Latest / Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch / Also sprach Zarathustra - 3. Theil - 15 - Das andere Tanzlied
Transcript
- 0:00Also sprach Zarathustra ein Buch für alle und keinen dritter Teil
- 0:04Unterkapitel 15 das andere Tanzlied.
- 0:10Dieses Kapitel beschreibt eine sehr bildhafte und emotionale
- 0:13Begegnung. Zarathustra führt hier ein
- 0:15Gespräch und einen Tanz mit dem Leben selbst.
- 0:19Nietzsche stellt das Leben in diesem Text als eine Frau dar,
- 0:22eine wilde, unberechenbare, verführerische und manchmal auch
- 0:26gefährliche Frau. Gleichzeitig taucht der Begriff
- 0:30der Weisheit auf, die ebenfalls als eine weibliche Gestalt
- 0:33beschrieben wird. Der Tanz mit dem Leben
- 0:39Zarathustra erzählt, wie er dem Leben tief in die Augen geschaut
- 0:42hat, in diesen Augen sah er etwas goldenes blinken, was sein
- 0:46Herz vor Freude und Begeisterung fast stillstehen ließ, er
- 0:49vergleicht das Leben mit einem goldenen Boot, das auf großen
- 0:52Gewässern schwimmt, das Mal sinkt, mal das Wasser trinkt und
- 0:56dann wieder heranwinkt. Das Leben fordert Zarathustra
- 1:00zum Tanz auf. Sie klappert mit kleinen
- 1:02Instrumenten in ihren Händen und Zarathustra wird von einer
- 1:05wilden Tanzwut erfasst. Er möchte auf sie zuspringen,
- 1:09doch sie weicht ihm aus. Ihre wehenden Haare berühren ihn
- 1:12fast. Aber wenn er nach ihr greifen
- 1:14will, ist sie schon wieder verschwunden.
- 1:17Nietzsche beschreibt hier einen wilden Tanz über Stock und
- 1:20Stein, Zarathustra nennt das Leben eine Hexe, eine Eule, eine
- 1:24Fledermaus und eine boshafte Springerin.
- 1:28All diese Tiere und Figuren stehen dafür, dass das irdische
- 1:31Leben nicht immer nur friedlich und gut ist, sondern auch
- 1:34dunkle, wilde und ungezähmte Seiten hat.
- 1:38Zarathustra ruft dem Leben zu, dass er sie fürchtet, wenn sie
- 1:41nah ist, aber dass er sie liebt, wenn sie fern ist, das drückt
- 1:45die innere Zerrissenheit des Menschen aus, das Leben ist oft
- 1:49anstrengend und macht Angst. Aber trotzdem hängt der Mensch
- 1:52mit ganzer Leidenschaft daran, der Tanz ist so Wild, dass
- 1:56Zarathustra müde wird. Er droht dem Leben im Scherz mit
- 1:59einer Peitsche. Er sagt, er sei es leid, immer
- 2:03nur der sanfte Hirte zu sein, er will nun den Takt vorgeben und
- 2:07das Leben soll nach seiner Peitsche tanzen, die Peitsche
- 2:11ist hier ein bekanntes sprachliches Bild bei Nietzsche,
- 2:14sie steht nicht für Gewalt, sondern für den menschlichen
- 2:17Willen, der Mensch, in diesem Fall Zarathustra, versucht, dem
- 2:21wilden und chaotischen Leben einen Sinn und eine Richtung zu
- 2:24geben. Das Gespräch über die Weisheit
- 2:30das Leben hält sich bei zarathustras Drohung die Ohren
- 2:32zu und lacht. Sie sagt ihm, er solle nicht so
- 2:35furchtbar mit der Peitsche knallen, sie erinnert ihn daran,
- 2:39dass Sie beide Zarathustra und das Leben, Dinge tun, die weder
- 2:43eindeutig gut noch böse sind, sie befinden sich jenseits von
- 2:47gut und böse, Nietzsche verwendet diesen Begriff oft.
- 2:51Er bedeutet, dass wahre Schöpferkraft und das pure Leben
- 2:54sich nicht an die strengen, oft künstlichen moralischen Regeln
- 2:57von Religionen oder der Gesellschaft halten.
- 3:00Das Leben ist einfach, wie es ist.
- 3:02Das Leben sagt weiter zu Zarathustra, dass er doch
- 3:05eigentlich nur auf seine eigene Weisheit eifersüchtig sei, die
- 3:09Weisheit wird hier als eine alte, etwas verrückte Frau
- 3:12beschrieben, das Leben warnt ihn.
- 3:15Wenn zarathustras Weisheit ihn eines Tages verlassen sollte,
- 3:18dann würde auch seine Liebe zum Leben schnell verschwinden.
- 3:22Zarathustra blickt daraufhin hinter sich, denkt nach und gibt
- 3:25zu, dass das Leben recht hat, er flüstert dem Leben etwas ins
- 3:29Ohr, das Leben ist überrascht und fragt ihn, woher er das
- 3:32wisse, denn das wisse sonst niemand, was genau Zarathustra
- 3:36flüstert, bleibt ein Geheimnis, aber es geht um die tiefste
- 3:40Erkenntnis über die Welt, höchstwahrscheinlich um die
- 3:43ewige. Ewige Wiederkunft also den
- 3:46Gedanken, dass alles im Leben immer und immer wiederkehrt.
- 3:50Die beiden schauen sich an, blicken auf die grüne Wiese im
- 3:53kühlen Abendlicht und weinen gemeinsam.
- 3:57Zarathustra gibt zu, dass ihm in diesem Moment das Leben viel
- 4:00wichtiger und lieber war als all seine angesammelte Weisheit, das
- 4:05Lied, der Mitternacht, die 12 Schläge, der Abend geht in die
- 4:10tiefe Nacht über. Das Kapitel endet mit einem
- 4:13Gedicht, das in 12 Zeilen beziehungsweise 12
- 4:16Glockenschlägen der Mitternachtsstunde aufgebaut
- 4:19ist. Die Mitternacht steht bei
- 4:21Nietzsche für die tiefste und dunkelste Erkenntnis, die der
- 4:24Mensch haben kann, weit entfernt vom oberflächlichen Wissen des
- 4:28hellen Tages. Zarathustra spricht 1, Oh
- 4:35Mensch, gib 8 eine Warnung an die Menschheit, aufzuwachen und
- 4:40zuzuhören. 2. Was spricht die tiefe
- 4:44Mitternacht? Was ist das Geheimnis der Welt,
- 4:47das sich nur in der tiefsten Dunkelheit zeigt?
- 4:503. Ich schlief, ich schlief,
- 4:54Zarathustra erwacht aus einem langen Schlaf der Unwissenheit
- 4:584. Auf tiefen Traum bin ich
- 5:01erwacht, er hat den Traum des normalen alltäglichen Lebens
- 5:06durchschaut. 5. Die Welt ist tief.
- 5:10Die Existenz ist nicht einfach und flach, sondern voller
- 5:14Abgründe. 6 und tiefer als der Tag gedacht.
- 5:19Der Tag steht für die Vernunft und den normalen Verstand, diese
- 5:23können die wahre Tiefe der Welt nicht fassen. 7.
- 5:28Tief ist ihr weh die Welt ist voll von tiefem Schmerz und
- 5:32Leid, das Leiden gehört untrennbar zum Leben dazu 8.
- 5:37Lust? Tiefer noch als Herzeleid dies
- 5:41ist die wichtigste Aussage, die Freude, die Lebenslust und die
- 5:45Begeisterung sind noch viel tiefer und stärker als alles
- 5:48leid und aller Schmerz. 9 W spricht Vergeh der Schmerz
- 5:54möchte, dass alles endet, wer leidet, wünscht sich, dass der
- 5:58Schmerz und oft auch die eigene Existenz aufhört, 10 doch alle
- 6:03Lust will Ewigkeit die wahre Freude am Leben will niemals
- 6:07enden. Wer das Leben wirklich liebt,
- 6:10der bejaht es so sehr, dass er möchte, dass dieser Moment für
- 6:13immer bleibt. 11 will tiefe, tiefe Ewigkeit, die Lust
- 6:19fordert, die ewige Wiederholung aller Dinge, sie nimmt den
- 6:22Schmerz in Kauf, weil die Freude über die Existenz überwiegt, 12
- 6:28der letzte Schlag markiert das Ende der Suche es ist die
- 6:31vollkommene Bestätigung des Lebens, genauso wie es ist, mit
- 6:35all seinen guten und schlechten Seiten.