Latest / BZ am Ohr / Geraldine Schüle saniert einen alten Hof - und Hunderttausende schauen zu
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- Hallo, hier ist BZ am Ohr, der Podcast der Badischen Zeitung. Mein Name ist Dora Schölz und ich nehme euch heute mit auf einen kleinen Ausflug. Ungefähr 90 Kilometer entfernt von Freiburg, einmal quer durch den Schwarzwald. Ja und eben also außer Küche, Stube und Schlafzimmer so ist einfach kalt im Haus. Und im Winter friert es dann auch in den Zimmern. Hier, ganz nah am Hochrhein und an der Schweizer Grenze, im Klettgau, lebt Geraldine Schüle. Mit ihrem Mann Patrick und den Kindern Oskar, der ist vier, und Jolanda, die wird bald zwei. Sie haben einen 500 Jahre alten Hof gekauft, den sie jetzt sanieren. Und hier ist das Highlight vom Haus. Das ist eine 500 Jahre alte Säule, die ein Kloster gespendet hat. Aber jeder Historiker, der hier reingeht, ist total von den Socken. Geraldine zeigt mir das Haus, den alten Kachelofen im Wohnzimmer, die Tür im Flur, die nicht richtig aufgeht. Die Zimmer in den oberen Stockwerken, die total vermüllt waren, als sie das Haus übernommen haben. Sie zeigt mir die gigantisch große Scheune, die einsturzgefährdet war und die jetzt als Holzlager und Werkstatt dient. Und hier vorne. Es ist schade, jetzt sieht man heute die Aussicht nicht, weil das ist eigentlich das Beste an dem Haus. Das ist so neblig heute, man sieht überhaupt nichts. Wenn man jetzt Glück hat, sieht man die Kühe, aber die haben wir gestern noch weiter zugezäunt. Also unser Grundstück geht da unten 1,3 Hektar weiter. Und die sind jetzt, glaube ich, da am frischen Gras. Die Familie betreibt hier im Nebenerwerb Landwirtschaft mit Hühnern, Schafen, Ziegen und vier kleinen Dexterrindern, die sich aber heute leider im Nebel verstecken. Wir können auch da rumgehen und vorne wieder rein. Das Besondere an Geraldine, Patrick und ihrem Hof ist nicht nur, dass sie ihn weitgehend selber sanieren. Ihrem Alltag folgen bei Instagram auch mehr als eine halbe Million Menschen. Bevor wir zur Hausführung aufbrechen, filmt sie uns deshalb auch, um gleich wieder neuen Content für ihren Account zu haben. Immer wieder eine Podcastaufnahme heute Morgen zu Besuch und wir machen jetzt eine kleine Hausführung. Ich bin verkabelt. Zum Interview setzen wir uns dann in die warme Küche. Hinter Geraldine steht die alte Küchenhexe, in der das Holz vor sich hin knackt. Auch die alten Holzstühle, auf denen wir sitzen, knarzen immer wieder. Damit wir uns in Ruhe unterhalten können, sind Patrick und die Kinder rausgegangen in den Nebel. Geraldine, erstmal herzlich willkommen bei BZ Amor. Dankeschön. Freue mich, dass du das für mich hast. Ihr seid vor zwei Jahren in dieses unsanierte Haus eingezogen, ohne Strom, ohne Heizung, warmes Wasser, nur im Bad. Ihr schlaft in einem Zelt, damit der Putz nicht von der Decke in euer Bett reinbröckelt. Und das Ganze mit zwei kleinen Kindern. Wie geht das? Ich glaube, Stück für Stück vor allem. Also das mit dem Zelt zum Beispiel, das haben wir behoben vor ein paar Tagen. Okay. Haben wir es uns ein bisschen nochmal umgebaut. Das war so die schnelle Lösung, weil einfach an jeder Ecke hier so viel zu tun war. Und dann muss man so pragmatische Abstriche machen in anderen Bereichen. Und das war so ein Safari-Zelt, also jetzt kein so Camping-Zelt, sondern schon eher Glamping im eigenen Haus, war wirklich gemütlich und die Kinder lieben sowas natürlich und genau, aber irgendwann hat es uns jetzt auch gereicht, dass man einfach so schön aufstehen kann und das Bett morgens gut machen kann und so. Jetzt haben wir uns ein Palettenbett gebaut und die Wände abgehangen, das Problem ist einfach, dass wir hier so alten Putz auf den Wänden hatten, der hat auch nicht so gut gerochen und den haben wir einfach runtergeholt mit dem... Hammer und Meisel und Maschinen. Und seitdem haben wir eben die nackten Bruchsteinwände und die bröckeln halt. Genau, und haben uns hier so provisorisch eingerichtet und es ist alles so ein Zwischending aus, wenn es total gemütlich ist. Und ja, man richtet sich auch ein, hängt Sachen an die Wand und auf der anderen Seite wissen wir, dass wir es einfach in den nächsten Monaten schon wieder auch alles ausräumen und rausreißen. Und Stück für Stück alles saniert und neu macht. Ja, gemütlich ist es auf jeden Fall. weil man hört im Wintergrund auch das Heus knacken. Das ist die Küchenhexe, mit der beheizt ihr hier die Küche, in der wir gerade sitzen. Dann haben wir noch den Kachelofen. Der geht auch in die Stube rüber. Sehr gemütlich und schön warm ist es auf jeden Fall hier drin. Draußen ist es kalt und neblig heute. Du bist ja ganz anders aufgewachsen. Du kommst aus einer Schaustellerfamilie. Ihr seid viel rumgereist. Du bist dann mit 17 alleine das erste Mal alleine nach Indien. Warst dann viel am Reisen. Korrigiere mich, Israel, Palästina, Libanon, Kenia, Ägypten. Was war denn so das Krasseste, was du da unterwegs erlebt hast? Ich glaube, zum einen meine erste Reise, da bin ich mit 17 vier Monate allein nach Indien und wollte einfach raus irgendwie. Das war auch so relativ planlos und das hat mich komplett überfordert. Also ich kam heim mit Läusen auf dem Kopf und war völlig, also Indien ist echt eine Wucht, Jeder, der schon mal in Indien war, glaube ich, kann sich das vorstellen. Das ist so ein absoluter Kulturschock und die Farben, die Gerüche, das ist so eine andere Welt. Und eben so jung habe ich mich da reingeworfen und habe irgendwie, als ich zurückgekommen bin, gesagt, nie wieder. Und nie wieder Indien? Nie wieder Indien, ja. Beides irgendwie. Und gleichzeitig hat es mich total gepackt. Ich wollte dann, irgendwie habe ich mir überlegt, was mache ich aus meinem Leben so nach der Schule. Und ich war schon immer gerne reisen, also mit unseren Eltern als Schausteller und auch mit Patrick, mit dem ich jetzt eine Familie gegründet habe und wir hier alles zusammen machen. Wir waren schon lange befreundet und sind mit dem Fahrrad nach Istanbul gefahren und solche Sachen. Also wir haben sehr abenteuerliche Reisen gemacht. Ich habe schon immer gern geschrieben und dann war für mich einfach logisch, dass ich Kriegsreporterin werde. Ich habe auch bei der BZ mal ein Praktikum gemacht. Ach, spannend. Ja, nach der Schule. Das war so, weil ich da wusste, ich will irgendwie so in die Richtung gehen und einfach erzählen und schreiben. Und war bei BZ Reise und Freizeit. Das war eine sehr, sehr schöne Zeit. Cool. War auch echt ein cooles Team. Und ich durfte so tolle Sachen machen, schon ganz frei berichten. Ja, und dann später bin ich eben einfach los nach Nahost. Das hat mich total fasziniert und wollte Kriegsreporterin werden. Und deswegen bin ich dann eben auch so in eine extremere Situation geraten oder habe mich da bewusst rein manövriert. Und ich glaube, so der Höhepunkt war dann, dass ich im Libanon bei der Hesbollah war, ein Dach hier in diesem Vorort in Beirut. Und das auch nicht so eine schöne Zeit war für mich. Es war nichts, also mir ist nichts zugestoßen, aber es war mehr so ein Ausharren dort und sich klein machen und anpassen, um überhaupt bestehen zu können. Und da habe ich gemerkt, das ist nicht das, was ich unter Abenteuer verstehe oder unter Abenteuer. Auch Menschen inspirieren oder aufklären. Als junger Mensch ist man ja mit diesem Thema Gerechtigkeit so verhaftet. Ich glaube, das habe ich auch immer im Zirkus beobachtet, als ich Zirkustrainerin war. Und da hatte ich viele Menschen zwischen 14 und 20 begleitet. Und das war immer das Thema. Und das ging mir einfach in dem Alter genauso. Und woher soll man auch so schnell wissen und finden, wo man hingehört und was einen antreibt und begeistert. Und der Kriegsreport war es nicht. und ich habe einfach mir durchs Reisen so im Reisen sehr stark die Hörner abgestoßen und habe irgendwann gemerkt, ich komme so nicht weiter. Und so ist auch dieser krasse Wechsel aufs Land, glaube ich, der von außen so krass wirkt. Ja, genau. So dieser Wechsel eben wildes Leben und jetzt nicht nur sesshaft, sondern so richtig sesshaft, ja auch mit viel Fläche und viel Land und viel Verantwortung auch. Ihr habt ja auch einige Tiere. Ja, warum dieser Wechsel? Ich bin ja als kleines Kind auch auf dem Land aufgewachsen und war viel auf dem Hof von Patricks Familie tatsächlich. Und da habe ich einfach viel mitbekommen und gelernt. Und das war für mich immer so das Gefühl von zu Hause. Und ich habe auch auf den Reisen immer so, also ich war mit Rucksack unterwegs oder mit Fahrrad unterwegs und war immer nah an der Natur. Und da habe ich auch immer gemerkt, egal wie ich in welchen Kulturen ich unterwegs bin, mit welchen Themen ich unterwegs bin, Denn sobald ich irgendwie ... In der Natur bin und eben nicht in so einem Viertel von so einer Großstadt, alles staubig und voll und laut, da geht es mir irgendwie gut und das war einfach schon immer so, aber ich habe mir das verboten. Ich wollte nicht diese häusliche, vielleicht auch weibliche Seite in mir zulassen, weil ich eben immer dachte, ich bin hier so die abenteuerliche. Starke und habe einfach dieses Thema Häuslichkeit nicht mit Stärke in Verbindung gebracht. Und das sehe ich heute ganz, ganz anders, weil wir, wie du schon gesagt hast, so viel Verantwortung haben. Ich finde, Kinder in die Welt begleiten ist etwas, was einen auch gerade als Frau unglaublich stark macht. Und ja, das ist wirklich eine Reise, in der man ganz viel lernt und auch mitnimmt in andere Bereiche. Ich merke das, dass ich das beruflich total mitnehme. Und seit ich mir so alle Facetten, die einfach in mir sind, seit ich die zugelassen und integriert habe, habe ich das Gefühl, dass mein Leben viel mehr Schwung hat. Also es war so ein langer Kampf. Ich war zwar viel unterwegs, aber ich habe immer so für meinen Weg gekämpft. Und irgendwann habe ich gesagt, okay, vielleicht ist diese Seite jetzt einfach dran, dieses Mal ankommen und zulassen und sich darauf einlassen. Und das erfordert ja eigentlich den meisten Mut. Ist ja auch in einer Beziehung so, wenn man immer so sich alle Hintertürchen offen hält und sich nie so richtig einlässt, ist natürlich einfacher. Aber sich wirklich fallen zu lassen und einzulassen, das braucht einfach Mut und das ist, finde ich, mit so einem Lebensstil auch so. Und gleichzeitig verbauen wir uns nichts. Also wir sind immer noch viel Reisen. Es ist uns einfach wichtig, dass wir uns das organisieren, dass wir uns auch die Seite eben nicht verbieten und sagen, wir sind jetzt hier nur noch die Bauern und leben wie Amish in Amerika. So ist das überhaupt nicht. Wir arbeiten in digitalen Jobs und ich glaube, wir verbinden Gegensätze miteinander oder scheinbare Gegensätze, weil das eigentlich ja so ein Potenzial ist. Dieses Social Media und so zu leben wie wir, das ist total schön, weil man einfach nicht nur das alles für sich selber macht, sondern das teilen kann. Und dadurch hat es noch mehr Mehrwert oder KI und Selbstversorgung, weil das alte Wissen ist ja noch da. Das ist ja überall vorhanden, nur dass man es dann halt wieder auch praktisch umsetzt und nutzt. Und ich sehe da so viele Brücken, die man schlagen kann, eben auch mit Reisen und Ankommen. Und das ist alles wichtig und gehört zueinander. Und da gibt es kein richtig oder falsch. Und wie fühlt sich das an, jetzt so hier eine richtige Heimat sich aufzubauen? Ihr seid jetzt seit gut zwei Jahren hier. Ja, wir waren ja davor in der Freiburger Gegend im Raum Staufen. Und das ist schon noch spannend. Wir sind jetzt seit zwei Jahren hier und wir fühlen uns hier so frei wie noch nie, weil so viel Platz hier ist. Wir sind hier so einfach draußen in der Natur. Es ist schon noch ein bisschen wilder. Man fährt ja auch einige Minuten auf den nächsten Ort. Man fährt eine ganze Weile hier hoch. Und das merkt man auch einfach. Und dass man hier einfach auf sich selber zurückgeworfen ist. Und das ist auch ein schönes Gefühl. Also man muss darauf erst mal klarkommen. Auch was Krankenhäuser angeht und Versorgung. Infrastruktur. Ja, man ist hier einfach auf sich selber. Und das ist aber irgendwie auch was, was sich gut und stark anfühlt mit der Zeit. Aber das war am Anfang schon so. Klar, in anderen Ländern ist das hier noch die totale Zivilisation, da muss man sich überhaupt nicht drüber unterhalten. Aber man muss ja davon ausgehen, wo man herkommt. Und gerade so der Freiburger Speckgürtel ist ja schon eine wirklich sehr, sehr schöne Ecke. Und das ist, also es ist auf jeden Fall zu Heimat geworden hier. Aber zwei Jahre sind eben auch noch nicht die große Zeit. Und unsere Kinder jetzt hier aufwachsen zu sehen, das ist so spannend, einfach zu wissen, dass es für die mal dann wirklich Heimat ist. Und das Thema Platz, ihr habt vorher in einem Tiny House oder Zirkuswagen, wie man will, gelebt auf 18 Quadratmeter. So was, ja. Und jetzt habt ihr wie viel Platz? Ich glaube, ausbaufähig sind hier 450 Quadratmeter ungefähr. Das ist wirklich ein Riesenhaus. Und wie viel Land? Plus eine Scheune. Wir haben drei Hektar Land dazukaufen können mit dem Hof. Dann war einfach der Geldbeutel leer. Aber wir pflegen acht Hektar Land, also haben den Rest dann gepachtet. Das ist alles Grünland und Weideland und ein bisschen Wald. Und diese Umstellung von ganz klein auf ganz groß, die war wirklich eine Befreiung. Also wir haben da auch lange drum gekämpft, weil wir einfach, wir haben uns dieses Tiny House gebaut und haben dann den Selbstversorgergarten auf dem Hof von Patricks Familie weitergeführt, den die großen Geschwister, die dann auf eigene Höfe gegangen sind, angelegt hatten. Und dann haben wir das übernommen, weil sonst einfach dieser Garten da vertrocknet wäre. und so bin ich überhaupt erst dazu gekommen. Es gab einfach diesen wunderschön gepflegten Garten, den dann gerade keiner mehr gemacht hat und nur deswegen habe ich mich da, glaube ich, auch so stark reinbegeben. Und dann haben wir uns drei Schafe geholt, weil wir da die Nebenerwerbslandwirtschaft dann geführt haben auf dem Hof und so sind wir da einfach... Ja, so ein bisschen reingestolpert. Aber wenn man dann Selbstversorgung und Landwirtschaft macht, dann noch eine Zimmerei hat, was Patrick eben hatte, mit einer Werkstatt auf dem Hof. Wir haben den ganzen Hof dort belegt. Und wir haben ja nur in diesem Wagen geschlafen und gekocht. Aber der Keller war voll, die Scheune war voll, die Werkstatt war voll. Wir hatten Hühner, wir hatten Schafe, den Hund. Und wir haben diesen ganzen Hof belagert. Also de facto hattet ihr schon einen halben Hof. Ja, wir waren nie minimalistisch. Und wir sind auch hier mit LKW-weise Zeug angekommen und haben einfach schon vorher gewusst, wir wollen das. Und hatten die Maschinen, das Werkzeug, das Wissen, wir haben alles mitgebracht. Und das war ein Riesending, dieser Umzug. Und das ist so der einzige Grund, warum wir das hier auch bespielen können. Über eure Reise hier mit dem Hof hast du jetzt gerade ein Buch geschrieben, das jetzt erscheint in diesen Tagen. Unser wilder Hof, da kommst du auch zu Lesungen nach Freiburg, nach Tittisee, nach Walzuttingen. Die Termine packe ich euch gerne dann in die Shownotes. In dem Buch erzählst du ganz niedlich, wie du und Patrick ihr euch kennengelernt habt, wie ihr Freunde geworden seid, wie ihr dann nach langen Jahren der Freundschaft zum Paar geworden seid. Du hast gerade schon gesagt, ihr seid nach Istanbul geradelt, da wart ihr aber nur Freunde. Und du schreibst, was du auch gerade schon gesagt hast, ihr zieht eure Stärke so aus Gegensätzen. Und es hat auch damit zu tun, dass ihr so aus ganz unterschiedlichen Welten kommt. Patrick vom Hof, Nebenerwerbshof, aber vom Land und du so aus der Welt. Ist das nicht auch manchmal anstrengend, dass ihr so unterschiedlich seid? Ich glaube, am Anfang war das anstrengend. Also wir kannten uns ja schon so lange, haben so viel miteinander erlebt. Aber dann auf so einer Beziehungsebene zu gehen, hat nochmal alles komplett verändert. Und vieles, was wir einfach vorher auch gar nicht gesehen haben oder was gar nicht so relevant war, war dann auf Beziehungsebene dann schon einfach Thema und gerade auch diese Unterschiedlichkeit. Aber wir haben, glaube ich, echt einen guten Weg gefunden, um zu sehen, dass jeder eigene Potenziale hat, dass nicht jeder alles machen muss und dass man vom anderen lernt und dass man sich gegenseitig unterstützt. Und das ist wirklich witzig, weil alles, was ich nicht kann, kann er und andersrum genauso. Und wir treten uns dadurch einfach nicht auf die Füße. Und was für uns wichtig ist, wir sehen, dass jeder den ganzen Tag am Machen ist. Also wir machen beide kaum Pause. Und wenn man mal Pause macht, ist das auch okay. Aber wir sind einfach beide gerne am Machen und wir gehen einfach beide davon aus, dass jeder sein Bestes gibt, was ihm gerade möglich ist und dass man sich auch wertschätzt dafür gegenseitig und auch nicht vergisst, dass es Arbeit ist, jeden Tag zu kochen für alle, dass es genauso Arbeit ist, draußen die Scheune zu sanieren, über die Flächen zu gehen, Holz zu machen. Das sind alles Aufgaben, die einfach dazugehören und dass man das sieht gegenseitig und nicht immer denkt, ich räume jetzt hier schon zum 20. Mal, ich spüle Maschine alleine aus. Sondern es ist uns einfach immer klar, dass jeder sein Bestes gibt und wir schätzen das sehr aneinander. Und da ergänzt ihr euch. Patrick kommt vom Nebenerwerbshof, ist aber eigentlich nicht Landwirt, sondern Zimmermann. Und du bist ja auch keine ausgebildete Landwirtin. Woher wisst ihr, wie das geht mit der Landwirtschaft? Ja, schon einfach durchs Machen, glaube ich. Weil auf dem Hof von Patricks Familie, da hatten wir immer alle Freiheit, das waren sechs Kinder. Patrick hat fünf Geschwister und die durften schon immer einfach machen und Lämmergeburten und alles Mögliche. Und da hat Patrick einfach vor allem schon richtig viel gelernt und ich in meiner Kindheit, ich war wirklich viel Zeit auf dem Hof. Und vieles haben wir dann auch hier vor Ort ganz neu gelernt. Und das ist auch schon spannend mit dieser Landwirtschaft, weil es ist so ein Thema von, wie soll man sagen, Stolz und Vorurteil. Also eben zum einen verletzt man auch ganz schnell den Stolz von gelernten Landwirten, die das im Vollerwerb machen, weil die einfach auch Ausbildungen haben, weil die wirklich... Ihre komplette Lebensenergie da reingeben und nicht nur wie wir eben als Nebenerwerb. Und man möchte das gar nicht verletzen, aber einfach dadurch, dass man es einfach macht und sich nicht ausbilden lassen hat. Und jeder macht Fehler, egal ob man Vollerwerbslandwirt ist oder nicht. Aber wenn man es halt nicht offiziell gelernt hat, sind Fehler dann manchmal irgendwie unverzeihlicher oder scheinbar unverzeihlicher. Aber man bekommt überall mit in der Landwirtschaft, dass Fehler gemacht werden. Und gleichzeitig hier oben, wir haben so viel Unterstützung auch von anderen landwirtschaftlichen Höfen, arbeiten zusammen, dass nicht jeder alle Maschinen haben muss, dass einfach der eine das macht und auch beim anderen... Die Weidetiere macht und das Heu macht. Und ja, nicht jeder braucht eine Ballenpresse. Und wir lernen da auch von den Nachbarn jetzt gerade noch mal viel dazu, weil die auch die Flächen teilweise schon viel länger und besser kennen als wir. Aber am Anfang wird man einfach total stark beäugt. Und jeder hofft auch, dass man Fehler macht oder jeder wartet nur drauf. Also beim ersten Mal Heu machen, da haben wir auch echt viele Kommentare bekommen, warum wir das Mähwerk da unten in der Ecke dann nicht anders reingestellt haben. Also das ist wirklich spannend. Und auch dann online so viel zu zeigen über Landwirtschaft. Man bekommt ganz viel Dank, dass man viel zeigt und dass man Einblicke haben darf, gerade als jemand, der gar keine Ahnung von Landwirtschaft hat. Und es gibt auch landwirtschaftliche Betriebe, die uns schreiben, toll wie ihr das macht. Und es gibt aber auch eben welche, die das gar nicht gut finden. Kriegst du da auch richtig Hass dann ab? Also ich habe tatsächlich, klar, am Anfang habe ich schon gekämpft mit, wenn negative Kommentare kommen oder wenn man was falsch gemacht hat und dann wirklich, also unübertrieben, 500-fach darauf hingewiesen wird, dass man da gerade was falsch gemacht hat. Und das muss man schon irgendwie lernen als Content Creator, wenn man so viel teilt und viel in der Öffentlichkeit steht, dass man immer Fehler machen wird. Was ist deine Strategie, damit umzugehen? Das ist nicht so ernst zu nehmen. Das ist nicht so ernst zu nehmen, genau. Also das ist das. Und was man einfach vor allem lernt, und das ist der viel größere Teil, ist, dass wenn jemand was Kritisches schreibt oder auch ungefragt Tipps verteilt, ist das ganz oft einfach nur diese Lebensrealität der Person, die das schreibt. Also die Nachrichten, die sagen sehr oft viel mehr über die Person aus, die sie verfasst hat, als über uns und die objektive Lebensrealität, die hier so herrscht und das ist mir so oft aufgefallen, dass ich merke, das kommt gar nicht mehr so bei mir an, weil ich einfach, es sagt nichts über mich oder uns aus, es ist einfach wirklich, es bleibt bei der anderen Person und jeder schaut so durch seine eigene Brille und der eine hat ein totales Thema mit Vorsicht vor Asbest bei der, Sanierung und hier Asbest und da Asbest und hier war überhaupt kein Asbest, aber wie oft bekomme ich diese Nachricht oder mit Schimmel oder mit Mäusen und jeder hat so seine eigene Erfahrung und warnt uns dann vor irgendwas was hier gar nicht präsent ist. Und das ist einfach oft so, jetzt kann man sich jedem erklären, man kann sich bei jedem rechtfertigen, aber man hat auch nur 24 Stunden Zeit am Tag. Und das geht einfach gar nicht. Und dann gibt es Menschen auch, die sagen, hey, du antwortest mir nie. Das ist dann irgendeine Nachrichtenanfrage unter 100, die ich einfach nicht alle beantworten kann. Und da muss man schon einfach... Ja, durchatmen, man gibt sein Bestes und sich darauf konzentrieren, dass die allermeisten Menschen wirklich ganz, ganz schöne Liebe-Nachrichten schreiben, uns gut meinen und dann, ja, gibt es halt so einfach auch andere Sachen drunter. Aber wirklich Hate ist dann eher mal, wenn irgendein Video viral geht, also eine richtig große Reichweite bekommt, dann merkt man, das sind dann nicht meine Follower, sondern andere Leute, die das sehen. Ja, das rutscht dann in irgendwelche Kreise, wo man sich dann manchmal wirklich fragt, was da los ist. Du hast gerade gesagt, es passieren auch Fehler, es geht auch mal was schief. Zum Beispiel die ersten Lämmergeburten, habe ich gelesen, sind ziemlich schiefgegangen, was ist denn da passiert. Das war noch auf dem Hof von Patricks Familie. Wir hatten nur drei Schafe, das waren alles Erstlige und da ist das Risiko auch einfach höher. Und da kann man tatsächlich manchmal nichts machen. Man kann es dann nur eben mittragen und der Tierarzt war mit dabei. Aber bei der einen sind die Lämmer direkt nach der Geburt gestorben, bei der anderen ist die Mutter gestorben. Ja, innere Blutungen oder was. Und bei der dritten waren die Lämmer so komisch hinten drin gelegen, dass der Tierarzt die dann tatsächlich in Stücken daraus befördert musste und der auch gesagt hat, er hat sowas noch nie erlebt. Und da hatten wir tatsächlich einfach Pech. Plus Unerfahrenheit, dass man es dann auch nicht einordnen kann. Aber jetzt im Nachhinein kann ich sagen, es war wirklich mehr Pech. Aber es war auch noch so kurz nach meiner traumatischen Geburt mit meinem ersten Kind, wo wir einfach lang auf der Intensivstation waren, wo ich ja auch nichts zu kann. Also ich habe weder geraucht noch Alkohol getrunken in der Schwangerschaft. Ich war einfach schwanger. Und man weiß nicht, wie sowas abläuft. Und das war dann irgendwie alles insgesamt so ein bisschen schwer zu verarbeiten oder auch zu sagen, das ist jetzt einfach auch die Natur, da kann keiner was zu. Wir hätten nichts anders machen können. Und das so für sich selber mitzutragen und auch den Tod mitzutragen, auch wenn es nur Tiere sind, aber ja und dann auch mit der Zeit einfach mehr dazu zu lernen und das einordnen zu können und eben auch, natürlich trifft man mal Fehlentscheidungen, also gerade wenn so Lämmer so ganz starksig und dürr auf die Welt kommen, man kann die dann so schleudern, dass die Luft aus den Lungen geht, man rubbelt die trocken, man nimmt die mit rein, füttert die mit der Flasche und man versucht da zu, immer die Entscheidung zu treffen, die am besten für das Lamm ist. Aber manchmal weiß man das halt auch einfach nicht. Und da muss man dann einfach sich selber verzeihen. Krass, ja. Heftige Erfahrung. Ihr lebt jetzt hier als Selbstversorger. Was macht ihr denn selber und was kauft ihr ein? Also wir kaufen auf jeden Fall noch sehr viel ein und wir sehen das überhaupt nicht dogmatisch. Ich glaube, es macht uns einfach Spaß. Und das ist so unser Hobby. Damit füllen wir die Familienzeit, dass wir zusammen losgehen, Äpfel ernten, die zusammen schnibbeln in so Riesentöpfen, die einkochen. Die trinken hier auch gerade euren, der macht den Apfel, der ist super lecker. Und dann haben wir einen Selbstversorgerkeller. Und ja, es macht uns einfach Spaß, dann auch zu schauen beim Kochen, wie viel können wir da selber machen. Kartoffeln vom Acker, Sauerkraut aus dem Keller. Und also gerade so Obst und Gemüse machen wir richtig viel selber. Dann hatten wir jetzt neulich auch Pensionsziegen zu melken. Dann habe ich Käse gemacht und Kartoffeln, solche Sachen, aber jetzt Brot oder Salz oder so, also Mehl, ich mache Sauerteigbrot, aber das Mehl dazu, das bauen wir nicht selber an und dreschen das noch mit der Hand oder so. Also das sind so Sachen, die stellt man sich dann so vor, eben Käse kaufen wir, Milch bekommen wir hier von einem Demeter-Bauern ganz frisch, die Rohmilch, daraus mache ich dann auch Joghurt. Wir schauen einfach, wie viel geht, ohne da, wie gesagt, irgendwie dogmatisch zu sein. Während unserer Hausführung zeigt mir Geraldine auch den großen Vorratskeller. Hier geht es in den Keller, wo wir unser Lager haben. Da muss man immer so seitlich durch oder hier unten die Klappe noch hoch machen. Ah ja, mit der Stufe. Das klemmt so ein bisschen die Tür. Unpraktisch. Oh, abenteuerliche Treppe. Die ist ein bisschen steil. Und was haben wir hier alles? Pumelade, Apfelmus, Rotkohl, Bohnen, Tomatensauce, Rote Beete. Alles selbst gemacht. Aber schon krass, ne? Also ihr habt viel zu tun jeden Tag. Viele Projekte, das ganze Haus, die Tiere, die Kinder. Patrick hat ja außerdem auch noch eine chronische Erkrankung, die immer mal in Schüben auftritt. Als ich das alles so gesehen habe, habe ich mich gefragt, woher nehmt ihr die Energie? Ich glaube tatsächlich von dem vielen Draußensein und der Abwechslung. Es sind so viele Themen und manchmal wechselt uns das auch über den Kopf, weil man dann merkt, man wird nichts davon mehr gerecht. An Perfektionismus braucht man gar nicht denken. Also das ist wirklich auch was, wenn man sich da dran gewöhnt hat. Das war ein Weder auf Social Media, wo man einfach weiß, ich lade da was hoch. Und das sehen, ja, wir haben jetzt über eine halbe Million Follower da. Das sehen einfach unendlich viele Menschen. Und sich da rein zu entspannen und zu sagen, ich lade das jetzt hoch. Ist mir egal, ob das perfekt ist oder nicht. Also neulich habe ich zum Beispiel in einem Video die Axt beim Holzhacken nicht ganz richtig in der Hand gehabt. Wusste ich auch. Habe ich gedacht, drehe ich das jetzt nochmal? Habe ich keine Zeit für. Also lade ich es einfach hoch, weil ich habe es jetzt hier. Und dann nimmt man das einfach in Kauf. Und das ist in vielen Bereichen so, wo man einfach weiß, entweder ich mache das jetzt so pragmatisch oder ich lasse es. Und dann entscheidet man sich einfach auf, dafür es irgendwie zu machen. Ja, pragmatisch. Genau. Du hast gerade schon gesagt, über eine halbe Million Follower hast du bei Instagram. Also bist du echt erfolgreich als Influencerin. Dabei hattest du bis vor ein paar Jahren eigentlich nicht mal ein Smartphone. Wie bist du zur Influencerin geworden? Das war auch auf den ganzen Reisen. Ich wollte so das Leben spüren. Ich wollte analog da unterwegs sein und eben nicht immer dieses Smartphone vor der Nase haben. Und ich habe einfach so Angst gehabt, dass man das Leben dann nicht mehr so erfährt. Und ich habe dann mein erstes Buch geschrieben in der Corona-Zeit und bin dann direkt bei einem großen Verlag gelandet. Und die haben darum gebeten, dass man gerade als junge Autorin und einfach auf Social Media zumindest aufgefunden wird. Dann habe ich mir ein Smartphone gekauft und irgendwie ... Ich habe davor auch als Regisseurin gearbeitet im Zirkus, dieses Geschichten erzählen auch in Bildform irgendwie auf der Bühne. Ich habe eine Ausbildung zur Clownin gemacht, zur Zirkustrainerin. Ich habe auch immer mit diesem Thema Filmen, ja schon in der Schule irgendwelche Film-AG-Projekte gemacht. In Indien habe ich einen Film über die Frauen dort gedreht. Irgendwie war das schon immer mein Ding, aber ich war einfach technisch so überhaupt nicht bewandert. Ich hatte auch immer überlegt, ob ich mal eine Ausbildung zur Fotografin mache, Aber ich hatte einfach Angst, dass ich das nicht verstehe, was diese ISO-Zahl sein soll. Also ich habe mich da einfach nicht herangetraut und mir das selber im Weg gestanden. Und dann durch diese Chance mit dem Verlag habe ich dann eben gesagt, okay, ich hole mir ein Smartphone. Ich mache mir diesen Account und ich probiere es einfach mal. Und dann habe ich da ein paar Fotos hochgeladen vom Autorenleben und unserem Selbstversorgerleben. Und das hat mir alles so Spaß gemacht, auch der Wagenbau und der Gemüsegarten. Und dann fing das so an, dass ich einfach gemerkt habe, ich habe total Spaß daran, die Dinge zu teilen, die für mich selber auch neu sind und mir Spaß machen. Und wo ich gerade merke, da geht so eine ganz neue Welt für mich auf. Und hatte auch auf dem Hof von Patricks Familie dann auch eben Austausch online. Weil mit Patricks Kumpels ging es einfach oft so um Bauthemen. Und da habe ich auch viel gelernt. Manchmal wollte ich eben auch andere Themen bespielen. Und den Austausch, den hatte ich dann einfach online tatsächlich so über Wildkräuter. So viele Themen, die dann da einfach für mich aufkamen und so ist das entstanden. Und irgendwann habe ich mich dann mit einem Schnittprogramm auseinandergesetzt für Filmschnitt, habe mich da reingearbeitet und so ist das nach und nach gewachsen. Viele stellen sich ja das Landleben so ein bisschen wie Bullerbü vor, sehr romantisch, sehr idyllisch. Die Bilder, die du zeigst, sind ja auch sehr ästhetisch, auch romantisch oft. Funktioniert dein Account deshalb so gut? Was denkst du? Also was wir oft lesen, ist, dass wir so eine Ruhe ausstrahlen und Sachen mit Freude machen, wo eigentlich total anstrengend sind. Dass das so inspirierend ist für viele, dass wir es einfach gerne machen und da nicht meckern, weil so viel gemeckert wird im Netz. Und wir merken, wir haben wirklich keinen Grund zu meckern, weil wir sind total froh und dankbar, dass das hier alles so ist, weil es war auch schon anders in unserem Leben. Unser Tiny House ist abgebrannt, Patrick ging es gesundheitlich nicht gut und wir hatten einfach wirklich Themen, ich meine, in jedem Leben passieren Dinge, und wir sind einfach super dankbar und haben gar keinen Grund zu weggen. Ich glaube, das ist so das eine. Und ja, diese Selbstwirksamkeit, die man so... In seinem eigenen Leben erschaffen kann, wenn man Dinge einfach selbst macht. Ist das so eine Sehnsucht, die viele Leute auch haben, das auch so leben zu können? Ich denke schon, ja. Das schreiben auch viele. Aber dass sie nicht den richtigen Partner haben oder so. Und das ist schon auch ein Thema. Also man muss da auch einfach dann zusammen diesen Weg gehen. Und wenn der Partner das gar nicht will, dann ist das tatsächlich schwierig. Dann muss man es halt so ganz im Kleinen für sich machen, auf dem Balkon oder so. Es ist ja dann doch auch eher ein bisschen altertümlicherer Lebensstil, wenn ihr hier so lebt. Und das zeigst du eben auf so einem modernen Medium wie Instagram. Zu dieser Gegensatz hast du vorhin schon gesagt. Ist das auch was, was so zu deinem Erfolgsrezept gehört? Vielleicht, ja, dass es so ein bisschen ein Alleinstellungsmerkmal hat mit dieser urigen Kulisse hier, ganz bestimmt. Und dass viele einfach sagen, es macht ihnen total Spaß, da gemütlich vom Bildschirm aus zugucken zu können, aber nicht selber hier im Staub zu spielen. Und ganz viele andere schreiben auch, wir erleben ihren Traum. Und das ist einfach schön. Und was uns am meisten freut, ist, wenn jemand sagt, Ich bin mutiger geworden durch euch und ich glaube, ich treffe mehr freie Entscheidungen durch euch oder habe was verändert in meinem Leben dadurch, dass ich euch zuschaue, wie ihr das so alles macht. Und das ist wirklich das Allerschönste, dass man merkt, Influenzen ist eben nicht nur über Produkte sprechen, sondern tatsächlich eher so Menschen inspirieren und einladen und mitnehmen. Welche Inhalte sind so die, die am meisten geklickt werden? Also man merkt, dass im Winter immer mehr los ist. Das liegt aber, glaube ich, auch daran, dass einfach mehr Zeit ist, um am Handy zu sitzen und man drin ist. Und wir es dann auch noch so urig haben hier mit dem Holzofen und so. Also der Winter passt da einfach mehr. Aber ich sehe es auch auf anderen Accounts, dass der Winter einfach, dass da mehr geht, dass die Leute da präsent sind. Und ja, man kann das überhaupt nicht einschätzen. Also oft gehen irgendwelche Videos viral, wo ich überhaupt nicht mit gerechnet hätte und andere, wo ich denke, das ist auf jeden Fall so toll, da habe ich mir so viel Mühe gegeben, da habe ich ewig dran geschnitten. Die gehen einfach so unter und das ist irgendwie so in künstlerischen Tätigkeiten dann oft auch, ja, muss man einfach dann annehmen und die Sachen, die man selber ganz toll findet, sind es dann oft gar nicht. Steckt man nicht so drin vorher. Interessant. Du hast gerade schon gesagt, Patrick und du, ihr ergänzt euch total gut in dem, was ihr so könnt und was euch auch Spaß macht was euch liegt, diese Aufgabenteilung ist ja schon eher auch traditionell, im Buch schreibst du auch ganz gut, ihr macht halt einfach jeder was er gut kann und irgendwie habt auch Wertschätzung füreinander, aber so dieser eher traditionelle Lebensstil der hat ja auf Social Media durchaus viel Interesse und wird auch von Rechten gezielt eingesetzt und von Rechtspopulisten, wie stehst du dazu? Und ganz selten lese ich das mal oder lese von jemandem, ich bin dir lange nicht gefolgt, ich habe das erstmal beobachtet, weil ich dachte, du bist vielleicht so ein Treadwife, das ist ja gerade so diese Bewegung, aber ich habe gesehen, das ist gar nicht so. Und es wirkt auch nur auf Social Media so arg traditionell, weil man da eben nicht sieht, dass das Haupteinkommen, was ja als Content-Creator ist, dass das vor allem mein Aufgabenbereich ist, also dass ich die Erwerbsarbeit mache. Heißt nicht, ich mache die alleine, sondern ich könnte die ohne Patrick überhaupt nicht machen. Wir haben eine gemeinsame Firma, der macht alles im Hintergrund, was man dann eben gar nicht sieht. Aber es läuft ja eben alles so unter meinem Namen und wir machen das zusammen. Und von daher ist das schon wieder überhaupt nicht die traditionelle Rollenverteilung. Du bist die, die das Geld dran schafft. Genau. Und Patrick, der kocht auch viel und hat die Kinder viel oder auch jetzt, wo wir hier einen Podcast aufnehmen, ist er mit denen unterwegs und das ist eben nicht so, dass ich nur am Herd stehe und die Kinder habe, sondern, Ich bin ganz viel am Arbeiten und Erschaffen. Ich schreibe das Buch, wir gehen jetzt bald auf Tournee alle zusammen und ich halte da die Lesungen. Von daher ist es überhaupt nicht traditionell. Es sind vielleicht die Aufgaben am Hof, die so ein bisschen traditionell verteilt sind, weil Patrick sich einfach besser mit Maschinen auskennt. Der hat das einfach seit Kindheit angemacht. Erstzimmermann, ja. Und das macht einfach Sinn. Und ich koche einfach gern auch auf Reisen. Hat mich das immer total inspiriert. Neue Geschmäcker, neue Früchte, die ich nicht kenne und Rezepte zu sammeln und das macht mir einfach total viel Spaß. Du zeigst ja auch sehr viel Privates in deinem Alltag. Du hast gerade auch schon deine eigene traumatische erste Geburt angesprochen. Auch deine zweite Geburt hast du bei Social Media sehr geteilt. Die Geburt deiner Tochter. Auch ich bin jetzt hier bei dir zu Hause in der Küche. Gestalt dich diese Vermischung von Privatem und Beruf manchmal? Wir zeigen sehr ausgewählt eigentlich nur, was wir zeigen wollen. Also wenn man so von außen da reinguckt und selber kein Content-Creator ist, dann hat man so das Gefühl, die sind so gläsern, ich kann da überall reinschauen, aber es sind ja, wir haben 24 Stunden Zeit am Tag und diese Storys jeden Tag, das sind zwei, drei Minuten, sind sehr, sehr ausgewählte zwei, drei Minuten und die Dinge, die alle so im Hintergrund ablaufen, also den restlichen 24, dreiviertel Stunden, die sieht man nicht. Äh, 23, 34 Stunden. Und deswegen ist das gar nicht so vermischt, wie man das denkt. Also wir zeigen zwar viel, aber ich finde es einfach auch so besonders und schön, dass man in diesem Beruf die Freiheit hat, zu wählen, welche Geschichten man erzählt. Viel freier noch als, wenn ich jetzt als Kriegsreporterin gearbeitet hätte oder so, wo ich dann auch wieder schauen muss, wenn ich da aus der und der Perspektive berichte, welche Zeitung nimmt mich dann, wer würde das abdrucken oder auch nicht, aus welchen Gründen. oder auch nicht. Und als Creator ist man einfach nur in diesem Konflikt. Wenn ich das poste, weiß ich, es geht nicht unbedingt... Oder es hat nicht unbedingt so viel Reichweite, aber es ist mir trotzdem wichtig, also mache ich das. Und natürlich richtet man sich schon auch danach, weil es ist einfach der Hauptjob, was gefragt ist, wie jeder Einkaufsladen das auch macht. Aber man hat schon noch einfach auch die Freiheit, mal was Neues auszuprobieren, ohne vorher jemanden fragen zu müssen. Du bist dein eigener Chef, dein eigener Chef. Die Gesichter eurer Kinder zeigt dir aber bewusst nicht. Glaubst du, die wird das irgendwann mal stören, dass du so viel aus eurem Privaten zeigst online? Ja, da bin ich einfach gespannt. Ich versuche natürlich auch nicht, von denen zu erzählen. Also ich zeige die manchmal von hinten. Und wenn die irgendwas Witziges brabbeln oder bei den Schafen sind oder mir in der Küche helfen, die kleinen Patschehände, die dann da auf den Kartoffeln rummatschen oder so. Sowas eben. Aber was ich ganz bewusst nicht mache, ist, dass ich erzähle, ah, der Oskar ist ja so und so und der hat jetzt wieder, ach, das ist ja immer der Schüchterne und sie ist ja immer, also ich erzähle nichts über die, man sieht die von hinten, man sieht einfach Kinder von hinten, die irgendwas machen, was alle Kinder machen, von daher, vielleicht hat man das Gefühl, man wüsste jetzt was über meine Kinder, aber ich glaube, man weiß kaum was, weil ich auch charakterlich, ich bewerte die nicht öffentlich, ich erzähle auch nicht. Der oder die trägt immer noch Windeln oder jetzt haben wir hier schon wieder die fünfte schlechte Nacht gehabt oder er oder sie hat sich gestritten oder so. Das geht einfach keinem was an. Es geht einfach nur um dieses Bild, diese Sekundenaufnahme oder Momentaufnahme von einem Kind, was einfach spielt oder hier mit dem Holz in der Küche einen Turm baut oder so. Und das macht ja jedes Kind. Und wenn die zwei mal irgendwie in die Schule oder in den Kindergarten kommen und da nur ansatzweise das Thema sein sollte, dass jemand in der Schule sagt, ach, hast du gestern wieder, und es stört die dann, dann werde ich auch den Content einfach umstellen. Sprechen wir über Geld? Was hat denn der Hof gekostet und wie habt ihr das finanziert? Der Hof hat 180.000 gekostet, wir haben dann noch eben die drei Hektar Land dazu gekauft, gekauft, alles in Allemanns 220. Und wir hatten drei Jahre zuvor oder vier Jahre zuvor den Zirkuswagen gebaut, was ja auch Geld kostet, die Rohstoffe, das Kupferdach. Und wir hatten ein Haus in einer Ortsmütze gekauft, in der Nähe von dem Hof von Patricks Familie. Das hatten wir komplett saniert und vermietet. Im Magriefler Land. Im Magriefler Land, genau. Und dann war einfach kaum Geld übrig. Aber wir haben auch damals schon einfach beide nur gearbeitet als Selbstständige und wirklich sehr wenig Geld ausgegeben. Eigentlich gar kein Luxus. Wir wollten immer uns was aufbauen und uns dahinarbeiten, dass wir es irgendwann entspannter haben. Aber wir haben uns nicht so die Entspannung vorweggenommen. Das heißt, wir hatten auch einfach trotz allem ein kleines Polster. Und ich glaube, das war auch schon extrem, wie wir da gelebt haben. Also das merkt man, wenn man dann ein bisschen älter wird und zwei Kinder hat und sich doch ab und zu mal was gönnt oder mal essen geht oder mal in den Urlaub. Dann merkt man so, ah, das war irgendwie auch schön. Das Leben kann auch anders sein. Aber wir haben das wirklich, auch unsere Reisen, das war dann eben Fahrradtouren. Das war klar, wir zahlen kein einziges Mal für Übernachtung. Wir haben einfach unser Zelt dabei. Wir essen Müsli und Couscous mit Gemüsebrühe und was wir halt so an den Bäumen finden oder so. Also es war wirklich schon auch extrem. Aber es kommt uns jetzt schon auch zugute, dass wir so viel uns das erarbeitet haben und wir haben beide nicht geerbt oder im Lotto gewonnen oder so. Und wir haben für den Kauf einen kleinen Privatkredit von einer Bekannten bekommen für den Rest. Aber die Hälfte hatten wir dann eben selber. Konntet ihr selber stimmen. Und für die Sanierung, was pfeilt ihr da so an? Für die Sanierung gibt es Fördergelder, Entwicklung ländlicher Raum. Im Denkmalbereich bekommt man auch Förderung. Und die nutzen wir auf jeden Fall auch mit. Und ansonsten investieren wir einfach alles, was reinkommt in den verschiedenen Bereichen. Und wir sind schon unternehmerisch einfach sehr viel unterwegs in verschiedenen Bereichen. Wir haben sechs Unternehmungen angemeldet, also die Zimmerei von Patrick, die Landwirtschaft, das Social-Media-Gewerbe, was auf jeden Fall den Hauptposten ausmacht. Dann meine Autorinnenselbstständigkeit, die Vermietung unserer Häuser. Wir haben eben noch ein Ferienhaus im Schwarzwald, was Patrick auch schon mit 18 gekauft hat, weil er einfach seit er 10 war, einfach nur gearbeitet hat. Und das hat er auch günstig bekommen und hat das mit seinem Vater zusammen gekauft, also die Hälfte. Und das ist jetzt auch an Feriengäste vermietet. Dann eben unser Haus im Markreflaland. Und dann haben wir jetzt noch Photovoltaik, was ja auch erstmal ein Investment ist. Aber es sind so ganz viele verschiedene Bereiche, die alle ineinander greifen. Und bei Social Media, das ist eben die Haupteinnahmequelle. Kannst du mal für jemanden, der gar nicht bei Instagram unterwegs ist, erklären, wie das funktioniert? Wie verdienst du da Geld? Also man baut sich so eine Reichweite auf und wenn man jetzt von einer Zeitung ausgeht, das kann man ganz gut vergleichen oder von einem Fernsehsender oder einem Radiosender und sagt, wir sind einfach ein Fernsehsender, der täglich relevanten Content ausspielt, einfach schaut, ja einfach Filme macht, kleine Filme macht und täglich präsent ist. Und in jedem Fernseher, in jeder Zeitung platzieren Unternehmen ihre Werbung. Und das ist auf Social Media dann eben auch so, dass diese Reichweite ist einfach viel wert. Vor allem eine Reichweite, die auch eine Zielgruppe definiert, weil man selber sich ja positioniert und dementsprechend auch nur einer bestimmten Zielgruppe zuschaut. Einen entscheidenden Unterschied bei dem Vergleich erwähnt Geraldine allerdings nicht. Journalistische Formate wie Zeitungen oder Fernsehsender trennen klar zwischen ihren Inhalten und der Werbung. Wenn ich euch jetzt zum Beispiel erzähle, welche Mikros wir benutzen, dann weil ich denke, dass es euch vielleicht interessiert. Und ich könnte auch offen sagen, was ich an den Mikros gut finde und was vielleicht nicht so gut. Weil der Hersteller uns dafür eben kein Geld gibt. Der kann unabhängig von unserer Berichterstattung Werbung auf unserer Website schalten. Wenn Geraldine euch zum Beispiel zeigt, welche Nüsse sie isst, dann weil sie vom Hersteller dafür bezahlt wird. Und man als Content Creator einfach sehr frei wählen kann, mit welchen Unternehmen man zusammenarbeiten möchte, ein Mitspracherecht hat, wie man Kampagnen umsetzt, welche Kampagnen man überhaupt eingeht, um welche Produkte es geht. Oder auch jetzt haben wir mit einem Fashion-Label, was faire Mode produziert aus Hamburg, auch eine gemeinsame Kollektion gemacht, eine erste. Und so kann man sich dann einfach ganz schön Sachen aufbauen oder man geht auch bei den Unternehmen mal auf einen Retreat, wird da eingeladen und lernt noch mehr über, wie die produzieren und man ist da sehr frei. Ich schaffe das auch nicht alleine. Wir haben eine Managerin, die diese ganzen Verhandlungen führt, weil da muss man auch Verträge unterschreiben. Die wollen die Zahlen sehen und das ist schon ein Riesending. Da ist auch sehr viel Druck dahinter, den man einfach auch eingeht und wo man sich dran gewöhnen muss. Und man muss eben einfach diese absolute Zuverlässigkeit und Präsenz haben, um das machen zu können. Wie entscheidest du dann, mit welchen Unternehmen du zusammenarbeitest und mit welchen vielleicht auch nicht? Also zum einen probiert man manchmal aus und merkt dann auch, das wird bei unseren Followern einfach total gut aufgenommen oder die Fragen auch aktiv danach hast du. Also man bekommt von den Unternehmen dann oft einen Rabattcode. Das heißt, du zeigst dann das Produkt? Ich zeige das Produkt. Das Schuhe, das Kosmetikprodukt, das T-Shirt, was auch immer. In deinen Videos, in deiner Story. Und dann können die Leute da draufklicken und dann kommen sie zu der Seite des Unternehmens, haben Rabattcode und können da bestellen. Und du kriegst dann einen festen Betrag von dem Unternehmen? Inzwischen ja. Also wenn man anfängt, macht man das auch manchmal einfach nur fürs Produkt und freut sich riesig. Weil man das Produkt dann geschenkt bekommen kann. Und merkt dann relativ schnell, dass man das auch versteuern muss und dass das gar nicht geschenkt ist. Und dass man das Reichwerte auch einfach einen Wert hat und dass man da sehr gewählt auch mit seinem Namen umgehen möchte. Und verantwortungsvoll ist und wir haben auch oft Calls mit den Unternehmen, also sind mit denen direkt im Austausch. Und natürlich gibt es auch Produkte, wo ich weiß, ich ganz persönlich für mich brauche die nicht ganz unbedingt, aber ich merke bei einem Großteil der Zielgruppe kommt es an, die wollen das, die finden das gut, die nutzen das, die fragen immer wieder danach und dann machen wir auch Folgebuchungen, um einfach auch dem gerecht zu werden, wie da was gefragt ist. Dann gibt es natürlich, ein konkretes Beispiel möchte ich nicht nennen, weil ich ja auch die Unternehmen nicht verkrauben will, mit denen wir zusammenarbeiten. Und es ist aber ja auch wieder total individuell. Also da freuen sich irgendwie 300 Leute über eine Sache und zwei schreiben, sag mal, geht's noch. Sowas würde ich nie nutzen. Und das ist bei jeder Sache so. Man kann es nicht allen recht machen und auch das muss man lernen. Und deswegen ist es noch wichtiger, als dafür zu entscheiden, was wollen andere, weil die sind sich sowieso nie einig, weil es einfach Menschen sind, weil es so viele verschiedene Menschen sind, muss man natürlich in erster Linie schon entscheiden, was will ich. Was passt auch zu uns. Das ist schon der Hauptfokus und dann auch, dass es irgendwie in irgendeiner Form einen nachhaltigen Aspekt hat, ist mir oft wichtig. Das ist nicht ausschließlich so, weil auch viel Greenwashing einfach betrieben wird und man weniger kritisiert wird, wenn man ein Produkt bewirbt, was... Was scheinbar nachhaltig ist, was es aber gar nicht ist. Nachhaltig draufsteht, es aber nicht ist. Ja, und wenn man dann mal ein Produkt bewirbt, wo es nicht draufsteht, wo man aber selber weiß, es ist nicht mehr oder weniger nachhaltig als das andere, dann wird man dann schneller kritisiert. Und auch das muss man lernen, dass man da einfach selber ein Standing entwickelt und sagt, ja, das mache ich, dazu stehe ich, aus dem und dem Grund. Und dann das auch einfach nimmt und zum Großteil, also es sind auch viele, die einfach dabei sind und uns folgen, weil sie sich total freuen, dass es immer wieder neue Ideen gibt, neue Rabattcodes gibt, dass sie da wirklich schon drauf warten, bis da wieder was kommt und sich bedanken, dass es auch immer so gut recherchiert ist. Und natürlich kann man auch mal Pech haben und kann mal mit einem Unternehmen zusammenarbeiten, was dann nachher beim Versand oder so nicht so zuverlässig ist. Da ist natürlich das große Risiko dabei, dass man mit seinem Namen dann was eingegangen ist, was dann am Ende nicht funktioniert, dass man es einfach nicht in der Hand hat. Ist ja für beide Seiten, oder? Ist für das Unternehmen auch ein Risiko, dass sie vertrauen dir, dass du da keinen Quatsch erzählst. Ja, genau. Manche Sachen sind mit Freigabe, also gerade kompliziertere Sachen, zum Beispiel Ökostrom oder sowas, wo man einfach auch schauen muss, wie kommuniziert man das, dass es verständlich ist. Genau. Und aber viele Sachen sind nicht mit Freigabe. Und ich versuche das auch zu vermeiden, weil ich es eben auch wirklich an dem Tag, wo es online geht, auch drehe und schaue, wie integrieren wir das auch authentisch in den Alltag oder in welchen Situationen nutze ich das und das einfach da die Freiheit habe. Was kommt da so monatlich netto bei rum? Ich glaube, das erzählt kein Creator. Ich bin Journalistin, ich frage trotzdem. Ja, du fragst trotzdem. Das ist ja auch gut so, ja. Auch keine Hausnummer? Nee. Nee? Okay. Weil das auch einfach Verhandlungsspielraum ist, den man sich da frei hält. Du hast gegenüber deinen Followern ja dann schon auch eine gewisse Verantwortung. Also du hast selber auch schon gesagt, man hat da als Influencer eben auch Einfluss. Ja. Es gibt da auch Studien zu, die zum Beispiel zeigen, dass vor allem Jugendliche sich da nicht so gut schützen können vor dem Einfluss, gerade wenn sie auch so ein bisschen freundschaftliche Gefühle entwickeln gegenüber dem Influencer, der Influencerin. Wie gehst du damit um? Ich versuche einfach zu sein, wer ich bin und ich versuche weder politische Statements dazu geben, noch irgendwie eine großartige Meinung zu anderen Sachen, sondern einfach zu machen. Und natürlich macht man auch manchmal Dinge, die dann andere Menschen unverantwortlich finden, zum Beispiel mit den Kindern auf dem Landwirtschaftsweg im Kofferraum zu den Schafen zu fahren, was wirklich jeder Landwirt macht. Aber in Deutschland einfach schwieriges Thema, ist natürlich auch, ich weiß gar nicht, ob das erlaubt ist oder nicht, ich erzähle das jetzt hier einfach mal, weil es einfach wirklich jeder Landwirt macht und es sind ein paar hundert Meter, es kommt kein Auto entgegen, man fährt da im Schritttempo, Aber es sind einfach Themen, wo man auch mal Dinge zeigt, die für manche Menschen verantwortungslos wirken, für andere nicht. Und auch da muss man einfach selber eine Entscheidung treffen und dazu stehen. Und da kann einem keiner von außen sagen, was richtig und was falsch ist, weil irgendwer wird es immer falsch finden und irgendwer wird es immer gut finden. Und das muss man einfach für sich selber wissen. Du hast gerade auch den Druck schon erwähnt. Du postest ja wirklich täglich, auch im Urlaub, wenn ich es richtig gesehen habe, auch am Wochenende. Hast du da auch manchmal keine Lust, keine Ideen? Nervt dich der Druck manchmal? Auf jeden Fall. Also das ist der beste Job, den ich mir vorstellen kann, weil er so frei und flexibel ist. Aber manchmal hätte man auch einfach mal gerne frei oder eine Woche Urlaub, würde gerne mal ganz abschalten, aber dann funktioniert dieser Job einfach nicht. Und ich bekomme öfter Nachrichten, ja, was arbeitet ihr eigentlich? Und das amüsiert mich dann, weil es sieht natürlich einfach nicht so aus, als würde man arbeiten, weil man diese ganze Zeit, die da drinsteckt, nicht sieht. Ich merke das aber, wenn wir dann mit Unternehmen zusammenarbeiten für Kampagnen, die selber hier ein Filmteam reinbringen, wo Agenturen beteiligt sind für dieses ganze Konzept von einem Film. Da haben wir drei, vier Calls im Vorhinein mit 20 Menschen und da ist ein Cutter dabei, einer, der das Storyboard macht. Dann die ganze Vorbereitung, Nachbereitung, dann laufen hier acht Menschen am Set rum und dann merke ich wieder, okay, ich mache das jeden Tag alleine. Natürlich sind die Bilder nicht auf dem Niveau, weil ich gar nicht mit so einer hochauflösenden Kamera filme. Aber ich bin Drehbuchautorin, ich bin Schauspielerin, ich bin Kamerafrau, ich bin Cutterin, ich bin Regisseurin, Schauspielerin, manchmal Model. Und es sind so viele Aufgabenbereiche, die da zusammenkommen. Und man nennt sich dann Influencerin. Sieht so aus, als würde man nie arbeiten. Man ist einfach, also man hat immer frei, aber nie Feierabend. Ihr seid ja jetzt ins unsanierte Haus eingezogen und habt hier irgendwie überall so ein bisschen Baustelle. Was steht denn jetzt als nächstes an? Als nächstes kommt die Sanierung des ehemaligen Kuhstalls dran. Da sind wir seit Sommer beschäftigt und das ist so ein 70 Quadratmeter großer Raum. Das war früher ein Kuhstall mit Anbindehaltung. Also dass die Kühe den ganzen Winter über nebeneinander da stehen und angebunden sind und gemolken werden. Und wir haben unsere Kühe jetzt draußen in einem offenen Stall. Man hat das früher auf allen Höfen so gemacht, das war einfach normal. Und das soll aber so ein Wirtschaftsraum sein, auch für die Landwirtschaft. So einen Stiefel-Eingang, weil diese Hausflure in dem, hier in dem Haus, der ist recht eng und man hat tausend Gummistiefel und Regenmäntel und ja, dass solche Sachen einfach da draußen sind, da kommt auch noch mal ein kleines Bad rein und es kann auch sein, dass wenn wir hier alles sanieren, dass wir dann dort rausziehen und die Heizung im Keller. Die steht auch an und da waren heute früh schon die Elektriker da, die sind aber wieder gefahren, weil die Heizungsbauer noch nicht da. Und wir machen viel in Eigenleistung, aber bei so manchen Themen wie eben der Heizungsbau oder so, da holen wir uns auch Unterstützung. Aber Patrick macht die ganzen Kerndochbohrungen im Vor- und Nachhinein, der legt die Leitungen mit. Also es ist trotzdem super, super viel Eigenleistung. Auch, dass man sich diese Handwerkerleistungen dann leisten kann, dass man gut vorbereitet ist, dass das Material da ist und dass die wirklich nur noch so diffizile Sachen machen. Was ihr halt nicht selber könnt. Werdet ihr irgendwann mal fertig sein hier? Ich glaube, so gerade mit den Außenanlagen und so ist man nie fertig. Und wir haben, also wir sind jetzt gerade dran, so die großen Strukturen zu machen. Wir haben die ganze Scheune saniert, die war einsturzgefährdet. Wir haben Ställe gebaut, wir haben den Hof befahrbar gemacht, draußen gepflastert. Die Dächer, das Dach neu gemacht, Photovoltaikanlage drauf. Und jetzt sind wir so, also die Leitungen vorgerichtet im Keller, die Heizung, den Heizkeller gemacht. Statisch im Keller auch Sachen am Gewölbe gemacht, aufgemauert. Da ist schon viel gemacht in den zwei Jahren. Richtig, richtig viel. Und man sieht einfach nicht so viel davon, weil wir immer noch hier wohnen wie vor 100 Jahren. Aber da ist schon einfach super viel passiert. Nervt dich das manchmal, dass es immer Baustelle sein wird, ein Stück weit? Ich glaube nicht. Wir haben jetzt auch gerade noch mal entschieden, ein bisschen langsamer zu machen, weil es uns erstens nicht groß stört, dass es so ist, wie es ist. Es ist auch gemütlich und weil wir einfach die Zeit, wo die Kinder so klein sind, auch intensiv mit denen verleben wollen und das Ganze als Prozess sehen. Und unser Traum war es immer so, auf einem Bauernhof zu wohnen, Selbstversorgung zu machen, Tiere zu haben, einen Holzofen, Gewölbekeller. Das war immer so der Traum, eine Küchenhexe. Und das haben wir alles. Und deswegen sind wir schon total zufrieden. Und natürlich freuen wir uns drauf, wenn irgendwann die Wände nicht mehr so schwarz sind und wir warmes Wasser in der Küche haben. Aber zwei Jahre hin oder her ist das egal. Und wir merken das auch mit dem Haus, was wir im Markgriefler Land fertig gemacht haben. Das hat sich zwischendurch angefühlt, als würde das niemals nicht enden. Und jetzt ist es schon wieder so lange her und wir haben da so Gas gegeben. Und auch da haben wir einfach gelernt, dass wir uns ein bisschen mehr Zeit lassen. Weil auch das Haus, das haben wir in zwei Jahren fast bis auf die Grundmauern abgerissen und neu aufgebaut und fertig gemacht. Und das war schon extrem... Wir machen es einfach ein bisschen langsamer, aber wir leben ja jetzt auch schon. Bei Social Media zeigen ja viele so das perfekte Leben, die perfekten Bilder. Du schreibst einmal in deinem Buch, es geht darum, mit dem Unperfekten glücklich zu sein. Ist das so dein Lebensmotto? Ich glaube, das muss es sein, wenn man so viele verschiedene Bereiche in seinem Alltag integrieren will und eben sagen will, ich will mir nichts verbieten, weder Social Media, noch die Kinder, noch die Tiere, noch das Selbstversorgen, es sind so viele Lebensbereiche und wenn man da irgendwas perfekt machen wollte, dann würde es nicht gehen, also es ist zwangsverläufig so und wir sind auch beide wirklich nicht so, die sich da total in ein Thema reinfuchsen und ich bewundere das immer, wenn Menschen so eine Sache so richtig gut beherrschen und ich hatte das nie. Ich konnte immer so alles ein bisschen und ich glaube, das ist einfach so eine Typsache. Und wenn man der Typ ist, der alles ein bisschen kann, dann ist das eben das Potenzial. Und dann ist das auch so ein bisschen deine Nische, die du irgendwie nutzt. Cool. Geraldine, ich danke dir. Danke für das schöne Gespräch. Das war BZ am Ohr, der Podcast der Badischen Zeitung. 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