Latest / Erstklassisch mit Mischke - Klassik hautnah / Erstklassisch mit Mischke: Camille Thomas
Transcript
- Music. Schönen guten Tag zu einer neuen Folge von Erstklassisch mit Mischke. Wie immer bin ich in meinem Arbeitszimmer leider noch und mein Gast ist auch nicht in Hamburg. Diesmal ist mein Gast eine Cellistin und sie ist in Paris, soweit ich weiß. Camille Thomas, bonjour und vielen Dank, dass das geklappt hat. Freut mich, dass wir uns jetzt sprechen und wie schön, dass wir uns jetzt hören und nicht nur sehen, wie wir uns mal gesehen haben. Also ich zumindest habe sie gesehen in der Elbphilharmonie im Dezember 2018, glaube ich, war es. Aber so ist es jetzt. Bonjour. Wie geht es Ihnen? Es geht ganz gut. Das ist eine schwierige Frage ja momentan. Ja, aber ich freue mich jetzt endlich gut sagen zu können. Das war, um ehrlich zu sein, ein bisschen schwer für mich diese letzten Monate. Aber jetzt kommt die Hoffnung wieder und man sieht ein bisschen Konzerte, die im Sommer kommen werden. Es geht besser. Okay. Wie war das denn eigentlich? Was wissen Sie noch? Es ist ja jetzt wahrscheinlich auch Monate her. Was war das letzte Konzert vor dem Lockdown? War das in Paris? Ich meine, jetzt in der Zeit in Paris gewesen zu sein, war sicher noch mal noch spezieller, weil in Frankreich der Lockdown ja doch schon massiv war. Ja, also das letzte Konzert war in Berlin am 8. März und das letzte Flugzeug war von Berlin nach Paris und dann in zwei, drei Tagen ist alles gestorben. ist. Also alles ist kein Plan mehr, kein Konzert. Das war wirklich komisch und dann auch ein paar Tage später, wir haben erfahren, dass wir müssen wirklich zu Hause bleiben, aber eine sehr strenge Art in Paris. Also wir könnten sogar keinen Sport machen zwischen in der Straße, auf der Straße, zwischen 9 und 7 Uhr am Abend. Also das heißt wirklich, Also ich bin ein bisschen verrückt geworden, denn seit 15 Jahren bin ich gewohnt, zwei Tage, drei Tage zu Hause maximum zu sein. Also mehr, also diese, das ist mehr, ja, die letzten Jahre bin ich sehr wenig zu Hause und früher war ich ein bisschen mehr, aber ich war immer unterwegs und immer beschäftigt mit Konzerten und voll konzentriert auf der Musik und plötzlich nichts mehr zu haben. Also ja, ich habe meine Familie und Freude, aber ich habe bemerkt, wie viel ich dieses Leben liebe und das ist sehr positiv am Ende. Haben Sie denn jeden Tag morgens um 10 geguckt, welcher Termin wieder geplatzt ist in den Mails oder dann nach einer Woche es sein gelassen, weil es zu frustrierend war, jeden Tag zu gucken, okay, das Konzert ist jetzt auch weg. Also, wie ist das gelaufen? Ja, ich habe das ziemlich lange gemacht und ich habe gedacht, bis wann. Also ich habe jeden Tag angefangen am Anfang mit dem Gedanken, also heute sollte ich in Luzern sein oder heute sollte ich in Sofia sein. Ich glaube, es hat eineinhalb Monate gedauert und dann habe ich einfach vergessen. Okay, aufgehört die Haare zu waschen, gar nichts mehr gemacht. Zum Couch-Potator geworden. Nein, das nie. Eine Pariserin ist immer schön, auch zu Hause. Stimmt nicht. Leider. Mal im Ernst. Von Ihnen gab es, soweit ich weiß, in den letzten Monaten keine Streams, keine Videos aus dem Wohnzimmer heraus, wo sie irgendwas gespielt haben, damit sie irgendwas gespielt haben. Haben Sie sich das hart verkniffen und gesagt, nein, ich mache es nicht, ich mache es nicht? Oder war das für Sie nie eine Option zu sagen, ich melde mich jetzt online dann nochmal? Weil viele haben es ja gemacht. Ja, es ist eine gute Frage. Also ich habe, denn ich habe wie alle Musiker, ich habe mein Publikum wirklich sehr viel vermisst. Und diese Kommunikation, die man mit Social Media haben kann, ist eigentlich wirklich berührend. Und ich habe nicht jeden Tag ein Konzert von meinem Wohnzimmer gemacht, denn ich, also wenn man ein CD zum Beispiel aufnimmt, man hat die besten Mikrofons und man versucht wirklich etwas, also die Schönheit mit einem großen S zu schaffen. Und ich fand das frustrierend mit keiner Akustik und nur einem iPhone. Ich fand das einfach schwer, etwas wirklich schön zu machen. Also ich habe meinem Leben die Musik gewidmet und ich wollte nicht etwas nicht so gut machen. Also am Anfang habe ich gedacht... Ja, ich wusste nicht, wie zu machen. Und nach ein paar Wochen, ja, ich wohne in Paris und ich habe ein Dach auf meine Wohnung, wo ich gehen kann. Und einen Abend, es gab einen wunderschönen Sunset und Sonnenaufgang. Und ich habe gedacht, okay, vielleicht ich spiele da, denn es ist so schön. Ich wollte das einfach teilen. Denn für mich, ja, Musik, es ist einfach die Schönheit teilen und ja, ich habe versucht und da habe ich Glück aufgenommen auf mein Dach und mehr als eine Million Personen haben das geguckt und ich habe so viele Nachrichten von der ganzen Welt bekommen. Also das war sehr berührend. Die Leute haben einfach geschrieben von New York, von Sao Paulo, von India, von South America, dass es geholfen hat, diese Schönheit zu sehen und Paris zu sehen und diese Musik. Und dann habe ich ein paar Videos gemacht auf meinen Dardo, fünf oder vier. Ich wollte nicht zu viel machen, denn eigentlich, es nimmt auch immer so viel Zeit und Energie, denn man denkt, ja, es ist einfach, aber es ist überhaupt nicht einfach, auf einem nur einmal zu machen. Man kann nicht schneiden, man kann kein Postproduktion machen. Und auch, es gibt Wind draußen, es gibt Autos und auch auf einen da ist es nicht so einfach zu spielen. Also alle diese Sachen sind... Und ich wollte immer Perfektion machen. Das ist mein Problem. Also für jede Videos habe ich manchmal eine Woche gebraucht. Deswegen auch habe ich nicht so viel gemacht. Okay, weil Sie das jetzt erwähnt haben. Ich hätte ja fast gar nicht fragen mögen, aber irgendwas mit Ihnen und Dächern ist da speziell. Also fast alle Fotos, die ich gesehen habe von Ihnen, Sie sind immer auf irgendwelchen Dächern in Paris dafür. Ja, ich habe eine Obtention, ich glaube. Aber jemand hat mir auf Facebook geschrieben, auf Französisch, das heißt, vous êtes un violonceliste stégophile. Stégophile ist ein Wort, das ich nicht kannte, aber ich habe geguckt. Das heißt, jemand, der mit Dächern so eine Obsession oder ein Problem hat. Aber eigentlich, ja, das stimmt. Das ist nicht ein Plan oder ein Marketingplan von mir. Es ist einfach so, ich liebe, auf Dächern zu sein und eine View zu haben. Und ich lebe auch in Montmartre, wo ich eine View auf Paris habe. Und ich habe immer das gesagt. Und ja, es ist einfach so. Okay, also wenn Sie irgendwo im Hotel sind, andere gucken dann erstmal, ob die Klimaanlage funktioniert. Sie gehen erstmal aufs Dach und schauen, wie der Ausblick ist. Oder wie muss ich mir das vorstellen? Eigentlich, ja. Ich gehe immer zum Fenster und gucke, was sehe ich. und ob es vielleicht hoher genug ist. Ja, das hilft mich, mich gut zu fühlen. Aha. Ich finde, ja. Ich habe ein Video von Ihnen gefunden, da haben Sie angekündigt, dass Ihr Album, was im März kommen sollte, jetzt eben erst im Juni gekommen ist. Also es wurde verschoben um ein paar Monate. Das ist jetzt das zweite Album bei einem großen Label gewesen. Ich glaube, Sie haben da relativ lange dran gearbeitet an diesem Album. Wie ist denn das Gefühl, wenn man dann im Prinzip fertig ist und sagt, so, das Baby ist jetzt da, wir können es in die Welt schicken. Und dann heißt es auf einmal, nein, Lockdown, Feierabend, passiert alles nicht. Ich stelle mir das relativ frustrierend vor dann, weil deswegen macht man es ja, damit es dann veröffentlicht wird. Ja, wie Sie gesagt haben, das war ein langer Prozess. Ich wollte auch nicht zu schnell mein zweites Album machen. Ich wollte, dass es etwas noch mehr persönlich ist und ich wollte auch mehr Zeit geben, als Künstlerin auf der Bühne zu, wie sagt man, größer zu werden, also erwachsener zu werden. Als Musikerin und ich wollte auch, also wenn ich eine CD mache, es ist ein bisschen wie wenn man ein Buch schreibt, ich glaube dass es so wichtig jedes Stück, wie jedes Wort wie man das ordnen wird und was ist das, wichtigste Stück das ist in meiner CD, selbstverständlich das Fasilsei Konzert Das wollte ich aufnehmen schon vor drei Jahren. Ich habe das in Paris auch geführt. Fazil Zay hat das für mich geschrieben und das heißt Never Give Up. Es ist seine Antwort auf die Terroristen-Attack in Paris und Istanbul und es ist eine Botschaft, dass man nie auf Schönheit, Hoffnung und Menschlichkeit aufgeben muss. Und ich habe viel überlegt, wie kann man eine Reise durch die Seele und eine Reise von Schmerz zu Hoffnung machen, eine musikalische Reise. Dann habe ich diese zwei Gebete von Ravel und von Bruch gefunden und ich dachte, das passt genau zum Spirit von dem Album. Und dann, aber das war kurz vor der Aufnahme, habe ich gedacht, ja, ich will eigentlich auch Sachen für Stimme aufnehmen. Denn seit immer bin ich bei den Sängern fasziniert und ich versuche mit meinem Cello zu singen, zu sprechen. Oder dass es immer etwas bedeutet, dass es nicht nur Noten mit meinem Bogen ist, aber dass es wirklich von meinem Bauch kommt und dass es etwas erzählt. Also ich habe Lieden oder Operarien ausgeschaut, die, Auch diese Botschaft tragen, dieses Gefühl, wenn man diese Melodie hört, dass man besser sein will. Man will auch vielleicht höher auf den Dächern sein. Genau dieses Bild wird auch mal benutzt. Aber dieses Gefühl, das uns die Musik geben kann, die unglaublich schön ist und die hilft. Also ja, das habe ich vor drei Jahren, ich habe darüber gearbeitet und das war endlich fertig im März und mein Gefühl war ein bisschen wie, ich glaube, jemand, der springen muss, der macht das große Springen von seinem Leben und dann man sagt, oh, du musst nicht springen. Das ist ein bisschen frustrierend, ist vielleicht nicht genug. Aber man musste sich aufpassen. Eigentlich, was ist passiert, finde ich ganz schön. Wir haben entschieden, mit Deutschen Grammof und sicherlich das ein bisschen später, das ganze Album zu veröffentlichen. Aber nur ein paar Trucks poco a poco dem Publikum zu geben. Und während dieser Lockdown, wo es so speziell und schwer für alle war, ich fand es ein schönes Geschenk, dieses Stück zu geben. Und die haben auch als einzelne Stück eine Bedeutung bekommen von dieser Situation. Da auch habe ich so viele Nachrichten bekommen und die Leute, ich glaube, haben dich sehr gefreut, diese Musik zu hören. Besonders dieses Never Give Up Konzert, die sehr bedeutungsvoll ist. Ja, ich kann mir ja vorstellen, also so wie ich Fasel sei kenne. Wird das wahrscheinlich nicht ganz einfach gewesen zu sein, während seines Komponierens ihm womöglich zu sagen, ich hätte gern dieses und jenes und können wir das nicht so machen oder anders. Also hat er sich von Ihnen angehört oder hat er womöglich sogar darauf reagiert, auf Vorschläge von Ihnen? Oder war das so, dass es dann hieß, ich fange jetzt an zu komponieren und dann irgendwann Monate später gab es einen Umschlag mit den Noten und was fertig und wehe, irgendwas wurde noch geändert? Haben Sie da konkret miteinander sich ausgetauscht oder war das einfach zack, fertig? Nein, es war nicht zeitfertig, aber zuerst haben wir dieses Never-Give-Up-Thema zusammen entschieden. Entworfen? Entworfen, ja. zusammen entworfen. Denn für mich Fazilzai symbolisiert diese nie aufgeben never give up Motto mehr als. Er ist der Symbol davon. Schon von der Art wie er spielt, Klavier spielt. Ich war seit immer fasziniert und inspiriert bei ihm. Denn wenn er auf der Bühne ist, er brennt für jede Note und er gibt alles und man kann nicht zuhören, es nimmt wirklich jedes Herzen, jede Leute in das Publikum, denn er wird die Musik, die er spielt. Also auch als eine Person in seinem Land in der Türkei ist er auch sehr engagiert für die Freiheit von Rede und gegen alle Formen von Obscurantism, wie sagt man das auch? Behinderung oder Einschränkung. Einschränkung, genau. Also dieses Thema war uns beide sehr wichtig, denn ich bin auch als Künstler so. Das ist auch mein Motto. Und dann sind die Events in Paris und in Istanbul passiert. Und er hat sehr schnell danach sein Konzert geschrieben. Das war wirklich seine Antwort. An seine Schmerzen und ich glaube, die Weltschmerzen, die, Und das war ein Katarztist auch. Denn durch diese Musik erhilft die Leute, sich besser zu fühlen. Trotz der Terroristenattacken. Und er hat mir die Noten, das Manuskript auf WhatsApp geschickt, aber das war schon fertig. Und er hat mir gefragt, ob ein paar Stellen spielbar waren, aber er schreibt eigentlich sehr gut für Cello und alles war gut geschrieben, und dann habe ich einfach meine Stimme gelernt und ich bin nach Istanbul geflogen und das war ein magischer Moment, ich werde das nie, ich werde mich immer erinnern, wir haben zusammengespielt, ich habe Cello-Stimme gespielt und er hat das Orchester am Klavier gespielt und da habe ich endlich gehört, wie es klingt. Und er hat mich auch ein bisschen erzählt, wie er die Sachen fühlt. Das war oft sehr interessant. Ich habe bemerkt, er hat das als ein Pianist komponiert, aber manchmal sollte ich sagen, ja, Basil, aber ich spiele Cello und das muss ich ein bisschen ändern, spielen, anders. Aber er war immer einverstanden eigentlich. Aber ich war so, okay, gut. Und wenn es gut gespielt ist und noch wichtiger ist, wenn ich es wirklich gefühlt habe, dann war er immer anverstanden. Und auch in Paris, er ist gekommen, wenn wir das mit dem Orchestre de Paris, Orchester du Champs de Paris, gespielt haben. Und da hat er auch nicht so viel gesagt. Und das war nur wichtig, dass wir das fühlen. Ja, stimmt. Aber ja, das hat mir auch sehr viel geholfen, um vielleicht andere Komponisten zu spielen, die andere Komponisten, die schon tot sind. Denn ich habe verstanden, dass wenn man wirklich alle Noten fühlt und diese Noten wie ein Schauspieler, Wenn man wird das Text dann der Komponist, oft, offensichtlich ist er glücklich. Ja, naja, dann ist es ja ideal geradezu, wenn da jetzt kein Stress war während der Entstehungszeit, sondern alle froh waren mit dem Ergebnis, dann hat es doch gepasst. Ja, es gab schon Stress, denn ich habe gefühlt, dass es für Falsiland ein wichtiges Werk war. Er hat auch gespielt an diesem Abend, ein Beethoven-Drittes-Konzert, aber er war nervös nur für das Cellokonzert. Ja, auch eine Uraufführung in Paris, man weiß nie, wie das Publikum das nehmen wird. Also ich war einfach ein bisschen nervös, denn ich wollte Fasil glücklich machen. Aber das hat alles wirklich gut geklappt und das war unglaublich. Wie die Leute reagiert haben, Wie war denn die Reaktion? Ich meine, wenn das Stück unter anderem sich damit beschäftigt, mit den Anschlägen da aufs Bataclan, dann ist das ja, wenn man das in Paris führt, ist das ja schon speziell. Genau. Das war für mich wirklich einzigartig. Ich habe das noch nie erlebt, die Emotion, die in der Saal, in der Deschamps-Élysées da war. Und direkt danach habe ich gedacht, ich will das aufnehmen. Denn diese Emotion kommt, weil dieses Konzert ist unglaublich schön, aber auch, weil es spricht über unser Leben, was wir erlebt haben jetzt. Und es ist so aktuell und es hilft wirklich den Leuten, über den Trauma zu gehen. Und wirklich die Leute, jedes Mal, ich habe dann das in Salzburg gespielt, in Italien, in Belgien, in Deutschland auch, in Stuttgart gespielt und jedes Mal, die Leute haben wirklich geweint, aber das war ein schönes Weinen, ich glaube ein, Weinen von Hope und ja, das ist wirklich das Spezielle, deswegen wollte ich unbedingt das aufnehmen. Ja, ich wollte mal auf das Cello an sich zu sprechen kommen. Wie geht denn für Sie der Satz weiter, der Klang meines Cellos? Wie bitte? Wie geht der Satz für Sie weiter, wenn der Satz anfängt mit der Klang meines Cellos? Wie würden Sie diesen Satz fortsetzen? Ist meine Freude. Ach. Nee, aber wirklich. Das habe ich auch bemerkt in diesen letzten Monaten. Das klingt vielleicht einfach, aber ich war manchmal so deprimiert. Aber immer, wenn ich am Cello war und ich habe auch nicht irgendwas für ein Cello. Deswegen auch bin ich so verliebt. Es ist eigentlich Stradivarius und einer der schönsten. in der Welt des Feuermanns Stradivarius. Und jedes Mal, wenn ich angefangen habe zu spielen, war ich glücklich wieder. Und ja, das habe ich auch bemerkt jetzt, während dieser Lockdown. Denn sonst spiele ich immer und ich merke das nicht mehr. Aber jetzt habe ich wirklich das. Rein zufällig und ganz wunderbar haben Sie mir ein Stichwort geliefert, was ich mir ja auch schon aufgeschrieben habe, nämlich das Stradivari-Cello, das Munkfeuermann von 1730, glaube ich. Sie hatten ja vorher ein anderes, was auch jetzt nicht direkt aus dem Supermarkt war, aber ich glaube, es gibt nur so um die 60 Celli von Stradivari und ich glaube so um die 600 Geigen. Also wie wählt man so einen, wie haben Sie sich für dieses Cello entschieden und ist das so ein bisschen, dass man erst mal miteinander sich anfreunden muss, denn von Geigen höre ich immer, von den Stradivari-Geigen höre ich immer, die muss man erst mal gewissermaßen einreiten und sich klar werden und auch dem Instrument klar machen, wer der Stärkere ist im Zweifelsfall. War das bei Ihnen einfach? Sind Sie jetzt schon Freunde geworden? Oder laufen diese Flitterwochen noch? Oder hört das nie auf, mit diesem Instrument zu ringen? Und wenn man Pech hat, ist es stärker an manchen Tagen. Und man zieht einfach den Kürzeren und sagt, okay, du hast gewonnen. Ja, also zuerst habe ich nicht wirklich das Cello ausgewählt. Leider, aber nicht leider. es ist mehr das Gegenteil, das Cello und um mehr präzise zu sagen, die Stiftung, das Nippon Music Foundation, hat mir eine E-Mail geschrieben, das war letzten August, um zu sagen, dass die wollten mir diese Stradivarius leihen. Und dass ich könnte ab nächster Woche in Tokio kommen, das Cello abholen. Und das war so ein Schock, denn ich wollte seit ein paar Jahren ein besseres Cello haben. Ich hatte früher einen Galliano, das war auch sehr gut, aber ich wollte etwas noch besser haben. Und das Feuermann hat Steven Iserli zum Beispiel für acht Jahre gespielt und ich wusste, es ist ein sehr schönes Cello. Das ist absolut keine Frage. Aber man weiß nie, ob es wirklich fassen wird. Also es könnte auch sein, dass das für mich nicht das richtige Instrument ist. Aber ich bin trotzdem geflogen nach Tokio und habe das Cello dann nach Hause mitgebracht. Und ja, das war sofort klar. Also das Klang ist unglaublich. Es gibt eine Seele in diesem Instrument, die man, ich glaube, ein anderes Instrument nicht findet. Und das war im September und zehn Tage später sollte ich ein Konzert für deutsche Grammophon aufnehmen, also das war ein großer Challenge, denn ich kannte das Cello noch nicht aber es ist alles gut, alles ist gut gelaufen, aber ich merke jetzt ich spiele das Cello seit sieben Monaten und jetzt sind wir wirklich Partners und ich fühle, ich fühle, dass wir endlich ein richtiges Team sind. Früher sollte ich ein bisschen kämpfen, denn ich wusste nicht genau, wie alles zu machen und man merkt, dass es so viele Möglichkeiten gibt, aber man kann noch nicht alles machen am Anfang und es ist ein bisschen, wenn man ungeduldig ist, es ist schwierig, aber jetzt fühle ich, dass wir fangen an wirklich ein Paar zu sein. Und das wird sich noch entwickeln. Das ist das Schönste daran. Ich glaube, man hat nie. Alles gefunden in so einem Instrument. Und dann meldet sich jemand aus Tokio und sagt, wir hätten es gerne wieder zurück. Psst! Nee, das, verspreche ich nicht darüber. Mein Album heißt Voice of Hope. So bin ich. Also ich denke, nicht, aber ja, stimmt. Es ist eine Möglichkeit, deswegen ja, ich, Es ist eigentlich ein großer Stress. Früher habe ich das nie gehabt, denn ich habe immer gedacht, es ist nur ein Instrument. Und das Wichtigste ist, wie du spielst und du musst bereit sein, auf jedem Cello zu spielen und das muss immer gut klingen. Das ist nur ein Instrument. Aber jetzt ist es nicht mehr ein Instrument, es ist wirklich wie eine Person. Ich liebe es. Und das wird der Tag, wo ich es nicht mehr ja, nicht mehr haben werde. Aber ja, es wird bestimmt etwas anders kommen. Ich habe mich mal ein bisschen eingelesen und habe eine Stelle gefunden, die ich, also jetzt kommt eine Frage, die sie wahrscheinlich nervt, aber es ist hier kürzlich eine Rezension über sie oder über das neue Album erschienen. Da stand, Camille Thomas ist optisch und musikalisch eine Erscheinung. Also in dieser Reihenfolge. Zuerst optisch und dann musikalisch. Ich ahne, wie sie antworten und ich kann mir auch lebhaft vorstellen, dass ich nicht der Erste bin, der diese Frage stellt, aber wie sehr nervt so was? Ich habe mich wirklich gewundert. Es war auch, glaube ich, noch eine Frau, die das geschrieben hat. Ja, ich habe das nicht gelesen. Die Reihenfolge müsste doch anders sein. Ja, genau. Ich freue mich sehr, dass ich das nicht gelesen habe. Nee, ja, also es. Es nervt mich, Aber es ist auch mir egal jetzt, denn ich finde es einfach ein bisschen doof, zuerst zu gucken, wenn man über eine Musikerin spricht, denn was ich mache ist klanglich. Aber ja, ich verstehe auch, die Schuld ist vielleicht unser Bild, wie sagt man, die Society. Die Gesellschaft. Die Gesellschaft ist heute so, die Leute sehr oft gucken erst. Es gibt Smartphones, Computers, Bild überall. Aber ja, was kann ich machen? Ich versuche einfach nur, immer besser zu sein und ich denke, das einzige positive Sache, ich hoffe, dass, wenn die gucken, die haben Lust, dann zuzuhören. Mein Ziel ist, ich will nur, dass die Leute zuhören und das Einzige, was ich machen kann, ist... Ja, gut spielen und die Leute zu berühren. Und das kommt eigentlich. Ich höre das ein bisschen weniger schon. Ich glaube, als Frau, für jede Frau ist das so. Eigentlich, man sagt das ein bisschen weniger für schöne Männer, zum Beispiel. Xavier de Mestre. Ja, Xavier de Mestre ist auch ein sehr schöner Mann. Ja, egal. Also ich will keine Zeit damit verlieren. Ich glaube, ich muss vertrauen, dass sich mit den Jahren die Leute mehr über die Künstlerin beschäftigen werden. Und dass vielleicht in drei Jahren die Reihenfolge anders sein wird. Jetzt haben wir ja so eine komische Zwischenzeit. Also die alte Welt ist irgendwie weg, die neue Welt ist noch nicht da. Was glauben Sie denn, was wird sich jetzt verändern in der Musikwelt? Also das ewige Fliegen, das ständige Fliegen, das ständige Reisen wird so erstmal nicht mehr passieren können. Es wird sicherlich auch noch eine Zeit dauern, bis Sie wieder ein Tchaikovsky-Certo-Konzert spielen können oder ein Dvorak-Konzert oder ein Shostakovich. Aber trotzdem, was glauben Sie, wie wird es sich verändern? Und ist es womöglich sogar gut und dringend und notwendig, dass sich was verändert jetzt? Eigentlich ist es nicht so weit. Mein nächstes Dvorak-Konzert ist in Tokio am Ende August. Also, ja, ich bin selbst sehr überrascht, aber dieses Konzert ist nicht abgesagt und letzte Woche haben mein Manager, der Orchestermanager, die Visa und so vorbereitet. Also es sieht aus, wie es stattfinden wird, mit weniger Publikum im Saal. Ja, ich weiß noch nicht, wie es sich entwickeln wird. Zuerst, ich hoffe sehr, dass wir sehr bald einen vollen Audience haben werden. Ich glaube, es ist so wichtig, zusammen die anderen Menschen zu fühlen, also als Musiker auf der Bühne. Ich bin inspiriert, also zuerst bei der Musik, oder ich weiß nicht, ob es eine Reihenfolge ist, aber Musik und Publikum, denn es gibt eine, Kommunikation und ich gebe das für jemanden. Ich weiß nicht, ich spiele gut und das Beste nur, wenn es Leute zuhören, denn es ist wie ein Geschenk. Das zuerst über Reisen, die Reisen, ich weiß nicht, also ich finde es auch sehr schön, diese Exchange, zum Beispiel wenn ein Musiker von. Europa in Amerika spielt, ich glaube, man kann seine Kultur bringen und also das inspiriert mich zum Beispiel sehr viel zu reisen. Aber vielleicht muss man das ein bisschen besser organisieren, denn das ist auch ein bisschen verrückt, manchmal. Ich weiß nicht. Ich habe mal mit Sheikokani-Mason gesprochen. Der sagt, sobald er ein Flugzeug nur sieht, schläft er ein. Der kann das offensichtlich ganz gut. Wie kamen Sie bislang damit klar? Sie waren ja doch auch schon viel unterwegs und das war ja schon ein anstrengender Terminplan bislang, denke ich. Gibt es da Tricks, die sich Musiker untereinander erzählen, um damit Platz zu kommen? Ja, ich bin jetzt sehr eifersüchtig mit Sheikou, denn ich bin nicht so begabt. Und das ist für mich ein großes Problem, schlafen. Wir haben alle Probleme und mein Problem ist mit schlafen. Aber ich arbeite sehr viel daran. Aber ich schlafe nicht in Flugzeugen, ich schlafe auch nicht im Hotel. Und am Ende bin ich sehr müde. Im Hotel können Sie wenigstens noch aufs Dach gehen. Ja, wenn es ein Dach gibt. Aber ja, das, ja. Aber dann ist jetzt der Dvorak in Tokio, ist das erste Konzert wieder mit Publikum und voller Besetzung? Oder ist noch was davor? Okay, also Ende August. Was glauben Sie denn, kommen Sie da heil auf die Bühne und heil wieder runter? Also das ist ja wie, wenn man nach wochenlang keine Drogen genommen hat, dann wieder eine Droge zu bekommen. Und auch diesen Austausch mit dem Publikum. Also ich stelle mir das schwierig, also schön schwierig, aber trotzdem schwierig vor, dann zu sagen, okay, ich gehe da wieder raus. Ich tue jetzt mal so wie vorher. Ich glaube, ehrlich zu sein, ich werde ziemlich nervös sein. Ich glaube, es ist immer so, wenn man am Anfang einer Saison mehr Stress hat. Und dann ist man gewohnt, immer zu spielen und diesen Rhythmus zu haben. Aber jetzt werde ich plötzlich Jetlag haben, Reise und Dvorak spielen. Und das ist auch mein japanisches Debüt. Und es ist in Century Hall, also das größte Hall in Tokio. Also das wird bestimmt nicht so einfach sein. Aber ich freue mich so sehr, Dvorak zu spielen. Das ist verrückt. Ich werde mich auf diese positive Emotion konzentrieren. Ich glaube, man kann sein Gehirn trainen. Man kann nicht lügen, nicht sich lügen, aber man kann sich konzentrieren auf die guten Sachen. Und das hilft auch auf der Bühne, das hilft riesig. Okay. Ich habe mal mit Christian Tetzlaff gesprochen. Er hat mir gesagt, er übt am Tag ungefähr eine Stunde. So hat er mehr vom Leben. Und er hat auch noch nicht Jahrzehnte weggeübt. Also er hat noch ganz viel Karriere vor sich, weil er nicht schon Jahre von Karriere weggeübt hat. Sind Sie jemand, der sagt, also unter vier Stunden fange ich erst gar nicht an, ans Üben zu denken? Oder muss man sich auf dem Level, auf dem Sie spielen, auch nochmal jeden Tag wieder zwingen und sagen, ich muss jetzt üben, ich will nicht, aber ich muss? Hat sich das inzwischen gegeben bei Ihnen oder wie sieht es bei Ihnen aus? Ja, es ist jetzt eine komische Zeit, denn es ist ein bisschen wie, wenn ich eine Studentin war. Also ich muss üben. Diese muss ist in meinem Kopf total geprägt. Aber es gibt nichts konkret zu vorbereiten. Einfach, es ist nur Üben, um besser zu werden, im Allgemeinen, oder um das Rezeptor zu erweitern. Ja, genau. Oder zu verbessern. Immer. Aber ja. Ich habe ein bisschen weniger geübt als in der normalen Zeit, denn es war einfach schwierig. Ich fand es ohne konkrete Termine. Aber ich glaube, ich habe auch große Fortschritte gemacht mit dieser Distanz. Ich habe vielleicht weniger, aber sehr fokussiert mit Zeit. Ich habe mir wirklich Zeit genommen über Sachen, die mir immer schwierig für mich immer schwierig waren und ja, ich glaube, am Ende es wird positiv. Ich habe auch ein bisschen wieder gelernt, wie man übt, denn jetzt, es gab, das war das Einzige, was ich hatte, üben. Nicht spielen, nicht emotionell, nicht ich habe am Anfang gesehen, so viele Leute haben zum Beispiel Yoga zu Hause gemacht und ich habe gedacht, mein Mein Yoga ist Cello-Spielen. Ich versuche nur sehr relax. Dieses Bild hat mir ziemlich viel geholfen. Das ist mein Yoga, auch ein bisschen Meditation. Ich habe versucht, diese Konzentration. Die man in der Meditation hat, am Üben zu haben und nicht am E-Mails und an andere Sachen zu denken. Also, ja, das war interessant. Okay. Aber, ja. Dann würde ich zum Abschluss nochmal eine ganz klassische Frage stellen. Also, ich komme jetzt nicht mit der Frage Beatles oder Stones beim Musikgeschmack, sondern Jojo Ma oder Rostropovich. Schwierig. Also Rostropowitsch ist mein Idol und meine Inspiration. Also ich habe zwei, Jacqueline Dupré und Rostropowitsch, die sind wirklich für mich die größte Inspiration. Aber Jojo Ma, ich würde sagen, ein bisschen wie Steven Easterl ist. Die sind sehr anders als ich. Und ich finde das immer auch sehr inspirierend, die beiden zu tun, denn die zeigen mir Sachen, die ich nicht anders spielen würde. Aber ja, also Rostropovich würde mehr meine Richtung sein. Also wie ich Cello spiele mit Bauch und Feuer und extrem großer Leidenschaft. Also diese russische Seele ist für mich eine Konstanzinspiration. Aber Jojoma für mich, er ist wie ein Extraterrest. Wie sagt man? Außerirdischer. Ja, er gehört unserer Welt nicht. Was er macht, ist, ich verstehe fast nicht, wie er das macht. Und deswegen ist das für mich so, das ist immer, ich bin so, wow. Und das ist so schön, es ist auch unglaublich schön, aber für mich auch seine Technik und wie er Cello spielt, es ist nicht von unserer Welt. Ich weiß nicht. Ja. Also weiter üben. Ja. Ja, wunderbar. Immer weiter üben. Dann bin ich erst mal ganz froh, dass ich jetzt das alles von Ihnen gehört habe. Vielen Dank dafür. Ich bin gespannt. Wissen Sie schon, wann Sie wieder in Hamburg fällig sind? Gibt es dann schon einen Termin? Ich habe nicht nachgeschaut, aber ich glaube, so schnell auch nicht, oder? Nein, das stimmt. Ich glaube, nächste Saison gibt es ja viele deutsche Städte, aber Hamburg nicht. Aber die Saison danach, offentlich. Oder vielleicht etwas. Gut, dann jedenfalls erstmal tausend Dank für das Gespräch. Passen Sie auf sich auf in Paris und viel Spaß beim Üben. Und dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg und dass das in Tokio auch alles klappt und dass dieser Termin bleibt und nicht wackelt und nicht nochmal drei Tage vorher platzt. Dankeschön. Dann vielen Dank und au revoir. Au revoir. Ciao. Music. Weitere Podcasts vom Hamburger Abendblatt finden Sie auf abendblatt.de slash podcast.