Latest / Wir lesen... Bücher Kapitel für Kapitel besprochen / Hörbuch: "Die Alternative für Deutschland" von Kian Sobek - Prolog 1
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- 0:01Prolog Wahlnacht, Teil 1 der Regen hatte am Nachmittag
- 0:06aufgehört, aber die Stadt trug ihn noch in den Pfützen in den
- 0:10schwarzen Fenstern, in dem Glanz, der über dem Pflaster der
- 0:12Fußgängerzone lag wie eine dünne Schicht aus etwas, das man nicht
- 0:16anfassen wollte. Lena Brandt stand im Foyer des
- 0:19Rathauses, den Daumen auf der Aufnahmetaste in ihrer
- 0:22Manteltasche und wartete auf das Geräusch, das den Abend kippen
- 0:25würde, sie kannte es noch nicht, sie wusste nur, dass es kommen
- 0:29würde. So wie man bei einer alten
- 0:31Leitung weiß, dass das Wasser irgendwo durchsickert, lange
- 0:34bevor man den Fleck an der Decke findet.
- 0:36Es war kurz nach 18:00 Uhr draußen hinter der Glasfront
- 0:40leerten sich die Straßen in der Geschwindigkeit eines Sonntags,
- 0:42der niemandem mehr gehörte, drinnen füllte sich das Foyer
- 0:46mit der gedämpften Unruhe von Menschen, die alle dasselbe Bild
- 0:50ansahen und so Taten, als sähen sie verschiedene.
- 0:53Über dem Empfangstresen hing ein Bildschirm, viel zu groß für den
- 0:56Raum, und auf dem Bildschirm hing das blaue Licht, in dem die
- 0:59ganze Republik an diesem Abend baden würde und in das Blau
- 1:02hinein kletterten zahlen langsam, ohne Eile, wie etwas,
- 1:06das alle Zeit der Welt hatte. Lena hatte 20 Jahre lang
- 1:10gelernt, Räumen zuzuhören, statt ihnen zuzusehen, Räume Logen mit
- 1:15ihren Gesichtern und sagten die Wahrheit mit ihren Geräuschen.
- 1:18Sie hörte das Klirren der Sektgläser am Stehtisch der
- 1:20einen Seite dünn und vereinzelt ein Klirren, das sich nicht
- 1:24recht traute. Sie hörte das Schweigen am
- 1:26anderen Ende des Foyers, dort, wo die Älteren der einstigen
- 1:30Volksparteien standen, in ihren guten Mänteln mit ihren guten
- 1:33Gesichtern, und in dieses Schweigen tropfte etwas, das sie
- 1:36zuerst nicht benennen konnte, erst später, auf dem Heimweg,
- 1:40würde ihr das Wort dafür kommen, es war das Geräusch einer
- 1:43Leitung, in der gerade noch jemand gewesen war.
- 1:46Auf dem Bildschirm wechselte die Zahl, ein Balken blau schob sich
- 1:50um einen halben Finger breit nach oben.
- 1:52Die Frau, neben Lena eine Stadträtin, deren Namen Lena
- 1:55seit Jahren in ihre Spalten setzte, sagte leise, das ist
- 1:59doch noch nicht das Endergebnis. Sie sagte es so, wie man eine
- 2:02Tür im Dunkeln zuhält, gegen die schon jemand drückt.
- 2:05Nein, sagte Lena, noch nicht, sie zog das Gerät nicht aus der
- 2:10Tasche. Sie ließ es laufen, blind, ein
- 2:13Mikrofon, das den Abend sammelte, ohne ihn anzusehen.
- 2:17So arbeitete sie am besten nicht mit der Kamera in der Hand, die
- 2:21jeden in eine Pose zwang, sondern mit dem Ohr, das die
- 2:24Leute vergaßen. Der Anzeiger hatte ihr vor 2
- 2:27Jahren die letzte feste Fotostelle gestrichen, dann den
- 2:29Lokalsport, dann das halbe Layout.
- 2:32Was blieb, war sie ein Laptop und ein Aufnahmegerät, das älter
- 2:36war als manche der Praktikanten, die im Sommer kamen und im
- 2:39Herbst wieder gingen, weil man von dem, was die Zeitung zahlte,
- 2:42nicht einmal die Bahn bezahlte, die einen herbrachte sie war die
- 2:45letzte feste Reporterin eines Blattes, das jeden Monat dünner
- 2:48wurde wie ein Mensch, dem man zusah, ohne es zu dürfen.
- 2:52An diesem Abend war sie die Einzige, die der Anzeiger
- 2:55überhaupt noch geschickt hatte. Die anderen Redaktionen saßen
- 2:59oben im Sitzungssaal, wo die Hochrechnung an die Wand
- 3:01geworfen wurde und wo es Brötchen gab.
- 3:04Lena stand im Foyer, weil sie gelernt hatte, dass die Wahrheit
- 3:08selten dort passierte, wo es Brötchen gab über ihr durch die
- 3:12Decke ging, ein Ruck durch das Gebäude, kein Geräusch, eher
- 3:16eine Veränderung des Drucks, wie wenn in einem Nachbarraum viele
- 3:19Menschen gleichzeitig die Luft anhielten, eine neue Zahl,
- 3:22dachte sie, sie schob sich zur Treppe.
- 3:25Der Sitzungssaal war zu warm und zu hell an der Stirnwand, wo
- 3:29sonst der Stadtrat tagte und über Parkgebühren und Buslinien
- 3:33stritt, leuchtete jetzt die Projektion und unter der
- 3:36Projektion drängten sich die Leute in den Farben ihrer Lager
- 3:39getrennt und doch zusammengeschoben in einem Raum,
- 3:42der für so viele nicht gebaut war.
- 3:44Lena kannte die meisten, das war der Fluch und das Kapital ihres
- 3:48Berufs in einer Stadt wie dieser, sie kannte die
- 3:51Gesichter, seit die Gesichter jünger gewesen waren.
- 3:54Sie kannte den Kämmerer, der dreimal im Jahr mit ihr
- 3:56telefonierte, um ihr zu erklären, warum das Klinikum
- 3:59nicht zu retten und der Haushalt nicht zu halten sei.
- 4:02Sie kannte den Pfarrer, der nicht mehr predigte, weil die
- 4:05Gemeinde in 2 Beerdigungen pro Woche zerfiel, sie kannte die
- 4:09junge Frau von der Tafel, die heute gekommen war, ohne zu
- 4:12wissen warum, und die jetzt an der Wand lehnte, als hielte die
- 4:15Wand sie und nicht umgekehrt, und sie kannte die Farbe, die an
- 4:19diesem Abend den Saal beherrschte.
- 4:22Sie hatte sie kommen sehen in den sonntagsfragen, Monat um
- 4:25Monat ein Balken, der wuchs und wuchs und über den alle redeten,
- 4:29als Rede man über das Wetter, etwas, das geschah und das man
- 4:32nicht machte. Jetzt war das Wetter im Raum, es
- 4:36trug die Farbe eines kalten Himmels und Stand an der
- 4:39vorderen Reihe, wo die Jüngeren waren, die Hemden trugen und
- 4:42Gesichter, in denen kein Triumph stand, sondern etwas
- 4:45schlimmeres, Selbstverständlichkeit.
- 4:47Sie lächelten nicht, sie warteten, wie man auf einen Bus
- 4:50wartet, von dem man weiß, dass er kommt.
- 4:53Die Projektion zeigte den Hochrechnungsbalken er war über
- 4:56die Linie geklettert, hinter der nichts mehr zu deuteln war,
- 4:59erste Kraft mit Abstand eine Zahl, die kein Mensch in diesem
- 5:03Saal je für eine Landtagswahl in diesem Land für möglich gehalten
- 5:06hätte, vor 10 Jahren, nicht, vor 5 nicht, und die jetzt dort
- 5:10stand, sachlich hellblau, in der gleichen nüchternen Schrift, in
- 5:14der man sonst Niederschlagsmengen anzeigte.
- 5:17Am anderen Ende des Saals, dort, wo die Partei ihren Abend
- 5:20feierte, brandete ein Geräusch auf, das keine Worte hatte.
- 5:24Ein tiefes kollektives Ausatmen, das sich in Jubel verwandelte,
- 5:28als auf der Projektion das Gesicht erschien, das man aus
- 5:31dem Fernsehen kannte, das große Gesicht aus der Hauptstadt, das
- 5:34an diesem Abend in jeder Stadt dieses Landes zugleich sprach
- 5:38und in keiner Lena verstand kein Wort.
- 5:41Sie brauchte es nicht, sie las den Saal, und der Saal sagte
- 5:45ihr, dass das, worüber man jahrelang geredet hatte, wie
- 5:48über ein fernes Gewitter, jetzt über den Dächern stand.
- 5:51Und dann fand ihr Blick das andere Gesicht, das, auf das es
- 5:54an diesem Abend wirklich ankam. Und es war nicht auf dem
- 5:57Bildschirm, es stand am Rand des Jubels, dort, wo die Partei
- 6:00feierte, und es jubelte nicht. Ein ruhiger, grauer Mann in der
- 6:04Mitte der 50 im grauen Anzug, die Hände vor dem Bauch
- 6:07gefaltet, der Spitzenkandidat, das Gesicht, das die Partei sich
- 6:11für diese Wahl zugelegt hatte wie einen guten Anzug, kein
- 6:15Brüller, kein Hemdsärmeliger, sondern ein Verwaltungsjurist,
- 6:19einer, der früher in einer dieser Firmen gewesen war, die
- 6:21Krankenhäuser Gesund sparen und Ämter verschlanken.
- 6:24Reinhard Vosswinkel Lena hatte ihn im Wahlkampf zweimal erlebt
- 6:28und beide Male das Unbehagen gespürt, das man vor einem
- 6:31Menschen empfindet, der nie die Stimme hebt, weil er weiß, dass
- 6:34man ihm ohnehin zuhören wird. Neben ihm einen halben Schritt
- 6:38zurück stand der Mann, der die Stimme hob, Dietmar Kabler,
- 6:42Landesvorsitzender, ein schwerer, 60 Jähriger mit einem
- 6:45Gesicht wie eine zu lange gekochte Kartoffel, der im
- 6:49Wahlkampf jene Sätze gesagt hatte, die Vosswinkel niemals
- 6:52sagen musste, weil kabler sie schon gesagt hatte.
- 6:55Kabler war der Mann für die Turnhallen und die Bierzelte.
- 6:58Für die Sätze über das Ausbluten des Volkes und darüber, wer hier
- 7:01eigentlich wem auf der Tasche liege.
- 7:04Vosswinkel war der Mann für die Studios und die Kammern und die
- 7:06Unternehmerfrühstücke es gab keine Distanzierung zwischen
- 7:10ihnen, kein einziges Mal in 18 Monaten, und Lena hatte
- 7:13irgendwann aufgehört, danach zu fragen, weil sie begriffen
- 7:16hatte, dass die Frage falsch gestellt war, sie widersprachen
- 7:20einander nicht, sie teilten sich die Arbeit.
- 7:22Der eine holte die Wut herein, der andere machte sie amtsfähig
- 7:26und beide brauchten sie einander so sehr, dass keiner den anderen
- 7:29je würde fallen lassen können. Er sah auf die Zahl mit dem
- 7:32ruhigen Interesse eines Mannes, der ein Ergebnis prüft, das er
- 7:36erwartet hat und von allen Gesichtern in diesem Saal war
- 7:39seines das Einzige, das ihr wirklich Angst machte, weil es
- 7:42das einzige war, dem man nichts ansah.
- 7:45Sie schrieb nichts, Sie sah auf die Gesichter unter der Zahl und
- 7:48die Gesichter erzählten ihr mehr als die Zahl.
- 7:51Auf der einen Seite das Frohlocken, das sich gerade erst
- 7:53trauen lernte, dann lernte es. Es geschah in dem Moment, in dem
- 7:58die Zahl auf dem Bildschirm um 2 Zehntel nach oben sprang.
- 8:01Und was aus der Ecke kam, in der die Partei stand, war kein Jubel
- 8:05im Sinne eines Lauts, den man einer Freude zuordnet, sondern
- 8:08ein Brüllen aus 40 Kehlen, in dem für die Dauer von 3 Sekunden
- 8:12alles enthalten war, was in diesem Land seit Jahren nur in
- 8:15Küchen gesagt worden war. Einer schrie, jetzt wird
- 8:18ausgemistet und andere nahmen es auf, nicht im Chor, dafür war es
- 8:23zu ungeordnet, eher wie ein Feuer, das an mehreren Stellen
- 8:26zugleich Luft bekommt. Eine Frau, gepflegt Mitte 60, in
- 8:30einem guten Mantel, hielt ihr Glas hoch und rief etwas über
- 8:33Rückführung und das Wort Klang in ihrem Mund nicht wie eine
- 8:35Forderung, sondern wie ein Versprechen, dass man endlich
- 8:38einlösen darf. Ein junger Mann neben ihr formte
- 8:41mit den Händen einen Trichter und schrie einen Satz über
- 8:44Passdeutsche, den Lena nicht vollständig verstand und dessen
- 8:48Rest sie auch nicht brauchte, weil das erste Wort schon alles
- 8:51enthielt. Es war nichts verschlüsseltes
- 8:53daran, es war kein Code, keine doppelte Botschaft, nichts, was
- 8:57man später hätte umdeuten müssen, es war ausgesprochen in
- 9:01einem Rathaus unter einer Uhr, vor Kameras, und niemand senkte
- 9:05die Stimme, weil man die Stimme nur senkt, solange man nicht
- 9:08gewonnen hat. Lena sah, wie 2 Kamerateams die
- 9:11Objektive hoben und sie sah, was die Bilder morgen zeigen würden.
- 9:15Und sie wusste zugleich, dass es nichts ändern würde.
- 9:18Und dann tat Sie das, wofür sie an diesem Abend eigentlich hier
- 9:20war. Sie sah nicht auf die
- 9:22Brüllenden, sondern auf den grauen Mann am Rand, vosswinkel
- 9:26hatte den Kopf nicht gewendet, nicht zu den Rufenden, nicht zu
- 9:29den Kameras. Er stand da, die Hände vor dem
- 9:32Bauch, und sah weiter auf die Zahl mit dem Gesichtsausdruck
- 9:36eines Mannes, der bei einer Betriebsfeier neben einem
- 9:38Kollegen steht, der zu viel getrunken hat und beschlossen
- 9:41hat, es nicht zu bemerken. Kein Tadel, kein Nicken, kein
- 9:45zusammenzucken, nichts und Lena, die 20 Jahre lang gelernt hatte,
- 9:50dass in der Politik das unterlassene die eigentliche
- 9:52Handlung ist, notierte in diesem Moment den ersten Satz des
- 9:55Abends, und es war der einzige, den sie später nicht mehr würde
- 9:58streichen müssen, er widerspricht nicht.
- 10:01Er braucht sie auf der anderen Seite die alte Mitte, die ihre
- 10:04Niederlage trug wie einen nassen Mantel, von dem man weiß, dass
- 10:08man ihn ausziehen müsste und den man trotzdem anbehält, weil das
- 10:12Ausziehen das Eingeständnis wäre und überall dazwischen die
- 10:15vielen, die nicht in Lagern standen, sondern an Wänden, an
- 10:19Türrahmen, an Säulen, die Bürger einer Stadt, die an diesem Abend
- 10:23nicht gewählt hatte, sondern geschehen lassen. 40 Jahre,
- 10:26sagte eine Stimme neben ihr. Es war Aderholt der
- 10:30Fraktionsvize der Christdemokraten, ein Mann, der
- 10:32seit 3 Jahrzehnten in diesem Saal saß und dessen Gesicht
- 10:35heute aussah wie ein Hemd, das man zu heiß gewaschen hatte,
- 10:38eingelaufen, zu klein für den Träger. 40 Jahre habe ich gegen
- 10:43die geredet, Frau Brandt, und jetzt sitzen wir hier und
- 10:47rechnen aus, mit wem wir können. Können Sie denn, fragte sie, er
- 10:52antwortete nicht gleich. Er sah auf die Zahl und in
- 10:55seinem Schweigen lag das eigentliche Ergebnis dieses
- 10:57Abends. Deutlicher als in jedem Balken.
- 11:01Wir reden noch, sagte er schließlich, es gibt Gespräche,
- 11:05es gibt Gespräche. Lena ließ das Gerät in der
- 11:08Tasche, das Wort schlucken, sie hatte den Satz hundertmal gehört
- 11:12von 100 Leuten in 100 Sitzungen, und sie wusste, dass er nie
- 11:15nichts bedeutete. Es gibt Gespräche, war die
- 11:18höflichste Form, in der eine Stadt sich selbst verriet.
- 11:21Nur dass sie an diesem Abend noch nicht wusste, wie lange das
- 11:24verraten dauern würde und wie leise sie ging hinaus auf den
- 11:28Balkon, der über den Markt sah, und ließ die Kälte an sich
- 11:32heran, weil die Wärme im Saal etwas mit ihr machte, das sie
- 11:35nicht zulassen wollte. Unter ihr lag der Platz leer,
- 11:39glänzend und auf der anderen Seite des Platzes hingen in den
- 11:42Fenstern der Sparkasse, der Apotheke, des leerstehenden
- 11:46Modehauses, dieselben Bildschirme wie überall und auf
- 11:49jedem dasselbe blau, dieselbe Zahl.
- 11:51Die langsam stieg wie Wasser in einem Keller, von dem niemand
- 11:54die Pumpe fand. Sie holte das Telefon heraus und
- 11:57wählte ohne nachzudenken die einzige Nummer, die ihr an einem
- 12:01solchen Abend einfiel. Ihr Vater nahm beim zweiten
- 12:04Klingeln ab, als hätte er das Telefon in der Hand gehalten, du
- 12:08siehst es, sagte sie, keine Frage, ich sehe es.
- 12:12Theos Stimme kam aus einer anderen Tiefe als der Saal
- 12:15hinter ihr, ruhig, trocken, mit jenem leisen Spott, der bei ihm
- 12:19immer kurz vor dem Schmerz kam. Ich habe mir vorhin notiert,
- 12:23wann ich das letzte Mal so falsch lag, mit einer Hoffnung.
- 12:26Es ist eine lange Liste, sag nichts historisches, Papa heute
- 12:30nicht. Er lachte kurz, ein Lachen, das
- 12:32mehr Husten war, ich sage gar nichts, ich sehe nur zu, wie
- 12:36eine Stadt ins Bett geht. Sie schwiegen einen Moment
- 12:38zusammen, jeder in seinem Fenster und in das Schweigen
- 12:41hinein kroch die Kälte über das Geländer in ihre Finger, in die
- 12:45Hand, die das Telefon hielt, dann sagte er leiser.
- 12:49Bleib wach, Lena nicht heute Nacht überhaupt und legte auf,
- 12:53bevor sie fragen konnte, was er meinte.
- 12:55Unter ihr ging die Stadt schlafen, es war Sonntag, morgen
- 12:58war Montag, man musste arbeiten, wenn man noch Arbeit hatte.
- 13:02In den Wohnblocks am Rand des Platzes ging ein Fenster nach
- 13:05dem anderen aus. Das blaue Licht der Bildschirme,
- 13:08in denen dieselbe Zahl stand und erlosch, weil die Leute ins Bett
- 13:12gingen. Und das Schlimmste war, dass für
- 13:14die meisten von ihnen in dieser Nacht wirklich nichts geschah,
- 13:17gar nichts, kein Schlag an die Tür, kein Lärm, kein Bruch, nur
- 13:21eine Zahl, die größer war als alle zahlen davor und eine
- 13:24Müdigkeit, die größer war als die Zahl.