Latest / Im Krisenmodus / Sturzflut in Nepal: Gletscherabbruch, Klimawandel und Frühwarnsysteme
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- 0:00Wie kann ein abbrechender Gletscher eine Flutwelle auslösen,
- 0:03die mehr als 100 Kilometer flussabwärts noch Menschen, Häuser und Brücken mit sich reißt?
- 0:09Welche Rolle spielt der Klimawandel dabei und hätte ein besseres Frühwarnsystem,
- 0:14in Nepal Menschenleben retten können?
- 0:16Herr Bea Seitz von der Welthungerhilfe ist in Kathmandu, der Hauptstadt von
- 0:19Nepal. Sie berichtet von Familien, denen innerhalb weniger Minuten alles genommen worden ist.
- 0:26Erst der Eindrücke aus der Region zeigen, dass viele Familien wirklich innerhalb
- 0:31weniger Minuten praktisch ihre gesamte Existenzgrundlage verloren haben.
- 0:37Besonders in den Bergregionen im nördlichen Nepal, im Himalaya,
- 0:41leben viele Familien von der Subsistenzlandwirtschaft.
- 0:44Das heißt, es sind Selbstversorger, viele haben ein kleines Haus,
- 0:48ein bisschen Land und bauen dort Gemüse und Getreide an für die Familie oder
- 0:53auch für den Verkauf auf dem lokalen Markt.
- 0:56Und in den Regionen, in denen sich, ja, in denen ganze Dörfer weggeschwemmt
- 1:01wurden, ist jetzt einfach nichts mehr da.
- 1:04Das Haus ist weg, das Land ist weg, gegebenenfalls Familienangehörige sind nicht mehr da. Und,
- 1:13die Familien stehen erstmal vor dem Nichts. Die Flut hat nicht nur Häuser zerstört.
- 1:18Sie hat Menschen, ihre Angehörigen, ihr Land und damit auch ihre wirtschaftliche Existenz gegeben.
- 1:26Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen.
- 1:35Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter,
- 1:40für die Funke Mediengruppe.
- 1:41Ihr findet meinen Artikel in der NRZ, der WAZ, der Berliner Morgenpost und im Hamburger Abendblatt.
- 1:47Am Morgen des 26. August schießen gewaltige Mengen Wasser, Eisschlamm und Geröll,
- 1:53durch das Grenzgebiet zwischen Nepal und China bzw. Tibet.
- 1:58Die Flut reißt Häuser, Straßen und Brücken mit sich. Dörfer werden überschwemmt,
- 2:02Menschen über weite Strecken flussabwärts getragen.
- 2:05Nach dem derzeitigen Stand, Freitagmorgen, deutsche Zeit, sind mindestens 469 Menschen gestorben.
- 2:13Um die 1.300 Menschen werden noch vermisst. Darunter sind zahlreiche Touristinnen
- 2:17und Touristen aus dem Ausland.
- 2:21Offenbar sind unter ihnen auch einige Deutsche.
- 2:25Diese Zahlen können sich natürlich weiter verändern. Viele Gebiete sind derzeit
- 2:30schwer erreichbar. Die Straßen sind zerstört, Strom und Telekommunikation teilweise ausgefallen.
- 2:36Nach ersten Auswertungen von Satellitenbildern bricht in den Bergen ein Teil eines Gletschers ab.
- 2:41Eis, Felsen und Geröll stürzen in ein enges Tal, die Masse blockiert vorübergehend ein Fluss.
- 2:47Dahinter staut sich Wasser, als die natürliche Barriere bricht,
- 2:50schießt eine gewaltige Flugwelle talwärts.
- 2:53Ob sich das Ereignis genauso abgespielt hat, wird noch untersucht.
- 2:57Einen aktuellen Überblick aus Nepal gibt uns Taibéa Seitz. Sie ist Programmleiterin
- 3:02der Welthungerhilfe Nepal und hält sich in Kathmandu auf.
- 3:05Ihre Sprachnachricht erreicht uns am Abend des 27. August.
- 3:09Im Hintergrund fällt starker Monsunregen. Ich bin gerade in Kathmandu, in der Hauptstadt.
- 3:16Es regnet heftig. Vielleicht hören Sie es im Hintergrund.
- 3:20Im Moment ist Nepal in der Monsunzeit, also in der Regenzeit.
- 3:24Die geht hier von Juni bis September, Oktober.
- 3:28Und das ist eine Zeit, in der generell häufig Naturkatastrophen vorkommen.
- 3:33Erst in der vergangenen Woche gab es im Westen von Nepal extreme Regenfälle.
- 3:39Ja, auch mehrere große Erdrutsche, wo auch viele Menschen ihr Leben verloren
- 3:43haben, ihre Häuser, ihr Land, die landwirtschaftliche Produktion.
- 3:50Und so kommt jetzt die Sturzflut von gestern in eine ohnehin schon angespannte
- 3:55Situation, in der sich Nepal häufig in der Regenzeit befindet.
- 4:00Die Flut ereignet sich also zu einem Zeitpunkt, an dem Nepal bereits unter den
- 4:04Folgen des Monsuns leidet.
- 4:06Weitere Regenfälle behindern jetzt die Suche nach Vermissten.
- 4:10Habea Seitz berichtet von zerstörten Zuwärtswegen und Orten,
- 4:14die fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten sind.
- 4:17Sehr schwierig, zum Teil, weil die Straßen sehr schlecht befahrt sind,
- 4:23aufgrund des Regens auch.
- 4:25Und je weiter man nach Norden geht, auch der Hauptzufahrtswege,
- 4:32die es dort überhaupt nur gibt, komplett weggestüllt wurde.
- 4:35Also vom Gremsgebiet aus sind 40 Kilometer Straße komplett weggeschwemmt worden.
- 4:42Insgesamt nach aktuellen Zahlen rund 80 Brücken, die weggeschwemmt oder zerstört
- 4:47wurden, sodass viele Menschen einfach komplett abgeschnitten sind und es schwer
- 4:53ist zu lokalisieren, wo die sich gerade befinden.
- 4:57Und es ist auch schwer zu koordinieren und rauszufinden, was genau gebraucht wird, an welchem Ort.
- 5:04Das ist im Moment die größte Herausforderung in der aktuellen Lage.
- 5:08Tausende Rettungskräfte sind im Einsatz. Hubschrauber bringen Menschen aus der
- 5:11Region nach Kathmandu und transportieren Hilfsgüter in abgeschnittene Orte.
- 5:15Aber die Bergregion ist extrem groß.
- 5:18Einige Siedlungen können nur aus der Luft erreicht werden. Was hat diese Flut ausgelöst?
- 5:24Darüber spreche ich mit Professor Markus Nüsser. Er ist Geograf am Südasien-Institut,
- 5:29der Universität Heidelberg und forscht zu Hochgebirgen, Gletscherveränderungen und Naturgefahren.
- 5:34Die betroffene Region kennt er aus eigener Anschauung, er war mehrmals in Nepal.
- 5:39Zunächst erklärt er einen Begriff, der für die wissenschaftliche Einordnung
- 5:42wichtig ist, die Kriosphäre.
- 5:44Ich beginne mal mit der Kryosphäre. Das ist also der Bereich,
- 5:48in dem Wasser in gefrorener Form vorliegt, also sowohl als Gletscher
- 5:53als auch in Form von saisonalen Schneedecken, aber eben auch in dem unsichtbaren
- 5:58Bereich, in dem, was man Permafrost nennt, was sich unter der Oberfläche fabiert.
- 6:03Dann gibt es noch kleinere andere Komponenten der Kryosphäre.
- 6:08Das sind die Dinge, mit denen wir uns vorwiegend beschäftigen in meiner Abteilung,
- 6:13auch gerade eben im Hinblick auf die Veränderungen.
- 6:18Das sind ja dynamische Elemente, die sich durch den Klimawandel verändern
- 6:25und durch die Möglichkeit, dass die Kryosphäre ganz generell Wasser speichert
- 6:31in fester Form und dann Wasser eben.
- 6:36In bestimmten Mengen als Schmelzwasser entlässt, aus den Gletschern etwa.
- 6:42Aber da haben wir dann die Situation, wie dieses Wasser dann genutzt wird und
- 6:46mit welchen Problemen es verknüpft ist.
- 6:49Und dazu gehören auch eben diese Naturkatastrophen, die jetzt in dem Rahmen
- 6:54so als gletscherbezogene Desaster darstellen.
- 7:00Österreich kennt auch das Langtangtal, in dem sich die Katastrophe ereignet hat.
- 7:05Es liegt nördlich von Kathmandu und ist ein wichtiges Ziel für Trekking-Touristen.
- 7:10Und beim schweren Erdbeben von 2015 löst sich dort eine gewaltige Masse aus Eisschnee und Gestein.
- 7:16Das Dorf Langtang wird zerstört, hunderte Menschen sterben.
- 7:21Nach der aktuellen Katastrophe wertet Nüsser neue Satellitenbilder aus.
- 7:24Darauf erkennt er, dass Material von einem hochgelegenen Gletscher in ein sehr enges Tal gestürzt ist.
- 7:30Wir haben hier auf einer Karte, die wir kürzlich hier erstellt haben,
- 7:36was wir jetzt aus Satellitenbildern sehen können, dass hier nördlich des Langtanktals
- 7:41von einem hohen Gletscher das Material,
- 7:46heruntergebrochen ist und dann in ein sehr enges Tal gegangen ist und über eine
- 7:52relativ kurze Zeit offensichtlich eine gewaltige Wasserwand erzeugen konnte.
- 7:59Die genauen Dimensionen, die hängen noch davon ab, was wir an,
- 8:04Daten herauskriegen, was wir an Satellitendaten bekommen, um das konkret zu
- 8:09machen, was die Ausbruchsmechanismen hier anbelangt. Weil diese enorme Wassermenge.
- 8:16Weiß schon eher darauf hin, dass normalerweise würde man einen ausbrechenden
- 8:20See da erwarten, der solche großen Wassermengen in so kurzer Zeit in Bewegung setzen kann.
- 8:30Die Datenlage ist noch nicht vollständig. Der vermutete Ablauf lässt sich aber
- 8:32bereits in mehreren Schritten beschreiben.
- 8:34Ein Teil eines steilen Hängegletschers verliert den Halt.
- 8:37Eis, Fels und Geröll stürzen nach unten. Im engen Tal setzt diese Masse weitere
- 8:43Sedimente und Wasser in Bewegung.
- 8:45Es erklärt, wie aus einem Gletschererbruch eine Flut aus Wassereis und Schlamm entstehen kann.
- 8:50Also eine der gängigsten Thesen, um das zu verstehen, ist, dass Schmelzwasser
- 8:57zwischen den Gesteinskörper und das auflagernde Gletschereis kommt.
- 9:01Und das sind eigentlich immer sehr steile Hängegletscher, die dann quasi sich
- 9:07von ihrem Untergrund lösen und in einer lawinenartigen Situation,
- 9:14auf den vielleicht tiefer gelegenen Gletscher fallen oder auf andere Sedimente, die dort lagern.
- 9:21Dadurch wird natürlich auch viel Wasser freigesetzt und das mobilisiert dann.
- 9:28Eine Masse, die eben aus Eisresten,
- 9:33Schmelzwasser und dem Sediment einen großen Murgang,
- 9:40eine große, ja.
- 9:43Eine Masse aus Wasser und Sediment bewegt.
- 9:47Ein Murgang ist eine schnell fließende Mischung aus Wasser, Erde,
- 9:50Gestein und weiteren Trümmern, findet man immer wieder in Gebirgsregionen,
- 9:55beispielsweise auch in der Schweiz oder in Österreich. Bei einem engen Tal kann
- 9:59eine solche Masse enorme Geschwindigkeit und Wucht entwickeln.
- 10:02In diesem Fall könnte sie den Fluss zunächst blockiert haben.
- 10:05Dahinter steht ein vorübergehender See.
- 10:08Und als der vollläuft und dann die natürliche Barriere nachgibt,
- 10:12wird das Wasser schlagartig freigesetzt.
- 10:14Auch Arun Zresta kommt nach Auswertung der verfügbaren Satellitenbilder und
- 10:19Informationen zu dieser Einschätzung.
- 10:21Er ist Klima- und Umweltexperte, leitet das Beratungsunternehmen Hydro Mines
- 10:25und hat zuvor viele Jahre für das International Center for Integrated Mountain
- 10:29Development gearbeitet, kurz ICI-MOD.
- 10:33Die Organisation mit Sitz in Kathmandu befasst sich mit Klima- und Umweltrisiken
- 10:38im Hindukusch-Himalaya.
- 10:40Arun hält sich während unseres Gesprächs in China auf.
- 10:43On that side, in that narrow valley, there are several very steep glaciers.
- 10:49All of them are kind of like hanging, very steep slope and very much crevassed.
- 10:54There are a lot of cracks on the surface of those glaciers.
- 10:59In diesem engen Tal gibt es mehrere sehr steile Gletscher. Sie hängen an sehr
- 11:02steilen Hängen und sind stark von Spalten durchgezogen.
- 11:05In der Oberfläche dieser Gletscher gibt es also sehr viele Risse.
- 11:08Von einem dieser Gletscher ist ein großer Teil im vorderen Bereich abgebrochen.
- 11:12Wir wissen noch nicht genau, was passiert ist.
- 11:15Möglicherweise ist das Gestein unter dem Eis abgebrochen und hat das Eis mit sich gerissen.
- 11:20Oder ein sehr großer Teil am unteren Ende dieses Hängegletschers ist von selbst kollabiert.
- 11:24Dabei wurden große Mengen Eis mitgerissen, ebenso Geröll, Felsen und große Gesteinsbrocken.
- 11:30Diese Masse blockierte den Ländefluss, dadurch entstand eine Art natürlicher
- 11:34Damm. Dahinter begann das Wasser anzusteigen und vorübergehend bildete sich ein See.
- 11:39Schließlich brach dieser See
- 11:40aus, das Wasser durchbrach den Damm und löste diese gewaltige Flut aus.
- 11:45Das ist nach unserem derzeitigen Kenntnisstand wahrscheinlich passiert.
- 12:07Das ist das, was wir denken, hat passiert. Die Erschütterung wurde zunächst
- 12:12als mögliches Erdbeben registriert. Das hatten ganz am Anfang,
- 12:15als das geschah, auch die US-Erdbebenwarte erstmal berichtet,
- 12:20dass da möglicherweise ein Erdbeben passiert ist.
- 12:22Aber spätere Analysen deuten darauf hin, dass zumindest ein sehr starkes seismisches
- 12:26Signal durch den Gletscherabbruch selbst entstanden ist. Also nicht ursächlich
- 12:30für den Gletscherabbruch, sondern durch den Gletscherabbruch.
- 12:34Aaron hält es dennoch für möglich, dass es unmittelbar zuvor zumindest eine
- 12:38kleinere Erschütterung gegeben hat.
- 12:40Sie könnte einen bereits instabilen Gletscher zum Abbruch gebracht haben.
- 12:54Es wurden seismische Wellen aufgezeichnet. Bei mindestens einem dieser seismischen
- 12:58Signale geht man inzwischen davon aus, dass es den Gletscherabbruch nicht verursacht
- 13:02hat, sondern selbst durch den Zusammenbruch des Gletschers entstanden ist.
- 13:06Es gibt allerdings auch die Aufzeichnung
- 13:08einer kleineren seismischen Welle unmittelbar vor dem Ereignis.
- 13:12Es besteht die Möglichkeit, dass diese Erschütterung den Abbruch ausgelöst hat.
- 13:16Die hat die zugrunde liegende Instabilität nicht verursacht,
- 13:19aber sie könnte das Ereignis ausgelöst haben.
- 13:21Der Gletscher befand sich wahrscheinlich bereits in einem sehr instabilen Zustand.
- 13:25Ein kleineres Erdbeben in der Nähe könnte dann den Abbruch ausgelöst haben.
- 13:29Das ist, was wir bislang über den physikalischen Ablauf wissen.
- 13:33So this is what we know in terms of the physical process that happened.
- 13:39Ursache und Auslöser sind also nicht dasselbe. Ein Gletscher kann sich über
- 13:43Jahre verändern und instabil werden.
- 13:45Eine kleine Erschütterung kann
- 13:46schließlich dazu führen, dass eine ohnehin gefährdete Masse abrutscht.
- 13:51Die genaue Rekonstruktion dieser Katastrophe braucht weitere Satellitendaten und Untersuchungen.
- 13:57Klar ist bereits, was diese Flut flussabwärts angerichtet hat.
- 14:01Arun spricht von Schäden, wie Nepal sie bei einem gletscherbezogenen Ereignis
- 14:05seit vielen Jahren nicht mehr
- 14:05erlebt hat. Häuser, Brücken, Straßen und Wasserkraftberge werden zerstört.
- 14:09Menschen werden obdachlos, Lieferwege unterbrochen. It is quite a big event.
- 14:16The situation is very bad Everything along the riverbank is Es ist ein sehr
- 14:23großes Ereignis. Die Situation ist sehr schlecht.
- 14:27Entlang der Flussufer wurde alles weggespült. Es ist vollständig verschwunden.
- 14:31Viele Menschen sind obdachlos und befinden sich in einer äußerst schwierigen
- 14:35Lage. Die Versorgung ist unterbrochen.
- 14:37Es ist eine Katastrophe von kaum vorstellbarem Ausmaß. Soweit ich derzeit informiert
- 14:42bin, ist die Situation wirklich sehr ernst.
- 14:44Ja, es ist wirklich eine sehr serische Situation, so wie ich mich bewusst bin. darf.
- 14:51Diese Einschätzung deckt sich mit den Berichten der Welthungerhilfe aus Kathmandu.
- 14:55Noch ist die Suche nach Vermissten nicht abgeschlossen. Das wird sicherlich
- 14:58auch noch einige Tage dauern.
- 15:00Wir haben ja vorhin auch schon darüber gesprochen, dass der Zugang ins Gebirgereien
- 15:05sehr, sehr schwierig ist.
- 15:07Gleichzeitig müssen die Überlebenden versorgt werden. Viele brauchen sauberes
- 15:09Wasser, Lebensmittel und eine sichere Unterkunft.
- 15:13Der BR Salz-Bereich wie Regierung, Armee und Hilfsorganisationen ihre Einsätze koordinieren.
- 15:19Von der Welthungerhilfe haben wir hier ein Team von rund 30 Kolleginnen und
- 15:23Kollegen, die alle aktiv auch an der Unterstützung jetzt mitwirken.
- 15:28Im Moment geht es vor allen Dingen darum, auf der einen Seite die konkrete Situation
- 15:34vor Ort zu erfassen, zu analysieren und zu ermitteln, was wo gebraucht wird
- 15:40und für wie viele Menschen.
- 15:42Dazu sind wir in enger Abstimmung mit dem zentralen Koordinierungskomitee der Regierung.
- 15:48Zusammen mit unseren lokalen Partnern vor Ort ist ein Team schon in der Region,
- 15:56in der betroffenen Region, ein weiteres Team mit Kollegen, insbesondere auch
- 16:01von Helvitas und People in Need.
- 16:04Reist morgen in die Region, um zunächst nochmal konkret zu erfassen,
- 16:10was gebraucht wird und gleichzeitig die Zulieferung von Hilfsgütern zu koordinieren und zu verteilen.
- 16:18Von der Welthungerhilfe aus konzentrieren wir uns dabei vor allen Dingen auf
- 16:22Nahrungsmittelpakete, Hygienekits, aber auch Filter für sauberes Trinkwasser und Zeltplan.
- 16:30Da im Moment, wie gesagt, die Regenzeit ist und es besonders wichtig ist,
- 16:36erstmal eine Art von Dach über dem Kopf zu haben.
- 16:39Mindestens 10.000 Haushalte brauchen nach ersten Schätzungen direkte Unterstützung.
- 16:43Die Welthungerhilfe stellt zunächst 100.000 Euro aus ihrem Nothilfefonds bereit.
- 16:47Doch die akute Hilfe beantwortet nicht die Frage, ob solche Katastrophen künftig häufiger auftreten.
- 16:54Man ist ja immer sehr schnell dabei, sowas auf den Klimawandel zurückzuführen.
- 17:00Und tatsächlich erwärmt sich die Himalaya-Region nach wissenschaftlichen Untersuchungen
- 17:04schneller als der weltweite Durchschnitt.
- 17:06Gletscher ziehen sich zurück, Permafrost haut auf und neue Gletscherseen entstehen.
- 17:11Kann man tatsächlich deshalb sagen, dass der Klimawandel diese konkrete Katastrophe verursacht hat?
- 17:17Arun waren vor einer zu einfachen Zuschreibung. Ja.
- 17:23See, I mean, to link directly one event to climate change is always very difficult,
- 17:30right? Ein einzelnes Ereignis direkt mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen,
- 17:35ist immer sehr schwierig.
- 17:36Die Zuordnung ist immer eine Herausforderung. Das ist auch eines der Probleme,
- 17:40die wir beim Umgang mit dem Klimawandel haben.
- 17:43Wenn eine Katastrophe geschieht, ist es sehr schwierig zu sagen,
- 17:45dass sie ganz konkret wegen des Klimawandels oder der globalen Erwärmung eingetreten ist.
- 17:51Aber wir wissen, dass der Klimawandel real ist. Die Erwärmung findet statt und
- 17:55in dieser Region ist die Erwärmungsrate besonders hoch, höher als im weltweiten Durchschnitt.
- 18:00Deshalb haben wir im Laufe unseres eigenen Lebens in den vergangenen Jahrzehnten
- 18:04einen dramatischen Rückzug der Gletscher erlebt.
- 18:06Die Gletscher schrumpfen kontinuierlich und sie schrumpfen dramatisch.
- 18:11Wir haben gesehen, wie große Seen entstanden sind und sie entstehen noch immer.
- 18:15Wenn ich in die Berge zurückkehre, sehe ich neue kleine Seen,
- 18:18die wenige Jahre vorher noch nicht da waren.
- 18:20Diese Veränderungen finden statt und sie können nicht stattfinden,
- 18:24ohne dass der Klimawandel dabei eine Rolle spielt.
- 18:27Ich bin vollkommen davon überzeugt, dass der Klimawandel und insbesondere die
- 18:31Erwärmung der Atmosphäre zu den Bedingungen beitragen, unter denen solche Katastrophen entstehen.
- 18:37Those lakes or small lakes forming, which were not there a few years ago.
- 18:43So that's happening, right? That's happening and it cannot happen without the
- 18:48role of climate change. So I'm fully convinced that climate change,
- 18:52particularly warming atmosphere, is playing the role.
- 18:56And that's what is causing all those, you know, catastrophes around here.
- 19:01Das bedeutet also nicht, dass jede einzelne Flut unmittelbar auf eine höhere
- 19:04globale Durchschnittstemperatur zurückgeführt werden kann.
- 19:07Aber die Bedingungen in den Bergen ändern sich.
- 19:10Markus Lüsser kommt zu einer ähnlichen Einordnung. Solche Extremereignisse hat
- 19:14es auch früher gegeben, sagt er, ihre Häufung ist für ihn, aber ein Hinweis
- 19:18auf den Einfluss des Klimawandels.
- 19:21Also es ist eindeutig so, dass solche extremen Ereignisse auch schon in früheren
- 19:27Zeiten stattgefunden haben, aber die Häufung dieser Ereignisse,
- 19:33lässt den Klimawandel als ein wichtiges Element da natürlich klar hervortreten.
- 19:41Das ist sicher so. Andererseits muss man natürlich auch sehen.
- 19:48Diese maximalen Schäden, die sind natürlich auch Folge davon,
- 19:52dass Infrastruktur, etwa große Staudampprojekte,
- 19:58Straßenbau eben immer weiter in diese Regionen kamen. Gerade die letzten großen
- 20:05Flutereignisse haben immer wieder hochgelegene Staudammprojekte getroffen.
- 20:11Das ist eben ein zusätzliches Problem. Eine sowieso schon gegebene natürliche
- 20:14Gefahr, bedingt möglicherweise durch den Klimawandel oder zumindest verstärkt
- 20:19durch den Klimawandel, trifft auch immer mehr Infrastruktur.
- 20:22Die Menschen ziehen in die Gebiete rein, die gefährdet sind.
- 20:26In den engen Tälern stehen Häuser, Hotels, Straßen, Brücken und Wasserkraftwerke,
- 20:31wo mehr Menschen und Anlagen gefährdet sind, steigt das Risiko eines hohen Schadens.
- 20:35Das haben wir beispielsweise auch erlebt bei der großen Flut in Deutschland
- 20:39im Ahrtal, wo die Menschen sehr nah am Fluss gebaut haben und dann entsprechend
- 20:45groß die Schäden waren, als diese Sturzflut gekommen ist.
- 20:49Arun unterscheidet deswegen zwischen Gefahr und Risiko.
- 20:55Ja, der Klimawandel erhöht die Gefahr, aber diese Gefahr wird zum Risiko,
- 20:59weil es Dinge gibt, die ja ausgesetzt und besonders verwundbar sind.
- 21:03Auch die Zahl dieser gefährdeten und verwundbaren Elemente nimmt in dieser Region zu.
- 21:08Infrastruktur und Siedlungen werden ausgebaut und rücken näher an die Flüsse heran.
- 21:13Die Gefahr nimmt also zu, ebenso die Gefährdung und die Verwundbarkeit.
- 21:17Deshalb steigt auch das gesamte Risiko.
- 21:19Wissenschaftler können gefährdete Täler und instabile Gletscher identifizieren.
- 21:23Sie können aber nicht für jeden Hang exakt vorhersagen, an welchem Tag der abbrechen wird.
- 21:30Markus Nüsser erklärt, warum eine flächendeckende Überwachung kaum möglich ist.
- 21:35Also generelle Prognosen kann man natürlich machen, aber man müsste ja ganz
- 21:40viele solche steilen Hängegletschern mit entsprechenden Sensoren ausstatten
- 21:45oder mit Kameras permanent überwachen.
- 21:48Und dieses Monitoring-System, gerade über diese extremen Reliefunterschiede,
- 21:53die hohe Steilheit und die Enge der Täler, wird sehr schnell an solcher
- 21:59Wasserschlammstrom transportiert, wie es jetzt sehr offensichtlich auch in den
- 22:04Bildern zu sehen war, die uns,
- 22:07aus Nepal erreicht haben.
- 22:11Katastrophale Bilder von unglaublich großen Zerstörungen. Wir haben jetzt die
- 22:16ersten Satellitendaten angeschaut, die vom heutigen Tag sind.
- 22:21Und in einem Raum wie Shabu Benzi, das ist der Eingang in das Langtangtal,
- 22:27wo ich vorhin schon erzählt habe, das ist eine der wichtigen Trekking-Destinationen in Nepal.
- 22:34Sind große Zerstörungen gewesen.
- 22:37Und dort sind alle Trekking-Touristen, die ins Langtangtal gehen oder die wieder
- 22:42herauskommen, dann eben entsprechend in Hotels untergebracht.
- 22:47Das erklärt auch die große Zahl der Vermissten und der Opfer,
- 22:52von denen derzeit die Rede ist, die vermutlich, wie es immer in solchen Katastrophen
- 22:58ist, in den nächsten Tagen noch dramatisch ansteigen wird.
- 23:02So ein Frühwarnsystem kann den Abbruch eines Gletschers natürlich nicht verhindern.
- 23:06Das ist ein natürlicher Prozess, aber es könnte erkennen, dass der Wasserstand
- 23:11plötzlich steigt und Menschen flussabwärts alarmieren.
- 23:15Herr Ruhn sieht genau dort eine der größten Lücken.
- 23:24Wir alle kennen die grundlegende Ursache. Auch wenn es, wie gesagt,
- 23:27schwierig ist, ein einzelnes Ereignis eindeutig zuzuordnen, kennen wir die übergeordnete Ursache.
- 23:33Die naheliegende Antwort besteht darin, diese Ursache anzugehen und die Emissionen zu reduzieren.
- 23:39Ich denke, das ist die langfristige Lösung. Aber wir wissen auch,
- 23:42dass das schwierig ist und dass es dabei viele Herausforderungen gibt.
- 23:46In der Zwischenzeit müssen wir überlegen, wie wir mit den Auswirkungen umgehen können.
- 23:51Wie können wir mit dem umgehen, was wir jetzt beobachten? Und wie können wir
- 23:55mit diesen Veränderungen leben?
- 23:57Eine sehr wichtige Lösung besteht darin, im Voraus zu wissen,
- 24:00was passieren könnte. Ich spreche von Frühwarnsystemen.
- 24:03Wir haben in dieser Region ein sehr schwaches Netz von Frühwarnsystemen.
- 24:07Ein ausreichendes Netz könnte die Menschen zumindest davor warnen,
- 24:10was wahrscheinlich geschieht, wenn sich eine Flut oder ein Gletschersee-Ausbruch nähert.
- 24:15Dadurch könnten zumindest Menschenleben gerettet werden. Ich denke,
- 24:19das sollte die erste Priorität sein.
- 24:27Die zweite Priorität betrifft die Planung. Wasserkraftwerke,
- 24:30Straßen und Siedlungen dürfen nicht errichtet werden, ohne die bekannten Gefahren
- 24:34eines Flusstals einzubeziehen.
- 24:36The second, the unplanned development, development which is ignorant to such
- 24:44kind of challenges, needs to be corrected.
- 24:48Die zweite Priorität betrifft die ungeplante Entwicklung, also eine Entwicklung,
- 24:53die solche Gefahren ignoriert. Das muss korrigiert werden.
- 24:56Jede Aktivität entlang dieser Flusskorridore muss die bestehenden Risiken berücksichtigen.
- 25:02Wenn das Risiko sehr hoch ist und es sich bei der geplanten Anlage um ein bedeutendes
- 25:06Projekt handelt, dann sollte dieses Projekt meiner Meinung nach dort nicht umgesetzt werden.
- 25:11Wasserkraftwerke zum Beispiel müssen unter Berücksichtigung solcher Risiken geplant werden.
- 25:16Sie müssen so konstruiert werden, dass diese Risiken einbezogen werden.
- 25:20Jede Form der Entwicklung sollte auf einem angemessenen Verständnis der Gefahren beruhen.
- 25:25Wir haben die Grundsätze der Risikozonierung nicht konsequent befolgt und nicht
- 25:29entsprechend dem jeweiligen Risiko gebaut. Daran hat es uns bislang gefehlt.
- 25:33Solange wir diese Maßnahme nicht umsetzen, wird es weiterhin Todesopfer und
- 25:37weitere Schäden für Menschen und Infrastruktur geben. Das ist ganz klar.
- 25:48Ein Teil der Flüsse und Gletscher liegt auf tibetischer, also chinesischer,
- 25:53ein anderer auf nepalesischer Seite.
- 25:56Eine Flut, die hält sich nicht an Staatsgrenzen. Nepal ist deshalb darauf angewiesen,
- 26:00Informationen aus China frühzeitig zu erhalten.
- 26:03Arun sagt, dass Daten aus China grundsätzlich verfügbar sind.
- 26:07Der Austausch ist aber bislang nicht ausreichend formalisiert.
- 26:11A lot of information that we are getting that I narrated to you earlier that's
- 26:17now in hand with government authorities Ja, wir erhalten viele Informationen.
- 26:24Ein Teil der Informationen, die derzeit der nepalesischen Regierung und den
- 26:27Medien zur Verfügung stehen, kommt auch von chinesischer Seite.
- 26:31Denn von dort gibt es einen direkten Zugang zu dem Gebiet.
- 26:34Trotzdem müssen wir daraus für die Zukunft eine wichtige Lehre ziehen.
- 26:38Wir brauchen bessere Kommunikationskanäle zwischen Nepal und China.
- 26:42Wir brauchen einen besseren funktionierenden
- 26:44formellen Mechanismus für den Informationsaustausch und für Frühwarnungen.
- 26:48Derzeit werden Informationen eher spontan und informell ausgetauscht.
- 26:53Ich denke, dieser Austausch muss formalisiert werden.
- 26:56Zwischen den beiden Ländern sollte es vereinbarte Protokolle für den Austausch
- 27:00solcher Informationen geben.
- 27:01Solche Protokolle bestehen bislang nicht in ausreichender Form.
- 27:05Sie einzuführen wird für die Zukunft sehr wichtig sein. Das ist ein wichtiges
- 27:09Waste, aber ich denke, das muss sich formalisiert werden.
- 27:13Es sollte ein bestimmte Protokolle zwischen den beiden Ländern zu sharen,
- 27:18das ist noch nicht lacking.
- 27:21Ich denke, das ist wirklich wichtig, dass es in der Zukunft sein wird.
- 27:26Die grundsätzliche Gefahr war bekannt. Forscher beobachten seit Jahren,
- 27:30wie Gletscher zurückgehen und neue Seen entstehen.
- 27:32Potenziell gefährliche Gletschersehen in Nepal und im tibetischen Hochland sind bereits erfasst.
- 27:39Unbekannt bleibt der genaue Zeitpunkt des Ausmaßes und der konkrete Ablauf eines
- 27:43einzelnen Ereignisses.
- 27:54Meine frühere Organisation, das International Center of Integrated Mountain
- 27:58Development, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesen Fragen.
- 28:02Wir haben beobachtet, wie sich die Gletscher über die Jahrzehnte zurückziehen,
- 28:06Wie Gletscherseen entstehen und welche Risiken sich aus diesen Veränderungen ergeben können.
- 28:11Unser Wissen ist nicht immer so detailliert, dass wir es auf ein bestimmtes
- 28:14Tal oder einen einzelnen Hang eingrenzen können.
- 28:17Aber grundsätzlich wissen wir, dass diese Veränderungen stattfinden und dass
- 28:21diese Flusskorridore mit einem gewissen Risiko verbunden sind.
- 28:25Natürlich wissen wir nicht genau, wann ein Ereignis eintreten wird,
- 28:29wie groß es sein wird oder um welche Art von Ereignis es sich handeln wird.
- 28:33Aber diese Flusstäler sind nicht frei von Risiken. Wir haben z.B.
- 28:37Potenziell gefährliche Gletscherseen identifiziert. Einige davon liegen innerhalb
- 28:41Nepals, andere flussaufwärts in Tibet.
- 28:44Wenn sie ausbrechen, könnten sie den tibetischen Teil des Flusseinzugsgebiets
- 28:48treffen und anschließend auch auf nepalesischem Gebiet erhebliche Schäden verursachen.
- 28:53Entlang dieser Flusskorridore befinden sich zahlreiche Siedlungen,
- 28:57Straßen und andere Infrastrukturanlagen. Das sind bekannte Tatsachen.
- 29:01Es ist also nicht so, dass wir überhaupt nicht wissen, was passieren könnte.
- 29:05Vielleicht verfügen wir noch nicht über die Informationen, die so genau und
- 29:08detailliert sind, wie es notwendig wäre.
- 29:11Aber es gibt auf jeden Fall genügend Informationen, um Maßnahmen zu ergreifen.
- 29:14So, it's not that we are completely ignorant of what could happen.
- 29:19Maybe we do not have as granular, as detailed information as necessary,
- 29:24but definitely enough information is there to take some actions, you know.
- 29:30So, I would say that we are. Zurück in Kathmandu erlebt Tabea Seitz neben der
- 29:35Sorge auch einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt.
- 29:39Viele Familien in der Hauptstadt stammen selbst aus Bergdörfern,
- 29:42oder haben Angehörige in der betroffenen Region. Über soziale Medien und Telefonketten,
- 29:48versuchen Menschen herauszufinden, wer vermisst wird und wo Hilfe gebraucht wird.
- 29:53Was auch sichtbar ist, ist ein sehr starker Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft.
- 29:59Nepal ist ein Land, das ein sehr enges soziales Netzwerk hat.
- 30:05Und damit meine ich nicht nur die sozialen Medien.
- 30:08Viele Familien, die auch jetzt in der Hauptstadt wohnen, sind in der gleichen
- 30:12Generation, kommen aus Bergdörfern oder haben noch Verwandte dort, haben Freunde dort.
- 30:19Jeder fühlt sich betroffen, weil eigentlich fast jeder jemanden kennt,
- 30:22der in der betroffenen Region lebt.
- 30:25Und damit ist auch der Wunsch, zu unterstützen, sehr groß.
- 30:31Und es kann wirklich eine starke Koordination auch aus der Zivilgesellschaft
- 30:36beobachtet werden, wo Gemeinschaften sich zusammenschließen,
- 30:40Telefonketten mehr oder weniger gebildet werden, um herauszufinden,
- 30:44wo sind Familienangehörige,
- 30:47wer braucht was und.
- 30:51Wie kann man Hilfe leisten oder die Menschen unterstützen. Diese Hilfe wird
- 30:56die akute Not lindern, der Wiederaufbau wird jedoch weit länger dauern,
- 31:00als die Suche nach den Vermissten.
- 31:02Für Familien, die von einem kleinen Stück Land leben, bedeutet ein weggespültes
- 31:06Feld nicht nur einen materiellen Schaden, es bedeutet, dass die nächste Ernte
- 31:09fehlt und damit möglicherweise auch die Nahrung und das Einkommen für Monate.
- 31:14Ich meine, solche Geschichten haben wir ja auch immer wieder erlebt.
- 31:17Er lebt in Afghanistan beispielsweise bei den.
- 31:23Erdbebenkatastrophen, die das Land heimgesucht hat, wo es eben auch kein großes
- 31:27staatliches Hilfesystem gibt für Menschen, die alles verloren haben,
- 31:30anders als in Deutschland.
- 31:32Und selbst in Deutschland hat es ja auch so ein bisschen gedauert,
- 31:35bis die Menschen im Ahrtal leben.
- 31:37Bekommen haben und dass sie schädigt worden sind, was sie verloren haben.
- 31:41Aber gerade in so Ländern wie Nepal oder Afghanistan und anderen Ländern,
- 31:46wo die staatlichen Ökosysteme sehr schwach ausgebildet sind,
- 31:50ist das natürlich eine Überkatastrophe für die Menschen, wenn ihnen das fruchtbare
- 31:55Ackerland weggespült wird,
- 31:56ihre Kere weggespült werden, ihre Häuser weggespült werden und sie dann eben,
- 32:02alles wieder aufbauen müssen.
- 32:04Die Weltungerhilfe unterstützt zunächst mit Lebensmitteln, Trinkwasserfiltern,
- 32:07Hygienepaketen und Materialien für Notunterkünfte.
- 32:11Später geht es um Häuser, Felder und neue wirtschaftliche Perspektiven.
- 32:17Arun richtet zum Ende unseres Gesprächs eine Botschaft an die Menschen in Europa.
- 32:22Länder wie Nepal, Bhutan oder auch Afghanistan und andere tragen nur einen sehr
- 32:27kleinen Teil zu den weltweiten Treibhausgasemissionen bei.
- 32:31Die Folgen der Erderwärmung treffen sie jedoch besonders hart.
- 32:43Da Sie ja auch ein internationales Medium sind und wahrscheinlich auch Menschen
- 32:47in Europa zuhören werden, möchte ich zum Schluss noch auf einen Punkt hinweisen.
- 32:52Das ist ein globales Problem. Einen großen Teil der Belastungen tragen jedoch
- 32:56kleine Länder wie Nepal und Bhutan, deren Beitrag zu diesem Problem verschwindend gering ist.
- 33:01Deshalb trägt die internationale Gemeinschaft die Verantwortung,
- 33:05hinzuhören, was hier geschieht und dabei zu helfen, Wege zu finden,
- 33:08wie wir mit diesen Herausforderungen umgehen können.
- 33:11Das ist mein Appell an die internationale Gemeinschaft über ihr Medium.
- 33:16In terms of how those sort of challenges can be addressed.
- 33:22So that is ours to the global community through your media Die Katastrophe in
- 33:27Nepal beginnt wahrscheinlich an einem einzigen instabilen Glitschern.
- 33:32Ihre Ursachen und Folgen reichen aber weit darüber hinaus.
- 33:35Steigende Temperaturen verändern das Eis, Straßen, Kraftwerke und Hotels rücken
- 33:40gefährdete Täler vor, Warnsysteme bleiben lückenhaft und ein Fluss,
- 33:44der in Tibet beginnt, kann wenige Stunden später in Nepal ganze Dörfer zerstören.
- 33:50Übrigens ist zum Zeitpunkt dieser Aufnahme auch nicht ganz klar,
- 33:54ob diese Katastrophensituation jetzt schon vorbei ist oder ob möglicherweise
- 34:00eine neue Katastrophe droht.
- 34:02Es gibt also aus China Berichte, dass sich da ein neuer See aufstaut und möglicherweise
- 34:09eine nächste Flutwelle droht.
- 34:10Und wie gesagt, es ist noch nicht ganz klar, ob da was passieren wird.
- 34:13Ich hoffe natürlich für die Menschen in Tibet und in Nepal, dass ihnen das erspart
- 34:18bleibt, eine nächste Flut.
- 34:21Man kann nicht jeden Gletscherabbruch verhindern. Man kann aber entscheiden,
- 34:24wo gebaut wird, welche Daten geteilt werden und wie schnell Menschen gewarnt werden.
- 34:29Und man kann entscheiden, ob Länder wie Nepal mit den Kosten dieser Veränderungen alleine bleiben.
- 34:36Das war die heutige Folge unseres Podcasts im Krisenmodus. Dieser Podcast wurde
- 34:40produziert von Alexander Baumeister. Er ist auch Journalist und arbeitet bei
- 34:44einem Radiosender der Funke-Media-Gruppe.
- 34:47Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, liked und folgt uns.
- 34:50Das hilft in jedem Fall, unsere Arbeit sichtbarer zu machen.
- 34:54Schreibt uns auch gerne, wenn ihr einen Vorschlag für eine unserer Folgen habt.
- 34:57Ihr erreicht uns unter krisenmodus.funkemedien.de.
- 35:02Vielleicht schreibt ihr uns auch, welche Verantwortung aus eurer Sicht Länder
- 35:06tragen, die einen großen Teil der Treibhausgase verursacht haben,
- 35:11wenn die folgenden Menschen treffen, die kaum zu diesem Problem beigetragen haben.
- 35:16Passt auf euch auf. Bis dann. Ciao, ciao.