Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Menschliches, Allzumenschliches I - Sechstes Hauptstück - 312-329
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- 0:00Unterkapitel 312, Ausgleichsmittel hier beschreibt
- 0:06Nietzsche eine Methode, wie man Konflikte entschärfen kann, wenn
- 0:10man jemandem einen Nachteil zugefügt oder ihn gekränkt hat,
- 0:13reicht es oft aus, dieser Person eine Gelegenheit zu geben, einen
- 0:16Witz über uns zu machen, das Lachen über uns verschafft dem
- 0:19anderen eine persönliche Genugtuung, sein Ärger verfliegt
- 0:23und er ist wieder gut auf uns zu sprechen.
- 0:26Wir gleichen das Unrecht also aus, indem wir uns für einen
- 0:28Moment klein machen lassen unter Kapitel 313 Eitelkeit der Zunge.
- 0:37Zum Abschluss dieses Abschnitts analysiert Nietzsche die Motive,
- 0:40warum Menschen über ihre eigenen Eigenschaften sprechen oder
- 0:44schweigen. Er sagt, egal ob ein Mensch
- 0:47seine schlechten Eigenschaften und Laster verbirgt oder ob er
- 0:50offen und ehrlich über sie spricht, in beiden Fällen steckt
- 0:53Eitelkeit dahinter. Der Mensch sucht in beiden
- 0:57Fällen einen Vorteil für sich. Er will entweder als makellos
- 1:00erscheinen, durch verbergen oder als besonders ehrlich und
- 1:04offenherzig durchzugeben. Nietzsche rät dazu, genau zu
- 1:08beobachten, vor wem jemand seine Fehler verbirgt und vor wem er
- 1:12ehrlich ist. Um diese Eitelkeit zu
- 1:13durchschauen, unter Kapitel 314 rücksichtsvoll.
- 1:22In diesem kurzen Abschnitt beschäftigt sich Nietzsche mit
- 1:24der Eigenschaft der Rücksichtnahme.
- 1:26Wenn jemand rücksichtsvoll handelt, also darauf achtet,
- 1:29niemanden zu verletzen oder zu benachteiligen, halten wir das
- 1:32oft für eine sehr edle Charaktereigenschaft.
- 1:35Nietzsche weist jedoch darauf hin, dass dieses Verhalten 2
- 1:38völlig unterschiedliche Wurzeln haben kann.
- 1:41Es kann einerseits aus einem Gerechtigkeitssinn entstehen,
- 1:44also dem Wunsch, fair zu sein, es kann aber andererseits auch
- 1:48aus einer ängstlichen Gesinnung stammen, das bedeutet?
- 1:51Jemand ist nur deshalb rücksichtsvoll, weil er Angst
- 1:53vor Konflikten oder den Reaktionen der anderen hat.
- 1:58Unterkapitel 315 zum Diskutieren erforderlich hier gibt Nietzsche
- 2:06einen Rat für Diskussionen und Streitgespräche, er sagt, dass
- 2:10man nicht einfach drauf los reden sollte, wenn man wütend
- 2:12oder emotional aufgewühlt ist. Wer nicht die Fähigkeit besitzt,
- 2:16seine Gedanken gewissermaßen auf Eis zu legen, also sie
- 2:20abzukühlen und sachlich zu betrachten, der sollte sich
- 2:23nicht in die Hitze eines Streits begeben.
- 2:25Damit meint er, dass gute Argumente einen kühlen Kopf
- 2:28erfordern und Emotionen oft den klaren Blick vernebeln unter
- 2:32Kapitel 316 Umgang und Anmaßung. Nietzsche beschreibt hier, wie
- 2:39sich das Alleinsein auf den Charakter auswirkt im Vergleich
- 2:42zum Umgang mit anderen Menschen. Er behauptet, dass man Anmaßung,
- 2:46also überzogenen Stolz oder Arroganz verlernt, wenn man sich
- 2:50unter Menschen bewegt, die etwas geleistet haben und Verdienste
- 2:53vorweisen können. Man ordnet sich dort quasi
- 2:56automatisch ein, wenn man hingegen oft allein ist oder
- 3:00sich isoliert, wächst der Übermut, als Beispiel nennt er
- 3:03junge Leute, diese wirken oft anmaßend und arrogant, der Grund
- 3:08dafür ist laut Nietzsche, dass sie meist nur mit ihresgleichen
- 3:11verkehren. Da diese anderen jungen Leute
- 3:13selbst noch nichts Bedeutendes geleistet haben, also nichts
- 3:17sind, aber gerne viel bedeuten möchten, schaukelt sich dieser
- 3:20Übermut gegenseitig hoch. Unterkapitel 317 Motiv des
- 3:27Angriffs oft glauben wir, dass jemand, der uns angreift oder
- 3:31beleidigt, dies tut, nur um uns weh zu tun.
- 3:35Nietzsche analysiert dieses Verhalten tiefer.
- 3:37Er sagt, dass das Zufügen von Schmerz nicht immer das einzige
- 3:41oder wichtigste Ziel ist. Manchmal greift jemand einen
- 3:44anderen an, nur um sich seiner eigenen Kraft bewusst zu werden.
- 3:48Es geht dem Angreifer also gar nicht primär um das Opfer,
- 3:51sondern darum, sich selbst stark und mächtig zu fühlen.
- 3:55Der Angriff dient als Beweis der eigenen Stärke Unterkapitel,
- 4:00318, Schmeichelei. In diesem Abschnitt geht es um
- 4:06Vorsicht im Umgang mit anderen Menschen.
- 4:08Wenn wir merken, dass jemand uns gegenüber vorsichtig oder
- 4:11zurückhaltend ist, versuchen manche Menschen, diese Vorsicht
- 4:15durch Schmeicheleien zu betäuben.
- 4:17Nietzsche vergleicht Schmeichelei hier mit einem
- 4:19gefährlichen Mittel, fast wie ein Schlaftrunk.
- 4:23Der Haken daran ist, dieser Schlaftrunk sorgt nicht dafür,
- 4:27dass die Vorsicht einschläft, im Gegenteil, wenn die Schmeichelei
- 4:31nicht wirkt, wird der andere nur umso wacher und misstrauischer.
- 4:36Unterkapitel 319 guter Briefschreiber Nietzsche stellt
- 4:42hier eine Beobachtung über Menschen an, die keine
- 4:45professionellen Autoren sind, aber trotzdem sehr gute Briefe
- 4:48schreiben. Er meint, dass solche Menschen
- 4:51oft viel nachdenken, aber in einer Umgebung leben, die ihnen
- 4:54geistig nicht genügt, also in einer schonzureichenden
- 4:58Gesellschaft, weil sie ihre Gedanken im direkten Umfeld
- 5:01nicht loswerden oder teilen können.
- 5:03Fließt all ihre geistige Energie und ihr Ausdrucksvermögen in
- 5:06ihre Briefe unter Kapitel 320 am hässlichsten.
- 5:14Dies ist eine sehr kurze, fast zynische Beobachtung.
- 5:18Nietzsche zweifelt daran, ob ein Mensch, der viel gereist ist,
- 5:21irgendwo auf der Welt eine Landschaft oder einen Ort
- 5:24gefunden hat, der hässlicher ist als das menschliche Gesicht.
- 5:28Er deutet damit an, dass der Mensch in seinem Ausdruck und
- 5:30Wesen oft unästhetischer oder unangenehmer sein kann als die
- 5:34unbelebte Natur. Unterkapitel 321 die Mitleidigen
- 5:42hier analysiert Nietzsche Menschen, die von Natur aus sehr
- 5:45mitleidig sind. Diese Personen sind oft sofort
- 5:48zur Stelle, wenn jemandem ein Unglück geschieht und wollen
- 5:51helfen. Nietzsche beobachtet aber, dass
- 5:54dieselben Menschen oft nicht in der Lage sind, sich mit anderen
- 5:56zu freuen. Wenn diese Glück haben.
- 5:59Das liegt daran, dass sie beim Glück des anderen keine Aufgabe
- 6:02haben, sie sind überflüssig, sie können ihre Überlegenheit als
- 6:07Helfer nicht ausspielen, wenn es dem anderen gut geht, fühlen sie
- 6:11leicht ein Missvergnügen, weil sie ihre Rolle als Retter
- 6:14verlieren, Unterkapitel 322, Verwandte eines Selbstmörders
- 6:22Nietzsche spricht hier über die Reaktion der Hinterbliebenen auf
- 6:25einen Suizid. Er sagt, dass die Verwandten es
- 6:28dem Selbstmörder oft übelnehmen, dass er sich umgebracht hat.
- 6:31Der Grund dafür ist aber oft egoistisch, sie ärgern sich,
- 6:35dass er nicht aus Rücksicht auf ihren Ruf am Leben geblieben
- 6:37ist. Sie sorgen sich also mehr um ihr
- 6:40eigenes Ansehen in der Gesellschaft als um das Leid des
- 6:43verstorbenen Unterkapitel 323 Undank vorauszusehen, wenn
- 6:51jemand einem anderen ein sehr großes Geschenk macht, sollte er
- 6:54nicht unbedingt mit Dankbarkeit rechnen.
- 6:56Nietzsche erklärt das so. Der Beschenkte hat durch das
- 7:00Annehmen des großen Geschenks bereits eine schwere Last zu
- 7:02tragen, er fühlt sich verpflichtet oder dem
- 7:05Schenkenden unterlegen. Diese psychologische Last ist so
- 7:09groß, dass für echte Dankbarkeit kein Platz mehr ist.
- 7:12Der Beschenkte empfindet die Gabe eher als Druck Unterkapitel
- 7:17324 in Geistloser Gesellschaft. Wenn ein sehr kluger oder
- 7:23geistreicher Mensch sich in eine Gesellschaft begibt, die nicht
- 7:27so gebildet oder witzig ist wie er, also in eine geistlose
- 7:30Gesellschaft, dann sollte er keine Dankbarkeit für seine
- 7:33Höflichkeit erwarten. Wenn er sich nämlich zu diesen
- 7:36Leuten herablässt und sich ihnen gleichstellt, wirkt das für die
- 7:39anderen nicht höflich, da es in dieser Gesellschaft nicht üblich
- 7:43oder möglich ist, Geist zu zeigen, verstehen sie gar nicht,
- 7:47dass er sich zurücknimmt, sie bemerken seine geistige Leistung
- 7:50der Anpassung gar nicht. Unterkapitel 325 Gegenwart von
- 7:56Zeugen dieser Abschnitt beschreibt ein Phänomen, dass
- 8:01wir heute Zivilcourage oder den Zuschauereffekt nennen würden,
- 8:04allerdings mit einer Wendung zur Eitelkeit.
- 8:07Nietzsche sagt, dass ein Mann viel eher bereit ist, jemandem,
- 8:10der ins Wasser gefallen ist, hinterher zu springen, um ihn zu
- 8:12retten, wenn Leute zusehen, wenn keine Zeugen da sind, die den
- 8:17Mut bewundern könnten, traut man sich die Rettungstat oft nicht
- 8:20zu. Die Anwesenheit anderer
- 8:22motiviert uns also durch den Wunsch nach Anerkennung,
- 8:26Unterkapitel, 326 Schweigen Nietzsche spricht hier über
- 8:32Streit und Polemik, er sagt, dass die unangenehmste Art auf
- 8:36einen Angriff oder eine Streitschrift zu reagieren, das
- 8:39Schweigen ist, wenn man sich über den Angriff ärgert, aber
- 8:42einfach nichts dazu sagt, trifft das den Angreifer am härtesten,
- 8:46denn der Angreifer deutet das Schweigen gewöhnlich als Zeichen
- 8:49der Verachtung. Er fühlt sich ignoriert und
- 8:52nicht ernst genommen, was schlimmer ist als eine
- 8:54Gegenrede. Unterkapitel 327 das Geheimnis
- 9:01des Freundes hier geht es um Diskretion in Freundschaften
- 9:06Nietzsche ist der Meinung, dass es nur sehr wenige Menschen
- 9:08gibt, die ein Geheimnis ihres Freundes wirklich bewahren
- 9:11können, wenn sie in einer Situation sind, in der ihnen der
- 9:14Gesprächsstoff ausgeht, wenn man also um Unterhaltung verlegen
- 9:17ist und nichts mehr zu sagen weiß.
- 9:19Opfert man oft die geheimeren Angelegenheiten des Freundes, um
- 9:23das Gespräch am Laufen zu halten und interessant zu wirken?
- 9:27Unterkapitel 328 Humanität Nietzsche definiert hier
- 9:33Humanität, also Menschlichkeit bei berühmten geistigen Größen
- 9:37auf eine spezielle Weise. Er sagt, Wenn berühmte Denker
- 9:41oder Gelehrte mit unbekannten durchschnittlichen Menschen
- 9:44verkehren, besteht ihre Menschlichkeit darin, dass sie
- 9:47auf eine freundliche und verbindliche Art.
- 9:49Unrecht behalten, das bedeutet, sie bestehen nicht auf ihrer
- 9:54intellektuellen Überlegenheit oder der Wahrheit, sondern
- 9:57lassen dem anderen seinen Willen oder seine Meinung, um ihn nicht
- 10:00zu beschämen. Unterkapitel 329 der befangene
- 10:07Menschen, die sich in Gesellschaft unsicher oder
- 10:10befangen fühlen, nutzen oft eine Strategie, um sich besser zu
- 10:13fühlen, sie suchen sich jemanden, der ihnen nahesteht,
- 10:16dem sie aber überlegen sind. Zum Beispiel einen Partner oder
- 10:20einen Freund. Dann nutzen Sie jede
- 10:22Gelegenheit, um vor der Gesellschaft zu zeigen, dass sie
- 10:25diesem Menschen überlegen sind, zum Beispiel durch Neckereien
- 10:28oder kleine Sticheleien. So versuchen sie, ihre eigene
- 10:32Unsicherheit zu überspielen, indem sie jemanden anderen klein
- 10:35machen.