Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Ecce Homo - 3: Warum ich so gute Bücher schreibe. 2
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- 0:00Exe, Homo wie man wird, was man ist.
- 0:03Kapitel 3 warum ich so gute Bücher schreibe Abschnitt 2
- 0:12Nietzsche beginnt diesen Abschnitt mit einem direkten
- 0:15Bezug auf seine vorherigen harten Worte über die Deutschen.
- 0:19Er erklärt, dass seine scharfe Kritik nur für die Deutschen
- 0:22gedacht war, überall sonst auf der Welt, so behauptet er stolz,
- 0:26habe er nämlich Leser. Und dies seien nicht
- 0:29irgendwelche Leser, sondern lauter ausgewählte,
- 0:32hochintelligente Menschen. Es seien bewährte
- 0:35Persönlichkeiten, die in hohen beruflichen Positionen stehen
- 0:39und wichtige Pflichten erfüllen. Er geht sogar so weit zu sagen,
- 0:43dass er wahre Genies unter seinen Lesern habe.
- 0:46Er zählt verschiedene bedeutende Städte auf, in denen man ihn und
- 0:49seine Philosophie bereits entdeckt habe, Wien, Sankt
- 0:53Petersburg, Stockholm, Kopenhagen, Paris und New York.
- 0:58Im starken Kontrast dazu nennt er Deutschland das Flachland
- 1:01Europas. Mit dem Begriff Flachland meint
- 1:04er hier nicht die Landschaft, sondern die geistige Ebene.
- 1:07Er drückt damit aus, dass Deutschland in seinen Augen
- 1:10geistig flach, langweilig, oberflächlich und ohne jede
- 1:14intellektuelle Höhe sei. Dann macht Nietzsche ein sehr
- 1:17persönliches und überraschendes Geständnis, er freut sich
- 1:20nämlich noch viel mehr über seine nicht Leser, das sind
- 1:24Menschen, die seinen Namen noch nie gehört haben.
- 1:27Und die auch das Wort Philosophie überhaupt nicht
- 1:29kennen. Er erzählt, dass die Gesichter
- 1:32der einfachen Menschen aufleuchten und fröhlich werden,
- 1:34wenn sie ihn sehen, er nennt hier als Beispiel die
- 1:38italienische Stadt Turin, in der er sich sehr wohl fühlte, am
- 1:42meisten fühlt er sich von einer ganz bestimmten, alltäglichen
- 1:45Begebenheit geschmeichelt, alte Hökerinnen, also einfache
- 1:49Marktfrauen, die an Ständen Obst und Gemüse verkaufen, können
- 1:52nicht eher ruhen. Bis sie ihm die allersüßesten
- 1:55Trauben aus ihrem Angebot herausgesucht haben.
- 1:58Nietzsche scherzt, dass man genauso weit ein Philosoph sein
- 2:01müsse, er meint damit, dass eine wahre, lebensbejahende
- 2:05Ausstrahlung selbst von einfachen Menschen auf dem Markt
- 2:08erkannt und geschätzt wird, ganz ohne dass diese Menschen dicke
- 2:12philosophische Bücher gelesen haben müssen.
- 2:15Weiter schreibt er, dass man die Polen nicht umsonst die
- 2:18Franzosen unter den Slawen nennt, er schätzt an ihnen
- 2:21offenbar eine ähnliche Leichtigkeit und Eleganz.
- 2:24Wie man sie den Franzosen nachsagt, auch eine charmante
- 2:27russische Frau, so meint er, würde sich keinen einzigen
- 2:30Augenblick darin irren, wohin er geistig und menschlich gehöre.
- 2:34Er gesteht, dass es ihm einfach nicht gelingt, feierlich und
- 2:38todernst zu werden mit dieser Feierlichkeit kritisiert er die
- 2:42typisch deutsche, schwere und humorlose Ernsthaftigkeit, das
- 2:46höchste, was er in dieser Hinsicht erreichen kann, sei
- 2:48eine gewisse Verlegenheit. Er betont noch einmal ganz
- 2:52deutlich seine Distanz zur deutschen Kultur, deutsch zu
- 2:56denken und Deutsch zu fühlen sei etwas, das seine Kräfte
- 3:00übersteigt, er könne vieles, aber das sei ihm unmöglich, um
- 3:05seinen eigenen, völlig undeutschen Schreibstil zu
- 3:07loben, zitiert er seinen alten Lehrer, den bekannten
- 3:10Sprachwissenschaftler Friedrich Ritschel.
- 3:13Dieser habe behauptet, dass Nietzsche selbst seine trockenen
- 3:16wissenschaftlichen Abhandlungen wie ein Pariser Romanautor
- 3:19schreibe. Sie seien absurd spannend
- 3:21verfasst. Auch in Paris selbst, der
- 3:24damaligen Hauptstadt des guten Geschmacks, sei man erstaunt
- 3:27über Nietzsches Kühnheiten und seine Feinheiten.
- 3:30Er verwendet hier ein französisches Zitat des
- 3:32berühmten Kritikers Monsieur Ten, der von den Audas et
- 3:36Finesse sprach. Nietzsche fürchtet ironisch,
- 3:39dass man selbst in seinen leidenschaftlichsten Texten
- 3:42immer eine Prise von einem ganz bestimmten Salz findet, diese
- 3:46Texte nennt er Dithyrambus. Ein Dithyrambus ist ursprünglich
- 3:50ein antiker, wilder und begeisterter Lobgesang auf den
- 3:53griechischen Gott Dionysos. Nietzsche verwendet dieses Wort,
- 3:57um seine eigene höchste Überschäumende und musikalische
- 4:00Form der Sprache zu beschreiben, das Salz, das seinen Texten
- 4:04beigemischt ist, nennt er Esprit, Esprit ist ein
- 4:08französischer Begriff für einen wachen, eleganten, witzigen und
- 4:11scharfen Geist. Dieser Esprit, so betont
- 4:14Nietzsche, werde niemals dumm und somit auch niemals Deutsch.
- 4:19Er beendet diesen Gedanken mit einem spöttischen Zitat des
- 4:22berühmten deutschen Reformators Martin Luther.
- 4:25Ich kann nicht anders, Gott helfe mir Amen Nietzsche nutzt
- 4:30diese berühmten, ursprünglich sehr ernsten religiösen Worte
- 4:34hier rein ironisch, um seine eigene, geistreiche, freche und
- 4:38undeutsche Natur zu verteidigen. Dann wendet er sich einem Bild
- 4:42aus der Tierwelt zu, er sagt, wir alle wissen, was ein Langohr
- 4:46ist Ein Langohr ist eine umschreibende Bezeichnung für
- 4:50einen Esel. Der Esel steht in der
- 4:52Kulturgeschichte oft als Symbol für Dummheit, Sturheit und für
- 4:55einen Menschen, der blind der Masse folgt.
- 4:58Nietzsche behauptet nun, Kühn von sich selbst, dass er die
- 5:01allerkleinsten Ohren habe, das bedeutet im Umkehrschluss, dass
- 5:05er das genaue Gegenteil eines dummen Herdentieres ist.
- 5:08Er ist extrem feinfühlig, scharfsinnig und ein feiner
- 5:11Zuhörer, er fügt mit einem Augenzwinkern hinzu.
- 5:14Dass diese Tatsache mit den kleinen Ohren die Frauenwelt gar
- 5:18nicht so wenig interessiere, es scheine ihm, als fühlten sich
- 5:21die Frauen von ihm viel besser verstanden.
- 5:24Weil er also das absolute Gegenteil eines dummen Esels
- 5:26ist, nennt er sich selbst den Anti Esel schlechthin, durch
- 5:31diese absolute Gegnerschaft zur Dummheit und zur blinden
- 5:34Herdenmoral sei er ein welthistorisches Untier
- 5:37geworden, und dann löst er das Wortspiel auf, auf Griechisch
- 5:41und nicht nur auf Griechisch. Nennt man diesen Antisel diesen
- 5:45ultimativen Gegner der schwachen Herdenhaften und in seinen Augen
- 5:49feigen christlichen Moral, den Antichrist.
- 5:52Nietzsche bezeichnet sich also selbst als Antichrist, um
- 5:55auszudrücken, dass er der vollkommene Gegenspieler der
- 5:57herrschenden moralischen und religiösen Ordnung ist, die die
- 6:00Menschen seiner Meinung nach zu gehorsamen Eseln gemacht hat.