Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 1. Theil - 14 - Vom Freunde
Transcript
- 0:00Unterkapitel 14 vom Freunde in diesem Abschnitt des Buches
- 0:06spricht die Figur Zarathustra über das Wesen der Freundschaft.
- 0:09Er erklärt, warum wir Freunde brauchen, wie ein echter Freund
- 0:12sein sollte und warnt vor falschen Formen der
- 0:15Freundschaft. Zarathustra beginnt mit der
- 0:17Sichtweise eines Einsiedlers, also eines Menschen, der allein
- 0:21lebt. Der Einsiedler sagt, dass ihm
- 0:24eine einzelne Person um ihn herum immer zu viel ist.
- 0:27Er denkt. Immer nur ich und mich.
- 0:30Das wird auf Dauer zu viel damit meint Nietzsche, dass ein
- 0:34Mensch, der lange allein ist, ständig innere Selbstgespräche
- 0:37führt. Sein ich redet mit seinem mich,
- 0:41das kann sehr anstrengend werden, deshalb braucht der
- 0:44Mensch einen Freund, der Freund ist der dritte, dieser dritte
- 0:48ist wie ein Korken, der verhindert, dass das Gespräch
- 0:51der beiden inneren Stimmen in die Tiefe sinkt und man sich in
- 0:54seinen eigenen Gedanken verliert.
- 0:56Zarathustra erklärt, dass unsere Sehnsucht nach einem Freund oft
- 0:59verrät, dass wir uns selbst nicht genug sind.
- 1:03Wir suchen einen Freund, um uns selbst besser zu fühlen.
- 1:07Nietzsche nennt das den Verräter unsere Sehnsucht verrät unsere
- 1:11Schwächen oft benutzen Menschen die Freundschaft oder die Liebe,
- 1:14nur, um ihren Neid oder ihre eigenen Mängel zu überspringen,
- 1:18man greift andere an oder macht sich Feinde, nur um zu
- 1:21verbergen, dass man selbst angreifbar und verletzlich ist.
- 1:25Daraus leitet Zarathustra eine wichtige Regel ab.
- 1:28Ein echter Freund muss auch ein Feind sein können.
- 1:31Er sagt, sei wenigstens mein Feind.
- 1:35Das bedeutet nicht, dass man sich hassen soll, es bedeutet,
- 1:38dass wahre Freundschaft Ehrfurcht und Respekt erfordert,
- 1:42man darf nicht um Freundschaft betteln, ein Freund muss den Mut
- 1:45haben, dem anderen zu widersprechen und ihn
- 1:47herauszufordern, man muss bereit sein für seinen Freund Krieg zu
- 1:51führen, also für ihn. Und seine Entwicklung zu
- 1:55kämpfen. Um das zu können, muss man auch
- 1:58in der Lage sein, ihm wie ein respektvoller Feind
- 2:00gegenüberzutreten. Man soll dem Freund nah sein,
- 2:04aber ihn nicht vereinnahmen. Zarathustra fragt dann, wie man
- 2:08sich seinem Freund zeigen soll, er kritisiert die Vorstellung,
- 2:12dass man vor seinem Freund vollkommen ehrlich und nackt
- 2:15sein muss, also alle Schwächen sofort offenbart, er sagt.
- 2:21Wenn ihr Götter wärt, dann könntet ihr euch für eure
- 2:23Kleider schämen, aber da ihr Menschen seid, sollt ihr euch
- 2:27für den Freund herausputzen. Das heißt, man soll sich Mühe
- 2:31geben, sich von seiner besten Seite zu zeigen.
- 2:34Man soll für den Freund ein Pfeil und eine Sehnsucht nach
- 2:37dem Übermenschen sein, der Begriff Übermensch ist zentral
- 2:41bei Nietzsche, er meint damit einen Menschen, der über den
- 2:44heutigen Durchschnittsmenschen Hinauswächst, der sich selbst
- 2:47überwindet und sein volles Potential ausschöpft.
- 2:50Dein Freund soll dich inspirieren, dieser bessere
- 2:53Mensch zu werden. Zarathustra warnt davor, den
- 2:56Freund zu genau im entspannten Zustand, also im Schlaf, zu
- 3:00betrachten. Das Gesicht des schlafenden
- 3:02Freundes ist oft unvollkommen und rau, es zeigt die
- 3:06menschlichen Schwächen zu deutlich.
- 3:08Ein Freund sollte aber ein Meister im Erraten sein und
- 3:11wissen, wann er schweigen muss, man muss nicht alles sehen
- 3:14wollen, auch das Mitleid sieht Zarathustra kritisch, er sagt,
- 3:19man soll sein Mitleid verbergen. Es soll wie unter einer harten
- 3:22Schale versteckt sein. Man soll sich an diesem Mitleid
- 3:25fast einen Zahn ausbeißen. Das bedeutet wahres Mitgefühl,
- 3:30darf nicht weich und jammernd sein, es muss stark und fordernd
- 3:33sein. Zarathustra fragt, bist du für
- 3:36deinen Freund reine Luft, Einsamkeit, Brot und Arznei, ein
- 3:40Freund soll helfen und heilen, nicht nur gemeinsam leiden, er
- 3:44weist darauf hin, dass manche Menschen ihre eigenen Ketten
- 3:47nicht lösen können. Aber für ihren Freund dennoch
- 3:50ein Erlöser sein können. Das heißt, jemand kann selbst
- 3:55Probleme haben, aber trotzdem anderen helfen, frei zu werden.
- 3:59Dann spricht Zarathustra über 2 Arten von Menschen, die keine
- 4:02Freunde sein können, Sklaven und Tyrannen, wer ein Sklave ist,
- 4:07also sich immer nur unterordnet, kann kein Freund sein, weil
- 4:11Freundschaft Augenhöhe braucht, wer ein Tyrann ist, also immer
- 4:15nur herrschen will. Kann keine Freunde haben, weil
- 4:18er niemanden neben sich duldet. Zarathustra behauptet an dieser
- 4:22Stelle, dass Frauen bisher noch nicht fähig zur Freundschaft
- 4:25seien. Er sagt, Frauen kennen nur die
- 4:28Liebe, in ihrer Liebe gibt es oft Ungerechtigkeit und
- 4:32Blindheit gegenüber allem, was sie nicht lieben, er vergleicht
- 4:35sie mit Katzen, Vögeln oder Kühen, um zu sagen, dass sie
- 4:39noch nicht die Reife für die Tiefe, herausfordernde
- 4:42Freundschaft haben, die er meint.
- 4:44Aber er kritisiert im gleichen Atemzug auch die Männer.
- 4:48Er fragt, wer von euch Männern ist denn fähig zur Freundschaft,
- 4:53er wirft den Männern vor, dass ihre Seelen geizig und arm sind,
- 4:57sie geben dem Freund zu wenig Zarathustra unterscheidet
- 5:00zwischen Kameradschaft und Freundschaft, Kameradschaft gibt
- 5:04es oft, aber die wahre tiefe Freundschaft ist selten und ein
- 5:07hohes Ziel. Zusammenfassend sagt Zarathustra
- 5:10in diesem Kapitel. Wahre Freundschaft ist harte
- 5:13Arbeit an sich selbst und am anderen.
- 5:16Ein Freund ist jemand, der einen herausfordert, besser zu werden,
- 5:19dem Übermenschen näher zu kommen, man soll den Freund
- 5:22nicht durch bloßes weiches Mitleid schwächen, sondern ihn
- 5:25durch Stärke und Ehrfurcht heben.
- 5:28Ein Freund ist derjenige, der eine fertige Welt verschenken
- 5:31kann, also jemand, der innerlich reich ist.