Latest / Fadegrad / Hannah Audebert - von der Ordensfrau zur Priesterin
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- 0:02Und dann hat mein Religionslehrer gesagt, also
- 0:05wenn, dann studierst ganz Theologie und dann habe ich das
- 0:09meinen Eltern gesagt, und die haben gesagt, Nein, du kannst
- 0:12alles studieren außer Theologie, was willst du denn als Frau in
- 0:15der Kirche? Und dann war es irgendwann mal
- 0:19klar, eine Begabung und Berufung ist etwas zu Ernstes, als dass
- 0:25ich sie irgendwie übergehe und. Vatergrad der Podcast, der
- 0:38fragt, warum Menschen tun, was sie tun und wie sie geworden
- 0:41sind, wer sie sind, heute mein Name ist Ines Scharberger ich
- 0:48bin die Gastgeberin des Vatergrad Podcasts, mir
- 0:51gegenüber sitzt Hannah Audebert, eine Frau, die sich nicht
- 0:55scheut, große Entscheidungen zu treffen.
- 0:57Mit 52 Jahren ist die Theologin von der römisch katholischen
- 1:01Kirche in die Christkatholische Kirche gewechselt, um ihrem
- 1:04Herzenswunsch, ihrer Berufung folgen zu können und Priesterin
- 1:09zu werden, herzlich willkommen. Grüß dich, Ines.
- 1:12Wir beide kennen uns seit circa 4 Jahren, deswegen sind wir auch
- 1:15per du und wenn ich dich beschreiben müsste, würde ich
- 1:19sagen du bist jemand, die voller Lebensfreude, vertrauen und
- 1:23Tiefgang ist. Und eine Frau, die lange auf der
- 1:27Suche war und von der ich hoffe, dass sie jetzt Ihren Platz
- 1:30gefunden hat. Triff das zu.
- 1:32Würdest du dem zustimmen? Also deine Hoffnung, die teile
- 1:36ich ich. Freue mich auch sehr, wie du
- 1:39mich beschreibst. Es ehrt mich, Lebensfreude,
- 1:42vertrauen und Tiefgang. Ja, da finde ich mich wieder und
- 1:46jetzt bin ich einfach gerade aufgeregt, weil ich seit genau 4
- 1:49Jahren kenne ich erstens das Wort fade, gerade das habe ich
- 1:52durch dich gelernt und ich glaube alle alle Sendungen
- 1:56angehört, WOW, und das ist jetzt ganz komisch, wenn man dann
- 2:01selber hier mittendrinnen ist. Du hast gesagt, dass ich lange
- 2:06auf der Suche und immer wieder auf der Suche bin und war und
- 2:10jetzt angekommen bin. Ja, das stimmt und doch, wenn
- 2:15ich so zurückschaue, merke ich, dass es nicht immer ein
- 2:19permanentes Suchen war, weil ich eigentlich in jeder Etappe auch
- 2:25etwas gefunden hat oder etwas hat, auch mich gefunden und in
- 2:30jeder Etappe bin ich auch angekommen.
- 2:34Zuallererst auch immer ein Stück mehr in mir selber.
- 2:38Ich glaube dieses sich verankern in sich selber in dem heute und
- 2:43hier, das ist genauso wichtig wie das auf der Suche sein.
- 2:50Mega schön über die einzelnen Stationen deines Lebens werden
- 2:54wir noch sprechen und auch wie du da jeweils angekommen bist,
- 2:59besser zu dir selber gefunden hast.
- 3:01Aber hast du das Gefühl, du musst jetzt noch weitersuchen
- 3:04oder hast du so ein bisschen das Gefühl, du bist jetzt
- 3:06angekommen? Im kirchlichen Kontext bin ich
- 3:10angekommen. Ich habe lange genug an diesen
- 3:13Kirchenmauern der römisch katholischen Kirche gesessen,
- 3:17gestürmt, gehofft und irgendwann gemerkt, wie es in Psalm 18
- 3:22geht. Ich kann auch eine Mauer
- 3:24überklettern oder mit Gott eine Mauer überspringen.
- 3:29Und dann zu merken draußen, es gibt auch noch andere kirchliche
- 3:32Räume. Und ja, in der
- 3:34Christkatholischen Kirche, da fühle ich mich wirklich
- 3:37angekommen. Also so eine Kirche, in der ich
- 3:41so wie ich bin, gerade stehen und Freude gehen kann.
- 3:49Du bist in Bayern geboren und aufgewachsen, einer nach wie vor
- 3:53sehr römisch katholisch geprägten Gegend war das schon
- 3:57als Kind. Würdest du dem nicht zustimmen?
- 3:59Also aus Schweizer Perspektive? Ja, wenn man in Bayern selber
- 4:02ist, da ist die Säkularisierung auch angekommen, aber aus der
- 4:07Schweizer Perspektive ist es schon noch mehr römisch
- 4:10katholisch geprägt, das stimmt gerade in Niederbayern, wo ich
- 4:13aufgewachsen bin. Ich bin ja in Österreich
- 4:15aufgewachsen und mir war auch. Nicht bewusst wie.
- 4:18Katholisch Österreich ist im Vergleich zur Schweiz so,
- 4:21vielleicht kann man das so beschreiben aus Schweizer
- 4:23Perspektive. Du bist da aufgewachsen in einer
- 4:26großen Familie. War dir da schon als Kind klar,
- 4:29ich will mal Priesterin werden? Jein.
- 4:33Ja, ja, zum einen tatsächlich schon als Kind hatte ich 2
- 4:39Rückzugsorte, also ich bin in einer neunköpfigen Wirligen
- 4:43Familie aufgewachsen und es gab 2 Orte, wo ich immer wieder hin
- 4:47bin. Das eine war die Natur, ein Wald
- 4:51und. Waldstück, wo ich glaube ich
- 4:53jeden jeden Baum gekannt habe. Und das zweite war unsere
- 4:59Kirche, wo ich einfach geliebt habe, auch alleine reinzugehen,
- 5:04zu sitzen, zu schauen, zu hören, auch zu beten, wie ein Kind
- 5:09betet, wie eine Jugendliche betet.
- 5:12Das ist ja auch ganz unterschiedlich.
- 5:15Und ja, das Beichte ich jetzt, es gab Momente, die.
- 5:20Da bin ich als Kind schon gerade nach der Erstkommunion, das war
- 5:25schon auch ein einschneidender Moment, dann heimlich in der
- 5:28leeren Kirche zum Altar hingegangen und habe dann, so
- 5:32wie ich es verstanden habe, das ganze Hochgebet gebetet, und
- 5:37dann hatte ich das große Glück, dass ich eine gute Jugendarbeit
- 5:41erlebt habe, eine Gemeindereferentin, einen Kaplan
- 5:44und. Die uns Jugendlichen wirklich
- 5:47so, die die Fenster geöffnet haben.
- 5:49Also wir haben uns dann viel interessiert und engagiert, auch
- 5:53was zum Beispiel Befreiungstheologisch los war,
- 5:58wir haben eine Weltwahn verkauft, wir sind viel radeln
- 6:02gewesen, wir haben dann auch Gottesdienste draußen gefeiert
- 6:07oder in kleinen Gruppen, haben viel über über Glauben und
- 6:11Zweifeln und suchen und finden gesprochen.
- 6:14Auf sehr viel Freundschaft untereinander gelebt und dann
- 6:18war zunächst mal so dieses Priesterbild am Altarum und so
- 6:22weiter gar nicht mehr so wichtig.
- 6:24Weil du Kirche ganz anders erlebt hast.
- 6:26So Befreiungstheologisch, also in der Solidarität mit den
- 6:29Armen, im Engagement für eine bessere Welt, so.
- 6:32Genau. Es waren aber trotzdem weiterhin
- 6:36Fragen, die mich einfach sehr beschäftigt haben, gerade nach
- 6:39dem Tod von meinem besten Freund, dem Hans Peter.
- 6:42Wie geht das Leid und Gott zusammen?
- 6:45Also als Jugendliche hast du einen besten Freund.
- 6:47Verloren. Genau der hatte Gehirntumor und
- 6:51das erste Mal, dass ich so gemerkt habe, nein, beten hilft
- 6:54nicht so, wie wir Menschen uns das vorstellen und es trotzdem
- 6:59in mir ein Vertrauen gab, das irgendwie unzerbrüchlich ist,
- 7:03dass es. Eine göttliche Liebe geben muss,
- 7:07die alles trägt und auffängt. Wenn ich so zurückschaue, viele
- 7:11Gottesbilder haben haben sich verändert und viele
- 7:13Kirchenbilder, aber dieses Vertrauen, dass im Leben es
- 7:19einen Puls gibt, eine Person gibt das, das ist irgendwie
- 7:24unverbrüchlich in mir. Vom Berufswunsch gab es dann
- 7:31eine ganze Palette, was mich interessiert.
- 7:33Ich wäre gern schreinerin geworden, ich finde das so
- 7:36schön, mit Holz umzugehen, habe dann auch Ferien gearbeitet in
- 7:39Schreinereien, ich wäre gerne Gärtnerin geworden,
- 7:44Sozialpädagogin, dann nach meinem Vorbild der
- 7:46Gemeindereferentin, habe mich auch Religionspädagogik
- 7:49interessiert und dann hat mein Religionslehrer gesagt, also
- 7:53wenn, dann studierst ganz Theologie.
- 7:56Und dann habe ich das meinen Eltern gesagt und die haben
- 7:59gesagt, nee, du kannst alles studieren außer Theologie.
- 8:02Was willst du denn als Frau in der Kirche, die haben?
- 8:04Das realistischer gesehen. Ja, die haben schon davor
- 8:07mitbekommen, dass ich ministrantin werden wollte.
- 8:10Und es ging nicht. Und dann haben sie gemerkt, dass
- 8:14ich da meinen Kopf, mein Grind an eine Mauer, an anhaue und ich
- 8:18glaube auch das wollten sie nicht, dass ich mich da
- 8:20irgendwie verbohr. Sie wollten dich schützen, auch
- 8:24vor ich. Denke es auch auch ein Stück
- 8:26Verschützt. Mein Vater war auch Patriarchal
- 8:30eingestellt und hat schon auch die Kirchenstruktur hier
- 8:33verteidigt, hat gesagt Frauen können nicht priese sein, weil
- 8:37die haben einfach nicht so eine tragende Stimme.
- 8:40Ich hab damals gesagt es gibt Mikrofone, man kann da viel
- 8:42ausgleichen, aber das galt alles nicht so für ihn.
- 8:46Und darum habe ich eben offiziell Lehramt Gymnasium
- 8:50studiert, Deutsch, französisch, Religion und das Diplom
- 8:53Theologie, das wo mein Herztraining kennt, ist, das
- 8:57habe ich lange ohne das Wissen meiner Eltern gemacht.
- 9:01Unter ihrem Radar. Genau unter dem Radar zu sein,
- 9:05das habe ich ja auch gelernt. Und hast du dann im Studium
- 9:10gemerkt, eigentlich, wer Priesterin?
- 9:12Ja doch mein Traumberuf und meine Traumberufung.
- 9:15Oder wann? Wann war dir das so klar, dass
- 9:17du das sein möchtest? Immer und immer wieder.
- 9:22Das sind immer so, wenn ich so Zurückschaue, sind immer wieder
- 9:24kleine Momente, dann auch paar große Momente, vielleicht komme
- 9:28ich noch dazu, mich hat das Theologiestudium total
- 9:31fasziniert, also wirklich auch an Rahmen zu haben, wo ich all
- 9:35meine Fragen wirklich auch. Mit tiefen Bohrungen fragen
- 9:40kann. Manchmal hat es mich auch
- 9:41irritiert, mit welchen Motivationen meine
- 9:43Mitstudierenden unterwegs waren. Auch da gab es Klerikalismus
- 9:48oder auch ja, dass manche sagen, ich glaube nicht an Gott, aber
- 9:52ich will Priester werden, das hat mich damals irritiert, oder
- 9:57manche, die dann so menschenscheu waren, dass sie
- 10:01gesagt haben, ja, aber wenn ich einen Priester gewandt an habe,
- 10:03dann geht es, und das hat mich damals schon irritiert.
- 10:07Aber ich habe auch gute, gute Erfahrungen mit Studierenden
- 10:12gemacht, mit Studierenden, Seelsorgern, auch mit
- 10:16Professoren, und von daher war ich wirklich bis zum Studium
- 10:21begeistert und nach dem Studium wollte ich aber erst in ein ein
- 10:27weites Land, bin dann nach Kamerun gegangen, eben schon
- 10:32dieser befreiungstheologische Kern, den wollte ich einfach mal
- 10:36kennenlernen und. Für alle, die nicht wissen, was
- 10:38Befreiungstheologie ist, kannst du das kurz in einem Satz
- 10:41zusammenfassen. Das ist das Ernstnehmen vom
- 10:44Evangelium, dass die Botschaft Jesu wirklich frei macht, und
- 10:50zwar auch in Gemeinschaften, also dass das Evangelium in
- 10:54Gemeinschaft gelesen und umgesetzt wird, dass auch das
- 10:59Reich Gottes bedeutet, dass es mehr Gerechtigkeit geben muss
- 11:05und darf. Und das hierzu auch der Heilige
- 11:08Geist ermächtigt. Nicht erst irgendwann, wenn wir
- 11:11tot sind, sondern jetzt schon in dieser.
- 11:13Welt? Ganz genau, ja.
- 11:16Das hast du in Kamerun erlebt. Ja, ja, bedingt.
- 11:19Also ich habe in Kamerun auch eine sehr klerikale Kirche
- 11:22kennengelernt, aber auch sehr tapfere Ordensschwestern.
- 11:26Also das war ein sehr wichtiges, reichhaltiges Jahr.
- 11:29Ich kam dann zurück und habe den zweijährigen Pastoralkurs
- 11:33gemacht. In der Erzdiözese München,
- 11:36Freising und da war ich wie ein Fisch im Wasser, weil ich das
- 11:40einfach wunderbar finde, mit Menschen unterwegs zu sein, sei
- 11:47es jetzt von Kindergottesdiensten, von
- 11:49Sterbebegleitungen, von Gottesdienstgestaltungen, von
- 11:52ganz normalen Gemeindeleben wie Senioren, Nachmittage,
- 11:57krippenspiele und so weiter. Damals war die Ausbildung
- 12:02ähnlich wie hier auch, gemeinsam mit dem Priesteramtskandidaten.
- 12:06Pastoralkurs heißt einfach die. Ausbildung genau die praktische
- 12:09Ausbildung Zweijährig war die damals, und da bin ich auch
- 12:14heute noch dankbar. Es war eine gute Ausbildung, was
- 12:16man so von Gesprächsführung, von Teamgestaltung, von
- 12:21Religionspädagogik alles so mit in den Rucksack gesteckt
- 12:24bekommen haben. Und dann kam eben.
- 12:28In der Mitte des Pastoralkurses dieser Einschnitt 1998 von Rom,
- 12:34da diese Weisung Instructio genannt, dass man eben die die
- 12:39priesterliche würde zu achten habe und dass eben Laien nicht
- 12:43predigen dürfen und auch nicht offiziell liturgische Gewänder
- 12:48tragen sollen und segnen sollen und so, und das hat mich damals
- 12:51in einer Weise getroffen. Die, die sehr tief ging in mir.
- 12:56Weil du ja gerade auch im Pastoralkurs am besten Weg dazu
- 13:00warst, all das zu machen. Und du hast gelernt, mit den
- 13:02Priestern gemeinsam, wie das funktioniert, wie man das Macht,
- 13:06und dann kommt dieser Hieb aus Rom durch den damaligen Papst
- 13:10Johannes Paul II. Nicht geweihte dürfen, nicht
- 13:13predigen, dürfen nicht segnen, ja, was hast du getan, um nicht
- 13:17zu verbittern und nicht zu verzweifeln?
- 13:21Das eine ist wirklich in die Natur zu gehen, das hilft mir
- 13:24immer, weil ich erstens dann das größere Ganze wiedersehe, zum
- 13:29einen von mir wegschaue und dann aber auch gerade in der Natur
- 13:34und in der Stille auch wieder in mir selber spüre und gesagt, wem
- 13:38gehe ich eigentlich hinterher, ist es dieser Jesus von
- 13:43Nazareth, der mich einfach fasziniert, berührt, anspricht
- 13:50und das. Gehe ich dem hinterher oder gehe
- 13:53ich einem Modell hinterher, das das in der römisch katholischen
- 13:58Kirche so so ist? Und das hat mir damals geholfen,
- 14:03nicht zu verbittern. Aber ich habe dann auch gemerkt,
- 14:05wenn ich bleibe in diesem System, dann ist die Gefahr zu
- 14:09groß, dass ich verbittere und da habe ich gemerkt, Nein, dafür
- 14:11ist die frohe Botschaft, und dafür ist das Leben nicht da.
- 14:16Du hast dich entschieden, eine ganz große Lebensentscheidung zu
- 14:19treffen und bist in die Gemeinschaft der sogenannten
- 14:22kleinen Schwestern Jesu eingetreten.
- 14:25Du wurdest also Ordensfrau, aber nicht so in einem Kloster, wie
- 14:30man das vielleicht von den Benediktinern kennt oder den
- 14:33Zisterziensern mit einem prächtigen Gebäude und vielen
- 14:36Menschen darin und großen Ländereien, sondern in einer
- 14:40ganz anderen Art und Weise. Was zeichnet diese Gemeinschaft
- 14:45aus? Schwierig in paar Sätzen zu
- 14:47sagen, gegründet oder sie geht zurück auf charles.de Foucault,
- 14:52einer, der in der Wüste in der Freundschaft mit den Muslimen
- 14:56wirklich so sein, sein innerste Nachfolgeform gefunden hat, die
- 15:01kleinen Schwestern Jesu leben immer in kleinen Gemeinschaften,
- 15:05zu dritt, zu viert, inmitten da, wo halt so Anführungszeichen die
- 15:10kleinen Leute am Rand der Gesellschaft wohnen.
- 15:13Und zwar eben nicht, um dort als Sozialarbeiterinnen oder
- 15:18karitativpflegerisch Pastoral zu sein, sondern wirklich als
- 15:24Nachbarin, als Arbeitskollegin, als Freundin.
- 15:28Und das verankert in einem tief spirituellen und kontemplativen
- 15:33Leben. Und so war ich zum Beispiel in
- 15:37einem riesen Wohnblock in Hannover.
- 15:40Und habe als Postbotin gearbeitet.
- 15:42Nein, das wusste ich gar nicht. Ja, ich war ja lange Springerin.
- 15:47Ich kenne ziemlich fast alle Straßen von Hannover und
- 15:50ziemlich viele Briefkästen, und dann bin ich ins Noviziat nach
- 15:54Marokko gegangen. Dort habe ich in der Wäscherei
- 15:57gearbeitet, auch die Erfahrung gemacht, wie das ist, wenn man
- 16:00als Ausländerin die Sprache nicht so gut kann und dann eben
- 16:04halt die untersten Arbeiten auch bekommt innerhalb der
- 16:08Wäscherinnenhierarchie und. Habe aber auch dieses Land sehr
- 16:11lieben gelernt und auch wunderbare Muslime
- 16:14kennengelernt. Dann bin ich nach Berlin in
- 16:17einem Plattenbau und habe dort in einem Altenheim in der
- 16:21Hauswirtschaft gearbeitet, zuerst Wäscherei und dann
- 16:24Großküche und schließlich 3 Jahre als Putzfrau und da hat es
- 16:29dann angefangen, dass ich merke, ja.
- 16:32Ich liebe dieses Leben und zugleich ist etwas in mir, das
- 16:36einfach auch Freude hat. In der direkten Begegnung und
- 16:39Begleitung mit Menschen im pastoralen Bereich.
- 16:44Bin dann zuerst noch nach Österreich gegangen, Klagenfurt
- 16:49und dann war nach 7 Jahren wieder die Entscheidung, die
- 16:53Gelübde zu erneuern und das war dann ein sehr intensiver Prozess
- 16:57im Gespräch mit den Mitschwestern, geistlichen
- 17:01Begleitung und. Im Gebet.
- 17:04Sie hat sehr viel durchgerungen im im Gebet, und dann hat
- 17:08schließlich mein Körper den Ausschlag gegeben, ich bin krank
- 17:11geworden. So hast du gemerkt, dass das
- 17:13doch nicht dein Platz ist. Bei den kleinen Schwestern.
- 17:16Ja, da kam noch eine Begegnung dazu.
- 17:19In der Osternacht, wo, wo ich wirklich gemerkt habe, ja, es
- 17:23ist der priesterliche Dienst, der, wo Jesus mich einfach
- 17:27wirklich an die Hand nimmt und und dorthin zieht.
- 17:31Aber ja, das war dann noch mal ein intensiver Prozess.
- 17:35Aber ab da, wo die Entscheidung gefallen war, war es glasklar.
- 17:39Mein Körper wurde innerhalb kürzester Zeit wieder gesund,
- 17:42ich hatte eine Innenohreiterung, wo ich schon einen Teil vom
- 17:45Gehör verloren hatte, und das war dann so, wo ich sage, gerade
- 17:49für mich ist das hören so wichtig und da so ein Schmerz
- 17:52und dann noch eine Beeinträchtigung zu haben, das
- 17:56hat mir wirklich dann die Entscheidung auch leicht
- 17:59gemacht. Du hattest da ja auch eine
- 18:01Begegnung mit einem Arzt oder der dich ja gefragt hat.
- 18:04Stimmt, das habe ich dir mal erzählt, der dann gesagt hat,
- 18:08ja, gibt es irgendwas, was ich nicht weiß und dann habe ich
- 18:10gesagt, ja, ich glaube, ich will auf was nicht hören und dann hat
- 18:13der Arzt gesagt, ja, dann bin ich der Falsche, dann Schwester
- 18:16gehen Sie doch dorthin und hören Sie auf das, was Sie nicht hören
- 18:20wollen und dann war es war es klar und ich habe auch gemerkt,
- 18:24auch für die kleinen Schwestern Jesu war es auch klar und das
- 18:28so. Trotz des Abschiedsschmerzes,
- 18:30der auch da war, dann in einer ganz tiefen inneren Klarheit
- 18:34aufzubrechen. Das war schön.
- 18:39Dieser Podcast ist ein ökumenisches Projekt und wird
- 18:42präsentiert von den evangelischen und katholischen
- 18:44Kirchen, der Kantone St. Gallen und Appenzell.
- 18:47Danke für eure Unterstützung. Bin dann halt wieder heim.
- 18:54Mein Vater war dann Pflegefall. Hast du ihn dann gepflegt oder?
- 18:59Ich hab meine Mutter unterstützt.
- 19:01Nein, meine Mutter und der Spitex Dienst hat mein Vater
- 19:05gepflegt, aber es war trotzdem gut, dass ich halt oft am
- 19:08Wochenende dann zu Hause war, weil ich in einem Gymnasium in
- 19:11der Nähe arbeiten konnte. Die Entscheidung war dann
- 19:15schwierig, weil der Personalreferent in der Diözese
- 19:21München, der sich zuerst gefreut hat, dass ich wieder.
- 19:23Ausgetreten bin, weil er das damals gar nicht verstanden hat,
- 19:28wie ich in so einen kontemplativen Orden gehe.
- 19:31Nachdem du das Studium beendet hast und die praktische
- 19:34Ausbildung quasi, ja. Warum du dann dein Talent als
- 19:37Wäscherin vergeudest so, oder? Als.
- 19:40Postfrau. Genau für ihn war das Perlen vor
- 19:43die Säue. Was mich natürlich empört hat
- 19:45dieses Bild, aber er hat dann nur gefragt, ja ob ich mich.
- 19:50Ob meine Einstellung zum Priesteramt und der Zulassung
- 19:54von Frauen zu den Ämtern sich geändert hat in den 7 Jahren
- 19:58Ordensleben? Dann habe ich gesagt, ich
- 20:00verstehe es noch weniger, warum eine Kirche eine Struktur
- 20:06aufbaut, wo die Hälfte der Berufenen ausgeschlossen ist.
- 20:10Und ich meine, wie er dann aufsteht, tief seufzend sagt, ja
- 20:15dann, sie haben ja noch ein Gutes.
- 20:18Zweites Examen im Lehramt Wir suchen Lehrer, gehen es doch
- 20:23dorthin und da werden es glücklicher.
- 20:27Und dann habe ich nur gesagt, das ist aber nicht meine
- 20:29Berufung. Wurdest du glücklicher in der
- 20:32Schule als Lehrkraft und Schulpsychologin an einem
- 20:35Gymnasium? Es.
- 20:37Gab viele glückliche Momente. Ich mag einfach das zusammen.
- 20:45Wirken mit meinen Kolleginnen mit den Schülerinnen habe vieles
- 20:49entdeckt und gelernt und doch jedes Mal, wenn ich wieder in
- 20:55der Stille war, wenn ich in den Ferien war oder am Sonntagabend
- 21:00so, dann das Wochenende abgeschlossen habe, mich auf die
- 21:04Woche vorbereitet habe, war jedes Mal wieder diese Stimme.
- 21:08Das ist aber nicht deine Berufung.
- 21:11Das ist, wie ich war ja auch Deutschlehrerin, wie wenn man
- 21:14einen wunderbaren Aufsatz schreibt.
- 21:17Aber es ist Thema Verfehlung man.
- 21:20Macht gute Arbeit, die Leute sind zufrieden mit einem ja, man
- 21:24liefert ab, aber es ist nicht das, worum es eigentlich.
- 21:27Geht genau. Es ist ein wunderschöner Beruf,
- 21:30noch ein wichtiger Beruf, aber es ist nicht der Beruf.
- 21:33Warum ich? Auf die Welt gekommen bin, kann
- 21:35man das so sagen. Keine Ahnung, ob das wirklich so
- 21:38ist. Manche sagen ja, jeder hat so
- 21:41einen Auftrag und den zu erfüllen das um das geht's und
- 21:47ich glaube ja, es gibt so verschiedene Tiefen von Glück,
- 21:52oberflächlich war ich oft glücklich war ich, fast war ich
- 21:57ja, habe viel Wertschätzung erfahren, habe immer noch auch
- 22:01Kontakt mit Schülern von damals und.
- 22:04Die Grüße ich auch alle hier. Die haben vielleicht den
- 22:06Podcast. Vielleicht.
- 22:08Ich bin gespannt. Was aus ihrer ehemaligen
- 22:10Lehrerin geworden ist, oder? Kollegin auch, ja.
- 22:13Grüße nach Bayern an. Dieser Stelle genau aber eben
- 22:18dann diese innere Lehrstelle, wo ich dann sage, Nein, das ist
- 22:24noch nicht das, warum ich da bin.
- 22:27Und dann kam Corona. Und du gingst pilgern.
- 22:32Genau. Ich habe meinen Rucksack
- 22:34genommen und bin bin Losgepilgert kurz davor war ja
- 22:39auch schon im ganzen Frühjahr dann ganz viel verlagert in Zoom
- 22:46Konferenzen und da gab es eben auch die Vernetzung rund um die
- 22:51wunderbare Schwester Philippe Rat im Rahmen vom synodalen
- 22:55Prozess, wo sich plötzlich viele Frauen vernetzt haben, die sich
- 23:01eben auch. Zum priesterlichen Dienst
- 23:03berufen fühlen. Dann ist auch ein Buch daraus
- 23:05entstanden, und das nenne ich dann ganz am Ende.
- 23:08Und der Buchtipp ist auch in den Shownotes.
- 23:11Genau. Und eine, die auch in diesem
- 23:14Buch geschrieben hat und dann eben auch bei einer Zoom
- 23:16Konferenz sich gemeldet hat und hat dann eben erzählt, ja, sie
- 23:20ist in St. Gallen Seelsorgerin und Ihr
- 23:23geht's da richtig gut, sie leitet eine Pfarrei, sie darf
- 23:26predigen, sie hat sogar die Tauferlaubnis, also sie.
- 23:32Willkommen in der Schweiz. Damals war ich aber noch so,
- 23:36dass ich gesagt habe, ich glaube, es ist für mich gut,
- 23:39wenn ich mich ganz eher von der Kirche fernhalte.
- 23:43Ich weiß nur, wie sie es gesagt hat und habe ich gesagt, nee,
- 23:47ich habe dann auch meine Psychotherapieprüfung abgelegt
- 23:50und gesagt, lieber lieber gehe ich in dem Bereich im
- 23:54psychotherapeutischen Bereich weiter, als mich wieder in eine
- 23:58kirchliche Struktur. Zu begeben, römisch katholisch,
- 24:03wo ich merke, ich werde so wie ich bin, nicht ganz gesehen das.
- 24:08Muss man vielleicht an dieser Stelle mal festhalten, dass in
- 24:11der Kirche in der Schweiz oder auch in der deutschsprachigen
- 24:14Schweiz sehr, sehr viel möglich ist?
- 24:16Für Seelsorgerinnen und Seelsorger eben, das schon
- 24:19einige Dinge aufgezählt, von dem könnte man in Bayern oder auch
- 24:22in Teilen Österreichs, wo ich herkomme, nur träumen.
- 24:25Aber Priesterin zu werden ist natürlich auch nicht möglich,
- 24:30also es bleibt. Schreibt dieser Unterschied
- 24:31zwischen Frauen und Männern, dass Frauen nicht priesterinnen
- 24:34werden dürfen, einfach weil sie das falsche Geschlecht haben?
- 24:37Genau und eben aufs Pilgern kam ich dann, dass ich gesagt habe,
- 24:41ja, das gehen und das sein in der Natur, das tut einfach gut.
- 24:46Du bist ja selber eine Pilgerin, ja, und weißt, manchmal sind so
- 24:50Gedankengänge, die mit so Schritt für Schritt sich
- 24:54einlaufen und so, ja oder auch manche sprudelnden Gedanken, die
- 24:59dann irgendwann zur Ruhe kommen und dort hatte ich auch eine
- 25:02eine sehr eindrucksvolle Nacht auf dem Pfänder oben, wo ich mit
- 25:09meinem Schlafsack draußen geschlafen habe, und da ist zum
- 25:12einen. Abenteuerlich bist du gepilgert.
- 25:15Ja. Ja, ich liebe es.
- 25:17Also das war eine besondere Nacht, weil es ein ziemliches
- 25:20Gewitter gab, aber mir ist zum einen ein Uhu ganz nah
- 25:24vorbeigeflogen und ist unglaublich, ein so großer
- 25:28Vogel, der so still fliegen kann.
- 25:30Dann habe ich meinen Namen, also er hat Uhu gerufen und in mir
- 25:34kam Hannah an, kurz zu sagen eben, dass ich 2 Vornamen habe
- 25:39und der erste ist geschrieben Barbara und gerufen Bärbel.
- 25:45Und Hannah ist irgendwie mein zweiter Vorname und mein
- 25:48geliebter Name. Und da war es dann ganz klar,
- 25:51naja, wenn man erwachsen ist, dann darf man sich auch so
- 25:55nennen, oder ich habe es gehört, dass es wirklich mein innerer
- 25:58Name ist. Das heißt, vorher warst du unter
- 26:01Bärbel allgemein bekannt und nachher hast du dich Hannah
- 26:04genannt. Ganz genau damit verbunden ist
- 26:09auch noch so vom Namen her. Barbara heißt er, die
- 26:13Ausländerin, die barbarische, die ungebildete, ungepflegte.
- 26:17Ich habe meine Eltern oft gefragt, warum sie ihr Kind so
- 26:20tauf ließen, es hat natürlich Familientraditionen von
- 26:23Bergwerksheiligen und so weiter zu tun, aber ich mochte den
- 26:27Namen Hannah schon immer sehr gerne, erstens vom grafischen,
- 26:31zweitens von der Wort Bedeutung habe ich gelernt, es ist
- 26:35eigentlich so diese wohlwollende Menschlichkeit, die Großeltern
- 26:39verspüren. Wenn sie ihr Enkelkind auf dem
- 26:42Schoß haben, also dieses, dieses Gefühl, dass man hat, weil man
- 26:47sich freut am Leben und das gut meint mit dem Leben, das ist so,
- 26:53was mir ein arabischer alter Bauer erzählt hat, was
- 26:56eigentlich in dem Wort Hanan Mitklingt für ihn, und dann bin
- 27:01ich weiter gegangen über Bregenzerwald und so weiter und
- 27:05bin hier nach St. Gallen gekommen, es war Maria
- 27:08Himmelfahrt, ich setze mich. In den Dom das erste Mal auch
- 27:12wieder Orgelmusik nach langem und feierlicher Gottesdienst.
- 27:15Und da war die erste Überraschung, dass ein Diakon
- 27:19predigt und der Bischof sitzt da allein, das gab es schon in
- 27:22Bayern. Undenkbar.
- 27:24Undenkbar. Genau nett.
- 27:27Und dann Predigt dieser Diakon mit bayerischem Akzent und
- 27:33erzählt davon, dass viele Leute aus der Kirche austreten, weil
- 27:38sie die Geduld verlieren. Und Frauen und eben auch
- 27:42verheiratete Männer keine Chance haben auf den Volldienst als
- 27:48Priester. Und der Bischof nickt, wie dann
- 27:53der Diakon sagt, und das ist ein Skandal.
- 27:56Dann habe ich gedacht, wo bin ich hier, und dann sagt er, und
- 28:00es sind Gemeinden, die Seelsorger brauchen und Stellen
- 28:04unbesetzt sind, und in dem Moment.
- 28:08Habe ich mich einfach ertappt und angesprochen gefühlt und ich
- 28:11weiß noch im Moment, da ist wirklich etwas durch mein Herz
- 28:14durchgegangen, also wieso ja wie ein Pfeil und ich habe mich so
- 28:20gefreut, ich habe Tränen in den Augen gehabt, das weiß ich noch,
- 28:24weil ich gedacht habe, das gibt es ja gar nicht, wo bin ich
- 28:27hier, habe mich dann erkundigt, habe dann Kontakte aufgenommen,
- 28:31die Schwester Fabienne hat mir da sehr geholfen.
- 28:34Habe mit einem. Diözesan Ehre Meeting an dieser
- 28:37Stelle, aber genau was das ist, klären wir ein anderes.
- 28:39Mal. Ich habe vielleicht mal einen
- 28:41eigenen Vater gerade Podcast mit ihr, dann mit dem Raphael
- 28:44Rieger, der damals zuständig war für die für den pastoralen
- 28:48Nachwuchs gesprochen und auch das Gespräch hat mich sehr
- 28:54beeindruckt, wie ernsthaft er zuhört, wie sorgsam er nachfrägt
- 28:59und. Und ich habe mich das erste Mal
- 29:01von einem Kirchenmann wirklich verstanden gefühlt. 2021 bist du
- 29:08schließlich in die Ostschweiz gezogen.
- 29:11Wie hast du die Kirche dann da erlebt als Seelsorgerin?
- 29:15Also ich habe das Gefühl gehabt, ich komme gerade zur richtigen
- 29:18Zeit, weil es bis zum 175 Geburtstag hatte und habe
- 29:23gemerkt, hier sind ganz viele engagierte Menschen da, die an
- 29:27einer Kirche bauen und. Die Zukunft hat die Stelle, die
- 29:34ich dann konkret angetreten habe, war nicht aus
- 29:40verschiedenen Gründen nicht ganz einfach und bin dann eben hier
- 29:44nach St. Gallen in Dom gekommen, war hier
- 29:47auch froh, erstens um das hochprofessionelle, gute Team,
- 29:52das habe ich schon sehr geschätzt und ich war auch sehr
- 29:56dankbar, dass ich. In die Klinik Seelsorge gekommen
- 29:59bin, wo ich einfach merke, das liegt mir sehr.
- 30:02Also diese 1 zu 1 Seelsorge, das zuhören, das Dasein, ja, das ist
- 30:10halt Seelsorge pur. Da hilft dir deine
- 30:12psychotherapeutische Ausbildung sicher auch sehr.
- 30:15Sehr, ja. Und trotzdem war es nicht ganz
- 30:18dein Platz, weil der Skandal, von dem der Diakon der Franz
- 30:22Kreisel da an diesem. Himmelfahrtstag gepredigt hat,
- 30:26der bleibt ja weiterhin. Das kann auch das Bistum ST.
- 30:29Gallen nicht ändern. Genau also da zu merken ja auch
- 30:33wenn das Bistum ST. Gallen das Beste alle möglichen
- 30:36Bistümer ist, bleibt es eingebunden in diese weltweite
- 30:41römisch katholische Struktur und dann zu merken, Nein, das ist
- 30:46es, ich kann mit diesen Einschränkungen immer schwerer
- 30:51umgehen. Und dann kam wieder diese Wut
- 30:56wie damals 1998, wo ich gemerkt habe, meine Wut ist, sage ich
- 31:02jetzt auch als Psychotherapeutin eine sehr lebendige Kraft, die
- 31:06letztlich auch das Leben schützen will und die, die auch
- 31:10ja sehr viel Power in sich hat. Die einen in Bewegung bringt.
- 31:14Genau. Und die, die stieg in mir hoch
- 31:16und ich habe gemerkt, jetzt muss ich mich entscheiden, wird sie.
- 31:20Destruktiv oder konstruktiv und es gab dann intensive Gespräche
- 31:25und irgendwann habe ich mich auch wieder daran erinnert, an
- 31:29die Frage, noch bevor ich hier angefangen habe, gab es ein
- 31:32Gespräch mit einem Personalreferent oder der für
- 31:35die Personalsachen zuständige hier ist, und der hat mich
- 31:38damals, noch bevor ich hier angefangen hat, gesagt, ja, aber
- 31:42warum arbeite ich denn nicht als evangelisch reformierte
- 31:46Pfarrerin, die Frage habe ich damals nicht verstanden.
- 31:50Und dann, 2 Jahre später, habe ich mich wieder daran erinnert
- 31:53und habe gesagt, ja, wenn der Rahmen nicht passt und ich den
- 31:58Rahmen nicht verändern kann, dann muss ich überlegen, was ich
- 32:02mache. Und dann war es irgendwann mal
- 32:05klar, eine Begabung und Berufung ist etwas zu Ernstes, als dass
- 32:12ich sie irgendwie übergehe und diese Wut.
- 32:17Die eigentlich aus einer ganz tiefen Liebe kommt und aus einer
- 32:19ganz tiefen Sehnsucht, die darf ich nicht einfach unterdrücken,
- 32:24weil sonst wird es gefährlich. In der evangelisch reformierten
- 32:31Kirche, die du angesprochen hast, wurde schon 1918 die erste
- 32:35Frau ordiniert, also zu einer Pfarrerin.
- 32:40Die konnte dann aber nicht arbeiten.
- 32:42Lange Geschichte seit den 1900 50er Sechzigern war.
- 32:45Haben Frauen vollständigen Zugang zum Pfarramt in der
- 32:48Schweiz? In der Christkatholischen
- 32:50Kirche, wo du jetzt bist, wurde die erste Frau in der Schweiz
- 32:53erst im Jahr 2000 zur Priesterin geweiht.
- 32:55Warum hast du dich dann für die Christkatholische Kirche
- 32:58entschieden, nicht für eine Kirche, die schon eine viel
- 33:01längere Tradition hat von Frauen in so einem in so einer Aufgabe?
- 33:08Also ich habe mich auch. Auf den Weg gemacht auch die
- 33:11reformierte Kirche hier in der Schweiz, die evangelisch
- 33:14lutherische Kirche in Bayern, die ich ja schon kannte, von
- 33:17klein auf ganz konkret kennengelernt, auch mir
- 33:20Pfarrstellen angeschaut, ganz konkret überlegt, und dann hat
- 33:24mir eine eine Freundin, die mich gut kennt, die in gar keiner
- 33:29Kirche ist, die atheistisch ist, gesagt, aber Hannah, es ist auch
- 33:34eine Frage der Kultur, und was meinst du?
- 33:38Ja, du bist so ein sinnlicher Mensch und du bist katholisch
- 33:42geprägt und Gott, ja und und Gott, ja, das macht was.
- 33:48Ein Gottesdienst, ein reformierter Gottesdienst hat
- 33:51einfach ganz andere Traditionen, wenn man damit von klein auf
- 33:55aufgewachsen ist, empfindet man das genauso als ein vertrautes
- 34:00Zuhause, oder da gibt es dann eben auch Riten, die dazu
- 34:05gehören, wo man zu Hause ist, wo man sich.
- 34:07In der Seele verankern kann, so wie es eben für mich als ja
- 34:13Katholikin ja man kennt irgendwie die Rituale, man weiß,
- 34:19was sie bedeuten, wie der Körper sich zu verhalten hat in der
- 34:23Kirche, wenn ich aufstehe oder wenn ich mich beweg, wenn auch
- 34:28die Eucharistie Verständnis ist so ähnlich, und ich habe schon
- 34:31gemerkt, dass mir die Sakramente so als Knotenpunkte.
- 34:36Der Liebe einfach sehr wichtig sind.
- 34:40Und die gibt es auch in der Christkatholischen Kirche.
- 34:42Genau die sind eigentlich gleich.
- 34:45Beim Eucharistieverständnis gibt es paar kleine Nuancen, weil man
- 34:50einfach nicht diese Klerikalisierung und
- 34:52priserzentriertheit will und dann habe ich mich aufgemacht in
- 34:57der altkatholischen Kirche in Deutschland, in Österreich
- 35:00gesucht und. Und dann gab es eine Stelle im
- 35:04Fricktal. Ich habe das, also jemand hat
- 35:06mir das Inserat zugeschickt und ich habe das gelesen, habe den
- 35:09Telefonhörer genommen, mich mit dem Pfarrer dort unterhalten,
- 35:13und das war schon Liebe auf den ersten Blick.
- 35:17Und dann kamst du in die Nordwestschweiz, richtig, und
- 35:21was da passiert ist das meine Lieben, hört ihr in Teil 2
- 35:25unserer Podcast Folge liebe Hannah, vielen Dank für das
- 35:27Gespräch. Wenn ihr wollt, könnt ihr gleich
- 35:29Weiterhören zur zweiten Podcast Folge.
- 35:39Vater Graz.