie wahrscheinlich ist das.
- 7:37Dass die Amerikaner auf dem besten Wege sind, diesen historischen Fehler oder
- 7:41diese historische Lehre noch einmal zu lernen und deswegen diesen aus meiner
- 7:45Sicht Fehler noch einmal zu begehen, weil man vergessen hat,
- 7:48was das für eine dramatische Folgen für das politische System hat.
- 7:53Also ich weiß nicht, ob Trump das überlebt, aber das wäre im Grunde genommen
- 7:58ein sicherlich analytisch interessantes Trauma, dass man das zweite Mal den
- 8:04gleichen Fehler begeht und sie im Grunde genommen damit die Iranis,
- 8:07auf einen Thron heben in der öffentlichen Wahrnehmung der Unbesiegbarkeit,
- 8:12den sie kommunikativ, glaube ich, gar nicht mehr einfangen können in dem Zusammenhang.
- 8:16Und die, die sich darüber freuen, sind die Russen und die Chinesen in dem Zusammenhang.
- 8:21In dieser Lage, die ohnehin ja so vertrackt ist, wie Sie sie jetzt ziemlich
- 8:25detailliert beschrieben haben, hat der US-Präsident nun noch etwas getan,
- 8:29was ziemlich erstaunlich ist und was er selbst ja lange herausgezögert hatte.
- 8:34Er hat mit Saudi-Arabien einen Deal für ein, wie es heißt, ziviles saudisches
- 8:39Atomprogramm geschlossen.
- 8:42Der sieht aber vor, dass zum Beispiel Urananreicherungen in Saudi-Arabien stattfinden sollen.
- 8:47Es sind nach allem, was man weiß, erstaunlich wenige Safeguards,
- 8:51also Sicherheitsvorkehrungen in diesem Vertragsentwurf enthalten.
- 8:56Es gibt offenbar keine oder sehr wenige Vorgaben für Inspektionen,
- 9:01wenn das Ganze dann in Saudi-Arabien ans Laufen kommt.
- 9:05Dieses Atomprogramm war ein langgehegter Wunsch des saudischen Kronprinzen Mohammed
- 9:10bin Salman. Das hat natürlich damit zu tun, dass die Saudis auch sehen,
- 9:13dass sozusagen gegenüber auf der anderen Seite des Persischen Golfes im Iran
- 9:16ein Atomprogramm läuft, zu dem sie sich verhalten müssen.
- 9:20Herr Mölling, wie deuten Sie diese Entscheidung in der jetzigen Lage?
- 9:25Was ist das für ein Signal, auch sozusagen jenseits der Golfregion,
- 9:30für den gesamten Nahen Osten, wenn jetzt die Amerikaner sagen,
- 9:33okay Saudi-Arabien, wir machen einen Vertrag mit euch und helfen euch,
- 9:38ein eigenes Atomprogramm aufzubauen?
- 9:41Ja, auch das hat eine echt historische Dimension. Also für mich persönlich, aber auch für andere.
- 9:46Ich habe tatsächlich meinen ersten Artikel über die Nuklearwaffenprogramme im
- 9:52Nahen und Mittleren Osten mitgeschrieben.
- 9:54Und das ist in den 80ern oder 90ern gewesen.
- 9:58Also das heißt, dieses Problem besteht einfach schon ganz lange.
- 10:00Und wir hatten eigentlich, glaube ich,
- 10:03jetzt wiederum als Deutsche und Europäer irgendwie schon vergessen,
- 10:07dass es nicht nur ein konventionelles Pulverfass ist, sondern auch immer den
- 10:11großen Wunsch gab, in der Region,
- 10:13sich nuklear zu bewaffnen und teilweise versteckte
- 10:16Nuklearwaffen oder Massenvernichtungswaffenprogramme gegeben hat.
- 10:20Die Israelis sind die Einzigen, die das bislang geschafft haben.
- 10:23Aber das kommt tatsächlich jetzt zurück auf der einen Seite durch den Wunsch
- 10:28der Staaten, sich selber schützen zu können, auch wenn man dahinter ein Fragezeichen
- 10:32machen kann, wie weit Nuklearwaffen schützen.
- 10:35Und auf der anderen Seite, weil sich die Gelegenheit ergibt.
- 10:38Und die Gelegenheit ist eine historische Schwäche der USA, die nicht nur momentan
- 10:45ist, sondern die, glaube ich, wirklich sozusagen strukturell ist.
- 10:47Das heißt, die Schwäche wird immer weiter, die Stärke der USA oder der Einfluss
- 10:51der USA in der Region werden immer weiter abnehmen.
- 10:54Und das heißt, viele Staaten versuchen jetzt noch rauszuholen,
- 10:57was sie können, bevor die USA wechseln.
- 10:59Also wir sind in so einem Stadium, wo im Grunde genommen die Erben anfangen,
- 11:03quasi schon das Erbe zu verteilen.
- 11:05Und Trump ist in einer extrem schlechten Verhandlungsposition.
- 11:09Offensichtlich sind die Saudis in der Lage, etwas von ihm zu fordern, was er braucht.
- 11:15Deswegen macht er diesen Kompromiss, der dazu führt, dass in der Region das
- 11:19Potenzial, nicht heute und nicht morgen, für ein militärisches Nuklearwaffenprogramm
- 11:24oder Nuklearprogramm entsteht, das seinerseits Folgen haben wird.
- 11:28Also sowohl auf der Seite der Israelis als auch auf der Seite der Iraner hat er im Grunde genommen.
- 11:33Und das ist eine, ja ich finde, eine dramatische Entwicklung.
- 11:38Sie zeigt aber vor allen Dingen auch, wie schwach die Amerikaner sind und dass
- 11:40Donald Trump offensichtlich nur noch schlechte Wahlmöglichkeiten hat.
- 11:45Und die Saudis, ich würde nicht sagen ihn erpressen können, aber offensichtlich
- 11:49ihn so in der Hand haben, dass er diesen Deal machen muss.
- 11:53Bisher war ja mehr oder weniger unausgesprochen oder stand ja mehr oder weniger
- 11:58unausgesprochen im Raum, dass Saudi-Arabien so ein ziviles Atomprogramm mithilfe
- 12:04der USA bekommen könnte,
- 12:07in dem Moment, wo es die Beziehungen zu Israel normalisiert.
- 12:10Das ist ja der Prozess, der schon aus der ersten Trump-Präsidentschaft da ist
- 12:14und weitergeht mit den Abraham-Accords.
- 12:17Vor dem 7. Oktober stand Saudi-Arabien offenbar kurz davor, da beizutreten.
- 12:22Das hat sich dann alles sehr anders entwickelt und im Moment steht das eigentlich
- 12:26überhaupt nicht mehr zur Debatte.
- 12:29Trotzdem macht der Trump das jetzt. Das heißt, irgendwas hat sich in dieser
- 12:33Logik, wenn dann, quid pro quo, ja offenbar verschoben, Herr Mölling.
- 12:38Das ist jetzt etwas spekulativ, aber ich frage Sie trotzdem mal.
- 12:41Was glauben Sie denn, will Trump von den Saudis gerade, dass er dazu bereit
- 12:45ist, diesen Preis jetzt zu zahlen, obwohl das, was er eigentlich mal dafür haben
- 12:49wollte, völlig in weite Ferne gerückt ist?
- 12:51Ja, Sie haben total recht. Es ist eine Art von Inflation oder sowas in die Richtung,
- 12:55die da gerade stattfindet.
- 12:56Ich glaube, die Inflation ist dadurch eingetreten, dass Trump sich nicht aus
- 13:02dem Konflikt mit dem Iran zurückziehen kann und dass er die Saudis jetzt direkt
- 13:08für diesen Konflikt braucht.
- 13:10Entweder durch Geheimdienstinformationen, durch andere Dinge,
- 13:13die im Hintergrund laufen können oder sogar...
- 13:15Durch eine militärische Unterstützung und einen Kriegseintritt der Saudis gegen
- 13:20die Iraner mit dem Versprechen, dass man das irgendwie jetzt beenden könnte in dem Zusammenhang.
- 13:25Die Israelis haben, glaube ich, auch keine guten Optionen mehr.
- 13:28Von daher werden sie wahrscheinlich dazu schweigen, auch wenn sie das nicht
- 13:31super finden, weil sie damit natürlich,
- 13:34es ist keine direkte Bedrohung für sie, aber es reduziert Handlungsmöglichkeiten
- 13:38oder auch Überlegenheit in einer gewissen Art und Weise.
- 13:41Und das zeigt, glaube ich, dass wir es hier wirklich mit einer Kalamität zu
- 13:44tun haben, mit einem wirklichen großen Dilemma, das dadurch entzündet worden ist, entstanden ist,
- 13:50dass Trump die fragile Stabilität in der Region angezündet hat oder auseinandergenommen
- 13:56hat und wir jetzt im Grunde genommen so eine, im Französischen sagt man Avalanche
- 14:00sehen, so einen Erdrutsch im Grunde genommen, genau, eine Lawine von Effekten.
- 14:06Und man fragt sich, wann kommt das nochmal zum Stillstand?
- 14:09Und Trump ist voll in die Falle der Iraner reingelaufen und kommt aus dieser
- 14:14Falle nur noch raus, komplett gerupft und gefleddert, wenn überhaupt.
- 14:20Herr Bellen, ich habe am Beginn gesagt, wir müssen auch nochmal in die Ukraine
- 14:24schauen in den letzten vier, fünf Minuten heute.
- 14:27Da sind ja auch, seit wir zuletzt gesprochen haben, erstaunliche Dinge passiert.
- 14:32Der Trend des Kriegs schien ja zuletzt stetig zugunsten der Ukraine zu drehen,
- 14:35trotz weiterer sehr heftiger russischer Angriffe auf zivile Ziele in Kiew und anderswo.
- 14:41Vor allem dank der immer effizienteren Angriffe der Ukraine mit Drohnen und
- 14:44Drohnenschermen gegen Raffinerien, Militärspritzpunkte und andere Ziele in Russland.
- 14:49Und ausgerechnet in dieser ja eigentlich erstmal sozusagen tendenziell positiven
- 14:55Lage hat Präsident Zelensky vor einigen Tagen den beliebten und zuletzt sehr
- 14:59erfolgreichen Verteidigungsminister entlassen, der heißt Michalow Fedorow.
- 15:03Offenbar gab es Meinungsverschiedenheiten zwischen Fedorow und dem Generalstabschef
- 15:07Alexander Silsky und Zelensky hat Fedorow entlassen.
- 15:12Dann, bemerkenswert, gab es Proteste zugunsten Federovs. Also das Volk ist auf
- 15:16die Straße gegangen in mal mindestens 16 Städten.
- 15:20Dann hat Zelensky dem Federov angeboten, wieder zurückzukommen.
- 15:23Der hat gesagt, nee, vielen Dank, macht er nicht.
- 15:26Und dann hat Zelensky jetzt den Generalstabschef, der sich mit dem Federov gestritten
- 15:30hatte, vorher ausgewechselt.
- 15:32Der soll, anders als Federov, deutlich unbeliebt sein, vor allen Dingen bei der eigenen Truppe.
- 15:37Herr Mölling, was ist da los und wie sehr hat Zelensky mit diesem Personal,
- 15:42mit diesen Rochaden, der eigenen Sache geschadet?
- 15:45Ja, ich glaube, es sind mehrere Konfliktlinien, die hier ineinander laufen.
- 15:49Und im Vordergrund stand oder am Anfang stand in der Tat der Konflikt zwischen
- 15:53dem Generalstabschef und dem Armeechef und dem Verteidigungsminister.
- 15:57Und damit aber auch schon in der Tat zwei unterschiedliche Philosophien,
- 16:01wie man diesen Krieg führen soll.
- 16:03Man muss dazu sagen, dass der Armeechef klassisch russisch beziehungsweise sowjetisch
- 16:10ausgebildet diese Armee geführt hat, was ein großer Kritikpunkt von vornherein
- 16:14gewesen ist, als er damals, wir nehmen uns zurück 2024,
- 16:18die Armee von Salushin übernommen hat, der ja im Grunde genommen sehr erfolgreich
- 16:22gewesen ist in der Kriegführung.
- 16:25Und die Furcht, dass damit im Grunde genommen ein sehr unzeitgemäßes,
- 16:31auch menschenverachtendes System,
- 16:35zurückkehrt in die ukrainischen Streitkräfte, war vom ersten Tag an da.
- 16:39Und dementsprechend gab es viel, als man das gesehen hat, dass das tatsächlich
- 16:43auch so passiert, viel Kritik daran.
- 16:46Und Fyodorov ist auf der anderen Seite jemand, nicht nur jung,
- 16:49sondern auch Vertreter einer anderen Philosophie von Krieg, sehr viel,
- 16:53wenn man so will, moderner, technologieaffiner.
- 16:57Das traf mit den beiden auseinander, auch in den Auseinandersetzungen.
- 17:00Und die Beschreibung ist, dass sie irgendwann nicht mehr so miteinander reden
- 17:03konnten, sondern dass Zelensky ständig schlichten musste.
- 17:06Und dann war die Idee, so habe ich es zumindest verstanden, ich entlasse einfach
- 17:09beide gleichzeitig als quasi salomonisches Urteil.
- 17:13Das hat aber nicht funktioniert, oder es hat funktioniert schon formal. Jetzt sind beide weg.
- 17:19Genau, jetzt sind beide weg. Für den Armeeschef hat man einen Nachfolger.
- 17:22Und für Fyodorov gibt es den politischen Kampf, weil das eben eine politische
- 17:26Position ist. Und das wird Selenskyj jetzt gerade gefährlich.
- 17:30Hat er das nicht richtig bedacht? Ja, wahrscheinlich.
- 17:33Ich hätte es auch nicht so gedacht, was ich allerdings sozusagen uns...
- 17:37Als Deutsche nochmal mitgeben würde, ist, es ist in der Ukraine sehr viel normaler,
- 17:41dass die Zivilgesellschaft an dem politischen Leben teilnimmt und man gegen Dinge protestiert.
- 17:47Das ist Teil der ukrainischen Identität.
- 17:51Diese Freiheit zu haben, die man sich erkämpft hat und das auch in Kriegszeiten
- 17:54zu machen, ist eine besondere Form des Ausdrucks von Demokratie,
- 17:59die man hat. Deswegen würde ich das jetzt gar nicht mal so hochhängen.
- 18:02Ändert aber nichts daran, dass Selenski in einer ziemlichen Zwickmühle ist,
- 18:05wie er diese Frage jetzt lösen soll, weil Ferdorov will seine Position zurück.
- 18:09Und er hat halt gerade an Beliebtheit gewonnen. Und die Frage ist,
- 18:12kann Selenski das irgendwie aussitzen?
- 18:14Ich glaube, das müssen wir im Auge behalten. Sowohl die Figur Fedorov als auch
- 18:18die Figur des neuen Armeeschefs, der dem Sirski jetzt nachgerückt ist.
- 18:24Vielleicht machen wir das dann nächste Woche, wenn uns nicht neue Ereignisse
- 18:27dann beschäftigen für heute.
- 18:29War es das mit Die Lage International. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Mölling.
- 18:33Ich danke Ihnen, Herr Gassel. Das war, wie gesagt, Die Lage International.
- 18:36Wenn Sie, liebe Hörer und Hörer, Hinweise, Fragen oder Anregungen haben,
- 18:40schreiben Sie mir gerne eine Mail an steffen.gassel.de Die nächste Folge gibt
- 18:45es wie gewohnt am kommenden Donnerstag auf RTL Plus und überall sonst,
- 18:49wo Sie gerne Podcasts hören.
- 18:51Danke für Ihr Interesse und bis bald. Bis bald.