Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Die fröhliche Wissenschaft - Buch 3 - 203-219
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- 0:00Unterkapitel 203 Hik niger est. Dieser lateinische Ausdruck
- 0:08bedeutet, dieser ist schwarz und wurde im alten Rom verwendet, um
- 0:12einen bösen oder unheimlichen Menschen zu kennzeichnen.
- 0:15Nietzsche wendet ihn auf einen Menschen an, der normalerweise
- 0:18keine Gedanken hat, aber wenn er doch einmal welche hat, dann
- 0:22sind es schlechte. Er beschreibt damit einen
- 0:25geistig trägen Menschen, dessen Geist nur dann aktiv wird.
- 0:29Wenn er von negativen Impulsen wie Neid, Missgunst oder Bosheit
- 0:33angetrieben wird, seine seltene geistige Tätigkeit ist
- 0:36ausschließlich destruktiv Unterkapitel 204 die Bettler und
- 0:42die Höflichkeit, Bettler und Notleidende denken, es sei nicht
- 0:47unhöflich, mit einem Stein an eine Tür zu klopfen, wenn die
- 0:50Klingel fehlt, aber sunice niemand gibt ihnen recht, dies
- 0:56ist eine Metapher für das Verhalten von Menschen in Not.
- 0:59Sie glauben, dass Ihre Notlage Sie dazu berechtigt, die
- 1:02üblichen Regeln der Höflichkeit und des Anstands zu brechen.
- 1:05Sie fordern Hilfe auf eine plumpe und direkte Art, die
- 1:09Gesellschaft jedoch erwartet selbst in der Not die Einhaltung
- 1:12gewisser Formen, das Recht des Bedürftigen wird nicht
- 1:15automatisch anerkannt, wenn die Form nicht gewahrt wird.
- 1:20Unterkapitel 205 Bedürfnis Nietzsche stellt die übliche
- 1:26Denkweise auf den Kopf. Normalerweise glauben wir, dass
- 1:30ein Bedürfnis die Ursache dafür ist, dass etwas entsteht, zum
- 1:33Beispiel das Bedürfnis nach Wärme führt zur Erfindung des
- 1:36Feuers. Nietzsche sagt, in Wahrheit sei
- 1:39es oft umgekehrt. Das Bedürfnis ist nur eine
- 1:42Wirkung von etwas, das bereits entstanden ist.
- 1:44Das bedeutet, dass oft erst die Existenz einer Sache das
- 1:48Bedürfnis danach schafft. Zum Beispiel entsteht das
- 1:50Bedürfnis nach einem Smartphone erst, nachdem es erfunden wurde,
- 1:54und man sieht, was man damit alles tun kann.
- 1:58Unterkapitel 206 beim Regen wenn es regnet, denkt Nietzsche an
- 2:05die armen Leute. Sie drängen sich zusammen, aber
- 2:08nicht aus Nächstenliebe, sondern aus Sorge und dem Unvermögen,
- 2:12ihre Sorgen zu verbergen in dieser Enge, so Nietzsche, ist
- 2:16jeder bereit, dem anderen weh zu tun und sich selbst bei
- 2:19schlechtem Wetter ein erbärmliches Wohlgefühl zu
- 2:22verschaffen. Er schließt mit dem Satz das nur
- 2:25das ist die Armut der Armen die wahre Armut ist für ihn nicht
- 2:30der Mangel an Geld, sondern dieser geistige Zustand, die
- 2:34Unfähigkeit zu Großzügigkeit und Freude, die ständige Sorge und
- 2:38die boshafte Enge, die entsteht, wenn Menschen unter Druck
- 2:41zusammengepfercht sind. Unterkapitel 207 der Neidbold
- 2:49ein Neidbold, sagt Nietzsche, ist eine so verbitterte Person,
- 2:52dass man ihr keine Kinder wünschen sollte, der Grund?
- 2:56Er wäre sogar auf seine eigenen Kinder neidisch, weil er selbst
- 2:59nicht mehr ein Kind sein kann. Der Neid des Neidbolds ist so
- 3:03umfassend, dass er sich sogar gegen die unschuldige Existenz
- 3:06eines Kindes richtet, er beneidet die Jugend, die Zukunft
- 3:10und die Möglichkeiten, die er selbst nicht mehr hat, sein Neid
- 3:14vergiftet alles, selbst die Natürlichsten Freuden,
- 3:19Unterkapitel, 208 großer Mann. Nietzsche warnt davor, voreilige
- 3:27Schlüsse zu ziehen, nur weil jemand als großer Mann gilt,
- 3:30heißt das noch nicht, dass er überhaupt ein Mann ist.
- 3:34Er könnte auch nur ein Knabe sein, der die Rolle eines großen
- 3:37Mannes spielt, oder ein Chamäleon, das sich jeder
- 3:40Situation anpasst oder sogar ein verhextes Weiblein.
- 3:44Auch eine Person mit einer schwachen reaktiven Natur.
- 3:48Nietzsche fordert uns auf, hinter die Fassade des großen
- 3:51Mannes zu blicken und zu prüfen, ob die Person wirklich die
- 3:54innere Stärke und Substanz eines Mannes besitzt.
- 3:58Unterkapitel 209 eine Art, nach Gründen zu fragen es gibt eine
- 4:05bestimmte Art, nach Gründen zu fragen, die extrem unangenehm
- 4:08ist. Diese Art des Fragens führt
- 4:11dazu, dass man nicht nur seine besten Argumente vergisst,
- 4:14sondern sogar einen trotz und Widerwillen gegen Gründe
- 4:16überhaupt entwickelt. Nietzsche nennt dies eine
- 4:20verdummende Art zu Fragen und einen Kunstgriff, tyrannischer
- 4:23Menschen tyrannische oder manipulative Menschen nutzen
- 4:27diese Fragetechnik, um ihr gegenüber zu verunsichern, in
- 4:31die Enge zu treiben und mundtot zu machen, anstatt wirklich eine
- 4:34Antwort zu suchen. Unterkapitel 210 Maß im Fleiße
- 4:42man sollte nicht versuchen, den Fleiß seines Vaters zu
- 4:45übertreffen, das Macht krank. Diese Aussage kann man wörtlich
- 4:50und metaphorisch verstehen. Wörtlich warnt sie vor
- 4:53übermäßigem Ehrgeiz, der zur körperlichen und geistigen
- 4:56Erschöpfung führt. Metaphorisch bedeutet es, dass
- 4:59man den Schatten der vorherigen Generation nicht um jeden Preis
- 5:03überwinden sollte, man muss seinen eigenen Rhythmus und sein
- 5:07eigenes Maß finden, anstatt sich in einem ungesunden Wettbewerb
- 5:10mit der Vergangenheit aufzureiben.
- 5:14Unterkapitel 200 101. Geheime Feinde sich einen
- 5:19geheimen Feind zu halten, ist ein Luxus.
- 5:22Selbst die Moral von Hochgesinnten Geistern ist nicht
- 5:25reich genug, um sich diesen Luxus leisten zu können.
- 5:29Ein offener Feind zwingt zur Auseinandersetzung und Stärke,
- 5:33ein geheimer Feind hingegen erfordert ständige Wachsamkeit,
- 5:36Misstrauen und verbraucht seelische Energie im
- 5:39Verborgenen. Dieser Zustand der permanenten
- 5:43unsichtbaren Anspannung ist so kostspielig.
- 5:46Dass er selbst für starke Charaktere auf Dauer zu einer
- 5:48Belastung wird, die sie sich nicht leisten sollten.
- 5:53Unterkapitel 212 sich nicht täuschen lassen Nietzsche
- 5:58beschreibt einen Menschen, dessen Geist schlechte Manieren
- 6:01hat, er ist hastig, ungeduldig und stottert, man würde kaum
- 6:06ahnen, in welch einer langatmigen und breitbrüstigen
- 6:09Seele dieser Geist zu Hause ist. Er warnt davor, vom äußeren
- 6:13Auftreten auf das Innere zu schließen.
- 6:16Die unruhige, ungeduldige Oberfläche kann eine tiefe,
- 6:19ruhige und kraftvolle Seele verbergen.
- 6:22Die äußere Erscheinung und die innere Substanz eines Menschen
- 6:25können vollkommen gegensätzlich sein.
- 6:29Unterkapitel 213 der Weg zum Glücke ein Weiser fragt einen
- 6:36Narren nach dem Weg zum Glück, der nach, antwortet sofort wie
- 6:40jemand, der nach dem Weg zur nächsten Stadt gefragt wird.
- 6:44Bewundere dich selbst und lebe auf der Gasse.
- 6:47Der Weise findet das zu viel verlangt und meint, es genüge
- 6:50schon, sich selbst zu bewundern. Darauf entgegnet der Narr.
- 6:55Aber wie kann man beständig bewundern, ohne beständig zu
- 6:58verachten, der Narr enthüllt hier eine tiefe psychologische
- 7:02Wahrheit, selbstbewunderung allein führt nicht zum Glück, um
- 7:08sich selbst wirklich bewundern zu können, braucht man einen
- 7:10Kontrast. Man muss auch verachten können.
- 7:14Sei es die Mittelmäßigkeit anderer auf der Gasse leben oder
- 7:17die eigenen Schwächen, die man überwindet.
- 7:20Wahre Selbstachtung entsteht aus der Fähigkeit, Unterschiede zu
- 7:23machen und Werte zu setzen. Unterkapitel 214 der Glaube
- 7:30macht selig die Tugend allein macht nicht glücklich, sie gibt
- 7:36nur denjenigen Glück, die Fest an ihre eigene Tugend glauben.
- 7:40Nietzsche unterscheidet hier zwischen 2 Arten von Menschen.
- 7:44Die einen Glauben naiv an ihre Tugend und sind damit glücklich.
- 7:48Die feineren Seelen aber sind diejenigen, deren Tugend aus
- 7:52einem tiefen Misstrauen gegen sich selbst und gegen alle
- 7:55Tugend entsteht. Sie hinterfragen ständig ihre
- 7:58Motive und sind sich ihrer Unvollkommenheit bewusst.
- 8:02Am Ende, so schließt Nietzsche, macht also auch hier der Glaube
- 8:06selig, aber ironischerweise nicht die Tugend selbst
- 8:10Unterkapitel. 215 Ideal und Stoff.
- 8:17Du hast ein hohes Vornehmes ideal vor Augen, aber bist du
- 8:21selbst aus einem so vornehmen Stein, dass aus dir ein solches
- 8:24Götterbild geformt werden kann? Nietzsche stellt hier die
- 8:28entscheidende Frage nach der Übereinstimmung von Ideal und
- 8:31Material. Wenn das Material, also die
- 8:34Person selbst mit ihren Anlagen und Fähigkeiten nicht edel genug
- 8:38ist. Dann wird jede Arbeit am ideal
- 8:40zu einer barbarischen Bildhauerei.
- 8:43Man meißelt grob an sich herum und das Ergebnis ist keine
- 8:46Verwirklichung, sondern eine Lästerung des Ideals, eine
- 8:50Karikatur dessen, was man eigentlich sein wollte.
- 8:54Unterkapitel, 216 Gefahr in der Stimme, wenn man eine sehr laute
- 9:02Stimme im Hals hat, ist es fast unmöglich, feine Sachen zu
- 9:05denken. Eine laute Stimme ist für
- 9:08Nietzsche ein Symbol für Grobheit, für den Wunsch, zu
- 9:10dominieren und zu übertönen. Feine, subtile Gedanken
- 9:15erfordern hingegen Ruhe, Innerlichkeit und eine leise,
- 9:19differenzierte Art des Denkens und Sprechens, die
- 9:22physiologische Eigenschaft der lauten Stimme und die geistige
- 9:25Fähigkeit zur Feinheit schließen sich für ihn beinahe aus
- 9:30Unterkapitel, 217, Ursache und Wirkung.
- 9:36Vor einem Ereignis glaubt man an andere Ursachen als nach dem
- 9:39Ereignis unser Verständnis von Ursachen ist nicht objektiv,
- 9:43sondern wird von der Wirkung geprägt, wenn wir das Ergebnis
- 9:47kennen, interpretieren wir die Vergangenheit so, dass sie
- 9:50zwangsläufig zu diesem Ergebnis führen musste.
- 9:53Wir konstruieren im Nachhinein eine logische Kette von
- 9:56Ursachen, die es so vorher vielleicht gar nicht gab.
- 10:01Unterkapitel 218 meine Antipathie.
- 10:06Nietzsche beschreibt seine Abneigung gegen Menschen, die
- 10:08zerplatzen müssen, um eine Wirkung zu erzielen, sowie
- 10:12Bomben in ihrer Nähe sei man immer in Gefahr, sein Gehör oder
- 10:16noch mehr zu verlieren. Er kritisiert damit laute,
- 10:20Explosive und effekthascherische Charaktere, sie suchen die
- 10:24Aufmerksamkeit durch Knalleffekte und dramatische
- 10:26Ausbrüche. Nietzsche verabscheut diese Art,
- 10:30weil sie gewaltsam und undifferenziert ist und den
- 10:32feineren, leiseren Formen der Wirkung keinen Raum lässt.
- 10:38Unterkapitel 219 Zweck der Strafe die Strafe hat den Zweck,
- 10:45denjenigen zu bessern, der straft.
- 10:48Dies ist die letzte Zuflucht der Verteidiger der Strafe,
- 10:51Nietzsche kehrt hier die übliche Rechtfertigung für Strafe, dass
- 10:55sie den Bestraften bessern oder abschrecken soll.
- 10:58Um er behauptet ironisch, dass der Akt des Strafens vor allem
- 11:02dem Strafenden selbst dient. Er kann dadurch seine Macht
- 11:06demonstrieren, seine moralische Überlegenheit fühlen oder seine
- 11:09aufgestauten Aggressionen ablassen.