Latest / Schwarze Akte - True Crime / #303 Tödliche Stille im Outback - Auf der Suche nach Peter
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- Diese Episode enthält explizite Details über einen wahren Kriminalfall. Weitere Infos in der Folgenbeschreibung. Die Straße vor ihm zieht sich scheinbar endlos in die Länge. Nur die gleißend hellen Scheinwerfer des riesigen Trucks erleuchten die pechschwarze Dunkelheit. Selbst für australische Verhältnisse ist der Stuart Highway inmitten des Northern Territories schier unendlich. Links und rechts endlose Weiten, rote Erde, wenig Vegetation, kaum Menschen, nur vereinzelte kleine Dörfer entlang des Highway. Vince kennt die Strecke wie kein anderer. Er transportiert regelmäßig Güter und Lebensmittel von Darwin nach Adelaide. Mit einem Roadtrain, das sind diese scheinbar endlosen langen Trucks in Australien mit mehreren Anhängern dran. Gleich wird Vince den Fahrersitz gegen das Bett im Heck tauschen. Hinter ihm schläft nämlich gerade sein Kollege Rodney. Fünf Stunden fährt jeder von ihnen, bevor sie sich dann abwechseln. Nur wenige Fahrzeuge kommen Vince jetzt so kurz nach Mitternacht überhaupt noch entgegen. Plötzlich erscheint im Licht der Scheinwerferkegel eine dunkle Silhouette links am Straßenrand. Vince schaut genauer hin und traut seinen Augen kaum. Er erkennt eine junge Frau. Ihre schulterlangen dunklen Haare hängen ihr wild im Gesicht. Sie zittert. Kein Wunder, denkt er sich, denn sie trägt nur Sandalen, Shorts und ein T-Shirt. Und das bei den kühlen Nächten im Outback, wenn das Thermometer nur um die 5 Grad anzeigt. Die junge Frau hebt die Hände über den Kopf und schreit Hilfe, Hilfe, jemand versucht mich umzubringen. Im gleichen Augenblick begreift Vince, was er da noch sieht. Die Hände der Frau sind nämlich gefesselt. Er tritt hart auf die Bremse. Die Reifen quietschen auf dem Asphalt, bis der Truck endlich zum Stehen kommt. Geschockt springt Vince aus dem Fahrerhaus. In der tiefen Dunkelheit der Natur kann er im ersten Moment gar nichts erkennen. Hat er die junge Frau etwa überfahren? Doch dann hört er schnell näher kommende Schritte. Er schaltet seine Taschenlampe ein. In ihrem Lichtstrahl taucht dann die junge Frau auf. Ihr Blick ist wild, ihr T-Shirt dreckig und löchrig. Sie hat Schirrfwunden an den Knien und an den Ellbogen und Tape um den Hals und in den Haaren. Im ersten Moment weicht Vince zurück. Unruhig blickt er in die Dunkelheit links und rechts der Straße. Was ist hier passiert? Blauert irgendwer im Schutz der Dunkelheit? Beobachtet ihn? Ihn fröstelt es bei dem Gedanken daran. Doch dann zieht die junge Frau seine Aufmerksamkeit wieder auf sich. Mit Todesangst in den Augen schaut sie ihn an und sinkt in seine Arme. Mit ihren gefesselten Händen zerrt sie am Ärmel seines Shirts und schreit, Wo ist Peter? Bei der Verzweiflung in ihrer Stimme stellen sich Vince Nackenhaare auf. Und in dem Moment wird ihm klar, dass hier gerade etwas ganz furchtbares geschehen sein muss. Und damit ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge der Schwarzen Akte mit Patrick Strohbusch und mit Anne Luckmann. Hello! Für den Fall, über den wir heute sprechen wollen, springen wir jetzt erstmal zurück in den Juli 2001. Es ist der letzte unbeschwerte Sommer vor den Terroranschlägen in New York am 11. September, die die Welt für immer verändern werden. Das Millennium-Gefühl ist noch spürbar. Es ist auch das letzte Jahr, in dem wir mit der D-Mark bezahlen. Die Menschen sind optimistisch. Die Technik verspricht eine glänzende Zukunft. Das Internet nutzen wir inzwischen ganz selbstverständlich. Wir wählen uns allerdings noch über ein Modem ein. Vielleicht erinnern sich einige von euch noch an diesen schrillen, ratternden Sound, bevor man dann endlich im Internet war. Handys sind mittlerweile weit verbreitet. Die meisten besitzen ein Nokia, schreiben SMS und spielen Snake. 2001 ist auch das Jahr, in dem Apple seinen ersten iPod vorstellt und damit den Musikmarkt revolutioniert. Und Wikipedia wird gegründet. Beim Klamottenstyling dominieren Schlaghosen, Baggy Pants und Trainingsanzüge. Gerne kombiniert mit bauchfreien Tops, Plateauschuhen und Baseballcaps. Aus den Radios ertönen Britney Spears, Eminem und Annas damalige Lieblingsband, die No Angels. Songs wie Hole Again von Atomic Kitten und Teenage Dirtbag von Wheaters stürmen die Charts. In die Kinos kommen die ersten Teile von Herr der Ringe, Harry Potter und Ocean's Eleven. In Deutschland bringt der Schuh des Money To die Menschen zum Lachen. In diesem Jahr haben Joanne und Peter etwas ganz Besonderes vor. Denn sie reisen um die Welt. Es ist Ende Juni in Australien. Anders als bei uns ist dort zu dieser Jahreszeit ja Winter. Und damit die beste Reisezeit für den australischen Norden und das Outback. Es ist Trockenzeit. Die Temperaturen liegen je nach Region zwischen 20 und 30 Grad. Es ist angenehm warm. Nur nachts kühlt es schnell ab. Die Temperaturen sinken dann in den einstelligen Bereich. Am 25. Juni 2001 brechen Joanne und Peter von Sydney aus zu einem Roadtrip durch Australien auf. Ihre geplante Route führt sie nach Canberra, Melbourne, Adelaide, Darwin und Brisbane. Noch ahnen sie nicht, dass ihre Traumreise sich bald in einen jahrzehntelangen Albtraum verwandeln wird. Das britische Liebespaar kommt aus der Gegend von Huddersfield, etwa eine Stunde von Manchester entfernt. Peter ist 28 Jahre alt und der dritte von insgesamt vier Söhnen. Auf Fotos sieht man ihn immer lächeln, seine Augen strahlen in dem leicht rundlichen Gesicht. Sein Vater Luciano stammt aus Italien. Wie man es aus Italien kennt, ist die Familie eng miteinander verbunden. Mit seinen älteren Brüdern Nicholas und Paul sowie dem fünf Jahre jüngeren Mark hat Peter ein sehr gutes Verhältnis. Peter ist ein Mensch, den alle mögen. Freundlich, sanftmütig, immer zuvorkommend und nie streitsüchtig. Er ist nicht übermäßig sportlich, entdeckt aber mit der Zeit seine Freude am Skifahren. Sehr italienisch ist seine Liebe zum Essen. Nach einem Catering-Kurs wird Peter ein versierter Koch. Mit diesen Fähigkeiten beeindruckt er auch Joanns Familie. Joanne ist ein Jahr jünger als Peter. Sie hat dunkle, schulterlange Haare, blaugraue Augen und einen entschlossenen Blick. Die beiden lernen sich 1996 im Nachtclub Visage in Huddersfield kennen. Joanne wohnt nur fünf Kilometer von Peter entfernt. In Almondbury, einem Vorort. Ihre Mutter Jennifer trennt sich von ihrem Vater und heiratet später erneut. Joanne beschreibt das Zusammenleben mit Stiefvater Vincent und dessen Sohn Sam als harmonisch. Auch wenn das Geld in der Patchwork-Familie eigentlich immer zu knapp ist. Joanne ist klug, ehrgeizig, kontaktfreudig und unbeschwert. Ihre Privatsphäre ist ihr sehr wichtig. Die schützt sie stets eisern. Peter wird schnell ein Teil der Familie. Joannes Mutter liebt seinen lockeren Charme. Er verspricht ihr, sich gut um Joanne zu kümmern, als die beiden ein Jahr nach ihrem Kennenlernen gemeinsam nach Brighton gehen, wo Peter Bau- und Konstruktionsmanagement studiert. Joanne arbeitet in einem Reisebüro. Das Paar unternimmt gern kurze Reisen nach Italien, nach Griechenland oder auch nach Jamaika. Ein Jahr später beginnen sie, ihre Weltreise zu planen. Ein gemeinsames Abenteuer soll es werden, bevor sie in ein festes Berufs- und Alltagsleben zurückkehren. Am 15. November 2000 brechen Joanne und Peter auf und reisen erst zwei Monate durch Nepal, Singapur, Malaysia, Thailand und Kambodscha. Am 16. Januar 2001 kommen sie in Sydney an. Die beiden haben hier ein Working-Holiday-Visum. Joanne jobbt in einer Buchhandlung, Peter in einer Möbelfirma. Nach fünf Monaten haben die beiden genug Geld gespart, um ihren geplanten Roadtrip quer durch Zentralaustralien und die östlichen Bundesstaaten fortzusetzen. Dafür kauft Peter einen orangefarbenen Campervan, einen 30 Jahre alten Volkswagen T2 für 1200 australische Dollar. Das wären heute, mit Einberechnung der Inflation, umgerechnet gute 1500 Euro. In den nächsten Wochen gestaltet Peter den Innenraum um, baut Regale und Leuchten ein und auch ein Safe, in dem sie ihre Wertsachen sicher verstauen können. Peter ist ein akribischer Planer. Er will, dass sie perfekt vorbereitet sind. Doch auf das, was dann geschieht, kann ihn niemand vorbereiten. Der verhängnisvolle Tag beginnt für Joanne und Peter zunächst ganz normal. Die letzten Tage haben sie mit Sightseeing verbracht. Sie haben den berühmten Ayers Rock besichtigt, in der Sprache der First Nations auch Uluru genannt, bevor sie hierher nach Alice Springs gekommen sind. Gegen 10 Uhr am Morgen des 14. Juli hat Peter einen Termin bei einer Steuerberaterin. Joanne vertreibt sich die Wartezeit in der örtlichen Bücherei und checkt dort ihre E-Mails. Danach treffen sich die beiden zu einem gemeinsamen Frühstück im Green Frog Café. Gegen 11.30 Uhr ruft Joanne ihre Freundin Amanda in Sydney an und erzählt, dass sie und Peter noch zum Camel Cup Race gehen wollen. Das Kamelrennen findet nur einmal jährlich Mitte Juli statt und ist eine berühmte Touristenattraktion in Alice Springs. Auf der 400 Meter langen Bahn treten Kamele gegeneinander an und verlieren dabei oft mal die Orientierung. Es ist eher eine Unterhaltung für die ganze Familie, kein ernst gemeinter Wettkampf. Nach dem Rennen machen Joanne und Peter noch einen kurzen Stopp beim Red Rooster Restaurant in Alice Springs. Eine bekannte australische Fastfood-Kette, die auf Brathähnchen spezialisiert ist. Peter isst hier noch etwas, Joanne allerdings nicht. Ein Zwischenstopp, der für den Verlauf des Fights noch sehr relevant wird. Es ist ein strahlend sonniger Nachmittag gegen 16 Uhr, als sie Alice Brinks verlassen. Obwohl es schon recht spät ist, wollen Joanne und Peter ihre Reise heute noch fortsetzen. Peter ist trotz seiner hellen Cargo-Hose und dem blauen, kurzärmeligen Hemd, das er trägt, zu heiß. Er ist erschöpft vom Tag in der Sonne. Er beschließt, noch ein wenig im Heck des Vans zu lesen und ein kleines Nickerchen zu machen. Joanne übernimmt also das Steuer und fährt aus der Stadt weiter Richtung Norden auf dem Seward Highway. Sie lassen die letzten Holzhäuser mit ihren Wellblechdächern am Rande der Stadt zurück. Straßenschilder waren vor freilaufenden Tieren, ungesicherten Straßen und den riesigen Roadtrains mit einer Gesamtlänge von bis zu 60 Metern. Den beiden begegnen kaum andere Autos. Keine Seltenheit in dieser abgeschiedenen Gegend. Nur wenige winzige Gemeinden säumen den Stuart Highway auf dem Weg nach Norden. Fast 3000 Kilometer führt er weitgehend durch Einöde und erstreckt sich von Port Augusta in Südaustralien bis nach Darwin im tropischen Norden. Das Outback zeigt hier das typische australische Landschaftsbild aus weiten, trockenen, felsigen Ebenen, Buschland, niedrigen Sträuchern und blassroter Erde. Hügelketten umrahmen die Szenerie am Horizont. In dieser Gegend gibt es kaum Pannenhilfsdienste und nur sehr selten öffentliche Telefone. Auch das Handy ist hier draußen keine große Hilfe. Außerhalb einiger kleiner Städte gibt es in einem Gebiet, das gut fünfmal so groß ist wie Großbritannien, keinen Mobilfunkempfang. Es ist eine unwirtliche Gegend, weit weg von jeglicher Zivilisation, durch die die beiden da gerade reisen. Nach gut zweieinhalb Stunden Fahrt hält Joanne an einem winzigen Roadhouse auf der Strecke in Tea Tree. Die Art von Raststätte ist typisch für Australien. Sie ist quasi Kaffee, Restaurant, Laden und Tankstelle in einem. Peter ist mittlerweile aufgewacht und übernimmt das Tanken. Die beiden kaufen ein paar Snacks und eine Packung Lollis. Sie bezahlen die 14 Dollar für Benzin und Einkäufe in bar. Peter bittet um die Quittung. Er will nämlich seinen Kilometerstand dokumentieren. Darin ist er sehr genau. Der Kilometerstand beträgt 89.272 Kilometer. Von Tea Tree bis nach Barrow Creek sind es noch weitere 90 Kilometer. Und noch einmal 13 bis zu jenem einsamen Abschnitt des Dewart Highway, der bald das Zentrum einer der größten Fahndungen in der Geschichte Australiens werden wird. Joanne und Peter parken auf der linken Straßenseite gegenüber von der Tankstelle und rauchen gemeinsam einen Joint. Sie hören Musik und beobachten den weiten Himmel über dem Outback, der sich mit der untergehenden Sonne dramatisch purpurrot färbt. In den letzten Strahlen der untergehenden Sonne macht sich der orangefarbene Van auf den Weg nach Norden. Es ist keine besonders günstige Uhrzeit, um die Reise fortzusetzen, denn ihr müsst wissen, dass man es in Australien eher vermeidet, nachts zu fahren. Zu groß ist die Gefahr, in der Dunkelheit ein Känguru zu übersehen und anzufahren, und bei einem Unfall dauert es hier draußen verdammt lange, bis Hilfe kommt. Peter übernimmt jetzt das Steuer. Um den Van herum dominiert die pechschwarze Nacht, und mitten im Outback heißt Pechschwarz auch wirklich Pechschwarz. Hier gibt es keine größeren Städte oder Orte, die mit ihren Lichtern die Dunkelheit ein kleines bisschen heller machen könnten. Es ist 19.30 Uhr, als es plötzlich hinter dem Van von Joanne und Peter ein bisschen heller wird. Denn hinter ihnen fährt ein anderes Auto. Die Scheinwerfer leuchten ins Innere des Busses. Peter wird langsamer. Er sagt zu Joanne, dass er hofft, das Auto würde die beiden überholen. Doch das tut es nicht. Wenige Minuten später fährt ein weißer Toyota neben dem Camper der beiden. Es ist ein Allrad-Geländewagen mit einem grünen Verdeck. In Australien Ute genannt. Kurz für Utility Vehicle. Eine Mischung aus PKW und Pickup. Vorne geschlossen, hinten offene Ladefläche. Man sieht diese Art Wagen oft auf Farmen oder Baustellen. Im Auto sitzen ein Mann und sein Hund. Der Mann deutet auf das Heck des Campervans und macht ihnen ein Zeichen anzuhalten. Nun ist man vor allem in Australien in abgelegenen Landstrichen und damit ganz besonders im Outback nicht selten auf die Hilfe vorbeikommender Autofahrer angewiesen, wenn man mal eine Panne hat. Und wenn der Camper-Van der beiden tatsächlich ein Problem hat, dann wäre der Mann der einzige weit und breit, der den beiden helfen könnte. Ihr ist nicht ganz wohl bei der Sache. Peter aber beruhigt sie und sagt ihr, der Mann sei alleine, das sei doch kein Problem. Es werde alles okay sein. Peter bremst ab und bringt den Van zum Stehen. Das Auto des fremden Mannes parkt direkt hinter dem Van der beiden. Peter sagt Joanne, sie solle im Wagen warten. Die Nacht im Outback ist kalt und Joanne trägt nach wie vor nur ein T-Shirt und Shorts. Peter nimmt seine Zigaretten und steigt aus. Der fremde Fahrer wartet am Heck auf ihn. Die beiden unterhalten sich. Der Mann sagt, er hätte Funken aus ihrem Auspuff kommen sehen. Peter geht noch einmal zu Joanne, versichert ihr, dass alles in Ordnung ist und bittet sie, den Motor zu starten. Joanne klettert auf den Fahrersitz. Sie kann hören, wie Peter sich mit dem Fremden unterhält. Die Stimmung ist freundlich. Die beiden scheinen zu scherzen. Sie hört Peter sowas sagen wie, danke Koppel, dass du uns angehalten hast. Joanne wirft einen Blick in den Rückspiegel. Ihre Augen treffen sich mit denen des fremden Mannes. Ihr schlechtes Gefühl kehrt in diesem Moment unvermittelt zurück. Sie startet den Motor und hört einen lauten Knall. Im ersten Moment denkt sie an ein Problem mit dem Auspuff. Joanne dreht sich um und blickt direkt in den Lauf einer silbernen Pistole. Vor der Fahrertür steht plötzlich der fremde Mann. Er öffnet die Tür und gestikuliert Joanne, sie solle auf den Beifahrersitz rutschen. Er befiehlt ihr, den Kopf zu senken und die Hände hinter dem Rücken zu nehmen. Joanne reagiert zuerst nicht, doch dann hält der Mann ihr die Pistole an den Kopf und wiederholt seine Forderungen. Joanne gehorcht nun zitternd, während der Fremde ihr die Hände mit selbstgebasselten Handschalen aus Kabelbindern und Tape fesselt. In einem Interview erzählt Joanne später, wie sie nach Peter geschrien hat. Sie denkt, er würde jede Sekunde kommen und sie retten. Sie schreit und schreit, doch Peter kommt nicht. Der Fremde schubst Joanne aus dem Auto. Sie landet mit dem Gesicht voran auf der Straße. Sie schürft sich ihre Knie und Ellenbogen auf. Der Angreifer steigt ebenfalls aus und versucht, ihre Beine mit einem Tape zu fesseln und sie zu knebeln. Doch Joanne kickt wie wild um sich und wehrt sich. Der fremde Mann zieht sie zu seinem Auto, schiebt sie hinein und verschwindet. Vorne im Wagen sitzt ein großer Hund, ein australischer Hütehund, wie ihn Joanne später beschreibt. Joanne ruft nach dem Fremden, fragt, was er mit ihr machen wird. Der Mann kehrt zurück und schnauzt sie an, sie solle still sein, sonst würde er sie erschießen. Dann verschwindet er erneut. Joanne hört Geräusche. Es klingt, als würde etwas über Kies kratzen. Sie fragt sich, was er da mit Peter mache. Später wird sie erzählen, dass sie dann von der Fahrerkabine durch die Sitze nach hinten auf die Ladefläche durchgerutscht sei. Wie das genau funktioniert haben soll, das wird später zu vielen Diskussionen führen. Noch immer ist der fremde Mann nicht zurück. In ihrer Verzweiflung sieht Joanne ihre einzige Chance zu überleben in der Flucht. Sie lässt sich aus dem Auto fallen und rennt weg von der Straße, blind in den Busch. Sie fällt mehrmals hin, rappelt sich aber wieder auf und rennt weiter. Die harten Zweige der Sträucher im Buschland ritzen die Haut an ihren nackten Beinen auf. Joanne entdeckt einen Busch und kauert sich wie ein Kaninchen darunter. Sie kann noch die Schritte ihres Verfolgers hören. Kleine Zweige brechen unter seinen schweren Schritten. Ihr eigener Herzschlag dröhnt laut in ihren Ohren. Dann huscht das Licht einer Taschenlampe über die einsame Landschaft neben der Straße. Das Licht kommt näher, sehr nah. Joannes Vorteil ist die pechschwarze Dunkelheit. In ihr kann man jemanden nur sehr schwer entdecken, wenn man nicht direkt davor steht. Einige Zeit später hört Joanne ihren Camper-Van wegfahren. Doch ihre Erleichterung ist nur von kurzer Dauer. Nur wenig später kehrt der fremde Mann zu Fuß zurück. Was hat er mit dem Bus gemacht? Und was mit Peter? Erneut macht er sich zusammen mit dem Hund auf die Suche nach seinem Opfer. Zitternd bleibt Joanne in ihrem Versteck liegen. Nach einer gefühlten Ewigkeit hört sie eine Tür zuschlagen und ein Auto Richtung Süden davon fahren. Doch sie traut sich noch lange nicht aus ihrem Versteck. Die nächsten fünf Stunden kreisen ihre Gedanken nur um eins. Was ist mit Peter geschehen? Um 1.30 Uhr in der Nacht des 15. Juli 2001 klingelt das Telefon in der Polizeiwache von Alice Brinks. Ein Truckfahrer meldet, er hätte eine Frau auf dem Stuart Highway mitgenommen. Diese behauptet, sie und ihr Partner seien in einen Hinterhalt geraten und ihr Fahrzeug gestohlen worden. Der Truckfahrer ist Vince, den ihr schon aus dem Intro kennt. Er ist gemeinsam mit seinem Partner Rodney in dieser Nacht auf dem Stuart Highway in Richtung Adelaide unterwegs. Ihn hat Joanne in ihrer Verzweiflung angehalten. Police Senior Sergeant Eric Carr bricht gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen nach Barrow Creek auf. Es sind knapp 300 Kilometer und damit drei Stunden Fahrt von Alice Springs bis in das verschlafene Nest. 2001 leben hier Schätzungen zufolge gerade mal vier Menschen. Der Ort besteht nur aus einem Campingplatz, einer historischen Telegrafenstation und dem Barrow Creek Hotel. Und hier wartet Joanne gemeinsam mit den beiden Truckfahrern auf die Polizei. Diese trifft um 4.20 Uhr ein. Als Erika Joanne das erste Mal sieht, wirkt sie auf sie, als würde sie unter Schock stehen. Ihre Knie und Ellbogen sind aufgeschürft. Ihr ehemals hellblaues T-Shirt ist verdreckt. An den Ärmeln klaffen einige Löcher. Die dunkelgrüne Hose geht gerade mal zu den Knien. Ihre Füße stecken in Sandalen. Was die Polizei jedoch überrascht, ist, dass Joanne weder hysterisch noch übermäßig emotional wirkt. Sie macht einen eher gefassten Eindruck, trotz ihrer knapp entgangenen Entführung und Peters Verschwinden. Erika ist die erste Person, die Joanne nach dem Vorfall vernimmt. Rund drei Stunden dauert die Vernehmung. Am Ende ist klar, Peter ist vermisst oder sogar tot. Elfeinhalb Stunden nach dem Knall um sieben Uhr morgens beginnt die Suche nach Peter. Und damit eine der größten Fahndungen in der Geschichte des Northern Territory. Das Suchgebiet umfasst 400.000 Quadratkilometer. Das ist etwas größer als ganz Deutschland. Straßensperren werden eingerichtet und mehr als 100 schwerbewaffnete Polizisten durchkämmen das Gebiet. Sowohl zu Fuß als auch auf Motorrädern. Auch Helikopter und Flugzeuge überfliegen das Outback und halten aus der Luft nach Spurenausschau. Sogar vier Fährtensucher der First Nations kommen zum Einsatz. Am Tatort findet die Polizei einen getrockneten Blutfleck auf dem staubigen Asphalt. Etwa 60 Zentimeter im Durchmesser, direkt am Straßenrand neben der weißen Markierung. Es ist nicht viel Blut, vielleicht ein halber Liter. Aber in den meisten Fällen ist das noch nicht lebensbedrohlich. Später stellt sich heraus, dass es das Blut von Peter ist. Der Schuss, den Joanne in jener Nacht gehört hat, scheint Peter also getroffen zu haben. Auffällig ist jedoch, dass am Tatort weder Pulverrückstände noch eine Patronenhülse gefunden werden. Und noch etwas ist seltsam. Wenn jemand erschossen und die Leiche danach bewegt wird, würde man eigentlich eine Blutspur erwarten. Der Tatort wird also mit Luminol untersucht. Luminol ist eine chemische Substanz, die mit Eisen im Blut reagiert und dabei bläulich leuchtet. Damit lassen sich schon geringste Mengen von Blut nachweisen. Das habt ihr sicher schon in der ein oder anderen Folge bei uns gehört. Doch es wird keine weitere Blutspur gefunden. Seltsamerweise finden sich auch in der näheren Umgebung nirgendwo Schleifspuren. Was ist also mit Peter passiert? Hat der Täter Peters Wunde verbunden? Oder wie konnte er seinen Körper vom Tatort verschwinden lassen, ohne weitere Spuren zu hinterlassen? Wenig später entdeckt die Polizei den Campervan von Joanne und Peter. Er steht versteckt im Busch, keine 100 Meter vom Tatort entfernt. Doch am Heck des Wagens finden sich keinerlei Hinweise auf ein Verbrechen. Wenn Peter direkt am Heck erschossen wurde, wie es die Schilderungen von Joanne vermuten lassen, warum finden sich hier dann keine Blutspritzer? Warum wird das Auto nur wenige Meter vom Tatort abgestellt, aber von der Leiche fehlt jede Spur? Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen beginnt. Und der Heuhaufen könnte in diesem Fall nicht größer sein. Das Northern Territory ist größer als Frankreich und Spanien zusammen. Es gibt keinen besseren Ort auf der Welt, um eine Leiche verschwinden zu lassen. Die Polizei würde einiges an Glück brauchen, um Peter oder den Täter jemals zu finden. Immerhin, es gibt ja eine Zeugin, nämlich Joanne. Zwei Tage nach dem Vorfall fertigt ein Künstler im Auftrag der Polizei und nach den Aussagen von Joanne eine Skizze des Täters an. Auch vom Tatfahrzeug und der Pistole, mit der Joanne bedroht wurde. Das Bild vom Auto des Täters haben wir euch mal in den Shownotes verlinkt. Ihren Angreifer beschreibt Joanne als Mann um die 40 Jahre, mit dunklem, glatten, schulterlangen Haar und einem herabhängenden Schnurrbart, der leicht mexikanisch aussieht. Der Mann trägt eine schwarze Cappy und spricht mit einem starken australischen Akzent. Das Problem dabei ist jetzt, diese Beschreibung passt auf tausende australische Männer. Doch die Polizei hat einen entscheidenden Vorteil. Auf Joannes T-Shirt, das sie in der Tatnacht trägt, wird bei der forensischen Untersuchung auf der Rückseite ein kleiner Blutfleck entdeckt, im Bereich des linken Schulterblatts. Eine erste Analyse ergibt, dass das Blut auf dem T-Shirt weder von Joann noch von Peter stammt. Es gehört zu einer dritten, unbekannten, männlichen Person. Vielleicht also dem Täter? Der Fall löst einen Medienrummel aus. Insbesondere die australische und die englische Presse berichten darüber. Und alle wollen vor allem eine zu den Ereignissen in der Nacht vom 14. Juli befragen, nämlich Joanne. Doch diese weigert sich zunächst mit der Presse zu sprechen. Zuerst haben die Menschen Verständnis, sie sei traumatisiert, man solle ihr etwas Zeit geben. Doch schon bald wachsen Vermutungen, dass sie vielleicht etwas zu verbergen hat. Elf Tage nach dem Verschwinden von Peter, am 25. Juli 2001, erscheint Joanne bei einer ersten Pressekonferenz. Die findet aber unter ihren eigenen Bedingungen statt. Nur eine Reporterin der Australian Broadcasting Corporation, ein Fernsehkameramann sowie ein paar wenige Pressefotografen dürfen anwesend sein. Und sie bestimmt die Fragen. Im Vorfeld hat Joanne aus seiner Liste von Fragen drei ausgewählt, die sie beantworten wird. Das Interview zeigt Joanne in einem blauen Pulli. Ihre schwarzen, schulterlangen Haare sind glattfrisiert. Ihr Blick wirkt kühl und distanziert. Die Welt hat erwartet, sie würde zusammenbrechen. Doch das tut sie nicht. Joanne liest ein vorbereitetes Statement vor und beantwortet die drei Fragen sachlich. Nur ihre Hände zittern leicht. Sie sei zuversichtlich, dass man Peter finden würde. Jeder, der sie kenne, würde ihr glauben, nur die Medien würden ihre Version der Geschichte anzweifeln. Nach dieser Pressekonferenz ist das Bild von Joanne in der Öffentlichkeit gespalten. Für die einen ist sie plötzlich eine Täterin, für die anderen ein traumatisiertes Opfer. Doch was wäre, wenn Joanne doch etwas mit Peters Tod zu tun hat? Oder versucht sie etwa, stattdessen ihren Freund zu schützen? Was, wenn Peter einfach untergetaucht ist? Denn warum ist das Paar überhaupt so spät aufgebrochen an diesem 14. Juli, dem Tag des Verschwindens? Mussten sie zu einer bestimmten Zeit irgendwo sein? Hatten sie noch eine Verabredung? Fragen, die auch die Ermittler beschäftigen. In einer Doku berichten zwei Augenzeugen, dass sie Peter eine Woche nach dem Verschwinden gesehen haben. Am 22. Juli 2001. Und zwar bei ihnen in der Tankstelle. Die Brown Service Station liegt in Burke in New South Wales, einem Ort rund 2500 Kilometer vom Tatort entfernt. Die beiden Zeugen, Robert und seine Lebenspartnerin Melissa, haben kurz zuvor noch einen Zeitungsartikel über Peter gelesen. Darin sind auch ein Foto von Peter und die Zeichnung vom Auto des Täters abgebildet. Sie erkennen Peter als den Mann, der an diesem ruhigen Sonntag noch eine Cola und einen Maßriegel gekauft und nach dem Toilettenschlüssel gefragt hat. Die Polizei prüft diese Behauptung, verwirft die Theorie aber schnell wieder. Die Aussagen seien widersprüchlich hinsichtlich der Haarfarbe des Mannes. Außerdem stamme das Blut vom Tatort zweifelsfrei von Peter. und es gibt diese DNA-Spur an einer unbekannten Person auf Joannes T-Shirt. Die Medien spekulieren derweil weiter über ein mögliches Motiv. Ein Sexualverbrechen oder ein Raub? Aber warum wurden keine Wertgegenstände gestohlen? War es Zufall oder Absicht, dass ausgerechnet Joanne und Peter angehalten wurden? Auf der Suche nach dem Täter überprüft die Polizei systematisch alle verfügbaren Überwachungskameras entlang der Route von Peter und Joanne. Bereits einen Tag nach dem Angriff am 14. Juli stößt die Polizei auf Überwachungsaufnahmen einer Tankstelle in Alice Springs. Sie zeigen ein Auto, das in der Tatnacht um 0.38 Uhr, also fünf Stunden nach dem Überfall, an einer Zapfsäule hält. Es passt zu Joannes Beschreibung. Sieben Minuten später betritt ein Mann die Tankstelle. Er ist groß gewachsen, trägt ein Käppi und ein Bart. Auch das passt zur Beschreibung von Joann. Doch die Aufnahmen sind sehr unscharf und grisselig. Ein Kennzeichen lässt sich auch nicht erkennen und die Personen leider nicht identifizieren. Erst drei Wochen nach der Tat, Anfang August, entscheidet sich die Polizei, die Aufnahmen in der Western Australian Newspaper und später auch über das Fernsehen zu veröffentlichen. Sie hofft, der unbekannte Mann in der Tankstelle meldet sich, um sich vom Verdacht zu befreien. Aber das geschieht nicht. Dafür klingelt das Telefon in der Polizeistation pausenlos. Rund 2500 Menschen behaupten, jemanden mit so einem Auto zu kennen. Die Polizei konzentriert sich auf die registrierten Besitzer des identifizierten Toyota Land Cruiser, Modelljahr 91 bis 99. Und auf 36 Männer. Aufgrund dieser Ergebnisse interviewt das Ermittlerteam am 1. November 2001 einen Mann aus Broome. Sein Name ist Bradley. Doch die Polizei kann ihn nicht mit Joannes Beschreibung in Verbindung bringen. Er trägt kurzes Haar und hat keinen Bart. Und auch an seinem Alibi haben sie keine Zweifel. Sie nehmen daher keine DNA-Probe und ziehen wieder ab. Ein Fehler, wie sich später noch herausstellen wird. Es vergehen weitere Wochen. Der Druck auf die Polizei wächst derweil. Bisher hat das Ermittlerteam nur wenige DNA-Spuren, grisselige Bilder einer Überwachungskamera und die Aussagen der einzigen überlebenden Zeugin, nämlich Joanne. Die einzige Person, die erzählen kann, was kurz vor der Tat geschah. Und ihre Glaubwürdigkeit ist das Einzige, auf das ein späterer Prozess aufbauen könnte. Doch wie traumatisiert ist sie wirklich und wie belastbar sind ihre Aussagen? Ein sogenannter Scan Report analysiert die ersten Vernehmungen von Joanne aus der Tatnacht vom 15. Juli. Scan steht hierbei für Scientific Content Analysis und beschreibt ein forensisches Verfahren, um die Glaubwürdigkeit von Aussagen zu überprüfen. Hierbei werden unter anderem Sprachmuster und verwendete Zeitformen untersucht. Joanne verwendet zum Beispiel sehr oft Formulierungen wie Ich weiß nicht genau wie, ich erinnere mich nicht, gestoßen worden zu sein. Oder das Nächste, woran ich mich erinnere, oder ich glaube, so war es. Werbung. Werbung Ende. Der Scan-Report vom 17. Juli stellt fest, dass einige von Joanns Aussagen auf eine falsche Darstellung der Tatsachen hinweisen. Es gibt fehlende Zeitfenster und ein Teil der Geschichte sei besonders lückenhaft. Insbesondere ihre Flucht und was sie erlebt und gehört hat, als sie sich im Busch versteckt hat, bleibt relativ unklar. Immer wieder erzählt Joanne ihre Geschichte im Präsenz, der Gegenwart, angeblich ein starkes Zeichen für unwahre Aussagen. Am 7. August 2001 wird Joanne erneut von der Northern Territory Polizei interviewt. Eine Doku zeigt die körnigen Videoaufnahmen aus dem Interviewraum Nummer 4. Joanne sitzt an einem Tisch. Sie wirkt nicht besonders verunsichert oder aufgelöst, sondern eher gelangweilt, fast schon genervt. Ihr gegenüber sitzt eine Polizeibeamtin. Mit ruhiger Stimme stellt die ihre Fragen. Es geht um Joannes Sturz aus dem Camper. Sie hat ja ausgesagt, ihr Angreifer habe sie vom Sitz des Vans auf die Straße geschubst. Sie sei dabei mit dem Gesicht zuerst auf dem Asphalt gelandet, mit gefesselten Händen. Aber Joann hat gar keine Verletzungen im Gesicht, kein Blut, keine Schürfwunden, nicht einmal vorne am Körper. Auf die Frage, wie das möglich sei, sagt Joann, sie wisse es nicht. Sie saß auf dem Beifahrersitz. Im nächsten Moment lag sie draußen. Die Polizistin antwortet, ihr T-Shirt sei vorne nicht besonders schmutzig gewesen. Daraufhin ist es kurz still. Joanne sagt, sie könne sich nicht erinnern. Die Beamtin kommentiert es wie folgt. Sie sagt, wenn du dich nicht erinnern kannst, wie viel Wert können wir also auf alles andere legen, das du uns erzählt hast? Es sind nicht die einzigen Unstimmigkeiten, die in den Vernehmungen rund um den Fall auftauchen. In ihrem ersten Statement erzählt Joanne, sie sei in dem Auto des Angreifers nach hinten durchgerutscht, um zu fliehen. Das Ding ist aber, die Polizei findet kein Fahrzeugmodell, das zu ihrer Beschreibung passt. Kein Innenraum, der so aufgebaut ist. Kein Auto, das dieses Durchrutschen überhaupt möglich macht. Am Tatort wurden übrigens auch Schuhabdrücke gesichert. Allerdings nur von Joanne. Abdrücke von Peter oder einer dritten Person fehlen. Wenn der Täter so lange nach Joanne im Busch gesucht hatte, müssten da nicht auch seine Abdrücke sein? Und dann ist da ja noch das Tape. Joanne sagt, der Angreifer habe versucht, ihre Knöchel mit schwarzem, dünnem Isolierband zu fesseln. Sehr viel davon, sagt sie. Auf der Videoaufnahme zeigt die Polizistin ihr das Beweisstück. Ein kleines Stück Klebeband, gerade mal 70 Zentimeter lang. Das wurde am Tatort gefunden. Es wirkt lächerlich kurz. Joanne greift danach und wickelt es sich demonstrativ um den Fuß. Die Beamtin merkt an, dass es für beide Knöchel reichen müsse, wenn die Füße zusammengebunden waren. Joanne erwidert, »Ich habe nie gesagt, dass sie zusammengebunden waren. Ich dachte das nur.« Was aber die Geschichte von Jen stützt, ist das Blut einer dritten unbekannten Person auf ihrem T-Shirt. Die Polizei weiß, dass wenn es ihm gelingt, diese DNA zu identifizieren, dann finden sie auch den Angreifer. Doch die Datenbanken sowohl in Australien, Neuseeland als auch in England und den USA bringen keine Ergebnisse. Die Polizei tappt ein weiteres Jahr im Dunkeln, bis sie einen Tipp von einem Mann namens James bekommen. James dealt mit Cannabis und wird von der Polizei wegen Drogenhandels festgenommen. Das ist im Mai 2002, zehn Monate nach dem Überfall. Um eine mildere Haftstrafe herauszuhandeln, behauptet James während der Vernehmung, sein Geschäftspartner hätte im Jahr zuvor damit geprahlt, Peter umgebracht zu haben. Der Name seines Partners lautet Bradley. Und dieser Bradley ist kein unbeschriebenes Blatt. Er ist ein großer Mann, 1,96 groß, hat breite Schultern und einen harten Blick. Er ist nicht zu übersehen. Bradley wird in Geraldton als drittes Kind eines Automechanikers und einer Friseurin geboren. Noch als Teenager wird er 1995 zum ersten Mal zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Neben seinem Job als Automechaniker ist Bradley auch Drogenkurier. Einmal im Monat fährt er von Cedan in Südaustralien durch das Northern Territory nach Broome und transportiert dabei große Mengen Marihuana. In seinem Heimatort Broome kennt man Bradley als Brad Eastwood. Der gern mit seinem Gewehr herumstreift. Aber würde jemand mit einem Kofferraum voller Drogen wirklich ein britisches Paar überfallen? Für die Polizei ist der Hinweis von James der ersehnte Durchbruch. Bringt das die entscheidende Wendung in dem Fall? Um Bradley mit Peters Fall in Verbindung zu bringen, braucht die Polizei seine DNA, um sie mit dem Blut auf Joanes T-Shirt zu vergleichen. Und vielleicht kommt euch der Name ja auch schon bekannt vor. Denn es ist der gleiche Bradley, den die Polizei im November 2001 schon einmal zum Fall befragt hat. Nur damals hatten sie keine DNA-Probe verlangt. Sein Alibi schien zu diesem Zeitpunkt wasserdicht zu sein und auch sein Aussehen weicht von Joannes Beschreibung des Täters ab. Doch Bradley scheint untergetaucht zu sein. Drei Monate später, im August 2002, wird er wegen eines anderen Falls in Südaustralien verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, eine Mutter und ihre zwölfjährige Tochter entführt und vergewaltigt zu haben. Bei dieser Gelegenheit kommt die Polizei endlich an die ersehnte DNA-Probe. Und ein Vergleich zeigt, Bradley ist tatsächlich der Mann, nachdem sie seit mehr als einem Jahr suchen. Doch noch können sie ihn nicht verhaften. Denn der Verdächtige steht erst mal in Adelaide vor Gericht. Sein Anwalt behauptet später, der Fall mit Mutter und Tochter sei nur ein Vorwand gewesen, um an die DNA von Bradley zu kommen. Nach vier Stunden und zwölf Minuten Beratung erklärt die Jury Bradley in diesem Fall für nicht schuldig. Ein anwesender Journalist beschreibt in einem Interview die Szenen, die sich nach dem Freispruch im Gericht abspielen. Bradley blickt sich gehetzt um, seine Augen sind weit geöffnet, Er scheint seine Möglichkeiten im Kopf durchzuspielen und hastet dann aus der Tür des Gerichtssahls. Polizisten aus dem Northern Territory als auch aus Südaustralien springen auf und jagen ihm durch das Gebäude hinterher. Sie versuchen, den Hühnen an eine Wand zu drücken. Es gibt ein riesiges Gedränge aus Polizisten, Journalisten und Bradley mittendrin. Die Polizisten fangen Bradley auf dem mittleren Treppenabsatz ab, legen ihm Handschellen an und führen ihn die Treppe hinunter. Gerade erst raus aus dem Gerichtssaal wird Bradley erneut von der Polizei des Northern Territory festgenommen. Diesmal für den Fall auf dem Stuart Highway. Nach dem Überfall am 14. Juli 2001 bleibt Joanne zunächst in Australien, bevor sie Ende 2001 wieder nach England zurückkehrt. Im Oktober 2002 ist die mittlerweile 29-Jährige im Urlaub auf Sizilien. Ein Freund berichtet ihr am Telefon über einen Zeitungsartikel auf der Website der BBC. Joanne ruft die Seite auf und findet dort ein Foto von Bradley. Sie erkennt ihren Angreifer auf den ersten Blick. Nach ihrer Rückkehr nach England besuchen sie australische Polizisten. Videoaufnahmen in einer Doku zeigen den Morgen des 18. November 2002. Joanne bekommt in einer Polizeistation eine Tafel mit Fotos von zwölf Männern vorgelegt. Ohne zu zögern sagt sie, ich glaube, es ist die Nummer 10 und tippt mit dem Finger auf das Foto. Damit identifiziert sie Bradley als Täter. Die Anklage behauptet später, Joanne sei beeinflusst gewesen, weil sie das Foto von Bradley schon Wochen vor der Identifizierung online gesehen habe. Noch immer hat die Polizei keine Leiche, aber die Beweise sammeln sich. Joanne hat Bradley identifiziert, die Polizei hat seinen Aufenthaltsort zum Tatzeitpunkt rekonstruiert und weiß, dass er in der Gegend von Alice Springs war am Tag der Tat. Und sie haben eine Übereinstimmung mit seiner DNA. Nicht nur an Joannes T-Shirt. Auch am Lenkrad des Campervans, dem Schaltknüppel und den Kabelbindern, die der Täter als Handschellen verwendet hat, wurden den Arschspuren gesichert. Auch diese stimmen mit Bradleys überein. Ein weiteres, entscheidendes Beweisstück findet die Polizei bei der Hausdurchsuchung des Verdächtigen. In einem Interview mit dem Guardian beschreibt die leitende Ermittlerin, wie eine ihrer Mitarbeiterinnen in Bradleys Habseligkeiten ein kleines, rundes Haargummi gefunden hat. Es ist das Haargummi von Joanne, das sie im Kampf mit Bradley verloren hat. Das elastische Haargummi wird in Bradleys Fahrzeug gefunden. Er hat das unscheinbare Accessoire um seinen Pistolenholster gewickelt. Die Ermittlerin vermutet, dass es eine Trophäe gewesen sein könnte, ohne dass Bradley hätte ahnen können, welche Bedeutung es noch haben wird, ihn zu überführen. Die Staatsanwaltschaft steht nun vor einer schwierigen Aufgabe. Es gibt ja kein Leichnam. Wie also soll sie beweisen, dass Peter wirklich tot ist? Es gibt keine Tatwaffe, keine Kugeln, kaum Spuren am Tatort. Nur die sehr grisseligen Videoaufnahmen der Überwachungskamera aus der Tankstelle in Alice Springs. Doch die schlechte Qualität macht eine eindeutige Identifikation der Person schwierig. Und hier kommt Dr. Mia Sotishno ins Spiel. Sie ist Sachverständige für Gesichts- und Körperkartierungen. Das heißt, sie identifiziert Personen anhand ihrer anatomischen Teile. Denn kein Mensch ist in Bezug auf seine Gesichtszüge, Körperform und Gewohnheiten identisch. Sotischno soll die Aufnahmen aus dem Video mit Bradley vergleichen. Während Bradley in Untersuchungshaft sitzt, wird also seine Körperform vermessen. Es werden Videoaufnahmen gemacht, um zu beurteilen, wie er läuft und seine Arme bewegt. Sotischno vergleicht das mit den Aufnahmen der Überwachungskamera aus der Tankstelle. Und kommt zu dem Entschluss, dass es Bradley ist, der auf den Videoaufnahmen zu sehen ist. Am 17. Mai 2004, fast drei Jahre nach dem Überfall, beginnt in Darwin die Vorverhandlung gegen Bradley, um zu klären, ob genügend Beweise für ein Gerichtsverfahren vorliegen. Noch immer fehlt aber von Peter jede Spur. Doch die Vorverhandlung bringt eine andere Person zurück in den Fokus, nämlich Joanne, und wirft ein völlig neues Licht auf ihre Beziehung zu Peter. Am 27. Mai 2004 sitzt Joanne zurück in Australien im Zeugenstand. Bradleys Anwalt nimmt sie ins Kreuzverhör. Es geht ein Rauen durch den Saal als ein Namefeld, den bisher weder die Öffentlichkeit noch die Medien im Zusammenhang mit diesem Fall gehört haben, nämlich Nick. Es geht um E-Mails, um Nachrichten, die Joanne mit einem Mann in Sydney ausgetauscht hat. Nur wenige Tage nach Peters Verschwinden. Nick ist ebenfalls Brite und Backpacker. Er arbeitet in einem Coffeeshop, nicht weit entfernt von der Buchhandlung, in der Joanne während ihrer Zeit in Sydney gejobbt hat. Die beiden lernen sich über einen Kollegen von Joanne kennen. Der Verteidiger fragt Joanne ganz direkt. Während ihrer Zeit in Sydney mit Peter, hatten sie eine Affäre, eine sexuelle Beziehung über einen Zeitraum von mehreren Wochen mit Nick? Und Joanne antwortet, ich werde mit Ja antworten, aber ich würde es nicht als Affäre oder Beziehung bezeichnen. Die Doku zeigt Telefonprotokolle, die während der Ermittlungen und auch später scheinbar keine tragende Rolle spielen. Diese beweisen, dass Joanne und Nick auch nach ihrer Abreise aus Sydney regelmäßig Kontakt haben. Einen Monat vor Peters Verschwinden telefonieren sie an einem Tag ganze 28 Mal. Und dann diese E-Mail. Nur wenige Tage nach dem Verschwinden von Peter schreibt Joanne eine Mail. An jemanden mit dem Code namens Steph. Darin schlägt sie ein Treffen in Berlin vor. Irgendwann in der Zukunft. Nach ihrer Rückkehr nach Europa. Steph ist niemand anderes als Nick. Die Doku zeigt auch, dass die Polizei bei einem Interview am 18. Juli 2001, also gut vier Wochen nach dem Vorfall am Stuart Highway, über Joannes Affäre mit Nick Bescheid wusste. Die Ermittler haben die E-Mails entdeckt, nicht weil Joann sie freiwillig erwähnt hat, sondern durch Zufall. Denn Joann wird während ihres einmonatigen Aufenthalts in Alice Springs nach dem Angriff von einer Polizeibeamtin betreut. Auf die Frage, warum sie die Mails verschwiegen habe, da antwortet Joann in dem Interview knapp, Sie habe es nicht für relevant gehalten. Es sei ein persönliches Thema. Aber verhält sich so eine Frau, deren Partner verschwunden ist? Möglicherweise sogar ermordet wurde? Warum plant sie Treffen mit einem anderen Mann? Nutzt Codenamen? Führt heimliche Telefonate? Ist das Bild von der großen Liebe zwischen Joanne und Peter nur ein Fake? Einen kleinen Ausschnitt aus dem Polizeienterview könnt ihr euch auch ansehen. Wir haben euch das in den Schaunots verlinkt. Eine Affäre beweist jedoch noch lange keine Schuld. Die Beweise belasten nach wie vor Bradley. Am 18. August 2004 fällt eine Entscheidung. Es liegen genügend Indizien vor, um Bradley vor dem obersten Gerichtshof des Northern Territory in Darwin wegen des Mordes an Peter anzuklagen. zu klagen. Am 17. Oktober 2005, über ein Jahr nach der Vorverhandlung, beginnt der Prozess. Neben den Aufnahmen der Überwachungskamera und den Aussagen der Kronzeugin Joanne, ist die DNA, die an Joannes T-Shirt, dem Lenkrad, dem Steuerknüppel und den Handschellen gefunden werden, der wichtigste Beweis. Doch es ist genau dieser Beweis, der im Verlauf des Prozesses und den Jahren darauf immer wieder angezweifelt wird. Die DNA am Tatort wird von Mitgliedern der forensischen Einheit des Northern Territory gesichert. Für die Auswertung verwenden sie die sogenannte LCN-Methode, Low Copy Number Method. Diese Methode wird bei extrem geringen DNA-Mengen eingesetzt, etwa angefassten Objekten, Kleidungsstücken oder bei Hautkontakt. Das Problem ist, je weniger Ausgangsmaterial zur Verfügung steht, desto höher ist das Risiko für Kontamination und Zufallseffekte. Die Art der Analyse ist in vielen Ländern umstritten, weil die Ergebnisse stark schwanken können und als nicht zuverlässig genug gelten. Darauf stürzt sich natürlich auch die Verteidigung. Warum findet sich auf Joannes T-Shirt nur so eine kleine Menge an DNA? Wenn die beiden gekämpft haben, Bradley sie zu seinem Wagen geschleift hat, müssten dann nicht noch mehr Spuren zu finden sein? Ein Mensch verliert im Durchschnitt etwa 30.000 bis 40.000 Hautzeilen pro Minute. Diese bleiben auf unserer Kleidung, auf unserem Smartphone, praktisch auf allen Gegenständen, die wir anfassen, haften. Das hätte doch auch hier der Fall sein müssen. Noch absurder wird dann die folgende Theorie von Bradleys Verteidigung. Ihr erinnert euch, Joanne und Peter sind an dem Tag des Überfalls bei Red Roosters in Alice Springs gewesen. Peter hat dort ja was gegessen. Wie es der Zufall will, war auch Bradley an diesem Tag gegen 10.30 Uhr im gleichen Red Roosters. Könnte es also sein, dass sich Joanne auf denselben Stuhl gesetzt hat wie Bradley? Und so eine Übertragung stattfindet, ohne dass die beiden sich dafür begegnet sein mussten? Während des späteren Berufungsverfahrens argumentiert eine Forensikerin, dass Blut sei zum Zeitpunkt des Kontakts mit dem T-Shirt frisch gewesen, da es verschmiert sei. Die Theorie einer solchen Art der Übertragung sei deshalb nicht plausibel. Auch die Staatsanwaltschaft kontert solche Behauptungen. Es gäbe ja nicht nur eine DNA-Probe, sondern drei verschiedene. Die DNA auf dem Klebeband von Joannes Handschellen stamme mit einer 100-mal höheren Wahrscheinlichkeit von Bradley als von jemand anderem. Beim Schalthebel ist es 19.000 Mal und bei Joannes T-Shirt sogar 150 Billiarden Mal wahrscheinlicher, dass es Bradley war und niemand sonst. Acht Wochen dauert der Prozess insgesamt. Es werden 85 Zeugen gehört und 300 Beweisstücke vorgelegt. Am 13. Dezember 2005 wird das Urteil verkündet. Nach acht Stunden Beratung kommen die sechs Frauen und sechs Männer der Jury in den Saal des obersten Gerichtshofs in Darwin zurück. Bradley wird einstimmig für den Mord an Peter für schuldig befunden. Der 47-Jährige wird zu einer lebenslangen Haft mit einer Mindesthaftdauer von 28 Jahren verurteilt. Weitere sechs Jahre bekommt er für die Versuch der Entführung und Körperverletzung von Joanne. Die mittlerweile 32-jährige Joanne verfolgt die Urteilsverkündung weinend auf der Zuschauertribüne, gemeinsam mit Peters Bruder Paul. Auch Peters Eltern und sein Bruder Nicholas sind anwesend. Bradley registriert das Urteil und die Verkündung seiner Strafe regungslos auf der Anklagebank. Viereinhalb Jahre nach dem Vorfall auf dem Stuart Highway herrscht endlich Gerechtigkeit. Joanne bittet Bradley, ihr und Peters Familie endlich zu sagen, was er mit Peter gemacht habe. Doch auch nach seiner Verurteilung schweigt Bradley. Peters Leiche bleibt verschwunden. Die Polizei und das Gericht gehen davon aus, dass Bradley sie irgendwo zwischen Broom und Alice Springs entsorgt hat. Einem ausgedehnten Wüstenlandstrich von fast 2000 Kilometern. Es gibt verschiedene Vermutungen über Bradleys Motiv und sein Schweigen. Der leitende Staatsanwalt vermutet, dass Bradley mit Drogen gehandelt und befürchtet hat, das junge Paar würde ihm folgen. Er habe seiner Freundin erzählt, er sei verfolgt worden, habe sich aber darum gekümmert. Eine weitere Theorie ist, dass Bradley Joanne allein am Steuer sitzen sieht, während Peter ja hinten schläft. Deshalb sei Bradley mit Handschellen und Waffe vorbereitet gewesen, als er das Paar anhält. Die Versuch der Entführung ähnele dem Vorfall in Südaustralien, bei dem Bradley eine Mutter und ihre Tochter entführt und vergewaltigt hat, aber ja geschnappt wurde. Die Leitner-Ermittlerin Colleen meint, bei der Flucht von Joanne habe Bradley die Kontrolle über die Situation verloren. Es sei sein Weg gewesen, die Kontrolle wiederzubekommen, indem er über den Verbleib von Peters Leiche schweige. Bradley beteuert weiterhin seine Unschuld und legt in den kommenden Jahren mehrfach Berufung ein. Diese wird immer wieder abgelehnt. 2016 führt die Regierung des Northern Territory das Nobody-No-Parole-Gesetz ein. Das Gesetz zielt direkt auf Bradley ab und gewährt Verurteilten nur eine Chance auf Bewährung, wenn diese bei der Aufklärung des Verbrechens kooperieren und den Aufenthaltsort ihrer Opfer preisgeben. Zahlreiche Dokumentationen, Bücher und Podcasts verarbeiten den Fall. Es gibt viele Spekulationen darüber, was mit Peter passiert ist. Fest steht, der Fall bleibt eines der rätselhaftesten Verbrechen Australiens. Nach dem Prozess kehrt Joanne nach England zurück. Sie studiert Soziologie an der Universität in Sheffield und arbeitet als Sozialarbeiterin. 2017 startet sie eine Spendenkampagne. Sie möchte Peter ein Denkmal setzen, und zwar in Tea Tree. An dem Ort, an dem sie gemeinsam ihren letzten Sonnenuntergang erlebt haben. Bisher scheitert die Umsetzung noch immer an der Finanzierung. Heute ist Joanne 52 Jahre alt. Sie hat nie geheiratet und hat keine Kinder. 2019 wird bei Bradley Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Im Juni 2025 erhöht die australische Polizei den Finderlohn auf 500.000 australische Dollar. Das sind umgerechnet knapp 300.000 Euro für Hinweise, die zum Auffinden von Peters Leiche dienen. Zeitgleich am 24. Juni wird Bradley vom Gefängnis auf die Palliativstation im Krankenhaus von Alice Springs verlegt. Am 15. Juli 2025, genau einen Tag nach dem 24. Jahrestag des Verschwindens von Peter, stirbt Bradley mit 67 Jahren. Er nimmt das Geheimnis, wo Peters Leiche liegt, mit ins Grab. Für den mittlerweile 83-jährigen Vater von Peter ist der Tod Bradleys ein Schock. Den Medien gegenüber erklärt er, er hätte gehofft, dass Bradley ihm irgendwas hinterlassen hat, damit er seinen Sohn noch finden kann. Auch wenn es aussichtslos ist, verspricht die Polizei in den Tagen nach Bradleys Tod, die Suche nach Peter nicht aufzugeben. Sie seien weiterhin fest entschlossen, diesen letzten Teil der Ermittlungen aufzuklären. Und damit geht wieder ein sehr, sehr langer Fall zu Ende. Mich würde auch erstmal interessieren, bevor wir in die Diskussion gehen, was ihr von den längeren Fällen generell haltet, ob ihr sagt, das ist perfekt, weil so könnt ihr gleich mehrmals einschlafen zur schwarzen Akte. Was sagt ihr dazu? Aber erstmal würde mich interessieren, Anne, es gibt ja schon noch einige Sachen, die hier auch offen sind rein theoretisch. Was hältst du von dem Fall? Wie siehst du den? Also ich muss sagen, und vielleicht geht es euch ja genauso, Also, dass meine Gedanken und meine Vermutungen die ganze Zeit hier hin und her springen. Also, es gab so viele Momente, in denen ich mich gefragt habe, okay, hat Joanne doch was mit der Sache zu tun? Ist sie doch eine Schuldige? Und ja, hat irgendwas mit dem Verschwinden, mit dem Mord von Peter zu tun? Und dann, ja, hat man mithilfe der DNA eben Bradley gefunden. Und ich muss sagen, auch wenn Bradley verurteilt ist, Und er hat ja nie gestanden, das muss man ja dazu sagen. Finde ich trotzdem, dass der ganze Abschluss nicht zu 100% befriedigend ist, oder? Also kannst du verstehen? Geht's dir auch so? Ja, ich war mir selbst gar nicht sicher, wie ich das sagen soll, weil sich das auch richtig arschig einfach anhört, so von wegen, ja, Bradley ist zwar verurteilt, aber irgendwie bleibt da so ein Rest, wo ich glaube. Na, aber ob das auch so zu 100% richtig aufgeklärt wurde, ich meine, mag komplett sein. Also sehr, sehr wahrscheinlich auch, so wie Rattler überführt wurde, dass er das war. Aber dass da trotzdem noch nicht 100 Prozent der Story erzählt wurden. Also beziehungsweise wir nicht 100 Prozent der Story wissen einfach. Wir alles nur erzählen können, was uns erzählt wird, aber da halt trotzdem in der Nacht noch was passiert ist. Voll. Also anhand der Faktenlage ist es ja so, dass Joanne hier in dieser Geschichte ein Opfer ist und ihren Freund verloren hat. So, das sind die Fakten. Das ist das, was die Quellen auch hergeben. Aber ich finde, man darf ja trotzdem dieses Gefühl äußern, was es zumindest bei mir hinterlassen hat. Und auch ihre Affäre spricht natürlich nicht dafür, dass sie schuldig ist. Das geht ja nicht damit einher. Aber ich finde, das Timing ist trotzdem ein bisschen komisch, dass sie diese Affäre hat und im gleichen Zeitraum verschwindet ihr Freund, wird ihr Freund erschossen. Und dann schreibt sie aber weiterhin mit diesem Nick unter einem Decknamen. Das finde ich ein bisschen komisch, oder? Warum verhält man sich dann so? Also klar, vielleicht hatte sie auch irgendwie Angst, dass der Fokus dann auf sie gerichtet wird, wenn sie mit einem Mann schreibt und deswegen so diesen Decknamen benutzt und das Ganze mit der Affäre nicht sagt und das Timing ist irgendwie ein riesengroßer Zufall. Aber ich finde, es hinterlässt irgendwie trotzdem einen kleinen Beigeschmack. Ich bin auch, wie gesagt, hin- und hergerissen. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich zeitweise wirklich gedacht habe, dass sie komplett dahinter steckt. Aber ich glaube, das Ding ist halt einfach, es sind so oft... Sachen, die gleichzeitig passieren, vielleicht waren die beiden, oder vielleicht war besonders sie mit der Beziehung gar nicht so happy und hat deswegen, auch alle Leute trauern ja unterschiedlich, hat deswegen auch direkt danach Halt gesucht, indem sie mit Nick zum Beispiel geschrieben hat. Also da ist es halt auch ultra schwer jetzt, ich will nicht sagen eine Ferndiagnose zu machen, aber sich halt so aus der Ferne in eine Person in so einer Situation hinein zu versetzen. Was ich wiederum auch ganz interessant finde ist, dass ja auch wirklich der ganze Prozess sehr vordergründig auf ihren Zeugenaussagen basiert hat. Und ich finde besonders in diesem Fall fällt wieder auf, wie brüchig eigentlich Zeugenaussagen sind. Weil was wir bisher wirklich immer noch nicht geklärt haben ist, wie sie zum Beispiel bei dem Auto von dem fremden Mann, also vom Bradley dann, da hinten durchgerutscht sein soll. Weil die Polizei hat kein passendes Auto gefunden, wo das irgendwie möglich gewesen sein soll. Vielleicht hat das modifiziert, kann ja auch alles sein. Aber das wurde auch nie richtig geklärt. Sie konnte es, wollte es nie richtig erklären. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du in der Situation einfach traumatisiert bist. Im Nachgang dir nicht alles... Perfekt herleiten kannst. Und deswegen finde ich es der Fall auch nochmal ein sehr interessanter Fall genau für diesen Punkt. Zeugenaussagen sind immer sehr hochgewichtet, aber halt auch sehr brüchig, sehr fehleranfällig. Ja, voll. Und ich muss sagen, diese Szene, diese Beschreibung aus dem Outback, sie sind da mitten im Dunkeln unterwegs und dann taucht da plötzlich ein anderes Auto auf und sie will nicht anhalten, aber Peter sagt, doch, ist okay, wir können anhalten. Und dann hält sie an und dann kommt es ja zu dieser ganzen Szene. Das ist so eine kleine Urangst auch von mir, muss ich sagen. Also wenn ich mal alleine Auto fahre, in der Dunkelheit, über Landstraßen, dann ist meine größte Angst, dass da plötzlich jemand auf der Straße steht und ich anhalten muss und diese Person mir irgendwas Böses will. Und deswegen, wenn ich mir das so vorstelle, ich bin im australischen Outback unterwegs. Joanne war jetzt zwar nicht alleine, aber trotzdem. Und dann halte ich da an, mitten in tiefster schwarzer Nacht. Im Leben würde ich nicht anhalten. Ich hätte viel zu viel Angst, oder? Also vielleicht bin ich da jetzt auch ein bisschen sehr zu ängstlich oder so. Aber ich, also keine Ahnung, ich hätte nicht angehalten. Ich finde es auch so krass. Ich meine, dieses australische Outback ist einfach größer als manche Länder bei uns hier. Ich finde das so, so krass. Und klar dauert das ja dann noch ultra lange, bis dann überhaupt wirklich Hilfe kommt. Deswegen muss ich sagen, ich kann den Punkt komplett verstehen. Gleichzeitig wäre ich aber trotzdem hin- und hergerissen, weil ich dann so denke, ach, was, wenn die Person doch Hilfe gebraucht hätte oder so. Und dann sehe ich am nächsten Tag in den News von wegen, Person XY ist im Outback verstorben, weil halt alle dran vorbeigefahren sind. Also ich finde, da kann man sich im Zweifel nur falsch entscheiden. Ich weiß jetzt schon, da werden bestimmt ganz viele Leute jetzt vorbeikommen in die Kommentare und ich freue mich sehr darauf, die in Australien schon unterwegs waren. Vielleicht habt ihr da ein paar Einblicke, ob es da doch ein paar, ich weiß nicht, Methoden gibt, Oder, ja, Möglichkeiten, so eine Situation dann doch zu lösen, nicht? Kann ich mir vorstellen, in Australien geht man damit nochmal anders um. Und wir haben halt hier mit unserer europäischen Blickweise nochmal sowas ganz anderes. Und die sich ja sowieso mit True Crime die ganze Zeit beschäftigen und deswegen nochmal einen ganz anderen Blick auf sowas haben. Das würde mich sehr, ja, sehr interessieren. Und ich glaube, beim Thema Reisen können wir eigentlich auch ganz gut andocken, wa? Wir sind ja gerade aktuell sehr krass in der Vorproduktion, aber der Zeitpunkt, wo die Folge hier rauskommt... Ich mache jetzt einfach wieder einen harten Cut zur Real World bei uns beiden hier. Da müssten wir beide aus dem Urlaub eigentlich wieder raus sein, oder? War es bei dir auch so oder bist du noch im Urlaub? Ich bin noch mitten im Urlaub. Ich bin dann jetzt gerade in der Toskana angekommen und verbringe die nächsten Tage hier. Und die Toskana ist so mit mein liebstes Fleckchen Erde auf der Welt. Ich finde das da wunderschön. Ich bin da super, super gerne. Und ja, komme da irgendwie besonders gut runter. weil ich die Natur da einfach ganz besonders und ganz besonders schön finde. Deswegen, ja, schaut gerne mal bei Instagram vorbei. Da teilen wir ja immer so ein paar Einblicke aus unserer Woche. Und da werdet ihr sicherlich das ein oder andere Foto aus der Toskana sehen. Ich muss auch sagen, ich liebe die Toskana unglaublich. Ich war da mal früher mit meinen Eltern einmal und ich... Blicke wehmütig zu diesem Urlaub zurück, weil einfach alles war schön, das Wetter war schön, die Menschen waren alle toll. Ich weiß auch gar nicht, was mit uns Deutschen los ist, dass wir Italien generell so toll finden, um ehrlich zu sein. Ich glaube, das geht voll vielen so, aber ja, Toskana, ich freue mich richtig für dich. Bei mir, muss ich sagen, steht die Woche mal wieder nicht so viel an, halt immer gefühlt, ich habe es ja am Anfang des Jahres gesagt, ich bin immer nur am Streamen, gefühlt ist das so das Einzige neben dem Podcast, was bei mir so läuft. Aber kommenden Freitag, ich weiß gar nicht, ob ich das hier im Podcast erzählen darf, aber ist ja dann auch schon kurz davor, können wir ruhig sagen. Bin ich bei einer Feier von Holy. Ja, und ich kann leider nicht dabei sein, weil ich dann auch in Italien bin. Deswegen ganz viel Spaß. Grüß uns da mal die ganzen Podcast-Kolleginnen und Kollegen. Und dann würde ich sagen, ist es jetzt Zeit, diese heutige Folge hier zu beenden. Wir freuen uns immer super, super doll, wenn ihr bis zu diesem Punkt jetzt hier zugehört habt und euch eben nicht nur den Fall anhört, sondern auch noch unser Gequatsche am Ende. Und dann würde ich sagen, hören wir uns nächste Woche Dienstag wieder zu einer neuen Folge der schwarzen Akte. Wir sind eure Hosts Anne Luppmann und Patrick Strobusch. Redaktion Stefanie Eisenlauer und wir. Schnitt Anne Luckmann Produktion Nadine Lenfer-Unterweger und Lea Backes Die schwarze Akte ist eine Produktion der Julep Studios. Besonderer Dank geht an Falco Schulte.