Latest / ntv Wirtschaft / Mittelstand in der Krise: Kommt jetzt die Wende?
Transcript
- 0:08Viele Mittelständler stehen unter Druck, die Konjunkturhoffnungen wachsen kaum,
- 0:13und hohe Energiepreise belasten den Geldbeutel.
- 0:17Sie bergen zudem ein erhebliches Inflationsrisiko. Hallo.
- 0:23In diesem Podcast verwandeln moderne KI-Systeme journalistische Inhalte,
- 0:27die auf unseren NTV-Plattformen publiziert wurden, in ein neues Hörformat.
- 0:33Text und meine Stimme wurden mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugt.
- 0:37Vor der Veröffentlichung werden alle Folgen nach strengen journalistischen Standards
- 0:42geprüft. Viel Spaß beim Zuhören.
- 0:48Bei vielen Mittelständlern laufen die Geschäfte derzeit nicht rund.
- 0:52Sie fordern endlich Reformen.
- 0:54Beim Unternehmertag des Außenhandelsverbands BGA in Berlin hat Bundeskanzler
- 0:59Friedrich Merz nun auch Entlastungen wegen der hohen Spritpreise angekündigt.
- 1:04Welches Instrumentarium dafür eingesetzt werden soll, stehe aber noch nicht fest.
- 1:10Wie groß der Druck insgesamt ist, zeigt eine Analyse des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.
- 1:17Demnach haben mittelständische Betriebe im vergangenen Jahr im Schnitt 5 Prozent weniger verdient.
- 1:23Besonders betroffen waren Unternehmen aus der Metall-, Fahrzeug- und Maschinenbaubranche.
- 1:29Immerhin gibt es einen Lichtblick. Es wird wieder mehr investiert.
- 1:33Die Sparkassen haben Unternehmen und Selbstständigen im ersten Halbjahr mehr Kredite zugesagt.
- 1:39Was braucht der Mittelstand jetzt? Oliver Beckmeier hat darüber mit Christoph
- 1:44Ahlhaus gesprochen, dem Bundesgeschäftsführer des Mittelstandsverbands BVMW.
- 1:50Kanzler Merz verspricht also heute Bürokratieabbau und er will alle beschlossenen
- 1:54Reformen bis Jahresende durchziehen. Geht Ihnen das schnell genug?
- 1:59Klingt alles super und wenn es wirklich klappt bis zum Jahresende,
- 2:02wäre auch das okay. Wir hätten es uns früher erwartet, das war ja auch früher angekündigt.
- 2:07Allein es fehlt ein bisschen der Glaube, weil wir haben schon so viele Versprechen
- 2:10und Ankündigungen gehört und Vertrauen ist gut, aber Realität und das jetzt
- 2:16wirklich, was schnell kommt, wäre noch besser.
- 2:19Ist Kanzler Merz eigentlich noch der Richtige für den Job? Das wird ja aktuell
- 2:23intensiv diskutiert in Deutschland.
- 2:26Wie sieht man das im Mittelstand? Stehen Sie noch hinter ihm?
- 2:29Also ich halte nichts von Personaldiskussionen.
- 2:32Wir wissen genau, dass die Lage schwierig ist.
- 2:36Es drängt sich auch niemand auf, der das besser könnte. Es drängt sich auch
- 2:40nicht auf, dass Neuwahlen hier irgendwie eine Verbesserung bringen können.
- 2:43Nein, diese Bundesregierung, diese Bundeskanzler sind zum Erfolg verdammt für unser Land.
- 2:49Und deswegen setzen wir darauf, dass die vielen Versprechen,
- 2:52die vielen Ankündigungen jetzt auch wirklich in Realität umgesetzt werden.
- 2:56Dazu gibt es keine Alternative.
- 2:59Ja, schauen wir mal auf diese vielen Herausforderungen. Wenn wir da uns mal
- 3:02auf den Mittelstand fokussieren, wo liegen denn da die großen Herausforderungen?
- 3:07Der Bundeskanzler hat es ja gerade selbst genannt. Natürlich ist der Bürokratieabbau
- 3:11eine Riesenherausforderung. Die hohen Energiepreise, die hohe Steuerbelastung, alles für sich gesehen.
- 3:18Wäre ja noch erträglich, wären wir hier nicht in Deutschland oder auch in Europa,
- 3:22umringt von Ländern, die es besser können und wo es einfacher und günstiger geht.
- 3:27Die fehlende Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Ländern ist das Hauptproblem.
- 3:33Wir sind gut, wir sind in Deutschland hoch innovativ, der Mittelstand kann wieder
- 3:37zum Wachstums- und Wohlstandsmotor werden. Man muss ihn nur lassen.
- 3:42Sie haben es gerade schon kurz angesprochen. Ich würde gerne noch mal genauer
- 3:45draufschauen. Wie belastend sind diese hohen Energiepreise aktuell für Sie?
- 3:50Die Energiepreise erwürgen jegliches Pflänzchen an Wachstum und Konjunkturaufschwung,
- 3:56was wir ja allerdings schuldenfinanziert jetzt gerade sehen.
- 4:00Und wenn wir Spritpreise an den Tankstellen sehen, die ja schon wirklich bald
- 4:05über drei Euro liegen, dann sieht
- 4:07man genau, und mit Heiz- und sonstigen Energiepreisen ist es ja ähnlich,
- 4:12Das ist ein deutscher Sonderweg, der hier teuer bezahlt werden muss.
- 4:16Wenige hundert Kilometer außerhalb Deutschlands geht es viel billiger.
- 4:20Und das kostet uns die Wettbewerbsfähigkeit. Und deswegen ist das eine der ersten
- 4:24Aufgaben, die dringend gelöst werden muss.
- 4:27Schauen wir mal genau auf eine Auswertung der Sparkassen, die zeigt,
- 4:31dass die Gewinne mittelständischer Unternehmen 2025 zwar gesunken sind,
- 4:35aber die Investitionen wieder zunehmen. Inwieweit macht Ihnen das Mut?
- 4:40Naja, Investitionen nehmen dann zu, wenn man grundsätzlich sagen kann,
- 4:44okay, wir glauben daran, was uns versprochen worden ist und wir glauben daran,
- 4:48dass die Reformen jetzt kommen.
- 4:50Und ja, die Zahlen gehen ganz, ganz leicht nach oben, aber das ist kein nachhaltiger Aufschwung.
- 4:55Wir wissen doch, dass gerade die Zuwächse im Baugewerbe auf das sogenannte Sondervermögen,
- 5:02also schuldenfinanziert zurückzuführen sind.
- 5:06Und das ist kein Aufschwung, sondern das ist ein kleines Strohfeuer und dem
- 5:10müssen jetzt die Reformen folgen, damit ein Aufschwung wirklich nachhaltig daraus
- 5:15für unser Land entstehen kann.
- 5:16Ja, wenn wir da nochmal genauer drauf schauen, Sie haben die Reformen aufgesprochen,
- 5:20nachhaltiger Aufschwung, was genau ist denn dafür
- 5:24wirklich das konkret Wichtigste im Moment, um da nach vorne zu kommen und nicht
- 5:28nur kurzfristig, sondern wirklich auch langfristig gedacht?
- 5:32Die Entlastung, dass wir wettbewerbsfähig arbeiten können. Nochmal Bürokratie,
- 5:36die uns erdrückt, aus Europa häufig kommt, aber die in Deutschland vor allem
- 5:41hohen Energiepreise, höchste Arbeitskosten und Steuerlasten,
- 5:45das alles zusammengenommen.
- 5:47Wenn es im Ausland viel billiger ist, das ist klar, dann kann man nicht wettbewerbsfähig
- 5:51arbeiten. Wir sind in einem globalen Markt.
- 5:54Wir bekommen Produkte von überall auf der Welt.
- 5:57Und wenn die woanders, mittlerweile auch mit hoher Qualität,
- 6:01aber deutlich billiger hergestellt werden können, können unsere innovativen
- 6:06Unternehmen kaum noch mithalten.
- 6:07Das ist das Problem. Aber lassen Sie mich auch sagen, es geht nicht immer nur
- 6:10um Geld und um Entlastung, sondern hier geht es jetzt auch mal um Psychologie.
- 6:15Die Wirtschaft wird dann investieren, Arbeitsplätze schaffen,
- 6:17vor allem mittelständische Unternehmen, die das auf eigenes Risiko tun,
- 6:22wenn sie das Vertrauen haben, dass es nach vorne geht.
- 6:24Und dass die Glaubwürdigkeit von Versprechen und die Glaubwürdigkeit,
- 6:29dass jetzt wirklich die Reformen kommen, die die Wettbewerbsfähigkeit wiederbringen.
- 6:33Voraussetzung dafür, dass weitere Investitionen folgen und Arbeitsplätze geschaffen werden.
- 6:38Herr Arlaus, ich danke Ihnen sehr für das Gespräch heute Nachmittag. Sehr gerne.
- 6:43Die Betriebe spüren den Druck also im Alltag. Börsenprofis zeigen sich dennoch
- 6:48mit Blick auf die deutsche Wirtschaft vorsichtig optimistisch.
- 6:52So haben sich die ZEW-Konjunkturerwartungen im September erneut leicht verbessert.
- 6:58Das hat das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung jetzt mitgeteilt.
- 7:03Für den Konjunkturindikator werden monatlich rund 300 Finanzexperten befragt.
- 7:08Mara Bergmann hat die aktuelle Umfrage mit Achim Wambach, dem Präsidenten des ZEW, eingeordnet.
- 7:14Herr Wambach, was sind denn die Gründe für diesen Optimismus?
- 7:19Ich würde sagen, wir können ganz froh sein, dass die Finanzmärkte so einen stabilen
- 7:24Blick auf die Lage haben. Es sind doch eine ganze Menge von Risiken,
- 7:27die sich hier auftun. Der Krieg ist länger als erwartet. Die Inflationrisiken steigen.
- 7:32Aber dennoch sind die Finanzexperten optimistisch. auch stärker für Deutschland als für Europa.
- 7:38Das ist erstmalig so. Und ich würde schon sagen, dass sie auch da einpreisen,
- 7:43dass die Regierung ihre Reformen macht. Also das wird eher positiv gesehen.
- 7:46Und ich glaube, das stärkt den Blick.
- 7:48Und ja, das letzte Quartal war auch für die deutsche Wirtschaft recht gut.
- 7:52Wenn die Reformen jetzt schon mit einkalkuliert sind, wie wichtig ist es denn,
- 7:57dass die Regierung diese auch zügig umsetzt? Also wie sehr hängt jetzt davon
- 8:00ab, dass das, was Sie voraussagen, sich auch bewahrheitet von der Politik der Bundesregierung?
- 8:05Genau, Finanzmärkte reagieren schnell. Die werden auch in die andere Richtung
- 8:09reagieren, wenn die Reformen jetzt nicht kommen.
- 8:11Deutschland ist seit fünf Jahren nicht gewachsen. Und im europäischen Vergleich
- 8:15sehen wir, dass wir hinten dran sind. Südeuropa wächst, Zentraleuropa wächst.
- 8:20Wir haben deutsche Probleme. Und das Reformpaket ist entscheidend dafür,
- 8:24dass Unternehmen wieder Vertrauen in Deutschland bekommen und auch in Deutschland
- 8:27investieren. Deswegen halte ich es für extrem wichtig, dass die Regierung auch
- 8:31die Reformen, die sie angekündigt hat, jetzt auch durchführt.
- 8:34Wenn Sie von deutschen Problemen sprechen, was meinen Sie genau?
- 8:37Also was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen?
- 8:41Also wenn man die Unternehmen befragt, ist immer noch Nummer eins Bürokratiekosten.
- 8:46Da ist Deutschland besonders belastet, obwohl viel der Regulierung aus Europa
- 8:51kommt, aus Brüssel kommt. Aber wir setzen immer noch eins drauf in Deutschland.
- 8:56Jetzt sind aber mittlerweile die Energiepreise drängen immer mehr in den Vordergrund.
- 9:00Also jetzt kann die Regierung nicht zu den Iran-Krieg, aber die Maßnahmen,
- 9:05die sie machen kann, dass die Energiepreise doch moderater werden,
- 9:08sollte sie ergreifen. Weil für Unternehmen ist das im industriellen Sektor doch
- 9:12eines der größten Belastungen.
- 9:14Energiepreise, Inflationssorgen, wie sehr könnte das noch auf die Stimmung drücken?
- 9:20Der Unsicherheitsindex ist hoch. Also wir haben diese Erwartungen tatsächlich
- 9:26in einer Lage der hohen Unsicherheit.
- 9:31Gut, es gibt immer von der Situation auch Profiteure, sage ich jetzt mal.
- 9:34Die Zinsen steigen, also den Versicherungen, den Banken geht es dadurch besser.
- 9:38Aber unsere Sorge ist ja nicht der Finanzsektor, sondern unsere Sorge in Deutschland
- 9:42ist gerade der industrielle Sektor.
- 9:44Und da sind die Risiken da und die können schlimmer werden.
- 9:48Es ist nicht klar, wie lange diese Energiepreise so hoch bleiben.
- 9:51Also insofern, wir reden hier in einer Situation von Unsicherheit.
- 9:55Deswegen würde ich es sehr positiv betrachten und das ist eigentlich ein positives
- 9:58Signal, dass die Finanzmarktexperten sagen, wir gehen aber davon aus,
- 10:02dass sich das stabilisiert und dass die Wirtschaft auch wieder auf die Beine kommt.
- 10:07Wenn Sie gerade das Sorgenkind Industrie ansprechen, vielleicht können Sie mit
- 10:11Blick auf Ihre Ergebnisse nochmal.
- 10:15Aufschlüsseln, was sind denn die Branchen, die momentan am optimistischsten
- 10:19sind und wo sind vielleicht auch weitere Problembereiche?
- 10:24Also im Vergleich zum letzten Monat, wir machen ja monatlich diese Befragung,
- 10:28ist tatsächlich der Finanzmarktsektor positiv herausgekommen.
- 10:32Das hat mit den steigenden Zinsen zu tun. Das ist meistens für Versicherungen
- 10:36und Banken dann doch auch eine bessere Geschäftsbasis sozusagen.
- 10:41Also da wird positiv drauf geschaut. Negativ Automobilindustrie,
- 10:46die ihre eigenen Probleme hat.
- 10:48Da ist die Lage und die Erwartung doch sehr schlecht. Und jetzt aber auch der
- 10:52Stahlsektor, der hat jetzt ein gutes Quartal gehabt, aber das ist jetzt auch
- 10:56vorbei, sozusagen diese Lage, da schlagen die hohen Energiepreise rein.
- 11:01Sagt der Präsident des ZEW, Achim Wambach. Dankeschön nach Innsbruck.
- 11:08Bei diesen Sorgen tauchen sie immer wieder auf. Die Energiepreise.
- 11:12Wie stark sie die Inflation antreiben können, haben Forscher jetzt durchgerechnet.
- 11:17Laut einer Studie der Denkfabrik New Economics Foundation sind steigende Preise
- 11:22für Öl und Gas in fast allen Ländern Europas das größte Inflationsrisiko.
- 11:28Ein Rechenbeispiel. Steigen die Öl- und Gaspreise jeweils um 10 Prozent,
- 11:34könnte die Inflationsrate in Deutschland um bis zu 0,22 Prozentpunkte zulegen.
- 11:40Wichtig dabei, das sind mögliche Entwicklungen, keine festen Vorhersagen.
- 11:45Die Forscher empfehlen deshalb, Wind- und Solarenergie im Inland auszubauen.
- 11:50Aus ihrer Sicht schützt das nicht nur das Klima. Wer weniger von Öl und Gas
- 11:55abhängt, ist auch weniger den Preissprüngen auf diesen Märkten ausgesetzt.
- 12:00Klimaschutz und Schutz vor Inflation gehören für die Studienautoren also zusammen.
- 12:06Auch in den USA zeigt sich der Preisschub an der Tankstelle und beim Lebensmitteleinkauf.
- 12:13Diese ist dort so teuer wie nie zuvor. Das meldet der Automobilclub AAA.
- 12:18Besonders trifft das Landwirte und Speditionen, denn Diesel treibt vor allem
- 12:23Nutzfahrzeuge an. Und das bleibt nicht nur deren Problem.
- 12:27Höhere Transportkosten treiben auch
- 12:29die Lebensmittelpreise. Am Ende spüren Verbraucher das beim Einkaufen.
- 12:34Nach Beginn des Iran-Kriegs und den Blockaden wichtiger Schifffahrtswege sind
- 12:39die Ölpreise weltweit stark gestiegen.
- 12:41US-Präsident Donald Trump macht für den teuren Diesel dagegen vor allem den
- 12:46Russland-Ukraine-Krieg verantwortlich.
- 12:49Auch hierzulande müssen Autofahrer tiefer in die Tasche greifen.
- 12:53Laut ADAC erreichte Super E10 am Sonntag einen neuen Rekordpreis.
- 12:59Das war unser Blick auf die aktuellen Nachrichten aus der Wirtschaft für den Moment.
- 13:04Wir hören und lesen uns wieder bei NTV, in der App, im TV oder hier im Podcast.