Latest / MOMENTUM - kevinkellermazza / #6 Meine Beschneidung veränderte mein Leben: Sara's persönlicher Kampf wurde zur Lebensmission!
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- 0:00Herzlich willkommen bei unserem Podcast «Du entscheidest». Heute haben wir Zahra Adouze zu Gast, was mich unheimlich freut, weil Zahra ist für mich so eine inspirierende Person und ein Mehrwert für diese Welt. Weil sie hat durch ihren Schicksalsschlag, den sie in der Kindheit erlitten hat, eigentlich das Beste daraus gewacht, was man machen konnte und ist heute mit ihrer Mission
- 0:25unterwegs und hilft und unterstützt hoffentlich ganz, ganz vielen Frauen und Kindern hier draussen. Aber dazu kommen wir nachher noch detaillierter dazu. Sarah, herzlich willkommen. Schön, dass du da bist. Danke für deine Zeit. Danke vielmals für die Einladung. Danke. Gerne.
- 0:42Sehr schön bist du da, danke vielmals, dass du dir die Zeit genommen hast, um hierher zu kommen. Und ich habe es vorhin schon im Briefing, den wir hatten, schon ein bisschen angekündigt, ich habe noch nicht gross von dir Recherchen gemacht, ich habe viel von dir gehört. Die letzten paar Wochen bin ich dich auf den Social Media Kanälen am verfolgen. Und bin ein bisschen am Stalken, ja. Und bin mega beeindruckt von dem, was du machst. Aber Wort zu dir. Wer bist du? Was machst du? Für was stehst du da?
- 1:12Ja, mein Name ist Sarah Aduse, ich bin 31. Ich bin Menschenrechtsaktivistin, Coach und Journalistin, also als Redaktorin am Arbeiten. Ich habe jetzt auch noch im Dezember meine eigene Stiftung gegründet und unterstütze Kinder, die von physischer und psychischer Gewalt leiden. Kinder, die den Glauben an das Gute verloren haben.
- 1:41ihnen die Hand reichen und ihnen sagen, dass das Gute immer noch existiert. Und das ist mein Ziel. Ich gehe sehr, sehr stark in Resonanz mit Kindern, die von Gewalt betroffen sind. Und ich habe mich immer, als ich gelesen habe, dass Kinder am Verhungern sind oder dass Kinder leiden, angesprochen gefühlt. Ich habe mich immer gefragt, was man machen kann.
- 2:10Nicht, es gibt es auf dieser Welt, sondern was kann man machen? Und das ist eben, wie du schon am Anfang erwähnt hast, meine Lebensmission, Kinder zu unterstützen, die von physischer und psychischer Gewalt leiden. Das ist für das, wo ich losgehe. Und das werde ich, bis ich...
- 2:31verkrüppelt bin. Aber das ist ja das Bedürfnis, das du hast. Woher kommt das Bedürfnis, dass du wirklich diesen Kindern helfen willst? Das kommt ja nicht irgendwo her. Also, ich hatte bis zu meinem fünften Lebensjahr behütete Kindheit. Ich war mit meinen zwei Brüdern und meinen Eltern, wir hatten ein schönes Zuhause und es war alles gut.
- 2:57Mit fünf Jahren hat mein Vater seinen Job verloren. Sie waren dann gezwungen, unsere Kinder zu der Grossmutter zu bringen, weil sie nicht mehr in der Lage waren, uns zu finanzieren.
- 3:09Und so ist dann meine Mutter mit uns zu der Grossmutter. Sie hat ein bisschen weiter weg gewohnt und ich hatte keinen persönlichen Bezug zu ihr. Sie war für mich fremd. Weil sie dann einfach an einem anderen Ort gelebt hat. Genau. Und das alles nicht in der Schweiz, sondern im Ausland. Genau. Also ich bin ja nicht in der Schweiz geboren, sondern in Äthiopien.
- 3:33Dann ist meine Mutter zu der Grossmutter zu uns. Wir haben dann angefangen, dort in die Schule zu gehen. Wir haben uns das Leben dort daran gewöhnt. Sie ist mit uns geblieben, bis wir uns das Leben bei der Grossmutter daran gewöhnt haben. Eines Tages komme ich von der Schule zurück. Mutter nicht mehr da.
- 3:54Wir haben die Grossmutter gefragt, wo ist Mama? Sie sagt, sie kommt dann schon wieder. Und in Äthiopien oder allgemein in Afrika, ich erlebe es mir so zu sagen, weil das meine Beobachtung ist, Kinder werden nicht ernst genommen. Ihre Emotionen werden nicht ernst genommen. Kinder sind so wie, sie wissen eh nichts. Sie können sich nichts merken. Darum hat meine Grossmutter das auch nicht ernst genommen und hat gesagt, ja, ja, sie kommt dann schon wieder. Erste Nacht war vorbei, zweite Nacht vorbei, dritte Nacht vorbei und so weiter.
- 4:24Bis wir realisiert haben, dass die Mutter nicht mehr zurückkommt. Bin ich ein weiser Kind? Was ist los mit mir? Ich wusste es nicht. Ich weiss nur, dass ich jeden Abend geschlafen bin und gebrüht habe. Jeden Abend habe ich gebrüht. Ich habe einen jüngeren Bruder, der zu mir kommt und mir fragt, wo ich bin. Ich weiss es nicht. Ein jüngerer Bruder, ja. Wo ist Mama? Ich weiss es nicht.
- 4:49Und meine Grossmutter war sehr, sehr streng zu mir. Also Liebe und Zärtlichkeit gab es keine. Wenn ich nicht gefolgt habe, sind wir geschlagen worden. Und sie hat mich auch unter anderem im Keller eingesperrt. Wie Gefängnis. Also weisst du, mir Essen und Trinken gegeben. Und ich habe sogar dort übernachtet ab und zu.
- 5:12Als ich sieben Jahre alt wurde, heisst es dann, dass ich reif bin, um eine richtige Frau zu werden. Du wirst heute gefeiert, gefeiert. Heute wirst du zur richtigen Frau. So cool. Ich werde heute zur richtigen Frau. Die Grossmutter war nie so lieb. Heute ist sie lieb. Mega cool. Ich freue mich, wenn ich ein Geschenk bekomme, gefeiert wird. So ohne Grund. Ich sage, geil. Geburtstag feiert man dort in Äthiopien. Ich habe...
- 5:42Ich habe erstmals in der Schweiz gehört, dass es so einen Geburtstag gibt. Wow. Weisst du? Ja. Und nachher bin ich wirklich auf die Welt gekommen. Also an dem Tag, an dem du gefeiert wurdest, wo du das Gefühl hattest, du wirst gefeiert? Bin ich beschnitten worden. Also sie haben mich beschnitten und zwar ich bin von links und rechts festgehebt worden.
- 6:12ganz kurz, eben links und rechts festgehebt worden. Und danach hat die Frau, die mich beschneidet, ohne Betäubungsmittel mir ein Stück Fleisch abgeschnitten. Damals, heute als erwachsene Frau, sage ich, sie hat mir ein Stück, so meine Klitoris abgeschnitten. Und vor lauter Schmerz bin ich in dem Moment in Ohnmacht gefallen. Verständlich. Ich bin dann in meinem kleinen Zimmer erwacht
- 6:40Und dann höre ich, wie sie im Nebenraum festen, reden und Spass machen. Ich bin aufgestanden und merkte zwischen meinen Beinen, dass es höllisch brennt. Ich dachte mir in dem Moment, was gibt es bitte schön jetzt gerade zu feiern.
- 7:00Und dann habe ich mir in dem Moment gedacht, entweder werde ich wahnsinnig und ich verliere den Verstand oder ich verdränge das für immer. Du warst aus sieben. Und ich habe mich für das Verdrängen entschieden in dem Moment, weil das das Sicherste war für mich. Schutz. Schutz, genau.
- 7:19Und das Leben ging so weiter bei der Grossmutter, bis die Wunde verheilt war, zwei, drei Monate. Und dann doch, wenn ich nicht gefolgt habe, bin ich in den Keller eingesperrt worden und ich war als Kind sehr rebellin. Also ich wusste, meine Grossmutter, ich habe einen Kampf mit ihr geführt.
- 7:40Sie hat mich bestraft, ich habe noch mehr Scheiss gemacht. Weil ich mir einfach so gedacht habe, ich lasse mich nicht von dir brechen, aber das ist ein anderes Thema. By the way, dass ich schnell unterbreche, es gibt ja mittlerweile einen Film über das. Korrigiere mich, wenn ich etwas falsch sage. Und das Buch ist auch noch.
- 7:58Wenn jemand von euch die ganze Geschichte näher kennenlernen möchte, dass wir darauf einweisen, werden wir sicher auch verlinken. Ein Film, welches letztes Jahr ins Kino gekommen ist. Letztes Jahr im Kino gekommen ist. Ich möchte euch gerne erzählen, wie es dazu gekommen ist. Ganz kurz und dann bin ich fertig.
- 8:19Sie hat mich dann in den Keller eingesperrt und nachher ist dann etwas passiert. Ich kann mich so gut erinnern, dass ich mega fest gebrüllt habe und mir so sehr gewünscht habe, dass meine Eltern da sind. Ich habe gebrüllt und gebrüllt und gebrüllt, bis mir die Nase zuging und ich nicht mehr atmen konnte.
- 8:44Und ich hatte das Gefühl, ich stirbe jetzt. Und in dem Moment ist etwas passiert.
- 8:52Es ist irgendein Energiewesen zu mir gekommen. Ich weiss nicht, was es war. Einfach irgendein Energiewesen, das mich in seinen Schuss genommen hat. Etwas Nicht-Physisches. Ja. Und mir die ganze Angst, die Todesangst, die ich in dem Moment hatte, weggenommen hat und mir gesagt hat, eines Tages wirst du das, was du erlebst, mit Menschen teilen können.
- 9:16eines Tages würdest du das teilen können. Und dann bin ich eingeschlafen. Also von der Angst in Schutz und dann bist du eingeschlafen. Ja, und dann bin ich eingeschlafen und ich wusste,
- 9:30Irgendwann werde ich glücklich sein. Also quasi dein Urinstinkt, so etwas, das gesagt hat, das passiert ja nicht einfach so. Es hat ja einen Grund, dass du auserwählt bist, um das über dich anzulassen und schaust jetzt, wie viele Jahre später, über 20 Jahre später.
- 9:47Ja, sieben Jahre. Ja, 20 Jahre, sagen wir. 17 Jahre später. Und als der Film letztes Jahr rausgekommen ist, habe ich die Produzentin, also die Regisseurin, die mit mir den Film aufgenommen hat, gesagt, heute ist der eines Tages. Da sind wir beide in Tränen ausgebrochen. Mega schön. Wo läuft der Film? Wo kann man den Film anschauen?
- 10:07Diesen Film kann man nicht online streamen. Er lief letztes Jahr in die Kinos. Er ging einmal um die Welt. Er lief in kleine Kinos. In New York, Rom, Deutschland, in der Schweiz. In Kenia haben wir ihn auch gezeigt. Und das Buch «Ich, die Kämpferin», in dem ich die ganze Geschichte erzähle. Und vor allem, wie ich es zu mir selbst gefunden habe. Und wie der Schmerz der Vergangenheit mich heute antreibt.
- 10:36die Person zu sein, wo ich bin, glücklich zu sein, für das Kind loszugehen. Und einerseits war das das Grösste, was mich traumatisiert hat. Andersherum habe ich darin meine Lebensvision gefunden. Sarah, was du erzählt hast, das berührt extrem. Wenn man das nicht erlebt, kann man nicht nachvollziehen, was da genau passiert ist.
- 11:03Danke für das Teilen von dieser Geschichte. Ich kann mir vorstellen, oder halt eben auch nicht, dass es sehr schwierig ist, so etwas zu teilen. Und ich glaube, genau durch das, was du teilst, wirst du und jeder Tag immer mehr Menschen dabei helfen können, um so einen Schmerz zu verarbeiten.
- 11:24Du hast das erlebt, es ist ein Film daraus entstanden, es ist ein Buch daraus entstanden. Und wie geht es weiter? Woher möchtest du gehen? Was ist deine Vision? Was ist dein Ziel?
- 11:40Ich habe ja dann auch die Stiftung gegründet, letztes Jahr im Dezember. Wie heisst die Stiftung? Sarah Adusa Foundation. Sehr schön, okay. Der Film heisst «Do you remember me?». Ich bin ja auf Äthiopien gegangen und habe die Frau, die mich beschnitten hat, konfrontiert, warum sie mich beschnitten hat. Ah, du weisst, wer dich beschnitten hat? Ja, ja. Im Film sieht man, dass ich vor Ort gegangen bin und sie gesucht habe. Oh, wow. Wie hat sie reagiert? So ein Spoiler-Alarm? Oh mein Gott.
- 12:06Ich sage ja Powerfly mit einem Tag und ohne es. Einmal der ganze Harald, der ganze Dorf wachgerüttelt. Sie sagen ja so, man darf nicht über Genitalien reden. Und ich bin da, hey, reden wir über Genitalverstümmelung.
- 12:24Aber eben, das ist ja ein kontroverses Thema, weil es ist ja eine uralte Tradition. Und erklär mal jemandem, der von dieser Kultur lebt, dass das ja nicht richtig, dass das ja nicht gut ist. Und was hast du so für einen Gegenwind? Bekommst du viel Gegenwind? Bekommst du viel Unterstützung? Oder was würdest du sagen? Die Menschen spüren das, dass ich...
- 12:49dass das das Richtige ist, dass wir uns gegenseitig nicht beschneiden. Sie spüren das. Und wenn ich mit ihnen über den Schmerz rede, was uns allen in dem Moment passiert ist, können sie mir gar nicht widersprechen. Das stimmt. Können sie mir gar nicht widersprechen. Es ist so, in dem Moment, wo du beschnitten worden bist, war das richtig? Die Antwort ist meistens nein. Fangen wir mal hier an zu reden.
- 13:18Und nachher sagen sie, ja, aber es ist aus religiösen Gründen. Ja, ist es so?
- 13:26Da fragte ich meine Grossmutter, ob Gott uns so unperfekt erschaffen hat, dass du Gottes Werk korrigieren musst. Verstehe ich dich richtig? Sie war sprachlos, sie sass hier und dachte sich, was machen wir eigentlich? In diesem Moment wurde es ihr bewusst. Das hat mir dann geholfen, meine Beschneiderin zu finden. Ich habe ja dort gelebt. Ich lebe immer noch nicht dort.
- 13:59Und die Menschen dort sind so wie erleichtert, wenn jemand darüber redet. Endlich macht es mal jemand so. Genau. Sie schämen sich, über Genitalien zu reden. Dort ist es ja so wie ein Tabuthema. Man redet nicht über Genitalien, man redet nicht über Sex. Es ist so ein Tabu. Und wenn jemand darüber redet, es ist dann so wie am Anfang fremdschämen. Das habe ich mega oft.
- 14:26gespürt und gesehen, dass sie sich fremdgeschämt hat, aber sie waren auch supportive. Cool. Ich habe das auch mit viel Humor verpackt. Meine Intention war, ich begegne dich nicht mit Vorwürfen, sondern wir wollen eine Lösung finden. Mit ganz viel Liebe. Mit ganz viel Liebe. Sonst machen sie ja gerade zu. Das ist mir bewusst. Es ist sehr kontraproduktiv, wenn ich jetzt gerade mit jemandem zusammenarbeiten will und dann mit Härte anwende. Gewaltfreie Kommunikation. Genau.
- 14:54Spannend. Wie schreitet das voran mit deiner Foundation?
- 14:59Ja, wir haben jetzt ein Patenschaftsprojekt, wo wir in Kenia zehn Mädchen unterstützen. Also wir sponsern sie vom Kindergarten auch bis zu ihrem Schulabschluss. Wir machen mit den Eltern eine Vereinbarung ab, dass sie ihre Kinder nicht beschneiden dürfen. Dafür zahlen wir ihnen Schuluniform, Essen und Trinken. Okay.
- 15:26Und in Afrika ist auch Armut wirklich weit verbreitet. Wir geben auch den Eltern, also wenn wir die Kinder finanzieren, haben wir dann auch die Eltern zu essen und zu trinken. Darum gehen sie auf den Deal ein. Der Deal ist, wir unterstützen die Familie, indem wir sagen, die Kinder werden von der Foundation unterstützt, vom Kindesalter bis zum Schulabschluss. Genau.
- 15:52Dafür müsst ihr nur eine Vereinbarung mit uns abmachen. Und in dieser Vereinbarung geht es darum, dass Sie nicht Ihr Kind beschneiden dürfen. Genau, absolut. Und die Kinder werden einmal jährlich von uns untersucht. Ganz Körpercheck, dann machen wir auch gerade Gesundheitscheck. Und so stellen wir sicher, dass die Kinder nicht beschneiden werden.
- 16:19Du hast ja mal gesagt, als wir uns damals wieder getroffen haben, nach ein paar Jahren, dass dein Ziel ist, dass du dafür da bist, dass wir das Genitalverstümmelung ein für alle Mal,
- 16:36verabschiedet wird. Genau, das ist das Ziel. Und das spürst du, glaube ich, in jeder Zelle deines Körpers, gemäss deiner Energie gerade. Ich weiss es, ich mache es. Du entscheidest, also es ist eine bewusste Entscheidung, die du getroffen hast, für all das, was du eigentlich durchgemacht hast, und du verwendest das jetzt wirklich für dich, und nicht nur für dich, sondern für ganz viele weitere Menschen da draussen. In der Schweiz gibt es sicherlich auch ganz viele, die davon betroffen sind. 22'000.
- 17:06Okay, wow. 22'000 Frauen. Nur in der Schweiz. Und was ist es in der Welt? So schätzungsweise sagen sie aber 22'000 Frauen und Mädchen. Offiziell, wo das offiziell... Genau, und weltweit ist es 250 Millionen. 250 Millionen? Ja.
- 17:24Okay. Hast du da Einblick, ist das weniger geworden in den letzten Jahren? Ist es trotzdem geblieben? Laut Udo hat es in der Corona-Zeit noch mehr angenommen. Ja, Millionen. Wieso? Was ist das?
- 17:40Das ist der Grund, warum sie die Beschneidung machen. Die weibliche Sexualität wird als bedrohlich angesehen. Wenn eine Frau Lust empfindet, ist das etwas Dreckiges. Damit sie gehorcht, damit Mädchen gehorchen. Früher, jetzt ist es zum Glück nicht mehr so, haben die Männer darauf bestanden, dass sie ausschliesslich nur beschnittene Frauen wollen.
- 18:06Von diesem Trend sind sie jetzt weggekommen. Ja, und von diesem Trend komme ich ehrlich gesagt auch selber weg, weil ich habe nicht das Gefühl, dass Männer schuld sind, dass Frauen beschnitten werden. Frauen können auch hinstehen und sagen, nein, das wollen wir nicht. Man muss den Männern nicht schuld geben, finde ich.
- 18:27Ich habe mit jungen Männern in Äthiopien gesprochen, die mir klar und deutlich gesagt haben, dass sie gar nicht beschnittene Frauen haben wollen. Sie wollen das gar nicht. Meine Mutter will das. Das sind die eigenen Frauen, die das selbst durchgemacht haben.
- 18:44Wo das eigentlich ihren Kindern antun. Sie wissen, dass es eigentlich der grösste Humbug ist, weil sie traumatisiert sind und, und, und, und, und. Aber trotzdem gibt man das weiter. Was meinst du, wieso? Ich habe das ganz am Anfang gesagt und ihr werdet das verstehen. Erstens, was habe ich gesagt? Als ich aufgestanden bin, haben die Leute im Nebenzimmer gefeiert. Ja, mhm.
- 19:12Ich habe mir gesagt, entweder werde ich total verrückt oder ich verdränge das für immer. Also, wie sagt man, assoziieren, oder? Du bist abgespaltet, du hast gar keinen Zugriff mehr auf die Erinnerungen, was dir passiert ist bei der Beschneidung. Weil du sie verdrängst?
- 19:31Gleichzeitig wirst du von der Gesellschaft gefeiert, dass du beschnitten wirst. Du wirst mit diesem Glauben gross. Und dann denkst du dir, in diesem Fall ist das das Richtige. Das ist ein riesiger Glaubenssatz, ein kultureller Glaubenssatz, der vor allem von den Frauen weitergegeben wird, nicht einmal von den Männern verlangt wird mittlerweile.
- 19:52Noch ganz etwas anderes. Du bist ja mit dieser Geschichte raus vor ein paar Jahren und hast du viele Frauen, die du jetzt betreust, die du Anlaufstelle bist genau für das. Mir ist das auch passiert, ich habe noch nie mit jemandem darüber geredet, wie kann ich mich eben auch heilen, weil du hast dich ja auch selbst geheilt oder bist immer noch dran, diesen Prozess «Never-Ending Story».
- 20:13Ja, erzähl mal, würdest du sagen, ist das ein Appell an die Leute hier draussen, die Leute kennen oder keine Ahnung, zu sagen, hey Leute, ich weiss, ich kann euch helfen, meine Erfahrungen teilen, Tipps und Tricks, es gibt ja so viele Tools in der persönlichen Weiterentwicklung, wo man ja schauen darf, um die Trauma zu aufarbeiten, oder? Absolut, absolut. Es geht wirklich ja um Selbsterkennung und das ernst zu nehmen, was einen verletzt hat und
- 20:44den ganzen Schmerz anzunehmen und dann in dem heilig zu finden. Spannenderweise, ich bin mit dem Film raus, ich bin mit dem Buch raus und nicht viele Betroffene haben sich bei mir gemeldet. Es sind vereinzelte, die sich bei mir gemeldet haben. Durch die Blumen dir ein E-Mail schreiben? Genau. Aber würdest du sagen, hey,
- 21:07Das eine ist, dass man nimmt an, dass sie ein offenes Ohr hat, aber hast du das jemals kommuniziert? Ich weiss es nicht. Wo sagst du wirklich, meldet euch. Von wem kann man am besten lernen? Weder von dir, die abgesehen davon die Tools hat und weiss, wie man das Ganze transformieren kann.
- 21:28Also ich habe sicher so in Posts, wo ich auf Instagram etwas gepostet habe, erwähnt, dass die Frauen sich bei mir melden sollten. Also mit der Stiftung wollen wir auch, Zukunftsmusik, wollen wir auch hier in der Schweiz Events anbieten, wo nur Betroffene kommen. Und ich dann wie Workshops oder Events machen, wo sie ihre Glaubenssätze...
- 21:51aufdecken, auflösen, transformieren. Was mir wirklich geholfen hat in der Heilung, der erste Schritt war, sich bewusst zu werden, was hat es mit mir gemacht? Welche Glaubenssätze habe ich dadurch?
- 22:08mir angeeignet oder anfangen zu glauben. Und der zweite Schritt ist, anfangen mit dem zu arbeiten, sich damit anfangen zu beschäftigen. Die ganzen Emotionen, die man gefühlt hat, hochzuholen und das mal wirklich zu spüren und
- 22:26Sich bewusst zu werden, was hat das mit mir gemacht? Und da, es gibt jenste Therapeuten, es gibt jenste Coaches, die unterwegs sind, holt euch Hilfe. Man muss sich Hilfe holen. Wir Menschen sind so komplexe Wesen, wir haben blinde Flecken. Hilfe holen kann auch so heilend sein. Und das wollen wir auch mit der Stiftung machen.
- 22:53dass ich verschiedene Coaches holen kann, die Menschen helfen können, die mir auch geholfen haben. Also wie Plattformen liefern. Genau. Sorry, dass ich dich unterbreche, als ich dich ja wieder getroffen habe. Als wir uns das erste Mal getroffen haben, wusste ich das gar nicht von dir. Du hast das ja auch niemandem erzählt. Dann habe ich dich in der Zeitung gesehen und als wir uns dann wieder getroffen haben, als du mit dieser Story raus bist, ich glaube 2019,
- 23:21Oder 2018? 2019 bin ich mit der Story raus. Genau. Und dann, als wir uns im 2020 wieder getroffen haben, Ende 2020, hast du ja nochmals gesagt, weisst du, wegen diesem Film und Buch, es ist ja schon einmal ein Buch von jemandem rumgegangen, die Wüstenblume, weisst du,
- 23:42Sie erzählt, was passiert ist und überhaupt bla bla bla, aber was ist nachher passiert? Sie ist Model geworden. Ja, und jetzt, was soll ich jetzt mit dem anfangen? Mir ist das auch passiert. Ich würde gerne ein Tool haben, irgendetwas, wo ich jetzt weiss, wie ich weitermachen kann, wie ich mich verhalten kann, wo ich mir helfen lassen kann. Und heute bist du in meinen Augen ja genau die Person, die dir ja damals gefehlt hat, wo du den Menschen hier draussen weitergeben kannst, um... Ja, ja.
- 24:10Sie war eine Model, sie war weltweit berühmt. Nachdem ich den Film «Wüstenblume» und das Buch gelesen habe, war ich im Schmerz. Was ist die Lösung? Ich habe überall gegoogelt. Ich habe geschaut. Ich habe gesagt, ich muss irgendwie...
- 24:34Können für mich da sein, mich fangen, mich finden, mich heilen. Ich will ein glückliches Leben führen. Ich will alles machen, was ich will. Ich will happy sein. Ich will einfach glücklich sein und mir alles erlauben. Liebe erlauben, glückliche Beziehung, finanzielle Fühle. Alles möchte ich haben. Wie kann ich da anfangen?
- 24:55Und so habe ich angefangen mit der ganzen Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe jenste Bücher gelesen, jenste Videos geschaut, die Weiterbildung gemacht. Da bin ich auch noch recht schnell mit dem Aspekt der Vergebung gekommen. So, ah, okay, was heisst denn Vergebung?
- 25:12Vergebung hat nicht mit dem zu tun, was der andere gemacht hat, ob es richtig ist oder falsch ist. Vergebung ist der grösste Akt von Selbstliebe. Das ist spannend. Ich lerne es mir nochmal. Ich habe es wieder gelesen und wieder gelesen. Bei Vergebung geht es darum,
- 25:31Es geht ja um den inneren Frieden. Also das heisst, wenn ich meine Grossmutter, die mich damals so erzogen hat, von ihren Vorwürfen, Schulzuweisungen, und ihr sagen, wegen dir, weil du mir das gemacht hast, geht es mir heute so, wie es mir geht. Aber wenn ich in die Vergebung gehe,
- 25:53dann hole ich mir ja meine innere Macht zurück. Also wenn ich nicht vergib, übergebe ich ihr ja meine Macht. Von deinem Zustand, wie es dir geht. Dann gebe ich sie freiwillig so ab, anstatt dass ich sage, hey, indem ich vergib, auch wenn ich es nicht richtig finde, was du gemacht hast und was nicht, erlaube ich es mir, innere Fühle zu erfahren. Der Podcast heisst ja «Du entscheidest».
- 26:19Es geht ja um Entscheidungen, die du getroffen hast in deinem Leben, um nicht anzukommen, wo du jetzt bist. Was würdest du sagen, was war die grösste Entscheidung, um genau jetzt da zu sein, wo du bist?
- 26:30Eigenverantwortung über Nährung. Eigenverantwortung. Über? Über mein Leben, über mein Empfinden, wie ich mich fühle. Alles, all das, was ich in meinem Leben sehe, persönlich zu nehmen und zu fragen, was hat das mit mir zu tun. Amen. So gut. Oh mein Gott. Sehr schön. Sie sind voll dabei. Voll am Eintreffen. So gut. So etwas Schönes. Mega schöne Antwort. Ja. Und jetzt rein geschäftlich gesehen.
- 27:01Ich sehe dich als mega Powerfrau. Du kommst hierher, du nimmst die Stage, du erzählst über schmerzhafte Sachen, über Sachen, die dir gut anhand, über Empfindungen, nachdem dein Buch erschienen ist und dein Film. Wie nutzt du den Schmerz für deine Karriere? Der Schmerz ist mein Antrieb. Der Antrieb, in die Umsetzung zu gehen.
- 27:30Der Antrieb, all diese Selbstsabotage-Mechanismen, die wir haben, anzuwenden, damit ich diese Selbstsabotage, die ich habe, stoppe, unterbreche. Das ist mein Antrieb tagtäglich. Ich denke an diese Kinder, ich denke an das, was mir passiert ist, und das treibt mich an, mehr zu machen.
- 27:53Ich bin die letzten vier Jahre unterwegs. Gefühlt kommt mir das wie 50 Jahre vor. Ich habe mich die ganze Zeit einfach ins kalte Wasser geschmissen. Ich habe so viel gelernt. Es war ein schwerer Prozess für mich. Aber ich habe mich entschieden.
- 28:17geschäftlich erfolgreich zu sein, eine Stiftung zu gründen, um mich nicht von meinen Muster, Gewohnheitsmustern und Selbstzweifeln, was auch wichtig ist, mich abzuhalten von dem, mein Leben zu leben, meine powervollste Version zu leben, dafür loszugehen. Und es kommt so viel Gegenwind. Aber ich laufe in alles hinein. Angst auf der Bühne zu gehen.
- 28:43Und dann 1, 2, 3, in die Angst reinlaufen. Nein, richtig einfach reinlaufen. Machen, sich nicht abhalten von egal was. Und am Anfang, ja, es ist beängstigt, es kommt mega viel auf einen zu.
- 29:02Aber dank des Unbekannten zu verlieren und all in zu gehen, dann fühle ich mich richtig lebendig. Du bist einfach der Inbegriff von Komfortzone verlassen. Ja, aber vorgas. Einfach raus. Egal ob das Erlebnisse, Erinnerungen sind, die du hast, mit dem rausgehen, ob das auf eine Bühne gehen ist, die dir Angst macht.
- 29:24Ich glaube, vor Menschen zu sprechen, ist immer noch eine der grössten Ängste der Menschen. Und dass du dann einfach sagst, weisst du was, ich mache es jetzt einfach. Ich gehe jetzt auf diese Bühne und ich erzähle meine Geschichte und ich rocke. Und weisst du, ich mag mich so gut erinnern, als ich das erste Mal auf der Bühne gestanden bin. Es ist so... Wann war das? Ja, wann war das? Es war so...
- 29:52Ich weiss es nicht. Ich kann mich erinnern, als ich das erste Mal auf der Bühne stand. Ich habe «Place to Grow» mit Antonella gemacht. Dort war ich so nervös, wir standen vor 100 Leuten. Dort sprach ich nicht über meine Geschichte, sondern über das Coaching. Selbstheilung. Wie übernimmt man Eigenverantwortung für sein Leben? Bei meiner Geschichte bin ich schon sehr vertraut und ich weiss, was erzählen.
- 30:20Mein Mund wurde die ganze Zeit trocken. Ich war so nervös. So nervös. Ich sagte mir die ganze Zeit, ich muss noch einen Schluck Wasser trinken. Ich war mit der Leistung nicht zufrieden. Aber man lernt daraus. Man lernt daraus. Das war für mich ein Learning. Und so wächst man. Nur so wächst man.
- 30:49nur so wachsest. Ich meine, wenn du dir das nicht erlebst, wenn du dich von Angst zurückhalten lässt, dann bleibst du da für immer, wo du bist. Du musst das zu facen können, in die Angst hineinrennen und sich anfangen, in dem wohlzufühlen. So entsteht die stetige Wachstum.
- 31:13Du schaust jetzt nach vorne, machst die Augen zu, du schaust nach vorne in deine Zukunft. In die perfekte Zukunft für dich. Du darfst dir jetzt entscheiden, wie deine Welt aussieht in 5, 10, 15 Jahren. Ich erfülle es dir jetzt. So ein magischer Zauberstab. Ich erfülle es dir jetzt. Wie sieht deine perfekte Welt aus?
- 31:31Ich wünsche mir so sehr, dass meine Stiftung läuft, dass die Stiftung steht, dass wir in der Schweiz bekannt sind, im deutschsprachigen Raum bekannt sind in den nächsten fünf Jahren. Ich möchte, dass die Stiftung weltweit bekannt ist, dass wir so viele Projekte haben, die Kinder unterstützen. Ich habe schon so viele Visionen, die ich umsetzen möchte.
- 31:54Ich brauche Menschen, die mir helfen. Alleine schaffe ich es nicht. Alleine schaffe ich es nicht. Im Kollektiv ist alles möglich. Ja. Also, dass die Stiftung erfolgreich ist. Dass ich auch... Nächstes Jahr möchte ich auch mein Coaching-Business aufbauen. Dass das auch einfach rockt. Dass das... Dass ich auch Erfolg in dem habe.
- 32:21Hast du eine Zahl an Kindern, die du sagst, so viele Kinder in diesem Jahr haben helfen können, oder unterstützen können und diesen Schmerz wegnehmen, den sie eigentlich wegen kultureller Vergangenheiten erleben hätten? Und jetzt durch meine Arbeit haben sie das nicht müssen. Hast du eine Zahl im Kopf? So sind ja 250 Millionen Frauen davon betroffen.
- 32:52Ja. Mindestens jeden Tag ein Mädchen reden. Wow. Mindestens. Wow. Das ist das Ziel. Ganz gut. Ja, wie gesagt, die Foundation verlinken wir unbedingt. Du hast sicher Webseiten und alles drum und dran. Filme natürlich auch. Buch sehr gerne auch.
- 33:13Wir dürfen wahrscheinlich alles machen, oder? Natürlich! Ich habe noch etwas für euch. Ah, wirklich? Dann weg ist sie. Tschüss! Oh, so gut! Danke vielmals!
- 33:29Danke viel, vielmals. Der wichtigste Mensch heute hier. Danke viel, viel, viel, vielmals. Aber das muss ich noch aufschreiben. Ich muss noch etwas für euch machen. Ja, unbedingt. Sehr gerne. In 10 Jahren werde ich das versteigern für 5,5 Millionen. Die ich danach spende, die Foundation von Sarah. Mega cool, danke vielmals. Hast du noch irgendeine Botschaft, irgendeine Message da draussen, die du möchtest... Ja. Ja? Ja.
- 34:01Ja, ein Message. Es ist alles möglich. Wir können uns heilen, indem wir anfangen, uns mit uns selber zu beschäftigen. Und was meine Stiftung betrifft, möchte ich mit der Menschheit, als Menschheit gemeinsam fürs Gute anstehen. Und die Kinder, die Unterstützung brauchen, die Hand reichen und dass wir es wirklich anfangen, persönlich zu nehmen, weil es jeder von uns sein konnte, der in dieser Situation ist.
- 34:32Und ja, bitte, bitte, bitte fühlt euch angesprochen, wenn ich sage, ich brauche eure Unterstützung, ich will für das losgehen und ich möchte, dass ihr alle mit mir den Weg geht und eine bessere Welt erschafft. Danke. Wunderschön. Danke vielmals.
- 34:50Ich glaube, das war ein mega, mega schöner Wrap-Up für den Podcast. Ein Wrap-Up? Ein Wrap-Up, ja. Ich komme Hunger. Ja, schon die ganze Zeit. Danke viel, viel Massaro, dass du da warst. Es hat mir eine riesen Freude bereitet, um dir zuzuhören. Es hat mir ein bisschen Trauer bereitet, um deine Geschichte zu hören, die
- 35:14nicht ohne ist, überhaupt nicht ohne. Und es ist eigentlich noch viel trauriger, dass noch so, so viele Menschen in der heutigen Zeit, in 2023, von dem betroffen sind. Und darum glaube ich, dass deine Arbeit, die du leistest, wird Millionen von Menschen, und ich hoffe, es wird Millionen von Menschen einen Anker geben, um das überstehen zu können und das Leid der Welt zu können.
- 35:43zu entfernen. Von dem her, danke vielmals, bist du da gewesen. Es war eine riesen Ehre. Und ich wünsche dir alles, alles Gute für deine Zukunft. Danke vielmals, dass ich hier sein durfte und meine Geschichte teilen. Und ich wollte nur noch sagen, ich bin mega stolz auf dich. Danke vielmals. Ganz, ganz stolz. Danke. Schön, dass du da warst. Danke schön. Schön, dass ihr heute wieder zuhört oder zuschaut. Herzchen. Ist gut? Sehr schön. Hey, so schön, das Gespräch. Danke vielmals.