Latest / Pod und die Welt – Das außenpolitische Update / Deutsche Außenpolitik in der Ära Trump: Worauf kommt es an? (mit Claudia Major)
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- 0:00Der wichtigste Punkt für mich ist, dass wir nicht wie das Kaninchen vor der Schlange stehen sollten.
- 0:05Der Anspruch an die Europäer sollte ja sein, nicht der Spielball zwischen den Großen zu sein,
- 0:10sondern selbst Akteursfähigkeit zu haben und selber die Instrumente zu nutzen, die wir haben.
- 0:16What a time to be alive. Donald Trump ist als US-President wieder gewählt.
- 0:21Die Ampel hat sich den Stecker gezogen, die Ukraine geht unter schwersten russischen Angriffen in den 3. Kriegswinter.
- 0:27Irgendwie hat man das Gefühl, als sei in diesen Tagen das Unterste zu oberst.
- 0:31Wir hier bei Pod und Die Welt wollen uns darum bemühen, das Geschehen und das, was kommen mag, ein wenig für sie zu sortieren.
- 0:37Ich bin Martin Bialecki.
- 0:39Und ich bin Katharina Peetz.
- 0:40Am 23. Februar 2025 wird in Deutschland gewählt, da wird dann Trump in den USA schon gut ein Monat im Amt sein.
- 0:49Was er außenpolitisch vorhat, das hat er schon im Wahlkampf klar gemacht
- 0:52und es sieht ganz danach aus, als müsste sich die Welt auf genau den Schock einstellen, den Trump unter anderem für die internationalen Beziehungen versprochen hat.
- 1:00Trump kommt, die Ampel geht.
- 1:02Für Deutschland kommt dieser Doppelschlag in einem Moment, in dem das Land außenpolitisch eh schon auf der Suche nach seinem rechten Platz war,
- 1:08nach Kompass und nach Orientierung.
- 1:10Von einer Führungsrolle an Europa ist es weit entfernt, oft sperrte sich dagegen mehr Verantwortung zu übernehmen oder schwierige Entscheidungen zu treffen.
- 1:17Was also sind die Außen- und Sicherheitspolitischen Konsequenzen von Trump 2.0 für Deutschland und Europa
- 1:23und welche Außenpolitik sollte eine neue Bundesregierung verfolgen?
- 1:27Wir freuen uns sehr, dass wir über all diese Fragen mit Claudia Major sprechen können.
- 1:31Sie leitet die Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik.
- 1:35Hallo Frau Major.
- 1:36Hallo, ich grüße Sie.
- 1:41Vielleicht können wir zu Beginn mal darauf schauen, Trump hat jetzt seinen Kabinett zumindest einige Namen, stehen da schon fest, zusammengestellt.
- 1:49Es seignet sich ab, dass es da vor allem unbedingt der Loyalität geht zu Trump, nicht unbedingt um politische Erfahrung der Verteidigungsminister,
- 1:58zum Beispiel soll der Fox News Moderator Pete Hexis werden.
- 2:01Was lässt sich aus diesen Personalentscheidungen für den Kurs in der Außen- und Sicherheitspolitik ableiten?
- 2:07Die Nominierungen, die wir in den letzten Tagen erfahren haben, zeigen einmal darauf, dass das Kriterium Loyalität wichtig ist.
- 2:14Und dann deuten sie zwar einerseits auf einen eher traditionellen Kurs hin, wenn man Marco Rubio zum Beispiel nimmt,
- 2:20aber andererseits deuten sie auf einen sehr harten Kurs Richtung China gegen Iran, aber auch mal Blick auf Europa hin, wenn man das Verteidigungsministerium nimmt.
- 2:28Was wir anerkennen müssen, meines Erachtens, dass es immer noch Ambivalenzen gibt in der US, annonsierten US, Außensicherheits- und Verteidigungspolitik, die wir noch nicht ausräumen können.
- 2:39Ich kann das mal am Beispiel Ukraine festmachen, wo es einerseits Stimmen gibt von Wernens, aber auch von Trump persönlich, der gesagt hat,
- 2:47er würde den Krieg innerhalb weniger Stunden, die Zahl 24 Stunden, zirkuliert, würde er diesen Krieg beenden, ohne zu sagen, wie.
- 2:55Es gibt Pläne über mögliche Waffenstillstände, demilitarisierten Zonen und all so etwas, aber im Endeffekt ist nicht klar, wie so ein Deal aussehen würde.
- 3:05Und vieles deutet darauf hin, dass es lediglich ein Einfrieren wäre, ohne an die Konfliktursachen ran zu gehen.
- 3:10Und allein das Überlegen über einen Plan, der nicht klar ist, führt zur Unsicherheit für die Ukraine zu sorgen, um einen Deal, der die Ukraine letztlich unter den Bus wirbt,
- 3:19und man kann irgendwas nach Hause bringen und letztlich schwächt allein diese Debatte, die Ukraine schon politisch-militärisch und führt dazu, dass der Krieg zu einem Ergebnis kommen könnte,
- 3:28der genau den Vorstellungen von Putin entspricht.
- 3:30Das ist der eine Ansatz, schnelles Kriegsende ohne zu sagen, wie.
- 3:34Der Plan den Werns vorgestellt hat, entspricht den russischen Narrativen.
- 3:38Es baut de facto darauf auf, dass die russischen Annexionen anerkannt werden, dass der NATO-Beitritt verschoben wird.
- 3:44Also das spielt de facto Russland in die Hände.
- 3:46Das ist der eine Debattenstrang.
- 3:48Der andere Debattenstrang ist das Klassische, was man von ehemaligen Trump-1-Vertretern hört oder auch von denen, die jetzt mit Trump 2 einen Job kriegen könnten,
- 3:55ist das Frieden durch Stärke-Narrativ.
- 3:57Das Frieden durch Stärke-Narrativ würde wiederum sagen, man muss die Russen an Verhandlungszuschwingen, weil sie bislang keinen Incentiv hatten.
- 4:03Die USA soll kein Schwächling sein.
- 4:05Trump will auf keinen Fall als strategischer Schwächling dastehen.
- 4:08Mit Blick auf China ist es unklug, irgendwelche Schwäche erkennen zu lassen.
- 4:12Es geht wiederum mehr darauf hin, dass die Ukraine unterstützt wird und es ein ordentliches Kriegsende gibt.
- 4:17Welche der Strömungen sich wie durchsetzt, kann ich persönlich nicht abschätzen.
- 4:21Und ich glaube auch nach Gesprächen mit meinen amerikanischen Kollegen, dass jeder, der glaubt zu wissen, was Trump wirklich macht,
- 4:26möglicherweise sich überschätzt.
- 4:29Wir haben in der ersten Trump-Administration gesehen, dass er bereit ist, seine Positionen sehr schnell zu verändern und das auch relativ rücksichtslos andere sagen,
- 4:36schamlos gemacht hat.
- 4:38Und wer sich nicht schnell genug mit umstellen konnte, der musste halt sein Hut nehmen.
- 4:41Also ich glaube, dass wir uns einfach auf eine extreme Unsicherheit, Unberechenbarkeit einstellen müssen.
- 4:46Der designierte Verteidigungsminister spricht von selbstgerechten und machtlosen Nationen, also Alliierten.
- 4:53Das ist schon eine klare Ansage.
- 4:56Also da sollten sich die Europäer schon auf was einstellen.
- 4:59Die Europäer sollten sich auf was einstellen.
- 5:05Europa versucht ja, sich neu aufzustellen.
- 5:08Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat vor ein paar Tagen angekündigt, bald mit Ländern Gespräche für uns zu wollen, die "die geopolitische und transatlantische Lage
- 5:17und die Situation in der Ukraine sehr ähnlich einschätzen".
- 5:21Ende dabei hat er namentlich genannt Großbritannien, Frankreich, Nordische und baldische Staaten.
- 5:26Deutschland allerdings nicht, zumindest noch nicht.
- 5:29Wie, Frau Major, lässt sich denn das nun interpretieren?
- 5:32Das ist de facto ein Ansatz, den wir schon in der ersten Trump-Amtszeit gesehen haben.
- 5:36Das ist der Versuch der Bilateralisierung oder Minilateralisierung.
- 5:40Also außerhalb der bestehenden Formate zu handeln, weil man glaubt, das bringt mehr.
- 5:44Ich sage ausdrücklich, dass bilaterale Beziehungen oder minilaterale Formate nicht per se schlecht sind.
- 5:50Das Weimarer Dreieck, das wir in Deutschland so gerne feiern, ist letztlich auch ein minilaterales Format.
- 5:54Die Frage ist vielmehr, ob diese bilateralen oder minilateralen Formate die großen Formate, wie die Europäische Union oder die NATO,
- 6:01unterminieren oder ob sie sie stärken.
- 6:03Und das ist, glaube ich, die große Gretchenfrage, die wir sehen.
- 6:06Wir haben gestern oder vorgestern auch die Ankündigung gehabt, dass ich das Weimarer Dreieck plus Großbritannien plus Italien treffen möchte.
- 6:13Also wenn sich diese ganzen kleinen Formate treffen und was sinnvolles bei rauskommt, bin ich total zufrieden.
- 6:18Ich glaube, wir müssen vielmehr uns bewusst sein, dass sich die generelle Geschäftsgrundlage ändert,
- 6:24mit denen wir mit den USA zusammenarbeiten.
- 6:26Wir müssen davon ausgehen, dass wir in der ersten Trump-Präsidentschaft die USA utilitaristischer auftreten werden, unilateraler, transaktionaler,
- 6:34also es geht mir um Deals als um Verbündete, viel flexibler mit Blick auf die Formate in der ersten Trump-Präsidentschaft.
- 6:40Gab es diese Kooperation USA-Polen, also dieser Versuch der Bilateralisierung.
- 6:44Und dass sie viel weniger die traditionellen Nutzen werden wie die NATO oder wie die VN.
- 6:49Und das ist gerade für Deutschland, das sehr gerne in Institutionen denkt, eine riesen Herausforderung.
- 6:54Das ist, sag mal, Salopp, ist alles, was außerhalb der bestehenden Formate passiert, ein bisschen verunsichert.
- 6:58Und es gibt die große Sorge, dass Trump beispielsweise mit Blick auf die NATO einen sehr ad hoc utilitaristischen Ansatz machen wird.
- 7:05Er wird sie nutzen, wenn es ihm passt.
- 7:07Und wenn es ihm halt nicht passt, dann halt nicht.
- 7:09Aber die Idee, die wir haben eines Wertebündnisses, Lebensversicherung, wo wir alle voneinander einstehen und alliierte sind, das ist halt nicht.
- 7:16Das wird eher das transaktionale, du machst was, du kriegst was zurück, Versicherungsansatz, du zahlst, du kriegst was zurück.
- 7:21Und darauf sind wir schlecht vorbereitet. Also diese Bilateralismen, die werden stattfinden, wir müssen versuchen sie konstruktiv zu machen
- 7:27und uns weder selber als Europäer auseinanderdividieren, noch uns auseinanderdividieren lassen.
- 7:32Und das ist, glaube ich, wenn man versucht, das mal auf eine etwas abstraktere Ebene zu heben,
- 7:37ist es meines Erachtens die Frage für die Europäer, wie wir mit einer USA als Systemdesintegrator umgehen.
- 7:44Seit dem Zweiten Weltkrieg, seit der Vereinigung, waren die USA das Land, die konstruktive Kraft im Westen,
- 7:50die den Laden zusammengehalten haben, auch in Europa.
- 7:53Wir haben gerade in Europa ermöglicht, dass es den Integrationsprozess gab.
- 7:58Und die USA könnten jetzt die Kraft sein, die das zerlegt. Also nicht mehr der Integrator, sondern der Disruptor.
- 8:04Und darauf sind wir, glaube ich, noch nicht so richtig eingestellt, das auch anzuerkennen, dass es schon stattfindet.
- 8:09Die deutsche Außenministerin, noch Außenministerin muss man sagen,
- 8:13"Baerbock hat diese Woche im Bundestag gesagt, die Antwort auf America First müsse Europe United sein."
- 8:19Jetzt habe ich Ihnen natürlich aufmerksam zugehört. Würden Sie sagen, das ist Traumtänzerei?
- 8:23Wie weit ist man von diesem Anspruch entfernt?
- 8:25Also in den Anspruch haben wir jetzt mehrere formuliert. Die Herausforderung ist ja immer die Umsetzung.
- 8:30Ich glaube, viele Europäer denken immer noch in den Kategorien nachher der typische Go-to-Partner.
- 8:35Das sind ja die Deutschen und die Franzosen. Und die machen das irgendwie.
- 8:38Beide Länder sind innenpolitisch massiv geschwächt.
- 8:40Und klar kann man sagen, wir haben eine Bundesregierung im Amt, die verwaltet das auch alles perfekt.
- 8:44Es gibt ja kein Machtwakuum.
- 8:46Aber Deutschland ist jetzt nicht die Innovationskrisenmanager und Führungsmacht in der aktuellen inpolitischen Situation.
- 8:54Frankreich auch nicht.
- 8:55Und auch wenn man sich die Inhalte und den Politikstilen ansieht und die Vorstellungen,
- 8:59ist der natürliche Partner für die Trump-Administration eher Italien oder Ungarn,
- 9:04mit denen viele andere ja über Kreuz liegen.
- 9:07Also deswegen, ja, wir wissen alle, dass Europe United die Antwort ist.
- 9:11Aber die Versuchung bilateral oder minuteral, seine Probleme zu lesen, ist groß.
- 9:17Und gerade für die Länder, die sicherheitspolitisch extrem große Sorgen haben.
- 9:22Also die sagen, wir brauchen eine Lebensversicherung.
- 9:24Ich denke mal nur an den Verteidigungsbereich, also die baltischen Länder oder Polen.
- 9:27Natürlich haben die einen Interesse, bilateral zu den Amerikanern die Hand auszustrecken,
- 9:33in der Hoffnung, dass selbst wenn die NATO vielleicht nicht mal so funktioniert,
- 9:37sie trotzdem bilateral eine Absicherung haben.
- 9:40Beispiel, in allen drei baltischen Ländern und in Polen gibt es bilaterale Stationierungen von US-Truppen.
- 9:46Das ist eine Lebensversicherung.
- 9:48Und natürlich möchte man versuchen, das zu bewahren.
- 9:50Aber, und dann wird es komplex oder wird es kompliziert,
- 9:54sollte es zu einem schmutzigen Deal kommen, wo die USA über den Kopf der Ukraine hinweg
- 10:01und gegen die Interessen der Ukraine versucht, ein Kriegsende aufzuoktroyieren.
- 10:06Ein Diktatfrieden mit Russland, wo die Ukraine nicht mitredet,
- 10:10ist das nicht im Interesse der baltischen Staaten und Polen.
- 10:12Und dann ist die Frage, wie sich das auf mögliche bilateralisierungs- oder minilateralisierungsbestrebungen auswirkt,
- 10:19aber auch, wie sich das auf den europäischen Zusammenhalt auswirkt.
- 10:23Wenn man vor ungemütlichen Fragen steht, wie "Helfe ich der Ukraine?"
- 10:27oder "Gucke ich, dass ich meine Lebensversicherung ins Trockne kriege?"
- 10:30Das Ganze wird verkompliziert durch die Feststellung oder durch das Anerkennen,
- 10:35dass die Europäer nicht in der Lage sind, kurz und mittelfristig eine Reduzierung,
- 10:40ich sage nicht rausgehen, eine Reduzierung der US-Beiträge in der europäischen Verteidigung auszugleichen.
- 10:46Wenn wir nach Deutschland schauen, in etwas mehr als drei Monaten findet die vorgezogene Bundestagswahl statt,
- 10:57das wird also ein sehr, sehr kurzer Wahlkampf werden.
- 10:59Nun spielen im Wahlkampf traditionell außen- und sicherheitspolitische Themen ja eher eine untergeordnete Rolle.
- 11:06Auch wenn der Ukraine-Inner kriegt natürlich auf Landesebene schon Thema wahr.
- 11:10Zuletzt, Frau Major, glauben Sie, dass das dieses Mal anders sein könnte,
- 11:14dass die Außenpolitik eine größere Rolle spielen könnte, also Kriegstüchtigkeit und Weihnachtszeit geht das zusammen?
- 11:20Ich glaube, dass wir nicht den Luxus haben, uns das auszusuchen.
- 11:23Denn im Endeffekt bestimmen ja nicht wir von wo die Bedrohung kommt,
- 11:27sondern wir können bestimmen, wie wir uns schützen.
- 11:29Schützen wollen und wir können auch bestimmen, wie viel uns der Schutz dessen,
- 11:33was wir an Freiheiten und an Wohlstand und an Sicherheit in Europa haben, wie viel uns das wert ist.
- 11:38Und im Endeffekt steht dahinter die Frage, sind wir bereit anzuerkennen,
- 11:43in dem globalen Gefüge und in Europa etwas fundamental verändert haben und dass der Schutz
- 11:47dessen im militärischen und im nicht militärischen Bereich mehr kosten wird.
- 11:51Also uns abschreckungsfähig, verteidigungsfähig aufzustellen, militärischen Bereich und uns
- 11:56im nicht militärischen Bereich resilienter zu machen, also größere Widerstandsfähigkeit
- 12:00gegen hybride Angriffe, gegen Angriffe auf kritische Infrastrukturen, gegen Unterseekabel,
- 12:05gegen all sowas, gegen Cyber-Angriffe.
- 12:07All das kostet etwas und sind wir bereit, die Kosten zu übernehmen.
- 12:10Es ist uns das Wert und da müssten wir meines Erachtens die Debatte auch klarer und ehrlicher
- 12:16führen und sagen, das sind Kosten.
- 12:17Und auch klarer sagen, warum es das Wert ist.
- 12:19Ich glaube, das wird keine große Rolle spielen, aber wir müssten diese Debatte viel mehr führen,
- 12:24warum es das Wert ist für die Freiheiten, die wir hier haben, auch etwas zu investieren.
- 12:29Weil wir auf verschiedenen Ebenen sehen, ob es Russland ist, ob es China ist, ob es andere
- 12:33Herausforderer sind, dass es einen aufrüstenden militärischen Bereich gibt, wenn ich auf Russland
- 12:38sehe, Russland produziert mehr, als es momentan in der Ukraine braucht.
- 12:41Und wenn man sich die politischen Positionen ansieht, die man aus Russland sehen, wenn
- 12:44man sich die Reden von Putin ansieht, aber selbst wenn man sich die Vertragsanwürfe,
- 12:48die Russland Ende 21 und Anfang 22 auf den Tisch gelegt hat, ansieht, da geht es darum,
- 12:52die Sicherheit zu dem, wie wir sie kennen, die NATO beispielsweise abzubauen.
- 12:56Also wir müssen dieses, worum geht es eigentlich?
- 12:58Was ist denn das Problem, was bedroht uns?
- 13:00Das sollten wir klarer ausformulieren und auch klarer sagen, was die militärische und die
- 13:03nicht militärische Antwort kostet.
- 13:05Jetzt zeichnet sich ja ab oder zumindest nach aktuellen Umfragen es davon auszugehen, dass
- 13:10eine nächste Bundesregierung von der Union wieder angeführt würde.
- 13:14Was erwarten Sie denn?
- 13:15Sie haben das Stichwort Kosten genannt, das wurde ganz viel über Haushalt und Lockerung
- 13:19der Schuldenbremse debattiert auch mit Blick auf die Sicherheitsausgaben.
- 13:22Was erwarten Sie?
- 13:23Also welche Prioritäten ein Kanzler Merz in der Außen- und Sicherheitspolitik setzen
- 13:28würde, wie der Kurs vielleicht sich auch ändert?
- 13:30Ich würde gerne noch eine Fußnote zu dem vorhergesagten, wenn ich es darf.
- 13:33Herr Bialecki, Sie hatten den Begriff "kriegstüchtig" in Raum geschmissen.
- 13:35Das ist ja ein sehr disruptiver Begriff, aber ich finde ihn ehrlich gesagt sehr gut.
- 13:39Was mir aber wicht, also weil er die Debatte anregt.
- 13:41Dahinter steckt die Idee, kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen.
- 13:45Je kriegstüchtiger ich bin, desto unwahrscheinlicher ist, dass mich jemand angreift, weil er verstanden
- 13:50hat, dass die Kosten dafür höher wären als der Gewinn.
- 13:52Wenn man aber kriegstüchtig wirklich umsetzt, dann heißt es nicht nur, Streitkräfte zu
- 13:57haben, die verteidigungsfähig sind, dann heißt es auch, eine Industrie zu haben, die schnell
- 14:01und auf Masse produzieren kann.
- 14:03Das heißt vor allen Dingen, eine Gesellschaft zu haben, die den Wert und die Notwendigkeit
- 14:07von Verteidigung versteht.
- 14:08Also Streitkräfte, Industrie und Gesellschaft.
- 14:10Und das ist mir wichtig.
- 14:11Und deswegen habe ich vorhin darauf so insistiert, dass man die Bedrohungslage und unsere Handlungsmöglichkeiten
- 14:16beide besser erklären muss.
- 14:17Wenn man nur sagt, wie schlimm alles ist, dann kann man auch im Kopf in den Sand stecken und
- 14:20sagen, oh Gott, hoffentlich ist es bald vorbei.
- 14:21Sondern es geht darum, die Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
- 14:24Aber jetzt zu Ihrer Frage, was würde die CDU machen?
- 14:26Ich glaube, dafür hängt für mich ab, wie die Bedrohungsanalyse der CDU ist.
- 14:30Was sehen die als Problem an?
- 14:31Welches Ziel verfolgen Sie wirklich auf die Ukraine?
- 14:34Und wie wichtig ist das Thema für Sie?
- 14:35Sind Sie bereit dafür, politisches Kapital zu investieren?
- 14:38Oder halten Sie es lieber irgendwo in the backyard?
- 14:41Und wenn ich mir die Bedrohungsanalyse ansehe, die ich bislang von der CDU gehört habe,
- 14:46sehen Sie Russlands als strukturelle Bedrohung.
- 14:48Sie sehen, dass an Russischer Sieg eine Riesenherausforderung wäre.
- 14:51Deshalb hört man auch da eher, die Ukraine muss gewinnen, was man ja aus anderen Parteien
- 14:54nicht so klar hört.
- 14:55Sie sagen auch, dass es besser ist, Russland in der Ukraine zu stoppen als bei uns.
- 15:00Also es gibt eine klare, für mich sehr klare und deutlich klare, als in anderen Bereichen
- 15:04Analyse mit Blick auf Russland.
- 15:06Es gibt ein klares Verständnis, dass Verhandlungen momentan nichts bringen werden, solange Russland
- 15:10seine Position nicht verändert.
- 15:11Das heißt, sie sagen auch, die Ukraine muss alles bekommen, um sie in eine starke Position
- 15:16zu bringen.
- 15:17Das heißt, mit Blick auf Waffenlehrung positionieren sie sich klarer mit einer Politik der Stärke
- 15:20gegenüber Russland.
- 15:21Wenn man sich die Verteidigungspolitik ansieht, gibt es ein klares Bekenntnis zu 2% und den
- 15:26Hinweis, dass 3% das Ziel sein sollte.
- 15:30Also ein deutlicher Aufwachs.
- 15:31Die 3% sind ehrlich gesagt auch nicht so illusorisch.
- 15:34Wenn man sich die NATO-Planungen ansieht, die NATO hat Verteidigungpläne gemacht, wo
- 15:38vereinfacht Formulier drinsteht, wie man das euro-atlantische Gebiet verteidigen kann,
- 15:43wer wann wo, mit welcher Ausrüstung sein muss.
- 15:45Und aus diesem Plan kann man Hausaufgaben ableiten für jeden Staat, wer was machen muss.
- 15:51Wenn wir diese Hausaufgaben erfüllen, wie in Deutschland, reden wir eh schon über 3%.
- 15:56Und dann gehen wir davon aus, dass die US-Beiträge stabil bleiben.
- 15:59Wenn ich an den Anfang unseres Gespräches denke, geht glaube ich keiner davon aus, dass
- 16:02die US-Beiträge stabil bleiben.
- 16:04Also deshalb ist es sehr begrüßenswert, dass das 3% bei denen schon in den Papieren
- 16:08ist.
- 16:09Die Frage, die ich natürlich anstelle, ist, wie kommt ihr dahin?
- 16:12Und dann sind sie auch noch nicht so ganz klar und sagen eher, das müsste dann eine Mischlösung
- 16:16sein zwischen Verteidigungshaushalt erhöhen, wahrscheinlich neue Sondervermögen, wahrscheinlich
- 16:20irgendwie Umschichten.
- 16:21Und der Kanzlerkandidat Merz hat gestern vorgestern, ich weiß nicht genau wann es war, gesagt,
- 16:26man müsste dann auch mal über die Schuldenbremse nachdenken.
- 16:29Wie dann dieses Mischformat aussieht, weiß ich nicht.
- 16:32Aber zumindest gibt es ein klares Bekenntnis für höhere Verteidigungsausgaben.
- 16:36Für mich eine klare Bedrohungsanalyse mit Blick auf Russland, eine klare Reposition zur Unterstützung
- 16:41der Ukraine auch mit Waffenlieferungen, mit Blick auf Verhandlungen.
- 16:44Und dann ist die Frage, ob sie das dann auch umsetzen, wenn sie rankommen.
- 16:48Das ist ja mal meine Frage zwischen Plan und Umsetzung danach.
- 16:51Und vom Koalitionspartner natürlich ab, ne?
- 16:52Aber im Prinzip ist die Ausgangssituation für mich klarer.
- 16:56Nun sind wir fast schon am Ende unserer Episode angekommen und da wollen wir ein bisschen
- 17:03auf vorne schauen, noch vor Major.
- 17:05Vielleicht optimistisch, vielleicht pessimistisch.
- 17:07Das bleibt jetzt eben überlassen.
- 17:08Deswegen die Frage, wie sehen denn ein Europa im Jahr 2020, also nach einer weiteren Trump-Armszeit
- 17:15aus, dass trotz aller Warnungen vor Trump nicht ins Handling gekommen ist, also so ein
- 17:21Worst Case-Szenario oder positiv gedreht.
- 17:25Wie könnte denn ein Europa-Aussinders-Gestärkt aus dieser zweiten Trump-Ära hervorgeht,
- 17:30also ein Best Case-Szenario?
- 17:32Der wichtigste Punkt für mich ist, dass wir nicht wie das Kaninchen vor der Schlange stehen
- 17:36sollten, sondern dass wir ja Akteur sind.
- 17:39Also der Anspruch an die Europäer sollte ja sein, nicht der Spielbeall zwischen den
- 17:43Großen zu sein, sondern selbst Akteursfähigkeit zu haben und selber die Instrumente zu nutzen,
- 17:49die wir haben.
- 17:50Die Ärzte des Vorausschusses nennen das strategische Souveränität.
- 17:52Man kann es auch anders, man kann es auch an Handlungsfähigkeiten nennen.
- 17:55Worst Case-Szenario.
- 17:57Es gibt ein Ende des Krieges nach russischen Bedingungen, die der ukrainische Staat zerlegt
- 18:04sich darüber, da der Krieg als beendet, deklariert wird, fallen auch die Beschränkungen beispielsweise
- 18:11einen Blick auf Grenzüberschritt weg, ein Großteil der ukrainischen Bevölkerung.
- 18:15Es gibt verschiedene Schätzungen zwischen 10 und 20 Millionen verlässt das Land, gern
- 18:20Westeuropa, weil die Lebensgrundlagen zerstört sind, weil auch die politische Instabilität
- 18:24sehr groß ist, weil nicht klar ist, ob die Regierung oder weil die Regierung das nicht
- 18:27überstanden hat, sie wollten ja Szenarien von mir haben.
- 18:29Und Russland fällt das Land de facto in den Schoß, wir müssen gar nicht mehr viel militärische
- 18:33Kräfte einsetzen, sondern das fällt ihn so in den Schoß.
- 18:35Das führt zu einem Zerstreiten in Europa über die Kosten der Kriegsfolgen, über die Schuldfrage.
- 18:41Wer ist eigentlich daran Schuld, dass die Ukraine nicht überlebt hat und da werden sehr viele
- 18:46nach Berlin gucken?
- 18:47Die europäische Solidarität, wenn sie mal da war, geht noch weiter den Bach runter.
- 18:52Also die Zerreißerscheinungen, Zerfaltserscheinungen in der Europäischen Union werden noch weiter
- 18:56zunehmen, die NATO es weitgehend ausgehöhlt, weil die Amerikaner so ein Allerkartansatz
- 19:01gemacht haben.
- 19:02Und Russland steht siegreich de facto an der Grenze der NATO.
- 19:06China fühlt sich ermutigt, guckt sich das an und setzt die Grauzonenblockaden mit Blick
- 19:13auf Taiwan fort.
- 19:15Und Putin steht nicht nur an der Grenze zum NATO-Territorium, sondern zündelt weiter
- 19:19an anderen Bereichen, an anderen Regionen wie im Blick auf Moldau und im Graubereich
- 19:24in der Ostsee und im Baltikum.
- 19:26Positiv-Szenario.
- 19:27Das Positiv-Szenario ist, dass die Europäer in einer Krisensitzung zusammenkommen und
- 19:32das Meloni, die ja eine sehr klare Position zu Ukraine bislang hatte, diese weiter verfolgt,
- 19:38dass die Europäer verstehen, dass es um das Fortbestehen ihres Lebensmodells geht, sie
- 19:44ihre Verteidigungsausgaben fundamental hochfahren, auf die Amerikaner ein paar Zugeständnisse
- 19:49mit Blick auf China machen, ein bisschen schmeicheln und ihnen sehr entgegen kommen und damit
- 19:53eine Brücke bauen, aber in ihrer eigene Handlungsfähigkeit investieren.
- 19:56In der Lage sind nicht nur die Lücken zu stopfen, die USA entlassen mit Blick auf europäische
- 20:01Verteidigung drei große Lücken.
- 20:02Das eine ist die politische Führung, Ladenzusammenhalten, Kompromisse, wie in Initiativen einbringen.
- 20:06Es sind die konventionellen Fähigkeiten, das ist Masse, vor allen Dingen USA als Systemintegrator,
- 20:11der dafür sorgt, dass viele kleine europäische Streitkräfte eine NATO-Stallkraft werden.
- 20:15Das sind Kommandosysteme, elektronische Kriegsführung, Raketenabwehr und so was.
- 20:18Die Europäer sind bereit darin zu investieren, auch eine eigene Industrie hochzubauen und
- 20:22sie schaffen es nicht nur die Lücken zu füllen, sondern die NATO europäisch zu denken, also
- 20:26ein European Way of War und ein European Way of Deterrence zu entwickeln.
- 20:29Und sie schaffen es, die Ukraine zu unterstützen und zusammen mit den USA in eine komfortable
- 20:35Verhandlungssituation zu bringen, sodass sie keine Kapitulationsfrieden, Kapitulations
- 20:39ist ja kein Frieden, was man stillstand unterschreiben muss.
- 20:42Ich glaube wie immer liegt es irgendwo dazwischen.
- 20:45Aber es liegt an uns Europäern und vor allem voran den Deutschen, weil wir das wirtschaftlich
- 20:49stärkste Land sind, den Zeiger mehr in das Best Case-Szenario zu drehen.
- 20:54Aber man muss auch nochmal ganz ehrlich sagen, der Aufbau von Verteidigungsfähigkeiten,
- 20:58da reden wir nicht von Monaten, da reden wir von Jahren.
- 21:00Und es setzt voraus, dass man bereit ist, politisches Kapital zu investieren, diese
- 21:05Anstrengungen wirklich zu machen.
- 21:07Vielen Dank an Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik.
- 21:11Wir haben über die deutsche und europäische Außenpolitik in Zeiten von einem US-Präsidenten
- 21:16Trump 2.0 gesprochen.
- 21:18Danke, dass Sie da waren.
- 21:19Ich danke Ihnen.
- 21:24Ja und zum Ende jeder Folge wollen wir ein bisschen Revue passieren und rekapitulieren.
- 21:29Da schau ich mal auf meine Notizen.
- 21:31Ich habe mir ganz viel eingekringelt aufgeschrieben.
- 21:34Ganz vorne dabei ist einfach mit Blick auf die Trump-Zeit.
- 21:37Trump ist unberechenbar.
- 21:38Also niemand wird wirklich vorhersagen können.
- 21:41Wahrscheinlich nicht mehr selbst, wie das jetzt in den nächsten vier Jahren so weitergeht.
- 21:46Ich habe mir auch das Stichwort Minilateralisierung aufgeschrieben.
- 21:49Das finde ich nämlich sehr treffend.
- 21:51Und dann doch vielleicht ein Ausblick, was man so erwarten kann in den nächsten Jahren.
- 21:55Und ganz wichtig finde ich nochmal den Punkt Europa ist aktör und kann ins Handeln kommen,
- 22:00aber muss es eben auch tun.
- 22:01Martin, wie geht es dir?
- 22:02Das geht mir was den letzten Punkt an und bei der Kategorie noch ganz genauso.
- 22:05Wir können was tun.
- 22:06Wir sind nicht ausgeliefert, aber sind wir denn bereit anzuerkennen, dass das Geld kostet.
- 22:11Das ist mehr kostet als bisher.
- 22:13Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, den ich aus dem Gespräch mitnehme.
- 22:16Das zweite ist dieses sehr kräftige Bild von den USA-System des Integrator.
- 22:21Das finde ich sehr besprechend.
- 22:23Und das dritte, jetzt mal abgesehen von dem Worst Case-Szenario, was Frau Major an die Wand gemalt hat,
- 22:28was sehr, sehr, sehr stark war.
- 22:30Leider wäre mein dritter Punkt in Sachen Kriegstüchtigkeit.
- 22:34Wie stark sie darauf hingewiesen hat, dass man in der Lage sein muss, kämpfen zu können,
- 22:38um es eben nicht tun zu müssen.
- 22:40Das fand ich auch noch sehr beeindruckstvoll.
- 22:42Und das war Folge 7 von Pod und die Welt.
- 22:45In der nächsten Episode da widmen wir uns einem Thema, dass in einer Zeit von so vielen
- 22:52Krisen und Kriegen fast ein bisschen unterzugehen scheint, obwohl es eine weltumspannende und
- 22:57ganz existenzielle Krise ist, nämlich die Klimakrise.
- 23:00Gerade läuft ja noch die UN-Klimakonferenz COP29 in Baku.
- 23:04In der nächsten Podcast-Folge werden wir zu dieser Konferenz und zu den weltweiten Klimaschutzbemühungen
- 23:09Bilanz ziehen, mit Kira Vinke, Leiterin des Zentrums Klima- und Außenpolitik bei der Deutschen
- 23:14Gesellschaft für auswärtige Politik.
- 23:16Wir freuen uns, wenn Sie auch dann wieder einschalten.
- 23:18Ich bin Katharina Peetz.
- 23:20Ich bin Martin Bialecki.
- 23:21Herzlichen Dank für Ihr Interesse.