Latest / DAZWISCHEN Der Sachsen-Anhalt-Podcast / Viel Ehrenamt, wenig Stiftungen: Geld für die Demokratie
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- 0:00Wir sehen da viele engagierte Menschen, denen oft der Zugang zu Geld
- 0:04fehlt, weil eben in Ostdeutschland auch deutlich weniger privates Kapital da ist.
- 0:11Es gibt viel weniger Stiftungen, und die finanzstarken Stiftungen in Westdeutschland
- 0:18sitzen, und da ist der Zugang nicht immer vorhanden. In der heutigen
- 0:23Folge sprechen wir über Stiftungen und Fonds in Sachsen-Anhalt. Und ich
- 0:27freue mich, dass ihr mit dabei seid. Ich sage "ich", weil Marie
- 0:29heute leider krank ist. Gute Besserungswünsche an dieser Stelle. Weil es aber
- 0:33im Studio alleine immer so ein bisschen langweilig ist, habe ich mir
- 0:36unseren Podcast-Redakteur Leonard dazu geholt. Du wirst heute also Marie würdig
- 0:41vertreten. Ich versuche es zumindest. Gute Besserung auch an dieser Stelle nochmal
- 0:45von mir. Und ja, ich freue mich auch auf die Folge, Leonard.
- 0:49Stiftungen, was fällt dir dazu ein? Ja, viele Stiftungen sind natürlich sehr
- 0:53wichtig, weil sie oft Aufgaben übernehmen, die Staat oder Markt nicht vollständig
- 0:57abdecken. Zum Beispiel Projekte in den Bereichen Kultur, Bildung, Demokratieförderung und Ehrenamt
- 1:02sind ja oft auf Förderungen angewiesen, und die kommen halt oft
- 1:06von Stiftungen. Das ist so das, was mir spontan in den Kopf
- 1:09kommt. Spontan dazu einfällt. Genau, so ist es. Und wir haben da
- 1:13in Ostdeutschland ein kleines Problem, denn in den ostdeutschen Bundesländern, zum Beispiel
- 1:17Sachsen-Anhalt, klappt die Art der Förderung von Projekten oft nicht so
- 1:21gut. Denn es gibt hier kaum große Stiftungen. Und die großen Stiftungen
- 1:26zum Beispiel aus Stuttgart oder Hamburg, die kennen sich in Ostdeutschland oft
- 1:29nicht so gut aus und sind dort schlechter vernetzt. Und was das
- 1:33für ein Land wie Sachsen-Anhalt bedeutet, darüber sprechen wir heute hier
- 1:37bei Dazwischen. Bevor wir loslegen, gucken wir aber wie immer kurz zurück.
- 1:51Was ist denn bei dir passiert seit der letzten Folge, Katja? Also
- 1:55auf unsere letzte Folge zum Reparieren haben mich ganz viele Leute angesprochen.
- 1:59Es hat mich richtig dolle gefreut. Und die haben dann so erzählt,
- 2:01dass sie auch noch ewig zum Beispiel diese DDR-Brotschneidemaschine, über die
- 2:05wir ja gesprochen hatten, zu Hause hatten oder eben dieses ganz klassische
- 2:09DDR-Rührgerät, wo, glaube ich, auch sofort jeder so ein Bild im
- 2:12Kopf hat, wie das aussieht. Ja, und dass sie auch wirklich an
- 2:14diesen Geräten gehangen haben. Also dass es da auch so eine emotionale
- 2:17Verbindung gab. Das hat Maria letzte Woche auch so ein bisschen erzählt,
- 2:20dass sie viele ältere Geräte schon zu Hause hat. Wie ist das
- 2:23bei dir? Auch total. Es gibt ja auch super witzige Videos zum
- 2:27RG28 zum Beispiel. Da gucke ich immer noch manchmal auf YouTube. Mich
- 2:31haben auch ganz viele Leute angesprochen. Und ich habe auch alte Geräte,
- 2:35an denen ich sehr hänge, zum Beispiel unsere alte Waschmaschine. Sehr zum
- 2:38Leidwesen meiner Mitbewohner, weil die sehr, sehr doll wackelt und die immer
- 2:42Angst haben, dass die mal abhaut. Wir haben sie mal angeleint, damit
- 2:45sie nicht so viel wandert in unsere Aromakammer. Aber sie ist noch
- 2:50dicht. Sie ist dicht, sie wäscht wunderbar. Ich sehe gar nicht ein,
- 2:53dass die weg soll. Ich habe sie Hilde getauft und ich habe
- 2:54ihr so Augen aufgeklebt. Ja. Und ich habe auch Leuten das Reparatur-
- 2:59Kaffee empfohlen, weil bei einer Freundin ist die Kaffeemühle kaputt gegangen. Da
- 3:03habe ich gesagt, geh doch mal gucken. Vielleicht repariert dir ja ein
- 3:06netter junger Mensch die Kaffeemühle mit dir oder ein netter älterer Mensch.
- 3:09Genau. Wir haben aber auch nicht nur die Podcast-Folge, sondern auch
- 3:13ein Newsletter. Und da hatten wir auch eine Umfrage zu dem Thema.
- 3:17Anne hat die betreut und die ist auch wieder bei uns im
- 3:19Studio. Morgen. Was kam denn da raus, Anne? Ja, ich habe gefragt,
- 3:24wie oft sich die Leser und Hörer Zeit nehmen, zum Reparieren kaputter
- 3:27Dinger. Und die Antworten fand ich ganz erstaunlich. Fast 40 Prozent sagen
- 3:31oft und alle anderen ab und zu. Okay, also gar keiner, gar
- 3:36nicht? Nee, niemand hat nie gesagt. Das könnte natürlich auch so ein
- 3:39bisschen nach der Folge so eine soziale Erwünschtheit haben, könnte ich mir
- 3:43vorstellen. Vielleicht haben wir das ein bisschen getriggert. Genau, aber das wäre
- 3:46ja auch was Gutes. Anne, du hast ja auch unser Postfach im
- 3:49Allgemeinen im Blick. Kam da noch was anderes rein? Da kamen mehrere
- 3:52schöne Nachrichten rein. Heidi hat uns zum Beispiel auf den Newsletter geantwortet
- 3:56und sich für die vielen Infos bedankt. Und ein Nutzer aus der
- 4:00Hohen Börde hat auf Mastodon geschrieben, dass er den Podcast seit der
- 4:03ersten Folge sehr mag. Und außerdem hat der Tagesspiegel im Osten über
- 4:08unseren Podcast berichtet und ihn als Beispiel für ein neues Format im
- 4:12Lokaljournalismus genannt. Das wiederum freut uns sehr, genauso wie eure Hinweise und
- 4:17Mails. Also immer her damit, egal ob Lob, Kritik oder Themen, über
- 4:20die wir hier mal sprechen sollten. Die Mailadresse lautet dazwischen at detektor
- 4:25fm. Ihr findet uns aber auch bei Facebook, bei Instagram oder Mastodon.
- 4:29Einfach mal nach detektor.fm suchen und eine Nachricht hinterlassen. So, Leonard,
- 4:41und damit steigen wir jetzt tiefer ein ins Thema dieser Folge: Stiftungen,
- 4:45Fonds und Fördermöglichkeiten für Projekte in Sachsen-Anhalt. Wir haben in diesem
- 4:49Podcast ja schon häufiger darüber gesprochen, wie wichtig Begegnungsorte, Ehrenamt, Sport und
- 4:54andere Projekte für die Gesellschaft in Sachsen-Anhalt sind. Genau, und auch
- 4:58wenn in vielen Projekten Leute ehrenamtlich arbeiten, brauchen die meisten Projekte irgendwie
- 5:02trotzdem Geld, um zu funktionieren. Das Geld dafür kann aus ganz verschiedenen
- 5:06Quellen kommen, zum Beispiel durch Kommunen, das Land oder den Bund, aber
- 5:09auch Paten aus der Wirtschaft, durch Vereine und Spenden oder eben auch
- 5:13von Stiftungen und Fonds. Speziell der Bereich der privaten Stiftungen und Fonds
- 5:17ist in Ostdeutschland und in Sachsen-Anhalt meist weniger ausgeprägt als in
- 5:20den meisten westdeutschen Bundesländern. Das bedeutet am Ende, dass viele Projekte in
- 5:25Sachsen-Anhalt schlechter an Geld kommen. Wir wollen deshalb für diese Folge
- 5:29herausfinden, woran es liegt, was das bedeutet und was es bereits für
- 5:33Ansätze gibt, um das in Sachsen-Anhalt zu verbessern. Bevor wir aber
- 5:37damit loslegen, müssen wir noch ein paar grundlegende Begriffe klären, über die
- 5:41wir hier sprechen, nämlich Stiftungen und Fonds. Fangen wir mal mit Stiftungen
- 5:44an. Soweit ich weiß, sind Stiftungen Organisationen, die mit ihrem Stiftungsvermögen vor
- 5:49allem langfristig bestimmte Zwecke fördern. Genau, sogar meistens nicht mit dem Vermögen
- 5:54selbst, sondern mit den Zinsen und Dividenden, die sie dafür bekommen. Stiftungen
- 5:58gibt es in fast allen Bereichen. Du hast es ja vorhin schon
- 6:00gesagt, also Kultur und Denkmalpflege, Bildung, Wissenschaft, soziale Projekte oder auch für
- 6:06Demokratie und Zivilgesellschaft. Welche großen Stiftungen fallen dir denn ein? Stiftungen, dafür
- 6:11fällt mir erstmal gar nicht so konkret ganz viel ein. Das erste
- 6:14was mir in den Kopf kommt, sind tatsächlich so politische Stiftungen. Vielleicht
- 6:17auch, weil da einfach im Studium Leute drin waren, so was wie
- 6:20die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung oder die SPD-nahe Friedrich-Ebert-
- 6:24Stiftung oder Heinrich-Böll-Stiftung oder solche Stiftungen eben, wo dann auch
- 6:28Stipendien vergeben worden sind. Da hast du einfach Kontakt im Studium dazu.
- 6:32Wenn man jetzt auf die große Stiftungslandschaft schaut, da muss man aber
- 6:35sagen, die größten Stiftungen in Deutschland, die sind zumindest gemessen am Eigenkapital
- 6:40eben sowas wie die Robert-Bosch-Stiftung. Also die haben fünf Milliarden
- 6:43Eigenkapital, das ist schon ordentlich. Oder auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder
- 6:47sowas wie die Volkswagen-Stiftung. Die fördern eben Projekte in Bereichen wie
- 6:51Wissenschaft, Bildung und Umwelt. Und wenn man sich da die Namen mal
- 6:54anschaut, dann ist ja eigentlich auch schnell klar, woher das Kapital für
- 6:57diese Stiftung zumindest stammt. Also Robert Bosch, klar, direkt vom Firmengründer oder
- 7:02eben zum Beispiel bei sowas wie der Bertelsmann-Stiftung eben von einem
- 7:05Anteilseigner von Bertelsmann. Ein bisschen anders ist das bei der eben angesprochenen
- 7:10Bundesstiftung Umwelt, denn da stammt das Stiftungskapital aus der Privatisierung der bundeseigenen
- 7:15Salzgitter AG. Egal, wo das Geld herkommt, wichtig ist bei Stiftungen immer,
- 7:20das Kapital muss langfristig angelegt sein. Das ist auch gesetzlich geregelt, und
- 7:24man kann es natürlich durch Spenden oder sowas wie Zustiftungen vermehren. Was
- 7:28das für Summen sind, einfach. Okay, es gibt also diese Stiftungen, und
- 7:32Projekte, Vereine oder Initiativen können sich dann bei diesen Stiftungen um Förderung
- 7:35bewerben. Oder wie funktioniert das dann? Genau, also das ist ganz vielfältig
- 7:39und hängt vor allem von den jeweiligen Stiftungssatzungen ab. Also meistens liegt
- 7:43der Fokus auf gemeinnützigen Vorhaben, also gemeinnützige Vereine oder Unternehmen, Kitas, Schulen,
- 7:48öffentliche Einrichtungen, aber auch Einzelpersonen. Du hast ja eben zum Beispiel die
- 7:52Stipendien schon angesprochen für Studierende oder Forschende. Die Stiftungen sind ja sehr
- 7:56unterschiedlich, und da stecken zum Teil auch ganz verschiedene Ideologien und Intentionen
- 7:59dahinter. Oder? Auf jeden Fall. Also ich glaube, was man sich nicht
- 8:02vormachen muss, ist, dass es immer so ganz altruistisch läuft. Die sind
- 8:06natürlich auch mit so ein paar Eigeninteressen ausgestattet. Die wollen die Gesellschaft
- 8:10mitgestalten. Und ich glaube, was man auch nicht verheimlichen muss, natürlich gibt
- 8:14es auch Steuervorteile, dadurch dass sie eben das Geld in gemeinnützige Zwecke
- 8:17stecken. Okay, die Stiftungen sind also relativ unterschiedlich, auch von den Satzungen
- 8:21her. Das heißt aber auch, ich muss erst mal eine Stiftung finden,
- 8:25deren Zweck und deren Satzung dann zu dem passt, was ich vorhabe,
- 8:27wenn ich mich bewerben will, oder? Ganz genau. Und man sagt tatsächlich,
- 8:30auch, dass umso maßgeschneiderter der Antrag, desto größer ist die Erfolgsaussicht. Jetzt
- 8:36muss man sich das so vorstellen: Es gibt in Deutschland über 25
- 8:39Millionen Stiftungen. Also da muss man tatsächlich erst mal durchsteigen und auch
- 8:42einfach so einen Überblick bekommen. Eine kleine Hilfe bietet der Bundesverband Deutscher
- 8:47Stiftungen. Da kann man online nach passenden Stiftungen suchen. Den Link dazu
- 8:51packen wir euch auch in die Show Notes. Okay, also wenn ich
- 8:54gefördert werden möchte, dann gucke ich da erst mal nach einer passenden
- 8:56Stiftung oder irgendwo anders. Und dann stelle ich einen Antrag auf Förderung.
- 9:01Genau. Im Normalfall sieht der Prozess so aus, dass man eine Projektidee
- 9:04abgibt und eine Finanzplanung. Und dann wird der Antrag eben formell und
- 9:07inhaltlich geprüft, und dann bekommt man eben irgendwann die Entscheidung mitgeteilt. Okay,
- 9:12das sind Stiftungen. Wo ist der Unterschied zu Fonds? Ein Fonds ist
- 9:16eher so etwas wie ein Topf voller Geld. So kann man sich
- 9:18das vielleicht vorstellen. Der muss jetzt nicht langfristig angelegt werden, ist aber
- 9:22meistens auch zweckgebunden. Großer Vorteil des Fonds ist, man kann ihn deutlich
- 9:26unkomplizierter gründen als eine Stiftung. Und man kann auch flexibler damit arbeiten,
- 9:30weil man das Kapital eben verbrauchen kann. Und das heißt, da kann
- 9:33ein bisschen, sage ich mal, unbürokratischer Geld verteilt werden. Oder wie stelle
- 9:37ich mir das vor? Das ist auch der Grund, warum viele Menschen
- 9:39eben mit diesen Fonds arbeiten. Ich habe ein ganz spannendes Beispiel mitgebracht,
- 9:43über das ich später noch mit dir sprechen möchte, nämlich den Sachsen-
- 9:46Anhalt-Fund, der auch Gelder von großen Stiftungen in Sachsen-Anhalt verteilt.
- 9:50Um zu verstehen, warum der das macht und nicht die Stiftungen selbst,
- 9:53müssen wir aber erst mal noch mal über die Lage von Stiftungen
- 9:57in Sachsen-Anhalt sprechen. Dazu habe ich erst mal eine Zahl für
- 10:07dich. Es gibt nach Angaben des Landes 370 Stiftungen in Sachsen-Anhalt.
- 10:11Klingt erst mal gar nicht so wenig. Naja, aber das entspricht einer
- 10:15Stiftungsdichte von 17 Stiftungen je 100.000 Einwohner. Und das ist deutlich
- 10:20unter dem Bundesdurchschnitt. Der liegt nämlich bei 32, also fast doppelt so
- 10:24hoch. Gut, ist vielleicht auch ein bisschen logisch, wenn viele Stiftungen umfeldgroßer
- 10:28Unternehmen entstehen, also zum Beispiel Robert Bosch, Bertelsmann. Die haben wir hier
- 10:32auch nicht. Ganz genau. Und ich habe darüber auch mit Olaf Ebert
- 10:34gesprochen. Er hat die Freiwilligenagentur und die Bürgerstiftung in Halle mitbegründet, ist
- 10:39heute Geschäftsführer der Stiftung Bürger für Bürger und wahnsinnig gut vernetzt in
- 10:43der Stiftungs- und Ehrenamtslandschaft. Und er hat Folgendes gesagt: Wir sehen
- 10:47da viele engagierte Menschen, die unter großen Herausforderungen stehen, denen oft der
- 10:54Zugang auch zur Umsetzung ihrer Ideen, vor allem der Zugang zu Geld
- 11:00fehlt, weil eben in Ostdeutschland auch deutlich weniger privates Kapital da ist.
- 11:07Weil es viel weniger Stiftungen gibt und die finanzstarken Stiftungen in Westdeutschland
- 11:14sitzen und da der Zugang zu finanziellen privaten Ressourcen nicht immer vorhanden
- 11:21ist. Und dem versuchen wir zu begegnen und natürlich auch dem Rückgang
- 11:27von öffentlichen Mitteln zur Engagement- und Demokratieförderung. Okay, also die versuchen
- 11:33irgendwie mehr Gelder nach Ostdeutschland zu verteilen und sagen, die großen Stiftungen
- 11:36sind jetzt irgendwie nicht so schlagkräftig hier. Aber die Förderung der großen
- 11:40Stiftungen ist ja eigentlich nicht an Ländergrenzen gebunden. Also auch wenn sie
- 11:43woanders sind, in Sachsen-Anhalt könnten sie doch eigentlich trotzdem auch hier
- 11:47Gelder verteilen. Ja, theoretisch stimmt das. Praktisch ist das ein bisschen komplizierter,
- 11:51sagt Olaf Ebert. Die Zugänge zu den Stiftungen, die in Westdeutschland sitzen,
- 11:56aber gerne in Ostdeutschland Engagement vor Ort stärken wollen, da sind eben
- 12:01die Wege weit. Und deswegen gibt es den Stiftungsverbund Zukunftswege Ost, um
- 12:06auch hier Brücken zu bauen, um hier etwas für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
- 12:12im ländlichen Raum in Ostdeutschland zu tun. Zukunftswege Ost, da müsst ihr
- 12:16jetzt noch mal ein paar Worte zu sagen. Es klingt auf jeden
- 12:19Fall sehr ambitioniert. Ja, gern. Also bei der Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost haben
- 12:23sich 2023 verschiedene Stiftungen zusammengetan. Also die Zellex-Stiftung aus Dresden, die
- 12:28Freudenberg-Stiftung, die Zeitstiftung Bucerius aus Hamburg und eben die Stiftung Bürger
- 12:33für Bürger aus Halle, wo ja auch Olaf Ebert dazugehört, aber auch
- 12:36der Bundesverband Deutscher Stiftungen. Die haben diesen Verbund gegründet, und da wird
- 12:40Geld von Stiftungen, von Unternehmen und Privatpersonen gebündelt, um auf zwei Wegen
- 12:45zivilgesellschaftliche Akteure in Ostdeutschland zu unterstützen. Das eine sind sogenannte Fokusregionen, wie
- 12:51zum Beispiel Seilfeld, Ruderstadt in Thüringen oder die Altmark in Sachsen-Anhalt.
- 12:55Die bekommen jährlich bis zu 100.000 Euro, um vor Ort Strukturen
- 13:00für stabile Netzwerke für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt aufzubauen. Und das Zweite
- 13:05ist dann wahrscheinlich die direkte Förderung von Projekten. Genau, also dafür stehen
- 13:09in diesem Jahr 600.000 Euro zur Verfügung, plus nochmal 100.000
- 13:13Euro explizit für Jugendprojekte. Die Stiftung arbeitet da, das hat ja Olaf
- 13:17Ebert eben schon angesprochen, mit sogenannten Fonds, und zwar Mikrofonds von bis
- 13:21zu 5.000 Euro. Und dazu hat Olaf Ebert Folgendes gesagt: In
- 13:26den letzten anderthalb Jahren haben wir über 2.000 Anträge erhalten und
- 13:30konnten nur 330 Projekte fördern, weil unser Budget begrenzt ist und weil
- 13:38auch unser Fokus darauf liegt, vor Ort im ländlichen Raum Demokratie zu
- 13:44stärken, indem wir eben Projekte unterstützen, die auch offen für alle in
- 13:50der Region sind. Zum Beispiel auch die Bibliothek Heißen, die auch zur
- 13:56Jugendbibliothek hier vor den Toren von Halle ausgebaut wird. Solche Formate gibt
- 14:03es eben in ganz Ostdeutschland ganz vielfältig, und die Förderung läuft dann
- 14:08auch im Unterschied zu öffentlichen Mitteln sehr unbürokratisch. Bei unbürokratisch habe ich
- 14:15direkt aufgeräuscht, weil ich von meiner Arbeit weiß, dass total viele Leute
- 14:19in diesem Bereich totale Probleme haben, weil sie einfach sagen, wir haben
- 14:23bei unserem ganzen ehrenamtlichen Engagement einfach nicht die Kapazität, auch noch ewige
- 14:27Anträge zu stellen. Manche wissen auch gar nicht, wie sie die stellen
- 14:30müssen, damit dann auch eben Geld kommt und was man da genau
- 14:32reinschreiben muss und wo man die hinschicken muss. Und viele sagen auch,
- 14:36ich habe überhaupt keine Lust dazu, ich will mich engagieren, ich will
- 14:38nicht die ganze Zeit am Schreibtisch sitzen. Ja, das sagt Olaf Ebert
- 14:41auch, und das gilt natürlich sowohl für diese Stiftungsgelder als auch für
- 14:44die Anträge auf öffentliche Gelder. Also das, was die Gemeinschaftsinitiative Zukunftswege Ost
- 14:50da macht, das ist wirklich enorm wichtig. Neben dieser direkten Ausschüttung beraten
- 14:54die zum Beispiel auch engagierte Leute sowohl bei der Wahl der richtigen
- 14:58Stiftung, aber auch eben beim Antrag stellen. Und da muss man trotzdem
- 15:01ganz klar sagen, die Summen, über die wir da reden, die stehen
- 15:04in keinem Verhältnis. Also Zukunftswege Ost, eine Initiative für alle ostdeutschen Bundesländer,
- 15:10hat in diesem Jahr ein Fördervolumen von 1,2 Millionen Euro. Und
- 15:14nur mal zum Vergleich: Allein die Robert-Bosch-Stiftung hat in einem
- 15:17Jahr ungefähr 200 Millionen Euro zur Verfügung. Das sind einfach krasse Summen
- 15:22und krasse Unterschiede. So, und da kommen jetzt drei junge Menschen aus Sachsen-Anhalt ins Spiel: Max aus Magdeburg, Bennet aus Zerbst und Caro aus
- 15:32der Altmark. Die haben zusammen den Sachsen-Anhalt-Fund gegründet. Und um
- 15:36zu verstehen, wie es dazu kam, muss ich jetzt ein ganz kleines
- 15:40bisschen ausholen. Ich versuche es aber kurz zu machen. Kennst du die
- 15:46Kinnings Foundation oder die Kinnings Academy? Ja, ich habe tatsächlich da schon
- 15:50mal gehört von einer Freundin, die da Fellow ist. Und ich habe
- 15:53das so in Erinnerung, die fördern speziell Projekte und junge Menschen in
- 15:56Ostdeutschland. Genau, also die Kinnings Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung, die im
- 16:01Dezember 2020 von den Gründern von Zalando ins Leben gerufen wurde. Die
- 16:06fördert Bildung, Chancengleichheit und Engagement, insbesondere, wie du eben gesagt hast, für
- 16:10Kinder und Jugendliche in Ostdeutschland. Und so das Kernstück dieser Foundation ist
- 16:15die Kinnings Academy. Da werden jedes Jahr circa 50 junge engagierte Menschen
- 16:19aus Ostdeutschland ein Jahr lang mit Seminaren und Coachings unterstützt und lernen
- 16:24da natürlich auch wichtige Leute kennen. So, und in diesem jetzigen Jahrgang
- 16:27sind drei Sachsen-Anhalter, wie gesagt, Max, Caro und Bennet. Und die
- 16:31haben sich bei einem Dinner getroffen, wo unter anderem auch die Frau
- 16:35vom Bundespräsidenten war, aber eben auch viele wichtige Stiftungsleute. Und die sind
- 16:39dann natürlich mit einigen Menschen ins Gespräch gekommen und haben, wie Caro
- 16:42erzählt hat, Folgendes festgestellt: Dass in der Stiftungswelt auch gerade eine Aufmerksamkeit
- 16:49auf Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegt und der Wunsch, demokratische Strukturen
- 16:55zu unterstützen. Und aber in der Stiftungswelt schon ein großes Fragezeichen herrscht,
- 17:00von wie kann man das machen, weil denen einfach die Kontakte nach
- 17:04Sachsen-Anhalt fehlen. Denen fehlt Wissen darüber, wie die Strukturen in Sachsen
- 17:08Anhalt sind. Denen fehlen Kontakte zu guten Initiativen, und sie konnten aber
- 17:13genau das angeben, halt Kontakte und Wissen über die Strukturen. Und das
- 17:17war etwas, was viele Stiftungen dankbar angenommen haben, weil sie aufgrund dem
- 17:21Vorlauf zur Landtagswahl und den Erhebungen jetzt vor der Landtagswahl so ah
- 17:26Mist, wir müssen irgendwie in Sachsen-Anhalt agieren, aber wir wissen gar
- 17:29nicht wie, weil wir bisher Sachsen-Anhalt für uns ein blinder Fleck
- 17:32war. Und da haben wir halt ein Angebot machen können und sagen
- 17:37können: Ey, wir sind Expertinnen, wir kennen uns aus. Ich finde es
- 17:41total krass, weil es fragen sich ja ganz viele gerade, wie können
- 17:43wir da jetzt agieren, wie können wir da angreifen? Und auch, dass
- 17:46Sachsen-Anhalt bis jetzt so ein blinder Fleck ist, irgendwie. Und es
- 17:49ist total spannend, dass sie das so erkannt haben und da jetzt
- 17:52reingehen. Und wie ich das verstanden habe, sie haben dann jetzt deswegen
- 17:55den Sachsen-Anhalt-Fund gegründet. Ich sag jetzt mal vereinfacht gesagt.
- 17:59Ja, tatsächlich sind die drei an diesem Dinnerabend schon mal mit Stiftungen
- 18:03ins Gespräch gekommen und haben da auch prinzipiell gutes Feedback bekommen, aber
- 18:07eben auch den Hinweis: Ja, diese Idee ist jetzt noch nicht so
- 18:10richtig konkret. Worum geht's denn? Wen wollt ihr denn da fördern? Also
- 18:13mussten sie erstmal ein Konzept entwickeln und ihre Förderkriterien festlegen. Und diesen
- 18:18Prozess, den hat Bennet dann so geschildert: Wir kommen alle irgendwie aus
- 18:21der Kinder- und Jugendarbeit oder wir sind darin selbst aufgewachsen. Max
- 18:26und ich haben ein europäisches Jugendbildungsprogramm gemacht. Ich habe als Jugendkoordinator in
- 18:30einem Kreis Anhalt-Bitterfeld arbeiten dürfen. Caro ist bei Kopfsachen e.V.
- 18:34tätig, die sich für mentale Gesundheit an Schulen einsetzen. Und uns ist
- 18:38einfach sehr, sehr stark bewusst gewesen, wir müssen jetzt aktiv werden, um
- 18:42halt Strukturen des Miteinanders und vor allem in der Kinder- und
- 18:45Jugendarbeit, die in unserer Zukunft sind, halt zu stärken. Mit dieser Idee
- 18:50oder mit dieser konkreten Idee, dass wir da halt für aktuelle Kürzungsmaßnahmen
- 18:53eintreten, wenn wir was machen wollen, kam es dann auch deutlich besser
- 18:57an. So, also die haben so ein Konzept entwickelt und sind dann
- 19:00mit diesem Konzept auf verschiedene große Stiftungen zugegangen, aber auch auf Firmen
- 19:04und Einzelpersonen, die eben ein Interesse haben könnten, Kinder- und Jugendprojekte
- 19:07in Sachsen-Anhalt zu unterstützen. Ich kenne sogar ein Projekt, das jetzt
- 19:10von ihnen gefördert wird, weil ich da in Magdeburg in der Nähe
- 19:13wohne. Das ist nämlich der Platz machen e.V. Über den haben
- 19:17wir in der Folge mit dem Mitmachlokal in Dessau schon mal kurz
- 19:19gesprochen. Ja, ich erinnere mich. Ich glaube, als wir die Folge veröffentlicht
- 19:22haben, da war so der Stand, denen wurde der Mietvertrag gekündigt, und
- 19:26es war noch nicht so richtig klar, wie es dann weitergeht. Genau.
- 19:29Und mittlerweile haben sie tatsächlich einen neuen Laden gefunden oder eine Fläche,
- 19:33wo sie einziehen können. Dazu müssen sie aber ziemlich viel umbauen und
- 19:37haben Spenden gesammelt. Das war so der letzte Stand, und da haben
- 19:40sie jetzt tatsächlich Geld bekommen aus dem Sachsen-Anhalt-Fund, und ihr
- 19:43Ziel ist es auch, dass sie noch vor der Landtagswahl dann ihren
- 19:46neuen Laden eröffnen können. Das sind auf jeden Fall gute Nachrichten. Ja,
- 19:49und es wirkt ja auch irgendwie so, als würde dieser Fund jetzt
- 19:51schon ganz konkret wirken und wäre relativ erfolgreich mit dem Konzept, was
- 19:55sie da vorhaben, oder? Bevor ich das beantworte, will ich noch mal
- 19:59eine Sache hervorheben: Caro, Max und Bennet, die machen das komplett ehrenamtlich,
- 20:03also neben Studium und Job, und das finde ich schon mal krass.
- 20:06Und die drei haben aus dem Flow Fund der Scheflin-Stiftung jeweils
- 20:1125.000 Euro bekommen, die sie also als Startkapital in den eigenen
- 20:15Fund reingepackt haben. Es waren dann also schon mal so 75.000
- 20:19Euro, und dann haben sie es tatsächlich geschafft, in den letzten Monaten
- 20:23insgesamt 250.000 Euro, also eine Viertelmillion, aufzutreiben und damit ganz unbürokratisch
- 20:29und kurzfristig Initiativen in Sachsen-Anhalt zu unterstützen. Das finde ich schon
- 20:32ziemlich cool. Ich habe Caro und Max mal nach ein paar Beispielen
- 20:36gefragt. Wir fördern Organisationen in ganz Sachsen-Anhalt, also von Samndau ganz
- 20:42im Norden bis irgendwie näher Mansfeld-Südhart, Kreiskinderjugendring. Was halt all diese
- 20:48Initiativen eint, ist halt diese Komponente von: Die Sachen sind lokal verankert
- 20:54und junge Menschen dürfen mitgestalten und selber erleben. Also zum Beispiel mit
- 21:00dem Kreiskinderjugendring haben wir einen neuen Raum oder beziehungsweise die Wiedereröffnung eines
- 21:05Schülercafés in Mansfeld, wo es halt bis jetzt sozusagen keinen Raum mehr
- 21:10gab, wo junge Menschen irgendwie nach der Schule oder so hingehen können.
- 21:15Dann die Finanzierung einer Ideenwerkstatt, damit die Jugendlichen auch entscheiden können, was
- 21:20sie mit dem Raum machen. Also das ist so ein sehr schönes
- 21:23Beispiel. Wir unterstützen auch die Naturwerkstatt in Schochwitz, die mit unserer Förderung
- 21:29tatsächlich die Eigenmittel bekommen für einen Liederantrag. Das ist also eine EU
- 21:34Förderung in einer sechsstelligen Höhe, wo sie dann anfangen können, dieses Generationen-
- 21:39Café, was sie aufbauen wollen in ihrem Ort, was schon komplett durchkonzeptioniert
- 21:43ist, wo der EU-Antrag dem auch schon stattgegeben wurde, wo sie
- 21:47jetzt einfach anfangen können, und wir konnten die Eigenmittel dafür besorgen. Ich
- 21:51finde das irgendwie total beeindruckend, also in dem Alter zu sagen: Hier
- 21:55wir kriegen 25.000 Euro. Ich hätte wahrscheinlich gesagt: Cool, dann verteile
- 21:58ich die jetzt so ein bisschen und an wen denn überhaupt. Und
- 22:00dass die einfach gesagt haben, wir stecken die jetzt irgendwie rein und
- 22:03wir benutzen die, um noch mehr Geld zu akquirieren und noch mehr
- 22:06Projekten zu helfen, finde ich total krass. Ich finde es total beeindruckend.
- 22:10Und so eine leise Stimme sagt aber auch: Warum müssen das denn
- 22:13so junge Menschen machen? Warum funktioniert das nicht jetzt schon mit anderen? 00:22:17.000 --> 00:22:20.000 Strukturen. Ja, ich glaube, das ist so eine Frage, die bei mir
- 22:20auch immer so ein bisschen mitgeschwungen ist, weil man ja auch viel
- 22:23wenn man über Ehrenamt spricht, auch immer darüber sprechen muss: Ja, sozusagen
- 22:27macht man es dem Staat und anderen Akteuren nicht da auch ein
- 22:30bisschen leicht. Aber ich muss auch sagen, ich war wahnsinnig beeindruckt von
- 22:33den dreien. Und ich glaube, die verstehen sich eben auch ein bisschen
- 22:35als Brückenbauer, jetzt vor allen Dingen eben auch vor der Landtagswahl und
- 22:38wollen eben sehr kurzfristig einfach ein paar Dinge verändern und da auch
- 22:43ein bisschen Geld in Umlauf bringen. Ja, und sie scheinen ja auch
- 22:45echt vor Ort gut vernetzt zu sein und ganz gezielt Projekte zu
- 22:49unterstützen. Und das klingt ja echt nach einem tollen Projekt. Genau, das
- 22:52mit dem Geld kurzfristig reingeben, das ist aber auch nur eine Seite
- 22:55von dem, was die drei da leisten. Die haben ja nämlich im
- 22:57Gespräch erzählt, dass schon allein der Austausch mit den Stiftungen und Initiativen
- 23:02ganz viel in Bewegung gebracht hat. Also zum einen gibt es auch
- 23:05immer noch ganz viel Unwissen bei den Initiativen, also vor Ort. Viele
- 23:09Engagierte kennen sich in der Stiftungsszene gar nicht aus, stecken dann lieber
- 23:12das eigene Geld in den Verein, als jetzt irgendwo Anträge zu stellen,
- 23:16hast du ja vorhin auch schon angesprochen. Und ich glaube auch, und
- 23:19Max hat das auch so ein bisschen bestätigt, das ist noch so
- 23:22ein bisschen so eine typisch ostdeutsche Mentalität, die da vorherrscht. Wir hatten
- 23:26auch Kontakt zum Beispiel ins Herbst mit einem Verein, das war auch
- 23:30ganz berührend. Die haben gesagt, toll, dass ihr uns mitgedacht habt. Und
- 23:35klar könnten wir das Geld auch irgendwie gebrauchen, aber gibt es da
- 23:37nicht wer, der das noch mehr gebrauchen könnte? Also das ist auch
- 23:40von der Mentalität her etwas, wo wir gemerkt haben, da können wir
- 23:44Wissenslücken schließen und auch das Selbstbewusstsein der Organisation stärken. Ja, das ist irgendwie
- 23:49krass, weil das ist für mich gefühlt auch ein bisschen so ein
- 23:52ostdeutsches Phänomen, dass man so ein bisschen mehr Hemmungen hier hat, nach
- 23:54Geld zu fragen oder auch Geld anzunehmen und irgendwie immer so dieses
- 23:59Gefühl habe, ist das überhaupt okay, wenn ich das jetzt irgendwie mache?
- 24:02Ich mache mich da abhängig, bin ich dann irgendwie da auch in so
- 24:04einer komischen Situation? Ich glaube auch, wir sind es eben einfach auch
- 24:09nicht gewöhnt. Wir haben es nicht gelernt und da haben wir ein
- 24:12bisschen Aufholbedarf. Und dafür kann natürlich so eine Organisation wie der Sachsen-
- 24:15Anhalt Fund wirklich eine Bereicherung sein. Und auf der anderen Seite kümmern
- 24:20die sich natürlich auch darum, dass Sachsen-Anhalt bei den großen Stiftungen
- 24:25mehr Aufmerksamkeit bekommt. Die planen zum Beispiel Ende des Jahres eine eigene
- 24:29Stiftungsreise, bei der Stiftungsvertreter mal die Initiativen in Sachsen-Anhalt besuchen und
- 24:34die Leute direkt kennenlernen. Also auch das finde ich irgendwie ganz sweet.
- 24:37Ich kann mir auch vorstellen, dass das richtig, richtig nette Momente sind, in
- 24:40denen die sich da begegnen. Und man sieht es auch, dass es
- 24:43auf großer Ebene jetzt ein bisschen was in Bewegung gebracht hat, nämlich
- 24:46beim Deutschen Stiftungstag, der jetzt in wenigen Tagen nach dem Erscheinen dieser
- 24:50Folge hier am 20. und 21. Mai in Hamburg stattfindet. Da wird
- 24:54es einen Deep Dive, also so vertiefende Vorträge zu Sachsen-Anhalt geben
- 24:58und die sind komplett ausgebucht. Also da ist richtig viel in Bewegung.
- 25:01Und ich persönlich finde, Max, Caro und Bennet können echt stolz auf
- 25:04das sein, was sie in so kurzer Zeit geschafft haben. Auf jeden
- 25:06Fall. Und es ist ja auch total wichtig, weil egal wo wir
- 25:09unterwegs sind, wir sehen ja immer, wie viele engagierte Leute es gibt
- 25:12und dass es ganz oft aber auch nur ein bisschen Geld oft
- 25:14fehlt. Du hast aber gesagt, die drei machen das ehrenamtlich neben Job
- 25:18und Studium. Soll das jetzt immer so weitergehen oder wie kann man
- 25:22sich das vorstellen? Ja, also es gibt da auf jeden Fall Gespräche.
- 25:27Die Stiftungen, mit denen der Sachsen-Anhalt Fund zusammenarbeitet, die haben schon
- 25:31signalisiert: Mensch, es ist super wichtig, was ihr da macht. Wir würden
- 25:33uns wünschen, dass ihr das weitermacht. Aber natürlich wissen die auch: Ja,
- 25:38das geht nicht ewig ehrenamtlich. Das heißt, es gibt da Gespräche, es
- 25:41ist noch nicht so ganz raus, wie es da weitergeht. Die wollen
- 25:43auch mal Ende des Jahres so ein bisschen Fazit ziehen: Was ist
- 25:45denn jetzt wirklich passiert? Wo stehen wir denn? Genau. Und trotzdem gibt
- 25:49es natürlich ganz unabhängig davon eben große Wünsche. Und da hat Caro
- 25:53zum Ende unseres Gesprächs nochmal einen ganz klaren Wunsch formuliert. Also wenn ich
- 25:59mir was wünschen dürfte, dann wäre das eine aktive Stiftungswelt, die es
- 26:06auch als Teil ihrer Aufgabe versteht, lokale Realitäten vor Ort zu verstehen
- 26:12und nicht nur das, sondern auch das lokale Wissen einzubinden. Weil es
- 26:18hilft niemandem, wenn in Stuttgart eine Referentin für Ostdeutschland sitzt, die selber
- 26:25wenig Kenntnisse vom Leben vor Ort hat und eigentlich auch nicht weiß,
- 26:29dass hier schon Bürger für Bürger eine krasse Freiwilligenagentur und irgendwie super
- 26:35viele Aktive sitzen, die man mobilisieren kann. Und der zweite Wunsch wäre
- 26:41eine Flexibilisierung in den Förderlogiken und Förderlogiken, die den aktuellen Realitäten angepasst
- 26:52sind. Es braucht nicht immer die anderthalb Millionen Euro Förderung mit irgendwie
- 27:00einem coolen Namen „Demokratie für Morgen“-Programm. Manchmal braucht es einfach einen
- 27:04Überbrückungskredit von 25.000 Euro für zwei Monate, bis die Stadt den
- 27:09Haushalt beschlossen hat. Manchmal braucht es einfach nur die Versicherung von: Wenn
- 27:15wir jetzt eine neue Landesregierung kriegen und die dann Kulturmacht stark streichen,
- 27:20dann haben wir einen Platz von einer Stiftung, der sagt: In diesem
- 27:23Fall gehe ich da rein und übernehme die Mittel. Manchmal brauche ich
- 27:27nur 5.000 Euro, um dann meinen Liederantrag zu heben. Und diese Förderlogiken
- 27:32und dieses sozusagen schnelle Handeln, das wünsche ich mir von Stiftungen, statt
- 27:38sozusagen Sektempfang in Stuttgart, vor Ort sein, zuhören, das Wissen nutzen, was
- 27:45da ist und dann agil reagieren. Das wäre ein Traum. Ja, und
- 27:51ich finde, eigentlich ist diesem Wunsch nichts mehr hinzuzufügen. Und mir ist
- 27:54in der Recherche wieder mal klar geworden, wie ungleich die Startvoraussetzungen sind
- 27:58in Ost und West. Wir haben eben nicht die großen Firmen, wir
- 28:01haben nicht das große Kapital, auch nicht die großen Stiftungen. Öffentliche Gelder
- 28:05brechen immer mehr weg und das macht es eben für die zivilgesellschaftlichen
- 28:09Organisationen schwer. Und dann wundern sich die Leute, weshalb die Wahlergebnisse eben
- 28:13so sind, wie sie sind. Ja, und gleichzeitig haben ja viele jetzt
- 28:17auch Angst, gerade im Ehrenamtsbereich, wie es nach den Wahlen weitergeht, weil
- 28:20da ja schon angekündigt worden ist, dass für bestimmte Organisationen Mittel gekürzt
- 28:24werden sollen. Und ich finde, ein ganz, ganz wichtiger Punkt, den die
- 28:27Caro da gesagt hat, ist: auf Augenhöhe agieren, richtig hingucken, richtig zuhören,
- 28:32mit Regionalexpertise und eben richtig vor Ort agieren können. Weil ich glaube,
- 28:36daran scheitert es wirklich noch ganz oft. Ja, ich finde das Tolle
- 28:39an diesem Podcast ist ja, dass wir hier eben die Chance haben,
- 28:42zu differenzieren. Denn was mir wieder aufgefallen ist: Gleichzeitig sind ja so
- 28:47Begegnungen wie mit Olaf Ebert oder eben mit Caro, Max und Bennet
- 28:50so inspirierend, weil es eben so viele tolle Menschen da draußen gibt,
- 28:54die sich den Hintern aufreißen, damit es in Sachsen-Anhalt besser wird
- 28:57und für die wir echt ganz schön dankbar sein sollten. Auf jeden
- 29:00Fall. Das ist eigentlich schon eine gute Überleitung zu unserem nächsten Thema.
- 29:07Aber bevor wir dazu mehr erzählen, haben wir hier noch unsere Newsletter
- 29:11Anne wieder im Studio. Die hat nämlich einen Veranstaltungstipp für euch und
- 29:15der wird auch von einer Stiftung ermöglicht, nämlich von der Kulturstiftung Sachsen
- 29:18Anhalt. Mein Veranstaltungstipp ist die Burg Falkenstein im Harz, denn da findet
- 29:22über Himmelfahrt ein Mittelalterfest statt. Händler und Schausteller zeigen bis Sonntag, wie
- 29:27die Menschen im Mittelalter auf der Burg gelebt haben. Mit dabei sind
- 29:31Schmiede, Steinmetze, Zimmermänner, Feuerspucker und Burgwachen, und sie zeigen, wie nach alter
- 29:36Art gefeiert und gearbeitet wurde. Die ein oder andere Prügelei zwischen den
- 29:40Wachen ist auch angekündigt und es gibt natürlich Essen, Getränke, mittelalterliche Musik
- 29:45und Tänze auf der Burg Falkenstein im Harz. Na, da drücken wir
- 29:48mal die Daumen, dass das Wetter dann zur Himmelfahrt mitspielt und wir
- 29:51dann nicht im mittelalterlichen Matsch stehen. Wenn ihr noch mehr Tipps habt,
- 29:55Lieblingsorte oder auch einen anderen Hinweis für uns, dann schreibt uns eine
- 29:58Mail oder, noch besser, wir sind ja ein Podcast, schickt uns eine
- 30:01Sprachnachricht. Das ist ganz einfach: Ihr nehmt eine Sprachnotiz auf eurem Telefon
- 30:05auf und schickt sie uns per Mail an dazwischen@detektor.fm.
- 30:09Ihr könnt unseren Podcast „Dazwischen“ natürlich nächste Woche wieder hören, dann planmäßig
- 30:13wieder mit Marie und einem neuen Thema. Das Grundgesetz hat Geburtstag und
- 30:17zu diesem Anlass hat Bundespräsident Steinmeier den Ehrentag ausgerufen. Der soll eine
- 30:22Bühne sein für all die Menschen, die sich schon ehrenamtlich engagieren, aber
- 30:25auch anderen Lust machen, das mal auszuprobieren. Dafür finden überall im Land
- 30:29ganz verschiedene Aktionen statt. Und es klang ja auch in fast jeder
- 30:33unserer Folgen schon an: Ohne Ehrenamt fehlt in vielen Regionen etwas und
- 30:37das gilt insbesondere auch für Sachsen-Anhalt. Deswegen schauen wir uns kommende
- 30:41Woche die Situation von Ehrenamtlern mal genauer an. Wo engagieren sich Leute
- 30:45und warum? Was läuft schon gut und wo hakt es? Und dazu
- 30:48würden wir gern auch von euch hören: Wo engagiert ihr euch denn?
- 30:51Und kennt ihr vielleicht Menschen, die sich ganz besonders stark engagieren? Würdet
- 30:55ihr euch vielleicht mehr einbringen, aber scheitert an irgendwelchen Dingen? Schreibt uns
- 30:59das oder schickt uns die angesprochene Sprachnachricht an dazwischen@detektor.fm.
- 31:04Wir freuen uns drauf, von euch zu hören und dann hören wir
- 31:06uns auch wieder, nämlich nächste Woche. Dieser Podcast ist eine Kooperation von
- 31:18detektor.fm und dem Media Forward Fund. Podcast-Host Marie Landes und
- 31:23Katja Schmidt und heute Leonard Schubert. Community-Redakteurin Anne Kuslowski. Agnaik Podcast-
- 31:29Redaktion: Leonard Schubert. Cover Design: Claudia Dölling und Anja Krämer von Sisters
- 31:33of Design. Originalmusik: Florian Sievers. Audio-Produktion: Benjamin Krohler, Benjamin Serdani, Stanley
- 31:39Baldauf und Tim Schmutzler. Projektleitung: Christian Bollert.