Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Erstes Hauptstück - 1-4
Transcript
- 0:00Einleitung zur Zusammenfassung Friedrich Nietzsche beginnt sein
- 0:05Werk Menschliches allzu menschliches, mit einem
- 0:08radikalen Bruch im ersten Hauptstück genannt, von den
- 0:12ersten und letzten Dingen nimmt er die Grundpfeiler des
- 0:14menschlichen Denkens auseinander, Moral, Religion,
- 0:18Kunst und die Philosophie selbst.
- 0:21Sein Ziel ist es, zu zeigen, dass die Dinge, die wir für
- 0:24erhaben, göttlich oder absolut halten, einen ganz und gar
- 0:27menschlichen. Ja, sogar einen sehr einfachen
- 0:30und manchmal unschönen Ursprung haben.
- 0:33Er benutzt dafür eine Methode, die er mit der Chemie
- 0:35vergleicht, er will die edelsten Gefühle und höchsten Ideen in
- 0:39ihre kleinsten Bestandteile zerlegen, um zu sehen, woraus
- 0:42sie wirklich gemacht sind. Die folgenden Unterkapitel sind
- 0:46die ersten Schritte auf dieser analytischen Reise, erstes
- 0:50Hauptstück von den ersten und letzten Dingen Unterkapitel 1.
- 0:57Chemie der Begriffe und Empfindungen in diesem ersten
- 1:02Abschnitt stellt Nietzsche eine grundlegende Frage.
- 1:05Wie kann etwas aus seinem Gegenteil entstehen, zum
- 1:08Beispiel, wie kann die Vernunft aus etwas Unvernünftigem
- 1:12entstehen, wie kann ein Gefühl wie Mitleid aus reinem Egoismus
- 1:15hervorgehen oder wie kann die Wahrheit aus dem Irrtum wachsen.
- 1:20Bisher, so sagt er, hat die sogenannte metaphysische
- 1:23Philosophie diese schwierige Frage einfach umgangen.
- 1:27Sie hat behauptet, dass die wertvollen Dinge wie die
- 1:29Vernunft, die Moral und die Wahrheit gar nicht aus ihren
- 1:33Gegenteilen entstanden sind. Stattdessen hätten sie einen
- 1:36Wunderursprung, das bedeutet, sie kämen direkt aus einer
- 1:40höheren übernatürlichen Quelle aus dem Kern der Dinge, den
- 1:44Nietzsche hier das Ding an sich nennt.
- 1:46Dieser Begriff, bekannt aus der Philosophie Kants, beschreibt
- 1:50die Welt, wie sie wirklich ist, unabhängig von unserer
- 1:53Wahrnehmung. Für die metaphysische
- 1:55Philosophie sind gute und wahre Dinge also nicht entwickelt,
- 1:58sondern von Anfang an da nur verborgen.
- 2:01Nietzsche lehnt diese Erklärung entschieden ab, er schlägt eine
- 2:05neue Methode vor, die er historische Philosophie nennt.
- 2:09Diese Methode ist eng mit den Naturwissenschaften verbunden
- 2:12und geht davon aus, dass es in Wahrheit gar keine Gegensätze
- 2:15gibt, was wir als Gegensätze wahrnehmen, ist nur eine
- 2:18Übertreibung unserer populären oder metaphysischen Sichtweise.
- 2:22Er erklärt, dass es in Wirklichkeit weder ein rein
- 2:25uneigennütziges handeln noch eine völlig interesselose
- 2:28Betrachtung gibt. Stattdessen handelt es sich um
- 2:30Sublimierungen, das bedeutet, dass ein ursprünglicher,
- 2:34einfacher Trieb, zum Beispiel der Egoismus, verfeinert,
- 2:37veredelt und in eine höhere Form gebracht wird, bis das
- 2:40ursprüngliche Element kaum noch zu erkennen ist.
- 2:43Um das zu veranschaulichen, verwendet er die Metapher der
- 2:45Chemie, so wie in der Chemie die prächtigsten Farben aus
- 2:49einfachen. Manchmal sogar als niedrig oder
- 2:51verachtet angesehenen Stoffen gewonnen werden können.
- 2:54So entstehen auch unsere höchsten moralischen, religiösen
- 2:57und ästhetischen Vorstellungen aus ganz grundlegenden
- 3:00menschlichen Regungen. Nietzsche schließt mit der
- 3:03Frage, ob viele Menschen überhaupt Lust haben werden,
- 3:06solchen Untersuchungen zu folgen.
- 3:08Er meint, dass die Menschheit es liebt, die Fragen nach ihrem
- 3:11Ursprung zu verdrängen. Man müsse fast schon entmenscht
- 3:14sein, um den gegenteiligen Drang zu verspüren und diesen Dingen
- 3:18auf den Grund gehen zu wollen. Unter Kapitel 2 Erbfehler der
- 3:24Philosophen hier benennt Nietzsche den, wie er es nennt,
- 3:29gemeinsamen Fehler oder Erbfehler aller Philosophen, der
- 3:34Mangel an historischem Sinn, er kritisiert, dass Philosophen
- 3:38traditionell vom gegenwärtigen Menschen ausgehen.
- 3:41Sie analysieren den Menschen, wie er heute ist und glauben
- 3:45damit das Wesen des Menschen an sich zu verstehen.
- 3:48Sie behandeln den Menschen unwillkürlich wie eine Eterna
- 3:51Veritas, eine ewige Wahrheit als etwas, das in allem Wandel der
- 3:56Zeit immer gleich bleibt, doch alles, was ein Philosoph über
- 4:00den Menschen sagt, ist laut Nietzsche im Grunde nur ein
- 4:03Zeugnis über den Menschen eines sehr beschränkten Zeitraumes.
- 4:06Der Fehler liegt darin, zu glauben, dass die heutige Form
- 4:09des Menschen die endgültige oder ursprüngliche Form sei.
- 4:13Philosophen wollen es nicht lernen, dass der Mensch geworden
- 4:16ist. Das heißt, dass er sich
- 4:18entwickelt hat, nicht nur der Mensch als biologisches Wesen,
- 4:22sondern auch seine Fähigkeiten, wie zum Beispiel das
- 4:24Erkenntnisvermögen haben eine lange Entwicklungsgeschichte
- 4:27hinter sich. Nietzsche kritisiert sogar jene
- 4:30Philosophen, die die ganze Welt aus diesem heutigen
- 4:33Erkenntnisvermögen heraus ableiten wollen.
- 4:35Ohne zu Bedenken, dass dieses selbst ein Produkt der
- 4:38Entwicklung ist. Er betont, dass alles
- 4:41Wesentliche der menschlichen Entwicklung in Urzeiten
- 4:43stattgefunden hat, lange vor den uns bekannten letzten 4000
- 4:46Jahren. In diesen kurzen 4000 Jahren hat
- 4:50sich der Mensch kaum verändert, doch der Philosoph schaut auf
- 4:53diesen modernen Menschen, sieht dessen Instinkte und nimmt an,
- 4:57dass diese schon immer so waren und für immer so bleiben werden,
- 5:02darauf bauen sie ihre ganze Teleologie auf.
- 5:05Also die Lehre, dass alles in der Welt auf ein bestimmtes Ziel
- 5:08hin ausgerichtet ist, nämlich auf diesen modernen Menschen.
- 5:12Nietzsches Schlussfolgerung ist klar, alles ist geworden, es
- 5:17gibt keine ewigen Tatsachen und keine absoluten Wahrheiten,
- 5:21deshalb ist von nun an ein historisches Philosophieren
- 5:24notwendig und damit verbunden die Tugend der Bescheidung, also
- 5:28die Bescheidenheit anzuerkennen, dass unser Wissen und unser
- 5:32Wesen nur vorläufig und ein Produkt der Geschichte sind.
- 5:36Unter Kapitel 3 Schätzung der unscheinbaren Wahrheiten in
- 5:42diesem Teil argumentiert Nietzsche für eine Umwertung
- 5:44dessen, was wir als wertvoll erachten.
- 5:47Er sagt, es sei ein Merkmal einer höheren Kultur, die
- 5:50kleinen, unscheinbaren Wahrheiten höher zu schätzen als
- 5:53die großen, glücklichen und blendenden Irrtümer mit den
- 5:57unscheinbaren Wahrheiten, meint er Erkenntnisse, die mit
- 6:00strenger wissenschaftlicher Methode gefunden wurden.
- 6:03Sie sind oft bescheiden, schlicht und wirken auf den
- 6:06ersten Blick vielleicht sogar entmutigend.
- 6:09Mit den beglückenden Irrtümern meint er die großen Ideen und
- 6:12Erzählungen aus metaphysischen und künstlerischen Zeitaltern,
- 6:16also die Konzepte von Gott, Seele, Moral und die großen
- 6:20Mythen. Diese sind prunkvoll,
- 6:23berauschend und geben den Menschen ein Gefühl von Glück
- 6:26und Sinn. Anfangs, so Nietzsche, werden
- 6:29die kleinen Wahrheiten der Wissenschaft verspottet.
- 6:32Man meint, sie könnten den großen schönen Ideen nicht das
- 6:35Wasser reichen. Doch Nietzsche besteht darauf,
- 6:38dass das mühsam errungene, das gewisse, das dauerhafte, das
- 6:42höhere ist. Sich daran zu halten, zeugt von
- 6:45Männlichkeit, Tapferkeit, Schlichtheit und Enthaltsamkeit.
- 6:50Er prophezeit, dass die gesamte Menschheit allmählich zu dieser
- 6:53Männlichkeit erzogen wird, wenn sie sich erst einmal daran
- 6:56gewöhnt hat, die haltbaren Erkenntnisse höher zu schätzen.
- 7:00Und den Glauben an Inspiration und Wundergleiche Mitteilungen
- 7:03der Wahrheit verloren hat. Die Verehrer der schönen Formen
- 7:06werden anfangs spotten, wenn der wissenschaftliche Geist zur
- 7:10Herrschaft kommt, aber das liegt nur daran, dass ihr Auge den
- 7:14Reiz der schlichtesten Form noch nicht erkannt hat, früher, als
- 7:18der Geist nicht durch strenges Denken beansprucht wurde, lag
- 7:21sein Ernst im Ersinnen von Symbolen und Formen, das hat
- 7:26sich verändert. Heute werden die Formen des
- 7:28Lebens immer geistiger für das Auge älterer Zeiten, vielleicht
- 7:32sogar hässlicher. Aber das liegt nur daran, dass
- 7:35diese älteren Zeiten nicht sehen können, wie das Reich der
- 7:38inneren geistigen Schönheit sich fortwährend vertieft und
- 7:42erweitert. Für uns Sonitsche darf der
- 7:46geistreiche Blick jetzt mehr gelten als der schönste
- 7:48Körperbau oder das Erhabenste Bauwerk Unterkapitel 4,
- 7:54Astrologie und verwandtes. Nietzsche zieht hier eine
- 7:58Parallele zwischen der Astrologie und der Art und
- 8:01Weise, wie wir über Religion, Moral und Ästhetik denken.
- 8:05Er stellt fest, dass die Objekte, die in uns religiöse,
- 8:08moralische oder ästhetische Empfindungen auslösen,
- 8:11wahrscheinlich nur die Oberfläche der Dinge berühren.
- 8:14Der Mensch glaubt jedoch gerne, dass er hier an das Herz der
- 8:17Welt rührt, er täuscht sich, weil diese Dinge ihn so tief,
- 8:21glücklich oder unglücklich machen.
- 8:23In diesem Glauben zeigt der Mensch denselben Stolz wie in
- 8:26der Astrologie. Die Astrologie geht davon aus,
- 8:29dass sich der gesamte Sternenhimmel um das Schicksal
- 8:32des einzelnen Menschen dreht. Der Mensch steht also im Zentrum
- 8:35des Kosmos, ganz ähnlich sunitsche verhält es sich mit
- 8:39dem moralischen Menschen, der moralische Mensch setzt voraus,
- 8:42dass das, was ihm wesentlich am Herzen liegt, also seine
- 8:46Vorstellungen von Gut und Böse, von Sinn und Zweck, auch das
- 8:49Wesen und das Herz der ganzen Welt sein müsse.
- 8:52Er projiziert seine eigenen tiefen Gefühle auf das Universum
- 8:55und glaubt, dass die Welt selbst moralisch aufgebaut ist.
- 8:59In beiden Fällen, Astrologie wie Moral, stellt der Mensch sich
- 9:02fälschlicherweise in den Mittelpunkt und überschätzt
- 9:04seine eigene Bedeutung für das große Ganze.