Latest / Spirit Mind Energy – Dein Universum für moderne Spiritualität | Gespräche mit Petra Baum / 014 Tarot in der Literatur - Folge 5 : Club der toten Dichter | mit Tino Wiesinger
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- Petra: Hallo zusammen. Heute stellen Tine und ich euch in unserem Tarot- und Literatur-Special den Club der Toten Dichter vor. Ein Werk, das, glaube ich, bis heute polarisiert und bewegt. Es ist keine Wohlfühlgeschichte über Schule, sondern eine ziemlich radikale Erzählung über Freiheit, über Anpassung und vor allem die Frage, was passieren kann, wenn man eine eigene Stimme entwickelt, die ein System nicht vorsieht. Die Geschichte stammt von Tom Schoolman, der 1950 in Nashville, Tennessee geboren wurde. Schule war für ihn nie ein neutraler Ort. Sein Vater war Lehrer und Schoolman besuchte ein strenges Eliteinternat. Er wurde also auch selbst geprägt von Leistungsdruck, Hierarchien und unausgesprochenen Regeln. Genau aus dieser Erfahrung heraus entstand die fiktive Whelton Academy im Buch die auf einem Bildungssystem basiert, das Ordnung höher bewertet als den Menschen. Der Club der Toten Dichter ist übrigens ursprünglich gar kein Roman. Er erschien 1989 zunächst als Film, für den Schoolman das Drehbuch schrieb. Anschließend schrieb Nancy Kleinbaum auf Basis seines Skriptes die Romanversion. Ein entscheidender Punkt, der oft unterschätzt wird, das dramatische Ende des Werkes war eigentlich nicht gewollt. Schoolman musste das tragische Finale gegen den massiven Widerstand der Studios durchsetzen. Man wollte Neil retten, Heating rehabilitieren, das Publikum versöhnen. Schoolman verweigerte das. Seine Haltung war ziemlich klar. Wenn ein System ungebrochen bleibt, dann gibt es keinen sauberen Sieg. Trost wäre also Verrat an der Geschichte gewesen. Für diese konsequente Haltung erhielt er 1990 den Oscar für die oder für das beste Originaldrehbuch. Seine konsequente Haltung hat er nie abgelegt. Schoolman lebt heute in Kalifornien und ist weiter aktiv. Nicht nur künstlerisch, sondern auch politisch innerhalb der Branche. Während des Writer Strike 2023 war er direkt in die Autorenverhandlung eingebunden. Auch hier stellte er sich gegen starre Strukturen, Machtungleichgewichte und ein System, das Kreative unter Druck setzt. In gewisser Weise rebelliert er also bis heute. Der Club der Toten Dichter hat keine Schulreform ausgelöst, aber er Denkbewegungen ausgelöst. Bei Schülerinnen und Lehrkräften und bei allen, die sich irgendwann gefragt haben, was Bildung erreichen darf, sollte oder wie man damit umgeht. Und damit starten wir unser tarot-basiertes Literatur-Special. Normalerweise würde ich jetzt sagen, jetzt ab to you, Tino. Heute heißt es ausnahmsweise mal, ⁓ Captain, my Captain. Tino Wiesinger: Ja, das wäre natürlich sehr schön, wenn man mich damit auch assoziieren würde. Ich weiß es nicht, ob es die Schüler tun, ich hoffe es natürlich. also, John Keating, der Club der Toten Dichter, also es gibt, glaube ich, für mich kein größeres Vorbild, was so diese Lehrerrolle angeht und wie man mit Schülern umgeht und grundsätzlich wie man auch gegen das teilweise heute noch sehr starre und veraltete Schulsystem angehen kann. Denn es kommt, glaube ich, sehr auf die individuelle Persönlichkeit des Lehrers an. Da ist es eigentlich erst mal relativ unwichtig, wie groß die Klassen sind, wie groß oder wie viel Ausstattung die Schule haben, sondern es ist, glaube ich, auch mittlerweile erwiesen. dass es wirklich auf diesen Lehrer ankommt. Und das zeigt uns schon der Club der Toten Dichter an sich. Und dann ist ja der Club der Toten Dichter der Film dann auch noch mit Robin Williams, einem der größten Schauspieler, die wir leider hatten. Er lebt ja leider nicht mehr. also für mich, ich muss sagen, zu den Top 5 der besten Filme Und der besten Geschichten zählt für mich der Club der Toten Dichter, muss ich wirklich sagen. Und ja, wo befinden wir uns? Wir befinden uns in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts in der Whelton Academy in England, was ja schon mal wieder etwas ist, wo ich, sind wir in England oder sind wir in den USA? Weiß ich gerade gar nicht. Ja leider in den USA ist aber egal. Für mich sind wir in England irgendwie, weil dieses Club ist schon sehr... Petra: sind in den USA, macht aber nichts. Englischsprachig. Tino Wiesinger: ist irgendwie so sehr auf Tradition. Deswegen war ich gerade in England, ist aber auch völlig egal. Petra: Aber das amerikanische klassische Schulsystem ist genauso von diesen Hierarchien, Eliteuniversitäten und diesem Druck geprägt. Also von daher, da tun die sich nichts erstmal. Tino Wiesinger: Aber John Keating kommt nämlich aus England und aus London. Seine Geliebte ist in London. Deswegen war ich auch da. Man kennt mich ja mittlerweile und weiß, wie sehr ich hier auf England werde. Wir befinden uns auf jeden Fall in der Welton Academy. Das ist ein Internat, was sehr oft Tradition und Werte geprägt ist. Was erstmal nicht schlecht ist. Ich bin ja da auch ein Fan von. Petra: Gut. England-Fans bist, ja. Tino Wiesinger: Tradition und Kultur und Werten. Wir sind beim Hierophanten und ich sehe mich auch selber als Hierophant, der auch den Schülern Traditionen mitgibt und Werte mitgeben soll. Nur ist dieser Hierophant in der Whaton Academy, das merkt man schon relativ zu Beginn, sehr eng gefasst. Er guckt nicht auf den Einzelnen. Ja, wir haben einerseits den umgekehrten Hierophanten und auch wirklich dieses sehr Dogmatische und dieses, ja, es muss so laufen, wie es immer war. Petra: automatische. Tino Wiesinger: Und es kann keine Entwicklung geben. Und wir gucken vor allem nicht auf die Gefühle. Der Hierophant ist hier absolut nur in Rot gekleidet. Es muss laufen, wie es immer gelaufen ist. Und das Blaue, das Gefühl, das fehlt. Und das verbinde ich auch mit den vier Münzen. Die vier Münzen, dieses sehr enge und ich muss an dem festhalten, was ich habe und was von immer so war. Petra: Aua. Tino Wiesinger: Wir dürfen auf keinen Fall irgendeine Münze fallen lassen, sonst verlieren wir ja an Werten und an Traditionen und das darf nicht so sein. Petra: Und es heißt auch direkt im Sinne, hier sind die Münzen im Vordergrund. Es ist ein Elite Internat, das kostet. Da kommt der allgemeine Durchschnittsamerikaner gar nicht hin, sondern es sind die Kinder von den Eltern, möchten, dass aus ihren Kindern etwas Gutes, möchte ich nicht sagen, Besseres wird. und sich das auch viel kosten lassen. Das heißt, hier bewahrt man natürlich auch für die Eltern und für den Anspruch und für das Geld, das man bekommt, hält man umso starrer an den Traditionen fest. Tino Wiesinger: Das wird bei Neil Perry nochmal eine ganz wichtige Rolle spielen. Ja, da komme ich dann gleich nochmal zu und sage dazu nochmal was, aber auf jeden Fall... ⁓ Zunächst erstmal, ich finde diese Kombination aus den vier Münzen und dem Hierophanten erstmal nicht dramatisch. Es fängt auch nicht so wirklich sehr dramatisch an, da kommt halt, es beginnt ein neues Schuljahr und ja, man wird motiviert und ja, aus euch wird was werden und wir haben eine Tradition, die schon jahrzehntelang alt ist und Es wird was tolles aus euch werden und das ist ja was sehr positives. Petra: ⁓ in den USA umso wertvoller, wenn man auf Tradition zurückblicken kann. Tino Wiesinger: Richtig, Aber ich finde übrigens, Situation, aktuell hier Rufandt und vier der Münzen würde zum Beispiel auch hier auf Harry Potter und dieses Internat Hogwarts würde auch zutreffen, aber da redet es dann noch positiver. Petra: da unterhalten wir uns ein andermal drüber, Tino. Tino Wiesinger: Das stimmt, da kommen wir dann später noch drauf. Aber ich wollte nur sagen, dass die Kombination erstmal nicht schlecht ist. Grundsätzlich sind wir dann aber bei einer Person, es wird dann im Film wirklich auf John Keating geschwenkt, auf Robin Williams, der schon rein äußerlich irgendwie was anderes ausstrahlt. Er strahlt nicht diese typischen Traditionen und typischen Werte aus, sondern er wirkt irgendwie frischer und kelchhafter irgendwie. Und wenn wir uns jetzt den Maria im Tarot angucken, der hat ja da auch ganz zentral diesen Kelch stehen auf seinem Tisch, noch die anderen Elemente auch, aber hier vor allem für mich ist da bei diesem Maria der Kelch sehr zentral, der nämlich etwas schaffen kann. Der hätte die Macht. diese Energie auch da wirklich einen Wandel hervorzurufen. Das merkt man, finde ich, im Film sofort. Auch die Schüler reagieren auf eine ganz besondere Art auf ihn. Er ist der neue Englischlehrer, der für Literatur dann auch zuständig ist. Und wenn man sich überlegt, wie dieser Film dann oder wie die erste Unterrichtsstunde er kommt da pfeifend in den Raum und er lässt ihn wieder und ruft dann die Schüler hinter sich her, komm mit. Dann gibt es diese KPDM-Szene, nutze den Tag. Und das ist, glaube ich, eine ganz wichtige Sache für den Magier. Er hat die Schüler sofort im Griff, aber auf eine sehr positive Art. Er fasziniert die Schüler, weil er anders ist als die anderen. Und er bringt ihnen auch andere Dinge bei. Er sagt nämlich nicht, wir fangen jetzt an und lesen diese Einleitung von diesem Richard, das ist dieser Gedichtband. Und da gibt es ja diese lange Einleitung, wo dann erstmal die Theorie erklärt wird, wie habe ich ein Gedicht zu interpretieren. Und das ist übrigens auch für mich eine ganz zentrale Sache. Ich mache ja auch als Lehrer gerne Gedichtanalysen und so weiter. Und da muss man erstmal ja Metrum und Versmaß und was da alles sonst noch, die Dreimschema verstehen. ⁓ dann letztendlich ein Gedicht lesen zu können. Aber das macht John Keating komplett anders. Er geht nämlich davon aus, dass es nicht das Gedicht, die Essenz des Gedichtes ist, das was es mit dem Herzen macht, das was es mit dem Rezipienten, mit dem Leser oder Hörer des Gedichtes macht. Das Gedicht soll Feuer entfachen. Petra: Das macht ja auch das Gedicht nicht aus. Tino Wiesinger: der Lehrer soll Feuer bei dem Schüler entfachen, wenn es ⁓ Unterrichtsinhalte geht. Und da sind wir natürlich schon bei den Stäben, denn Feuerenergie und hier in dem Fall die König der Stäbeenergie, die John Keating ausstrahlt. Er hat Autorität, aber er hat eine Autorität, die nicht auf Traditionen und auf gefühlsmäßige Kälte basiert, sondern er entfacht das Feuer bei den Schülern, die sonst wahrscheinlich absolut gelangweilt sind von Gedichten, die dann irgendwie interpretiert werden. Ich kann das aus eigener Erfahrung, Gedichte. Petra: Ich glaube, das kennen wir alle aus eigener Erfahrung, oder? Tino Wiesinger: ist nicht unbedingt das Schönste, woran man sich in der Schulzeit erinnert, weil man immer Angst hat, irgendwas falsch zu interpretieren oder irgendwas falsch zu machen. Aber letztendlich geht es nicht darum. Es geht eher darum, was diese Gedichte in einem auslösen, welches Feuer sie entfachen. Und da sind wir auch beim König der Stäbe wiederum. schon wie gesagt einer der berührendsten Szenen finde ich, wie er da mit diesen Schülern agiert. Und dann gibt es einen Schüler, der eine ganz besondere Rolle im Film bzw. im Roman hat und das ist Neil Perry. Neil Perry ist begeistert von der Schauspielerei. Er ist begeistert von kreativem Arbeiten, von Literatur, von Dramatik, vom Theater an sich. Aber er ist eben auch Schüler von Welton. Und die Eltern sind, ja, sie sind schon wohlhabend, aber sie müssen wirklich viel dafür tun, ⁓ ihren Sohn auf diese Akademie, auf dieses Internat zu schicken. Das kostet, was sie gesagt haben, richtig Kohle. Und deswegen steht Neil Perry vor einer Entscheidung. Soll er das machen, was seine Eltern von ihm erwarten? Soll er sich weiter wirklich richtig in der Schule anstrengen? Gut, das macht er sowieso. Aber das tut er. Aber welchen Beruf er dann auch einschlägt? Er möchte Schauspieler werden. Und der Beruf des Schauspielers ist nicht etwas, was ... Petra: Das passt ja. Brotlose Kunst. Tino Wiesinger: eine brotlose Kunst und daran hängt aber sein Herz. Die Herzensentscheidung wäre die Schauspielerei. Es sind die Liebenden. Und John Keating ermutigt ihn wirklich dazu, die Herzensentscheidung zu treffen. Und mit seinem Vater, vor dem er unheimlichen Respekt hat, zu reden. Aber er traut sich nicht mit seinem Vater darüber zu reden, weil er weiß, welche Anstrengungen vonseiten seiner Eltern überhaupt dahinterstehen, dass er in Welten sein kann und weil ihm klar ist, was er menschlichen Weg einschlagen soll. Und er traut sich nicht wirklich mit seinen Eltern darüber zu reden und seine Gefühle auszudrücken. Petra: Anforderungen an ihn gestellt werden. Tino Wiesinger: Also das traut er sich nicht, weil Gefühle in den 50er Jahren, ist das Eltern-Kind-Verhältnis vielleicht sowieso nochmal ein anderes. hier, ich würde nicht sagen, dass das Verhältnis kalt ist zwischen Neil und seinen Eltern und zwischen den zwei. Petra: Aber der Respekt ist ein anderer, dass man wirklich die Eltern haben viel mehr zu sagen gehabt. Und es ist ein autoritärer Stil, in dem erzogen wurde. ⁓ Tino Wiesinger: Zumindest kann er nicht mit dem, was er wirklich will, einfach hervorbrechen und sagen, ich bin jetzt der Ritter der Kelche und sage meinem Vater, was ich will. Das denkt John Keating und ich glaube, ist auch der einzige Fehler, den er da wirklich macht, dass er sagt, ja rede mit deinem Vater, sag ihm genau das, was du mir gesagt hast, sei der Ritter der Kelche und dann wird das schon. Es wird nicht, denn er nimmt an einer Aufführung teil. Ich glaube von Shakespeare's Sommernachtstraum, wenn ich mich nicht irre. Der Vater kriegt davon Wind und sieht es. Er sieht, wie auf der Bühne der Ritter der Kelche ist und wie toll Niel das macht. Und vielleicht hofft er gegen ... Petra: Ja. bin. droht ihm. Tino Wiesinger: dass der Vater da auch Feuer fängt und sieht, was der Sohn kann. Aber das ist nicht so. Die Eltern sind so sehr in diesem System gefangen. Wahrscheinlich nicht aus eigener Schuld, sondern weil sie dafür so viel aufbringen mussten und selbst dafür so kämpfen müssen, dass sie es gar nicht anders sehen können. sie wollen jetzt Nil von der Schule nehmen. Petra: und verbieten ihn an weiteren Theaterstücken dran teilzuhaben. ⁓ Tino Wiesinger: Und das bricht ihnen das Herz. Und das bricht auch jedem das Herz, irgendwie da mit zu tun hat. John Keating, die anderen Schüler, die das mitkriegen, wie Neil dann von seinem Vater ins Auto gesetzt wird und dann fahren sie nach Hause. Und Neil ist absolut verzweifelt und weiß gar nicht, wie er damit umgehen soll. Wir sind hier definitiv bei den neuen Schwertern, hat schlaflose Nächte und macht sich völlig fertig. Und er ist nicht in der Lage, diese Schwerter zu ziehen, aus diesen Schwertern herauszukommen. Er sieht nichts Positives mehr. ⁓ Es kommt dann eben zu dieser Szene, der er sich selbst erschießt, die dann sehr dramatisch ist. Allein aufgrund dieser Szene kann ich nichts Negatives für die Eltern empfinden, auch für den Vater nicht. Normalerweise, wenn wir so Vaterfiguren haben, die dann irgendwie die Kinder zu irgendwas zwingen oder ihnen zu irgendwas bringen wollen, habe ich immer so negatives Gefühl. Väterfiguren in der Literatur sind oftmals sehr schwierig. Aber hier, ich muss sagen, ich habe hier sehr Mitleid, auch mit dem Vater. Und Mitgefühl muss ich Petra: Die Eltern sind auch in ihrem System und ihren Konventionen gefangen und haben es eigentlich nicht geschafft, ihrem Sohn das Gespräch so aufzunehmen, dass es vielleicht für beide eine Lösung gegeben hätte. Tino Wiesinger: Ja, aber für alle, die in diesem System welten gefangen sind, besonders für die Schulleitung und die anderen Lehrer, ist nicht das System schuld. Das darf nicht schuld sein, denn das ist Tradition, das sind Werte, das muss gefördert werden. Nein, man sucht jetzt einen Sünden Bock und das muss John Keating sein. John Keating Petra: Das auch der einfachste Sündenbock, denn ansonsten müsste man das System infrage stellen. So kann man es sehr leicht auf jemanden abwälzen, der sich diesem System herausgelöst hat oder es erweitert. Tino Wiesinger: Richtig. Und deswegen sollen jetzt die Schüler gegen diesen John Keating aussagen, er hätte Nil ja dazu gebracht überhaupt, den Ritter der Kelche rauszulassen und sich den Eltern zu widersetzen. Und letztendlich wird ihm die Schuld für den Tod von Nil gegeben. Wir wissen natürlich alle, dass es nicht so ist. Aber jetzt geht der Fokus auf eine Figur, auf einen anderen Schüler und das ist Todd Anderson. Todd Anderson ist ein Mitschüler, der mit Neil das Zimmer teilt und sich mit Neil auch anfreundet. Todd Anderson durchläuft hier wirklich eine richtige Entwicklung. zwar ist er zunächst erst mal neu auf dieses Internat, hat aber schon auch Geschwister, die auch auf diesem Internat gewesen sind und hat deswegen so gewisse Ansprüche oder Anforderungen, er von den Lehrern da mitbekommt. Aber er ist erst mal sehr zurückhaltend und muss erst mal gucken, was ist denn hier so meine Aufgabe in diesem Internat, wie muss ich mich hier verhalten. ist der typische Eremit zu Beginn. Der sich sehr zurückhält, der erst mal nur mit sich alleine irgendwie klarkommen muss und nicht genau auch Unsicherheiten zeigt. Wie soll ich mich denn in System überhaupt zurechtfinden? Er ist auch innerlich, er erkennt vielleicht sein inneres Licht nicht. Das was der Eremit da vor sich her trägt. Das sieht er nicht. Er ist zu sehr verunsichert. Vielleicht durch diese Starrheit des Systems, durch die anderen Lehrkräfte, die da sehr auf Drill aus sind. Und der Einzige, der es schafft, ja, Todd aus seinem Eremitentum ein bisschen rauszuholen, ist tatsächlich John Keating. einer der schönsten Szenen im Roman ist, als die Schüler da eigene Gedichte vortragen. Todd kriegt es nicht hin, weil er so verkopft an die ganze Sache rangeht. Und dann schafft es John Keating, dass er wirklich aus sich herauskommt. dann sagt er zu ihm, vergessen Sie das nie, diese Sinne, dass er da so wirklich aus sich herausgekommen ist und seine Gefühle. gezeigt hat und zwar hier in Form des Pagen der Kelche. Zum ersten Mal drückt er in dieser Szene wirklich aus, was er fühlt. ist dieses Gedicht, da geht es ⁓ eine Decke, die irgendwie die Füße nicht ganz bedeckt und da eine unheimliche Symbolt- rechtigkeit, Metaphern kommen da raus. Und alle, die erst mal bisschen über ihn gelacht haben, dass er das nicht richtig hinkriegt, sind am Ende absolut fasziniert davon. dass er da endlich mal aus sich rauskommt. ja, dann geht's eben weiter mit der Geschichte ⁓ Neil und Neil stirbt. Und das lässt auch natürlich Todd erst mal zusammenbrechen. Und es kommt dazu, dass jetzt die Schüler alle verhört werden sollen. Alle sollen letztendlich So ein aufgesetztes Schreiben unterschreiben, das ja John Keating die Schüler verführt hat, diesen Club der toten Dichter zu gründen, ihre eigenen Wege zu gehen. KPDM. Petra: Wie kann man denn darauf kommen? Tino Wiesinger: Das ist für einen Unsinn für Schüler, die ja in diesem Internat sind und die dann letztendlich aus dem Jahr was werden sollen. Da kann man doch den Tag nicht für sich nutzen. Da muss man doch hier an seiner Karriere arbeiten. Das ist doch wichtig. ganz schlicht. Petra: Selbstermächtigung war noch nicht im Zeichen der Zeit. Tino Wiesinger: Ne, definitiv nicht. Und auch von Todd wird jetzt verlangt, sich unterzuordnen. Unter diesen Hierophanten. Und auch damit letztendlich John Keating zu verraten. Den Magier zu verraten, den König der Stebe zu verraten. Und die meisten Schüler machen das auch. Aber Todd, der erstmal so schüchtern ist zu Beginn und sehr zurückhaltend, der hat wirklich erkannt, was seine Aufgabe, was sein Licht eigentlich ist. Denn er spricht jetzt auch mal das, was er wirklich denkt. Er sagt das und äußert sich sehr positiv gegenüber John Keating und sagt, so geht es nicht, wie ihr mit ihm umgeht. Das typische Ars der Schwärter. Er wird sozusagen von jemandem, der sehr gefühlvoll ist, auch mal er sagt, was er denkt. Und das Asterschwerthal passt so gar nicht in das System. Also man darf doch bitte nicht einfach nur sagen, was man denkt. Das ist doch schwierig, gerade in der Zeit. Ja, vor allem das. Aber... Petra: und in der Position des Schülers. Tino Wiesinger: Ja, man denkt jetzt, Ruten, wie sagt er das überhaupt? Wie macht er denn deutlich, was er denkt? Er sagt es nicht nur. Es gibt eine, ja, die Schlussszene am Ende ist die, die am meisten, glaube ich, auch das Herz berührt, wenn man den Film guckt. als damals Robin Williams gestorben ist, sind ja sogar die Moderatoren auf die Tische gestiegen, Petra: Insofort, ja. Tino Wiesinger: den Schauspieler, diesem großartigen Schauspieler nochmal Respekt zu erweisen. Und in der Schlussszene stehen die Schüler auf und steigen auf die Tische, ⁓ ihrem Lehrer, der leider gehen muss, Respekt zu erweisen. Und es ist fast schon witzig, wie dann dieser Schulleiter, der ist ein traditionsbewusster Schulleiter, sagt, steigen sie doch jetzt runter von den Tischen und kein Schüler macht es. sondern sie bleiben da stehen. Und der erste, der da auf diesen Tisch steigt, ist eben Todd Anderson. Und das ist einfach großartig. Dinge von einer anderen Perspektive zu sehen und nicht nur von oben herab auf die Schüler zu gucken. Die Schüler dürfen auch mal von oben herab auf andere Dinge schauen. Man kann auch Schülern auf Augenhöhe begegnen und fragen, was die Schüler denken und was die Schüler wollen. ist glaube ich das, man als Lehrer oder überhaupt, wenn man mit Jugendlichen arbeitet, Kindern und Jugendlichen arbeitet, was man daraus lernen kann, dass man nicht nur den Schülern irgendwie Wissen eintrichtert und irgendwie Traditionsbewusstsein mitgibt als Ziru-Fand, sondern dass man sich auf Augenhöhe begibt. Und das wird hier In gewisser Weise umgedreht, die Schüler steigen auf und schauen auch mal von oben nach unten und nicht immer nur von unten nach oben, haben einen Perspektivwechsel. Und das hat eben auch Neil geholfen zu sagen, was er möchte, aber die Eltern waren nicht so weit oder sind nicht so weit, das wirklich zu hören oder zu erkennen. Petra: Das war ja bei den Schülern immer diese Herzensebene dabei. Wissen vermitteln ist eines, aber auch wirklich die Überzeugung für das einzustehen, was einem am Herzen liegt. Das hat man ganz am Anfang ja auch mit der Karte der Liebenden gehabt. Das ist, glaube ich, der Unterschied. Ein System wird gesprengt, wenn die Überzeugung dahinter bröckelt. Tino Wiesinger: Ja, und übrigens ist es das, was wir hier auch machen, auch Literatur so zu lesen, dass hier nicht irgendwie nur Wissen oder Fakten vermittelt werden oder auf eine wissenschaftliche Art und Weise hier analysiert wird, sondern dass wir gucken, was macht Literatur mit uns? Was gefällt uns? Was berührt uns an dieser Literatur? Und das vermittelt dieser Englischlehrer John Keating und Inwiefern kann uns Literatur verändern? Und ich kann persönlich sagen, mich hat dieser Film, glaube ich, sehr auch schon als Schüler verändert. Bei mir, hatte glücklicherweise wirklich, also ich kann sagen, dass meine Deutschlehrer Petra: Gesellschaft ändern. Tino Wiesinger: schon sehr viel von John Keating hatten. Ich hatte sehr Glück mit meinen Lehrern, deswegen bin ich dann am Ende auch Lehrer geworden, die mir von Anfang an vermittelt haben, Literatur zum Beispiel ist nicht dafür da, um Angst zu verbreiten und schematisch analysiert zu werden, sondern diese Botschaft, hab keine Angst, mal eigene Gedanken dazu zu entwickeln. Nicht nur in Bezug auf Literatur, sondern generell auf das ganze Leben bezogen. Petra: Ich wollte eben sagen, ich glaube, das ist ja der Spruch, dann für das Leben zählt. Nicht sich durch Ängste, die verbreitet werden, dominieren zu lassen, nicht klein zu machen, nicht dem Regime immer zu sagen, die da oben und ich kann nicht anders, sondern für sich selbst einzustehen. Tino Wiesinger: Kapazien. Petra: Selbstermächtigung, das ist, ich, ganz großer Punkt. 50er Jahre in den USA war das natürlich noch anders. Und ⁓ ehrlich zu sein. Ja auch. Tino Wiesinger: Ich glaube auch, dass es heute auch immer noch teilweise so ist, wenn wir uns gewisse Dinge anschauen, was so teilweise in der Schule auch passiert oder dieser Leistungsdruck, der dann teilweise herrscht. Wir müssen uns jetzt auf irgendwelche Prüfungen vorbereiten. ich denke dann, meine Schüler haben jetzt im im Mai auch ihre Abschlussprüfung und dann gibt es viele, die dann sagen, ich müsste aber jetzt schon in den Weihnachtsferien anfangen zu lernen hier, das und das und das muss auswendig gelernt werden, wo ich mir dann immer denke, naja, habe ich das gemacht, habe ich als Schüler schon Monate vorher angefangen und habe ich auch nicht gemacht. Die Schüler sollen auch ihre Freiheiten haben und sollen wirklich gucken, ist das was für mich und was kann ich persönlich dann damit anfangen. Es geht eben nicht darum, ⁓ die zehn Stäbe, die ich gezogen habe, als Karte noch zusätzlich, ⁓ uns hier eine Botschaft noch mitzugeben. Die Schule soll eben keine Last sein, nicht etwas sein, uns überfordert. Ja, fordernd schon, aber es geht vor allem ⁓ Charakterentwicklung. und nicht darum, möglichst viel Wissen anzuhäufen, ⁓ dann am Ende einen tollen ausüben zu können. Ich meine, ist heutzutage sowieso ein bisschen anders heute machen. Unheimlich viele Menschen oder Schüler, Abitur, was früher nicht so war, da war das wirklich noch was ganz Besonderes, wenn man da hier, da war dieses System noch ein ganz anderes, bisschen strenger gegliedert. Petra: Ja. Tino Wiesinger: Deswegen geht nicht darum, viel Lasten auf sich zu nehmen im Sinne der Zehn Schwerter, sondern zu gucken, was kann ich persönlich daraus mitnehmen, welchen Stab von diesen Möglichkeiten, die wir hier haben auf dieser Karte. Es sind zehn Stäbe. Es reicht doch, wenn wir zwei, drei Stäbe für uns dann für unser späteres Leben herausnehmen und so. Petra: Ansonsten wird es absolute Überforderung. glaube, jeder von uns hat das früher gehört oder hat es nach eigenen Kindern gesagt, du lernst ja nicht für die Schule, du lernst fürs Leben. Und sind wir mal ehrlich, wenn du in einem Schulsystem gefangen bist, versuchst du zu überstehen und deine Klausuren zu schreiben und hauptsächlich den Notendurchschnitt zu haben, ⁓ weiterzukommen. Vielleicht ist das unter dem Kontext auch nochmal so schön, diese Geschichte zu sagen, dass jemand sagt, steh für dich ein und das, was die Schüler dort gelernt haben, das war wirklich fürs Leben, weil das ist innere Haltung und das ist nicht ein reiner Leistungsdruck, auch wenn wir ihn natürlich in der Gesellschaft nicht wegbekommen. Und ich schließe mich da mal an. Ich habe auch eine Karte gezogen. Bei mir fiel der Turm raus. Und interessanterweise haben wir beide gesagt, die Karten sind ein bisschen selbstredend. Hier wurde das System gesprengt und eigentlich, was liebevoll angedacht war, hat dramatisches Ende gefunden. Hier wurden ganz viele Strukturen aufgesprengt. auch wenn wir eingangs gesagt haben, es hat vielleicht nicht das Schulsystem revolutioniert, aber es hat Denkweisen gesprengt. dazu aufgefordert zu sagen, was möchte ich eigentlich und vielmehr sich auf eigene Sachen zu besinnen und zu sagen, wofür ist Bildung eigentlich da und damit hat es glaube ich ganz viel. Harte Geschichte, harter Tobak, der Turm steht auch überhaupt nicht für bequeme Sachen. Aber er schafft mit einem solchen Element, dass man auf Einschlagsachen, Strukturen auseinanderbrechen, auch die Chance, dass man anders damit umgehen kann. Tino Wiesinger: Ja, das ist auch wirklich eine Sache. Ich will jetzt nicht sagen, ich will hier das System sprengen, darf ich ja gar nicht als hessischer Beamter, aber die Ansicht, den inneren Turm, kann man, den inneren Turm kann man glaube ich sehr gut sprengen. Es kommt, wofür machen wir denn die ganze Arbeit als Lehrer, als Menschen, die wir mit Jugendlichen, mit Kindern zu tun haben? Petra: Nein, aber die Ansicht da drauf oder das, was man zulassen kann. Wir reden ja von dem Buch, wir reden ja nicht vom aktuellen Schulsystem. Tino Wiesinger: Wir machen das für die Schüler, für deren späteres Leben und nicht irgendwelche Traditionen aufrechtzuerhalten, die längst abgeschafft gehören. Petra: Mhm. nicht ⁓ dogmatische Sachen weiterzugeben, sondern auch den Raum zu öffnen, selbständige Denkweisen zu fördern. Und damit sind wir am Ende. Ging wieder schnell vorbei. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Tino Wiesinger: Ja, schöne Schlusswort. Petra: Und ja, viele von euch, bin ich mir sehr sicher, haben den Film gesehen oder das Buch gelesen und vielleicht auch noch weitere Anregungen dazu. Wir freuen uns wie immer über einen reigen Austausch und sagen Tschüss, bis zum nächsten Mal. Tino Wiesinger: Bis dann!